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Reiseberichte Ungarn 2012, Zypern 2011 und Gardasee – Venedig 2010

Reisebericht Ungarn 28.5. bis 1.6.2012

Budapest, Eger und Gödöllö Geschichte

Die finnugrische Urheimat erstreckte sich vom mittleren Ural nach Osten bis zum Mittellauf des Ob und des Irtys. In der Heimat Westsibirien lebte dieses Volk von Jägern, Sammlern und Fischern. 4.000 vor Christus löste sich die uralische Gemeinschaft auf. In der Mitte des dritten Jahrtausends machten sich Teile der Finnougrier zur Wolga auf und besiedelten das Gebiet des Baltikums und Südfinnlands. Die Ungarn , die sich selbst Magyaren nennen, wanderten im ersten Drittel des 9. Jahrhunderts vom östlichen Rand des Urals – ihrem ursprünglichen Siedlungsgebiet- in die Steppen nördlich des Schwarzen Meeres ein. Dort wurden sie 895 von den Petschenegen – einem der alten Turkvölker- vertrieben und wanderten nach Pannonien weiter, das früher eine römische Provinz war. Unter dem Heerfürsten Árpád (ca. 894 bis 907) erfolgte die Landnahme der Ungarn. Die treibende Kraft bei den Raubzügen der Ungarn war der Mitregent des Heerfürsten Bulcsu. 895 bis 896 besetzten sie das östlich der Donau gelegene Tiefland und Westsiebenbürgen. Danach kämpfte man gegen das Großmährische und Bulgarische Reich erfolgreich. 899 griff ein ungarisches Heer Norditalien an. 907 wurden die Bayern vernichtend bei Preßburg geschlagen. Ihre Oberherrschaft wurde bis an die Enns ausgedehnt. Die Ungarn galten als kenntnisreiche extensive Viehzüchter (Pferde und Schafe). Handwerklich widmete man sich dem Waffenschmieden. Erst im 10.Jahrhundert folgten kleine Siedlungen und Stallungen nach der rein nomadischen Lebensweise.1 Die Lebensmittelproduktion war für den Eigenbedarf gedacht. Dieser musste zudem durch Abgaben der unterworfenen Völker gedeckt werden. Im zehnten Jahrhundert wurden vierzig größere Raubzüge unternommen. Hier wurden neben mNahrungsmitteln auch Sklaven beschafft. Die Ungarn fielen in alle Gebiete des Karolingerreiches ein. 915 gelangten sie sogar bis zur dänischen Grenze, 927 im Westen bis zum Atlantik. Der Sieg bei Merseburg 933 brachte Deutschland eine Atempause. Erst der Sieg von Kaiser Otto I. auf dem Lechfeld 955 (bei dem Bulcsu und Lehel getötet wurden) beendete die Ungarnangriffe.

Die Herrschaft Stephans I. (997 bis 1038) begründete die Christianisierung des Landes. Er lehnte sich zunehmend an den deutschen Kaiser Otto III. an. Im Jahre 1000 wurde er zum König von Ungarn gekrönt. Die Stephanskrone wurde zum Symbol der Christlichkeit des Staates. 1001 wurde Gran (Esztergom) zum selbständigen Erzbistum erhoben. 1003 musste sich Gyula von Westsiebenbürgen unterwerfen. Diese Region wurde in das Königreich Ungarn einbezogen. 1030 wehrte er den Angriff des deutschen Kaisers ab und sicherte so die Existenz seines Staates. Stephan I. wurde später im Jahr 1089 heilig gesprochen. 1102 kam durch Personalunion das Königreich Kroatien zu Ungarn.

Ein wichtiges Datum der ungarischen Geschichte ist der Mongolensturm von 1241. Er deckte die Probleme des Landes bezüglich seiner Verteidigung auf. Die uneinigen Ritter trugen zur Niederlage bei Mohi am Sajó bei. König Bela IV. (1235 bis 1270) konnte sich mühevoll nach Dalmatien retten. Die Mongolen zogen sich überraschend 1242 zurück. König Bela IV. nahm danach den Wiederaufbau des Landes in Angriff. Die östlichen Landesteile waren weitgehend entvölkert worden. Die Siedlungspolitik wurde wieder aufgenommen. Die östlich der Karpaten lebenden Kumanen und Jazygen wurden als Gruppen aufgenommen und christianisiert. König Ladislaus IV. (1272 bis 1290) war kumanischer Abstammung.2

 

In der Schlacht von Mohacs von 1526 gegen die Türken verlor Ungarn nach dem Tod des Königs Ludwig II. und eines großen Teils des Adels seine Selbständigkeit. Mehr als zwei Drittel des Landes wurden osmanisch, darunter Siebenbürgen als Vasall des türkischen Reiches. Die türkischen Siege in Ungarn sind chronologisch so zu datieren: 1545. Buda, Esztergom, Fehérvár, Szeged, Nógrád, Hatvan, Veszprém und Pécs, also fast das ganze Land, sind in den Händen der Türken. 1546. Die Türken haben Ungarn in fünfzehn Sandschaks aufgeteilt. Den Ungarn sind nur Oberungarn und ein oder zwei Komitate, die an Österreich grenzen, verblieben 1547. Nicht nur die Türken, sondern auch die Österreicher schinden und schröpfen Ungarn. 1548. Luthers und Calvins Lehre verbreitet sich im ganzen Land. Nicht nur die Türken und die Österreicher sind den Ungarn feind, sie selbst befeinden sich untereinander. 1549. Die Türken nehmen den Ungarn unter dem Titel „Steuern“ alles, sogar Kinder. 1550. Eine walachische und eine türkische Heerschar ziehen gegen Siebenbürgen. Frater Georgius stellt in wenigen Tagen fünfzigtausend Kämpfer auf die Beine. Sie schlagen die Walachen, die Türken nehmen Reißaus. 1551. Königin Isabella verläßt Siebenbürgen. Frater Gregorius wird von Meuchelmördern umgebracht.3

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Der Ungarnaustand von 1956„ Ich gehöre nicht zu den Leuten, die wünschen, das ungarische Volk griffe in einem bald niedergewalzten Aufstand abermals zu den Waffen, während eine internationale Gesellschaft von Zuschauern ihm weder Beifall noch tugendsamem Tränen versagt, um dann zu ihrenPantoffeln zurückzukehren wie die Tribünensportler am Sonntagabend nach einem Meisterschaftsspiel. Im Stadion liegen schon zu viele Tote,und nur mit unserem eigenen Blut dürfen wir freigebig sein. Das ungarische Blut hat sich für Europa und die Freiheit als zu wertvoll erwiesen, als dass wir nicht mit den kleinsten mTropfen haushälterisch umgehen müssten. Aber ich gehöre auch nicht zu den Leuten, die an die Möglichkeit eines selbst resignierten, selbst vorläufigen Kompromisses mit einem Terror-Regime glauben, das ebenso sehr Anspruch auf die Bezeichnung sozialistisch hat wie ehemals die Folterknechte der Inquisition auf die Bezeichnung christlich.“ 4

Albert Camus zum Ungarn-Aufstand

Bild Ungarns nach der Machtübernahme der Kommunisten: Insgesamt erreichte die Zahl der von der Säuberung betroffenen Opfer 200.000. Einer der eher weniger spektakulären Fälle war der des Vorsitzenden der Kleinlandwirte-Partei des Bezirks Tolna. Am 1. Oktober 1949 wurde er wegen angeblicher Spionagetätigkeit festgenommen und in Isolierhaft gehalten. Auch er unterschrieb ein Geständnis, um Folter und Ungewissheit zu beenden .»Mehrere Male hörte ich die Hilferufe meiner Frau aus dem Nebenzimmer«, bezeugte er. (Offensichtlich war das die bevorzugte Methode der Beamten des ungarischen Geheimdienstes.) Nach vierzehn Monaten wurde Anklage gegen ihn und vier andere »Volksfeinde« erhoben.

 

Der Angeklagte sagte sein »Geständnis« auswendig auf und wurde zu fünfzehn Jahren verurteilt.5 Der Aufstand wurde vom Regime des Janos Kadar stets als “Konterrevolution“ bezeichnet, die öffentliche Nennung als Revolution wurde geahndet. Die DDR-Regierung begrüßte ausdrücklich das Eingreifen Moskaus als “Unterdrückung der Konterrevolution” und untersagte jegliche Kritik an den Vorgängen in Ungarn. Seit 1989 ist der 23. Oktober 1956 (der Beginn des Aufstandes) ein Nationalfeiertag in Ungarn. „Der konterrevolutionäre Aufstand in Ungarn vom 23. Oktober bis zum Mitte November 1956 zeigt, welche Folgen es haben kann, wenn der Revisionismus die Führung einer kommunistischen Partei erobert: es führt zur Entfesselung der rechtesten, reaktionärsten Kräfte, zur Entfesselung des weißen Terrors“ das meint der Stalinist auch heute noch dazu.

Quelle

http://www.redchannel.de/mlliteratur/soz_staaten/ungarnaufstand.htm

Panoramablick

An den Ungarnaufstand erinnert heute eine Museum (Haus) des Terrors in Budapest. Das Haus des Terrors ist ein als Gedenkstätte konzipiertes historisches Museum in Budapest. Es soll an die Herrschaft der Pfeilkreuzler und den nach Ende des Zweiten Weltkrieges folgenden Kommunismus in Ungarn erinnern und stellt dabei beide Regime in seiner Ausstellung gegenüber. Hier wurden während der Diktatur nach dem Zweiten Weltkrieg in Ungarn viele Menschen verfolgt, gequält und getötet. Durch schrittweisen Ausbau umfasste das Gefängnis im Endzustand den unterirdischen Bereich unter dem gesamten umgebenden Häuserblock. Es sind nicht wenige Städte in Europa, die ihre Gründung den Römern verdanken. Auch Budapest, die heutige ungarische Hauptstadt, zählt dazu. Aquincum, so der Name der Siedlung zur Römerzeit, wurde im Jahre 89 vor Christus erstmals erwähnt. Schon damals war es keine unbedeutende Niederlassung, denn Aquincum besaß einen Palast und  eine Festung. Diese Bedeutung wurde noch dadurch erhöht, dass die Siedlung Sitz des römischen Statthalters der Provinz Pannonien wurde. Ein Grund für diese herausgehobene Stellung war die ausgezeichnete Lage direkt an der ungemein wichtigen Donau. Im 5. Jahrhundert zogen die Römer ab. Bela IV. ließ im 13. Jahrhundert den heutigen Burgberg in Buda als Königsresidenz befestigen und besiedeln. Pest entwickelte sich auf der anderen Seite der Donau zu einer Kaufmannsstadt. Im 15. Jahrhundert erlebte Buda unter König Matthias als Renaissancemetropole eine Blütezeit. 1541 fiel die Stadt an die Osmanen, die Besatzung dauerte 145 Jahre. 1686 wurden die Habsburger Nachfolger der Türken. Ein neuer Patriotismus wird deutlich in der Errichtung des Nationalmuseums von 1847. 1849 wurden die beiden Städte Buda und Pest durch eine Kettenbrücke verbunden. In Pest kam es 1848 zum Aufstand gegen die Habsburger. 1873 wurden Pest, Buda und Obuda zur Hauptstadt Ungarns vereint. Der Bauboom zeigte sich im Andrassy út und im Großen Ring- beide sind Boulevards nach Pariser Vorbild. 1896 entstand die erste U-Bahn des europäischen Kontinentes. Ödön Lechner schuf eine eigene Variante des Jugendstils. Der Erste Weltkrieg brachte Ungarn starke territoriale Verluste und die Selbständigkeit. Mit der Niederlage im Zweiten Weltkriegs an der Seite des Deutschen Reiches wurde Budapest sehr stark zerstört.

Heldenplatz

Heldenplatz

 

Der Heldenplatz mit dem Milleniumsdenkmal. Es entstand 1896 zu den Feierlichkeiten der Tausendjährigen Geschichte Ungarns. Der Komplex wurde 1929 fertig gestellt. Die 36 Meter hohe Säule zeigt der Erzengel Gabriel. Auf dem Sockel steht Fürst Arpád, ihm zur Seite sind sechs Stammesfürsten positioniert. Im Hintergrund sind 14 bedeutende Ungarn von König Stephan bis zum Helden von 1848, Lajos Kossuth, versammelt.

Matthiaskirche

Matthiaskirche

Betrachten wir näher die Matthiaskirche in Budapest. Sie wurde von Matthias Corvinus (1458 bis 1490), dem jüngsten Sohn von János Hunyadi, mit dem Königsoratorium 1460 erweitert. Laut Überlieferung baute der König Stephan (1000 bis 1038) im Jahre 1015 eine Kirche. Höchstwahrscheinlich wurde die alte Marienkirche in der Zeit des Tatarensturms 1241 bis 1242 zerstört. Diesem Sturm fielen 30 bis  50 Prozent der Landesbevölkerung zum Opfer. Bela IV. (1235 bis 1270) ließ am Budaer Burgberg eine neue, befestigte Hauptstadt errichten. Das Zentrum der Stadt war die neu errichtete Marienkirche von 1247. Ludwig der Große (1342 bis 1382) ließ um 1370 die  einstige romanische Basilika zu einer hoch-gotischen Hallenkirche umbauen. Matthias Corvinus ließ auch 1470 den Südturm wieder  aufbauen. Beide Hochzeiten feierte Corvinus hier, 1461 mit der Königstochter von Böhmen, Katharina von Podiebrand , 1476 mit  Beatrix von Neapel. König Wladislaus Jagiello II. schenkte der Kirche 1515 eine Madonnenstatue. 1541 nahmen die Türken nach der Niederlage bei Mohacs 1526 mit  einer List die Burg von Buda ein. Innerhalb von 24 Stunden gestalteten sie die Kirche in eine Moschee um. Die Wände wurden in der  Eski – Moschee mit Wandteppichen verkleidet, die Madonnenstatue von König Wladislaus wurde eingemauert.6 Sultan Süleyman I. ließ es sich nicht nehmen, Allah hier für die Eroberung Budas zu danken. Die Liebfrauenkirche befand sich 145 Jahre in türkischem Besitz. Weil sie Moschee wurde, blieb die Marienkirche erhalten, die anderen Kirchen in der Burg von Buda wurden von den Türken zerstört. Am 2. 9.1686 eroberte eine von Papst Innozenz XI. organisierte Allianz die Budaer Burg von den Türken zurück. Die Eroberung als Glaubensgeschichte: „Vor dem letzten Angriff ereignete sich in der Marienkirche das Wunder der Marienstatue: bei der Explosion des Pulverturms stürzte die 145 Jahre zuvor vor der Madonnenstatue aufgezogene Mauer ein und vor den in der Moschee betenden Türken erschien die längst vergessene Statue  der Gottesmutter und Patronin der Ungarn. Der abergläubische Schrecken der Augenzeugen bezwang auch die Burgverteidiger: noch am gleichen Tag fiel die Burg in die Hände der Christen. Die siegreiche Marienstatue wurde dann bei der Danksagungsprozession durch die Straßen von Buda getragen.“7

Eger gilt als Prachtstück des Barocks. Die Stadt liegt 130 km nordöstlich von Budapest. 1552 konnte die Stadt einen türkischen Angriff abwehren.8 Unter der Führung von István Dobó gelang es den Ungarn, sich in diesem Jahr zu behaupten. 1596 fiel Eger in türkische Hand und blieb bis 1687 besetzt.9 Hier kann man Erlauer Stierblut trinken. In der Bischofskirche kann man sich ein Orgelkonzert anhören, das beeindruckend ist. 1831 wurde hier die größte Orgel Ungarns errichtet. Weiter beeindruckend das Erzbischöfliche Lyzeum, in dem ein Deckenfresko des österreichischen Malers Johann Lukas Kracker hervorsticht.

