Archiv für die Kategorie ‘Reiseberichte – Kurztrips in die Umgebung – Seligenstadt

Kurztrips in die Umgebung

Königsee Mainhausen – Ortsteil Zellhausen im Juli 2018

Der See ist 14,6 ha groß . Er wurde Mitte der 80er Jahre zu einem überörtlich geschätzten Freizeitzentrum ausgebaut. Der See ist bis zu 14,5 Meter tief. Bei der letzten Messung vor vier Jahren von der Europäischen Union hat der See die Note „ausgezeichnet“ erhalten. Es handelt sich um einen Baggersee. Wenn man mit dem Auto ankommt an heißen Tagen, ist es allerdings ausgesprochen schwierig, einen Parkplatz zu finden!

Königsee Mainhausen

Königsee Mainhausen

Königsee Mainhausen zwei

Königsee Mainhausen

 

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Harressee in Seligenstadt im Mai 2017

Es handelt sich in erster Linie um einen Anglersee. Hauptfischarten in dem See sind Karpfen, Schleien, Hechte, Barsche, Aale und verschiedene Weißfischarten. Der Harressee ist ein Baggersee. Für den Badebetrieb ist er nicht zugelassen. Das Angelgewässer ist langfristig an zwei Seligenstädter Angelvereine verpachtet. Der See ist zweigeteilt. Der nördliche See ist 36.720 qm und der südliche See ist 14.900 qm groß. Die Seen grenzen an die Naturschutzgebiete Schwarzbruch im Süden und Pechgraben im Norden.

Harres See zwei

Harressee

Harres See

Harressee

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Seligenstadt an Silvester 2012

Um das Jahr 100 n. Chr. wurde in der Herrschaftszeit des römischen Kaisers Trajan ein Kohortenkastell auf dem Gebiet des heutigen Seligenstädter Marktplatzes erbaut. Etwa 260 n.Christus wurde das Kastell aufgegeben. Auf den Trümmern des ehemaligen Kastells und auf dem heutigen Klosterareal entstand im Talabschnitt des Breitenbaches die frühmittelalterliche Siedlung Obermühlheim. „Obermühlheim“, wie Seligenstadt zur Karolingerzeit hieß, wurde am 815 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Als ein früher Besitzer wird ein Graf Drogo genannt. Einhard, der Biograph Karls des Großen, ließ 828 die Gebeine der Märtyrer Marcellinus und Petrus von Rom in den Ort bringen und begann um 830 mit dem Bau der nach ihm benannten Basilika1, die bis heute das Wahrzeichen der Stadt ist. Im gleichen Jahr ist die Existenz einer klösterlichen Gemeinschaft zur Pflege des Heiligenkultes belegt.2 Die Abteikirche entstand zwischen 830 und 836, Einhard wurde 840 in der nach ihm benannten Basilika beigesetzt. 1063 wurde das Kloster dem Erzbistum Mainz unterstellt. Das Kloster wurde an Kaiser Friedrich I. als Erblehen abgetreten. In der Abtei lebten bis1803 Benediktinermönche. Seligenstadt wurde 1165 zur Stadt. 1525 wurden während des Bauernkrieges die Fruchtspeicher und Weinkeller der Abtei geplündert. Nicht gut ging es dem Kloster im Dreißigjährigen Krieges. Gustav Adolfs Soldaten suchten das Kloster heim. Das Innere der Basilika wurde verwüstet. Unter den Äbten Leonardus Colchon und Franciscus I, und II. erblühte das Kloster im Anschluss zu neuem Leben. Um 1700 entstand das heutige Erscheinungsbild der Klosteranlage. 1574 waren sage und schreibe 66 Orte dem Kloster tributpflichtig, so waren es im 18. Jahrhundert deutlich weniger in der engeren Umgebung des Mains. Die ehemalige Abtei unterstand einer strengen Verwaltungsaufsicht des kurfürstlichen Landesherren. Der vom Konvent gewählt Abt bedurfte der Bestätigung des Erzbischofs. Jährlich fanden Wallfahrten statt, durch die der Konvent Einfluss auf die Volksfrömmigkeit ausübte. Diese wurden erst 1805 eingestellt.3 1803 wurde die Abtei durch Großherzog Ludwig I. Von Hessen und bei Rhein säkularisiert. Der letzte Abt namens Marcellinus II. Molitor durfte im Kloster leben. 1812 wurde eine Pfarrkirche aus der ehemaligen Klosterkirche.

Die Kaiserpfalz

Neueren Forschungsergebnissen des Förderkreises Historisches Seligenstadt und des im Auftrag der Stadt die Restaurierungsarbeiten leitenden Architekten  zufolge wurde das Palatium jedoch von Friedrich I. Barbarossa anlässlich des Hoftages, der 1187 im “Romanischen Haus” stattfand, im 12. Jahrhundert errichtet und nach einem Brand um 1235 unter Friedrich II. umgebaut.  Der elf Meter mal 46 Meter große Sandsteinbau  ist als zweigeschossiges Jagd- oder Lustschloss entstanden. Sein markantes Aussehen erhielt das Bauwerk durch zwei tonnengewölbte Eingänge, die einen balkonartigen Vorbau, einen Altan, trugen. 1237 bestätigte Kaiser Friedrich II. dem Mainzer Erzbischof, dass “die Stadt nicht dem Reich gehört, sondern wir besitzen diese Stadt nach Erbrecht lehensweise von der Mainzer Kirche wie unser Großvater und Vater”. Hier beginnt sich der Einfluss von Mainz zu verstärken. Beim Bau der Stadtmauer um 1460  wurde die Palatium -Mauer in die Befestigung mit einbezogen. In den folgenden Jahrhunderten nutzte die Bevölkerung die Ruine der Kaiserpfalz als Steinlieferant für den Häuserbau. Bei einem Rundgang durch die Innenstadt kann man die vielen Fachwerkhäuser betrachten, die auch für Touristen aus außereuropäischen Ländern attraktiv sind (siehe Bild). Die Silhouette von Seligenstadt kann man auch werktags mit dem Ringbus sehen, wenn dieser über die Station „Fähre Seligenstadt“ von Kahl am Main nach Alzenau fährt.

1 Architektonisch definiert, ist eine Basilika eine Kirche, deren Innenraum durch Säulen- oder Pfeilerreihen in drei oder mehr Längsschiffe geteilt ist, deren mittleres deutlich höher ist als die seitlichen, so dass im Mittelschiff eine hochgelegene Fensterzone entsteht.

