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Lorch, Schwäbisch Gmünd, Aalen, Giengen und Ludwigsburg

Die Johanniskirche in Schwäbisch-Gmünd und Schloss Ludwigsburg – August 2017

Die Johanniskirche, die mit ihrem herausragenden Glockenturm direkt am Übergang vom Johannis- zum Marktplatz steht, ist ein Wahrzeichen der Stadt Schwäbisch Gmünd.Sie ist eine romanische Kirche. Die Bauzeit wird von 1210 bis 1230 angesetzt, gelegentlich auch später. Im 15. Jahrhundert wurde die Johanniskirche umgebaut. Sie erhielt gotische Elemente. Im 19. Jahrhundert wurde die Kirche neoromanisch umgebaut.

Künstlerischer Höhepunkt der Kirche ist die Staufische Madonna, die wertvollste romanische Plastik wahrscheinlich aus dem späten 12. Jahrhundert.

Staufermadonna

Staufische Madonna

Besonders interessant auch das Tympanon des westlichen Porta. Es zeigt einen kahlgeschorenen Kopf, unter dem sich eine Schere öffnet. Darunter liegen zwei Löwen mit verschränkten Tatzen. Interpretation: dem kahlgeschorenen Sünder wird von den Löwen während seiner Bußzeit der Eintritt in die Kirche verwehrt. So etwas nennt man eine Bußpforte.1

Bußpforte

Bußpforte Johanniskirche

Gartenschaugelände (Landegartenschau 2014)

Der Himmelsstürmer ist das am weitesten sichtbare Bauwerk. Der Turm ist eine reine Holzkonstruktion mit 38,60 Meter Höhe. Daneben befindet sich der Wasserspielplatz als besondere Attraktion für Kinder.

Gartenschaugelände

Gartenschaugelände Wasserspielplatz

Josef Eduard Wagenblast. Stadt – Land – See 23. Juli – 24. September 2017 Ausstellung in Schwäbisch Gmünd

Die Ausstellung ist besonders ansprechend, weil viele Stadtansichten Schwäbisch Gmünds zu sehen sind. z.B. der Glockenturm des Münsters mit Löwenbrunnen oder der Blick vom Königsturm.

Schloss Ludwigsburg

Das Residenzschloss in Ludwigsburg entstand zwischen 1704 und 1733 unter der Herrschaft von Herzog Eberhard Ludwig (1677 bis 1733) von Württemberg. Es ist eine der größten barocken Schlossanlagen Deutschlands. Das Schloss umgibt eine große Parkanlage.

Ludwigsburg galt als einer der prächtigsten und ausladendsten Höfe in Europa. Es umfasst 452 Räume, zwei Kirchen, ein Theater und einen großen Innenhof (Ehrenhof genannt). In den ausgedehnten Schlossgärten finden sich auch heute noch künstliche Wasserfälle und Felsengrotten.

Ludwigsburg

Schloss Ludwigsburg

Prinzessin Charlotte Auguste Mathilde (1766 bis 1828)

Sie war die älteste Tochter des britischen Königs Georg III. und seiner Frau Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz. 1797 heiratete sie den württembergischen Erbprinzen Friedrich (1754 bis 1816), der 1806 König von Württemberg wurde. Friedrich galt als launisch und wechselhaft. Charlotte und Friedrich pflegten einen respektvollen Umgang. Sie war gebildet, fromm und sozial. Die Politik überließ sie ihm. Ihre Aufmerksamkeit galt der Familie und dem Haushalt. Als König Friedrich 1816 starb, wurde er in der Gruft des Ludwigsburger Schlosses beigesetzt. Charlotte wohnte im Schloss, um ihrem Mann möglichst nahe zu sein – Treue über den Tod hinaus. Auch sie wurde dort beigesetzt. Auffällig war ihre körperliche Größe. „Ein Hauptschmuck dieser Gemächer aber ist“, bemerkt ein zeitgenössischer Bericht, „daß die herrlichen Stickereyen und Zeichnungen an Stühlen, Ruhebetten, Ofen- und Kaminschirmen meist von der Hand der Königin und zum Theil auch der königlichen Prinzessinnen sind.“ 2

Wie wurde das Schloß damals erbaut? Bezüglich der Absichten des Herzog Eberhard Ludwig heißt es in einer Darstellung: „Da das alte Schloss für den großen Hofstaat zu klein war, wurde 1704 ein neues herrschaftliches Schloss erbaut… Das Geld für den Schlossbau wurde mit jahrelanger Fronarbeit und Zwangsabgaben aufgebracht. Um das Schloss entwickelte sich die Stadt Ludwigsburg. Doch die Bewohner mochten das große Schloss, die ‚Lumpenburg‘, und ihre ‚Herrschaftsleut‘ überhaupt nicht. Als Gräfin Wilhelmine auch noch vom Hofprediger Urlsperger verlangte, in das tägliche Gebet aufgenommen zu werden, soll dieser geantwortet haben, dies sei bereits geschehen, denn ganz Württemberg bete bereits ‚Herr, erlöse uns von dem Übel’“3

1Münsterbauverein Schwäbisch Gmünd, St.Johanniskirche in Schwäbisch-Gmünd, Schwäbisch Gmünd 2015

3Barbara und Jörg -Thomas Titz, Rund um Stuttgart, Schwäbischen Wald und Albtrauf, München (Rother Wanderführer), S. 23

Giengen – August 2017

Giengen ist eine ehemalige Freie Reichsstadt und liegt an der Brenz im Osten Baden-Württembergs. Unweit ist die Grenze zu Bayern. Etwa zehn Kilometer südöstlich liegt Heidenheim an der Brenz.

Giengen wurde zum ersten Mal im Jahr 1078 in einer Chronik des Klosters Petershausen urkundlich erwähnt – die Erwähnung ist Markgraf Diepold zu verdanken. Die Herkunft des Namens ist nicht gesichert. Im 12. Jahrhundert ging Giengen an das Herrschaftsgebiet der Staufer. Die Siedlung entwickelte sich um eine Burg, die bis ins 14. Jahrhundert erwähnt wurde. Im 13. Jahrhundert war Giengen bereits als Stadt genannt. 1307 wird sie zu den Schwäbischen Reichsstädten gerechnet. 1391 konnte die Reichsfreiheit erreicht werden. 1395 trat sie dem Schwäbischen Städtebund bei. Die Stadt konnte sich jedoch kein Herrschaftsgebiet erwerben. Nach der Einführung der Reformation trat 1608 der Union (evangelisch) bei. Als Freie Reichsstadt besaß sie das Recht der „Hohen Gerichtsbarkeit“ Sie hatte das Recht, bei schweren Straftaten die Todesstrafe verhängen zu können. So wurde 1615 Apollonia Sailer („Sailer Appel“) als „leichtfertige Hexe“ angeklagt und zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Inhaftiert waren die Gefangenen damals im „Hundturn“, einem mächtigen Eckturm im Nordwesten der Stadtmauer. Bei dessen Überfüllung war der der Stadtmauerturm beim Spital ein Ausweichquartier. 1

Mit Württemberg gab es oft Streitigkeiten über die Obrigkeit. Im September 1634 brannte die Stadt bis auf wenige Überreste vollständig ab; zum Gedenken an diesen Tag malte der aus Giengen stammende Ulmer Stadtmaler Johannes Stötzlin 1663 das „Brandbild“, das heute noch in der Stadtkirche hängt. Hier wird die Grausamkeit des Krieges dargestellt, Unter dem Bild steht: „Gott der Allmächtige, welcher über die alte Stadt das größte Unglück verhängt hat, wolle allen denen, die in dieser Not umgekommen und gestorben sind, ein seliges Ende beschert haben, und dann den Gegenwärtigen und Nachkommenden jederzeit diesen Jammerspiegel vor Augen gestellt sein und täglich zur christlichen Buß und Besserung dienen lassen; und die neue Stadt in Gnaden ansehen, sie segnen, beschützen und verteidigen.“2 Die Stadtkirche wurde zwischen 1356 und 1402 begonnen (Chor und Sakristei). Wahrscheinlich 1377/1378 gab es eine große Erweiterung.

Der Hochaltar wurde von dem Ulmer Bürger Ernst Gockelius 1659 gestiftet. Seine Frau stammte aus Giengen. Gockelius – ein wirklich komischer Name – da lachen ja die Hühner.

Das äußere Erscheinungsbild ist etwas Besonderes. Es sind zwei ungleiche Türme. Der Südturm wird als Glockenturm genutzt. Er hat eine Zwiebelhaube. Der Nordturm zeigt im Unterteil staufische Buckelquader.

Giengen zwei Türme

Stadtkirche Giengen – ungleiche Türme

Überregional ist Giengen bekannt als Hauptstadt der Teddybären. Das Steiff Museum wurde 2005 eröffnet. Zudem findet man in Giengen das Geburtshaus von Margarete Steiff, die 1847 im Haus Lederstraße 26 geboren wurde.

Rathaus mit Panscherbrunnen

Das Rathaus wurde nach dem Stadtbrand errichtet. Darin war bis 1802 das reichsstädtische Gericht. Davor ist der Panscherbrunnen 1984 errichtet worden. Die Giengener sollen Kaiser Barbarossa nach der Sage gepanschten Wein serviert haben.

Panscherbrunnen

Giengen Panscherbrunnen

Die Spitalkirche

Von der im 15. Jahrhundert erbauten Kirche ging die Reformation in Giengen aus. Die älteste Glocke Giengens darin stammt aus dem Jahre 1573.