Gödöllö

Der Erbauer dieses bedeutenden ungarischen barocken Schlosses Gödöllö war Graf Antal Grassalkovich (1694-1771), ursprünglich aus einer kroatischen Adelsfamilie stammend. Eine charakteristische Gestalt des sich im 18. Jahrhundert neu formierenden ungarischen Hochadels, der persönliche Vertreter des Königs, und Günstling Maria Theresias (1740-1780). Das Schloss ist – gemessen an der überbauten Grundfläche – der größte Barockpalast Ungarns. Mit dem Bau des Schlosses wurde ab 1735 , nach Plänen und unter der Leitung des aus Salzburg stammenden. Baumeisters Andreas Mayerhoffer begonnen. 1867 gelangte das Schloß durch Ankauf in den Besitz der ungarischen Krone und wurde, bis zum Ende der Monarchie 1918, die Erholungsresidenz des österreichischen Kaiserpaares Franz Joseph I und Elisabeth. Königin Elisabeth lebte hier häufig und meinte zum Park: „Am schönsten ist der Park im Frühling und Herbst, wenn die Knospen ausschlagen, die Blumen sich öffnen, und wenn die Blätter fallen, die Blumen verwelken….” Bis zu ihrem Tode 1898 hat Elisabeth mehr als 2000 Tage, vorwiegend im Frühjahr und im Herbst, hier verbracht. In diesem Jahr reifte auch die Idee eines große nationalen Denkmals für diese Frau.10

 

 

Das Panorama der Donau

1Vgl Holger Fischer/ Konrad Gündisch, Eine kleine Geschichte Ungarns, Frankfurt am Main 1999, S. 21.

2Vgl. ebd., S.38

3Vgl. Géza Gárdonyi, Sterne von Eger, (Corvina Verlag), o.O., o.J., S. 327

4Albert Camus, Kadar hat seinen Tag der Angst erlebt, in: Fragen der Zeit, Reinbeck bei Hamburg 1977, S. 177

5Vgl. David Irving, Aufstand in Ungarn – Die Tragödie eines Volkes, München 1981

6Balázs Mátéffy, Matthiaskirche in Budapest, o.O. 2011, S. 8 f.

7Ebd,. S. 9

8 Hiervon erzählt der Roman von Gárdonyi, der oben zitiert ist

9Rita Stiens ,Marco Polo Ungarn Reiseführer , o.O., o.J. S. 87

10Vgl. Dózsa Katalin, Vér Eszter Virág, Der Mythos der Königin Elisabeth, Gödöllö 2007

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Zypern im Juni 2011

Geschichtliches Schon im 6. Jahrtausend vor Christus lebte man in Zypern in festen Häusern. In dieser Zeit gab es schon Handel mit den Nachbarvölkern. Obsidianklingen, die aus Kleinasien stammen, beweisen das. Die Ausbeutung der Kupfervorkommen des Landes begann im 3. Jahrtausend vor Christus. In dieser Zeit gab es Werkzeuge und Waffen aus Bronze. Der Export von Kupfer führte zu Reichtum auf der Insel und zu Berührungen mit den hoch zivilisierten Nachbarinseln. Während des zweiten Jahrtausends entwickelten sich religiöse Vorstellungen mit einem höheren Differenzierungsgrad. Über das kultische Leben der Bronzezeit gibt ein mauerum-schlossenes Heiligtum Aufschluss, in dem ein Einzuweihender vor stehenden menschlichen Figuren kniet. Diese halten Schlangen und tragen Stierhörner. Der Stier wird der Gottheit der Fruchtbarkeit zugeordnet, die Schlange den Göttern der Unterwelt. Beide Tiere symbolisieren also Leben und Tod. Es handelt sich hierbei um ein mystisches Ritual. Mitte des zweiten Jahrtausends gelangten Töpferwaren an die syrisch-palästinensische Küste. Das Kupfer war trotzdem der bedeutendste Exporartikel. Im 17. Jahrhundert war Zypern bei den Königen von Mari in Mesopotamien als kupfererzeugendes Land bekannt. Auch im minoischen Palast von Zakro auf Kreta wurde Kupfer aus Zypern um 1400 vor Christus gefunden. In dieser Zeit kommt es auch zu Handel mit der syrischen Stadt Ugarit, wo die Zyprer wahrscheinlich mit den Kretern zusammen trafen und die zypro-minoische Schrift entwickelten. Um die Mitte des 2. Jahrtausends entstanden die ersten Städte auf Zypern. Das beste Beispiel ist Enkomi an der Ostküste. Nach Kition an der Südküste wurde das Kupfer aus den Bergen transportiert. In den Küstenstädten wurde das Kupfer in Barrenform gebracht. Das Kupfer lockte auch die mykenischen Griechen ins Land. Sie ließen sich in Handelszentren an der Ost- und Südküste nieder. Es entstand die zypro-mykenische Kunst in Zypern. Ende des 13.Jahrhunderts vor Christus kamen die ersten Ägäer auf die Insel. Bald darauf wurde die Insel hellenisiert. Die Städte Enkomi, Kition, Paläokastro wurden mit zyklopischen Mauern umgeben. Zwei Bronzestatuen vom Enkomi sind gehörnte Götter.1

Die ersten Menschen sind in Zypern etwa 6.000 vor Zypern nachzuweisen. Die Bewohner bauten Getreide an und betrieben primitive Töpferei.2 Zwischen 4.500 und 4.000 vor Christus wohnte die Sotira Gruppe in der Nähe von Ayia Napa, die Bevölkerung nahm zu. Runde Lehm-Wohnhäuser waren auf ein Steinfundament gebaut. 1.500 vor Christus schloss Thutmosis III. von Ägypten Zypern seinem Reich an, das Land wurde damit von einem Großreich geschluckt. In dieser Zeit trieben auch die Phönizier von Tyrus und Sidon aus Handel mit Zypern. Im 13. Jahrhundert existierte eine befestigte mykenische Siedlung in der nähe von Paphos. Im 8. ahrhundert vor Christus unterstellten sich die Könige von Zypern dem König von Assyrien, Sargon II. Zehn zypriotische Könige schlossen sich 668 vor Christus dem assyrischen König Assurbanipals Angriff auf Ägypten an. Aber die Meder besiegten die Assyrer. 570 bis 525 herrschte Amasis II. von Ägypten über Zypern. 525 vor Christus schlossen sich die Könige von Zypern dem persischen Reich an. Zypern wurde ein Teil der fünften Provinz Persiens, zu der das heutige Syrien, Libanon und Israel gehörten. Die zypriotischen Stadtkönige schlossen sich 500 vor Christus der „ionischen Revolte” an. Die ionische Stadt Melitus erhob sich mit athenischer Hilfe gegen die Perser. Die Flotte der Perser wurde bei Salamis in der Nähe von Famagusta geschlagen, die Landschlacht verlorenen die Zyprioten und mussten sich danach den Persern anschließen. Melitus bezahlte seinen Aufstand mit der Plünderung und der Niedermetzelung seiner Einwohner. Die restlichen Einwohner wurden versklavt. 312 vor Christus erschlugen die Ptolemäer den letzten König von Kition; die Tempel wurden niedergebrannt. 311 beging der letzte König von Salamis Selbstmord; er wollte sich den Ptolemäern nicht unterwerfen. Bis 58 vor Christus blieb die Insel im Ptolemäerreich. Unter den Ptolemäern entstand eine religiöse Versammlung von ganz Zypern in Paphos. Zypern wurde zwischen 58 und 56 vor Christus römische Provinz, die von einem Prätor beherrscht wurde. Die Schätze wurden vom letzten König Ptolemaios als Kriegsbeute nach Rom geschleppt. 48/47 vor Christus übertrug Marcus Antonius Kleopatra und ihrer jüngeren Schwester Arsinoe die Insel. 3 Nach dem Tod des Marcus Antonius wurde dies rückgängig gemacht. Bis 22 nach Christus herrschte ein Proprätor über die Insel, danach kam ein Prokonsul. Das Christentum wurde 46 nach Christus nach Zypern gebracht. berbringer waren die Apostel Paulus und Barnabas,Sergius Paulus, Gouverneur von Paphos, wurde als erster hochrangiger Römer Christ. Paphos wurde ein bedeutendes Zentrum des Christentums, während in anderen Teilen des Reiches Christen verfolgt wurden. In den Katakomben von Paphos wurde das Christentum gepflegt – und nicht nur dort war Heimlichkeit vonnöten.

Paulus

Auf dem Bild lässt Paulus den Elymas erblinden. Der römische Gouverneur Sergius sieht Paulus verwundert zu. Elymas, ein herausragendes Mitglied der jüdischen Gemeinde von Paphos und Berater des Gouverneurs, war beunruhigt durch das Interesse des Sergius am Christentum. Paulus wurde an eine Säule gebunden und mit 39 Peitschenhieben bestraft. Seinen Ärger brachte Paulus dadurch zum Ausdruck, dass er Elymas blenden ließ.4 Seit dieser Zeit ist Paphos ein Zentrum des Christentums von großer Bedeutung. Im 3.und 4. Jahrhundert zerstörten starke Erdbeben die Stadt. Salamis wurde Hauptstadt des Landes. In dieser Zeit wurde Zypern byzantinisch. Die größte christliche Basilika wurde dort errichtet. Die byzantinischen Kaiser bestraften Anhänger des Aphrodite-Kultes streng. Von 648 an sah sich die Insel einer arabischen Invasion ausgesetzt. Die Raubzüge wurden von Abdul Halign Kaif geleitet, Sklaven und Reichtümer wurden in Mengen ausgeführt, die Bewohner flohen in Gegenden, die höher gelegen als der Hafen waren. 965 beendeteder byzantinische Kaiser Nicephorus Phokas die Raubzüge. Im 11. und 12. Jahrhundert war Paphos von den Auswirkungen der Kreuzzüge geprägt. Bedeutende Kreuzfahrer blieben in Paphos, z.B. der Herzog von Savoyen, Armendeus und Erik I., der dänische König, der dort starb.

 

Was liest man während eines Zypern-Urlaubes? Bücher aus dem griechischen Kulturkreis, z.B. Nikos Kazantzakis, “Freiheit oder Tod”, in einer etwas angestaubten Ausgabe von 1975. Die Handlung dreht sich um den Kampf der Griechen auf Kreta gegen die türkische Fremdherrschaft. „Freiheit oder Tod” schworen die Kreter, als sie zu den Waffen griffen. Protagonist ist der Kapitän Michalis, ein Frauenheld und unerschrockener Kämpfer, der in aussichtsloser Lage weiter kämpft, als andere Kreter schon resignierten. „Eine Kugel drang in seinen Mund. Eine andere durchschlug seine Schläfe. Sein Gehirn verspritzte auf den Steinen.” Die Handlung spielt 1889 . Kreta ist noch immer von den Türken besetzt und die zahlreichen Aufstände im 19. Jahrhundert– der letzte große war 1866 – und ihre Niederschlagungen hatten viele, tiefe Wunden in ihrer die Familien von Kapitän Michalis und die seines Gegenspielers Nuri Bey geschlagen. Gemeinsam aufgewachsen hatten sie einander einst Blutsbrüderschaft geschworen. Die patriotisch heroische Haltung legt Kazantzakis dem Helden folgendermaßen in den Mund: »So steht es also um euch, ihr Großmächte, ihr weigert euch, Kreta die Freiheit zu geben. Schande über euch! Ich, Kapitän Michalis, ich kleines kretisches Stachelschwein, habe euch nicht nötig! Und mag Gott Kreta im Stich lassen, ich lasse es nicht im Stich!«

Nikos Kazantzakis Brudermörder Der Roman spielt im griechischen Bürgerkrieg von 1944 bis 1949. Griechen töten einander, vereinfacht gesagt schwarz gegen rot. Im Mittelpunkt steht Pfarrer Jannaros, dessen Sohn sich den Partisanen in den Bergen angeschlossen hat. Im Dorf Kastelos wütet die Gewalt der verfeindeten Bürger. Pfarrer Jannaros zweifelt immer stärker an der Gerechtigkeit Gottes. Christus kann ihm den Versuch nicht abnehmen, zwischen den Feinden zu vermitteln. Sein Versuch scheitert: „Der Protopalikare schob die Genossen zur Seite, riß das Gewehr hoch. Die Kugel traf Pfarrer Jannaros mitten in die Stirn. Weit breitete er seine Arme aus, ohne einen Laut auszustoßen, und stürzte rücklings auf die Felsen.” Anlässlich eines toten Kindes von drei Jahren kommt es zu einem aufschlussreichen Dialog zwischen dem Pfarrer und dieser Frau: „Tot, Pfarrer Jannaros”, schrie sie, „ja auch der Kleine ist tot, und nun geh und sag das mal deinem Chef da oben! Hatte er denn nicht einmal ein winziges Stück Brot für den Kleinen? Ist er denn etwa nicht der Allmächtige, ist er denn nicht der Allgütige- und hatte nicht einmal ein winziges Stück Brot für den Kleinen?” Pfarrer Jannaros sagte nichts. Er schaute auf den kleinen grünlich verfärbten Leib, auf den unförmig aufgedunsenen Bauch, den dünnen kleinen Hals mit dem übermäßig großen Kopf, der jetzt wie ein Totenkopf aussah… Mit verzerrtem Gesicht lachte sie wieder hämisch und sah den Pfarrer haßerfüllt an, bis sie plötzlich schrie: „Was für ein Gott ist das, erkläre mir das doch, Pfarrer Jannaros – ein Gott, der die Kinder verhungern lässt?” „Still, still, Frau Areti”, mahnte er mit bittendem Tonfall, „ still, lästere nicht.” Warum soll ich nicht lästern?” sprach die Greisin. „Wovor soll ich denn Angst haben? Was kann er mir denn tun?” Sie wies auf ihr totes Enkelkind und schrie abermals:” Was kann dein Gott mir denn noch weiter antun?” Pfarrer Jannaros streckte die Hand nach dem Kinde aus, als ob er es segnen wolle. Aber die Greisin riß es zurück. „Rühr es nicht an!” schrie sie. „Wohin bringst du es, Areti?” „Begraben will ich es. Draußen auf dem Acker, mit der Hacke hier.” „Ohne Gebet und Segen? Ich komme mit dir.” Die Lippen der alten Frau bedeckten sich mit Schaum. „Gebete? Wozu Gebete! Kannst du es wieder lebendig machen? Das kannst du nicht? Dann laß mich gefälligst in Ruhe, mein Bester!” Mit diesen Worten preßte sie wieder ihren toten Enkel an sich und machte sich, weit ausschreitend, auf den Weg nach den Feldern zu. Da ließ Pfarrer Jannaros tief sein Haupt sinken. Er preßte den heiligen Kelch fest an seinen Busen: „Was kannst du dieser alten Frau sagen, mein Christus? Was können wir dieser alten Frau zu unserer Verteidigung sagen, mein Christus?” So war Pfarrer Jannaros im Begriff, den Abendmalskelch zu fragen, aber er fürchtete sich und schwieg. Er ließ tief sein Haupt sinken und nahm seinen Weg wieder auf durch die Gäßchen in Richtung auf seine Kirche.

