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Kurztrips Alzenau und Umgebung – Aschaffenburg – Dieburg – Schöllkrippen- Glauburg

Die Kahl in Alzenau – Renaturierung, Bildstöcke und Landschaft

Frühling an der Kahl

Die Kahl bietet aktuell vielen Kindern einen Badespaß. Vor allem an sonnigen Tagen ist der Besucherandrang groß. Der Generationenpark bietet zudem noch einen Spielplatz.

Der aus dem Ortsteil Wasserlos herabströmende Neuwiesenbach und der am Waldschwimmbad entspringende Sälzerbach münden in eben jenem Generationenpark als die letzten beiden Zuflüsse vor der Mündung in die Kahl.

Zwischen Alzenau und Kahl am Main war der Fluß lange stark begradigt. Im Jahr 2013 ist die Kahl auf ihren Flusskilometern 4,5 und 6,7 (gemessen ab der Mündung in Kahl) renaturiert worden. Das ist der Bereich zwischen der Autobahnbrücke und der Mühlwegbrücke in Alzenau. Damals wurden neun Gewässerschleifen angelegt. Fünf der neun dabei entstandenen Altarme sind bewusst nicht verfüllt worden und blieben erhalten. Vor der Renaturierung wurden in dem Bereich sieben Fischarten registriert, aktuell sind es zehn. Als beachtlich wurde es gewertet, dass der Schneider in der Kahl heimisch geworden ist. Die Bachforelle ist nicht im gewünschtenm Umfang anzutreffen. Mittlerweile ist auch das Bachneunauge vorhanden.

Zwei Bildstöcke sind in Alzenau in der Nähe der Kahl zu finden. Der eine steht am unteren Ende der Entengasse neben dem Fußgängersteg. Auf dem Sandstein steht die Zahl 1782. Früher stand er in der Hanauer Straße vor dem ehemaligen Gesundheitsamt. Eine Renovierung fand 1962 statt, seitdem steht er an der Entengasse.

Christophorus Bildstock

Ein zweiter Bildstock steht in der Nähe der Kahlbrücke in der Kaiser Ruprecht Straße. Der Bildhauer war von 1986 an der Aschaffenburger Künstler Willibald Blum. Auch er ist aus rotem Sandstein erbaut. Abgebildet ist der Heilige Christophorus (griechisch „Christusträger“), der der Legende nach, das Christuskind über eine Fluß trug. Er symbolisiert die Überwindung des Wassers. In der westkirchlichen Ikonographie wird er als Riese mit Stab dargestellt. Er zählt zu den vierzehn Nothelfern. Es handelt sich dabei um vierzehn Heilige aus dem zweiten bis vierten Jahrhundert. Die Gruppe besteht aus drei weiblichen und elf männlichen Heiligen, von denen alle bis auf den heiligen Ägidius als Märtyrer starben.

In der ostkirchlichen Tradition wird er als „Hundsköpfiger“ dargestellt.1 Möglicherweise hat er um 250 nach Christus (römischer Kaiser war damals Decius) in Lykien (Südwesttürkei) das Martyrium erlitten. Sein Gedenktag ist der 24. Juli.

Die anderen beiden Halbreliefs ziegen Sankt Florian und Nepomuk. Nepomuk trägt als Brückenheiliger ein Kreuz in der Hand. Da er häufig auch mit Sternenkranz und mit dem Finger auf dem Mund dargestellt wird, bedarf es einiger detektivischer Arbeit, um ihn zu identifizieren. Der historische Johannes Pomuk lebte im 14. Jahrhundert in Böhmen. Wegen seiner Verteidigung der Rechte der Kirche überwarf er sich mit König Wenzel IV., der ihn 1393 der Legende nach in die Moldau werfen ließ, weil Pomuk das Beichtgeheimnis nicht brechen wollte.2

Florian Bildstock

Florian von Lorch lebte im 3.Jahrhundert im keltischen Norikum im heutigen Österreich in Sankt Pölten. Wegen der Bekehrung zun christlichen Glauben wurde er verhaftet und zum Tode verurteilt. Um 304 wurde er in der Enns ertränkt- wie 40 weitere Märtyrer. Es war die Zeit der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian (303/304).Florian zählt zu den vierzehn Nothelfern. Dargestellt wird er oft mit einem Wasserkübel oder einem Mühlstein um den Hals.3 Florian gilt als Schutzpatron gegen Feuer und der Feuerwehr. Für Feuerwehrleute existiert auch die Bezeichnung Floriansjünger.

Die Entwürfe wurden Ende 1986 in der Stadtbibliothek Alzenau ausgestellt. Wenig später wurde der Bildstock in der Nähe der Ruprechtsbrücke aufgestellt. Der Aschaffenburger Willibald Blum setzte sich mit seinen Reliefs gegenüber drei konkurrierenden Künstlern durch. Der Dreierstein wurde zum Abschluß der Hochwasserfreilegung zwischen Mühlweg und Birkenbergbrücke in Auftrag gegeben. Die Kosten für das Kunstwerk betrugen 45.000 D-Mark, der Stein kostete etwa 10.000 Mark.

Der Aschaffenburger Künstler Willibald Blum starb 2009, seine Kunstwerke waren stark religiös geprägt. Zusätzlich kam er in Alzenau noch einmal zum Zuge. 1987 gewann er etwa zur gleichen Zeit der Entstehung des Bildstockes an der Kahl mit der Bronzeplastik „Die Sonne und der Regen“ den vom Landkreis Aschaffenburg ausgeschriebenen Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung des Krankenhaus-Vorplatzes in Wasserlos.

Der Name Kahl stammt vom althochdeutschen Wort „kaldaha“ und dem mitelhochdeutschen „kalde“ ab. Das bedeutet kalt, kühl und klar. Bei sehr niedrigem Wasserstand wie im Sommer 2018 nach der Hitzewelle kann das Adjektiv kühl für das Wasser sicher nicht mehr dem tatsächlichen Zustand entsprechen.

In Kahl am Main mündet die Kahl in den Main. Der bedeutendste Ort an der Kahl ist allerdings Alzenau.

Aktuell findet an der Kahl manche Veranstaltung nicht wie gewöhnlich statt. Wegen der Corona-Krise gab es keinen Pflanzenmarkt im Frühjahr und auch keinen Familientag im Juni. 2017 erregte der Diebstahl von acht der dreißig Liegestühle auf dem Gartenschaugelände Aufsehen. Aktuell sieht man nur noch wenige.

Der drei ha große Generationenpark wird nördlich von der Kahl begrenzt. Auf ihm und im Energiepark fand 2015 die Kleine Landesgartenschau statt. Über den Hauckwald ist das ehemalige Gartenschaugelände mit dem Energiepark verknüpft. Der Biergarten ist aktuell wieder geöffnet. Nebenan bedindet sich eine Kneipp-Anlage. Zwei Tischtennisplatten werden zudem rege genutzt. C.S. Juni/Juli 2020

2 Die Heiligen für jeden Tag. Viten, Legenden, Attribute & Patrozinien, Leipzig o.J., S. 144 und https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Nepomuk 17.7.2020

3 Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Florian_von_Lorch 17.7.2020 und vgl .Die Heiligen für jeden Tag, a.a.O., S. 132

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Georg Sebastian Ullrich (1871 bis 1941)

Geboren wurde er im Ullrichshäuschen in der Kahlgasse, heute Mühlweg 2, Alzenau. Seine Eltern waren das Tagelöhnerehepaar Konrad Ullrich und Margarete, geborene Botzem. Seine Lehre machte er in der Alzenauer Zellulosefabrik. Er erlernte das Schlosserhandwerk. Von 1890 bis 1893 arbeitete er als Fabrikschlosser in der Hanauer Pulverfabrik nach drei Jahren Lehrzeit. Zudem arbeitete er bei der Firma Pelissier in Hanau und in den königlichen Betriebswerkstätten der Eisenbahn im Direktionsbezirk Frankfurt am Main. 1891 bis 1894 besuchte er die königlich bayerische Maschinenbauschule im Würzburg. Danach fand er eine Stellung als Assistent des Betriebsingenieurs bei den Elberfelder Farbenfabriken vorm. Bayer & Co. Anschließend war der junge Ingenieur bei den Firmen Fries & Sohn und bei der Deutsch-Amerikanischen Maschinenfabrik Frankfurt am Main beschäftigt – als Konstrukteur für Maschinenbau und Eisenhochbau.

1899 stieg er auf zum Ingenieur der Versuchsstation für Aufbereitung in der „Metallbank und Metallurgischen Gesellschaft in Frankfurt am Main“. Ullrich wurde damit betraut, das neue magnetische Wertherill-Scheideverfahren für die Trennung schwachmagnetischer Erze in der Praxis zu testen. Dies sollte in Australien geschehen. Dort gab es die Schwestergesellschaft „Australian Metal Comp“. Bald gelang es ihm, eine neues magnetisches Scheideverfahren und eine Maschine für tockenmagnetische Scheidung zu erfinden. 1902/1903 reiste Ullrich ein zweites Mal nach Australien – im Auftrag der „Metallurgischen Gesellschaft“. Er stieg zum Betriebsdirektor der dortigen Aufbereitungswerke auf.

Über die damalige Zeit schrieb er: „ Es war mir eine besondere Freude, daß ich als Mitglied der Institution of Mining and Metallurgie, sowie der Mine Manager Association Brokenhill Gelegenheit hatte, der Industrie meines Vaterlandes bei dem Absatz ihrer Maschinen für Aufbereitung und Bergwerksbetrieb in Australien und dem Einkauf der Silber- Zink- und Blei- Conzentrate für das deutsche Hüttenwesen gute Dienste leisten zu können.“1

Noch steigern konnte sich Ulrich 1906. Bis dahin konnten schwachmagnetische Erze nur auf trockenem Wege geschieden werden. Gesundheitlich war das gefährlich wegen des Einatmens des Staubes. Dieser entwickelte sich bei sulphidischen und carbonathaltigen Blei-, Zink- und Silbererzen. Viele Arbeiter erkrankten an Bleikolik.

Ullrich baute eine neue Ringmaschine , die das Problem der Scheidung schwachmagnetischer Erze vollständig auf nassem Wege löste. Die „Institution of Mining and Metallurgie“ in London bot ihm darauf die Mitgliedschaft an. Er heiratete 1908 die Engländerin Ethel Anna Birmingham und kehrte danach mit seiner wohlhabenden Frau nach Deutschland zurück.

Bei der Firma Friedrich Krupp, Grusonwerk AG, in Magdeburg fand er seine Lebensstellung. Ein weiterer Höhepunkt seiner Tätigkeit war die Rückgewinnung von Brennstoffen, Koks und Kohle aus Feuerungsschlacken. Angesichts der großen Brennstoffnot nach dem 1. Weltkrieg galt dies als große Leistung.2 Bald wurden Schlackenscheidungsanlagen betrieben, die etwa 12.000 Tonnen Schlacken pro Tag verarbeiten konnten.

Seinen Lebensabend verbrachte er in Alzenau, wo er 1908 von Tierarzt Karl Härtle dessen Haus in der Wasserloser Straße erwarb. 1938 schied er aus der aktiven Tätigkeit bei Krupp Magdeburg aus und zog sich nach Alzenau in das Privatleben zurück. Im November 1941 starb er an einem Herzschlag.

Anläßlich seines 15. Todestages am 23.11.1956 wurde durch Beschluß des Alzenauer Stadtrates der freie Platz vor dem Zollamt „Dr. Ullrich-Platz“ benannt.

Er war der Inhaber von über 600 Patenten.3 Zudem war Ullrich ein großer Kunstsammler. So besaß er unter anderem japanische Hinterglasmalereien, chinesische Jadeschnitzereien, venezianische Gläser, dalmatinische Gemmen und und asiatische Elfenbeinschnitzereien.