Spitalkirche

Spitalkirche Giengen

2Evangelische Stadtkirche Giengen an der Brenz, Regensburg 1999, S. 18

 

Kolomanskirche im März 2017

St. Coloman (auch St. Koloman oder Kolomanskirche) ist eine ehemalige Pfarrkirche und römisch-katholisch im ehemaligen Ortskern von Wetzgau – heute ein Ortsteil von Schwäbisch-Gmünd. Die Kirche ist spätgotisch und dem Heiligen Koloman geweiht.Der heilige Koloman starb am 17. Juli 1012 bei Stockerau in Niederösterreich und soll ein irischer Königssohn gewesen sein, der auf einer Pilgerreise zu den Heiligen Stätten ins Heilige Land bei Stockerau gefangen genommen und hingerichtet wurde. In dieser Zeit kam es zu Auseinandersetzungen zwischen dem deutschen König Heinrich II. und dem polnischen Herzog Boleslaw I. Crobry. Koloman wurde aufgrund seines Aussehens für einen böhmischen Spion gehalten und bei Stockerau festgenommen. Er erlitt ein Martyrium und wurde zwischen zwei Mördern in einem Holunderstrauch erhängt. Koloman wurde nicht nicht nur in Österreich verehrt, sondern auch in der Kurpfalz, in Bayern, Schwaben und in Irland wo ihm zahlreiche Kirchen geweiht wurden. Besondere Verehrung wurde ihm in Ungarn zuteil. Eine Darstellung aus dem 18. Jahrhundert fasst die Ereignisse wie folgt zusammen:

Kolomanskirche

Bild: Kolomanskirche

„DIE LEGENDE VOM HEILIGEN KOLOMAN

Als die Stockerauer den heiligen Koloman auf ihrem Grund und Boden umhergehen sahen und aus seiner fremden Sprache und unbekannten Kleidung eigentlich nicht wußten, wer er wäre oder aus welchen Ursachen er hergekommen, gerieten sie, wiewohl ganz fälschlich und zu Unrecht, auf den Gedanken, er wäre entweder von den Böhmen oder aber von den Ungarn hierher abgeordnet worden, ihre Gegend auszuspähen und schädliche Anschläge wider sie auszuführen. Da ergrimmte der törichte und rasende Pöbel derart wider den heiligen Koloman als einen vermeintlichen Spion und Verräter des Vaterlands, daß sie ohne weitere Untersuchung ihn mit Gewalt ergriffen, mit Besen grausam schlugen und darauf ins Gefängnis warfen, in der Meinung, ihn am folgenden Tag den Ortsrichtern öffentlich vorzustellen …

Nun kamen endlich die Zeit und die Stunde heran, in welcher es dem Allerhöchsten Gott beliebt hat, unseren heiligen Koloman auf die Probe zu stellen und dem unverständigen Stockerauischen Pöbel, welcher über ihn so übel geurteilt, klar zu zeigen, welche große Tugend und Heiligkeit unter diesem unbekannten Wallfahrer verborgen gelegen. Es mußte aber dieselbe durch gewaltige Verfolgung und Pein, wie das Gold durch das Feuer, scharf geprüft werden.“1

Im Jahr 1382 wird eine Vorgängerkirche an der Stelle der jetzigen Colomankirche erstmals erwähnt, von der vor etwa 40 Jahren Mauerreste gefunden wurden. Der heutige Bau stammt aus dem 15. Jahrhundert. Auf die Jahre 1413/14 wurden Teile des Turmgebälks datiert.Der Stadtteil Wetzgau-Rehnenhof stand am 17. Juli 2012 im Zeichen eines besonderen Gedenktags: Vor 1000 Jahren starb St. Coloman, auf dessen Name die mittelalterliche Kirche in Alt-Wetzgau geweiht ist. Es war ein denkwürdiges Jubiläum – unter anderem mit einem kleinen Straßenfest. Der Dachstuhl der der Sakristei stammt von 1494. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts erfolgte eine Innenrestaurierung.

Kriegerdenkmal

Kriegerdenkmal an der Kolomanskirche

1 Geschichte und Wunderwerke des heiligen Colomanni…verfaßt durch P. Godefridum Deppisch. – Wien 1743

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Lorch, Schwäbisch Gmünd und Aalen – August 2013

Das Limesknie bei Lorch sticht dadurch hervor, dass er zwei Techniken der Limesgestaltung kenntlich macht. Er war unter den Kaisern Trajan und Antoninus Pius im 2. Jahrhundert nach Christus errichtet worden. Unter letzterem gab es eine Verschiebung des Limes bis über die Rems hinüber. In älterer Zeit gab es ein Pfahlbauwerk. Er ist benannt als Limes transrhenanus oder obergernmanischer Limes. Der spätere rätische Limes ist gemauert und hat eine Länge von 175 Kilometern. Er verläuft von Rötental östlich von Lorch bis an die Donau – die Höhe war 2,5 Meter und die Breite 1,2 Meter. Der Limes wurde mit Wachtürmen ausgestattet. Im Abstand von 500 bis 1000 Metern bestanden sie im unteren Teil aus Stein, im oberen aus Holz. Das Kastell, das in Lorch stand, hieß “ad Lunam”. Ein Name “Laureacum” für das Kastell wurde früher vermutet. Es bedeutet die Latinisierung von “Loricha” (Lorch). Bei den ersten Grabungen wurden Gefäßscherben aus Terra sigillata, eine Bronzemünze der Crispina und ein silberner Becher vom römischen Kaiser Domitian (81 -96 nach Christus) gefunden. Ein weiteres römisches Denkmal in Lorch ist ein Grabstein, den ein Tonwarenhändler seinen Eltern widmete. Bewohnt wurde die Gegend damals vom germanischen Stamm der Alemannen. Ungefähr 213 treffen sie bei Mainz zum ersten Mal auf die Römer. 260 konnte der Limes von den Römern nicht mehr gehalten werden. Kaiser Gallienus’ Weggang von der Donau zur Bekämpfung des Usurpators  Ingenuus löste wahrscheinlich den Germanensturm aus, der die Aufgabe des Limes zur Folge hatte.

 

Kaiser Caracalla besuchte den raetischen Limes 213.  Am 11. August dieses Jahres startete er hier seinen Germanenfeldzug. Der Feldzug wurde Ende September 213 siegreich beendet. Wahrscheinlich besuchte Caracalla das Heiligtum des Apollo Grannus in Faimingen an der Donau.1 Caracalla fand bei der Nachwelt wenig Anerkennung. Er war “ein roher, hemmungsloser und moralisch minderwertiger Mensch, der schon vor der Thronbesteigung stark verbrecherische Neigungen verriet.”   Seinen Bruder Geta ließ er frühzeitig (Dezember 211) nach seinem Herrschaftsbeginn ermorden, die Freunde und Anhänger Getas wurden ebenfalls umgebracht – dabei traf es etwa 20.000 Personen. Ein wichtiges Gesetz Caracallas war die “Constitutio Antoniniana”, ein Erlass von 212, mit dem er fast allen freien Reichsbewohnern das römische Bürgerrecht verlieh. Wie oppositionelle senatorischen Kreise meinten, hatte die Ausdehnung des Bürgerrechts vor allem den Zweck, die Steuereinnahmen zu erhöhen. 3 “Auf diese Weise wurde das römische Reich zu einer noch nicht dagewesenen großen Einheit verbunden.” 4

 

Das Gebiet um Lorch kam 536 in den Einflußbereich der Franken, als die Hausmeister Karl Martell und Pippin die Alemannen bei Canstatt 746 besiegten. Das Gebiet wurde in das Frankenreich eingegliedert. Am Anfang des 10. Jahrhunderts reichte das Herzogtum Allemanien “vom Lech bis zu den Vogesen und von den Rheinquellen  bis zum oberen Neckar, dazu kam das bayerische Schwaben, das Elsaß und die nördliche Schweiz”. 5   Einen “schwäbischen Herzog” gab es zum erstenmal um 917. 1079 war es dann so weit. Kaiser Heinrich IV. hatte seinen Canossa-Schock überwunden und verleiht das Herzogtum Schwaben an Friedrich von Büren. Dieser nennt sich Herzog von Schwaben. Im 12. Jahrhundert überführte König Konrad III. die Gebeine seiner Vorfahen aus der Kollegiatskirche ins Kloster. Dort wurden sie in der Kirche beigesetzt. Im 15. Jahrhundert wurde der Ort von einem Brand heimgesucht. Im Bauernkrieg 1525 wurde das Kloster gestürmt und zerstört. Schwer getroffen wurde das Dorf im Dreißigjährigen Krieg, Hunger und Pest wüteten hier. 1648 kamen einzelne Familien in das Dorf zurück. Das Rathaus lag bis 1686 in Schutt. 1707 im Spanischen Erbfolgekrieg lagerten die Franzosen in Lorch. Der französische Marschall Villiers kämpfte gegen das Reichsheer unterhalb des Klosters bei der Ziegelhütte. Gefunden wurden eine Kanonenkugel und ein Offiziersdegen. 1743 kam während des Österreichischen Erbfolgekrieges eine Heeresabteilung Österreichs durch Lorch. Nach den Napoleonischen Kriegen blühte das Handwerk und die Kleinindustrie auf. Seit dem 18. Jahrhundert gibt es die Schwefelhütte, in der die Schwefelfunde der Lorcher Gegend ausgebeutet wurden. 1845 ist schon eine Brauerei auf- geführt sowie eine Fabrikation von Hirschhorngeist. 1806 seit der Gründung des Königreiches Baden-Württemberg bestand ein Oberamt Welzheim, zu dem Lorch gehörte. 1810 wurde Lorch zum Oberamt erhoben, mußte aber neun Jahre später Welzheim als Oberamtsstadt anerkennen. 1865 wurde Lorch wieder zur Stadt erhoben. 1862 kam ein Eisenbahnanschluß zustande. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte der Ort 3.500 Einwohner, danach etwa 5.000. Am 19. April 1945 schossen amerikanische Flugzeuge einige Häuser in Brand. Eduard Mörike schrieb 1867 über Lorch: “Ich lebe hier … fast nur vom Genuß der Gegend , insonderheit der Luft …wir haben hier vollkommen, was wir brauchen … die langersehnte absolute Ruhe und Stille.” 7