 

Kehren wir nach Zypern zurück. Die Zeit der Keuzzüge auf Zypern kann man am besten anhand der Burg von Kolossi nachzeichnen. Der Ort hat eine landwirtschaftlich ertragreiche Umgebung und ist nur einige Kilometer vom Hafen von Limassol entfernt. Bekannt ist der Ort für seine Zuckerplantagen und für die Commandaria-Weine. Die Eroberung Zyperns durch Richard Löwenherz spielte sich folgendermaßen ab. Herausragende Gestalten des des dritten Kreuzzuges waren die Könige von England, Richard Löwenherz, von Frankreich, Philipp August und der Deutsche Kaiser Friedrich Barbarossa. Sie brachen 1990 auf. Richard Löwenherz nahm den Seeweg. Die Flotte Richards geriet in einen Seesturm und war gezwungen, in Messina zu überwintern. Dort verlobte sich Richard mit Berengaria, der Tochter des Königs von Navarra.5 Von Messina segelte Richard nach Rhodos. Nach einem Seesturm gelangte ein Teil seiner Schiffe nach Limassol. Der byzantinische Gouverneur von Zypern hieß Isaak Komnenos, er war während der Herrschaft des byzantinischen Herrschers Andronikos I. Vom byzantinischen Reich abgefallen und ließ sich zum Kaiser von Zypern ausrufen. Er versuchte, Berengaria und die Schwester Richards als Geiseln zu nehmen. Mit Sultan Saladin von Ägypten hatte er ein Bündnis geschlossen. Er hatte sich Saladin gegenüber verpflichtet, den Kreuzrittern nicht zu helfen. Als Isaak nach der Ankunft Richards nichtn sofort kapitulierte, beschloss Richard, die Insel zu erobern. Er landete in Limassol, während Isaak sich nach Koilani zurückzog. Die beiden Protagonisten einigten sich darauf, dass Richard seine Ansprüche auf Zypern fallen lassen sollte und Isaak aufhören sollte, sich den Kreuzrittern gegenüber feindselig zu verhalten, ihnen einen Beitrag von für die Bedürfnisse des Kreuzzuges zur Verfügung stellen sollte und sich mit 500 Männern am Kreuzzug beteiligen sollte. Isaak änderte seine Meinung bald, als er feststellte, dass die Streitkräfte Richards nicht so stark wie angenommen waren. Richard marschierte anschließend nach Kolossi und besiegte Isaak mit 600 bewaffneten Männern. Isaak floh in die Nähe von Nikosia. Im Mai 1191 soll Richard sich mit Berengaria vermählt haben. Sie wurde Königin von England. Sein Verbündeter Guy de Lusignan (König von Jerusalem) schloss ein Militärbündnis mit ihm. In der Schlacht bei Tremetousia wurde Isaak endgültig geschlagen. Guy de Lusignan inhaftierte Isaak bei Kantara, im Mai 1191 ist die ganze Insel unter der Herrschaft des englischen Königs. Nach der Niederlage der Kreuzritter bei Hattin 1187 entwickelte sich Zypern zum geostrategischen Juwel für neuerliche Operationen der Christen im Heiligen Land. Am 5. Juni 1191 segelte Richard nach Syrien zur Vereinigung mit anderen Kreuzrittern. Vorher nahm er den Zyprioten die Hälfte des Landbesitzes ab und gab ihn seinen Soldaten als Lehen. Richard verkaufte Zypern an die Templer, um seinen aufständischen Bruder Johann Ohneland zu Hause zu bekämpfen. Die Templer bezahlten 40.000 Golddinare, die restlichen 60.000 sollten in Jahresraten vom Steuererlös bezahlt werden. 6 Auch die Templer behielten Zypern nicht lange. Im April 1192 traten sie die Insel nach einem Aufstand an Guy de Lusignan ab, der sich hier niederließ. Er war der Dynastiegründer. Von 1192 bis 1489 herrschten die Lusignans auf Zypern. Man betrachtete diese Zeit als „goldene Periode” . Die Feudalherren unterdrückten die Bauern, Güter wurden in den Außenhandel weiter geleitet. Die überwiegend ausländischen Händler entwickelten Zypern zu einem Zentrum des Zwischen-Handels. Ammochostos war das wichtigste Handels-Zentrum der Insel. Guy gewährte Einwanderern reiche Lehen. Die Templer und Johanniter ließen sich auf Zypern nieder. Sie unterhielten eigene Festungen und Soldaten. Die Ritterorden trugen wesentlich zur Verteidigung der Insel bei. Die Assisen (Schwurgerichtssitzungen) legten die Feudalbeziehung folgendermaßen folgendermaßen fest: 1.Jeder untergebene Feudalherr war verpflichtet, beritten und bewaffnet zum Militärdienst bereit zu sein. 2. Die Dauer des Militärdienstes betrug ein Jahr. 3. Zum Militärdienst waren alle Untergebenen des Königreiches verpflichtet. Dazu kamen die sogenannten „Turcopoles”, die die leichte Kavallerie stellten- Guy gewährte diesen Soldaten, die nicht aus dem Adel kamen, kleinere Lehensgüter. Zunächst waren sie Auswärtige, später rekrutierten sie sich auch aus der einheimischen Bevölkerung. An der Spitze dieser Kavallerieeinheiten stand ein fränkischer Offizier. Ein zusätzliches militärisches Hilfscorps stellten die Orden der Templer und Johanniter. Sie unterhielten auch Festungen und beteiligten sich an Operationen im Ausland. Die Johanniter blieben in Zypern auch nach der Auflösung des Templerordens 1313. Im Jahre 1291 siedelte sich der Orden auf Zypern an. Nach dem Fall von Akkon 1291 verlegten sowohl die Templer als auch die Johanniter ihren Hauptsitz nach Lemesos (Limassol). 1302 wurde die Burg Kolossi zum Zentrum der Aktivitäten des Johanniter-Ordens. 1306 wurden die Templer die Besitzer. Kurz danach begann eine Kampagne gegen die Templer, als Papst Clemens V., vom französischen König Philipp IV. unterstützt, den Templerorden für gesetzwidrig erklärte. Letzterer beschloss die Auflösung des Ordens. Der Großmeister und viele führende Mitglieder wurden hingerichtet. In Zypern wurden die Templer in Germasogeia und Lefkara arrestiert. 1313 wurde der Prozess gegen die Templer abgeschlossen, der Orden wurde aufgelöst, in Zypern wurden die Mitglieder in der Burg von Kyreneia inhaftiert. Danach wurde die Burg und der Grundbesitz von Kolossi den Johannitern übergeben.. 1310 verlegten die Johanniter ihren Hauptsitz nach Rhodos – eine Kommanderie (Obere Militärverwaltung) blieb in Kolossi. Diese war ein sehr reiches Besitzgut. In den Ländereien von Kolossi wurden Weizen, Baumwolle, Zucker, Öl und Weine produziert. Bezüglich der Wasser- rechte waren die Johanniter im Vorteil gegenüber ihren Nachbaren von Episkopi, die Zuckerrohr- plantagen besaßen. Beide Orden – die Templer und Johanniter – spielten eine tragende Rolle beim Export zyprischer Weine. So hieß der traditionelle Rotwein Zyperns Commandaria. Der größte Teil des zyprischen Rotweines wurde im 14.Jahrhundert nach England exportiert.

Burg von Kolossi

Burg von Kolossi

Über die Gründung der Burg von Kolossi gibt es zwei Thesen. Nach der ersten ließ sie König Hugo I. 1210 erbauen. Nach der zweiten ließen die Ritter des Heiligen Johannes von Jerusalem die Burg 1454 erbauen. Erbauer der Burg war Louis de Magnac, der Großkomptur war und das Lehensgut 1450 besaß. Werfen wir noch einen Blick auf die Zuckerrohrfabrik von Kolossi. Die Zuckerrohrplantagen wurden vom Fluss Kourris bewässert. 1464 schloss die venezianische Familie Martini einen langjährigen Vertrag mit dem Johanniterorden, der die Zuckerproduktion in Pulverform gestattete. Die Familie Cornari verfügte über große Plantagen im Nachbarort Episkopi. Im Jahr 1455 protestierte der Senat Venedigs, weil die Plantagenbesitzer vom zyprischen König Jean II.(1418 bis 1458) ungerecht behandelt wurden. 1461 konfiszierte der König Louis den ganzen Pulverzucker. Das Zuckerrohr kam im 10. Jahrhundert von Ägypten. Bis ins 16. ahrhundert war es eine bedeutende Pflanze der zyprischen Wirtschaft. Fünf Jahrhunderte waren große Flächen der Insel mit Zuckerrohr bebaut. Die größten Mengen wurden in den Bezirken Limassol und Pafos produziert. Die Blütezeit begann Ende des 13. Jahrhunderts, als die Johanniter in ihrer Commanderie in Kolossi begannen, Zucker zu raffinieren. Hauptsächlich ging der Zucker an die Venezianer. 1494 besuchte der Italiener Casola die Zuckerrohrplantagen von Kolossi und erlebte 400 Menschen, die mit der Zuckerproduktion ihr Brot verdienten. Die Zuckerrohrmühle wird ins 14. Jahrhundert datiert, 1591 wurde sie renoviert, als Murad Pascha vor Zypern war. Die Reparatur wurde nötig, weil Erdbeben von 1567 und 1568 schwere Schäden verursacht hatten. Bei einer Busreise ins Landesinnere kann man aussteigen und sich fotografieren lassen. In den Bergen weht ein kühleres Lüftchen als am Strand.

Als erster Attraktionspunkt wird das Omodos -Kloster erreicht. Das Bergdorf gleichen Namens bietet nach Einschätzung von Tourismus – Fachleuten den schönsten Dorfplatz der Insel. Haupt- einnahme des Dorfes ist der Wein. Das Heiligkreuzkloster wird nicht mehr von Mönchen bewohnt. Nach einer Legende führten Splitter des Heiligen Kreuzes und ein Stück des Hanfstrickes Jesu zur Gründung dieses Klosters. Das Kloster besitzt eine Schädelreliquie des Apostels Philippus. In den Klostertrakten befindet sich das kleine EOKA-Museum, das den zyprischen Widerstand gegen die englische Kolonialherrschaft dokumentiert:

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EOKA ist die Abkürzung für griechisch Ethniki Organosis Kyprion Agoniston, das ist die „Nationale Organisation zypriotischer Kämpfer“, eine gegen Großbritannien gerichtete Untergrundbewegung der griechischen Zyprioten, die in den 1950er Jahren unter General G. Grivas für den Anschluss Zyperns an Griechenland kämpfte. Am 1. April 1955 nahm Grivas an der Spitze der EOKA den Kampf gegen die britische Kolonialherrschaft auf. Von 1955 bis 1959 führte die EOKA einen Guerilla-Krieg gegen die britischen Besatzungstruppen auf der Insel. Die britische Kolonialzeit auf Zypern endete schließlich 1960.Die EOKA wurde 1974 verboten.

Ausflug in die Berge

Wenn man in das Landesinnere fährt, kann man beim Ausstieg die etwas kühlere Luft der Berge genießen, die angenehm absticht von der schon zu großen Hitze im Juni in den Tälern. So gehört es zu den Standard-Angeboten der Tagesausflüge, das Kykko – Kloster zu besuchen. Es wurde gegen Ende des 11. Jahrhunderts vom byzantinischen Kaiser Alexios Komnenos (1081 bis 1118) gegründet. Nach den Auskünften der Überlieferung lebte in einer Höhle auf dem Kykko – Berg ein tugendhafter Eremit. Nach einer Legende wurde die Tochter des Kaisers von einer unheilbaren Krankheit befallen, nach einer anderen der Gouverneur. Der mit göttlicher Heilkraft ausgestattete Einsiedler Jesaja kurierte das Mädchen bzw. den Gouverneur7 Als Belohnung bat der Einsiedler Jesaja um die Ikone der Jungfrau Maria, die sich im Kaiserpalast in Konstantinopel befand. Ungern trennte sich der Kaiser von seinem kostbaren Schatz, schickte ihn nach Zypern und spendete das Geld zum Bau eines Klosters als würdigen Hort für das heilige Relikt. Der langjährige Präsident Zyperns, Erzbischof Makarios, war Novize in diesem Kloster, in späteren Jahren zog er sich bevorzugt dorthin zurück. Die heutigen Klosterbauten stammen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Das Kloster ist äußerst prächtig. Die Fresken stammen aus den 1990er Jahren. Neben der Marien-Ikone sieht man einen schwarzen Bronzearm. Er erinnert daran, dass ein Schwarzer den Frevel beging, sich eine Zigarette an der Öllampe der Ikone anzuzünden. Als Strafe wurde sein Arm in Bronze verwandelt. Ende der 90er Jahre wurde im Nordwesttrakt des Klosters ein Museum eröffnet. Zu den ältesten Handschriften gehört eine Pergamentrolle aus dem 12. Jahrhundert, die sogenannte Chrysostomos- Liturgie. Auf angemessenes Verhalten wird bestanden. Wer mit überkreuzten Beinen im Kloster sitzt, muss mit einem Rüffel rechnen und das in einem harschen Ton. Also aufgepasst: beide Beine auf den Boden!

Kommen wir nach Kourion, das schon in einer ägyptischen Inschrift aus der Zeit Ramses III. (1198 bis 1167) als eines der wichtigsten Königreiche Zyperns bezeichnet wird. Im Jahr 709 vor Christus huldigte der König von Kourion zusammen mit sechs anderen zyprischen Königen dem assyrischen König Sargon II. Nach dem Jahr 569 vor Christus akzeptierten Kourion and andere zyprische Königreiche die ägyptische Herrschaft. 546 war Kyros von Persien der neue Herrscher. In dieser Zeit dehnte sich die Stadt bis Paleokastro aus. Das Christentum etablierte sich zu Beginn des 3. Jahrhunderts n. Christus. Christenverfolgungen kosteten dem Bischof Philoneides unter Kaiser Diokletian (284 bis 305 nach Christus) das Leben. Hervorstechend ist das hellenistische Theater aus dem späten 2.Jahrhundert vor Christus- in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts nach Christus wurde es wahrscheinlich unter Kaiser Nero (54 – 68 n. Chr.) radikal erneuert. 77 nach Chr. führte ein Erdbeben zu schweren Zerstörungen, unter Trajans Herrschaft wurden die heutigen Dimensionen erreicht. Noch markanter ist das Haus des Eustolios. Es stammt aus dem Ende des 4.Jahrhunderts bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts . Auf einer Mosaikinschrift ist zu lesen: „Anstatt großer Steine und soliden Essens, schimmernder Bronze und auch Adament, ist dieses Haus umgeben von den hochverehrten Zeichen Christi.” Die Darstellungen von Fischen und Vögeln des Paradieses (graue Gans, Fasan, Rebhuhn, Perlhuhn und Falke) zeigen einen tiefen Glauben. Eine weitere Inschrift lautet: „Die Schwestern Ehrfurcht, Klugheit und Frömmigkeit hüten das Podium und diese zerbrechliche Halle.” Eine andere Inschrift hat folgenden Text: „Eustolios, nachdem er gesehen hatte, daß die Bewohner von Kourion, obwohl zuvor sehr reich, in ungerechtfertigter Not waren, vergaß nicht die Stadt seiner Vorfahren, aber nachdem er zuerst die Bäder unserer Stadt gestiftet hatte, kümmerte er sich dann um Kourion wie einst Phoebus (Apollon) es tat und errichtete diese kühle Zuflucht, geschützt vor den Winden.” Kehren wir in die Zeit des ausgehenden zwölften Jahrhunderts zurück. 1192 entschloß sich Guy de Lusignan seinen Erbanspruch auf die Krone von Jerusalem aufzugeben und ihn an den englischen König abzutreten. Im Mai dieses Jahres kamen die Lusignans als „fränkische Dynastie” für fast dreihundert Jahre in den Besitz der Insel. Von 1194 bis 1205 wurde Amalrich I., einer der bedeutendsten Herrscher der Insel.8 Die äußere Sicherheit wurde durch einen Burgengürtel St. Hilarion, Kyrenia und Buffavento bewerkstelligt. 1195 sandte Amalrich I. eine Delegation an den Reichstag von Gelnhausen und empfing von Kaiser Heinrich VI. ein goldenes Zepter als Zeichen der Herrscherwürde. 1197 wurde Amalrich im Dom von Nikosia zum König gekrönt – von keinem geringeren als dem Reichskanzler Bischof Konrad von Hildesheim. Die Insel Zypern wurde damit ein Lehen des Reiches und das für mehrere Jahrzehnte. 1225 kam die Ehe Friedrichs II. mit der Enkelin des ersten Zypernkönigs zustande. Der deutsche Kaiser wurde König von Jerusalem. 1228 kam Friedrich II. nach Zypern um endlich den mehrfach aufgeschobenen Kreuzzug in die Tat umzusetzen. Die Barone von Zypern wollten, dass er sie gegen den Herrn von Beirat, Johann Ibelin, schütze. Dieser wollte nicht, dass auf Zypern ein kaiserlicher Beamtenstaat wie in Sizilien entsteht, der die Lehensrechte beschränkt. Der deutsche Kaiser legte Garnisonen in Zypern an und ließ das Land durch Statthalter regieren. 1229 riss Ibelin die Macht an sich, als Friedrich nach dem Kreuzzug nach Italien zurückkehrte. 1233 gehörte Zypern nicht mehr zum Reich, 1245 erlosch die Lehensverpflichtung.9 1291 brachen die Kreuzfahrerstaaten endgültig zusammen, es strömten viele Rückkehrer nach Zypern – Geistliche, Ritter, Kaufleute; Famagusta wurde zum führenden Umschlageplatz des Handels in der Region. Ende des 15. Jahrhunderts heiratete König Jakob II. die reiche Venezianerin Caterina Cornaro. Als er starb, wurde die Witwe Königin von Zypern. 1489 dankte sie zugunsten der Stadt Venedig ab. Neunzig Jahre Venezianer-Herrschaft waren gekennzeichnet durch Schleifung der Königsburgen und Ummauerung der Städte und Schaffung von Hafenanlagen mit Molen und Leuchtfeuern. Deutsche konnten vom venezianischen Handelssystem profitieren, so der Breslauer Fernkaufmann Johannes Rindfleisch, der das Wappen der Insel führen durfte. 1491 erlebte die Insel ein schweres Erdbeben. 1571 eroberten die Türken Zypern. Ihre Herrschaft hatte schon 1517 begonnen, als die Bewohner dem Sultan eine jährliche Abgabe entrichten mussten. Unschönes Detail am Rande: Der venezianische Statthalter von Zypern hieß Mercantonio Bragadin. Mustafa Pascha, der Eroberer, ließ ihn mehrere Tage foltern und danach töten. Nicht nur das – man schnitt ihm Ohren und Nase ab und häutete ihn bei lebendigem Leibe. Mustafa war wütend, weil Bragadin die seiner Meinung nach großzügigen Kapitulationsbedingungen verletzt hatte, indem er muslimische Pilger, der Freilassung vereinbart war, exekutieren ließ.