2Einhardsbasilika Seligenstadt , Schnell Kunstführer Nr. 1544, 1989 (Zweite Auflage), S. 3

3Vgl. , S. 5

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Buchbesprechung

Marcellin Spahn, Zur Geschichte der Seligenstädter Juden. Aus Dokumenten und Berichten, Seligenstadt 1986.199 Seiten

Die älteste Nachricht über die Seligenstädter Juden datiert aus dem Jahre 1293. Danach wird der Abt verpflichtet, der Stadt einen Schultheiß zu geben, der dem Gericht präsidiert, ausgenommen sind die Taten, die von Juden begangen werden. Juristisch verantwortlich ist hierfür der Vogt. Die Juden waren auch in Seligenstadt von der Pflicht befreit, Fahrdienste für den Heimbürger zu leisten. Zur Zeit der großen Judenverfolgungen Mitte des 14. Jahrhunderts waren in Seligenstadt keine Juden mehr. Der Erzbischof von Mainz befreite seine Juden im Erzstift 1384 drei Jahre lang von außerordentlichen Steuern. 1391 finden sich wieder Spuren von Juden in Seligenstadt . Ihre Unbeliebtheit äußerte sich darin, dass ertappte Wucherer an drei Sonntagen vor dem Hochamt mit dem Weihwasser um die Kirche gehen mussten und das barfuß mit einem Judenhut auf dem Kopf. Ein Judenhut galt dann als besondere Strafe, wenn er von einem Christen getragen wurde. Das Ghetto der Juden bestand in einer Gasse, die nachts nicht von Christen betreten werden durfte. Ihren Lebensunterhalt bestritten die Juden mit Geldgeschäften. Im 14. Jahrhundert wanderten manche Juden nach Frankfurt aus, danach gingen ihre Häuser in christlichen Besitz über. Nach dem Dreißigjährigen Krieg sind wieder Juden in Seligenstadt nachweisbar. Zwei Metzger betrieben dort ihr Handwerk. 1706 fand ein Prozess zwischen Juden und Christen statt. Es ging dabei um eine Konzession für einen Kramladen, letztendlich auch um Konkurrenz. Die christlichen Krämer Seligenstadts zweifelten an der Rechtmäßigkeit der jüdischen Konzessionen für Krämerläden. Die jüdischen Krämer entgegneten:“ Die christlichen Krämer sagen nicht die Wahrheit, sondern begründen ihre Motive mit allerhand Unwahrheiten. Nicht alle Judenkrämer bieten Fett- und Trockenware an (wie vorgeworfen), sondern nur drei von den neuen Krämern , die 1706 hier leben …“ Schließlich willigten die Juden ein, dass zwei der jüdischen Krämer außerhalb der Stadt ihre Nahrung suchten.

1868 wurde der Plan gefasst, eine neue Synagoge zu bauen. Gebaut wurde in neuromanischen Stil mit orientalischen Elementen, 1872 fand die Einweihung des Quaderbaus mit Sandsteinen mit flachem Satteldach statt. Die wertvollsten Gegenstände waren die 1851 geweihten Thorarollen und drei Thoraschilder in Silber. Letztere besaßen einen Wert von 3000 Mark. Das Frauenbad befand sich bis zum Ende der jüdischen Gemeinde in der Kleinen Rathausgasse. Im Zuge der Altstadtsanierung wurde das Haus abgerissen. 1714 kaufte die jüdische Gemeinde für 100 Gulden ein Stück Land zur Bestattung ihrer Toten. Der Judenfriedhof befand sich an der Einhardstraße, Flur II. Zu beachten war auf dem Friedhof: „Auf dem Friedhof darf man nicht essen, trinken, Holz oder Gras sammeln oder das Vieh weiden. Auch das Spazierengehen ist nicht gestattet. Ein geschlossenes Grab darf nicht mehr geöffnet werden. Jüdische Friedhöfe sind auf die Ewigkeit angelegt. Es ist nicht möglich, nach einer Bestattung das Grab zu öffnen, um nahe Angehörige im gleichen Grab zu bestatten. Gräber dürfen nicht verkauft, der Grabstein höchstens einem Armen unentgeltlich übereignet werden. Einer der Gründe für das Verbot, Blumen auf jüdischen Gräbern zu pflanzen, ist die Befürchtung, dass man sie pflücken und anderweitig benützen könnte. Das Grab bleibt Eigentum des Toten. Der jüdische Friedhof muß durch einen Zaun oder eine Mauer gekennzeichnet sein. Sie bestimmen den Umfang des jüdischen Bodens und schützen gegen Eindringlinge und Tiere. Die Schließung des Friedhofs an Sabbat und Feiertagen ist religiöses Gebot, da man an diesen Tagen der Freude und nicht der Trauer verpflichtet ist. Zwischen einzelnen Gräbern muß mindestens ein Zwischenraum von 6 Handbreiten sein.“

Noch Ende des 18. Jahrhunderts nahmen jüdische Kinder nicht am allgemeinen Unterricht Teil. Das Schulgeldverzeichnis enthielt keine jüdischen Namen. 1860 beschloß die jüdische Gemeinde, eine Elementarschule zu gründen. Der Lehrer sollte mit 240 Gulden besoldet werden. Mit dem Unterricht betraut wurde Seligmann Steinberger, der sich ständig mit seiner Gemeinde rieb und darauf nach Gunthersblum versetzt wurde. Die schulischen Auseinander-setzungen wurden 1876 fortgesetzt, als eine ministerielle Verfügung vorschrieb, dass israelitische Kinder die Volksschulen auch an Sabbaten besuchen müssen. Trotz manches Widerstandes wurden die jüdischen Kinder in der allgemeinen Volksschule errichtet. Israelitischen Religionsunterricht erteilten jüdische Lehrer in einem Haus in der Kleinen Rathausgasse.