 

Eduard Mörike lebte von 1867 bis 1869 in Lorch. Er kehrte 1873 noch einmal dorthin zurück. Friedrich Schiller verlebte in Lorch einen Teil seiner Jugend. Sein Vater wurde als Werbehauptmann von 1763 bis 1766 nach Lorch versetzt. Schiller wollte in dieser Zeit Pfarrer werden. Seinem frommen Lehrer Moser wurde in den “Räubern” ein Denkmal gesetzt. Die Familie wohnte zunächst im Gasthof “Sonne”, danach im oben erwähnten “Schillerhaus”. 8 Das Kloster Lorch wurde 1102 gegründet. In der Stitfungsurkunde heißt es dazu: “Friedrich, Herzog von Schwaben und Franken, und dessen Gattin Agnes nebst ihren zwei Söhnen Friedrich und Konrad (Friedrich, genannt der “Einäugige”, später Herzog von Schwaben, Konrad, der nachmalige König Konrad III.) gründen zum Seelenheil ihrer noch lebenden und dahingeschiedenen Familienmitglieder das Kloster Loricha, weihen dieses dem ersten Apostel, dem heiligen Petrus, und verordnen, daß das Gotteshaus jedes Jahr dem apostolischen  Stuhl eine Goldmünze verabfolge …”   Im November 1140 ging Konrad III. zum Angriff auf die schwäbischen Besitzungen der Welfen über. Er belagerte die Burg von Weinsberg in der Nähe von Heilbronn. Die welfische Besatzung der Burg musste kapitulieren. 10  Die Frauen des belagerten Weinbergs erwirkten von König Konrad III., daß sie von ihren Gütern mitnehmen konnten, was sie tragen konnten – es waren ihre Männer.

Kloster Lorsch

Kloster Lorch

König Konrad besuchte Lorch, um die Gebeine seiner Väter zur Kirche zu bringen. Sie wurden in Steinsärgen in Aushöhlungen des Steinfußbodens beigesetzt. Besetzt wurde das Kloster zunächst mit zwölf Mönchen aus Hirsau. Den weltlichen Schutz erhielt die Abtei durch Vögte, der älteste der Staufer sollte dieses Vogtrecht ausfüllen. Die Mönche wählten den Abt aus ihrer Mitte. Der Benediktinerorden war der Träger der geistlichen Bildung in dieser Zeit. Das Kloster wurde von Friedrich Barbarossa und Friedrich II. mit Schutzbriefen ausgestattet. 1249 übernahm Graf Ulrich von Württemberg das Vogteirecht. 1331 blieb die Vogtei endgültig beim Hause Württemberg.

Bild: Kloster Lorch

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Im Bauernkrieg 1525 wurde das Kloster vom “hellen Haufen” bekriegt. Das Kloster wurde nach heftiger Gegenwehr eingenommen und dabei sowohl geplündert als auch in Brand gesteckt. Gleiches geschah der Burg Hohenstaufen. Abt Lorenz ließ das Kloster 1531 wieder herstellen. Herzog Christoph setzte in Württemberg die Reformation durch und ernannte als erster einen lutherischen Abt, Georg Udal (1563 bis 1577). Das alte Mönchsleben hörte damit auf. Die lutherischen Äbte waren Gelehrte und Verwalter. Nach den Zweiten Weltkrieg wurde das Kloster in ein Altenheim umgewandelt. Das Kloster liegt auf dem Liebfrauenberg. Auf dem Berg stehen die Barbarossa-Linde und der “Haspelturm”. 1932 hatte die evangelische Landeskirche in Württemberg die Räume des Klosters für eine Evangelische Bauernschule zur Verfügung gestellt. Ab Herbst 1934 nach der “Machtergreifung” verboten  die Nationalsozialisten der Kirche die Nutzung der Räume, lösten die Bauernschule auf und richtete stattdessen eine nationalsozialistische Bauernhochschule ein. Ab 1937 wurde die Klosterkirche zu einer „Staufer-Gedenkstätte und … Stätte für nationalsozialistische Feierstunden“ erklärt. Es fanden hier Feiern der NSDAP und der SS statt. 11

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Schwäbisch Gmünd

Die ersten Siedlungsspuren reichen bis ins 2. Jahrhundert n. Chr. zurück, als das römische Militär die Reichsgrenze über die Donau schob und um 150 n. Chr. begann, Militärlager zur Sicherung des nahegelegenen Limes aufzubauen. Dabei entstanden größere zivile Ansiedlungen an diesen Plätzen, unter anderem bei dem auf dem heutigen Schwäbisch Gmünder Stadtgebiet liegenden Kastell Schirenhof. Ab 233 n. Chr. nahmen die Alemannen die Grenzanlagen ein. Nach dem Rückzug der römischen Truppen hinter die Donau um 260/270 ließen sich die Germanen in den aufgegebenen Grenzgebieten nieder. Ob sich der Name Gamundias, den im 9. Jahrhundert eine auf den Namen Karls des Großen gefälschte Urkunde des Klosters Saint-Denis bei Paris nennt, auf Gmünd bezieht, ist höchst unsicher. Archäologische Hinweise auf eine von Abt Fulrad von Saint-Denis angelegte Zelle fehlen. Die Periode, die Gmünd prägte, war die Zeit der Staufer. Die erste überlieferte Erwähnung von Gmünd als Stadt ist auf das Jahr 1162 datiert – früher als bei jeder anderen Stadt der Staufer –, weshalb Gmünd als „älteste Stauferstadt“ bezeichnet wird. In einer Urkunde des Klosters in Lorch wurden Gmünder Bürger 1162 erstmals als cives (Bewohner einer Stadt) erwähnt. An die Zeit der Staufer erinnert heute die Stauferstele auf dem Johannisplatz, die 2012 im Zuge des 850-jährigen Stadtjubiläums eingeweiht wurde. Stauferstelen sind oktogonale Gedenksteine, die im Rahmen eines europaweiten Projekts des “Komitees der Stauferfreunde” an Orten errichtet werden, die mit der Geschichte der Staufer im Zusammenhangstehen. 12 Im Rahmen der Festlichkeiten „850 Jahre Stadt Schwäbisch Gmünd“ konnte am 31. März 2012 die vierzehnte Stauferstele eingeweiht werden.Die Stele in Schwäbisch Gmünd erinnert unter anderem an die Aufenthalte der staufischen Herrscher in der ältesten Stauferstadt „Gamundia“ , wie Gmünd auch genannt wird. Hier weilten unter anderem  Kaiser Friedrich I. Barbarossa und König Konradin. Letzterer feierte hier – als Vierzehnjähriger – sein letztes Weihnachtsfest auf deutschem Boden. Erinnert wird weiter an Agnes von Waiblingen, Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Gemahlin Herzog Friedrichs I. von Schwaben, der die Burg Hohenstaufen erbaute und das Klosters Lorch stiftete. Die Stammmutter der Staufer hat nach der Sage ihren Ehering bei einer Jagd im Remstal verloren. An jener Stelle, an der sich der Ring im Geweih eines Hirsches wieder fand, ließ Herzogin Agnes der Sage nach die Johanniskirche errichten. 13 Die Johanniskirche ist eine spätrömische Pfeilerbasilika, die zwischen 1220 und 1250 erbaut wurde. Sie ist Johannes dem Täufer geweiht. 14

 

Aktuell in der Diskussion im Juli 2013: Bahn lässt Asylbewerber keine Koffer mehr tragen Die Bahn beendete im Juli 2013 das umstrittene Flüchtlingsprojekt am Bahnhof von Schwäbisch Gmünd. Dort halfen Asylbewerber den Reisenden beim Koffertragen – für 1,05 Euro die Stunde. Bahn-Mitarbeiter übernahmen die Arbeit. Während der Umbauarbeiten am Bahnhof sollten Asylbewerber den Bahnreisenden die Koffer schleppen. Dafür sollten die Flüchtlinge, die das freiwillig machten, jedoch nur 1,05 Euro pro Stunde erhalten. Mehr ist nach dem Asylbewerberleistungsgesetz nicht vorgesehen. Natürlich sei die Bezahlung von 1,05 Euro generell ungenügend, meinte ein Sprecher des Arbeitskreises Asyl vor Ort. Nur müssten dafür die Bundesgesetze erhöht werden. Gegenwärtig bekommen Asylbewerber pro  Monat nach der Neuregelung durch das Bundesverfassungsgericht 346 Euro ausgezahlt. Maximal 100 Euro dürfen sie ohne Abzüge hinzuverdienen. Für den Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, Arnold, ist der Ausgang der Geschichte “traurig”. Das Schlimmste für die Asylbewerber sei doch, dass “sie zur Untätigkeit verdammt sind”. 15

 

Wie kommt es dazu, dass ein Städtchen im Remstal sein Freibad nach dem Filmstar Bud Spencer benennt? Das Bud-Spencer-Bad geht auf die 50er Jahre zurück. Am 7. und 8. Juli 1951 war Carlo Pedersoli (so heißt Bud Spencer mit bürgerlichem Namen) als Weltklasse-Schwimmer bei einem Länderkampf zwischen Italien und Deutschland zu Gast im Schießtal-Bad in Schwäbisch Gmünd. In Schwäbisch Gmünd wurde im November 2013  mit dem Einhorn-Tunnel die teuerste Ortsumfahrung Deutschlands eingeweiht. Der Tunnel unter der Stadt hat sage und schreibe 280 Millionen Euro gekostet. Schwäbisch Gmünd hat gegenwärtig etwa 60.000 Einwohner.