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Traditionelle Politik der Türkei war es seit eh und je, den türkischen Bevölkerungsteil in dem eroberten Gebiet durch Zwangsbesiedelung zu vermehren. Sultan Selim verfuhr auch in diesem Fall so, vor allem Bauern sollten nach Zypern – es waren rund dreißig tausend Menschen. Dazu kamen noch Freiwillige. Die Venezianer hatten sich unbeliebt gemacht, weil die Einheimischen auf Zypern zu einem Sklavendasein verurteilt waren. Die türkische Herrschaft erwies sich insofern als erträglicher, als unnötige Abgaben gestrichen wurden, andere erleichtert wurden. Auf die Rechte der einheimischen Bevölkerung wurde geachtet.10 Beim Haus- oder Landkauf durfte ein Türke nur berücksichtigt werden, wenn ein Grieche kein Interesse hatte. Im Gegensatz zu den katholischen Lusignans und Venezianern, die orthodoxe Kirchen geschlossen hatten und deren Besitz ihrer Kirche übereignet hatten, gaben die Türken den Orthodoxen ihre Kirchen zurück. Der Erzbischof wurde aus der Verbannung zurückgeholt und als nationaler Sprecher der Griechen auf der Insel anerkannt. Die Kirche war von Steuerabgaben befreit, für christliche Untertanen war als Steuereintreiber ihr Erzbischof zuständig. Der Erzbischof durfte bei Bedarf mit dem Großwesir sprechen. Bedeutendste Festungen, die von den Türken erbaut wurden, sind die von Paphos und von Larnaka. Markante Moscheen entstanden in Nikosia – die Arab-Ahmet-Pascha- Moschee und die Sarayönü-Moschee – und in Dali – die Moschee des Dichters Ziya Pascha. Auf Zypern liegt ein Derwischkloster mit dem Grab Umm Harams. 11 Sie war eine Tante des Propheten, die 649 zusammen mit ihrem Mann am ersten Kriegszug der Araber gegen Zypern teilgenommen hatte. Das Grab in Larnaka ist ein Heiligtum und vergleichbar mit der Kaaba in Mekka und dem Grab Mohammeds in Medina.12 Eine der ersten Taten der Türken nach der Eroberung war die Wiedererrichtung dieses Grabmals, das jetzt zu besichtigende stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, die Moschee entstand etwa 50 Jahre später. Vorbeiziehende türkische Schiffe begrüßten bis zum Ersten Weltkrieg Umm Haram mit Kanonendonner. Die Kirchen, die die Venezianer in Zypern zurückließen, wurden von den Türken in Moscheen verwandelt. Das Verwaltungssystem der Türken – Einteilung des Landes in sechs Kreise Nikosia, Famagusta, Larnaka, Limassol, Paphos und Kyrenie – bildet auch heute noch die Grundlage des Verwaltungssystems der Insel.

 

1878 wurden die Türken von den Engländern als Herren Zyperns abgelöst. Für sein Abdanken auf Zypern wurde der Türkei von den Engländern im Gegenzug Hilfe gegen das sich ausbreitende Zarenreich zugesagt. Geostrategisch war Zypern besonders wichtig seit dem Bau des Suezkanals 1869. Hier konnte die Kronkolonie Indien besonders gut im Auge behalten werden. Während des Ersten Weltkrieges wurde Zypern der Anschluss an Griechenland in Aussicht gestellt – Zypern war vorher von England annektiert worden. Griechenland nahm jedoch nicht am Ersten Weltkrieg teil. 1925 wurde die Insel Britische Kronkolonie. Forderungen nach Anschluss der Insel an Griechenland wurden Anfang der 1930er Jahre erhoben, es kam zu blutigen Aufständen. Gegen die Achsenmächte entstand jedoch ein „Cyprus Regiment” aus Griechen und Türken der Insel, das der britischen Armee unterstand. Danach verbesserte sich das Klima und es wurden 1943 wieder Kommunalwahlen zugelassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg lehnte Großbritannien nach wie vor die Enosis ab. Hier trat zum ersten Mal Erzbischof Makarios III. auf, der das Thema 1950 zum ersten Mal vor die UNO brachte. Makarios wurde am 20. Oktober 1950 im Alter von 37 Jahren zum jüngsten Erzbischof in der Geschichte der orthodoxen Kirche Zyperns gewählt. Nach der Evakuierung des Suezkanals 1954 wurde Zypern für Großbritannien immer wichtiger als Nachschubbasis einer mobilen Eingreif-truppe. 1955 entstand unter General Grivas die EOKA. (Siehe dazu Einlassung zum EOKA- Museum). Als Gegenpol gründeten die Zyperntürken die TMT (Türkische Verteidigungsorganisation), die ebenfalls gewaltsam vorging. 1956 wurde Makarios auf die Seychellen verbannt und kehrte 1957 zurück. Da die Insel für Großbritannien nach der Niederlage in der Suezkrise keine überragende geostrategische Rolle mehr hatte, wurde ein Kompromiss gefunden, der sowohl die Enosis als auch die Teilung der Insel ausschloss.

 

Unabhängigkeit Zyperns 1960

Am 19. August unterzeichneten Makarios III., der Vertreter der Inseltürken Dr. Kücük sowie die Staatschefs Großbritanniens, Griechenlands und der Türkei das Londoner Abkommen, in dem Zypern unabhängige Republik wurde. Ihr erster Präsident wurde erwartungsgemäß Makarios III. Im Parlament waren 35 griechische und 15 türkische Abgeordnete vertreten.Großbritannienkonnte zwei Militärbasen – Akrotiri und Dekeleia- als exterritoriales Gebiet behalten – das waren etwa drei Prozent der Inselfläche. 1960 kam Zypern in die UNO, 1961 in den Europarat. Die Inselgriechen waren nach wie vor für die Enosis. Der überproportionale Einfluss der Türken in der Volksvertretung und in den öffentlichen Ämtern, der bei 30 Prozent lag, war ihnen ein Dorn im Auge. 1963 kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Bevölkerungs- gruppen. 1964 verließen die türkischen Vertreter das Parlament. Die türkische Bevölkerung zog sich in Enklaven zurück. Sie durften von den Inselgriechen nicht betreten werden. Die UN entsandte eine Friedenstruppe von 6.000 Mann nach Zypern. 1967 ergriff eine Militärjunta unter Georgios Papadopoulos die Macht in Griechenland- zu ihm gesellten sich Pattakos und Makarezos als Junta- Generäle. In dieser Zeit wollte Makarios die Enosis nicht mehr realisieren – aus Gründen der Ablehnung der Militärdiktatur. Am 15. Juli 1974 initiierte die griechische Militärjunta einen Staatsstreich gegen Makarios – dieser floh nach Pafos und dann nach England. Der Zeitungsverleger Nikos Sampson – der „Schlächter von Omorphita”, der an zahlreichen Massakern an Zyperntürken teilgenommem hatte – wurde Präsident. Fünf Tage danach landete türkisches Militär auf der Insel. Bis Mitte August wurde ein Drittel der Insel von den Türken besetzt. Etwa 160.000 griechische Zyprioten flohen vom Norden in den Süden, etwa 45.000 Türken vom Süden in den Norden. Schätzungsweise achtzig tausend Festlandtürken wurden in Nordzypern angesiedelt.13 Den Flüchtlingen wurde nicht erlaubt, nach Nordzypern zurückzukehren. Nach der Rückkehr von Makarios am 8. Dezember 1974 blieb die Insel geteilt. 1975 proklamierten die türkischen Zyprioten den „Türkischen Bundesstaat Nordzypern” und 1983 die „Türkische Republik Nordzypern”. Sie wurde bisher nur von der Türkei anerkannt. Der Kontakt zwischen den Bevölkerungstruppen war dreißig Jahre fast unmöglich. 2003 kam eine Grenzöffnung zustande. 2004 trat Zypern der Europäischen Union bei. Juristisch gehört die ganze Insel zur EU, de facto nur der griechische Südteil. Der türkische Teil hat einen Sonderstatus.14 2004 stimmten die Zyprer über einen Plan des früheren UN-Generalsekretärs Annan zur Wiedervereinigung der Insel ab. 65 Prozent der Nordzyprer stimmten mit Ja. Die Zyperngriechen stimmten mit 76 Prozent der Stimmen dagegen. Ihr Nein war begründet durch einige unannehmbare Bestimmungen des Planes

35.000 türkische Soldaten sollten im Norden bleiben

die Türkei hatte ein Interventionsrecht

die türkischen Siedler aus Anatolien sollten anerkannt werden

Einschränkung des Rückkehrrechtes griechischer Zyprioten nach Nordzypern

Als Hauptproblem einer potentiellen Wiedervereinigung kann die Forderung der Griechen im Süden gelten, Grund und Boden aus der Zeit vor der Vertreibung 1974 im Norden wieder zu erhalten. Tassos Papadopoulos war in dieser Zeit Präsident der Republik Zypern – er agierte besonders hart gegen den Plan Annans.15

Werfen wir noch einen Blick auf Limassol. Die Stadt wurde nach 1974, als Famagusta in den türkischen Bereich der Insel fiel, wichtigster Hafen des Landes. Die Stadt wuchs durch die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Norden (45.000) und Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem Libanon nach der türkischen Invasion rasch an. In den 80er Jahren kauften Libanesen Immobilien in der Stadt, kehrten aber später wieder ein. Eine lange Tradition haben in der Stadt Weinkellereien und Konservenfabriken. Mitte der 90er Jahres des letzten Jahrhunderts sind viele russische Kaufleute nach Limassol gekommen. Das bedeutendste Bauwerk ist die Festung.In ihr soll Richard Löwenherz 1191 seine Berengaria geheiratet haben. Sie wurde im 13. Jahrhundert auf Resten einer Befestigungsanlage errichtet. Im 14. Jahrhundert fiel die Festung an die Lusignans,danach an die Johanniter, unter denen die quadratische gotische Halle im Erdgeschossentstand. Der englische Führer meint zur Baugeschichte in dieser Zeit: „The destruction of the medieval phase of the castle happened during the Genose raids in 1373 where they are reported to have assailed the castle and torched the town. During the 14th century travellers also reported that the city was in shambles and also uninhabited. It appears that the castle underwent repairs by the beginning of the 15th century, since it was an element of the city’s defences against Genoese attacks in 1402 and 1408. A 14th century tombstone, found during the construction of the Church of Panagia Katholiki and depicting a castle with three towers, may refer to the form of the castle during this period. In 1413, the castle successfully withstood the first attacks by the Egyptian Mamelukes, but could not stand against the attack of 1425, most likely due to the damage incurred from the first attack as well as the subsequent earthquakes.16 Durch eine Wendeltreppe gelangt man auf das Dach, das einen schönen Blick über die Altstadt und das Meer bietet. Im Mittelaltermuseum finden sich Grabsteine aus dem 14. und 16. Jahrhundert und ein Teil des Silberschatzes von Lambousa.

Limassol

Die Jolly Roger in Paphos bietet eine Entertainment-Fahrt durch das Mittelmeer. Hier einige visuelle Eindrücke davon. Man kann währen der Fahrt im Meer baden. Der Entertainer aus Wales singt und reißt Witze. Man kann die Figuren des Seeräubers und seiner Geliebten bewundern. Insgesamt ein Ausgleich gegenüber viel Geschichte und Kultur. Ein angenehmer Wind lässt die Hitze erträglich erscheinen. Doch sollte man Hemden mit Ärmeln tragen, da der Wind die stechende Sonne nicht daran hindert, die Haut auf den Schultern und auf den Armen zu röten. Ein Huhn als Rhodeländer ist sicherlich fotogener als ein Mensch. Gibt es Rhodeländer auf Zypern? Eine Frage, die unbeantwortet bleiben muss! Betrachten wir die Bläue des mediterranen Meeres, dann kann man die Rhodeländer vergessen.

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Fußnoten

1 Vgl. Vassos Karageorghis, Kupfer hat Kypros reich gemacht, in Merian Zypern Heft 10/XXIII, S. 28 f.

2Vgl. Dick Richards, Die Geschichte Zyperns in nur zehn Kapiteln, Limassol 1992, S. 7

3 Vgl. Wikipedia Geschichte Zyperns, S. 8

4 Vgl. Renos Lavithis, Paphos – Land der Apphrodite (Reiseführer), London 2004, S. 9

5 Vgl. Ekaterini Ch. Aristidou, Die Burg von Kolossi durch die Jahrhunderte, Nikosia 2005, S. 9

6Vgl. ebd., S. 13

7 Fest steht zweifelsfrei nur, dass es sich nicht um den Esel des Kaisers handelt

8 Vgl.: Walther Hubatsch, Wie ein Ritterroman,in: Merian Zypern Heft 10/XXIII, S. 40

9 Vgl. ebd.

10 Vgl. Vergi H. Bedevi, Auf Sultan Selims Ferman, in: Merian Zypern Heft 10/XXIII, S. 47

11Vgl. ebd., S.48 f.

12Vgl. ebd., S.48 f.

13 Vgl. Dick Richards, a.a.O., S. 59 f.

14 Vgl. Baedecker Zypern, Ostfildern o.J., S. 53

15 Vgl. ebd.

16 The Medieval Museum of Cyprus in the Lemesos Castle (englischsprachiger

Museumsflyer)

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                                  Meer bei Pafos

Hier noch ein Foto des Piratenschiffes Jolly Roger

 Werfen wir noch einen Blick auf das Aliathon Holiday village, eine Art pool – durchsetztes Ferienparadies in Pafos.