Wirtschaftliche und soziale Verhältnisse der Juden

Jüdische Metzger lebten seit 1753 in einer Zunftordnung. Darin hieß es: „Den Metzgern soll, so sie auf ihr Handwerk geschworen sind, von anderen Stümpern kein Eingriff geschehen. Daher ist es außer den zünftigen Meistern niemand erlaubt und jedem ernstlich verboten, besonders aber den Juden, in unserer Stadt und Zent Seligenstadt sitzenden Juden durch schädlichen Missbrauch des Schlachtens zur Ernte und Herbstzeiten sich angemaßt, sollen die Juden sich durch allerhand sonstige Commercien und Handlungen ernähren. Es soll ihnen zwar erlaubt sein, vier ganze Wochen lang in ihren Haushaltungen vom 1. November bis 1. Dezember zu schlachten, jedoch soll das Vieh, zur Verhütung allen Betrugs und Unterschleifs lebendig bei Tag in die Stadt geführt und nicht zur Nachtzeit geschlachtet werden. Es soll von den Geschworenen besichtigt und, wenn als Koscher befunden, können sie die vorderen Teile in ihren Haushaltungen, die hinteren Teile viertelweis, nicht pfundweis, damit uns die gebührende Accis nicht entgeht, verkauft werden. Die Metzger sollen das ganze Jahr samstags sich mit frischem Rindfleisch vorsehen. Widrigenfalls, nach Anzeige beim Amt, soll den Juden bei auftretendem Mangel das Schlachten solange erlaubt sein, bis der Mangel beseitigt ist.“ Die jüdischen Metzger beschwerten sich und erreichten, dass sie künftig drei Monate lang schlachten durften.

Der Viehhandel befand sich vollständig in jüdischen Händen. Es war kein christlicher Viehhändler bekannt. 1876 mußten israelitische Kinder die Volksschulen auch an den Sabbaten besuchen. Den jüdischen Religionsunterricht erteilten jüdische Lehrer in einem Haus, in dem auch das Judenbad eingerichtet war. Die Juden in Seligenstadt waren Kaufleute, Vieh-, Getreide- und Landesproduktehändler. Handwerkliche Berufe gab es in Seligenstadt auch: Schuster, Tapeziere, Schreiner, Bäcker und Metzger. Anfang des 19. Jahrhunderts erwarben Juden in Seligenstadt Grundstücke und Häuser. Jeder Ankauf von Immobilien bedurfte der Genehmigung des Landrats. Der Bürgermeister unterrichtete diesen, ob der jüdische Käufer das Haus benötigte und der Kaufpreis dem Wert des Objektes entsprach. Ankäufe landwirtschaftlich nutzbarer Grundstücke beweisen, dass auch Juden landwirtschaftlich tätig waren. Um 1830 bestand in Seligenstadt der israelitische „Armenfond zur Armenpflege“, der nicht zur politischen Gemeindeverwaltung gehörte, sondern von den Juden selbst betreut wurde. Dieser Armenfond war vom Hospitalfond der Stadt getrennt. Die Witwe eines jüdischen Bürgers bekam keine Unterstützung von der Stadtbehörde mit folgender Begründung: „Er sei nicht gesonnen, aus dem bürgerlichen Vermögen der israelitischen Gemeinde Unterstützung zufließen zu lassen, indem die Stadt und der Hospitalfond genugsam mit christlichen Armen belastet sind. Im übrigen ist die Witwe von David Kleeblatt Mutter von zwei Söhnen, wovon der eine ein sehr bedeutendes Vermögen besitzt, auch ihren Handel mit Ellenwaren recht gut betreiben und schöne Verdienste machen. Die hiesige israelitische Gemeinde ist wohlhabend, da sie einen eigenen Lehrer für 250 fl. angestellt hat, für ein Frauenbad schon vieles aufbrachte und die hier wohnenden 21 Israeliten mehr als 150000 fl. Vermögen besitzen, wodurch sie ihre paar Armen leicht unterstützen können, indem man bei den christlichen Bewohnern 200 Bürger zählen kann, die nicht soviel besitzen wie diese 21 Juden.“ Ähnlich argumentierte die Regierung der Provinz Starkenburg gegenüber dem Landrat: „Wir beauftragen Sie, dem Vorsteher der Israelitischen Gemeinde zu Seligenstadt zu bescheiden, dass diese Gemeinde ihre Armen fernerhin wie bisher selbst unterstützen müsse, indem der dasige Hospitalfond nur für arme Christen gestiftet sey und auch in den Städten Darmstadt und Offenbach unter ähnlichen Verhältnissen das Armenwesen der dasigen israelitischen Gemeinden von demjenigen der Christlichen ganz getrennt sey.“

1849 entstand ein jüdischer Krankenverein, in dem die getrennten Männer- und Frauen- krankenvereine fusionierten. In der Satzung heißt es unter anderem: „Nur vom 14. bis zum 60. Lebensjahr kann man in dieses Institut aufgenommen werden, hierzu ist ein Einkaufsgeld zu entrichten, das nach Altersstufen bemessen wird… Finanzielle Hilfen werden geleistet bei Nachtwachen, Leichenwachen, Rezepturen, offenen Wunden, wenn das Mitglied an der Ausübung seines Berufes gehindert ist. Ferner bei Gicht, Gliederlähmung und Fallsüchtigkeit, solange noch Hoffnung auf Genesung besteht, bei Schröpfen, Aderlassen und Geburtshilfe. Keine Ansprüche an die Krankenkasse haben Krätzpatienten.“ Neben dem Krankenkassen-Verein gab es noch weitere Wohlfahrtseinrichtungen, einen Bestattungsverein, einen Frauenverein, der sich in der Krankenpflege engagierte. Patriotismus war den Juden nicht fremd. 1914 entstand ein Hilfsausschuss zur Unterstützung der in den Krieg ziehenden Soldaten, dem die Juden 1.000 Mark spendeten.

Verfolgung der Juden in den ersten Jahren des Dritten Reiches

Das Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933 wirkte auch in Seligenstadt schnell. In Seligenstadt stellte sich ein mit dem Nationalsozialismus sympathisierender Mann vor ein jüdisches Geschäft, um Kunden vor Betreten des Geschäftes zu erinnern. Dies konnte verhindert werden. Zur selben Zeit wurde ein Auto gestohlen, daß dann in Mainflingen wieder auftauchte. Ein Jude, der sich gegen das Waffengesetz vergangen hatte, wurde zu drei Monaten Haft verurteilt. Sein Verteidiger meinte dazu: „Wenn der völlig unbestrafte, unpolitische Mann von jetzt 55 Jahren mit seiner labilen Gesundheit gefänglich eingezogen wird, so wird ihm eine Strafe zugefügt, die bei seiner persönlichen Beschaffenheit weit über die Wirkung hinausgeht, die eine solche Strafe haben soll. Ich glaube, daß der Angeklagte durch die Aufregungen, die mit der Anzeige, der Gerichtsverhandlung verbunden waren, schon an sich eine schwere Strafe erlitten hat. Wenn man im Gnadenwege sie daher bedingt erläßt, vielleicht in eine angemessene Geldstrafe umwandelt, die für ihn tragbar ist, so wird er damit für das, was er begangen, oder richtiger gesagt unterlassen hat, hinreichend gebüßt haben. Ich richte daher an den Hessischen Herrn Justizminister die ergebene Bitte, die gegen August Bender ausgesprochene Strafe mit Rücksicht auf die besonderen Umstände bedingt erlassen zu wollen, die Strafe eventuell in eine angemessene Geldstrafe umzuwandeln. Gez. Carnier.“ Die Gnadengesuche wurden abgeschlagen. NS-Formationen marschierten durch die Stadt. Nicht jeder konnte sich bisher eine Uniform leisten. Sprechchöre ertönten: „Tropft vom Messer Judenblut, geht’s dem deutschen Volke gut“ oder „Juda verrecke!“ 1934 gab es eine judenfeindliche Schmiererei, deren Täter nicht ermittelt wurde. Eine jüdische Metzgerin wurde beschuldigt, gegen das Lebensmittelgesetz verstoßen zu haben. Sie wurde in Schutzhaft genommen, zu zwei Tagen Gefängnis und einer Geldstrafe von 130 Reichsmark verurteilt. In dieser Zeit war es bereits gefährlich, Käufer in jüdischen Geschäften zu sein.