Gmünderle

Gmünderle

Aalen

Für den historisch interessierten Besucher ist in Aalen vor allem das Limes-Museum interessant. Es ist ein archäologisches Museum mit einer angeschlossenen Freilichtanlage. Das Museum ist ein Zweigmuseum des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg. Es ist  das größte Museum an dem von der UNESCO als Weltkulturerbe  eingestuften Obergermanisch-Raetischen Limes. Das Museum steht auf dem Gelände des größten römischen Reiterkastells nördlich der Alpen.  Im Museum wird die Geschichte der Provinzen Rätien und Obergermanien sowie das militärische und zivile Leben am Limes dargestellt. Ausgestellt werden  unter anderem zahlreiche Funde von Grabungen auf dem Kastellgelände Aalen und im Kastell Rainau-Buch. Einblick in das zivile Leben gewähren  Werkzeuge und Geschirr. Goldschmuck, Silberschmuck und Münzen bezeugen leidlichen Wohlstand. Vorzufinden sind hier auch wuchtige, aus heimischem Sandstein hergestellte Weihe- und Grabsteine. Beeindruckend eine über 6,5 m hohe Säule zu Ehren Jupiters. Nach der Aufgabe des Alblimes wurde das Gebiet der Stadt Aalen um das Jahr 150 nach Christus Teil des Römischen Reiches. Es lag direkt am damals neu gegründeten Obergermanisch-Raetischen Limes. Zur Zeit des Besuches war im Limes-Museum von Juni bis November 2013 eine Ausstellung über den römischen Kaiser Caracalla zu sehen, die ihn und seine Zeit beleuchtete. Kehren wir noch einmal zu diesem Kaiser zurück, der sich auch durch die “Caracalla -Thermen” – die zweitgrößten Thermen Roms-  in Erinnerung bringt. Das Hauptgebäude mit hydraulischen Anlagen bot 1.600 Badenden Platz. 16 Sein Feldzug  von 213 im Vorland des obergermanischen-rätischen Limes lässt sich anhand von manchen Fundstücken nachweisen. Aus der Zeit stammt der römische Meilenstein von Sontheim an der Brenz. 17  Die Inschrift gibt nicht nur die Entfernung nach Faimingen an, sondern bezeugt auch Kaiser Caracalla als Auftraggeber. Das Original ist im Limesmuseum zu sehen. Bei Aalen traf er sich mit der 1000-Mann Truppe “ALA II Flavia”. Das größte Reiterkastell nördlich der Alpen war der zentrale Aufmarschort des kaiserlichen Feldzuges. Ein weiteres Monument ist das Dalkinger Steintor,  das zu Ehren des Grenzübertrittes Caracallas bei Dalkingen errichtet wurde. Zudem existieren noch 50 Teile einer überlebensgroßen bronzenen Statue von Caracalla. Die Statue stand wohl neben dem Steintor. Das genaue Datum des Feldzuges Caracallas ist  der 11. August 213. Der Verlauf des Kriegszuges wird von den Quellen nur unscharf widergegeben. Gab es überhaupt Kampfhandlungen oder hat Caracalla den Germanen Geld gegeben, um den Frieden zu erkaufen? Das Konfrontationsgebiet lag nördlich von Schwäbisch Hall und in der Nähe von Ochsenfurt und Marktbreit. 18  Nach dem Feldzug folgten 20 Jahre Frieden in den Grenzprovinzen, 233 gab es dann wieder Germaneneinfälle. Spätestens 259 nach Christus mit dem Einfall der Alemannen wurde das Reiterkastell aufgegeben.

 

Der Kaiser hieß eigentlich Bassianus Antoninus. Der rote Mantel, den er trug wurde “caracallus” genannt. Diese Bezeichnung ging auf den Kaisernamen über. Auch die Soldaten Caracallas trugen diese Mäntel. Die Grausamkeit des Kaisers wird auch durch ein Massaker in Alexandria 215 deutlich. Dem Kaiser war zu Ohren gekommen, dass die Alexandriner ihn wegen der Ermordung seines Bruders verspotten.19 Bei einem Besuch der Stadt lud er alle bekannten Persönlichkeiten ein, um sie umzubringen. So kamen Tausende ums Leben. Cassius Dio beschreibt das Gemetzel folgendermaßen: “Die Stadt ist sehr groß und da alle überall bei Tag und bei Nacht gemordet wurden, konnte man – auch wenn man es wollte – keine Unterschiede machen.” 20

 

Für seine aktuell etwa 66.000 Einwohner hat Aalen eine beachtliche Zweitligatauglichkeit im Fußball erreicht. In der Ringer-Bundesliga kämpft der KSV Aalen. Die Fußballmannschaft des 1921 gegründeten VfR Aalen spielt seit der Saison 2012/13 in der 2. Fußball-Bundesliga, in die sie 2012 aufstieg. Von 1939 bis 1945 spielte der VfR in der Gauliga, der damals höchsten deutschen Spielklasse. Die Spielstätte der Mannschaft ist die im Westen der Stadt gelegene Scholz Arena, die sich im Besitz der Stadt Aalen befindet. Bis 2008 hieß die Sportstätte “Städtisches Waldstadion Aalen” hieß. 2008 lebten in Aalen 30.008 sozialversicherungspflichtig angestellte Arbeitnehmer. Insgesamt befinden sich in Aalen rund 4.700 Betriebe, von denen 1.100 im Handelsregister eingetragen sind. Ansonsten gibt es 2.865 Kleingewerbebetreibende und 701 Handwerksbetriebe. Die Stadt hat etwa 66.000 Einwohner.

 

Fußnoten

1 vgl: Martin Kemkes, Claudia Sarge, Gesichter der Macht. Kaiserbilder in Rom und am Limes, Esslingen 2009,

S. 116

2 Alfred Heuss, Römische Geschichte, Paderborn 1998, S. 358

3 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Caracalla

4 Theodor Mommsen,  Das Römische Imperium der Caesaren, kindle edition

5 Paul Klopfer, Lorch und sein Kloster,  Welzheim/ Württemberg 1950, S. 24

6 Vgl. ebd., S. 26

7 ebd., S. 28

8 Vgl. ebd., S. 30

9 ebd. S. 39

10 Karl Jordan, Investiturstreit und frühe Stauferzeit, München 1973, S. 62 (Gebhardt – Handbuch der deutschen Geschichte, Band 4)

11 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Lorch#Nationalsozialismus

12 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Stauferstele

13 Vgl. http://www.gerhardraff.de/staufer/stauferstelenbroschuere.pdf

14 Univers-Cardfolder Schwäbisch Gmünd

15 Zeit online, 24.Juli 2013

16 Vgl. Michael Grant, Die römischen Kaiser. Von Augustus bis zum Ende des Imperiums. Eine Chronik, Bergisch Gladbach 1989. S.  158

17 Mit den Römern durch das Caracalla-Jahr – Sonderdruck von Schönes Schwaben, Juni 2013, S.3

18 Vgl. Ebd. S.6

19 Vgl. Ivar Lissner, So lebten die römischen Kaiser, Macht und Wahn der Cäsaren, München 1977, S. 312

20 ebd.

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Reisebericht Nürnberg/ Cuxhaven/ Herzogenbusch und Antwerpen