Christian Schauer  September 2011 bis Januar 2012 Ende Zypern-Reisebericht ———————————————————————————————————– Anhang zum Zypern-Reisebricht  Sperbergrasmücke   Zyprischer Steinschmätzer

 

Vogelfang in Zypern – Impressionen im Juni 2011

Wie in anderen südeuropäischen Ländern ist das Töten von Vögeln und anderen Tieren eine weit verbreitete „Sportart”. Mit traditioneller Jagd hat dies nichts zu tun, zum Überleben hat diese Art von Jagd nichts zu tun. Im griechisch zypriotischen Teil gibgt es etwa 35.000 Jäger mit offizieller Lizenz (Stand:Anfang der 90er Jahre) Die Leimrute ist eine alte, traditionelle Methode des Kleinvogelfangs. In Gebieten mit hoher Vogeldichte übt dieses „Sport” fast ein Mitglied pro Familie aus. 1980 wurden allein im Gebiet von Paralimni 50.000 bis 84.000 Vögel gefangen. Eine weitere Methode des Vogelfangs sind Netze. Sie werden zusammen mit Fischernetzen in Geschäften angeboten. Die illegale Jagd mit dem Auto ist auch weit verbreitet, obwohl sie illegal ist. Während der Nacht wird diese Jagd mit Autoscheinwerfern ausgeübt. Durch das dichte Straßennetz in den Bergen haben die Vogelfänger leichtes Spiel. 1982 fanden sich am ersten Tag der Turteltaubenjagd über 1000 Jäger am Salzsee von Akrotiri ein, um diesen Vögeln aufzulauern. Im selben Jahr töteten Vogeldiebe sämtliche Wasservögel in Fasouri. Hauptmaßnahme zum Tierschutz ist die Schaffung großer Zonen, in den die Jagd das ganze Jahr verboten ist. Das „Komitee gegen Vogelmord” fordert in einem Protestmail an Umweltminister Dimitris Eliades, Innenminister Neoklis Sylikiotis und Justizminister Loukas Louka ein Ende dieser Unart. Darin heißt es: „ Sehr geehrte Herren Minister, die illegale Verwendung von Leimruten und Netzen zum Vogelfang ist auf Zypern immer noch weit verbreitet. Diese Fanggeräte sind unselektiv und haben einen erheblichen Einfluss auf mehr als 100 Zugvogelarten. Die meisten davon sind selten geworden und in ihrem Bestand gefährdet. Vogelfang wird heute nicht mehr zur “Selbstversorgung” betrieben und ist keine “alte Tradition”. Vielmehr handelt es sich inzwischen um organisierte Kriminalität mit großen Gewinnspannen für professionelle Wilderer, Mittelsmänner und das Gaststättengewerbe. Die Wilderei auf Zypern ist ein ernst zu nehmendes Problem. Die unselektiven Methoden bedeuten den Tod von Millionen Sing- und Zugvögeln, die Zypern auf ihrem Flug über das Mittelmeer als Trittstein nutzen müssen. Die Zugvögel brauchen das entschiedene Handeln der zuständigen Behören. Ihr Ministerium kann hier eine Schlüsselrolle spielen. Wir brauchen ein klares Bekenntnis gegen den Vogelfang und energische Schritte gegen Restaurants, die immer noch geschützte Vögel verkaufen. Ich hoffe deswegen, dass Sie die Möglichkeiten Ihres Amtes nutzen, um zypriotisches wie europäisches Naturschutzrecht besser umzusetzen.” Sperbergrasmücke auf zypriotischer Leimrute – siehe oben Internetseite: http://www.komitee.de/content/start

http://www.komitee.de/content/zypern-protest-2010-0

 

In Zypern nisten die Rauchschalbe, die Mehlschwalbe, der Blaßspötter, der Mauersegler und Fahlsegler. Arten, die es nur auf Zypern gibt, sind die Zyprische Zwergohreule, der Zyprische Steinschmätzer- hier im Bild als Briefmarke- (siehe oben) d ie Zyprische Grasmücke, der Zyprische Gartenbaumläufer, die Zyprische Tannenmeise und die Zyprische Kohlmeise.Die Zyprische Zwergohreule hat mittelgrosse Federohren, sie brütet Ende April 3- 5 Eier und ernährt sich überwiegend von Insekten. Ihr Nistplatz sind Baum- und Mauerlöcher. Sie bleibt das ganze Jahr auf der Insel.Beim Zyprischen Steinschmätzer handelt es sich um einen Vogel, dessen schwarze Färbungbeim Männchen von den Flügeln bis zum Rücken und von den Seiten des Kopfes bis zur Kehle reicht. Er pflanzt sich auf der Insel fort und wandert im Winter nach Äthiopien und in den Norden des Sudans. Der Zyprische Gartenbaumläufer ist eine heimische zypriotische Form der Art Gartenbaumläufer. Er ist ein ständiger Bewohner der Wälder des Troodos. Bei der Zyprischen Kohlmeise ist der Bauch cremefarben, fast weiß, anstelle von gelb bei der Stammart. Sie ist eine ständige Bewohnerin Zyperns. Auch die Zyprische Tannenmeise ist eine heimische Unterart Zyperns. Das Schwarz an der Kehle reicht nicht über die Brust und den Bauch hinweg. Der Kopf der Zyprischen Elster ist am oberen Teil schwarz gepunktet. Sie ist ein ständiger Bewohner der Insel. Ihre Flügel sind schwarz mit einem dunkelblauen Bereich und einem weißen Fleck. Sechsundvierzig Vogelarten verbringen das ganze Jahr auf der Insel und 27 Arten der Zugvögel nisten und pflanzen sich auf der Insel fort. Zu letzteren kommen noch 24 Arten Zugvögel, die nur gelegentlich auf der Insel nisten. 243 Arten kommen nur zum Überwintern auf Zypern oder machen dort Zwischenstation. Das vogelreichste Gebiet sind die Wälder des Troodos-Gebirges.

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Venedig und der Garda-See – Reisebericht Anfang August 2010

Venedig bei Regen Preis: 28.- Euro für sechs Stunden Parken. 71.- Euro für drei Snacks und vier Getränke. Der Markus-Platz bei Regen – anstehen etwa 30 Minuten, um in die Kirche rein zu kommen. Eine mystische Kirche von exorbitanter Qualität. Der Byzantinismus von Sankt Markus. 452 hatte sich die Stadt Aquilleia aus einem römischen Castrum entwickelt.Man floh vor Attila auf die Inseln, die von Bauern und Fischern besiedelt waren. Als immer mehr Flüchtlinge kamen, hieß es „Da kommen ja immer noch welche” (Veni etiam). Die Neubürger wurden zu Venetianern. Cassiodor schreibt: „Dort, in diesem Gebiet, um welches Meer und Erde sich streiten, habt ihr euch Häuser aufgerichtet wie die Nester von Wasservögeln; Durch Faschinen und kunstvolle Dämme wußtet ihr eure Wohnungen miteinander zu verbinden; den Meeressand häuftet ihr an, um die Wut der Wellen zu brechen, und der scheinbar schwache Wall trotzt der Stärke des Wassers.” Der Brief wurde zu Anfang des 6. Jahrhunderts geschrieben. Es ging um den Levantehandel, also um Schiffsverkehr mit Kleinasien und Ägypten. Die Schiffer führten seit geraumer Zeit solche Operationen durch. Narses besiegt wenig später das Ostgotenreich. 568 verwüsten die Langobarden Aquileia- etwa 580 zog sich Paulinus, Patriarch von Aquileia, auf Grado – die nördlichste der Lagunen-Inseln- zurück. Laß die Gondeln Trauer tragen. Der erste Doge hieß Paoluccia. Er mußte gegen Langobarden Kriege führen. Luitprand, König der Langobarden, pflegte zu ihm beste Beziehungen. Der zweite Doge hieß Marcello Tegaliano und regierte von 717 bis 726, Orso Ipato von 726 bis 737. Die Langobardenkönige schicken sich an, ganz Italien zu erobern, an der Grenze zu Venetien herrscht weitgehend Ruhe. Dem nächsten Dogen Deusdedit werden byzantinische Kontrolleure zur Seite gestellt (um die Jahrhundertmitte stieg der Einfluß von Byzanz wieder). Die Dogen residieren jetzt in Malamoco. Orso Ipato wurde 726 der erste von Venezianern gewählte Doge (in der Zeit von Kaiser Leo III). Der Sitz des Dogen befindet sich seit 811 auf der Insel Rivoalto. Rialto liegt am Canale Grande- der Hauptverkehrsader der Stadt. Für den Levante-Handel lohnte es sich, nach Alexandria zu fahren. Hier lag der Apostel Markus begraben- in einem kleinen Mausoleum. Schreiber beschreibt es ironisch: „Nun, die beiden Venezianer erhielten einen einbalsamierten Leichnam, eingeschlagen, versiegelt und rücklings in einem flachen Mumienkorb liegend, wie die Tradition es vermeldete. Sie bedeckten die kostbare Fracht mit allerlei unverdächtigen Lebensmitteln, unter die sie wohlweislich auch Schinkenspeck mischten, weil diesen die Mohammedaner nicht berühren durften, und dann ging es eilends aufs Schiff. Alles, was vom Vorher und Nachher sonst wohl erzählt wurde, ist gewiß Legende.”1 Dies geschah im Jahr 828. Bedeutende Pilger besuchtenVenedig. Papst Benedikt III. 853, Kaiser Otto III.im Jahr 998, Papst Leo IX. im Jahr 1053. Händler und Seefahrer, denen der Levante-Handel Wohlstand gebracht hat, verlassen den Hafen Torcello und siedeln in die Stadt um. Brücken verbinden die Inseln. An den Häusern entstehen Öffnungen zum Abladen der Waren (Rivas), eine Vorhalle (Fondaci) ist Schutzund Zugang zu den Lagern. Der Bau der Dogenkapelle beginnt 829. Daneben existiert eine „Palazzo Comune”.Der Markusdom ist in seine byzantinischen Bauweise einmalig auf italienischem Boden. Der heilige Markus gehört zu den Evangelisten. Venedig strebt nach Unabhängigkeit von Konstantinopel. Um 1000 nach Christus beherrscht die Stadt die adriatischen Küsten von Dalmatien bis Apulien sowie die Küsten des östlichen Mittelmeeres.

 

Kehren wir in das 9. Jahrhundert zurück. Mit Tradonico wurde die Reihe der Partecipazio-Dogen unterbrochen, die seit 809 Amtsinhaber gewesen waren. Er soll ein sehr machtbewußter und durchsetzungsfähiger Doge gewesen sein, wie es venezianische Chronisten überliefern. Er regierte von 836 bis 864.Er wurde vor allem als Schiffbauer bekannt. Er baute die größten Kriegsschiffe, von denen man damals gehört hatte- die Gaggiandre. Er konnte weder lesen noch schreiben. Der Doge verlieh die Flotte an den Kaiser im Osten gegen die Sarazenen und im Westen an den Kaiser gegen die Seeräuber Dalmatiens. Venedig selbst bekämpfte die Piraten. Die alten Geschlechter bekämpften ihn, so bildete er um sich eine Leibwache aus kroatischen Söldnern. Als Tradonico am 13. September 864 die Kirche von San Zaccaria verließ, ermordeten ihn seine Gegner. Der nächste Doge hieß Orso Partecipazio I. Und behielt die kroatische Garde, die den Regierungssitz tagelang verteidigt hatte. Venedigs Rolle im Kreuzzug 1202 sollte Konstantinopel erobert werden. Die Venezianer hatten sich verpflichtet, ihre Handels- und Kriegsschiffe für den Transport des Kreuzheeres zur Verfügung zu stellen. Die Kreuzfahrer fuhren durch Burgund und versammelten sich in Venedig. In San Niccolò auf dem Lido wurde ein großes Zeltlager aufgeschlagen. Venedig verlangte eine gewaltige Summe für die Bereitstellung der Schiffe, die nicht erreicht wurde, sie konnte nicht aufgetrieben werden. Der Doge Enrico Dandalo wies den Ausweg in einer Ansprache an die Venezier. Er bat sie, ihn für den Kreuzzug freizugeben, seinen Sohn mit seiner Stellvertretung zu Hause zu beauftragen und einzuwilligen, daß das Kreuzheer, statt die Restsumme zu bezahlen, die Stadt Zara zurückerobere, die der König von Ungarn bei seinem Vorstoß nach Kroatien und an die Adria der venezianischen Oberhoheit entrissen hatte. Unter allgemeiner Rührung und Anteilnahme auch der Kreuzfahrer wurde dieser Handel gutgeheißen.2 Die Dogenfamilie Dandalo wird um 1130 erwähnt. Der Patriarch von Grado ist der Onkel des Dogen Enrico Dandalo I. 1201 kam der Transportvertrag zustande. Rechnete Dandalo damit, daß die vor allem aus Frankreich kommenden Ritter an einer ertragreichen Raubfahrt mehr interessiert seien würden als an einem Kreuzzug? Der Papst jedenfalls wirkte gegen Dandalo, indem er jeden mit Bann bedrohte, der an der Erstürmung der Stadt Zara für Venedig kämpfen würde. Die Eroberung der Stadt Zara gelang, weil die Bürger dieser Stadt die Aussichtslosigkeit ihres Widerstandes erkannten. Enrico Dandalo schlug vor, in der Stadt zu überwintern. Gewohnheitsgemäß wurde die Stadt geplündert. Blut floß erst am dritten Tag, als die Venezianer die Beute auf die noch offenstehende Schuld anzurechnen wünschten. Die Venezianer zogen den kürzeren. Ägypten war von Papst und Kreuzfahrerheer als Angriefsziel des Kreuzzugs ausersehen. Da Ägypten der Haupthandelspartner Venedigs war, lag dies nicht im Interesse des Dogen. Es war die Wahrheit des Warenumschlags zwischen den Nilschiffen und den Kauffahrern aus Venedig, die für die Haltung Venedigs verantwortlich war. Wäre das Kreuzfahrerheer auf venezianischen Schiffen nach Ägypten gekommen, hätte Venedig diesen Absatzmarkt sicher an Pisa verloren. Dandalo hatte ein Interesse, das Kreuzfahrerheer zu entführen. Dandalo brachte Byzanz ins Spiel. Dort konnte eine Ausgangsbasis für den Marsch nach Syrien gewonnen werden. Dandalo und die Franzosen entwarfen nach gescheiterten Verhandlungen einen Plan zur Aufteilung des Byzantinischen Reiches. Im 20. Jahrhundert könnte man ihn mit dem Hitler-Stalin-Pakt3 vergleichen. 1.Nach Besetzung und Plünderung von Konstantinopel soll ein neuer lateinischer Kaiser gewählt werden- von jeweils sechs Wahlmännern aus jeder Angreiferpartei 2.Kirchliche Regelungen 3.Alles byzantinische Land soll in vier gleiche Teile geschieden werden, eines soll dem Kaiser gehören, die anderen drei sollen unter Venezianer und Franzosen aufgeteilt werden 4.Regelung der Verteilung der Beute 5.Die Armeen sollen ein Jahr in Konstantinopel bleiben (Kreuzzug offiziell verabschiedet) 6.Aufforderung an den Papst, jene mit dem Bann zu belegen, die einen Punkt dieses Vertrages nicht erfüllen Am 12. April 2004 gelang die Eroberung Konstantinopels. Das Kreuzheer wurde zum Plündererheer. Alexios V. Dukas, der Kaiser, vermochte zu fliehen. Es kam zu tagelangem Raub, zu Plünderungen großen Ausmasses. Obwohl in der Stadt niemand mehr Widerstand leistete, wurden noch mehr als zehntausend Einwohner getötet. Bonifazius von Mentferrat rief dazu auf, alle Beute in drei Kirchen zusammenzutragen und sie zu schätzen. Venedig kassierte 35.000 Mark Silber. Dandalo verzichtete auf die Lateinische Kaiserwürde, gewählt wurde Balduin von Flandern. Dieser unterlag im Jahr darauf bei Adrianopel Johannes von Bulgarien und wurde nach furchtbaren Martern wilden Tieren vorgeworfen. War das vielleicht ein gerechtes Schicksal. Das lateinische Kaiserreich bestand bis 1261. Zum Beutemachen heißt es: „Sie plünderten ungescheut nicht allein den Besitz der Menge, sondern auch das dem Gottesdienst Geweihte… Wie wurden die angebeteten Bilder schimpflich zu Boden geworfen! Wie wurden die Reliquien der für Christus gestorbenen Märtyrer an unheilige Örter geschleudert! … Jedermann war an diesen Tagen in Not; Wehklagen und Tränen waren auf allen Straßen und Plätzen und in allen Kirchen, Wegschleppung, Schändung, Knechtung, Gewalttat überall. Es gab nichts, was undurchsucht geblieben wäre.

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Veröffentlicht 11. Mai 2014 von schauerchristian in Reiseberichte Ungarn, Zypern und Gardasee

Bansin, Heringsdorf, Ahlbeck, Kolberg, Peenemünde und Koserow: Ende August, Anfang September 2009 – Ligurien 2006- Bayerischer Wald 2004

Bansin, Heringsdorf, Ahlbeck, Kolberg, Peenemünde und Koserow: Ende August, Anfang September 2009

Bansin ist durch den Schriftsteller Hans Werner Richter in erster Linie bekannt. Der Gründer der Gruppe 47 wurde dort geboren. Sein „Roman einer Jugend“ heißt „Spuren im Sand“. Hier heißt es:“Als ich geboren wurde,  machte der Kaiser noch seine Nordlandfahrten, trugen die Männer des Dorfes, in dem ich den ersten Schrei ausstieß, den Es-ist-erreicht-Schnurrbart, gab es noch die klingenden Taler und das goldene Zwanzigmarkstück.“

Bansin wurde 1256 das erste Mal erwähnt. Das Seebad Bansin entstand erst viel später. 1896 gründeten die Bansiner eine Badegenossenschaft. 1901 kam die Anerkennung als Seebad. 1923 gab es eine Freibadeerlaubnis, man durfte sich fortan im Badeanzug am Strand tummeln.