Ullrich-Denkmal in Alzenau

Literatur:

Karl Amberg, Ein Alzenauer mit 600 Patenten. Die Kreisstadt ehrt einen großen Sohn, in : Unser Kahlgrund 1957

Main-Echo vom 11.2.1997 „Die Straßennamen und ihre Bedeutung“

https://www.bavarikon.de/object/bav:UBR-BOS-0000P810XTB00007?p=810

https://www.geni.com/people/Dr-Ing-h-c-Georg-Sebastian-Ullrich/6000000033047381985

1Karl Amberg, Ein Alzenauer mit 600 Patenten. Die Kreisstadt ehrt einen großen Sohn, in : Unser Kahlgrund 1957, S. 67

2Ebd., S. 68

3Main-Echo vom 11.2.1997 „Die Straßennamen und ihre Bedeutung“

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Dreifaltigkeitskapelle Alzenau

Dreifaltigkeitskapelle Alzenau

Massiver Satteldachbau 1892

In der Kapelle: Bildstock 1758 mit Heiliger Dreifaltigkeit, Flurabteilung Wingert

Der Barockbildstock aus rotem Sandstein in der Dreifaltigkeitskapelle wurde 1758 von Sebastian Weismüller und seiner Ehefrau Anna Eva gestiftet.

Über der Eingangstür steht ein Gedicht: „Was schimmert auf dem Berge so schön, wenn die Sternlein hoch am Himmel aufgeh’n? Das ist die Kapelle, still und klein, sie ladet den Pilger zum Beten ein.“

Entstehung: Seit 1884 arbeitete im Distriktkrankenhaus in der Hanauer Straße Schwester Benedikta Hofmann. Sie war Mitglied des Ordens „Kongregation der Töchter des Allerheiligsten Erlösers“- so genannt im Jahre 1866- (seit 1969 „Kongregation der Schwestern des Erlösers“). Eine Niederlassung befand sich seit 1854 in Würzburg.

Die Schwester hatte einen Traum, wonach sie in den Weinbergen über dem nordwestlichen Ausgang Alzenaus an der Stelle des Dreifaltigkeitsbildstockes eine Kapelle erbauen lassen solle. Sie offenbarte ihren Traum einem Maurerpolier und einem Baumeister. Schließlich kam unter Mithilfe zahlreicher Bauern und einem Zimmermeister 1892 die Dreifaltigkeitskapelle zustande. Das Grundstück ist heute im Besitz der Kirchengemeinde. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts stand hier eine Weinbergshütte der Gemeinde.

In der Nähe stand seit 1758 ein Bildstock aus Buntstandstein, den die Eheleute Weismüller hatten aufstellen lassen. Auf ihm sind Symbole der Heiligen Dreifaltigkeit zu sehen. Auf der Rundsäule ist das Reliefbild des heiligen Sebastian zu sehen. Stifter war Sebastian Weismüller, der 1747 Susanne, die Tochter des Alzenauer Lehrers Cembgen heiratete. Er stammte aus Kreutz bei Fulda. Sie starb schon 1748. Ebenso der gemeinsame Sohn. Seine zweite Frau, Anna Eva, und Sebastian stifteten 1758 den Bildstock. Der Stifter starb 1759, der Bildstock bildete nach einer kleinen Versetzung den Mittelpunkt der Kapelle.

Sebastian war ein römischer Soldat, der wahrscheinlich 288 in Rom starb. Seit dem 4. Jahrhundert wird er in der katholischen und später in der orthodoxen Kirche als Märtyrer und Heiliger geehrt. Wahrscheinlich im 5. Jahrhundert bildete sich rund um sein Grabmal und den Namen – Sebastian bedeutet „der zum Kaiser Gehörende“ – eine Heiligenlegende.

Die Jugend verbrachte Sebastian in Mailand. Wegen guter Eignung wurde er zum Offizier der Leibwache von Kaiser Diokletian (Kaiser von 284 bis 305) und Maximian (Kaiser von 286 bis 305) ernannt. Es ist überliefert, dass sich Sebastian als Hauptmann der Prätorianergarde am kaiserlichen Hof öffentlich zum Christentum bekannt und notleidenden Christen geholfen hatte. Diokletian verurteilte ihn deshalb zum Tode und ließ ihn erschießen – durch numidische Bogenschützen.

Im Glauben, er sei tot, ließ man ihn danach liegen. Sebastian war jedoch nicht tot, sondern wurde von einer frommen Witwe, der heiligen Irene (gestorben etwa 288, Witwe des heiligen Märtyrers Kastulus), die ihn eigentlich für das Begräbnis vorbereiten wollte, gesundgepflegt. Glaubensstark kehrte er nach seiner Gesundung zu Diokletian zurück und bekannte sich erneut zum Christentum, was ihm abermals nicht gut bekam.

Diokletian befahl daraufhin, ihn mit Keulen im Circus zu erschlagen. Sebastians Leichnam warf man in die Cloaca Maxima (Kanalisation). Dort wurde er von Christen geborgen. Er soll ihnen im Traum den Ort seines Ablebens übermittelt haben.

Diokletian war ein brutaler Christenverfolger. 303 veranlasste er mit den anderen drei Kaisern das Edikt on Nikomedia, das die Vernichtung der Christen zum Ziel hatte.

Zu den Attributen des heiligen Sebastian gehören Pfeile, die seine Brust durchbohren. Angerufen wird er gegen die Pest und andere Seuchen. Zudem ist er Patron der Sterbenden, der Eisenhändler, Töpfer, Gärtner , Gerber und Bürstenbinder sowie der Polizisten in Deutschland und Italien etc., zudem ist er Patron der Sportler.

Heiligenlegenden beinhalten in erster Linie eine Glaubenswahrheit. Sie haben häufig einen Kern historischer Wahrheit.

Der Bildstock blieb nicht am alten Ort und bildet seit 1892 dem Mittelpunkt der Kapelle. Die Initiatorin der Kapelle Benedikta starb 1918. Mittlerweile ist die Wohnbebauuung dort fortgeschritten. Am Dreifaltigkeitssonntag (Sonntag nach Pfingsten) findet eine Andacht auf dem Platz vor der Kapelle statt. 1955 gab es eine grundlegende Sanierung. In den 70er Jahren entstanden neue Fenster durch den Alzenauer Künstler Franz Wilz.

Quellen:

Wikipedia Heiliger Sebastian, Stand 13.4.2020

Wikipedia Kongregation der Schwestern des Erlösers, Stand 13.4.2020

Heiliger Sebastian – Durchbohrtes Vorbild der Sportler von Agathe Lukassek 20.1.2020, in: http://www.katholisch.de

Walter Scharwies, Das Alzenauer Wingertkapellchen wird hundert Jahre alt, in: Unser Kahlgrund 1992, S. 69 – 71

Franz Perseke, Bildstöcke und ausgewählte Kulturdenkmäler im ehemaligen Landkreis Alzenau, Aschaffenburg 2009

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Den Blick vom Hauckwald zur Burg genoß schon Anton Schnack

Widmung für Alzenau

von Anton Schnack

Geliebter Ort:

Großmutter, Mutter lebten dort

Und schlafen auf dem Friedhof

nun für Ewigkeit fort.

Anmutig angelehnt

Am Hahnenkamm, der waldbedeckt sich dehnt

Von Wanderslust ersehnt.

Versteckt in Gartengrün,

Ein jeder Frühling flammt mit weißem Blüh’n

Um deine Burg, steinkühn.

Durchflossen sanft und schmal

Vom Wasserlauf der Kahl,

Entquollen wiesengrünem Spessarttal.

Ihr Wehr

Sang Rauschen meiner Jugendunruh her.

Das sprach: „Ich wandere zum Meer!“

Akaziendüfte süß und fein;

Der Juniabend wehte sie vom Hauckwaldhain,

Verschwieg’ner Liebe Stelldichein.

So manche warme Sommernacht

In seiner Blätterdämmerung verbracht,

Geküsst, geschäkert, jugendfroh gelacht.

Landschaft mit Obst beschenkt,

Die Äste übervoll behängt,

Wenn sich der Herbst blaudunstig niedersenkt.

Der Mädchen holde Schar

Schon immer lieblich war,

Zu uns’rer Freude auch in diesem Jahr.

Seid ebenfalls gelobt,

Ihr Freunde, treu erprobt,

Hier haben wir gezecht, gesungen,

lebensfroh getobt.

Rundum von Wald umspannt,

Oh Alzenau: Kleinod im Frankenland,

Weithin berühmt, bekannt!

Geliebter Spielpatz meiner Knabenzeit,

Der Jüngling fand hier Liebeslust- und Leid

Der Mann ruht hier vielleicht für immer aus

doch hat’s noch Zeit!

Lebensdaten Anton Schnack (Auszug mit Regionalbezug)

Am 21. Juli wird 1892 Johann Anton Schnack als drittes Kind des GendarmeriestationsKommandanten und späteren Gerichtsvollziehers Hermann Schnack (1853-1913) und dessen Frau Elisabeth (Elise) geb. Faik (1855-1943) im unterfränkischen Rieneck an der Sinn geboren. Seine Geschwister sind Eugenie (1886-1978) und Friedrich (1888-1977), der später ebenfalls Schriftsteller wird.

1915 zieht die Mutter ins elterliche Anwesen nach Alzenau in Unterfranken
um; Anton Schnack begleitet sie. Er arbeitet im Kahltal-Boten mit. Im November wird er zum Kriegsdienst einberufen.

1917 wird er beim Kommunalverband Alzenau als Mühlen- und Lebensmittelkontrolleur dienstverpflichtet.

Am 24. Oktober 1924 heiratet er Maria Glöckler (1901-1978).

Von 1937 bis 1943 wohnt er in Frankfurt am Main.

1945 gerät Schnack in amerikanische Kriegsgefangenschaft; nach seiner Entlassung geht Schnack nach Kahl am Main, wo er mit seiner Frau bis zu seinem Tod im Anwesen der Schwiegereltern, Spessartstraße 8, wohnen wird.

1973 stirbt er nach einem Schwächeanfall, der eine längere Aufnahme in die Hanauer Klinik erfordert, am 26. September an den Folgen einer Herzschwäche in Kahl; er wird auf dem dortigen Friedhof begraben. In diesem Jahr wurde er für den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland vorgeschlagen.

2003 Eine Stele für den Heimatdichter Anton Schnack wird eingeweiht. In Alzenau wird ein Jahr danach eine Gedenktafel aufgestellt.

2013 Ein alter Springbrunnen, ein Pavillon – in Nachbarschaft zu einem verwitterten Pool (dem wahrscheinlich ersten in Kahl) – in diesem Umfeld im Schnackpark wurde am 14.Juni ein Gedenkstein für den Schriftsteller Anton Schnack enthüllt.

Anton Schnack Gedenktafel

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Hohes Kreuz Alzenau

Es gehört neben der Burg und der Pfarrkirche Sankt Justinus zu den Wahrzeichen der Stadt Alzenau. Sie bilden den Alzenauer Dreiklang. Gestiftet wurde das Kreuz 1738 vom Ehepaar Johann Adam und Elisabeth Habermann. Sie besaßen eine Mühle, aus der später die Wellpappen- und Papierfabrik entstand. Bis zum Jahr 1852 stand dieses Kreuz am Dreieck Hanauer Straße/ Mühlweg. Es wird berichtet, dass dort viele Skelettreste gefunden wurden. Der Standort könnte Alzenauer Pestfriedhof gewesen sein. An der Pest Gestorbene wurden nicht in der Nähe der Dorfkirche beerdigt. – In Hörstein starben 1625/1626 allein in vier Wochen 400 Menschen an der Pest.

Die Anregung, das Kreuz zu versetzen, kam vom Alzenauer Pfarrer Anton Kolb (1849 – 1870). Die Ähnlichkeiten der Gestaltung lassen einen Seligenstädter Bildhauer vermuten.

Auf dem Sockel des Hohen Kreuzes kann man folgende Inschrift lesen: “ O Jesu ach mein höchstes Gut – Wasch mich durch dein H. (bedeutet Heilig) Bluth – Bitt durch dein Angst und bittern Todt. Ach stärk mein Seel in letzter Noth. Amen”

Danach kleiner:”Wandersmann stehe still und betrachte Jesus Dein gekreuzigter Heyland dessen Bildnis ihm zu Ehren dahir haben setzen lassen beide Eheleute Johann Adam Habermann und seine Ehefrau Elisabeth geborene Scherbin Ao 1738.”

Hohes Kreuz Alzenau Inschrift

Das Lendentuch ist seit der gotischen Zeit das einzige Kleidungsstück des Gekreuzigten. In romanischen Kreuzesdarstellungen kam es vor, dass Jesus ein Gewand trägt. In frühen oströmischen Darstellungen trägt er ein ärmelloses Gewand. Und in barocken Darstellungen wird das Tuch oft kunstvoll geknotet und von einem Kordelzug gehalten wie in Alzenau.