Nürnberg einst und jetzt – Dezember 2016
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Die Stadt Nürnberg wurde 1050 als „nuorenberc“ in der so genannten „Sigena-Urkunde“ Kaiser Heinrich III. erstmals erwähnt. Dieser besprach mit den Mächtigen des Reiches politische Fragen des mittleren Donaubeckens. Frühere Siedlungsspuren wurden 850 datiert. Nürnbergs erster Hoftag im 11.Jahrhundert war Auftakt einer großen Reihe weiterer, die Nürnberg in erster Linie als Tor zum Osten etablierten.
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In der Mitte des zwölften Jahrhunderts errichteten die Staufer eine Burg neben der der Burggrafen. Sie wurde zum Mittelpunkt königlicher Macht im Süden Deutschlands. 1219  trat eine Kaufmannsgilde als Vertreterin der Gesamtbürgerschaft auf. Im 14. Jahrhundert nannte sich die Oberschicht „die Ehrbaren“. Darunter entwickelte sich ein zahlreiches Kleinbürgertum. 1274 wurde die Sebalduskirche geweiht. Sebaldus war der Patron der Stadt. Als Rudolf von Habsburg in diesem Jahr das Interregnum beendete, war die spätromanische Kirche vollendet. 2 Von jetzt an wurde es zur Gewohnheit, dass der neue gewählte Monarch seinen ersten Reichstag in Nürnberg abhielt. Die Stadt an der Pegnitz wurde für zweihundertfünfzig Jahre zur Hauptstadt des Reiches im Südosten. Mitte des 14. Jahrhunderts war Nürnberg die Reichsfreiheit gelungen. 1427 gelangte die Burggrafenburg der Staufer durch Kauf  in Besitz der Stadt. Nürnberg streckte seine Fühler im Handel in alle Richtungen aus. Aus Venedig kamen die Gewürze des Fernen Ostens, aus Lyon wurde Seide bezogen. Aus Krakau kamen Pelze, aus Ypern stammten viele Tuche. Aus Reichenhall bezog man Salz, der Hering kam von der Ostsee aus Lübeck. Nürnberg exportierte Gold- und Silberschmiedegegenstände. Die Waffen kamen aus den Werkstätten der Schwertfeger und Plattner.3
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Kaiser Karl IV. besuchte Nürnberg sage und schreibe 52 mal. Neunmal wurden in Nürnberg von ihm Hof- und Reichstage abgehalten. Das wichtigste Dokument in der Regierungszeit dieses Luxemburgers war die „Goldene Bulle“ von 1356, das „Grundgesetz“ des Heiligen Römischen Reiches. Nürnberg wurde in diesem Dokument eine herausragende Stellung als Stadt des Reiches zuerkannt. In Kapitel 29 wurde bestimmt, dass der erste Hoftag nach jeder Königswahl in Nürnberg stattfinden sollte. Nürnberg schloss auf zu Frankfurt als Königswahlort und Aachen als Krönungsort.
Karl IV. baute Nürnberg zur Residenzstadt aus. Die Erbauung der Frauenkirche wurde in der „Markturkunde“ festgelegt. Sie enthielt auch die Erlaubnis zur Räumung des Judenviertels. Karl der IV. hatte nichts für die Juden in Nürnberg getan. Er gestand am 6.April 1349 Adligen und Patriziern die Nutzung des jüdischen Besitzes zu. Im Oktober sicherte er dem Stadtrat Straffreiheit zu, wenn gegen die Juden vorgegangen wird. Im November 1349 bekommen die Nürnberger vom Kaiser die vertragswidrige Erlaubnis, die Häuser und die Synagoge der Juden abzureißen. An diesem Ort konnte die Marienkirche erbaut werden, Patrizier erhielten dort Judenhäuser. Ein Pogrom folgte am 5. Dezember 1349, dem 560 Juden zum Opfer fielen. 6
In der Stiftungsurkunde von 1355 hieß es, Karl gründete die Kapelle „zu Lob und Ruhm seines Kaisertums, zu Ehren der glorreichen Jungfrau Maria, der Mutter Gottes und unseres Herrn Jesu Christi, zu seinem und seiner Vorfahren Seelenheil, in seiner kaiserlichen Stadt Nürnberg“. 7
In Nürnberg erinnern viele Orte an die  Luxemburger Kaiser. An der Westfassade der Lorenzkirche findet man die Wappen Karls und seiner Frau Anna von Schweidnitz. Die Kindheitsgeschichte Wenzel IV. war auf Wandmalereien in der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Moritzkapelle zu sehen. Kaiserlicher Hofmaler war Sebald Weinschröter – seine Bilder sind in der Lorenzkirche (Wendelin) und der St. Marthakirche zu bewundern.
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Kehren wir zu den Judenmorden zurück, die in der Zeit der großen Pest von 1348 bis 1350 auch in anderen Städten Deutschlands stattfanden und nicht nur dort. In Savoyen kam der Vorwurf auf, die Juden hätten das Trinkwasser vergiftet. Die Flagellanten (Geißler) sahen in den Juden das Subjekt ihrer Aggressionen, der Pöbel folgte ihnen.In manchen Fällen waren es auch Stadträte, die ein gerichtliches Verfahren unterbanden oder zum Pogrom neigende Adlige. Manche Bürger wollten auch von den Schulden loskommen, die sie bei Juden hatten. 8
Intensive Pogrome gab es in Freiburg, Augsburg, Nürnberg, München, Königsberg und Regensburg. In Worms verbrannten sich im März 1349 vierhundert Mitglieder der dortigen jüdischen Gemeinde in ihren Häusern. Im Juli dieses Jahres geschah eine ähnliche Selbsttötung in Frankfurt am Main. Ein Teil der Stadt brannte nieder. In Köln wurden die Juden getötet, obwohl der Rat der Stadt festgestellt hatte, dass die Juden wie andere auch an der Pest stürben. In Mainz wehrten sich die Juden dann und töteten  zweihundert Angreifer. Nach ihrer Überwältigung kehrten sie in ihre Häuser zurück und setzten sie in Brand- es gab sechstausend Tote. In Erfurt kamen alle dreitausend Juden ums Leben. 9
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Die Lorenzkirche
Sie geht in das 13. Jahrhundert zurück. Nach 1250  wurde mit der Errichtung einer monumentalen Basilika begonnen. Im 14.Jahrhundert entstand zwischen dem Turmpaar eine der elegantesten Schmuckfassaden der deutschen Gotik. 10   Das Hauptportal könnte zwischen 1340 und 1350 entstanden sein. Karl IV. war mit Wahrscheinlichkeit ein Förderer dieses Kirchenbaus (siehe Wappen). Im Südturm der Lorenzkirche waren bis 1970  Grabsteine als oberste Treppenstufen  eingesetzt, die vom Judenfriedhof stammten, der 1349  geschleift wurde. Die Kirche wurde Ende des 14. Jahrhunderts vollendet.Die Türme wurden 82 Meter hoch. 1439 entstand der spätgotische Hallenchor. Schon vorher war eine Hallenchor 1379 in der Sebalduskirche entstanden.
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Der Engelsgruß von 1517 des Bildhauers Veit Stoß ist das bekannteste Schnitzwerk Nürnbergs.In einem ovalen Rosenkranz schweben der Erzengel Gabriel und Maria. Auf dem Kopf Mariens sitzt eine Taube. Sie symbolisiert den Heiligen Geist. Um den Heroldsstab Gabriels ist ein Spruchband zu sehen. 1817 stürzte das Schnitzwerk ab. Vorher schwirrten sechs Engel über den Figuren, nach dem Sturz waren es nur noch vier. Wo sind die gefallenen Engel geblieben? Die Antwort weiß nur der Wind! 50 Rosenblüten begrenzen die Figuren. Ganz unten am Kunstwerk hängt die Paradiesschlange mit einem Apfel im Maul. Der Apfel trägt Bissspuren des Menschen. Wer weiß, worum es geht?
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Engelsgruß

Von großer Bedeutung ist zudem das Sakramentshaus des Steinmetzen Adam Kraft. Gestiftet hat es Hans IV. Imhoff. Vacher Sandstein wurde so gehauen, dass über dem Umgang mit dem Selbstbildnis Krafts ein turmartiger Aufbau über 20 Meter hoch ragt.Unten findet man ein Eucharistiegehäuse, darüber biblische Darstellungen. Das Sakramentshaus entstand von 1493 bis 1496.
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Sakramentshaus in der Lorenzkirche

 

Von der Sebalduskirche wurde schon 1255 gesprochen, ob wohl St. Sebaldus erst 1425 heiliggesprochen wurde. 11 Sebaldus von Nürnberg hat wahrscheinlich im 8. Jahrhundert in der Nürnberger Gegend gelebt – er galt als Einsiedler. Nach der Legende ist er ein dänischer Königssohn, der seine Verlobung mit einer französischen Prinzessin löste, um als Glaubensverkünder nach Franken zu kommen. Die Altarweihe der Kirche ist urkundlich 1274 belegt.Es war in der Zeit, als Rudolph von Habsburg das Interregnum beendete – mit einem Reichstag in Nürnberg. König Wenzel, genannt der Faule, wurde 1361 in dieser Kirche getauft, der Hallenchor wurde 1379 geweiht. Schon 1490 wurden die Türme erhöht. Am 2. Januar 1945 wurde die Kirche von der amerikanischen Luftwaffe zerstört. In einer Nacht starben mehr als 1.800 Menschen. In der Kirche steht heute das Nagelkreuz von Coventry, es wurde 1999 übergeben. Betrachten wir noch kurz das Marienportal an der Nordfassade. Drei Szenen zeigen Tod, Begräbnis und Krönung Mariens.Unten rechts wird die legenda aurea dargestellt, wonach die Juden den Leichenzug Mariens gestört haben sollen, weil sie für sie nicht die Mutter Christi war. „Der Legende zufolge wünschte sich Maria, inmitten der Apostel zu sterben, die daraufhin teilweise auf Wolken kamen. Im Marienportal wird Marias Seele gleichsam als ihre Miniaturausgabe von Christus aufgenommen. Die Begräbnislegende variiert das Motiv der Ekklesia und Synagoga (Kirche und Synagoge), wobei Maria die dem Judentum überlegene Kirche verkörpert. Ihr zufolge wollte sich der Hohepriester am Sarg Marias vergreifen, wurde dabei verkrüppelt und erblindete. Mit anderen, ebenfalls erblindeten Juden wurde er erst auf ein zweimaliges Bekenntnis zu Christus von den Qualen erlöst.“ 12
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Sebalduskirche

Das Reichsparteitagsgelände
Das bedeutendste Bauwerk ist hier die Kongreßhalle. Der Grundstein wurde am 11.September 1935 gelegt. Das Zeremoniell fand zu beginn des Parteitages statt, bei dem auch die „Nürnberger Gesetze“ beschlossen wurden. 50.000 Menschen sollten in diesem Riesenbau unterkommen. 1939 wurden die Bauarbeiten eingestellt, die Halle wurde nicht fertig, 60 Prozent des geplanten Bauvolumens wurden erreicht. Mit einer Grundfläche von 275 x 265 Meter ist das Bauwerk das größte erhaltene der NS-Zeit.Währen des Krieges wurde die Kongreßhalle erheblich bestätigt. 1943/44 wurden sämtliche Außenöffnungen des Baues zugemauert und im Inneren Zwischenwände eingezogen. Die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg nutzte sie zu Fabrikationszwecken. Nach 1945 ging die Halle an die Stadt Nürnberg. 1949 fand hier die Deutsche Bauausstellung statt. 1987 gab es einen Plan, ein Einkaufszentrum hieraus zu gestalten. Denkmalschutzgründe verhinderten dieses Vorhaben. Im November 2001 wurde das Dokumentationszentrum vom damaligen Bundespräsidenten, Johannes Rau,  eröffnet.  Die Kosten von geplanten 9 Millionen Euro übernahmen die Bundesrepublik Deutschland, der Freistaat Bayern sowie die Stadt Nürnberg mit dem Bezirk Mittelfranken. Einen Mehrbetrag von 1,7 Millionen Euro übernahm die Stadt Nürnberg.