Die Auswanderung (vornehmlich in die USA) war das Ziel vieler Juden. Die finanziellen Bedingungen dafür konnten nicht alle Seligenstädter Juden erfüllen. Am 11. September 1942 wurden 44 Juden mit LKWs abgeholt. „Wie kann man das mit Menschen nur anstellen!“ meinte eine Frau dazu. Widerstand wurde nicht geleistet, geschrieen und geweint schon. Die Seligenstädter Juden wurden zunächst nach Frankfurt zur Großmarkthalle gebracht. Hier befand sich die Sammelstelle für den Transport in den Osten. Ohne eine „Judenkartei“, die schon 1935 aufgestellt wurde, wäre eine Erfassung unmöglich gewesen. Weg- und Zuzüge mussten den Polizeibehörden vom Judenvorstand gemeldet werden, „verschwinden“ konnte dadurch kein Jude. In der Seligenstädter Judenkartei sind 153 Personen erfasst. Nach der Deportation kamen 28,8% ums Leben, 30,7% wanderten aus, 28,1% zogen weg, das Schicksal von 10,5% der Juden war nicht feststellbar und 1,9% der Personen starben. Spahns Darstellung sollten alle lesen, die sich für jüdische Geschichte und Antisemitismus interessieren. Schade, dass es in Alzenau nicht eine so ausführliche Darstellung gibt.

Christian Schauer, Ende 2012

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Drei Touristen in Seligenstadt

Silvester-Touristen

Silvester-Touristen

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Kurztrips in die Umgebung – Aschaffenburg – Dieburg – Schöllkrippen- Glauburg

Einige Kirchen und das Schloß von Aschaffenburg

Herzog Otto von Schwaben und das Hochstift Achaffenburg

Regesten

Kirchberg am 20.Juni 974: Kaiser Otto schenkt auf Bitten seines gleichnamigen Brudersohnes (des Herzogs von Schwaben), zwei königliche Eigenkirchen, eine in Salz, die andere in Brendlorenzen mit allem Zubehör der in Aschaffenburg zu Ehren des hl. petrus und des hl. Alexander geweihten Kirche zum Unterhalt der Kanoniker

Nimwegen am 11. März 975: Kaiser Otto überträgt auf Bitten seines gleichnamigen Brudersohnes aus königlichem Eigentum eine Kirche und einenm Hof in Rohr mit allem Zubehör in das Eigentum der Kirche des hl. Petrus in Aschaffenburg

Bothfeld am 29. August 975: Kaiser Otto übergibt auf Bitten seinees Neffen, des Herzogs Otto von Schwaben, die ihm von diesen geschenkten Abgaben aus den Orten Kleinostheim und Dettingen der Kirche des hl. Petrus in Aschaffenburg zur Präbende der Brüder (Präbende bedeutet Pfründe)

Ingelheim am 9. Februar 976: Kaiser Otto, der auf Bitten seines Brudersohnes Otto, des Herzogs von Schwaben, die von demselben in Aschaffenburg gebaute und zu Ehren des hl. Petrus und des hl. Mätyrers Alexander eingeweihte Kirche mit Gütern und Zehnten ausgestattet hat und sie mit kaiserlichen Privilegien festigen und sichern will, bestimmt, daß die Kirche für alle ihre Güter nur einen Vogt haben, zu dessen servicium jedes männliche Familienmitglied das firdeil und einen Denar, jede Kurie ihr Teil entsprechend der Leistung an die Kirche beitragen soll, daß der Vogt nur auf Anruf des Propstes zu den gebotenen Dings kommen und weder von den Familien noch von den Gütern der Aschaffenburger Kirche Steuern erheben darf. Ferner schenkt der Kaiser der Aschaffenburger Kirche die vortreffliche Familie in Wirtheim dergestallt, daß der Propst ohne Rücksicht auf den Vogt jedes Familienmitglied, bevor es zins- und dingpflichtig wird, zu Ministerialen der Kirche machen kann. (Firdeil bedeutet – 976 wird in einer Urkunde Otto II. ein Maas Haber, welches Fir deil heißet, genannt. )

Agathakirche

St. Agatha ist ein katholische Aschaffenburger Kirche, deren Ursprung auf die Zeit 1168/1171 zurückgeht. Sie wurde außerhalb der Stadtmauern errichtet. Die Kirche brannte im März 1945 völlig aus. 1962/1963 wurde der jetzige Turm errichtet. Über dem Portal wurde 1963 eine 4 Meter hohe und 12 Tonnen schwere Sandsteinfigur der heiligen Agatha angebracht. Die Jungfrau Agatha von Catania starb wahrscheinlich unter Kaiser Decius zwischen 249 und 251 als Märtyrerin.

Agathakirche (3)

Agathakirche Aschaffenburg

 

Christuskirche

Sie ist die erste Stadtkirche in Aschaffenburg, die evangelisch-lutherisch entstand. Sie wurde 1837/1839 errichtet und steht in der Altstadt in der Nähe des Schlosses. Die Mittel zum Bau wurden in einer Landeskollekte gesammelt. Initiatorin war Königin Therese, eine gebtige Protestantin. Sie war eine Prinzessin von Sachsen-Hildburghausen. Seit 1825 war sie Königin von Bayern nach der Heirat mit Ludwig I. Beim Bau der Christuskirche machte sie zur Auflage, eine Loge auf Kosten der Gemeinde zu erhalten, damit sie bei ihrer Anwesenheit im Schloss am Gottesdienst teilnehmen konnte.

