Archiv für die Kategorie ‘Leserbriefe regional

Glockenläuten gegen Nationalismus – AfD in Mömbris -Carl-Diem-Straße umbenennen-Asylbewerber in Alzenau – Kritik der NPD im Kreis Aschaffenburg – Bildung ist ein Menschenrecht – Einschätzung von Gemeinschaftsunterkünften – Friedel Heymann – Elektronische Hinweise HLB/KVG – Stolpersteine Schöllkrippen – Save-me-Kampagne regional – Aschaffenburger Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber – Stolpersteine in Hörstein – Kirchliches Theater?

Leserbrief „Weihbischof Boom leitet Bistum“, in: Der Heimatbote vom 21.9.2017, erschienen in: Der Heimatbote vom 23.9.2017

Der jetzige Bistumsleiter hat vor elf Jahren auf sich aufmerksam gemacht. Der damalige Pfarrer Ulrich Boom wurde überregional bekannt, als er am 22. Juli 2006 die Glocken der Miltenberger Jakobuskirche läutete, um eine Kundgebung der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ zu stören.

Zwanzig Minuten haben Ulrich Boom bekannt gemacht. So lange ließ er an diesem Tag die Glocken der Miltenberger Kirche läuten, dann hatten die zu einer Kundgebung versammelten Mitglieder der „Jungen Nationaldemokraten“ genug und brachen ihre Aktion ab. Die Effizienz war damals gegeben. Vielleicht setzt er solche Aktionen auch als Bistumsleiter fort.

Christian Schauer

 

Glockenläuten JN

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Mehrheit in Mömbris bestätigt Vertrag über ”Der Markt Mömbris bietet künftig auf dem Marktplatz kostenloses W-Lan an – und kooperiert dafür mit Andreas Kropp, der für die AfD in den Bundestag will. Die Mehrheit des Marktgemeinderates bestätigte damit am Dienstagabend einen Beschluss vom März.“ So berichtete das Main-Echo am 4.Mai 2017.

Der Leserbriefschreiber behauptet, es gebe eine klare Trennungslinie zwischen Nationalpopulisten und Rechtsradikalen. Mehrere Beispiele widerlegen dies.

„Wir Deutschen sind das einzige Volk, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat“, sagte der AfD-Vorsitzende von Thüringen, Björn Höcke, im Januar 2017 in Dresden.

Ende August 2016 erteilte das AfD-Vorstandsmitglied Jörg Meuthen seiner Partei in Mecklenburg-Vorpommern einen Freibrief, im Falle eines Wahlerfolgs im Parlament mit der NPD zu kooperieren.

Im November 2015 behauptete Höcke während einer Rede zur Asylpolitik am von Götz Kubitschek geleiteten „Instituts für Staatspolitik“, es gäbe genetische Unterschiede im Sexualverhalten von Afrikanern und Europäern. Er sprach dabei vom „lebensbejahenden afrikanischen Ausbreitungstyp“, der auf den „europäischen Platzhaltertyp“ treffe und so eine geschlossene deutsche Grenze notwendig mache. Nicht nur die Amadeu-Antonio-Stiftung bezeichnete diese Aussagen als rassistisch.

Erwiesen sind Kontakte des Saar-Landesvorsitzenden Josef Dörr und seines Stellvertreters Lutz Hecker zu Rechtsradikalen. Dörr und Hecker standen im Herbst 2015 in engem Kontakt mit dem früheren stellvertretenden rheinland-pfälzischen NPD-Vorsitzenden Sascha Wagner.

Im Oktober 2014 verbreiteten und billigten zwei Mitglieder des Landesvorstands der AfD in Sachsen-Anhalt auf Facebook Verschwörungstheorien und Tötungsphantasien gegen den damaligen amerikanischen Präsidenten Obama. Zudem verharmlosten sie den Holocaust. Ein Magdeburger Beisitzer teilte die Inhalte, einem anderen Vorstandskollegen gefielen sie auch. Der Bundesvorstand distanzierte sich von den Äußerungen, auch der AfD-Landesvorsitzende Poggenburg. Er hielt seine Vorstandskollegen aber weiterhin für tragbar. Poggenburg war schon im April 2014 wegen eines herabwürdigenden Beitrag über Michel Friedman kritisiert worden.

Die Reihe von Verbindungen und Ähnlichkeiten zwischen AfD und NPD ließe sich beliebig weiter fortsetzen. Sie zeigt eines: eine klare Trennungslinie der Nationalpopulisten (AfD) zu den Rechtsradikalen (NPD) gibt es nicht.