Bansin wurde das „Adelsbad“ genannt. Eine Bahnverbindung entstand 1911. Die Künstler suchten Entspannung am idyllischen Schloonsee. An den Fischerkaten nahe der Seenbrücke duftet es – wie nicht anders zu erwarten – nach Fisch. Eine hölzerne Konzertmuschel wurde 1930 gebaut.

Im historischen Feuerwehr-Gerätehaus befindet sich heute das Hans-Werner-Richter-Haus. Zudem gibt es in Bansin den kleinsten Zoo der Welt und das Gedenkatelier Rolf Werner. Sein „poetischer Realismus“ sucht seinesgleichen.

Auch in Heringsdorf findet sich eine pittoreske Seebrücke. Sie mißt 508 Meter und gilt als die längste Europas. Hier weht ein kühler Wind auch bei warmer Witterung. In dem pyramidenförmigen Pavillon gibt es zwei Restaurants. Auf der Brücke befinden sich 25 Geschäfte und ein Muschelmuseum. Auf dem Vorplatz der Seebrücke steht ein Kugelbrunnen. Der Ort ist gekennzeichnet durch prächtige Villen, die Villa Staudt von 1873. Ihr Eigentümer war der Konsul Staudt, sein Gast häufig Kaiser Wilhelm II. Die Villa Oppenheim wurde 1880 im palladinischen Stil erbaut. Von 1909 bis 1912 verbrachte dort der Maler Lyonel Feininger sein Ferien. Die Vila Diana ließ der Bankier Gerson von Bleichröder 1890 als Sommersitz errichten. 1933 wurde die Familie enteignet und Göring beanspruchte das Haus. In der DDR wurde es zum FDGB-Ferienheim.

Das Weiße Schloß ist das Haus des Heringsdorf -Gründers Bülow. 1866 gastierte hier die preußische Kronprinzessin Viktoria. Kurt Tucholsky quartierte sich hier 1920 und 1921 ein. Die Kirche wurde 1848 im neugotischen Stil errichtet. Der Kirchenbau von 1848 war ein relativ kleiner Saalbau. Bereits 1905 wurde der baufällige Turm ausgebessert. Die Kirche steht inmitten eines kleinen Buchenwaldes auf einem Hügel. Der rote Ziegelbau mit seinem schlanken Turm erscheint als imposante Bekrönung der Anhöhe. Der Außenbau zeigt Stilelemente des Historismus.

Kirche von Heringsdorf

Der Aufenthaltsort ist Ahlbeck, ein kleiner malerischer Fischerort. Um 1700 wurde an der Beek, einem kleinen Fluß, eine Wassermühle erbaut. In der Beek gab es viele Aale. Auf dem nördlichen Flußufer – seit 1720 preußischer Staatsbesitz- entstand ebenfalls eine kleine Siedlung. Friedrich II. siedelte dort Kolonisten an. Das Dorf hieß Königlich Ahlbeck. Mitte des 19. Jahrhunderts kamen die Touristen nach Ahlbeck. Bedeutender war allerdings das Seebad Heringsdorf. 1874 entstand das erste Hotel. Theodor Fontane erwog, dort sich ein Ferienhäuschen zu erwerben. Mittelpunkt Ahlbecks ist die Seebrücke, auf der Loriots „Pappa ante Portas“ spielte. An der Strandpromenade lässt es sich bummeln. Auf dem Vorplatz zur Seebrücke steht eine prächtige Jugendtstilstanduhr.

Sie wurde 1911 gestiftet. Die Backsteinkirche von 1895 ist sehenswert. In Ahlbek ißt man Fisch- Bismarckhering zum Beispiel.

Wer Usedom besucht, macht gern auch einmal einen Abstecher nach Polen, ins ehemals deutsche Kolberg, das nach dem Zweiten Weltkrieg nach Polen kam.

Geschichte Kolbergs Kolberg ist eine Stadt des Salzes.

Ab dem Jahre 1255 setzte sich für den Ort der Name Colberg durch, bevor er 1891 in Kolberg umbenannt wurde. Seit dem Jahre 1945 ist der offizielle Name der Stadt Kolobrzeg. Eine verbreitete Deutung des Namens ist auf deutsch: Ort am Ufer.  Eine erste Phase wirtschaftlicher Prosperität erlebte Kolberg mit dem Eintritt in die Hanse. Unter dem Schutz der großen Handelsorganisation der Ostsee konnte Kolberg Fischfang betreiben und besaß auf der Insel Schonen eine eigene Handelsniederlassung, eine sogenannte Vitte.

Als ab 1600 der Seehandel mit der Bedeutung der Hanse zurückging und die Erträge aus dem Salzgeschäft ebenfalls mangelhaft waren, begann für die Kolberger eine lange Zeit von Kriegen, Belagerungen und Verwüstungen. Häufig traten diese in so dichter Folge auf, dass die Einwohner kaum Zeit fanden, sich von den Folgen des letzten Krieges zu erholen, als der neue bereits nahte.

Einen erneuten Aufschwung machte Kolberg ab Anfang des 19. Jahrhunderts durch. Die Stadt entwickelte sich zum See-, Sol- und Moorbad und zog im Laufe der Jahre mehr und mehr Touristen in die Stadt.

Der zweite Weltkrieg mit seinen Verwerfungen brachte der Stadt eine neunzigprozentige Zerstörung sowie eine neue Bevölkerung. Kolberg ist auch heute durch starke Militärpräsenz charakterisiert. Bei Regen wirkt die Stadt so trist wie eine Träne, die wegen der vielen Toten nie versiegt. Der Hafen ist pittoresk, aber grau. Es empfiehlt sich, einen Apfelstrudel zu essen. Nicht jedes Restaurant nimmt allerdings schon Euro als Zahlungsmittel. Ein bedeutender Durchhaltefilm des Dritten Reiches war der Film „Kolberg“. Anschließend ist es ratsam, seinen Bus wieder zu finden.

Nur wenige Monate vor der sich abzuzeichnenden Niederlage des Deutschen Reichs im Zweiten Weltkrieg sollte der Film „Kolberg“ die deutsche Bevölkerung in den Kinos zum Weiterkämpfen aufrufen. Der von Propagandaminister Joseph Goebbels im Sommer 1943 in Auftrag gegebene „größte Film aller Zeiten“ erzählt unter der Regie von Veit Harlan (auch „Jud Süß“) die Geschichte der Verteidigung der pommerschen Stadt Kolberg unter Leitung des preußischen Generalfeldmarschalls Graf Neidhardt von Gneisenau (1760-1831) gegen die Truppen Napoleon Bonapartes. Nachdem die preußische Armee bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 geschlagen worden war, bot in Preußen nur noch die Festung Kolberg bis Juli 1807 entschlossenen Widerstand gegen die feindlichen Okkupanten. „Lieber unter Trümmern begraben, als kapitulieren!“ – so die gleichnishaften Worte des Bürgermeisters von Kolberg, Joachim Nettelbeck (1738-1824). Er wurde von Heinrich George gespielt. Der Film konnte den Kriegsverlauf allerdings auch nicht mehr ändern.

Peenemünde

Die V 2, als Vergeltungswaffe eine sogenannte Wunderwaffe des Dritten Reiches, wurde in Peenemünde gebaut. Walter Dornberger schreibt in einem sehr affirmativem Buch die Entwicklung dieser Waffe während des Dritten Reiches. Im Jahr 1943 wurde Dornberger zum Generalmajor ernannt und Kommandeur der Heeresversuchsanstalt Peenemünde. Dornberger war von 1943 bis 1945 auch zuständig für das Training und die Logistik der V 2 -Einheiten. Am 29. Oktober 1944 wurde Dornberger nach dem Einsatz der V2 an der Westfront mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.

Dornberger schrieb ein ausführliches Buch über seine Zeit in Peenemünde „Die Geschichte der C- Waffen“, das ohne jegliche Distanz die damalige Zeit betrachtet. Das Buch liest sich wie ein spannender Roman, wie auf der Rückseite steht, und bietet doch nichts als Grauen. Unter der Überschrift „Flammende Nacht“, wird des vernichtenden Luftangriffs der Engländer vom August 1943 gedacht. „Mein armes, armes Peenemünde!“ meint der Autor angesichts des Ausmasses der Zerstörungen. „Es sollen 600 viermotorige englische Bomber beteiligt gewesen sein. Nach Londoner Radiomeldungen sind 1,5 Millionen Kilogramm Sprengbomben und eine ungeheure Menge Brandbomben abgeworfen worden. Aus erbeuteten Karten und Skizzen geht der Angriffsplan klar hervor. Die Bomber haben sich über Rügen gesammelt. Nach dem Ablenkungsmanöver der ersten Welle, die die Jagdabwehr wegziehen sollte, sind sie längs einer geraden Linie, von der Nord- über die Südspitze Rügens fliegend, genau über den Anlagen in Peenemünde erschienen… Am härtesten war die Siedlung betroffen worden … Flak und Nachtjäger haben 47 Bomber abgeschossen. Die gefangenen Besatzungen dieser britischen Bomber sollen sollen ihr Erstaunen über die verhältnismäßig geringe Abwehr geäußert haben.“

In Dornbergers Buch findet sich starke und unkritische Technikbegeisterung mit keinerlei Distanz zur damaligen Entwicklung von Waffen, die eingesetzt wurden, als der Krieg schon verloren war.

Die Nazis stilisierten die V2 zur deutschen Hoffnung auf den „Endsieg“; sie sollte den Widerstandswillen der britischen Bevölkerung brechen. Der erste erfolgreiche Start gelang im Herbst 1942, die V2 wurde bis kurz vor Kriegsende eingesetzt. An der Serienherstellung mussten Häftlinge des Konzentrationslagers Dora-Mittelbau mitarbeiten, eines der grausamsten Lager des Dritten Reiches.

Rund 20.000 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene starben beim Bau der Versuchsanlagen in Peenemünde, der unterirdischen Raketenfabrik in Thüringen und bei der Waffenproduktion. Während des Zweiten Weltkrieges wurden Tausende V2-Raketen auf Städte in England, Frankreich, Belgien und Holland abgefeuert. Laut Bundeszentrale für politische Bildung kamen dabei etwa 12.000 Menschen ums Leben, vor allem in London und Antwerpen. Weder für die Zwangsarbeiter noch für die Opfer der V2-Angriffe findet Dornberger ein einziges Wort des Mitleides.

Das Historisch Technische Informationszentrum befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks, einem der wenigen sichtbaren Zeitzeugen der Peenemünder Versuchsanstalt. Die im Schalthausbau befindliche historische Ausstellung dokumentiert die Waffenentwicklung und -erprobung der Peenemünder Heeresversuchsanstalt und der Luftwaffenerprobungsstelle des Dritten Reiches sowie die Raketenentwicklung in der Nachkriegszeit. Im Freigelände werden neben orginalgetreuen Modellen der V1 und V2, Flugzeug-, Schiffstechnik- und -bewaffnung aus den Beständen der ehemaligen Nationalen Volksarmee der DDR ausgestellt.

Außerhalb des Geländes befindet sich eine Kapelle, die im Jahr 1993 restauriert wurde – pünktlich zur 50 jährigen Wiederkehr der ersten Bombardierung Peenemündes.

In der Nähe befindet sich der Gedenkstein des Schwedenkönigs Gustav II. Adolf, der an die Landung seines Heeres während des Dreißigjährigen Krieges erinnert.

Gustav adolf

Gustav Adolf Gedenkstein

Der Gedenkstein wurde 1930 errichtet. Seine Inschrift lautet: „Verzage nicht, Du Häuflein klein“.

Eine Mahn- und Gedenkstätte im Kiefernwald am Ortseingang in Karlshagen erinnert als Symbol der Besinnung an die Opfer des Krieges.

Koserow

Koserows Seebrücke ragt 261 Meter in die Ostsee. Wahrzeichen des Ortes sind die Salzhütten in der Nähe der Seebrücke. Sie wurden 1820 auf Anordnung des preußischen Staates errichtet. Ihr Zweck war, die Heringe für das Binnenland mit subventioniertem Salz haltbar zu machen. Zudem sollte den Fischern zu einem bescheidenen Einkommen verholfen werden. Einige Salzhütten aus Lehmfachwerk blieben erhalten und stehen unter Denkmalschutz. Koserow liegt nahe am Streckelsberg (56 Meter), der höchsten Erhebung an der Küste. Vor dem Ort liegt das Vineta-Riff.

Die Koserower Kirche zählt zu den ältesten Usedoms. 1230 wurde sie von den Mönchen aus Pudalga geweiht. 1843 wurde ein Roman veröffentlicht, der vom Pfarrer dieser Kirche, Johann Wilhelm Meinhold, veröffentlicht wurde. Titel: „Maria Schweidler, die Bernsteinhexe.“ Meinhold hatte die Pfarreistelle in Koserow nur sechs Jahre inne, weitere 17 Jahre verbrachte er als Pfarrer in Krummin. Er wurde wegen Aufmüpfigkeit gegen die Obrigkeit vorzeitig pensioniert und starb 1851 in Berlin-Charlottenburg. Maria Schweidler fand in Zeiten großer Not Bernstein, dessen Verkauf das Überleben der Pfarrersfamilie sichern konnte. Die Tatsache, dass es im Pfarrhaus wieder etwas zu essen gab, brachte das Mädchen in den Ruf, eine Hexe zu sein. Das Mädchen wurde zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt und in letzter Minute gerettet.

Bei dem Vineta -Kreuz in der Kirche handelt es sich um eine schwedische Arbeit aus dem 15. Jahrhundert. Das Vineta-Riff galt lange Zeit als Überrest der versunkenen Sagenstadt. Die massiven Felsbrocken des Riffs wurden im 19. Jahrhundert ausgebaggert.

Koserow

Koserower Kirche


 

Reisebericht: Ligurien 15.08.2006 bis 25.8.2006

Ich kam, sah und siegte, nicht 47 vor Christus, sondern Mitte August flog die Lufthansa nach Nizza, von dort ging es weiter nach Perinaldo über Ventimiglia und Bordighera. Das Meer wieder einmal zu sehen, war schon der eine Sieg, den Duft der Pinien zu riechen, der zweite – beide Siege gelangen ohne die Anwendung unmittelbarer militärischer Gewalt, es waren sozusagen gewaltlose Siege.

Nicht so gewaltfrei ging es bei früheren germanischen Landnahmen in Italien zu.

So kamen zum Beispiel 568 mit den Langobarden, einem westgermanischen Stamm, regelrechte Eroberer, ganz Oberitalien unterwarfen sie sich. Kerngebiete ihres Reiches waren Venetien, die Poebene (für die Einheimischen damals offensichtlich eine regelrecht stinkende Gegend) und die Toskana. Ihr erster König Alboin verlor sein Leben durch Mord 572, zwei Jahre später wurde sein Nachfolger Kleph ebenfalls ermordet. Mord in der Geschichte – eine endlose Serie. Eroberer kommen eben nicht in friedlicher Absicht. So fielen den Gräueln der ersten Eroberungsphase der Langobarden die grundbesitzende einheimische Schicht zum Opfer. Im 7. Jahrhundert schreitet die Romanisierung der langobardischen Herrenschicht fort – damit ist im August 2006 überhaupt nichts zu vergleichen. Die Langobarden treten vom Arianismus zum Katholizismus über.

Die bayerische Prinzessin Theudelinde, die König Authari heiratete, förderte diesen Prozeß – die Bayern waren eben damals schon für ihren ausgreifenden Katholizismus bekannt. Die ebenfalls langobardischen Herzogtümer Spoleto und Benevent blieben bis auf die Zeit von König Liutprand (712 bis 744) vom Langobarden- reich weitgehend unabhängig. Die Könige stützen sich sowohl auf die persönliche Gefolgschaft als auch auf die Arimannen, das sind gegen Kriegsdienst und Zins auf Fiskalland angesiedelte Freie. Sie unterstanden Schultheißen und bildeten autonome Landgemeinden. Nicht Rotbart sondern König Rothari veranlaßte 643 die erste Aufzeichnung des langobardischen Rechtes (Edictus Rothari), er eroberte zudem die ligurische Küste mit Genua, sein Nachfolger Aripert I., eine Neffe Theudelindes, wurde dann endgültig Katholik, nachdem sein Vorgänger Rothari noch Arianer war. Byzanz konnte 663 das Langobardenreich nicht niederringen. Auch das Langobardenreich ging den Weg vieler Reiche, 733 bis 774 wurde es von Karl dem Großen erobert. Der letzte langobardische König Desiderius ging in Gefangenschaft, fortan wurden die Langobarden dem Frankenreich unterstellt (Karl als rex Francorum et Langobardorum) Oberitalien ist nun fränkisch, in Mittelitalien findet man den Kirchenstaat, Unteritalien kommt unter die Herrschaft der Byzantiner, später der Normannen.