Christuskirche

Christuskirche Aschaffenburg

Ist Karl der Große von Aschaffenburg aus in den Spessart zur Jagd gezogen? Ludwig I., das ist sicher, ließ hier das Pompejanum erbauen. Das Aschaffenburger Schloß Johannisburg ist ein architektonisches Denkmal ersten Ranges aus dem 17. Jahrhundert. Initiiiert von Kurfürst Johann Schweikart von Kronberg wurde 1605 bis 1614 eine symmetrische Vierflügelanlage errichtet, deren Baumeister Georg Ridinger war. Der Bergfried im Schloßhof wurde 1337 errichtet und ist in die Schloßarchitektur integriert. 1552 wurde die Burg im Markgräflerkieg durch den Markgrafen Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach niedergebrannt und geplündert. Dabei wurde auch die Heilig- Grab-Kirche der Beginen zerstört. 1553 war dann das Hochstift Bamberg dran.1614 war die Einweihung – 10 Jahre nach dem Amtsantritt Johann Schweikarts von Kronberg. Wie wurde dieses Schloß finanziert? Es kostete einschließlich der Inneneinrichtung mehr als 1 Million Gulden. Es mußten Anleihen in Nürnberg, Frankfurt und Mainz aufgenommen werden. Aus den Jahren 1600 bis 1630 sind für das Erzstift Mainz, in dem Johann Schweikart Kurfürst war, Dokumente zum Tod von 1879 Opfern von Hexenverfolgungen erhalten geblieben. Im Aschaffenburger Gerichtsbezirk wurde 1592 die erste nachweisbare Hinrichtung einer Hexe verzeichnet. Zwischen 1600 und 1613 sind die Verbrennungen von über 150 Hexen dokumentiert.

Die Hexenprozesse in Aschaffenburg produzierten einen Sozialterror größeren Stils.Der Stadtschultheiß Nicolaus Reigersberger (1624 – 1652) war Vorsitzender der Hexengerichte in Aschaffenburg, Großkrotzenburg, Wörth und Mönchberg. Für die zahlreichen Prozesse in Aschaffenburg und Großkrotzenburg kassierte er fast 1.500 Gulden. Hexenprozesse wurden auch als Mittel der Gegenreformation eingesetzt. Besonders aber als Mittel zum Füllen der Kasse, da das Vermögen der Angeklagten eingezogen wurde. Dieses Geld passte für den Bau des neuen Schlosses Johannisburg in Aschaffenburg, der Umfang des Einsatzes von Hexengeldern ist unklar.

Schloß Johannisburg

Schloß Johannisburg

Geschichte der Stiftskirche   

Die Kirche ist nach bekannten Persönlichkeiten benannt. Mit Petrus ist der Jünger und Apostel Simon Petrus gemeint, der wahrscheinlich in Rom starb. Alexander I. war der sechste Bischof von Rom. Er starb 115 nach Christus. Sankt Peter und Sankt Alexander wurde um 950 durch Herzog Liudolf von Schwaben (Sohn des deutschen Kaisers Otto I.) und seine Frau Ida von Schwaben (Tochter des Herzogs Hermann I. von Schwaben) wahrscheinlich zwischen 947 und 957 erbaut. Die Zeit vor 954 ist wahrscheinlich, da Liudolf infolge einer Auseinandersetzung mit seinem Vater das Herzogtum in diesem Jahr verlor. Später wurde durch den Sohn des Paares, Otto, Herzog von Schwaben, das Kollegiatstift – das ist eine Gemeinschaft von Säkularkanonikern oder Weltpriestern; mit Mönchen sind sie nicht zu verwechseln – Sankt Peter und Sankt Alexander mit Stiftsschule begründet. 974 ist das erwähnt. Seit 975 wurde mit dem Bau der Stiftskirche begonnen. Otto, Herzog von Schwaben und Bayern, ist die Vollendung der ersten großen Stiftskirche zu verdanken.

Spitalkirche 

Die Spitalkirche St. Katharina wurde 1848 als Saalkirche in romanisch-klassizistischem Stil erbaut. Seit 1997 feiert die Rumänisch-Orthodoxe Pfarrei Aschaffenburg dort ihre Gottesdienste. Sie hat das Innere phantasievoll gestaltet. Die bunte Bemalung ist dominant.

Spitalkirche AB (2)

Spitalkirche Aschaffenburg

 

Sandkirche

Ursprünglich heißt sie „Kirche zur weißen Lilie“, was aus dem Rahmen fällt. Entscheidend ist die Ursprungslegende des Gnadenbildes, das das Herzstück dieser Kirche darstellt. Ein Schäfer soll es entdeckt haben. Es ist eine Pietà (Maria mit Kind). Der Finder soll im Bereich des heutigen Standortes eine weißblühende Lilie entdeckt haben. Bei dem Versuch, die Lilie auszugraben, sei er auf das Gnadenbild gestoßen. 1431 liegt die früheste urkundliche Erwähnung eines Kapellenbaues an dieser Stelle. Der Sandtorturm wird um 1380 das erste Mal urkundlich erwähnt. 1517 wendet sich der Rat der Stadt Aschaffenburg an den Erzbischof Albrecht von Brandenburg mit der Bitte, eine Kapellenstiftung von Rat und Bürgerschaft „unter der Sandpforte“ zu genehmigen. 1606 ist eine große Wallfahrt in Damm erwähnt, deren Grund eine Pestepidemie war. 300 Menschen waren gestorben. 1629 gewährte Papst Urban VIII. den Pilgern aus Anlaß der Wahlbestätigung für Kasimir Wambolt von Umstadt zugunsten des Marienbildes „am Sande“ gewährte. Der Kirchenneubau geschah 1756. Ein Jahr vorher wütete wieder einmal die „Schwarze Pest“! Die Bittgänge und Wallfahrten waren sprunghaft gestiegen! Entscheidend war, dass Kurfürst Johann Friedrich Karl von Ostein als oberster Gönner und Hauptstifter für den Bau der Sandkirche gewonnen werden konnte. Auch sein Bruder, der Reichsgraf und Oberamtmann von Amorbach ,Franz Wolfgang von Ostein, konnte für den Bau gewonnen werden. Hier war 1753/54 die Pfarrkirche errichtet worden. Franz Wolfgang von Ostein wurde „Oberdirektor“ des Sandkirchenbaus. Baumeister war Christian Wolf, für die Deckengemälde konnte Christian Zick gewonnen werden. Sie wurden im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und konnten nicht gerettet werden.