Christian Schauer

Alzenau bunt

Plakat für ein weltoffenes Alzenau Marktplatz


Verhältnis AfD zum Rechtsradikalismus , erschienen in: Main-Echo online vom 12.5.2017

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Leserbrief zu „Streit um Diem geht im August weiter“, im Main-Echo vom 1.7.2017, in Main-Echo online vom 4.7.2017,  Printausgabe: 6.7.2017

Zusammenhang: Bürgermeister Alexander Legler (CSU) überraschte mit der Ankündigung, das Thema in der Augustsitzung des Stadtrates behandeln zu wollen – allerdings gänzlich anders, als es die Grünen erwartet hätten: Legler will beantragen, dass der grüne Antrag nicht behandelt wird. Der Grund: Alzenaus Stadtrat habe bereits über die Abschaffung des Namens entschieden – und die Abschaffung abgelehnt. Dieser Beschluss sei gültig und habe Bestand.

Der Tatsache, den Antrag auf Umbenennung der Carl-Diem-Straße nicht behandeln zu wollen, widerspricht die Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland seit 2003. In diesem Jahr war ein derartiger Antrag in Alzenau zuletzt gestellt worden.

Seither sind viele Städte dazu übergegangen, Carl-Diem-Straßen, -wege und -hallen umzubennen. Diems Wirken wurde von Kommunalpolitikern kritischer gesehen. Städte wie Aachen (2007), Köln (2007/2008), Neuss (2009), Grevenbroich (2010) und Münster (2010) haben bereits Carl-Diem-Straßen und -Wege umbenannt und somit ein deutliches Zeichen der Distanz zu diesem braunen Sportfunktionär gesetzt. Die einst am Carl-Diem-Weg gelegene Deutsche Sporthochschule in Köln scheiterte 2008 vor Gericht mit dem Versuch, die Umbenennung der Straße in „Am Sportpark Müngersdorf“ zu verhindern. In seiner Geburtsstadt Würzburg wurde eine historische Entscheidung gefällt. Eine Sporthalle ist seit 2004 nicht mehr nach Carl Diem benannt.

Eine überzeugende Argumentation führte ein Kommunalpolitiker in Pulheim (Nordrhein-Westfalen) an, wo es 2009 auch zu einer Umbenennung kam: „Ich bin schockiert, das wir die Frage des ‚ob‘ hier überhaupt noch diskutieren müssen. Gegen das Leid, das dieser Mensch verursacht hat, die Änderungskosten für einen Briefkopf zu setzen, ist zynisch“.

Eine der letzten Umbenennungen fand 2014 in Alsdorf statt. In den Aachener Nachrichten hieß es dazu abschließend: Damit ist auch in Alsdorf vollzogen, was in anderen Städten bereits geschah. Dieser Prozess war zuletzt von allen Parteien unterstützt worden.“

Alzenau stellt sich bisher als ziemlich einzigartig dar, was die Einschätzung von Carl Diem betrifft. Das muss nicht so bleiben.

Christian Schauer, Alzenau

Leserbrief zu: „Michelbacher wollen Diem loswerden“, in: Main-Echo vom 14.3.2017, erschienen in Main-Echo online vom 15.3.2017, in der Printausgabe vom 16.3.2017

Diems extremer Nationalismus und Militarismus zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben: Schon 1931 führte er in der Heeressportschule Wünsdorf folgendes aus: „Vom Standpunkt der Wehrgesinnung gilt es noch ein letztes zu beachten: Sporteinigkeit. Der nächste Krieg wird nicht mit den Kriegsfreiwilligen gewonnen, sowenig wie es im Weltkrieg möglich war, er ruht vielmehr auf dem Wehrwillen der Wehrflauen.“ Nach der Machergreifung 1933 war Sport für ihn „eine weihevolle Tätigkeit“ und „ein Dienst am Vaterland“.

Im Festspiel-Entwurf für das Deutsche Turn- und Sportfest 1938 in Breslau äußerte er seinen romantischen Militarismus: „Allen Spiels heil’ger Sinn, Vaterlandes Hochgewinn – Vaterlandes höchst‘ Gebot in der Not, Opfertod!“

Eine führerzentrierte Skidemonstration entwarf Diem 1940. Höhepunkt sollte eine „Gefechtsfeldübung der Wehrmacht“ und eine Hitleransprache sein. Sein Wunsch, Sportregimenter für die Blitzkriegskonzeption aufzustellen, scheiterte am Widerstand der SA. In einem Memorandum von 1941 begründete er die Beibehaltung weltumspannender olympischer Spiele wir folgt: „ Ich meine aber, daß man den Herrenstandpunkt der überlegenen Rasse nur dann auf Dauer durchhält, wenn auch eine körperliche Gesundheit und Kraft dahinter steht, und darum sehe ich in den Spielen für Europa genau das, was Coubertin in ihnen für Frankreich gesehen hat: die immer wiederkehrende Prüfung im härtesten Feuer und der stachelnde Anreiz, es den besten aller Völker gleichzutun. Wir wollen Weltspiele, weil wir der Welt zeigen wollen, was wir können!“