Das waren allerdings noch nicht die ersten Germanen in Italien, schon im 5. Jahrhundert gründete Theoderich das Ostgotenreich, das war 493. Der Gotenkönig war ein „wahrer Kaiser“, er übte die Blutsgerichtsbarkeit und das Gnadenbrot über alle Bewohner Italiens aus; obwohl Arianer, besaß er die Hoheit über die katholische Kirche. 626 stirbt er in Ravenna, wo heute sein Grabmal zu bewundern ist – in der Heldensage ist er Dietrich von Bern. Bekannt ist das „Edictum Theoderici“, das nicht in das Vorrecht der kaiserlichen Gesetzgebung eingreift, aber territorial alle erfaßt. Das ostgotische Föderatenheer ersetzt eine römische Hofarmee. Italiker dienen damit nur in regionalen Milizeinheiten, sie leisten nur in Ausnahmefällen Kriegsdienst im Felde. Nichts zu lachen hatte Theoderichs Tochter, Amalaswintha, die 534 als Königin der Ostgoten regierte. Ihr Vetter Theodahad, den sie zum Mitregenten erhoben hat, hatte nicht Besseres zu tun als sie ein Jahr später zu ermorden – dieser Unhold! Diese Untat  bietet Kaiser Justinian I. Gelegenheit, von Byzanz aus, den Ostgoten den Krieg zu erklären, Totila konnte 541 noch einmal ganz Italien außer Ravenna zurückerobern. 552/ 553 kann Narses die Ostgoten im Dienst von Byzanz besiegen. Nicht allzu lang hat also das Ostgotenreich Bestand gehabt. Vielleicht hat Theodahad die Lunte zum Untergang gelegt.

Noch vorher versuchte sich König Theudebert I. auch in Italien. Ausgangspunkt seiner Machtentfaltung war neben seinem Kerngebiet um Reims seine Herrschaft über Thüringer und Alemannen, 537 ehelichte er eine langobardische Fürstentochter. Von Rätien aus griff er in Italien ein. Mit dem Ostgotenkönig Vitigis wollte er ein Bündnis gegen Byzanz schließen und beanspruchte dafür die Hälfte Italiens. 539 rückte Theudebert mit einem großen Heer über die Westalpenpässe nach Italien vor, besiegte sowohl die Ostgoten als auch die Byzantiner und verwüstete die Emilia zwischen Po und Appenin verwüstete.

Mit dem byzantinischen Feldherren Belisar schloss er erst dann einen Waffenstillstand, als Seuchen in seinem Heer ausbrachen. Ligurien und das südliche Vorfeld der Alpen blieben in seiner Hand. 545 eroberte er große Teile Venetiens und Aquilea. Er ließ sich auf Goldmünzen portraitieren und verlieh sich den Titel Augustus und plante wohl einen Angriff auf Byzanz.

Gelegentlich wurde er sogar „der Große“ genannt.

Lassen wir nun die kriegerischen Eroberungen, erobern wir Perinaldo friedlich, das 572 Meter über dem Meeresspiegel liegt und etwa 900 Einwohner hat, wobei die zahlreichen Touristen allerdings nicht mitgezählt sind. Die Auffahrt in diesen malerischen Ort ist extrem kurven- reich und gelegentlich mit einem vorsichtshalber getätigten Hupen verbunden. Unterhalb dieses Ortes werden die Abhänge für Weinberge, Olivenkulturen und Blumenzucht genutzt. Berühmte Astronomen lebten in diesem Ort, Gian Domenico Cassini (1625 bis 1712) und zwei Angehörige der Familie Maraldi. Die Pfarrkirche S. Nicolò di Bari wurde 1357 gegründet, die Barockfassade stammt von 1770. Dem Astronomen ist ein kleines Museum gewidmet.

Unterhalb des Ortes liegt die Wallfahrtskirche Visitazione, sie ist nächstens malerisch beleuchtet. Der Kirchturm schlägt nicht nur monoton, sondern sogar gelegentlich mit einem Glockenspiel. Neben ihm zu wohnen, kann bedeuten, regulär mit diesen Geräuschen konfrontiert zu werden. Bewohnt man hier ein Haus, kann man das Meer sehen, das einem in 30 Kilometer Entfernung (geschätzt) entgegen leuchtet (verschwommen), ebenso die Autobahnbrücke mit ihren riesigen Pfeilern, die Nizza mit Genua verbindet. In das Dorfinnere kann man nur als Fußgänger vordringen, weil die Gassen zu eng sind. Es gibt kaum eine Straße, die breit genug ist, um bei Gegenverkehr nicht zurückstoßen zu müssen, was abenteuerlich ist. Die Parkplatzsituation ist nervig, weil es schwer ist, einen freien Platz zu bekommen, nicht nur in Perinaldo, sondern auch am Strand. Nicht selten muss man eine halbe Stunde einen Parkplatz suchen, ein Bus fährt allerdings schon gar nicht, die Situation der öffentlichen Verkehrsmittel ist dürftig, was vor allem in Städten wie San Remo bald zum Verkehrsinfarkt führen dürfte, braucht man doch mindestens zwei Stunden, um durch die Stadt zu kommen. Auffällig sind die vielen Roller, die eine rechts und links überholen, gelegentlich mit achtzig auf der Busspur rechts überholen. Trotz aller nicht weg zu leugnenden Anarchie hat man nicht den Eindruck, als ob die Unfallgefahr erhöht ist, irgendwie fahren viele nach dem Motto. „Nicht die Ordnung lieben, aber das Chaos meistern!“

Ligurien1

Perinaldo

Kommen wir zur Müllabfuhr. Eine getrennte Sammlung gibt es in Perinaldo nicht. Der zentrale Müllcontainer befindet sich in einem Holzverschlag auf der Hauptstraße. Hier  kann man den Müll manuell hinbringen. Im Gegensatz zu Mallorca fehlt aber die wilde Mülldeponie, die dort häufig zu finden ist, hier fast völlig. Ein Fortschritt nach dem Motto: wenig ist besser als gar nichts.

Das Preisniveau ist hoch, die italienische Riviera nicht umsonst ein Hauptattraktionspunkt der Touristen, bescheidener Komfort am Strand zum Baden kostet gleich sechs Euro pro Person. Aber umsonst ist eben der Tod und der ist auch teuer.

Lohnend ist in jedem Fall ein Abstecher in Dolceacqua, dem wirtschaftlichen Zentrums des Nerviatals. Imposant ist die 33 Meter lange Eselsrückenbrücke aus dem 15. Jahrhundert. Der Wein dieses Städtchens ist ebenso berühmt wie sein Olivenöl. Dolceacqua wurde von Savoyen 1652 zur Markgrafschaft erhoben. 1815 kam es zum Königreich Sardinien. 1177 wurde die erstmals die Burg „Castrum de Dulzana“ erwähnt.

Besuchen wir die reizvollen Gärten von Hanbury, die sich auf ungefähr 18 Hektar Fläche erstrecken. Hanbury sammelte ein großes Vermögen durch den Handel mit Tee, Gewürzen und Seide. Er erwarb ein Landgut mit dem Namen „Palazzo“, das Gebäude stammte aus dem 11. Jahrhundert. 1960 erwarb der Staat das Gebiet, nachdem Dorothy Hanbury, die Schwiegertochter des Gründers, zwischen 1925 und 1939 Veränderungen des Areals durchgesetzt hatte. Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein Eingangstor errichtet. Im Schlussstein des Bogens erscheint ein chinesisches Ideogramm, das „Glück“ bedeutet. Ein kleiner Bach durchfließt den Garten, der „Rio Sorba“. Zu sehen sind verschiedene Arten des Genus Aloe. Auch Agaven – Fettpflanzen aus den warmen Regionen der Nord- und Zentralamerikas- sind zu bewundern. Nach der Blütezeit stirbt das Röschen der meisten Agaven, sie können starke, schwache oder auch keine Dornen haben. Eine Zypressenallee, die den Garten von Osten bis Westen durchquert, bildet den zentralen Teil des ursprünglichen Zugangs zum „Palazzo“. Am Ende einer Treppe steht das Maurische Mausoleum, ein 1886 errichteter Tempel, in dem die Asche von Thomas Hanbury und seiner Frau Katherine Pease ruht.

Ruhen wir nicht, ehe wir das Archäologische Museum „Girolamo Rossi“ in Ventimiglia besucht haben. Girolamo Rossi lebte von 1831 bis 1914 und war ein leidenschaftlicher Ausgräber. Die Festung wurde von den Savoiern im 19. Jahrhundert erbaut. Im 16. Jahrhundert stand hier ein Kloster, das der Festung den Namen gab. Zur Zeit besteht das Museum aus vier Sälen. Im ersten Saal findet man die Funde aus Glas, die aus der Nekropolis Albintimilium stammen. Im zweiten Saal befinden sich Vitrinen mit Tonfiguren und Ölllampen. Von grosser Bedeutung sind die architektonischen Figuren aus Ton. Der dritte Saal enthält das Lapidarium mit mehr als 50 römischen Inschriften aus dem I. bis IV. Jahrhundert nach Christus. Die Funde betreffen die führenden Klassen, Senat und Ritterstand, z.B. die Basis des Aemilius Bassus, einer berühmten Persönlichkeit oder das Epigraph eines unbekannten Senators. Auch findet man Aesculapius gewidmete Votivbilder. – Der vierte Saal enthält Hanburykollektionen – Statuen, Köpfe, Portraits, Reliefs und Sarkophage aus römischer Zeit, z.B. einen weiblichen Götterkopf oder ein Männerportrait aus de flavischen Zeit.

Werfen wir noch einen Blick auf die ligurisch-römische Stadt Albintimilium am Fuß des Steilen Hügels im Osten der Stadt Ventimiglia. Die Reste sind links und rechts des Corso Genova vor der Brücke über die Bahnlinie zu sehen. Flächenmäßig 600 x 400 m groß, war das größte Bauwerk das Theater von Ende 2./ Anfang 3. Jh., das etwa 5000 Zuschauer fasste. Dahinter lag die Porta Praetoria, von der noch zwei Rundtürme stehen. Daneben dehnte sich die große Nekropole aus, in der zahlreiche wertvolle Funde entdeckt wurden. Thermen und Villen mit sehenswerten Mosaikfußböden lagen vor dem Theater, ein Aquädukt versorgte die Anlagen mit Wasser. Die Kathedrale S. Maria Assunta geht auf eine karolingische Kirche des 9./10. Jahrhunderts zurück. Im 11. Jahrhundert entstanden eine größere dreischiffige Basilika im lombardischen Stil, der Glockenturm wurde 1150 errichtet, sein oberer Teilbarock umgestaltet. Im Innern findet man die provenzalische Zisterzienser- Architektur.

Auf eine vorchristliche Vorgeschichte verweist eine römische Inschrift. Hauptachse der Stadt ist die Via Garibaldi. Im nordwestlichen Teil der Altstadt steht die Kirche S. Michele, um 1100 als Hauskapelle der Grafen von Ventimiglia errichtet.

Fahren wir ein Stück nach Osten, so gelangen wir in den bekanntesten Badeort der ganzen Riviera, San Remo. In römischer Zeit befestigte man das Dorf gegen die Sarazenen und nannte es „Castrum Sancti Romuli“, im Dialekt hieß es „Sanrömu“, woraus San Remo wurde. 1860 wurde das erste Hotel gebaut, 1904 bis 1906 folgte das Casino. 1887 hielt sich hier der Kronprinz Friedrich Wilhelm (später Friedrich III.) auf. 1920 wurde in der Konferenz von San Remo eine Revision des Versailler Vertrages abgelehnt. Die Altstadt („Pigna“) ist eine typisch mittelalterliche Stadt an der Riviera. Im 13. Jahrhundert wurde die romanisch – gothische Kathedrale San Siro erbaut. Nebenan steht das Baptisterium, das  ursprünglich romanisch war und später zu einem barocken Zentralbau umgewandelt wurde. Das Stadtmuseum bietet einen hervorragenden Überblick über die Stadtgeschichte, der allerdings nur in italienischer Sprache gewährt wird. Die russisch-orthodoxe Kirche S. Basilio erinnert an den Aufenthalt der Zarin Maria Alexandrowna 1874/1875. Auch die Überreste der montenegrinischen Königsfamilie wurden hier bis 1989 aufbewahrt. Wer mit dem Auto durch San Remo fährt, braucht dazu vor allem nachmittags sehr lange, da die Straßen verstopft sind. Besser man fährt also mit dem Zug von Bordighera hin. Man muss hier allerdings viele Tunnels durchfahren und am Hauptbahnhof von San Remo lange in dis Innenstadt laufen. viele Moped- und Rollerfahrer beweisen eine hohe Virtuosität, um sich zwischen den vielen Autos voranzuschlängeln.

Werfen wir zum Schluss einen virtuosen Blick auf die mittelalterliche Stadt Taggia und erblicken – zur Erbauung der Augen – ie Reste der Burg aus dem 12. Jahrhundert, weiter zu empfehlen die Basilika Giacomo e Filippo aus dem 17. Jahrhundert. Hier steht die Marmorstatue „Madonna vom heiligen Herzen“. Am südlichen Ortsrand liegt die Kirche San Domenico, für viele Jahrhunderte das geistliche Zentrum der westlichen Riviera. Die Dominikaner erbauten den spätgotischen Bau von 1469 bis 1479. Der Innenraum ist geprägt durch den schwarzweißen Dekor. Ein pittoresker Kreuzgang entstand im 15. Jahrhundert.

Das Museum enthält Werke von Parmigiano – dem Entdecker des Parmesankäses (!). Besucher, die einen Euro spenden, bekommen eine Willkommensportion Spaghetti mit extra viel Parmesankäse (!)[1]

Nicht mithalten kann allerdings die Parmesanspaghetti-Portion mit der Strandpizzeria in Arma di Taggia, wo ein luzider Sandstrand zum Baden einlädt. Hier kann man dösen oder ins Meer schwimmen. Es grüßen echt italienische Möwen, die das Erlernen der italienischen Sprache erleichtern. Dialog:

Möwe: „Buon giorno, Signor Schauer!“

Signor: „Buon giorno, cari amici, siamo fratelli!“

[1] Es handelt sich dabei um Gerüchte, die einer Bestätigung durch das Fremdenverkehrsamt bedürfen


 

Der Bayerische Wald, Tschechien, die Grenzregion, 04.09.2004 bis 10.09.2004

Waldmünchen, 04.09.2004: 

Was gründen von den Hunnen versprengte Mönche 910? – Angeblich Waldmünchen, was nicht exakt zu beweisen ist.

Wahrscheinlicher ist da schon die Zahl 1283. Vom 15. Jahrhundert an lautet der Ort definitiv Waldmünchen. 1526 erfolgt die Erhebung zur Stadt. Das Pflegerschloß  ist wohl um 1000 entstanden, die Stadtmauern werden 1364 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Der Ort konnte frühzeitig schon im 15. Jahrhundert die niedere Gerichtsbarkeit ausüben, die auch im 18. Jahrhundert ausgeübt wurde.  

Das kurpfälzische Amt hatte Waldmünchen seit 1510. Ein Landgericht wurde dort 1803 eröffnet. Seit 1280 hat Waldmünchen einen Rat, der einen Richter wählt, dem später ein Bürgermeister folgt, 1563 gab es sogar einen „Rat der Zwölfe“ von vier Bürgermeistern und acht Räten. 1818 erhielt die Stadt von Maximilian I. von Bayern als mittelbare Stadt einen gewählten Bürgermeister. 