Der geistige Mittelpunkt des Altars ist das Gnadenbild (Pietà), dessen Schöpfer unbekannt ist. Der Kurmainzer Hofwerkmeister Georg Schrantz galt als möglicher Künstler, es blieb bei einer Hypothese. Physiognomisch wirkt Maria nicht besonders edel bei dieser Darstellung, sie ist zu breit geraten.

1986 wurden die alten Fresken wieder ausgemalt – Initiator war der Würzburger Bischof Paul Werner Scheele. Die Fotos der alten Fresken waren nicht besonders toll.Von der historischen Rangordnung ist die Sandkirche eher von bescheidener Bedeutung, durch die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges ist sie von den alten Pfarrkirchen am besten gekommen.

 

Quellen

Die Sandkirche zu Aschaffenburg, München und Zürich 1989 – Schnell,Kunstführer Nr. 1745

Franz Herberhold, Beiträge zur älteren Geschichte des Kollegiatstiftes St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, in: Aschaffenburger Jahrbuch für Geschichte, Landeskunde und Kunst des Untermaingebietes, Aschaffenburg 1952

Albrecht Sylla, Martin Hahn, Roland Ebert, Blickwinkel Aschaffenburg – Ein Gang durch die Stadt und ihre Geschichte, Aschaffenburg 1996

https://de.wikipedia.org/wiki/St._Agatha_(Aschaffenburg)

https://de.wikipedia.org/wiki/Spitalkirche_St._Katharina_(Aschaffenburg)

https://de.wikipedia.org/wiki/St._Peter_und_Alexander_(Aschaffenburg)

https://de.wikipedia.org/wiki/Christuskirche_(Aschaffenburg)


Reisebericht über Dieburg am 06.01.2005:

Nicht nur Alzenau nennt sich Stadt im Grünen, sondern auch Dieburg.

Werfen wir einen Blick auf die Geschichte, so lässt sich feststellen, dass Dieburg Seine Entstehung den Römern verdankt. Um 125 nach Christus wurde der Ort Dieburg Mittelpunkt der civitas Auderiensium, einer Region, die heute etwa Südhessen umfasst. Funde weisen vorher bis in die späte Bronzezeit zurück- 1000 vor Christus. 1926 fand man in Dieburg Sandsteinskulpturen, die auf ein Mithrasbild schließen ließen. Sie waren Teil eines Mithrastempels, dessen Nachweis in dieser Zeit gelang. Der Mithraskult stammt aus Persien und fasste auch im Römerreich konkurrierend mit dem Christentum Fuß. Eine monotheistische Religion befasste sich mit den letzten Dingen des Seins und verhieß das ewige Leben. Zahlreiche Zeugnisse gibt es davon in der römischen Provinz Germania superior.

Der persische Gott Mithras erscheint auch unter den Staatsgöttern des mesopotamischen Reiches Mitani und ist ursprünglich ein Lichtgott, der Eid, Recht, Treue und Wahrheit beschützt. Ähnlichkeiten gibt es zum Christentum. Auch der Mithraskult kennt eine Taufe und eine Art Abendmahl aus Brot, Wasser und Wein. Es ist eine Erinnerung an die letzte Mahlzeit des Mithras, der dann mit dem Sonnenwagen zum Himmel emporfuhr. Praktiziert wurde der Kult in unterirdischen Räumen, von denen eine Reihe im heutigen Deutschland liegen – neben Dieburg Osterburken, Saalburg, Neuenheim und Heddernheim. In ihnen fanden höchstens 100 Personen Platz, der Altar stand vor einer Apsis. Die Darstellung auf Denkmälern erlaubt in etwa folgende Deutung. Im Mittelpunkt steht die Tötung des Stieres durch Mithras, die die Entstehung der Welt und des Lebens zur Folge hat. Der Kampf gegen das Böse, das vor allem in Unwahrheit und sinnlicher Unreinheit besteht, wird von den Anhängern erwartet. Mithras ermöglicht der Seele nach ihrer Trennung vom Körper den Aufstieg durch sieben Planetensphären. Am Ende erreicht der Mensch die ewige Seligkeit. Bei der Auferstehung am Ende der Tage wird sie durch einen Unsterblichkeitstrank verbürgt. Am 25. Dezember erhielt Mithras einen Festtag, in dem sein Lichtcharakter gefeiert wird. Die zunehmende Identifikation mit der Sonne äußert sich in der Bezeichnung „sol invictus“ (unbesiegte Sonne).[1]

[1] Vgl.: Alfred Bertholet (Begründer), Wörterbuch der Religionen, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1962

Die beschriebenen Inhalte der Religion lassen sich auf dem Dieburger Kultbild in etwa nachvollziehen.

Ein weiterer Höhepunkt der römischen Geschichte ist die Jupitergigantensäule, die 1924 im Areal Ringstraße/ Kettelerstraße gefunden wurde. Sie entstand etwa 200 nach Christus. Die Kultsäule ist mehrteilig. Gut erhalten sind ein Viergötterstein als  Basis und Sockel und darauf sitzend ein Wochengötterstein. Beim Stifter handelt es Sich um den Ratsherrn Decurio Licinius Ob… Er und seine Gattin danken den Göttern für eine Wohltat.

Ein wichtiges Datum der Geschichte dieses Ortes lässt sich 1277 datieren, nämlich die Stadterhebung durch Rudolph I. Wenig später kommt die Stadt in den Besitz des Mainzer Erzbistums, das bis 1803 Stadtherr ist und von Hessen-Darmstadt abgelöst wird. Zu den bedeutendsten Geschlechtern gehörten die Groschlags, die von 1236 an dort ansässig sind und Ende des 18. Jahrhunderts aussterben. Das zweite bedeutende Geschlecht sind die Ulner (1319 bis 1770).

Eine bedeutende Sehenswürdigkeit des Ortes ist die Wallfahrtskirche, die im 8. Jahrhundert errichtet, bald vernichtet wurde, aber schon im 11. Jahrhundert als romanische Basilika neu entstand und 1216 abbrannte. Eine Erneuerung gab es 1400 im gotischen Stil, die Innenausstattung ist durch das Barock um 1700 geprägt. Was wäre eine Wallfahrtskapelle ohne ein Gnadenbild, das in diesem Fall 1420 entstand.1498 bestätigte der Mainzer Weihbischof Erhard die Weihe. Spätestens seit der Aufstellung des Gnadenbildes beginnt die Wallfahrt. Im zweiten Weltkrieg suchten viele Menschen durch die Nähe dieses Bildes in der Sakristei Schutz und Trost. Eine Mariengedächtnisstätte entstand 1998 auf dem Pilgerplatz neben dem Außenaltar.