Betrachten wir den Totenkopf unten am Hohen Kreuz. Der Totenschädel symbolisiert den „alten Adam“ aus dem Paradies. Nach dem Sündenfall erlebt er in der Bibel seine Endlichkeit. „Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück“ heißt es im Alten Testament.

Zusammen mit den gekreuzten Knochen ist der Totenschädel jedoch nicht Symbol des Todes und der Vergänglichkeit. Beide zeigen nach dem Willen des Künstlers die Überwindung des Todes durch Jesu Christi Auferstehung.

Aktuell bilden der Wohnpark am Hauckwald neben einem arg gestutzten Baumstumpf und dem Hohen Kreuz einen neuen Alzenauer Dreiklang. Der Wohnpark bietet sozusagen einen neuen Hintergrund des Hohen Kreuzes.

Hohes Kreuz Alzenau 2019

Ein nicht seltenes Phänomen in der Kulturlandschaft ist auch das Wegekreuz. Hier als Beispiel ein Wegekreuz ganz in der Nähe zwischen Somborn und Bernbach, dessen Sockel 1903 errichtet wurde. Ursprünglich war hier ein Bildstock, der nicht mehr vorhanden ist. Finanziert wurde das Kreuz von Gottfried Schneider. Auf dem Sockel steht geschrieben: “Es ist vollbracht. Und mit geneigtem Haupte gab er den Geist auf.” Joh. 29, 30

Wegekreuz zwischen Somborn und Bernbach


Schloß Wasserlos

 

Pavillon Wasserlos

Pavillon Wasserlos 2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kriegerdenkmal im Pavillon Wasserlos


Schloß Wasserlos

Das heutige Kreiskrankenhaus war früher in Teilen das Wasserloser Schloß. Wahrscheinlich im 14. Jahrhundert bauten die Schelriss von Wasserlos das erste Schloß. Seit dem 14. Jahrhundert ist das Adelsgeschlecht der Schelriss in Wasserlos nachweisbar. Etwa 1330 ist eine Fehde mit der Stadt Frankfurt dokumentiert. Im Jahre 1381 müssen sie eine Klage der Hörsteiner Bürger hinnehmen, die für ihre überkommenen Weiderechte kämpfen.1 Die Hörsteiner setzen sich auf einem Märkerding im August durch. Ihre alten Rechte werden bestätigt. König Ruprecht von der Pfalz ließ die Burg 1405 zerstören. Dieser König, der die Stadtrechte an Alzenau vergeben ließ, entschloß sich im Februar 1405, gemeinsam mit der Stadt Frankfurt, Raubburgen in der Wetterau und Umgebung zu bekämpfen. Zunächst wurde die Mömbriser Burg zerstört, danach das Schloß von Wasserlos verbrannt. Total war die Niederlage der Schellriss nicht. Henne Schellriss konnte mit einem weiteren Bewohner unbehelligt abziehen.Sie konnten die nötige Zahl von Früchten mitnehmen.

1504 starb das Geschlecht der Schellriss aus. Prinz Ludwig Eugen (1731 – 1795), der Sohn des Königs von Baden-Württemberg, Karl Alexander (1684 – 1737), erwarb das Schloß 1767. Erbaut wurde das Schloß 1767/682 oder erst 17903 auf den Resten der alten Burg. 1800 ging das Schloß in den Besitz von Johann Gabriel Marquis von Chasteler de Courcelles über. Er erbaute die Gartenanlage und das Wirtschaftsgebäude. Ein Pavillon entstand als Teehaus.

Eine bedeutende Besitzerin von 1845 an war Ludovica Freifrau von des Bordes (1787 – 1854), geborene Brentano von La Roche. Sie war das achte Kind des Frankfurter Kaufmanns Peter Anton Brentano. Sie selbst nannte sich meistens Lulu.4 1805 heirate sie den Bankier Carl Jordis. Er wurde Hofbankier des Königreiches Westfalen in der Residenzstadt Kassel.5 1824 kam es zur Scheidung. 1827 heiratete sie Richard Peter von Rosier des Bordes. Ludovica hatte keine eigenen Kinder, sondern die 1817 geborene Adoptivtochter Meline. Im Februar 1845 kaufte sie das als „kombiniertes Hofgut“ bezeichnete Schloß für 142.000 Gulden. Hier verbrachte sie ihre letzten Lebensjahre. Von Schloß Wasserlos war es kein weiter Weg zu ihrer Schwester Gunda von Savigny auf Hof Trages. In Aschaffenburg lebte die Familie ihres Bruders Christian. Hier wurde 1849 das Brentanohaus gekauft. Ihr Elternhaus war im nahe gelegenen Frankfurt.

Wie sah Wasserlos in dieser Zeit um 1850 aus? Eine Schrift aus dieser Zeit gibt Auskunft: „Wasserlos, katholisches Filial von Alzenau mit 730 Seelen worunter 48 Juden, 1 Kapelle, 2 Schulen, gutem Feld-, Obst- und Weinbau. Die Anhöhe bei Wasserlos war im 14. Jahrhundert der Sitz eines mächtigen Adelsstammes, der Schellrisse von Wasserlos, deren Burg aber im Jahre 1404 vom Heere der verbündeten Städte zerstört wurde.

Sehenswürdig ist hier das Oekonomiegut der Freifrau von Desbordes mit Schloß, herrlichen Garten-Anlagen und musterhaften ökonomischen Einrichtungen. Das jetzt vereinigte Gut bestand früher aus 2 Höfen. Frühere Besitzer: Oberjägermeister von Schleifroß, Prinz Louis von Württemberg, Landgraf von Rothenburg, Marquis von Chasteler, der das Meiste zur Verschönerung des Gartens beitrug, und Geheimer Finanz-Rath von Menz, von welchem es an die gegenwärtige Besitzerin kam, welche viele zweckmäßige Neubauten aufführt und Verschönerungen vornimmt.“6 1851 setzte Freifrau von des Bordes ihre Adoptivtochter Meline als Alleinerbin ein.

Wasserloser Schloß Schatten

Wasserloser Schloß

1851 stiftete Freifrau von des Bordes mit 2.000 Gulden den Grundstock für den Bau der Wasserloser Kirche. Die Grundsteinlegung für die Kirche erfolgte im Mai 1914, 1920 wurde die Kirche bezogen. In ihrem Testament stand folgende Verfügung: „Für die Armen in Wasserlos 2000 fl, welche ich besonders für Kranke und Reinigen der Wohnungen verwendet haben will.“7 (fl=Gulden)

Der Schwiegersohn, Moritz Graf von Bentheim, gründete 1853 den „Verein zur Beförderung der Kreis-Blindenanstalt für Unterfranken“ – im selben Jahr wurde in Würzburg das Kreisblindeninstitut gegründet (heute ist das die unterfränkische Blindeninstitutsstiftung). Graf Bentheim lebte in Wasserlos und in Würzburg. Seit 1854 gab es eine Eisenbahnverbindung nach Würzburg, die er in Dettingen benutzen konnte.

1866 gab es den Krieg zwischen Preußen und Österreich, den Preußen in der Schlacht bei Königgrätz gewann. Das Schloß war in dieser Zeit Kriegslazarett – wie auch während des Zweiten Weltkrieges. 1901 erwarb Baron von Mumm das Schlossgut Wasserlos. Er war ein renommierter Weinbauer sowie Pferde- und Rinderzüchter. 1916 folgte Wilhelm Weigand als Schloßherr, 1942 verkaufte die Familie Weigand das Schloß and die Reichsjugendverwaltung der NSDAP. Reichsjugendführer war seit März 1933 Baldur von Schirach. Im August 1940 wurde er durch seinen Stellvertreter, Artur Axmann, ersetzt.

Im klassizistischen Stil wurde im späten 18. Jahrhundert oder auch Anfang des 19.Jahrhunderts ein Pavillon gebaut, der auch als Belvedere bezeichnet wird. Er wurde als Teehaus genutzt.8 Im 19. Jahrhundert diente der Pavillon als Kapelle. Seit 1901 fanden dort die ersten evangelischen Gottesdienste im Kahlgrund statt.

Heute ist der zum Schloßgarten gehörende Pavillon von einer Straße durchschnitten. 1955 wurde im Pavillon das Krieger-Ehrenmal untergebracht.9 1938/1941 war die Figur eines getöteten Soldaten bei einer Umgestaltung in diesem Pavillon untergebracht worden. Die Anregung an den Gemeinderat Wasserlos zur Errichtung eines Krieger-Ehrenmals kam 1929 von den Vorständen der Ortsvereine. 1929 und im November 1932 gab es Sammlungen dafür. Anfang 1939 wurde begonnen, den Pavillon als Mahnmal umzugestalten. Leitender Architekt war der Direktor der Aschaffenburger Meisterschule für Bauhandwerker, Otto Leitolf. Als Bildhauer wurde Karl Fäth aus Fechenbach, spezialisiert auf Kriegerdenkmäler, ausgewählt. Entlang des Sarkophags befindet sich eine Inschrift, die folgendermaßen lautet: „Ihren für das Vaterland gefallenen Söhnen errichtet zum ewigen Gedächtnis von der Gemeinde Wasserlos.“ Die Figur eines liegenden Kriegers befand sich im Frühjahr 1940 immer noch in Fechenheim. Im Januar 1941 geschah die Sicherung der unvollendet gebliebenen Eingangspforte. Weitere Nachrichten gab es erst Ende 1953, wonach der Krieger, leicht beschädigt an seinem Stahlhelm, noch in dem fensterlosen Pavillon liege.10 Der Zweite Weltkrieg hatte den Pavillon 1943 durch eine frei gesetzte Schockwelle sowohl am Dach als auch an den Fenstern und der Figur ramponiert.

Die Wasserloser Kriegerfigur zeigt nicht gerade große Distanz zum Heldentod im Krieg. Der aufgebahrte Soldat trägt einen Uniformmantel und einen Helm. Sein Kopf liegt auf einem Tornister.Auf seiner rechten Seite drückt er ein Sturmgewehr an seine rechte Körperseite, an seiner linken Seite liegt ein Eichenlaubkranz, zu seinen Füssen ist ein Wappen Unterfrankens zu sehen. Die Besatzungsmacht USA sah derartige Kriegerdenkmäler nach Kriegsende nicht so gerne, nach der Gründung der Bundesrepublik 1949 hatten die Deutschen wieder mehr Einfluss darauf. In der Kirche wollte die Gemeinde Wasserlos das Denkmal allerdings nicht haben.

In dieser Zeit erhielt der Bildhauer Hans König den Auftrag, drei bleiverglaste farbige Fenster anzufertigen. Die Fenster zeigen symbolisch den Krieg, das Opfer und den Frieden. Die herab fliegende Taube steht für den Frieden. Ein Blitz symbolisiert den Krieg, das Kreuz das Opfer. Die Ausmalung der Kuppel wurde dem Kunstmaler Gunter Ullrich übertragen. Gezeigt wird ein Friedens- und Racheengel – weiß gekleidet mit erhobenem Schwert. Ein Friedenssymbol kann darin allerdings nicht gesehen werden – nach meiner Einschätzung. Mit einer Hand lässt der Engel drei Ölzweige als Zeichen des Friedens fallen. Gegenüber der Dominanz des Schwertes wirken die Ölzweige allerdings eher unauffällig und sekundär.

Die Gedenkstätte wurde im Mai 1955 eingeweiht und kostete 15.000 DM.

1949 ging das Schloß Wasserlos an das Land Bayern über. 1951 übergab Bayern das Areal mit dem 3,3 ha großen Englischen Garten an den Landkreis Aschaffenburg. Aktuell ist es Teil des Klinikums Aschaffenburg-Alzenau, nach Ende des Zweiten Weltkrieges war es zunächst das Krankenhaus des Altlandkreises Alzenau.