Das Herrschaftsgebiet des Nordgaus konnte stolz darauf sein, den Ort Waldmünchen seit 788 zu seinem Territorium zählen zu können, seit 1072 gehörte Waldmünchen zur Markgrafschaft  Cham. Als Berthold IV. das Zeitliche segnete, fiel die Markgrafschaft Cham an die bayerischen Herzöge, deren Vasallen wiederum die Schwarzenburger waren. 1283 mußte sich die Herrschaft Schwarzenburg den niederbayerischen Herzögen beugen. 

Heinrich von Guttenstein kam 1506 in den Besitz von Waldmünchen. Dieser war ein berüchtigter Raubritter. Er überfiel auf der alten Handelsstraße nach Böhmen Kaufleute. Lösegeld wollte er aus ihnen pressen. 1510 verkaufte der berüchtigte Guttensteiner seine Herrschaft an den Kurfürsten  Ludwig von der Pfalz.  

Furth im Wald, 05.09.2004:

Wer keinen Hausdrachen hat und trotzdem scharf auf Drachen ist, der fahre nach Furth im Wald. Nicht im Odenwald, wo Siegfried den Drachen erlegte, sondern hier an der Ostgrenze Bayerns zu Tschechien findet seit mehr als 500 Jahren der „Drachenstich“ statt. Der Ursprung dieses ältesten deutschen Volksschauspiels liegt in der Legende von Sankt Georg. Das Spiel handelt in der düsteren Zeit des Mittelalters. Ein  Drachenmuseum bietet dem Interessierten fundierte Einblicke in die Geschichte dieses Fabelwesens. 

Die Geschichte der Stadt hat ihren ersten Höhepunkt 1086, als Kaiser Heinrich IV. die Siedlung „Vurte“ den Grafen zu Bogen schenkte. Die Siedlung lag an einer Furt. Hier verband eine alte Heer- und Handelsstraße Bayern und Böhmen. Möglicherweise reiste schon der Regensburger Bischof Wolfgang nach Prag  über Furth. Der Ort war eine dokumentierte Zollstation. Um 1300 wurden in der Further Mautstelle Salz, Getreide, Feigen, Kupfer, Zinn, Blei, verschiedene Getränke, Leinwand, Leder, Wolle und Obst verzollt. Vieh aus Galizien durfte das Privileg genießen, von Nürnberger Kaufleute über Furth in den Westen getrieben zu werden.

1332 verliehen die bayerischen Herzöge dem Ort die Stadtrechte. Furth im Wald wurde im 19. Jahrhundert aus seiner ländlichen Abgeschiedenheit gerissen. 1861 wurde die Eisenbahnlinie Nürnberg-Prag gebaut. Die Stadt wuchs durch die Ansiedlung von Industrien, ein Grenzbahnhof entstand als Verbindung zu Böhmen. Nach dem Wegfall des „Eisernen Vorhangs“ 1990 explodierte der grenzüberschreitende Verkehr. 

Schon einmal war der Ort schier unüberwindlichen Schwierigkeiten gegenübergestanden. In den Nachkriegsjahren war der Ort 1945/1946 für mehr als 750.000 Vertriebene die erste Station nach der Vertreibung.  

Großer Arbersee, 06.09.2004:

Der Nordgau ist ein historischer Begriff, der Naturpark Bayerischer Wald kann als Naturlandschaft eingestuft werden. Seit 1952 tobte ein Kampf um diesen Naturpark, der 1967 im Sinne des Naturschutzes entschieden wurde. Der Bayerische Wald war schließlich die ideale Gegend für ein weiteres besonders geschütztes Gebiet, nachdem schon 26 Naturschutzgebiete mit einer Fläche von 1240 Hektar  existierten. Brennpunkt der Touristik war einst und jetzt der „Große Arbersee“, der malerisch von Wäldern umgeben nahe der tschechischen Grenze liegt. Der Himmel ist strahlend blau (oh weh), die Luft etwas kühl, seltene Flechten sind um den See zu finden, ein fußgängerfreundlicher Rundweg läßt den Spaziergang zur rechten Freude werden. Die Gastronomie am See lädt zum Verweilen ein, ein Briefkasten bewirkt, daß man auch hier alten Bekannten phantasievolle Ansichtskarten schicken kann.

Ein kleiner Abstecher- und schon ist man am Arber und fährt mit der Seilbahn hinauf – ein röhrender Hirsch ist nicht zu sehen, dafür aber bietet sich folgender unsäglicher Kalauer an 

Was ißt man auf dem Arber? – Rhabarber!

Was ißt man auf dem Nanga Parbat? – Blattspinat! 

Was ißt man in Alzenau? – Kabeljau (vom Fisch-Düwel auf dem Marktplatz)! 

Was ißt der Linke im Kahlgrund? – Saure Gurken – aus Frust  über Hartz IV und den Montagsdemoschwund!!!!!!!!!! 

07.09.2004 Susice und Burg Rabi:

(Exkurs: Was isst man auf Burg Rabi? – Kohl-Rabi!)

Der Böhmerwald wurde lange auch von sehr vielen Deutschen bewohnt, deswegen gibt es für fast jede Ortschaft einen deutschen Namen, so heißt Susice auch Schüttenhofen und wurde im 9. Jahrhundert als Goldwäscherdorf gegründet. Die Luxemburger unter den böhmischen Kaisern gewährten eine Reihe von Privilegien, nach den Hussitenkriegen versank die Stadt in Bedeutungslosigkeit. Im Böhmerwaldmuseum können vor allem Zündholzschachteln bewundert werden. Im 19. Jahrhundert gegründet, wurde die Firma Fürth die größte ihrer Art im Habsburger Reich. Sie exportierte ihre farbenfrohen Zündholzschachteln in alle Kontinente. 1903 kam es zur Gründung der Gesellschaft SOLO nach der Fusionierung mit anderen kleinen Fabriken. Farbenfrohe Streichholzschachteln machen das Museum auch für Kinder interessant, vor allem wenn sie käuflich erworben werden können. 

Die Burg Rabi entstand im 13. Jahrhundert. Ihre große Ausdehnung wirkt attraktiv. Ihre herausragenden Herren  waren die  Svihovsky von Riesenberg. So meint auch der offizielle Führer gleich  am Anfang: „Die majestätische Burgruine Rabi ist eine der beeindruckendsten und gleichzeitig gröten Burgen, eine von Weitem sichtbare Dominante der  nördlich von Susice gelegenen Gegend … Die älteste Bauphase des Burgkerns zeigt romanischen Charakter und beweist somit, dass die Burg lange vor ihrer schriftlichen Erwähnung aus dem Jahr 1380 gegründet wurde.“ Im besagten 13. Jahrhundert kam die Burg mit dem angrenzenden Gebiet an die  Wittelsbacher, danach kam sie unter Ottokar II., dem Premysliden, wieder in das Königreich Böhmen. Die Herren von Velhartice bauten die Burg im 14. Jahrhundert großzügig um. Danach war dann die Familie Svihovsky Ryzemberk der Eigentümer, die die Burg Ende des 14. Jahrhunderts großzügig erweiterte. 1420/1421 wurde die Burg durch Hussiten erobert.

Jan Zizkas Augenlicht ist tragisch mit der Burg verquickt. 1420 konnte er die Burg zum ersten mal erobern, sieben Mönche ließ  er auf dem Scheiterhaufen verbrennen. 1421 verlor der Hussitenführer sein zweites Auge vor dieser Burg. 1490 war wieder ein großer Umbau fällig. Da die besagte adelige Familie der Svihovsky hohe Ansprüche hatte, mußten  ältere Gebäudetrakte umgebaut werden. Die Burg war mit dem Städtchen durch drei Tore verbunden. 

Die spätgotische Festung konnte nicht vollendet werden. In den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts hatten sich die Svihovskys  übernommen, weil ihnen die Baukosten über die Köpfe wuchsen. 1547 mußten die Svihovskys die Burg verkaufen, Nachfolger wurden die Chanovs z Dlouhe Vsi. Im 17. Jahrhundert kulminierte der bauliche Verfall der Burg, im Dreißigjährigen Krieg wurde sie ausgeplündert. Dies war der Verfall, der damit endete, dass  die Baumaterialien der Burg für die Häuser der Stadt verwendet wurden. Die Romantik bewirkte ein abermaliges Interesse für dieses imposante Bauwerk. 

Skurril ist die Geschichte des Affen des Grafen Puta Svihovskys, der 1494 in die Wälder entwischte. Die abergläubischen Bauern meinten Satan persönlich zu erkennen, als der Affe sich in den Bäumen fortbewegte und veranstalteten eine Teufelsjagd. Der Adelige verhängte, arrogant wie er war, eine Affensteuer, die bis zum Ende des 17. Jahrhunderts galt. – Wer alte Burgen schätzt und zudem sicher sein will, daß kein  übergroßer Andrang  herrscht, der möge sich die Burg merken! 

08.09.2004 Klattau (tschechisch: Klatovy):

Der Böhmerwaldcourier, der die Tour anbietet, macht dazu folgende Angaben: Gegründet wurde die Stadt 1260. Die Eisenbahnstrecke Bayerisch Eisenstein – Klatovy wurde in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts ausgebaut. Länge: 49 km, Höhe der Bahndämme: bis 38 m, Höhenunterschied: 450 m. 

Abfahrt in Bayerisch Eisenstein um 10.55 Uhr. Bahnhof Bayerisch Eisenstein und Zelezna Ruda/ Markt Eisenstein – Grenze: 724 M ü. M., eröffnet 1878, in Böhmen 1953 den Betrieb eingestellt, wieder eröffnet am 02.06.1991, Gemeinde Alzbetin- Elisental, früher auch Glashütte. 

Zelezna Ruda mesto – Markt Eisenstein Stadt: ca. 1000 Einwohner, Wintersport- und Erholungszentrum. Im 16. Jahrhundert Abbau und Verarbeitung von Eisenerz, Barocke Kirche Jungfrau Maria Hilf von Stern aus dem Jahr 1732, schönes Zwiebeldach und Sterngrundriss. 

Spicak – Spitzberg: Der höchstgelegene Bahnhof der Strecke (838 m), Berg Spicak – Spitzberg (1202 m), links davon Jezerni hora – Seewand (1343 m). Die Mulde Certovo jezero – des Teufelsees (1030 m), Fläche: 10,7 ha, Tiefe 37 m. Der Spitzbergtunnel, erbaut 1873 – 1877, Länge: 1748 m, überschreitet die europäische Wasserscheide zwischen dem Schwarzen Meer und der Nordsee. 

Hojsova Straz- Brcalnik – Frischwinkel: Links die Mulde Cerne jezero – des Schwarzen Sees (1008 m), Fläche: 18 ha, Tiefe: 40 m, dahinter die Seewand. Im Hintergrund rechts der Berg Velky Ostry – Großer Osser (1283 m) 

Hamry – Hojsova Straz – Hamern – Eisenstraß: Früher Sitz der Freibauern, die die Landesgrenze bewachten. Im 16. Jahrhundert Eisenerzabbau. Gegenüber dem Bahnhof Velky Ostrry – der Große Osser. 

Zelena Lhota – Grün: Einzige st. Wolfgangskirche in Böhmen (1786). Der Stausee seit 1969, 150 ha groß, dient als Trinkwasserspeicher, tiefste Stelle 34 m. 

Desenice – Deschenitz: Früher Schloss, später Brauerei und Gut.

Nyrsko – Neuern: Ca. 5000 Einwohner, gotische St. Thomaskirche. Einzige Brillenfabrik in CR. 

Petrovice: Lamazucht.

Janovice nad Uhlavou: Auf dem Hügel die gotische Burgruine Klenova. Große Kaserne, wo auch die Bundeswehr übt. 

Bezdekov: Neugotisches Schloss. 

Klatovy – Klattau: Ankunft 12.05 Uhr. Bahnhof seit 1956, etwa in der Mitte zwischen Bayerisch Eisenstein und Pilzen.  

Verlassen wir den Böhmerwaldcourier und betreten die Barockapotheke „Zum Weissen Einhorn“. Zu ihr meint der offizielle  Führer:

Die Geschichte des Apothekerwesens in Klatovy reicht bis in die Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück, als der erste Apotheker Bernard Feuerbach hier sein Gewerbe begann. Nach seinem Tode übernahm die Familie Schispogens die Apotheke und als einer der Gehilfen sich selbständig machte, hatte Klatovy zwei Apotheken. Später wurde eine der Apotheken „Zum Weissen Einhorn“ und die zweite „Zum schwarzen Adler“ genant. Im Jahre 1765 kaufte Prochazka, der Besitzer der Apotheke „Zum Weissen Einhorn“ auch die zweite Apotheke. Ab 1771 besass die Familie Firbas die Apotheke. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahre 1773 kaufte Jan Michal Firbas die ganze Einrichtung der jesuitischen Apotheke und übertrug sie in das Haus Nr. 149, wo sie sich bis heute an der ursprünglichen Stelle befindet. Zu beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Apotheke wieder zerteilt. Im Jahr 1966 wurde die Apotheke in ein Museum umgewandelt. Die heutige Exposition vermittelt dem Besucher ein Bild des Apothekermilieus des 18. Jahrhunderts. 

Die Apotheke wurde von der UNESCO zum Weltkulturdenkmal erklärt. Die Stadt hat auch sonst einiges zu bieten. Neben der Marienkirche aus dem 13. Jahrhundert erhebt sich der Weiße Turm aus dem 16. Jahrhundert. Der für die Stadt charakteristische 81 Meter hohe Schwarze Turm ist ebenfalls ein Renaissancebau und entstand zur gleichen Zeit wie das Rathaus. Kunsthistorisch am bedeutendsten ist die im 17. Jahrhundert von Domenico Orsi und Carlo Lurago errichtete Jesuitenkirche St. Ignatius. Möglicherweise stammt das Portal von Kilian Ignaz Dientzenhofer. In den Katakomben ruhen 200 mumifizierte tote Jesuiten, die man mit guten Nerven ausgestattet besichtigen kann. Fast wäre die Kirche verfallen. Als es 1981 schon zum Dach herein regnete, entwarf der Pfarrer ein Gerüst, um eine Renovierung zu ermöglichen. 

09.09.2004 Zwiesel:

Man befindet sich im Hinteren Bayerischen Wald. Gold spielt eine sagenhafte Rolle in der Geschichte der Stadt. Im 10. Jahrhundert sollen sich zwei Goldwäscher zwischen dem Kleinen und Großen Regen niedergelassen haben. Wahrscheinlich wurde das Zwieseler Becken erst im 11. oder 12. Jahrhundert besiedelt. Der heilige Gunther ließ sich als Einsiedler  um 1010 im heutigen Rinchnach im Bayerischen Wald nieder. 1029 stellte Kaiser Konrad II. für dieses Rinchnach eine Schenkungsurkunde aus, die auch den Zwieseler Raum umfasste. 

Urkundlich zum ersten Mal erwähnt ist der Ort 1254 als „unbebautes Dorf“. Dabei könnte eine kriegerische Auseinandersetzung der Anlass zu dieser Bezeichnung gewesen sein. Ein Jahr später wird Zwiesel wieder in den Quellen genannt, eine Kapelle wird ihm zugerechnet. Die Lastwagenmaut ist in Deutschland immer noch nicht eingeführt, damals im zwölften Jahrhundert war es viel einfacher, eine Maut einzuführen. Das Kloster Niederaltaich konnte seit 1295 in Zwiesel eine Maut von den Transporten  erheben. Dies Funktion als Mautstätte bewirkte den Aufstieg zum Markt. Zwiesel wird 1312 zum ersten Mal als Forum bezeichnet. Die Ritter von Degenberg, die sich seit 1308 als Herrscher im Bayerischen Wald aufbauten,  erwarben 1320 die Maut in Zwiesel. 1534 konnte dieses Geschlecht das Kloster Niederaltaich aus Zwiesel verdrängen und seinen Herrschaftsbereich um Zwiesel erweitern. 1602 starb allerdings das letzte Familienmitglied. Der bayerische Herzog vereinigte die Herrschaft 1609 mit seinem Pflegegericht Weißenstein in Personalunion. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Zwiesel zum Zentrum der Glasindustrie. Daneben entwickelte sich der Fremdenverkehr zu einer weiteren Säule der lokalen Wirtschaft. 1904 wurde Zwiesel schließlich zur Stadt erhoben.