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Kongreßhalle

Die Ausstellung zeigt in beeindruckenden Bildern den Aufstieg des Nationalsozialismus in der Weimarer Republik, die Machtergreifung, den Zweiten Weltkrieg und die Niederlage.
Nürnberg hatte schon vor 1933 eine Tradition der Reichsparteitage der NSDAP, im August 1927 fand der dritte Reichsparteitag dieser Partei in Nürnberg statt. Austragungsort war der Luitpoldhain. 1929 fand der vierte Reichsparteitag in Nürnberg  im Luitpoldhain statt. Die „Blutfahne“ trat in Erscheinung. Mit ihr vereidigte Hitler die Teilnehmer auf sich persönlich. 13
Neben der Kongreßhalle  beherbergte das Reichsparteitagsgelände noch die Luitpoldarena, ein Aufmarschgebiet für 150.000 Menschen, das 1933 bis 1937 gebaute Zeppelinfeld. Es war ähnlich einer Festungsanlage konzipiert. 1928 wurde das Städtische Stadion gebaut, es wurde durch eine „Führertribüne“ verändert. Besonders gefüllt war es am „Tag der Hitlerjugend“. Ein „Deutsches Stadion“ war für 400.000 Zuschauer ausgelegt, blieb aber ungebaut. Eine „Große Straße“ führte vom Märzfeld (700 x 900 Meter groß mit riesigen Wallanlagen und 24 Wehrtürmen ) zur Luitpoldarena. Sie war sechzig Meter breit und zwei Kilometer lang. 1937 kam noch eine KdF-Stadt dazu, sie entstand östlich des Reichsparteitagsgeländes.
Die NSDAP riss auch in Nürnberg im März 1933 die Macht an sich. Oberbürgermeister Hermann Luppe wurde zum Rücktritt gezwungen. Sein Nachfolger wurde Willy Liebel (NSDAP). Die Reichsparteitage waren eine Riesenspektakel mit einzelnen Tagen: „Tag der Begrüßung“, „Tag der Kongresseröffnung“, „Tag des Reichsarbeitsdienstes“, „Tag der Gemeinschaft“, „Tag der Politischen Leiter“, „Tag der ‚Hitler-Jugend’“, „Tag der SA und SS“ und „Tag der Wehrmacht“.
 
Bei den Reichsparteitagen lief nicht alles der Propaganda entsprechend. So hieß es in einem „Erfahrungsbericht der Sittenpolizei über den Reichsparteitag 1935, 28. November 1935“: „Die Erfahrungen der Reichsparteitage 1933 und 1934 machten auch beim Reichsparteitag 1935 die Absperrung der Nürnberger Dirnenstraßen erforderlich. Nach wie vor sind an den Tagen des Reichsparteitages diese Straßen , in denen ungefähr 120 Lohndirnen in einzelnen Häusern beisammen wohnen, das Ziel vieler Reichstagsbesucher. Vor allem musste beobachtet werden, dass P.O. Männer (Politische Leiter), die ja am Reichsparteitag  die größere Freizügigkeit genießen, immer wieder versuchen, trotz der auffälligen Absperrung durch SS-Posten bei Tag und Nacht in diese Straßen einzudringen.“  14
 
Ähnlich desillusionierend liest sich der „Bericht über die Revision der von den Politischen Leitern während des Reichsparteitages 1936 bewohnten Quartiere: „ Koblenz-Trier: Dieser Gau in der Flurstraße bot in Bezug auf Sauberkeit einen verheerenden Anblick, dass die Bezeichnung ‚Schweinestall‘ noch zu gelinde ist. Nicht nur, dass die Politischen Leiter, die diese Räume bewohnt haben, alle möglichen Papier und Pappkartons zurückgelassen haben, sondern in allen ecken und Nischen lagen Speise-, Wurst und Käsereste, Zigarren- und Zigarettenstummel sowie sonstiger Unrat herum, die einen derartigen Gestank verbreiteten, dass einem beim Betreten der Räume schlecht wurde.“ 15
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Eine markante Schilderung Nürnbergs nach dem Zweiten Weltkrieg liefert Alfred Kerr 1947: „Nürnberg … Das war eine Stadt; und ist eine Schutthalde. Das war gemütlich-bürgerlich; und ist ein Grauen. Ein Grauen ohne Tragik; nur noch was Unangenehmes. Eine Ruppigkeit. Eine Trostlosigkeit … Eine Schutthalde. In den ‚Meistersingern von Nürnberg‘ klang es behaglich, friedvoll: ‚Wie duftet noch der Flieder…‘ Es hat sich ausgeduftet.
Die Lorenzkirche steht noch. Auch ihr Gegenstück: die mit dem wundervollen Sebaldusgrab. (Ist es noch vorhanden?). Der weg zwischen beiden bleibt eine Seelenfolter. Du siehst kaum anderes als Gedröll. Irreführend wäre das Wort ‚Ruinen‘- da denkt man immerhin an gewesene Hausungen; dies aber ist dem Staub viel näher als der billigen Vorstellung zerrissener Wände.
So daß im ersten Augenblick der Gedanke nicht abwegig scheint, dies Trümmertal seinem zustand zu überlassen – und ein neues Nürnberg nebenan zu erbauen …“ 16
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Nürnberg heute – Altstadtidylle

Nürnbergs weitläufiges Reichsparteitagsgelände fiel mir erstmals in den 60er Jahren des 20.Jahrhunderts auf bei Besuchen des städtischen Stadions in Nürnberg. 17
Weitere Besuche galten in Nürnberg dem Zoologischen Garten, dem Theater und der Musik – hier Konzerte von „Ten Years After“ und „Fleetwood Mac“ in den späten sechziger Jahren. Der Zoologische Garten erwies sich als landschaftlich ansprechend. In der unmittelbaren Nachkriegszeit war er dagegen ein Ort eines großen Massakers. „Befreite Kriegsgefangene aus den Lagern Langwasser und Fischbach fielen über die Tiere her, töteten 299 von ihnen und vernichteten damit knapp zwei Drittel des Bestandes.“ 18
 
In einer Nürnberger Tageszeitung hieß es 1985 dazu: „Gleich nach dem Einmarsch der Amerikaner brach über den Tiergarten Nürnberg das Chaos herein … Wenige Tage danach zogen die russischen Arbeiter zusammen mit anderen zum Plündern in die Stadt. Sie kamen mit einem Weinfaß wieder und feierten eine wüste Orgie … An diesem Tag verließ die US-Einheit den Tiergarten, der damit schutzlos war. Schon am nächsten Morgen kam ein Pulk von 30 bis 40 Polen, Russen und Italienern aus Richtung Mögeldorf herangezogen. Die Männer waren mit Beilen, Messern, spitzen Eisenstangen und Drahtschlingen bewaffnet … Einem Strauß hieben sie den Kopf ab, steckten die makabre Trophäe auf eine Stange und trugen sie johlend durch den Zabo. Dann wüteten sie im Tiergarten weiter. Drei junge Bären wurden aus ihren Käfig ins Freie entlassen, die erwachsenen Tiere aber erdrosselt … Immerhin scheint das Fleisch der getöteten Bären zumindest teilweise gegessen worden zu sein. Angeblich sind in einem Lager nach dem Genuß von Bärenfleisch 80 Russen an Trichinose gestorben …“ 19
2006 beim letzten Besuch waren dann die Reichskleinodien reif zu einer Besichtigung – darunter die Krone Konrads II., der Reichsapfel, das Reichsschwert (wurde 1185 Heinrich VI. Übergeben), der Kaisermantel von 1133 oder die heilige Lanze (sie wurde 926 an Heinrich I. Übergeben, als Burgund die Oberhoheit anerkannte).
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Vgl. Dr. H. Weigel, Nürnberg – Ein Bildwerk der alten Freien Reichsstadt, München o.J.,  S. 3
  Vgl. Hans Martin Barth, Die Sebalduskirche in Nürnberg, Königstein im Taunus o.J., S. 2
Vgl. Weigel, a.a.O.. S. 6
4   Siehe  https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle
Vgl. Benno Baumbauer/ Jiri Fajt, Das Tor zum Reich, in: Damals 11/2016, S. 40f.
Vgl. Arno Herzig, Jüdische Geschichte in Deutschland – Von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 1997, S. 48 f.
Baumbauer/ Fajt, a.a.O., S.40
8 Vgl. Jörg Schwarz, Im Würgegriff der Pest, in: Damals 11/2016, S.28
Vgl. Barbara Tuchman, Der ferne Spiegel. Das dramatische 14. Jahrhundert, München 1968 (6. Auflage), S. 117
10 Marco Popp, St. Lorenz in Nürnberg, Lindenberg 2012, S. 5
11 Vgl. Hans-Martin Barth, Die Sebalduskirche in Nürnberg, Königstein im Taunus o.J., S. 2
12  http://www.sebalduskirche.de
13  Museen der Stadt Nürnberg (Hrsg.), Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, Nürnberg 2006, S. 38
14 Ebd., S. 64
15 Ebd.
16 Dieter Rossmeisl (Hrsg.), Demokratie von außen-Amerikanische Militärregierung in Nürnberg 1945 -1949, München 1988, S. 76
17 So beispielsweise beim Spiel 1. FC Nürnberg – Hannover 96 am 18. März 1967 (1:1), in dem Walter Rodekamp zur 1:0 Halbzeitführung für Hannover 96 traf, Ludwig Müller erzielte kurz vor Schluß den Ausgleich.
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Mit dabei 1967 Hans Siemensmeyer

18 Rossmeisl a.a.O., S. 43
19 Ebd.

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Reisebericht Cuxhaven Juni 2016

Storm Theodor

Meeresstrand

Ans Haff nun fliegt die Möwe,
Und Dämmerung bricht herein;
Über die feuchten Watten
Spiegelt der Abendschein

Graues Geflügel huschet
Neben dem Wasser her;
Wie Träume liegen die Inseln
Im Nebel auf dem Meer.

Ich höre des gärenden Schlammes
Geheimnisvollen Ton,
Einsames Vogelrufen –
So war es immer schon.

Noch einmal schauert leise
Und schweigt dann der Wind;
Vernehmlich werden die Stimmen,
Die über der Tiefe sind.

Hasen in Cuxhaven - rechts die Nordsee

Hasen in Cuxhaven – rechts die Nordsee

Theodor Storm lebte in Husum, die beschriebenen Möwen könnten aber genauso in Cuxhaven gelebt haben. Voller Bedeutung für Cuxhaven ist der Oxter Bach. Hier berühren sich die Marschenrepubliken Land Wursten und Land Hadeln. Was es nicht in Cuxhaven gibt, ist ein Haff, von dem der Dichter berichtet Ein Haff ist durch eine Nehrung oder durch Inseln vom offenen Meer abgetrenntes Gewässer an einer Flachküste.