Zwischen 1699 und 1799 lassen die Freiherren von Groschlag südlich von Dieburg eine Parkanlage anlegen, die noch heute teilweise besichtigt werden kann. Am Ende der einstigen Pappelallee steht ein 9,5 Meter hoher Obelisk, der auch „weißer Turm“ genannt wird. Die sogenannte „Alteneu“ sollte mit ihren drei Bögen an ein römisches Triumphtor erinnern. Zudem wurden ein ionischer Tempel, ein achteckiger Pavillon und ein Chinesisches Haus errichtet.

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Naturerlebnisbad Schöllkrippen am 13. August 2003

2300 Gäste zählte der Heimatbote am 12. August im Naturerlebnisbad Schöllkrippen, das vor nicht allzu langer Zeit eröffnet wurde. „Selbst zu besten Freibadzeiten hat das alte Kassenhäuschen, das jetzt mit einem neuen Anstrich glänzt, solchen Andrang nicht erlebt … Die meisten alten Bäume hatten bei den umfangreichen Erdarbeiten weichen müssen und neue Bäume können zum Teil erst im Herbst gepflanzt werden…’Trotz der intensiven Nutzung haben wir eine Top-Wasserqualität’, erklärte Norbert Ries (Stellvertretender Bürgermeister) auf Nachfrage. Alle Untersuchungen des Badewassers durch das Gesundheitsamt hätten völlig einwandfreie Werte geliefert.“ Ein Leserbrief zu diesem Artikel kann als Empfehlung gewertet werden, dieses Bad einmal zu besuchen, wenn ein kleiner Ausflug geplant ist. Im Heimatboten vom 16. August 2003 führte ich dazu folgendes aus: Es verwundert nicht, daß das Naturerlebnisbad in Schöllkrippen so viele Menschen anzieht, wie sonst kaum eine Freizeiteinrichtung. Selbst wenn die Parkmöglichkeiten, wie zu erwarten, an Grenzen stoßen, gibt es doch zwei Vorteile, die dieses Bad zweifelsfrei vorweist : man schluckt kein Chlor und das Wasser ist nicht so warm wie in einem Badesee in der Umgebung. Beide Vorteile können gar nicht positiv genug eingeschätzt werden. Sollten die Grünflächen noch erweitert werden und der eine oder andere kulturelle Leckerbissen angeboten werden – zum Beispiel Veranstaltungen wie „Skandal am Pool“ in Alzenau – könnte das Bad zu einem der bestbesuchten in ganz Unterfranken werden. Nicht zuletzt könnten die Sportmöglichkeiten im Gelände noch verbessert werden.

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Glauberg an Pfingsten 2002

1200 Jahre ist der Ortsteil Glauberg nun alt, mancher wird sich fragen, was die kleine Gemeinde in der Wetterau so berühmt macht. Viele haben es sicher schon gehört – in diesem Ort wurde zwischen 1994 und 1997 eine archäologische Sensation ersten Ranges entdeckt – die Reste zweier Grabhügel aus frühkeltischer Zeit in einem umfangreichen System aus Gräben und Wällen. Auffällig war die als „Fürst vom Glauberg“ benannte Sandsteinfigur, die im Zentrum einer Ausstellung zu sehen ist, die die Schirn in Frankfurt bis 1.9.2002 präsentiert.

1994 begannen die zum keltischen Fürsten führenden Ausgrabungen in Glauberg in der berechtigten Erwartung, daß der archäologisch bisher schon hoch ergiebige Berg noch weitere Überraschungen zu bieten hätte. Lange vorher schon waren Zeugnisse der jungsteinzeitlichen Bandcheramiker gefunden worden. Hier soll das „Mehlberg-Schweinchen“ (4.800 vor Christus) genannt werden – es handelt sich um eine etwa 4 cm große aus Ton gebrannte Schweinefigur. Zudem wurde ein 48 cm langer Steinpflug entdeckt. Weitere Zeugnisse der Rössener und Michelsberger Kultur weisen auch in die Jungsteinzeit. Die bronzezeitliche Urnenfelderkultur kann ebenso von 1000 bis 800 vor Christus nachgewiesen werden.

Besondere Bedeutung bekam der Glauberg in der frühkeltischen Zeit (der Späthallstattzeit) im 6. und 5. Jahrhundert. Riesige Wälle mit Wasserreservoir auf einer Gesamtfläche von 20 ha lassen heutige Altertumsforscher von einer „Bergstadt der frühkeltischen Zeit“ sprechen. Der Glauberg erhält im 5. Jahrhundert vor Christus den Rang eines Fürstensitzes mit Verbindungen zum Mittelmeerraum. Ein bronzener Halsring weist sogar persische Kunsteinflüsse auf. Im Hügel wurden zwei Fürstengräber gefunden. Im ersten Grab fand man einen etwa 30jährigen Toten mit wertvollem Schmuck, bemerkenswert sind Halsring, Armring und Fingerring aus Gold. Die Schnabelkanne war mit Honigwein als Totentrunk gefüllt. Grab zwei enthielt ebenfalls wertvolle Grabbeigaben wie Schwert und Trachtenschmuck. In einem zweiten Grabhügel konnte ebenfalls eine fürstliche Bestattung eines Kriegers mit prächtigen Grabbeigaben nachgewiesen werden.

Hiermit erwies sich der Glauberg als bedeutendes Zentrum der frühkeltischen Welt, das von regionaler Bedeutung war und mit der Kontrolle der Handelswege in der hessischen Senke und der Salzgewinnung in Bad Nauheim einherging. Nicht restlos geklärt ist, wann die Bedeutung des Glaubergs zurückging – möglich ist es, daß die Wanderungen der Kelten im 4. Jahrhundert vor Christus dem Zentrum Glauberg ein Ende setzten. In der keltischen Spätzeit (2. und 1. Jahrhundert vor Christus) begann die Zeit der Oppida, stadtähnlicher Siedlungen, von denen regional das bedeutendste das Heidetränk-Oppidum nahe Oberursel ist. Hier könnten schon 20.000 Menschen gelebt haben.