Um den Erhalt der Lindenallee im Wasserloser Kirschgarten, der zum Pavillon führt, wurde in jüngster Zeit (2017) gestritten. Bei einem Ortstermin im April kam es zu Kontroversen. Die alten Linden fällen und stattdessen die Allee völlig neu anlegen – dafür plädierte die städtische Umweltabteilung.Dem von der Stadt verpflichteten Sachverständigen Jan Goevert aus Kriftel (Main-Taunus-Kreis), dessen Vortrag auf den dringenden Rat hinauslief, die Allee neu anzulegen, bescheinigte eine Anliegerin ebenso wie den Vertretern des Rathauses mangelnde Sachkenntnis: Sehr wohl gebe es Mittel und Wege, das Fällen pilzgeschwächter Bäume zu vermeiden. Sie nannte ein Beispiel im schwäbischen Tübingen.11

Drei Linden seien zu drastisch beschnitten worden, hieß es später im Oktober von dieser Anliegerin. Laut städtischer Umweltabteilung handele es sich um eine Pflegerückschnitt. Die Linden würden ihr Aussehen wieder verändern. Zudem sei die Verkehrssicherheit gefährdet gewesen. Weiter hieß es von der Umweltabteilung: „Die Bäume wurden vor etwa 30 Jahren stark zurückgekürzt, was zu Wunden und einhergehendem Pilzbefall führte. An diesen Schwachstellen müssen in regelmäßigen Abständen Entlastungsschnitte durchgeführt werden, um einem Abbrechen der Äste zuvorzukommen.“12

Kehren wir zu Ludovica Freifrau von des Bordes zurück, vom Pilzbefall zum Trauerbefall sozusagen. Ein bedeutender Dichter der Deutschen Romantik, Joseph von Eichendorff, würdigte die „Geistlichen Gedichte“ der Freifrau entschieden und stellte sie mit den geistlichen Liedern von Annette von Droste-Hülshoff auf eine Stufe:“Die allerneueste Poesie hatte es unternommen, die falsche Aufklärung, welche die Romantiker einst scheinbar zu Grabe getragen, unter nicht geringem Lärm wieder zu erwecken und mit allem Schmuck poetischer Formeln als Göttin der Vernunft auf den Thron zu erheben. Es ist in der Hauptsache ein Vornehmtun gegen Gott, an dem sich insbesondere auch schriftstellernde Damen sehr erfolgreich beteiligten. Wir können es daher nur als erfreuliches Zeichen der Zeit begrüßen, daß neuerdings zwei hochbegabte Frauen wie Annette von Droste-Hülshoff und Frau von des Bordes einen jener Salonweisheit geradezu entgegengesetzten Ton anschlagen.“13

Eines ihrer „Geistlichen Gedichte“ soll hier wiedergegeben werden.

Mein treuester Begleiter

Nur Eins ist mir getreu in diesem Leben –

Es ist der Schmerz,

Mag er mich drücken oder mich erheben,

Er zwingt mein Herz

Und wie die Blüth‘ sich nach dem Brand der Sonne

Im Thau erhebt,

So wird mein Herz nach jeder ird’schen Wonne

Von Schmerz belebt.

Ach alle Lebensfreuden sie beglücken

Nur kleine Weil‘,

Im Opfer nur ist schmerzliches Entzücken,

Im Kreuz ist Heil!

O könnt‘ ich, wie ich wollt‘, mich Dir ergeben,

Erlöser du!

Dann fänd‘ im Liebestode ich das Leben,

Die Seele Ruh‘!14

Ähnlichen Schmerz drückte Heinrich Heine in seinem Gedicht „Rückschau“ 1851 aus:

Ach, jede Lust, ach, jeden Genuß

Hab ich erkauft durch herben Verdruß;

Ich ward getränkt mit Bitternissen

Und grausam von den Wanzen gebissen

Ich ward bedrängt von schwarzen Sorgen,

Ich mußte lügen, ich mußte borgen

Bei reichen Buben und alten Vetteln –

Ich glaube sogar, ich mußte betteln.

Jetzt bin ich müd‘ vom Rennen und Laufen,

Jetzt will ich mich im Grabe verschnaufen.

Ein religiös versöhnlicher Schluß fehlt hier allerdings. Heinrich Heine lebte eher von der Ironie.

2002 wurde Ludovica sogar in einem Denkmal in der Hahnenkammstraße abgebildet. Sie öffnet das Fenster eines Rundturmes und trägt Kinderlieder vor. Unter dem Fenster sind zwei Kinder zu sehen.Auf dem Turm steht ein krähender Hahn. Die abgebildete Rebe deutet auf den Weinbau in und um Wasserlos hin. Gestalter war Theophil Steinbrecher.

1Heimat- und Geschichtsverein Alzenau (Hrsg.), Kulturgeschichtliche Entwicklung des Alzenauer Raumes, Alzenau 1988, S. 28

2Walter Scharwies, Adeliges Leben, Wohltätigkeit und Liebe zur Landschaft – Familie von des Bordes/ zu Bentheim auf Schloss Wasserlos, in: Stadt Alzenau (Hrsg.), Ludovica Freifrau von des Bordes, geborene Brentano von La Roche, Herrin auf Schloss Wasserlos und Wohltäterin der Gemeinde, Alzenau 2002, S. 25

5Gunda von Savigny, Hof Tages, Hanau 1999, S. 106

6Zitiert nach Scharwies, a.a.O., S. 33 f. – Die Datierung der Zerstörung der Burg differiert hier um ein Jahr

7Scharwies, a.a.O., S. 37

8Karl Braun, Michael Neumann, Wasserlos, in: Stadt Alzenau (Hrsg.), Alzenauer Stadtbuch, Alzenau 2001, S. 139

Siehe auch: Thomas Ratzka, der Gartenpavillon als Ehrenmal – zur Geschichte des ‚Kriegerdenkmals‘ in Wasserlos, in: Unser Kahlgrund 2002, S. 86 ff.

9Vgl. Informationstafel Wasserloser Schloß

10Vgl. Ratzka, a.a.O., S. 89

11Main-Echo vom 13.4.2017

12Main-Echo vom 20.10.2017

13Zitiert nach: Hartwig Schultz, Ludovica von des Bordes, geborene Brentano von La Roche. Von der reichen Kaufmannstochter zur Schriftstellerin in Wohltäterin, in: Stadt Alzenau (Hrsg.), Ludovica Freifrau von des Bordes, geborene Brentano von La Roche, Herrin auf Schloss Wasserlos und Wohltäterin der Gemeinde, Alzenau 2002, S. 16 ff.

14Ebd., S. 17

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Justinuskirche Alzenau

Wahrscheinlich ist die Pfarrei im 9. Jahrhundert nach Christus entstanden. Die Reliquien des heiligen Justinus wurden 834 nach Höchst gebracht. Justinus war ein christlicher Märtyrer im römischen Reich. Wahrscheinlich erlitt er 269 unter Kaiser Claudius II. oder eher Valerian den Märtyrertod. Kaiser Valerian ordnete an, nachdem Justinus seinem christlichen Glauben nicht abgeschworen hatte, ihn zu enthaupten. 1298 kamen die Reliquien nach Mainz in das Stift St. Alban. Teile der Reliquien kamen auch in die Einhardsbasilika nach Seligenstadt .Von dort kam die Justinusverehrung über die Benediktiner nach Wilmundsheim. Im Verlauf des 9. Jahrhunderts wurde von Seligenstadt aus die Pfarrei Wilmundsheim gegründet. Auf dem Kirchberg wurde hier die erste Pfarrkirche gegründet. Seit 830 gab es die benediktinische Klostergemeinschaft in Seligenstadt.

Die Abtei Seligenstadt war im Hochmittelalter bestrebt, die Landeshoheit im Freigericht zu erringen. Dies gelang ihr nicht, seit 1063 war Seligenstadt Mainzer Mediatkloster und damit von den Mainzer Erzbischöfen abhängig. Als Grundherr verfügte die Abtei Seligenstadt in Wilmundsheim über beachtlichen Grundbesitz, der Abt war Obermärker vor Ort. Im ältesten Seligenstädter Zinsregister aus ottonischer Zeit gab es zwei Grundholden (Bauern im Mittelalter, die außerhalb des Fronhofes arbeiteten, aber Steuern an den Grundherren zahlen mussten) in Wilmundsheim, die dem Kloster in Seligenstadt jeweils vier Denare (im Mittelalter gleichbedeutend mit dem Pfennig) pro Jahr entrichten mussten.1

Die Vorläuferkirche von Sankt Justinus stand räumlich in der Nähe des aktuellen Leichenhauses, 1754 wurde sie baufällig. 1756 wird ein Neubau beschlossen. Die Grundsteinlegung erfolgt 1757 nach einem Bauvertrag mit dem Aschaffenburger Unternehmer Franz Bockorny. Die Weihe wurde 1758 durch den Mainzer Weihbischof Christoph Nebel vorgenommen. 1760 wurde der Bau fertiggestellt. Architekt war der Miltenberger Johann Martin Schmidt.

Justinuskirche

Justinuskirche Alzenau

Die beiden Seitenaltäre (links Marienaltar, rechts Johannes-Nepomuk Altar) werden dem Würzburger Bildhauer Johann Peter Wagner (ca. 1764) zugeschrieben.

Der Hochaltar wurde 1776 bei dem Aschaffenburger Bildhauer Ernst Hofmann in Auftrag gegeben. Wahrscheinlich wurde er ein Jahr später errichtet. Der Centgraf Heinrich Neumann stiftete kurz vorher die Summe von 500 fl. (Gulden). 1859 wurde er durch einen Vergolder namens Schneeweiß wie die Kanzel und die Seitenaltäre neu gefasst. Im Mittelpunkt steht der gekreuzigte Christus im Strahlenglanz. Darunter das Tabernakel (Hostienbehälter). Darüber ein weißes Kreuz. Der Altar ist eingerahmt von vier korinthischen Säulen. Der Altar entspricht einer regionalen Sonderform des barocken römischen Baldachinaltars.

Neben dem Altar steht eine Figur Karls des Großen (fränkischer König von 768 bis 814, Kaiser seit 800), auf der anderen Seite die des Bonifatius (673 bis 754/755, 746 Bischof von Mainz).Die beiden kleinen Figuren im Vordergrund sind Benedikt von Nursia (480 bis 547) und der Kirchenpatron Sankt Justinus. Bei ihnen ist ungewiss, ob sie zur Altaranlage gehören.

Um 1971 kamen die Grabmäler des Pfarrers Franz Josef Krick und des Kaplanes Philipp Mark in die Kirche. Die letzte Renovierung gab es 1988 unter Pfarrer Karlheinz Buhleier. Der rote Sandsteinbau ist eines der Wahrzeichen Alzenaus.

Gesamtwürdigung:

„Mit den beiden Seitenaltären Johann Peter Wagners werden kunsträumliche Grenzen und regionale Qualitätsnormen überschritten und der Anschluß an das hohe süddeutsche Kunstniveau des späteren 18. Jh. erreicht.“2

Persönliche Erinnerungen: Pfarrer Buhleier brachte in einer seiner Predigten einmal einen Fußball mit,den er auf dem Boden mehrfach aufdotzen ließ. An den theologischen Hintergrund erinnere ich mich nicht mehr. Wer früher Feste auf dem Marktplatz am Samstag veranstaltete, musste während der Gottesdienstzeit die Lautsprecher ausschalten. Auch bei unbeabsichtigter Überschreitung wurde an Kritik nicht gespart. Anlässlich des Gewinns der Fußballweltmeisterschaft durch die deutsche Nationalmannschaft 2014 läuteten die Kirchenglocken von Sankt Justinus.

Das historische Orgelgehäuse wurde 1992/1993 restauriert. Dabei wurden zwei Zettel gefunden, die bezeugen, dass die Orgel 1734 erbaut wurde. Seit Anfang 1992 ist die Kirche eine der hauptamtlichen Kirchenmusikerstellen der Diözese Würzburg. Einen Monat später wurde die Kantorei Sankt Justinus gegründet.