Literarisch tritt Cuxhaven vor allem als Sitz des Ringelnatz Museums in Erscheinung. Im Ersten Weltkrieg war Joachim Ringelnatz nämlich bei der Kaiserlichen Marine in Cuxhaven stationiert. Die Erlebnisse jener Jahre haben sein Lebenswerk geprägt. 1

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Ringelnatz Museum Cuxhaven

Er ist zudem in Wilhelmshaven, Kiel, Warnemünde, an der Memel und in Litauen stationiert. Die patriotische Begeisterung hielt sich in Ringelnatz‘ Kriegserinnerungen schon nach kurzer Zeit in Grenzen: „Auf dem Lokus wurde ich, als ich Hindenburgs neueste Siege las, hinterrücks von einer Woge besiegt.“ 2

Joachim Ringelnatz wäre möglicherweise angetan gewesen von dem kleinen Haus in Cuxhaven. Das Museum ist in einem Fachwerkhaus in der Südersteinstraße 44, gegenüber vom Schloss Ritzebüttel, untergebracht. Es existiert seit 2002.

Seine lyrischen Betrachtungen zu Weihnachten suchen ihresgleichen.

Joachim Ringelnatz Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Daddeldu

Auszug

Aber nun sangen die Gäste »Stille Nacht, Heilige Nacht«,
Und da schenkte er jedem Gast eine Tasse
Und behielt für die Braut nur noch drei.
Aber als er sich später mal darauf setzte,
Gingen auch diese versehentlich noch entzwei,
Ohne daß sich Daddeldu selber verletzte. –

Und ein Mädchen nannte ihn Trunkenbold
Und schrie: er habe sie an die Beine geneckt.
Aber Daddeldu zahlte alles in englischen Pfund in Gold.
Und das Mädchen steckte ihm Christbaumkonfekt
Still in die Taschen und lächelte hold
Und goß noch Genever zu dem Gilka mit Rum in den Sekt.
Daddeldu dacht an die wartende Braut.
Aber es hatte nicht sein gesollt,
Denn nun sangen sie wieder so schön und so laut.
Und Daddeldu hatte die Wanzen noch nicht verzollt,
Deshalb zahlte er alles in englischen Pfund in Gold.

Und das war alles wie Traum.
Plötzlich brannte der Weihnachtsbaum.
Plötzlich brannte das Sofa und die Tapete,
Kam eine Marmorplatte geschwirrt,
Rannte der große Spiegel gegen den kleinen Wirt.
Und die See ging hoch und der Wind wehte.

Schloß Ritzebüttel

Das spätmittelalterliche Schloss (14. Jahrhundert) wurde im 18. Jahrhundert an der Vorderseite um den barocken Vorbau erweitert. Es war – wie das dazugehörige Amt Ritzebüttel – von 1394 bis 1937 und damit weit über fünfhundert Jahre lang, eine Exklave der Stadt Hamburg. An der Spitze der Verwaltung stand ein Amtmann. Der bekanntes Amtmann war der Dichter Barthold Heinrich Brockes.(1680 bis 1747).Sein Hauptwerk ist „Irdisches Vergnügen in Gott“. Die Natur wird darin in ihrer Schönheit und Nützlichkeit als Mittler zwischen Mensch und Gott reflektiert. 1712 veröffentlichte er ein bedeutendes Passions-Oratorium. Händel setzte ihm ein Denkmal in der Brockes-Passion. Von 1735 bis 1741 war er Amtmann in Ritzebüttel.

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Schloß Ritzebüttel

Martinskirche Ritzebüttel

Die Grundsteinlegung erfolgte 1816. Der Bau zog sich jedoch hin, weil die nötigen Mittel fehlten und mühsam beschafft werden mussten. Amtmann Abendroth war 1814 von Hamburg nach Ritzebüttel zurückgekommen und nahm den Bau in Angriff. Im August 1919 fand die Weihe statt.Die Kirche wurde nach dem Reformator benannt.3

Für das Kruzifix waren vom Hamburger Senat 600 Mark bewilligt. Abendroth beauftragte den jüdischen Kaufmann S.A. Friedländer mit dem Kauf eines Kruzifixes in Paris. Dieser ließ ein teureres Kruzifix anfertigen und übernahm die Mehrkosten selbst. „Ich verlange nicht mehr als meine erste Auslage von 600 Mark … Und soll Alles Uebrige der Kirche zum Geschänk dienen,.“ So schrieb Friedländer in seiner Endabrechnung. Die jüdische Gemeinde zählte 1817 im Amt Ritzebüttel 16 Familien mit 85 Mitgliedern. 4

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Martinskirche Ritzebüttel

Hamburger Leuchtturm

Er entstand 1802 bis 1804. Er war ein Seezeichen mit Turmfeuer, das 6 km ins Meer sichtbar war. Der Turm ist 23 Meter hoch und war bis 2001 in Betrieb. Sei 1937 war der Turm elektrifiziert.

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Hamburger Leuchtturm

Minensucherdenkmal

Dieses Denkmal für die gefallenen Minensucher erinnert an den Ersten und Zweiten Weltkrieg.1905 wurde Cuxhaven Stützpunkt der kaiserlichen Marine. Es wurde 1935 eingeweiht.

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Minensucherdenkmal

Text der Inschrift:

„Wo aus Tiefen der Tod deutsche Kriegsfahrt bedroht, setzen Männer sich ein, daß frei sollten sein die Andern.“

Insel Neuwerk

Sie ist Hamburger Terrain seit dem 13. Jahrhundert. Man kann sie mit dem Pferd von Cuxhaven aus erreichen (13 km). Das markanteste Bauwerk ist der Neuwerker Leuchtturm. Seine Besteigung lohnt sich wegen des tollen Ausblickes! 2004 eröffnete ein Nationalpark-Haus.5

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Blick vom Neuwerker Leuchtturm

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Neuwerker Leuchtturm Blick auf die Landschaft

1 http://www.ringelnatzstiftung.de/

2 Joachim Ringelnatz, Als Mariner im Krieg, Zürich 1994, S. 64

3 http://www.cuxpedia.de/index.php?title=Martinskirche

4 Kirchenvorstand der Martinskirche (Hrsg.),Die Martinskirche zu Ritzebüttel 1919 -1969 -Eine Gedenkschrift zum 150jährigen Bestehen, Cuxhaven 1969, S. 32

5 S.Gödecke, Cuxhaven . Norseeheilbad an der Weltschiffahrtsstraße, Lübeck o.J. S.50 f.

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Herzogenbusch und Antwerpen im April 2016

Herzogenbusch ist die Hauptstadt der niederländischen Provinz Nordbrabant. Die Stadt hat ungefähr 144.000 Einwohner.

Ein Stadtteil liegt an einer Stelle, an der die Bataver eine Siedlung und einen Tempel für ihren Gott hatten. Bei den Batavern handelt es sich um einen westgermanischen Volksstamm Sie siedelten sich um etwa 50 v. Chr. an der Rheinmündung in der belgischen Provinz des Römerreiches an.

Die Stadt hat ihr Stadtrecht im Jahre 1185 von Herzog Heinrich I. von Brabant verliehen bekommen. Sie liegt auf einem kleinen Sandrücken, der von sumpfigem Terrain umgeben ist. Im Mittelalter war die Stadt strategisch wichtig. Die Festung Herzogenbusch galt als nahezu uneinnehmbar. Die Kaufleute der Stadt importierten Wein aus Deutschland, Sandstein aus Lüttich und Fisch aus den Ländern der Ostsee.

Zwischen 1450 und 1525 hatte die Stadt eine Zeit der wirtschaftlichen Blüte, die im        16. Jahrhundert mit dem Achtzigjährigen Krieg beendet wurde. Im Achtzigjährigen Krieg      (auch Spanisch-Niederländischer Krieg) von 1568 bis 1648 erkämpfte die Niederlande ihre Unabhängigkeit von Spanien.

Die Stadt wurde von den Niederländern 1629 durch Friedrich Heinrich von Oranien erobert. Er war von 1625 bis zu seinem Tod 1647 Statthalter der Vereinigten Niederlande.

Anschließend wurde die Zitadelle erbaut. Die Zitadelle von ’s-Hertogenbosch ist eine zwischen 1637 und 1645 angelegte Festung am Rand der Innenstadt von Herzogenbusch. Sie wurde zur Abwehr spanischer Angriffe, aber auch gegen die katholischen Einwohner der Stadt errichtet.

Im Jahre 1815 wurde die Stadt zur Provinzhauptstadt.

Im Mai 1940 wurde auch diese Stadt – wie die ganzen Niederlande – von Truppen der deutschen Wehrmacht besetzt und am 29. Oktober 1944 durch alliierte Truppen befreit.

Ein markantes Bauwerk ist die Kathedrale von Sankt Johannes (Sint-Jan). Die Kirche wurde ab 1220 im romanischen Stil erbaut. 1380 wurde mit dem Bau der von Willem van Kessel entworfenen gotischen Kirche begonnen. Sie wurde 1559 oder 1561 Kathedrale des neu gegründeten Bistums. 1566 gab es einen Bildersturm.1584 brach ein Brand im heutigen Mittelturm aus, der die Kirche schwer beschädigte. Zwischen 1629 und 1810 war die Kirche reformiert, das heißt den Protestanten zugesprochen.

Von 1859 bis 1864 wurde eine erste Restaurierung vorgenommen und von 1961 bis 1985 eine Restaurierung des Innenraumes. Seit 2000 (Jubeljahr) läuft eine weitere Sanierung.