Eine ausführlicher Darstellung der keltischen Gesellschaft gibt Gaius Julius Caesar in seinem Werk „Der Gallische Krieg“. Caesar besiegte die von den Römern Gallier genannten Kelten von 58 bis 52 vor Christus in mehreren Feldzügen. Er schreibt in seinem Werk unter anderem: „In ganz Gallien gibt es zwei Klassen von Menschen, die irgendwelche Geltung und Ehre genießen. Denn das niedere Volk nimmt beinahe die Stellung von Sklaven ein. Es darf von sich aus nichts wagen und wird auch zu keiner Versammlung hinzugezogen. Da die meisten durch Schulden, durch große Abgaben oder ungerechterweise von den Mächtigen bedrückt werden, begeben sie sich in den Dienst der Vornehmen, die dann gegen sie dieselben Rechte haben wie Herren gegen Sklaven. Aber von den beiden Ständen ist der eine der der Druiden, der andere der der Ritter. Die Druiden versehen den Gottesdienst, besorgen die öffentlichen und privaten Opfer und legen die Religionssatzungen aus. Bei ihnen finden sich junge Männer in großer Zahl zur Unterweisung ein, und sie genießen bei diesen hohes Ansehen. Denn bei allen öffentlichen und privaten Streitigkeiten urteilen und entscheiden sie. Sie setzen Belohnung und Strafe fest, wenn ein Verbrechen begangen wurde, ein Mord geschah, Erbschafts- und Grenzstreitigkeiten ausbrechen. Fügt sich ein Privatmann oder ein Volk ihrem Entscheid nicht, so schließen sie die Betroffenen vom Gottesdienst aus. Dies bedeutet bei ihnen die härteste Strafe. Die so Ausgeschlossenen gelten als gottlose Verbrecher, ihnen gehen alle aus dem Wege, ihre Annäherung und Gespräch meidet man, um nicht aus der Berührung mit ihnen Nachteil zu erleiden. Ihnen wird, auch wenn sie ihn nachsuchen, kein Rechtsbescheid erteilt, noch wird ihnen irgendwelche Ehre erwiesen. An der Spitze aller Druiden steht einer, der bei ihnen das höchste Ansehen genießt. Nach seinem Tode tritt an die Stelle der, der unter den übrigen an Würde hervorragt, oder, wenn mehrere gleiche Bewerber da sind, entscheiden in dem Wettstreit die Stimmen der Druiden, bisweilen gar die Waffen. Sie tagen zu einer bestimmten Jahreszeit an einer geheiligten Stätte im Lande der Carnuten, das ungefähr in der Mitte ganz Galliens liegt …

Die Druiden ziehen gewöhnlich nicht in den Krieg und zahlen auch keine Abgaben wie die anderen, sind vom Waffendienst befreit und genießen Freiheit von allen Leistungen. Durch so große Vorrechte verlockt, begeben sich viele freiwillig in ihre Lehre oder werden von ihren Eltern und Verwandten hingeschickt. Sie sollen dort Verse in großer Zahl auswendig lernen; deswegen bleiben einige zwanzig Jahre in der Lehre. Sie halten es für Sünde, sie schriftlich niederzulegen, während sie fast in allen übrigen Angelegenheiten, in Staats- und Privatgeschäften, die griechische Schrift benützen. …

Der zweite Stand ist der der Ritter. Wenn ein Bedürfnis vorliegt oder ein Krieg ausgebrochen ist – dies pflegte vor meiner Ankunft in der Regel alle Jahre einzutreten, daß sie selbst Feindseligkeiten eröffneten oder solche abwehrten -, stehen diese alle im Felde und haben, wie ein jeder von ihnen durch sein Geschlecht oder seine Mittel einflußreich ist, möglichst viele Gefolgsleute oder Hörige um sich. Darin erkennen sie den einzigen Einfluß und die einzige Macht.

Das ganze Volk der Gallier ist in hohem Maße religiösen Gebräuchen ergeben. Aus diesem Grunde opfern die, welche von schweren Krankheiten befallen sind und in Kampf und Gefahr schweben, anstelle der Opfertiere Menschen oder geloben deren Opfer und bedienen sich hierbei der Druiden als Opferpriester … Andere Stämme haben Gebilde von ungeheurer Größe, deren aus Ruten zusammengeflochtene Glieder sie mit lebenden Menschen füllen; sie werden dann von unten angezündet, und die von der Flamme Eingeschlossenen werden getötet. …“

Da über die Gesellschaft am Glauberg keine schriftlichen Dokumente existieren, ist es sicher nicht exakt zu ermitteln, wie viele der von Caesar bekundeten Sachverhalte schon vier Jahrhunderte vorher existierten.

Da sich im Westen, Osten und Norden Frankfurts noch weitere bedeutende Orte keltischer Kultur befinden – Büdingen, Bad Nauheim, Oberursel, Butzbach oder der Dünsberg bei Biebertal – wurde vor kurzem die Keltenstraße der Öffentlichkeit vorgestellt. Daß der Ort Glauberg nicht nur wegen seiner Keltenfunde interessant ist, sondern auch danach noch einiges zu bieten hat, zeigt die Tatsache, daß dort im 7. Jahrhundert eine fränkische Großburg entstand, die für die umliegende Landschaft von zentraler Bedeutung war. Im Jahre 802 wurde das Dorf auch zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die letzte Blüte erlebte Glauberg im 13. Jahrhundert, als eine „Reichsburg“ entstand. Die staufische Wetterau wurde in diesem Jahrhundert zum Kriegsschauplatz zwischen den Kaisertreuen, die zu Friedrich II (Staufer) hielten und der „Kirchenpartei“ um den Mainzer Bischof. Zu den Staufergegnern zählten auch die Büdinger, die mithalfen, daß wahrscheinlich 1256 Burg und Stadt auf dem Glauberg zerstört wurden.

Die heutige Gemeinde Glauburg bersteht aus den Ortsteilen Glauberg (1.300 Einwohner) und Stockheim (2.000 Einwohner). Sie liegt nicht weit von der Autobahn A45 Gießen-Hanau am Schnittpunkt der Bahnlinien Frankfurt-Stockheim und Gießen-Gelnhausen im Tal der Nidder. Eine Fahrt dorthin lohnt sich für Menschen, die an Geschichte Interesse haben und Sehenswertes auch in der Nähe suchen. Das Heimatmuseum ist an Sonntagen von 14 bis 16 Uhr geöffnet.

e-mail: Gemeinde-Glauburg@t-online.de

Christian Schauer

Literatur:
1200 Jahre Glauberg – 50 Jahre Eintracht Glauberg (Festschrift), Glauburg 2002
Hessische Kultur GmbH (Herausgeber), Keltenstraße – Ausflüge in eine verlorene Zeit, Wiesbaden o. J.
Gaius Julius Caesar, Der Gallische Krieg, München 1965
Internet: http://www.Glauburg.de , http://www.Glauberg.de , http://www.Keltenfuerst.de