In der NS-Zeit wurden die Glocken für Kriegszwecke verwendet. In der Woche nach Palmsonntag 1942 wurden die Glocken vom Kirchturm von Sankt Justinus geholt und nach Hamburg weggebracht. Hier wurden sie zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Bei Glockenabholung ahnten viele:“Wenn man die Glocken holt, ist der Krieg verloren!“3

Kaplan Walter Zimowski wirkte von Oktober 1941 bis Oktober 1947 in Alzenau. Zusammen mit dem damaligen Bürgermeister Michael Antoni verhinderte er im März 1945 die Zerstörung Alzenaus durch die Amerikaner. Am 28. März fuhren die beiden mit dem Motorrad zu den Amerikanern, um eine kampflose Übergabe der Stadt zu erreichen, was letztendlich gelang. Da es sich nach Ansicht der führenden Nationalsozialisten um Hochverrat handelte, wurde in einem Standgerichtsverfahren gegen beide Personen die Todesstrafe durch Erschießen ausgesprochen.Bürgermeister Antoni konnte erfolgreich untertauchen, Kaplan Zimowski fand bei einer Familie in Wasserlos Unterschlupf. Am Karfreitag, dem 30. März 1945, zogen dann die Amerikaner kampflos in Alzenau ein. Kommandatur war zunächst die Villa Messmer, danach das Postamt. Auf dem Turm der Villa Messmer wehte eine weiße Fahne.

In der Diskussion war die Justinuskirche zuletzt als Aufnahmeort für die Tafeln der Gefallenen der beiden Weltkriege. Seit Ende März 2019 hängen sie wieder in Sankt Justinus. Vor 31 Jahren waren sie daraus entfernt worden. Vor zehn Jahren wurden die Tafeln restauriert und die Namen der evangelischen und konfessionslosen Gefallenen angefügt. Die vierte Tafel wurde ergänzt, eine fünfte neu geschaffen. Der Heimat- und Geschichtsverein zeigte die Tafeln einmal in einer Ausstellung im Michelbacher Schlößchen 2009.

Literatur:

Jan Kölbel, Johann Kugler, Matthias Sittinger, Frank Stickler, Markus Waite, 250 Jahre Sankt Justinus – 100 Jahre Peter und Paul, Alzenau o.J.

Jürgen Julier, Alzenau St. Justinus, München 1981 (Schnell Kunstführer Nr. 1307)

https://de.wikipedia.org/wiki/St._Justinus_(Alzenau)

https://de.wikipedia.org/wiki/Justin_der_Bekenner

Christian Grebner ,Die Geschichte der Pfarrei Alzenau im Überblick, in: Katholisches Pfarramt

St.Justinus (Hrsg.), 225 Jahre Pfarrkirche St. Justinus Alzenau Unterfranken, Alzenau 1983

Edgar Meyer, Alt Alzenau – neu entdeckt Bd. 2, Der Nationalsozialismus in Alzenau, sein Ende und die Zeit danach, Alzenau 1995

1Vgl. Christian Grebner, Die Geschichte der Pfarrei Alzenau im Überblick, in: Katholisches Pfarramt St. Justinus (Hrsg.), 225 Jahre Pfarrkirchze St. Justinus Alzenau Unterfranken, Alzenau 1983, S. 44 ff.

2Jürgen Julier, Alzenau St. Justinus, München 1981 (Schnell Kunstführer Nr. 1307), S. 14

3Edgar Meyer, Alt Alzenau – neu entdeckt Bd. 2, Der Nationalsozialismus in Alzenau, sein Ende und die Zeit danach, Alzenau 1995, S. 51

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König Ruprecht von der Pfalz – die Burg Alzenau

König Ruprecht

Der Mainzer Erzbischof Johann II. (1397 – 1419) ist eine Schlüsselgestalt der Alzenauer Burg. 1399 wurde von ihm eine Urkunde ausgestellt, in der das „nuwe schloß Altzenahe“ genannt wird. Das Schloß wurde in späteren Zeiten in eine Burg umgewandelt, Entstehungszeit der Burg ist somit das Ende des 14. Jahrhunderts. Sie war Verwaltungssitz der Kurfürsten von Mainz. Bis ins 15.Jahrhundert war der Ausdruck Wilmundsheim für das spätere Alzenau gebräuchlich. Schon Ende des 14. Jahrhunderts bekam Wilmundsheim vom Mainzer Erzbischof eine eigene Gerichtsbarkeit und Pfahlbürger. 1401 schaltete sich König Ruprecht von der Pfalz ein, dessen Onkel Erzbischof Johann II. war. Das Dorf Wilmundsheim durfte sich mit Mauern und Graben umgeben – es wurde eine Stadt daraus. Damit konnten auch Jahr- und Wochenmärkte abgehalten werden.1

Ruprecht von der Pfalz (1352 bis 1410) war von 1400 bis 1410 deutscher König und von 1398 bis 1410 Pfalzgraf und Kurfürst der Pfalz. Seit 1374 war er mit Elisabeth von Hohenzollern-Nürnberg verheiratet. Zusammen mit Erzbischof Johann II. gehörte er 1400 zu den Fürsten, die im August in Oberlahnstein König Wenzel (den Faulen, Luxemburger) absetzten.2 Sein Königtum war von Anfang an wacklig. Die Luxemburger lehnten es ab. Aachen verweigerte sich als Krönungsort, so dass die Krönung Anfang 1401 in Köln stattfinden musste.3 Seine Hausmacht war nicht sehr groß.

Ruprechts Italienzug von 1401/1402 erwies sich als vergeblich. In Italien wollte er die Kaiserkrone gewinnen und Mailand bezwingen, das sein Vorgänger, König Wenzel, an die Visconti verloren hatte.4 Feinde der Visconti waren in Italien die Florentiner, die König Wenzel abgelehnt hatten. Verbündet hatte sich Ruprecht mit den Habsburgern, denen territorialer Gewinn in der Lombardei zugesichert worden war. Die Florentiner gewährten Ruprecht ein Geldgeschenk von 200.000 Gulden und eine Anleihe in gleicher Höhe. Mit dem Herzog von Mailand, Gian Galeazzo von Mailand, konnte er nicht mithalten. Seine Einnahmen beliefen sich auf mindestens 1,2 Millionen Florin. Wer mehr Kohle hat, der ist eben nicht zu besiegen, so war es damals schon.

Schon im Oktober 1401 erlitt er eine Niederlage vor Brescia und seine Verbündeten, Erzbischof Friedrich von Köln und Herzog Leopold von Österreich, verließen Ruprechts Heer und kehrten nach Hause zurück. Vergeblich versuchte der König, Venedig in einen Krieg mit Mailand zu ziehen. Auch Papst Bonifaz IX. schloß kein Bündnis mit ihm. Im Mai 1402 war sein Rückzug in München abgeschlossen. Die Visconti erwiesen sich zu stark für ihn, eine deutsche Reichspolitik mit Kaiserkrönung in Rom war nicht mehr erfolgreich. Im Juli 1402 kam eine Hochzeit des 26 Jahre alten Prinzen Ludwig mit der zehnjährigen Prinzessin Blanca von England zustande. Diese Verbindung brachte dem König Geld und nicht nur Ansehen.

Papst Bonifaz IX. erkannte Ruprecht 1403 als König an. Dieser sollte sich für ein Papsttum unter römischer Oberhoheit einsetzen (es war die Zeit des Schismas -1378 bis 1417 – Gegenpäpste in Avignon). Ruprechts Vorgehen gegen die Stände des Reiches führte zur Gründungen des Marbacher Bundes 1405. Sein Onkel Johann II. sah die Fürsten als Mitinhaber des Reiches. Der König konnte es erreichen, dass der Marbacher Bund Ruprechts Macht nicht noch weiter schwächen konnte, indem er Sonderverträge mit einigen Mitgliedern schloß. Brabant ging endgültig an Neuburgund verloren, worauf sich Herzog Rainald von Geldern Ruprecht anschloss und er 1407 in Aachen den Thron Karls des Großen bestieg. Auf dem Konzil zu Pisa 1409 wurde ein dritter Papst, Alexander V., gewählt, die zwei bisher regierenden, Benedikt XIII. Und Gregor XII. wurden abgesetzt. Der größte Teil der deutschen Kirche erkannte Alexander V. an, der deutsche König hielt an dem römischen Papst, Gregor XII. fest.- Als der König gegen Johann von Mainz, der Alexander V. unterstützte und mit Frankreich verbündet war, einen Feldzug vorbereitete, setzte der Tod diesem Vorhaben ein Ende. Er starb am 18. Mai 1410.

Obwohl er nur König war, wurde ihm in Alzenau der Kaisertitel verliehen. Kaiser Ruprecht Apotheke, Kaiser Ruprecht Markt und Kaiser Ruprecht Straße. Man könnte noch einen drauf setzen und Alzenau zur Kaiserstadt machen – „Alzenau Stadt im Grünen und Kaiser Ruprecht Stadt“.

Die Burg Alzenau

Burgtor Alzenau zwei

Burg Alzenau

Stiftsamtmänner aus Mainz residierten in der Burg. In einem Bestallungsbrief von 1529 heißt es zu seiner Funktion: Er sei verpflichtet, „alles, Hab und Gut, die armen Leute getreulich zu schirmen, zu schützen, zu handhaben und zu verteidigen.“5

Im Zweiten Markgräflerkrieg wurde Schloß Johannisberg in Aschaffenburg von Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach 1552 niedergebrannt. Der Burg Alzenau erging es genauso. Mit dem Wiederaufbau begann der Kurfürst Daniel Brendel von Homburg (1523 – 1582). Sein Wappen ist über dem Torbogen des kleinen Innenhofes der Burg zu sehen. Der Wiederaufbau fand in den 70er Jahren des 16. Jahrhunderts statt. Im Verzeichnis der Frondienstleistungen wird das Jahr 1575 genannt.

Einen historischen Höhepunkt erlebte die Burg an Silvester 1634 im Dreißigjährigen Krieg mit dem Überfall schwedischer Truppen auf die kaiserlichen Offiziere des Feldmarschalls Mansfeld. Mehrere Reiterregimenter waren in Alzenau und Umgebung Ende 1634 einquartiert. Die schwedischen Truppen rückten mit 250 Reitern und 150 Musketieren an. Die Erstürmung der Burg überraschte die kaiserliche Besatzung. Nicht wenige kaiserliche Dragoner wurden gefangengenommen oder getötet, einige entkamen.6Die Schweden machten reiche Beute: acht Standarten, mehr als 800 Pferde mit Zaumzeug, mehrere Offiziere und die Kutsche des Grafen Wartberg, der entkommen war. Die Schweden kehrten vor dem Morgengrauen nach Hanau zurück.

Das Amtshaus entstand im 18 Jahrhundert. Die Grafschaft Hessen-Darmstadt entsandte einen Amtsvogt nach der Säkularisation 1803. 1816 kam Alzenau zu Bayern – das Königlich-Bayerische Landgericht zog in die Burg. Aktuell finden in der Burg kulturelle Veranstaltungen statt, Theater im Innenhof, Musikveranstaltungen im zweiten Obergeschoß. Der Rittersaal gilt als „Kabinettstück deutscher Burgenbaukunst“.

Markant ist der Kappellenerker, der sich im Rittersaal befindet. Kennzeichnend ist ein spätgotisches Kappengewölbe. Von der Bemalung des Rittersaales ist nichts mehr übrig.

Randenburg Sage

Die Alzenauer Namensage ist eng mit der Randenburg verbunden. Nach der Einnahme der Burg im 13. Jahrhundert wurde der Frau des Burgherren freier Abzug gewährt. Sie durfte mitnehmen, was sie tragen konnte. Die Frau war selbstlos und nahm ihren Mann auf den Schultern mit. Als ihr die Last zu schwer wurde, bat ihr Mann, sie möge ihn zurücklassen. Sie antwortete „all zu nah“. Bis zur Anhöhe in der Nähe hielt sie durch. Der Randenburger soll hier eine neue Burg gegründet haben, die er im Gedenken an diese Rettung „Allzunah“ nannte. Hieraus entstand dann nach der Sage der Name „Alzenau“.

Randenburg Denkmal

Alzenauer Namensage Denkmal

1Vgl.Burg Alzenau – Schnell Kunstführer Nr. 1445, München und Zürich 1984, S. 2 ff.

3Friedrich Baethgen, Schisma und Konzilszeit Reichsreform und Habsburgs Aufstieg (Gebhardt Handbuch der deutschen Geschichte Band 6) , München 1973, S. 42

4Leo Stern, Erhard Voigt, Johannes Schildhauer, Deutschland von der Mitte des 13. bis zum ausgehenden 15. Jahrhundert, Ost-Berlin 1984, S. 180

5Schnell Kunstführer, a.a.O., S. 5

6Heimat- und Geschichtsverein Alzenau (Hrsg.), Kulturgeschichtliche Entwicklung des Alzenauer Raumes, Alzenau 1988, S. 38 ff.