Neben der Ausstattung des Innenraums imponiert das Gebäude durch seine Größe (sie ist ca. 115 m lang). Der Turm ist 73 Meter hoch. Die Fassade ist mit Steinskulpturen geschmückt. 2003 ging als Marienjahr in die Annalen der Kathedrale ein.

Am 26. Juni 1929 erhielt die Kirche den Ehrentitel Basilika Minor. Seit 2007 sind über dem westlichen Eingang die New Yorker Terroranschläge vom 11. September 2001 als Sinnbild der Hölle zu sehen.

Kathedrale von Herzogenbusch

Kathedrale von Herzogenbusch

Bedeutendster Sohn der Stadt ist Hieronymus Bosch. Er wurde als Hieronymus van Aken 1450 in Herzogenbusch geboren. 1487/1488 wird er geschworenes Mitglied der Liebfrauenbruderschaft. Um 1480 heiratet er Aleid van de Meervenne. Seit 1488 signiert er seine Werke mit seinem Namen. 1504 gibt Philipp der Schöne, Herzog von Burgund und Brabant, bei Bosch ein Jüngstes Gericht in Auftrag. 1516 stirbt er.

Das Jüngste Gericht wurde zwischen 1495 und 1505 geschaffen. Auf dem geschlossenen Triptychon ist als Grisaille – man bezeichnet so eine Malerei, die ausschließlich in Grau, Weiß und Schwarz ausgeführt isteinerseits der Heilige Jakobus und andererseits der Heilige Bravo zu sehen. In der Mitte des geöffneten Triptychons ist das Weltgericht zu sehen. Christus thront als Richter hoch über der Welt. Er wird umrahmt von den Engeln der Apokalypse. Die linke Tafel zeigt das Paradies mit Adam und Eva. Die rechte Tafel zeigt die Schrecken der Hölle.

Hieronymus Bosch "Jüngstes Gericht"

Hieronymus Bosch „Jüngstes Gericht“

Antwerpen

Antwerpen ist eine Hafenstadt in der Region Flandern und ist die Hauptstadt der Provinz Antwerpen. Bezogen auf die Stadt als Verwaltungseinheit ist Antwerpen die größte Stadt des Landes. Besonders der Hafen ist durch seine Größe bedeutend für die Stadt. Er ist der drittgrößte Europas.

Antwerpen liegt an der Schelde. Nach einer Sage über die Stadt war der Riese Antigoon eine schreckliche Figur in der Stadtgeschichte. Die Schiffer mussten, um den Fluß zu überqueren, Zoll zahlen. Wenn sie dies verweigerten, wurde ihnen die Hand abgehackt und sie wurden in die Schelde geworfen. Möglicherweise entstand der Name der Stadt aus einer Kontraktion aus „Hand“ und „Werfen“. Im 7. Jahrhundert wurde der Ort christianisiert. Die Missionare Eligius, Amandus und Willebrordus brachten den Flandern das Christentum. 836 wurde die Stadt von den Normannen verwüstet. 843 wird das Frankenreich geteilt. Flandern mit Antwerpen kommt an das Westfrankenreich.

Die Markgrafschaft Antwerpen gehörte zum Herzogtum Niederlothringen. Das Gebiet erstreckte sich um die Städte Antwerpen und Breda. Allgemein wird angenommen, dass die Mark ein Ergebnis der Grenzpolitik der Ottonen war. Antwerpen bildete die militärische Pufferzone an der Westgrenze des Reichs – jenseits der Schelde lag Frankreich. Anfang des 12. Jahrhunderts kam die Stadt zu den Grafen von Löwen. Graf Gottfried I. von Löwen erhielt 1106 das Herzogtum Niederlothringen. Sein Urenkel Heinrich I. nahm 1183 auch den Titel des Herzogs von Brabant in der Landgrafschaft Brabant an.

Der Ort erhielt 1291 die Stadtrechte. Eine erste Blütezeit erlebte die Stadt im 14. Jahrhundert. Sie war dank des Hafens und des Tuchhandels, der schon im 11. Jahrhundert in Flandern aufblühte, ein führender Handelsplatz und ein Finanzzentrum Europas. Antwerpen fiel 1430 an Burgund, 1477 an Habsburg.

1556 siegte die Reformation in Antwerpen. Im 16. Jahrhundert war Antwerpen reichste Handelsstadt Europas. Nach der spanischen Eroberung Antwerpens 1585 mussten alle Protestanten die Stadt verlassen. 1648 erkämpften die Niederlande ihre Unabhängigkeit. Durch eine Bestimmung des Westfälischen Friedens von 1648 durfte die Schelde nicht als Schifffahrtsweg benutzt werden, was den Handel der Stadt schwer beeinträchtigte.

Nach dem spanischen Erbfolgekrieg 1714 gehörte Antwerpen zu den Österreichischen Niederlanden. 1795 kam das Land zu Frankreich. Nach Napoleons Niederlage bei Waterloo 1815 endete die französische Zeit.

In der Belgischen Revolution von 1830 erhob sich die überwiegend katholische Bevölkerung der südlichen Provinzen der Niederlande gegen die Vorherrschaft der mehrheitlich protestantischen Nordprovinzen. Innerhalb weniger Wochen im August und September führte der Aufstand zur Aufteilung des Königreiches in zwei Staaten. Das überwiegend holländische Flandern und die überwiegend französisch sprechende Wallonie begründeten den neuen Staat Belgien. Antwerpen wurde von niederländische Truppen 1830 beschossen und 1831 erobert. 1832 nach der Belagerung der Zitadelle von Belgien gaben französische Truppen die Stadt Belgien zurück.

Die Belagerung von Antwerpen fand zu Beginn des Ersten Weltkrieges vom 20. August bis zum 10. Oktober 1914 statt. Angreifer waren deutsche Truppen, die Festung musste kapitulieren. Ende 1918 konnte Antwerpen nach der Niederlage Deutschlands seine Unabhängigkeit wieder gewinnen.

Wer kennt sie nicht, die deutschen Wunderwaffen V 1 und V 2, die das Blatt im Zweiten Weltkrieg noch wenden sollten? Antwerpen war ein bevorzugter Zielort der deutschen Vergeltungswaffe V 2. Einer der schwersten Angriffe wird wie folgt geschildert: „27.11.1944,12:10
V2-Treffer auf die Kreuzung Teniers Plaats beim Hauptbahnhof: 126 Tote
Beim V2-Treffer auf den Teniers Plaats beim Hauptbahnhof um 12:10 mittags wurde die Kreuzung zur Hauptverkehrszeit getroffen. An dieser Kreuzung kamen oft alliierte Convoys vorbei, wie auch um diese Zeit. Die Rakete traf auf einen Gegenstand über dem Boden auf und explodierte über dem Boden, so dass kein Krater entstand. Gleichzeitig war die zerstörerische Wirkung furchtbar. Menschen wurden zerfetzt, Autos explodierten oder gerieten in Brand, deren Insassen wurden verbrannt, die Glasscheiben der Trams barsten und verletzten die Passagiere. Fußgänger und Polizisten wurden bis zu 60 m weit weg geschleudert, brennend tot oder lebendig. Der Körper eines verbrannten Verkehrspolizisten wurde auf dem Dach eines Hotels 60 m weiter weg aufgefunden. Der zweite Verkehrspolizist war in Stücke zerrissen. Gleichzeitig wurde eine Hauptwasserleitung getroffen, so dass die Kreuzung bald unter Wasser stand und die Körperteile der Toten im Wasser schwammen. Das rote Wasser floss in die Gulis. Es waren 126 Tote zu beklagen, darunter 26 amerikanische und britische Soldaten, und weitere 309 Personen waren verletzt. Die Überlebenden vergaßen nie den Anblick von Leichen und Blut auf dieser Kreuzung, der durch die deutsche V2 verursacht worden war. Die Verletzten kamen nach der Behandlung bei der Rot-Kreuz-Station nach Hause und die Angehörigen wurden durch die halb verbluteten und blutenden Menschen, die noch Glassplitter in den Haaren hatten, erschreckt.“
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Im März 1945 bezeichnete ein amerikanisches Magazin Antwerpen als „The City of Sudden Death“ („Stadt des plötzlichen Todes“). Nicht ganz zu unrecht, bedenkt man einen weiteren Großangriff: im „Rex“-Kino kamen am 16. Dezember 1944 allein 567 Menschen ums Leben.

Die Liebfrauenkirche ist der markanteste Sakralbau der Stadt. Der Turm ist 123 Meter hoch und scheint regelrecht in den Himmel zu wachsen. Die Kirche entstand 1352, der Turm entstand 1420. Mehrere Brände gab es 1434 und 1533. Während der französischen Besatzung wurde sie zwischen 1794 und 1800 ausgeplündert. Das innere ist genauso pompös mit 125 Säulen wie der Turm. Die Länge beträgt 117 Meter. Eines der markantesten Kunstwerke ist die Kreuzabnahme Christi von Peter Paul Rubens 1612 – siehe Bild.

Rubens "Kreuzabnahme Christi"

Rubens „Kreuzabnahme Christi“

Der Hauptbahnhof Antwerpen wurde 1905 erbaut, seine Kuppel ist 75 Meter hoch. Das steinerne Empfangsgebäude in stammt von Louis de la Censerie. Er ließ sich dabei vom Pantheon in Rom inspirieren.

Bahnhof Antwerpen

Bahnhof Antwerpen

Literatur

https://de.wikipedia.org/wiki/%E2%80%99s-Hertogenbosch

Kathedrale Sint-Jan ’s-Hertogenbosch – Faltblatt Deutsch

Noordbrabants museum, Jheronimus Bosch – Visionen eines Genies, #Boschexpo (Ausstellungsführer)

https://de.wikipedia.org/wiki/Antwerpen

https://de.wikipedia.org/wiki/Markgrafschaft_Antwerpen

https://de.wikipedia.org/wiki/Achtzigj%C3%A4hriger_Krieg

Antwerpen und seine Schönheiten, Brüssel o.J.