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Einige Kirchen und das Schloß von Aschaffenburg

Herzog Otto von Schwaben und das Hochstift Achaffenburg

Regesten

Kirchberg am 20.Juni 974: Kaiser Otto schenkt auf Bitten seines gleichnamigen Brudersohnes (des Herzogs von Schwaben), zwei königliche Eigenkirchen, eine in Salz, die andere in Brendlorenzen mit allem Zubehör der in Aschaffenburg zu Ehren des hl. Petrus und des hl. Alexander geweihten Kirche zum Unterhalt der Kanoniker

Nimwegen am 11. März 975: Kaiser Otto überträgt auf Bitten seines gleichnamigen Brudersohnes aus königlichem Eigentum eine Kirche und einenm Hof in Rohr mit allem Zubehör in das Eigentum der Kirche des hl. Petrus in Aschaffenburg

Bothfeld am 29. August 975: Kaiser Otto übergibt auf Bitten seinees Neffen, des Herzogs Otto von Schwaben, die ihm von diesen geschenkten Abgaben aus den Orten Kleinostheim und Dettingen der Kirche des hl. Petrus in Aschaffenburg zur Präbende der Brüder (Präbende bedeutet Pfründe)

Ingelheim am 9. Februar 976: Kaiser Otto, der auf Bitten seines Brudersohnes Otto, des Herzogs von Schwaben, die von demselben in Aschaffenburg gebaute und zu Ehren des hl. Petrus und des hl. Mätyrers Alexander eingeweihte Kirche mit Gütern und Zehnten ausgestattet hat und sie mit kaiserlichen Privilegien festigen und sichern will, bestimmt, daß die Kirche für alle ihre Güter nur einen Vogt haben, zu dessen servicium jedes männliche Familienmitglied das firdeil und einen Denar, jede Kurie ihr Teil entsprechend der Leistung an die Kirche beitragen soll, daß der Vogt nur auf Anruf des Propstes zu den gebotenen Dings kommen und weder von den Familien noch von den Gütern der Aschaffenburger Kirche Steuern erheben darf. Ferner schenkt der Kaiser der Aschaffenburger Kirche die vortreffliche Familie in Wirtheim dergestallt, daß der Propst ohne Rücksicht auf den Vogt jedes Familienmitglied, bevor es zins- und dingpflichtig wird, zu Ministerialen der Kirche machen kann. (Firdeil bedeutet – 976 wird in einer Urkunde Otto II. ein Maas Haber, welches Fir deil heißet, genannt. )

Agathakirche

St. Agatha ist ein katholische Aschaffenburger Kirche, deren Ursprung auf die Zeit 1168/1171 zurückgeht. Sie wurde außerhalb der Stadtmauern errichtet. Die Kirche brannte im März 1945 völlig aus. 1962/1963 wurde der jetzige Turm errichtet. Über dem Portal wurde 1963 eine 4 Meter hohe und 12 Tonnen schwere Sandsteinfigur der heiligen Agatha angebracht. Die Jungfrau Agatha von Catania starb wahrscheinlich unter Kaiser Decius zwischen 249 und 251 als Märtyrerin.

Agathakirche (3)

Agathakirche Aschaffenburg

Christuskirche

Sie ist die erste Stadtkirche in Aschaffenburg, die evangelisch-lutherisch entstand. Sie wurde 1837/1839 errichtet und steht in der Altstadt in der Nähe des Schlosses. Die Mittel zum Bau wurden in einer Landeskollekte gesammelt. Initiatorin war Königin Therese, eine gebürtige Protestantin. Sie war eine Prinzessin von Sachsen-Hildburghausen. Seit 1825 war sie Königin von Bayern nach der Heirat mit Ludwig I. Beim Bau der Christuskirche machte sie zur Auflage, eine Loge auf Kosten der Gemeinde zu erhalten, damit sie bei ihrer Anwesenheit im Schloss am Gottesdienst teilnehmen konnte.

Christuskirche

Christuskirche Aschaffenburg

Ist Karl der Große von Aschaffenburg aus in den Spessart zur Jagd gezogen? Ludwig I., das ist sicher, ließ hier das Pompejanum erbauen. Das Aschaffenburger Schloß Johannisburg ist ein architektonisches Denkmal ersten Ranges aus dem 17. Jahrhundert. Initiiiert von Kurfürst Johann Schweikart von Kronberg wurde 1605 bis 1614 eine symmetrische Vierflügelanlage errichtet, deren Baumeister Georg Ridinger war. Der Bergfried im Schloßhof wurde 1337 errichtet und ist in die Schloßarchitektur integriert. 1552 wurde die Burg im Markgräflerkieg durch den Markgrafen Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach niedergebrannt und geplündert. Dabei wurde auch die Heilig- Grab-Kirche der Beginen zerstört. 1553 war dann das Hochstift Bamberg dran.1614 war die Einweihung – 10 Jahre nach dem Amtsantritt Johann Schweikarts von Kronberg. Wie wurde dieses Schloß finanziert? Es kostete einschließlich der Inneneinrichtung mehr als 1 Million Gulden. Es mußten Anleihen in Nürnberg, Frankfurt und Mainz aufgenommen werden. Aus den Jahren 1600 bis 1630 sind für das Erzstift Mainz, in dem Johann Schweikart Kurfürst war, Dokumente zum Tod von 1879 Opfern von Hexenverfolgungen erhalten geblieben. Im Aschaffenburger Gerichtsbezirk wurde 1592 die erste nachweisbare Hinrichtung einer Hexe verzeichnet. Zwischen 1600 und 1613 sind die Verbrennungen von über 150 Hexen dokumentiert.

Die Hexenprozesse in Aschaffenburg produzierten einen Sozialterror größeren Stils.Der Stadtschultheiß Nicolaus Reigersberger (1624 – 1652) war Vorsitzender der Hexengerichte in Aschaffenburg, Großkrotzenburg, Wörth und Mönchberg. Für die zahlreichen Prozesse in Aschaffenburg und Großkrotzenburg kassierte er fast 1.500 Gulden. Hexenprozesse wurden auch als Mittel der Gegenreformation eingesetzt. Besonders aber als Mittel zum Füllen der Kasse, da das Vermögen der Angeklagten eingezogen wurde. Dieses Geld passte für den Bau des neuen Schlosses Johannisburg in Aschaffenburg, der Umfang des Einsatzes von Hexengeldern ist unklar.

Schloß Johannisburg

Schloß Johannisburg

Geschichte der Stiftskirche   

Die Kirche ist nach bekannten Persönlichkeiten benannt. Mit Petrus ist der Jünger und Apostel Simon Petrus gemeint, der wahrscheinlich in Rom starb. Alexander I. war der sechste Bischof von Rom. Er starb 115 nach Christus. Sankt Peter und Sankt Alexander wurde um 950 durch Herzog Liudolf von Schwaben (Sohn des deutschen Kaisers Otto I.) und seine Frau Ida von Schwaben (Tochter des Herzogs Hermann I. von Schwaben) wahrscheinlich zwischen 947 und 957 erbaut. Die Zeit vor 954 ist wahrscheinlich, da Liudolf infolge einer Auseinandersetzung mit seinem Vater das Herzogtum in diesem Jahr verlor. Später wurde durch den Sohn des Paares, Otto, Herzog von Schwaben, das Kollegiatstift – das ist eine Gemeinschaft von Säkularkanonikern oder Weltpriestern; mit Mönchen sind sie nicht zu verwechseln – Sankt Peter und Sankt Alexander mit Stiftsschule begründet. 974 ist das erwähnt. Seit 975 wurde mit dem Bau der Stiftskirche begonnen. Otto, Herzog von Schwaben und Bayern, ist die Vollendung der ersten großen Stiftskirche zu verdanken.

Spitalkirche 

Die Spitalkirche St. Katharina wurde 1848 als Saalkirche in romanisch-klassizistischem Stil erbaut. Seit 1997 feiert die Rumänisch-Orthodoxe Pfarrei Aschaffenburg dort ihre Gottesdienste. Sie hat das Innere phantasievoll gestaltet. Die bunte Bemalung ist dominant.

Spitalkirche AB (2)

Spitalkirche Aschaffenburg

Sandkirche

Ursprünglich heißt sie „Kirche zur weißen Lilie“, was aus dem Rahmen fällt. Entscheidend ist die Ursprungslegende des Gnadenbildes, das das Herzstück dieser Kirche darstellt. Ein Schäfer soll es entdeckt haben. Es ist eine Pietà (Maria mit Kind). Der Finder soll im Bereich des heutigen Standortes eine weißblühende Lilie entdeckt haben. Bei dem Versuch, die Lilie auszugraben, sei er auf das Gnadenbild gestoßen. 1431 liegt die früheste urkundliche Erwähnung eines Kapellenbaues an dieser Stelle. Der Sandtorturm wird um 1380 das erste Mal urkundlich erwähnt. 1517 wendet sich der Rat der Stadt Aschaffenburg an den Erzbischof Albrecht von Brandenburg mit der Bitte, eine Kapellenstiftung von Rat und Bürgerschaft „unter der Sandpforte“ zu genehmigen. 1606 ist eine große Wallfahrt in Damm erwähnt, deren Grund eine Pestepidemie war. 300 Menschen waren gestorben. 1629 gewährte Papst Urban VIII. den Pilgern aus Anlaß der Wahlbestätigung für Kasimir Wambolt von Umstadt zugunsten des Marienbildes „am Sande“ gewährte. Der Kirchenneubau geschah 1756. Ein Jahr vorher wütete wieder einmal die „Schwarze Pest“! Die Bittgänge und Wallfahrten waren sprunghaft gestiegen! Entscheidend war, dass Kurfürst Johann Friedrich Karl von Ostein als oberster Gönner und Hauptstifter für den Bau der Sandkirche gewonnen werden konnte. Auch sein Bruder, der Reichsgraf und Oberamtmann von Amorbach ,Franz Wolfgang von Ostein, konnte für den Bau gewonnen werden. Hier war 1753/54 die Pfarrkirche errichtet worden. Franz Wolfgang von Ostein wurde „Oberdirektor“ des Sandkirchenbaus. Baumeister war Christian Wolf, für die Deckengemälde konnte Christian Zick gewonnen werden. Sie wurden im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und konnten nicht gerettet werden.

Der geistige Mittelpunkt des Altars ist das Gnadenbild (Pietà), dessen Schöpfer unbekannt ist. Der Kurmainzer Hofwerkmeister Georg Schrantz galt als möglicher Künstler, es blieb bei einer Hypothese. Physiognomisch wirkt Maria nicht besonders edel bei dieser Darstellung, sie ist zu breit geraten.

1986 wurden die alten Fresken wieder ausgemalt – Initiator war der Würzburger Bischof Paul Werner Scheele. Die Fotos der alten Fresken waren nicht besonders toll.Von der historischen Rangordnung ist die Sandkirche eher von bescheidener Bedeutung, durch die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges ist sie von den alten Pfarrkirchen am besten gekommen.

Quellen

Die Sandkirche zu Aschaffenburg, München und Zürich 1989 – Schnell,Kunstführer Nr. 1745

Franz Herberhold, Beiträge zur älteren Geschichte des Kollegiatstiftes St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, in: Aschaffenburger Jahrbuch für Geschichte, Landeskunde und Kunst des Untermaingebietes, Aschaffenburg 1952

Albrecht Sylla, Martin Hahn, Roland Ebert, Blickwinkel Aschaffenburg – Ein Gang durch die Stadt und ihre Geschichte, Aschaffenburg 1996

https://de.wikipedia.org/wiki/St._Agatha_(Aschaffenburg)

https://de.wikipedia.org/wiki/Spitalkirche_St._Katharina_(Aschaffenburg)

https://de.wikipedia.org/wiki/St._Peter_und_Alexander_(Aschaffenburg)

https://de.wikipedia.org/wiki/Christuskirche_(Aschaffenburg)


Reisebericht über Dieburg am 06.01.2005:

Nicht nur Alzenau nennt sich Stadt im Grünen, sondern auch Dieburg.

Werfen wir einen Blick auf die Geschichte, so lässt sich feststellen, dass Dieburg Seine Entstehung den Römern verdankt. Um 125 nach Christus wurde der Ort Dieburg Mittelpunkt der civitas Auderiensium, einer Region, die heute etwa Südhessen umfasst. Funde weisen vorher bis in die späte Bronzezeit zurück- 1000 vor Christus. 1926 fand man in Dieburg Sandsteinskulpturen, die auf ein Mithrasbild schließen ließen. Sie waren Teil eines Mithrastempels, dessen Nachweis in dieser Zeit gelang. Der Mithraskult stammt aus Persien und fasste auch im Römerreich konkurrierend mit dem Christentum Fuß. Eine monotheistische Religion befasste sich mit den letzten Dingen des Seins und verhieß das ewige Leben. Zahlreiche Zeugnisse gibt es davon in der römischen Provinz Germania superior.

Der persische Gott Mithras erscheint auch unter den Staatsgöttern des mesopotamischen Reiches Mitani und ist ursprünglich ein Lichtgott, der Eid, Recht, Treue und Wahrheit beschützt. Ähnlichkeiten gibt es zum Christentum. Auch der Mithraskult kennt eine Taufe und eine Art Abendmahl aus Brot, Wasser und Wein. Es ist eine Erinnerung an die letzte Mahlzeit des Mithras, der dann mit dem Sonnenwagen zum Himmel emporfuhr. Praktiziert wurde der Kult in unterirdischen Räumen, von denen eine Reihe im heutigen Deutschland liegen – neben Dieburg Osterburken, Saalburg, Neuenheim und Heddernheim. In ihnen fanden höchstens 100 Personen Platz, der Altar stand vor einer Apsis. Die Darstellung auf Denkmälern erlaubt in etwa folgende Deutung. Im Mittelpunkt steht die Tötung des Stieres durch Mithras, die die Entstehung der Welt und des Lebens zur Folge hat. Der Kampf gegen das Böse, das vor allem in Unwahrheit und sinnlicher Unreinheit besteht, wird von den Anhängern erwartet. Mithras ermöglicht der Seele nach ihrer Trennung vom Körper den Aufstieg durch sieben Planetensphären. Am Ende erreicht der Mensch die ewige Seligkeit. Bei der Auferstehung am Ende der Tage wird sie durch einen Unsterblichkeitstrank verbürgt. Am 25. Dezember erhielt Mithras einen Festtag, in dem sein Lichtcharakter gefeiert wird. Die zunehmende Identifikation mit der Sonne äußert sich in der Bezeichnung „sol invictus“ (unbesiegte Sonne).[1]

[1] Vgl.: Alfred Bertholet (Begründer), Wörterbuch der Religionen, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1962

Die beschriebenen Inhalte der Religion lassen sich auf dem Dieburger Kultbild in etwa nachvollziehen.

Ein weiterer Höhepunkt der römischen Geschichte ist die Jupitergigantensäule, die 1924 im Areal Ringstraße/ Kettelerstraße gefunden wurde. Sie entstand etwa 200 nach Christus. Die Kultsäule ist mehrteilig. Gut erhalten sind ein Viergötterstein als  Basis und Sockel und darauf sitzend ein Wochengötterstein. Beim Stifter handelt es Sich um den Ratsherrn Decurio Licinius Ob… Er und seine Gattin danken den Göttern für eine Wohltat.

Ein wichtiges Datum der Geschichte dieses Ortes lässt sich 1277 datieren, nämlich die Stadterhebung durch Rudolph I. Wenig später kommt die Stadt in den Besitz des Mainzer Erzbistums, das bis 1803 Stadtherr ist und von Hessen-Darmstadt abgelöst wird. Zu den bedeutendsten Geschlechtern gehörten die Groschlags, die von 1236 an dort ansässig sind und Ende des 18. Jahrhunderts aussterben. Das zweite bedeutende Geschlecht sind die Ulner (1319 bis 1770).

Eine bedeutende Sehenswürdigkeit des Ortes ist die Wallfahrtskirche, die im 8. Jahrhundert errichtet, bald vernichtet wurde, aber schon im 11. Jahrhundert als romanische Basilika neu entstand und 1216 abbrannte. Eine Erneuerung gab es 1400 im gotischen Stil, die Innenausstattung ist durch das Barock um 1700 geprägt. Was wäre eine Wallfahrtskapelle ohne ein Gnadenbild, das in diesem Fall 1420 entstand.1498 bestätigte der Mainzer Weihbischof Erhard die Weihe. Spätestens seit der Aufstellung des Gnadenbildes beginnt die Wallfahrt. Im zweiten Weltkrieg suchten viele Menschen durch die Nähe dieses Bildes in der Sakristei Schutz und Trost. Eine Mariengedächtnisstätte entstand 1998 auf dem Pilgerplatz neben dem Außenaltar.

Zwischen 1699 und 1799 lassen die Freiherren von Groschlag südlich von Dieburg eine Parkanlage anlegen, die noch heute teilweise besichtigt werden kann. Am Ende der einstigen Pappelallee steht ein 9,5 Meter hoher Obelisk, der auch „weißer Turm“ genannt wird. Die sogenannte „Alteneu“ sollte mit ihren drei Bögen an ein römisches Triumphtor erinnern. Zudem wurden ein ionischer Tempel, ein achteckiger Pavillon und ein Chinesisches Haus errichtet.

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Naturerlebnisbad Schöllkrippen am 13. August 2003

2300 Gäste zählte der Heimatbote am 12. August im Naturerlebnisbad Schöllkrippen, das vor nicht allzu langer Zeit eröffnet wurde. „Selbst zu besten Freibadzeiten hat das alte Kassenhäuschen, das jetzt mit einem neuen Anstrich glänzt, solchen Andrang nicht erlebt … Die meisten alten Bäume hatten bei den umfangreichen Erdarbeiten weichen müssen und neue Bäume können zum Teil erst im Herbst gepflanzt werden…’Trotz der intensiven Nutzung haben wir eine Top-Wasserqualität’, erklärte Norbert Ries (Stellvertretender Bürgermeister) auf Nachfrage. Alle Untersuchungen des Badewassers durch das Gesundheitsamt hätten völlig einwandfreie Werte geliefert.“ Ein Leserbrief zu diesem Artikel kann als Empfehlung gewertet werden, dieses Bad einmal zu besuchen, wenn ein kleiner Ausflug geplant ist. Im Heimatboten vom 16. August 2003 führte ich dazu folgendes aus: Es verwundert nicht, daß das Naturerlebnisbad in Schöllkrippen so viele Menschen anzieht, wie sonst kaum eine Freizeiteinrichtung. Selbst wenn die Parkmöglichkeiten, wie zu erwarten, an Grenzen stoßen, gibt es doch zwei Vorteile, die dieses Bad zweifelsfrei vorweist : man schluckt kein Chlor und das Wasser ist nicht so warm wie in einem Badesee in der Umgebung. Beide Vorteile können gar nicht positiv genug eingeschätzt werden. Sollten die Grünflächen noch erweitert werden und der eine oder andere kulturelle Leckerbissen angeboten werden – zum Beispiel Veranstaltungen wie „Skandal am Pool“ in Alzenau – könnte das Bad zu einem der bestbesuchten in ganz Unterfranken werden. Nicht zuletzt könnten die Sportmöglichkeiten im Gelände noch verbessert werden.

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Glauberg an Pfingsten 2002

1200 Jahre ist der Ortsteil Glauberg nun alt, mancher wird sich fragen, was die kleine Gemeinde in der Wetterau so berühmt macht. Viele haben es sicher schon gehört – in diesem Ort wurde zwischen 1994 und 1997 eine archäologische Sensation ersten Ranges entdeckt – die Reste zweier Grabhügel aus frühkeltischer Zeit in einem umfangreichen System aus Gräben und Wällen. Auffällig war die als „Fürst vom Glauberg“ benannte Sandsteinfigur, die im Zentrum einer Ausstellung zu sehen ist, die die Schirn in Frankfurt bis 1.9.2002 präsentiert.

1994 begannen die zum keltischen Fürsten führenden Ausgrabungen in Glauberg in der berechtigten Erwartung, daß der archäologisch bisher schon hoch ergiebige Berg noch weitere Überraschungen zu bieten hätte. Lange vorher schon waren Zeugnisse der jungsteinzeitlichen Bandcheramiker gefunden worden. Hier soll das „Mehlberg-Schweinchen“ (4.800 vor Christus) genannt werden – es handelt sich um eine etwa 4 cm große aus Ton gebrannte Schweinefigur. Zudem wurde ein 48 cm langer Steinpflug entdeckt. Weitere Zeugnisse der Rössener und Michelsberger Kultur weisen auch in die Jungsteinzeit. Die bronzezeitliche Urnenfelderkultur kann ebenso von 1000 bis 800 vor Christus nachgewiesen werden.

Besondere Bedeutung bekam der Glauberg in der frühkeltischen Zeit (der Späthallstattzeit) im 6. und 5. Jahrhundert. Riesige Wälle mit Wasserreservoir auf einer Gesamtfläche von 20 ha lassen heutige Altertumsforscher von einer „Bergstadt der frühkeltischen Zeit“ sprechen. Der Glauberg erhält im 5. Jahrhundert vor Christus den Rang eines Fürstensitzes mit Verbindungen zum Mittelmeerraum. Ein bronzener Halsring weist sogar persische Kunsteinflüsse auf. Im Hügel wurden zwei Fürstengräber gefunden. Im ersten Grab fand man einen etwa 30jährigen Toten mit wertvollem Schmuck, bemerkenswert sind Halsring, Armring und Fingerring aus Gold. Die Schnabelkanne war mit Honigwein als Totentrunk gefüllt. Grab zwei enthielt ebenfalls wertvolle Grabbeigaben wie Schwert und Trachtenschmuck. In einem zweiten Grabhügel konnte ebenfalls eine fürstliche Bestattung eines Kriegers mit prächtigen Grabbeigaben nachgewiesen werden.

Hiermit erwies sich der Glauberg als bedeutendes Zentrum der frühkeltischen Welt, das von regionaler Bedeutung war und mit der Kontrolle der Handelswege in der hessischen Senke und der Salzgewinnung in Bad Nauheim einherging. Nicht restlos geklärt ist, wann die Bedeutung des Glaubergs zurückging – möglich ist es, daß die Wanderungen der Kelten im 4. Jahrhundert vor Christus dem Zentrum Glauberg ein Ende setzten. In der keltischen Spätzeit (2. und 1. Jahrhundert vor Christus) begann die Zeit der Oppida, stadtähnlicher Siedlungen, von denen regional das bedeutendste das Heidetränk-Oppidum nahe Oberursel ist. Hier könnten schon 20.000 Menschen gelebt haben.

Eine ausführlicher Darstellung der keltischen Gesellschaft gibt Gaius Julius Caesar in seinem Werk „Der Gallische Krieg“. Caesar besiegte die von den Römern Gallier genannten Kelten von 58 bis 52 vor Christus in mehreren Feldzügen. Er schreibt in seinem Werk unter anderem: „In ganz Gallien gibt es zwei Klassen von Menschen, die irgendwelche Geltung und Ehre genießen. Denn das niedere Volk nimmt beinahe die Stellung von Sklaven ein. Es darf von sich aus nichts wagen und wird auch zu keiner Versammlung hinzugezogen. Da die meisten durch Schulden, durch große Abgaben oder ungerechterweise von den Mächtigen bedrückt werden, begeben sie sich in den Dienst der Vornehmen, die dann gegen sie dieselben Rechte haben wie Herren gegen Sklaven. Aber von den beiden Ständen ist der eine der der Druiden, der andere der der Ritter. Die Druiden versehen den Gottesdienst, besorgen die öffentlichen und privaten Opfer und legen die Religionssatzungen aus. Bei ihnen finden sich junge Männer in großer Zahl zur Unterweisung ein, und sie genießen bei diesen hohes Ansehen. Denn bei allen öffentlichen und privaten Streitigkeiten urteilen und entscheiden sie. Sie setzen Belohnung und Strafe fest, wenn ein Verbrechen begangen wurde, ein Mord geschah, Erbschafts- und Grenzstreitigkeiten ausbrechen. Fügt sich ein Privatmann oder ein Volk ihrem Entscheid nicht, so schließen sie die Betroffenen vom Gottesdienst aus. Dies bedeutet bei ihnen die härteste Strafe. Die so Ausgeschlossenen gelten als gottlose Verbrecher, ihnen gehen alle aus dem Wege, ihre Annäherung und Gespräch meidet man, um nicht aus der Berührung mit ihnen Nachteil zu erleiden. Ihnen wird, auch wenn sie ihn nachsuchen, kein Rechtsbescheid erteilt, noch wird ihnen irgendwelche Ehre erwiesen. An der Spitze aller Druiden steht einer, der bei ihnen das höchste Ansehen genießt. Nach seinem Tode tritt an die Stelle der, der unter den übrigen an Würde hervorragt, oder, wenn mehrere gleiche Bewerber da sind, entscheiden in dem Wettstreit die Stimmen der Druiden, bisweilen gar die Waffen. Sie tagen zu einer bestimmten Jahreszeit an einer geheiligten Stätte im Lande der Carnuten, das ungefähr in der Mitte ganz Galliens liegt …

Die Druiden ziehen gewöhnlich nicht in den Krieg und zahlen auch keine Abgaben wie die anderen, sind vom Waffendienst befreit und genießen Freiheit von allen Leistungen. Durch so große Vorrechte verlockt, begeben sich viele freiwillig in ihre Lehre oder werden von ihren Eltern und Verwandten hingeschickt. Sie sollen dort Verse in großer Zahl auswendig lernen; deswegen bleiben einige zwanzig Jahre in der Lehre. Sie halten es für Sünde, sie schriftlich niederzulegen, während sie fast in allen übrigen Angelegenheiten, in Staats- und Privatgeschäften, die griechische Schrift benützen. …

Der zweite Stand ist der der Ritter. Wenn ein Bedürfnis vorliegt oder ein Krieg ausgebrochen ist – dies pflegte vor meiner Ankunft in der Regel alle Jahre einzutreten, daß sie selbst Feindseligkeiten eröffneten oder solche abwehrten -, stehen diese alle im Felde und haben, wie ein jeder von ihnen durch sein Geschlecht oder seine Mittel einflußreich ist, möglichst viele Gefolgsleute oder Hörige um sich. Darin erkennen sie den einzigen Einfluß und die einzige Macht.

Das ganze Volk der Gallier ist in hohem Maße religiösen Gebräuchen ergeben. Aus diesem Grunde opfern die, welche von schweren Krankheiten befallen sind und in Kampf und Gefahr schweben, anstelle der Opfertiere Menschen oder geloben deren Opfer und bedienen sich hierbei der Druiden als Opferpriester … Andere Stämme haben Gebilde von ungeheurer Größe, deren aus Ruten zusammengeflochtene Glieder sie mit lebenden Menschen füllen; sie werden dann von unten angezündet, und die von der Flamme Eingeschlossenen werden getötet. …“

Da über die Gesellschaft am Glauberg keine schriftlichen Dokumente existieren, ist es sicher nicht exakt zu ermitteln, wie viele der von Caesar bekundeten Sachverhalte schon vier Jahrhunderte vorher existierten.

Da sich im Westen, Osten und Norden Frankfurts noch weitere bedeutende Orte keltischer Kultur befinden – Büdingen, Bad Nauheim, Oberursel, Butzbach oder der Dünsberg bei Biebertal – wurde vor kurzem die Keltenstraße der Öffentlichkeit vorgestellt. Daß der Ort Glauberg nicht nur wegen seiner Keltenfunde interessant ist, sondern auch danach noch einiges zu bieten hat, zeigt die Tatsache, daß dort im 7. Jahrhundert eine fränkische Großburg entstand, die für die umliegende Landschaft von zentraler Bedeutung war. Im Jahre 802 wurde das Dorf auch zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die letzte Blüte erlebte Glauberg im 13. Jahrhundert, als eine „Reichsburg“ entstand. Die staufische Wetterau wurde in diesem Jahrhundert zum Kriegsschauplatz zwischen den Kaisertreuen, die zu Friedrich II (Staufer) hielten und der „Kirchenpartei“ um den Mainzer Bischof. Zu den Staufergegnern zählten auch die Büdinger, die mithalfen, daß wahrscheinlich 1256 Burg und Stadt auf dem Glauberg zerstört wurden.

Die heutige Gemeinde Glauburg bersteht aus den Ortsteilen Glauberg (1.300 Einwohner) und Stockheim (2.000 Einwohner). Sie liegt nicht weit von der Autobahn A45 Gießen-Hanau am Schnittpunkt der Bahnlinien Frankfurt-Stockheim und Gießen-Gelnhausen im Tal der Nidder. Eine Fahrt dorthin lohnt sich für Menschen, die an Geschichte Interesse haben und Sehenswertes auch in der Nähe suchen. Das Heimatmuseum ist an Sonntagen von 14 bis 16 Uhr geöffnet.

e-mail: Gemeinde-Glauburg@t-online.de

Christian Schauer

Literatur:
1200 Jahre Glauberg – 50 Jahre Eintracht Glauberg (Festschrift), Glauburg 2002
Hessische Kultur GmbH (Herausgeber), Keltenstraße – Ausflüge in eine verlorene Zeit, Wiesbaden o. J.
Gaius Julius Caesar, Der Gallische Krieg, München 1965
Internet: http://www.Glauburg.de , http://www.Glauberg.de , http://www.Keltenfuerst.de




                                                  

 

Sommerhausen

Sommerhausen im Oktober 2019

Sommerhausen liegt in der Nähe von Ochsenfurt, 13 Kilometer südlich von Würzburg. Ganz am Anfang hieß es Ahusen.Im 13.Jahrhundert stiegen die Vasallen der Hohenstaufen in die „Reichsgüter am Main“ ein.Die Hohenlohe erhielten von ihnen Bartholomesahusen (Schutzheiligtum im Sommer) und Niklasahusen (Schutzheiligtum im Winter). Als Erben konnten sich durchsetzen – die Linie Hohenlohe-Uffenheim-Speckfeld (immer noch besser als „Niederbrand-Suffenhausen-Speckschwarte“!) Elisabeth von Hohenlohe Speckfeld (ihre Physiognomie ist unbekannt) brachte das Gut 1411 an ihren Mann Schenk Friedrich von Limpurg. Castell brachte die andere Hälfte an sich, Limpurg bekan 1435 jedoch alles. Danach kamen die Linien der Speckfeld und Gaildorf. Wirtschaftlich blühte der Ort auf.

Hans Sachs, der Poet aus Nürnberg, ließ in seinen Gedichten Bauerngestalten aus Sommerhausen und Winterhausen in seiner Heimatstadt auftreten. Ansbach und Schwarzenberg waren Nachbarn, die eine Umwallung nahelegten. Die Mauer war bis zu sechs Meter hoch. 1500 gehörte der Ort zum Fränkischen Reichkreis.

Frühzeitig bekannte sich Sommerhausen zur Reformation! Der Würzburger Fürstbischof war nicht der Landesherr. 1810 kam Sommerhausen zum Großherzogtum Würzburg, 1814 fiel die Stadt an Bayern.

Stadtrundgang beginnend mit dem Blauen Turm. Benannt ist er nach seiner Dachfarbe mit blauem Schiefer. Ein unterirdisches Verließ macht seinen Reiz aus. 1750 bis 1837 sassen hier Delinquenten ein. Ob sie sich wohl gefühlt haben in dem viergeschossigen Massivbau mit Kegeldach?

Blauer Turm Sommerhausen

Die Sankt Bartholomäus-Kirche wurde 1260 erbaut.Der Turm steht noch. Im 17. Jahrhundert enstand der Neubau des Kirchschiffes. 1739 stürzten nach einem Sturm große Teile dieser Kirche ein. Kurz danach wurde ein drittes Kirchenschiff errichtet.

Bartholomäuskirche Sommerhausen

Bartholomäus-Kirche Sommerhausen

Das Rathaus wurde 1557/1558 erbaut. Ein zweigeschossiger Bau mit getrepptem Giebel – etwas großspurig für die damalige Zeit! Im Obergeschoss befindet sich der Bürgersaal.

Rathaus Sommerhausen

Das Schloss Sommerhausen ist Stammsitz der Grafen von Rechteren Limpurg Speckfeld. Im Dreißigjährigen Krieg nahm der deutsche Kaiser Ferdinand III. (1608 bis 1657) Quartier in diesem Schloss. Es fiel 1634 einer Plünderung durch die Truppen von Ottavio Piccolomini (kaiserlicher General Wallensteins 1599 bis 1656) – zum Opfer. Vom historischen Aufenthalt des schwedischen Königs Gustav Adolphs II. in Sommerhausen zeugt ein Wandbild an der Fassade des Hotels Ritter Jörg. Der älteste Teil des Schlosses stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Maingasse mit Marktbrunnen, die Brunnensäule ist die Figur des Ritters Hans Jörg Sandstein, eine Skulptur um 1574.

Maingasse Marktbrunnen

Sommerhausen

Das Ochsenfurter Tor stammt aus dem 15 und 16. Jahrhundert. Der Torturm ist ein dreigeschossiger Massivbau mit Durchfahrt (früher B 13) und ist durch ein Walmdach mit Glockentürmchen gekennzeichet. Ein Walmdach ist eine Dachform, die im Gegensatz zum Satteldach auch auf der Giebelseite geneigte Dachflächen hat. Die Dachfläche oberhalb der Giebelseite wird als der Walm bezeichnet. Früher (in den 60er Jahren des 20.Jahrhunderts) bin ich auf der Fahrt von Würzburg nach Gunzenhausen öfters durch dieses Tor und auch durch das Tor des Torturmtheaters gefahren. Das waren noch Zeiten!

Ochsenfurter Tor Sommerhausen

Das Torturmtheater wurde 1950 von Luigi Malipiero gegründet. Der Schauspieler, Bühnenbildner und Regisseur wurde 1901 in Triest geboren. Tätig war er als Bühnebildner an der Staatsoper Berlin, Gastspiele führten ihn nach Würzburg.1944 kam er nach Sommerhausen, wo er eine provisorische Bühne im Rathaus gründete. In Sommerhausen wurde er Ehrenbürger und starb 1975. In den 70er Jahren gewährte er einer Studentengruppe aus Würzburg, darunter mir, einen kurzen Ausschnitt einer Theateraufführung in Sommerhausen. Aufgrund seines Alters gestikulierte er zu einem Tonband, das währennd seines Vortrages lief.

Torturmtheater Sommerhausen

Veit Relin (geboren 1926 in Linz) übernahm 1976 das Torturmtheater als Nachfolger Malipieros. Er verstarb 2013. Neben seiner Tätigkeit als Regisseur war er auch Maler. Im Foyer des Theaters kann man einen Teil seines Lebenswerkes in einer Ausstellung betrachten. Aktuell leitet Angelika Relin das Theater. Aktuelle Inszenierung ist „Alles was sie wissen wollen“ von Matthieu Delaporte.

Franz Daniel Pastorius wurde 1651 in Sommerhausen geboren. 1683 wanderte er in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, nachdem ein Jahr vorher die „Frankfurter Land Compagnie“entstanden war. Dort gründete er 1683 Germantown bei Philadelphia im Auftrag des Pietistenkreises um Philipp Jakob Spener. Sie war die erste deutsche Siedlung in den Vereinigten Staaten. Sein Geburtshaus in Sommerhausen steht in der Nähe des Marktplatzes. 1688 verfasst er eine Protestschrift gegen die Sklaverei. Pastorius leitete die Quäkerschule von Philadelphia von 1688 bis 1700. Pastorius war weniger Politiker als Dichter und Privatgelehrter.

Am 12. Oktober fand in Sommerhausen zum zweiten Mal seit 2017 das Reformationsspiel der evangelischen Jugend Würzburg statt. Von 10 bis 16 Uhr herrschte ein mittelalterliches Spektakel vor Ort. Erleben konnte ich den Vortrag des Volksliedes „Wenn alle Brünnlein fließen“. Bei Sonnenwetter das Richtige.

Geprägt ist der Ort von Weinanbau. Winzer, Bauern und Künstler dominieren. Heinz Rühmann drehte hier seinen berühmten Film „Vater sein dagegen sehr“. 1921 ließ sich der Maler Carl Großberg hier nieder. Sein Atelier befand sich im Flurersturm, stilistisch gehörte er zur „Neuen Sachlichkeit“.

Veröffentlicht 25. Januar 2012 von schauerchristian in Sommerhausen