In einer Rede auf dem Reichsssportfeld vom 18. März 1945 zitierte er den Satz des griechischen Dichters Tyrtaios (7. Jahrhundert vor Christus): „Schön ist der Tod, wenn der edle Krieger für das Vaterland fällt.“

Dass Diem seine Rolle in der NS-Zeit in der Nachkriegszeit öffentlich bereut hat, ist nicht bekannt.

Christian Schauer

Carl Diem

Carl-Diem-Straße Michelbach Foto privat

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Flüchtlinge bald wieder in der Alzenauer “Brezel”?, in Main-Echo vom 5.6.2014

20 der insgesamt 49 Asylbewerber, die im Juli 2013 vor der Alzenauer »Brezel« abgeholt und in andere Flüchtlingsunterkünfte umziehen mussten, wünschen sich die Rückkehr nach Alzenau. Das zeigt eine gelungene Integration in die Unterkunft und teilweise auch in die Stadt. Dass eine baldige Rückkehr nach Alzenau von den Asylbewerbern erwünscht ist, versteht sich daher von selbst. Es bleibt nur zu hoffen, dass die bürokratischen Verfahren bis zur Wiederzulassung den Einzug nicht allzu lange verzögern. Hierzu bedarf es eines guten Willens, der dem langen Leerstand gerecht wird. Ist es eine Besonderheit, wenn eine Traditionsgaststätte sich in eine Asylunterkunft verwandelt?

Ganz selten ist eine derartige Umwidmung in Deutschland wohl nicht. So soll die Traditionsgaststätte Möller in Haina-Löhlbach (Landkreis Waldeck-Frankenberg Nordhessen)  Mitte 2014 ein Asylbewerberwohnheim werden. Das bei Vereinen beliebte Lokal schloß am 23. März dieses Jahres. Früher lebte die Gaststätte auch von Feriengästen.  Eine ähnliche Entwicklung nahm der Gasthof „Adler“ in Unterelchingen (Kreis Neu-Ulm). Dort wurden Ende 2013 Asylbewerber untergebracht.

C. Schauer geschrieben: 08.06.2014 15:32, in: Main-Echo online

Zur Brezel

Bild: Zur Brezel, Foto privat

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Leserbrief zu: „SPD stellt eigenen Antrag zum NPD-Verbot“, in: Der Heimatbote vom 12.1.2013, erschienen  im „Heimatboten“ vom 15.1.2013

Das Treiben der NPD ist nicht nur bundesweit, sondern auch in der Region kriminell. Deswegen ist ein neuerlicher NPD-Verbotsantrag zu begrüßen. Aktueller Hintergrund in der Region: Die Kriminalpolizei sucht den Verfasser eines von der NPD ins Internet gestellten Texts zum Aschaffenburger Pogrom- Gedenken vom 9. November. Dem Autor wird Beleidigung vorgeworfen. Nach der Veröffentlichung auf der Homepage des NPD-Kreisverbands Aschaffenburg/ Miltenberg hatten die Stadt und der Förderkreis Haus Wolfsthalplatz Anzeige erstattet. Es lohnt sich den NPD-Text zur Gedenkrede ausführlicher zu zitieren: „’Bald brennen die Öfen in Aschaffenburg’, könnte man den Grundtenor des unerträglichen Gefasels vor dem Gedenkstein nennen. Jemand ging hinter jemandem und es gibt Aufkleber. Das sind Beweise für das Auferstehen böser Mächte am Untermain, die nicht nur sprachlos, sondern auch betroffen machen – über soviel substantielles Vakuum, sprich Schwachsinn!“ Aus einem Internet-Text vom 9. November 2012 des „Ringes Nationaler Frauen“ stammt dieses Zitat – Titel „Zivilcourage am Untermain hat einen Namen: Sigrid Schüßler“. Es wird deutlich, dass die Vergangenheit des Nationalsozialismus insgesamt als positiv gesehen wird. Das geht auch aus anderen Äußerungen von Frau Schüßler hervor – auf die Frage eines Journalisten, warum sie so betont von der BRD spreche und nicht einfach nur von Deutschland, gab sie zur Antwort: „Die BRD ist der Staat, in dem ich lebe. Deutschland ist meine Heimat. Und ich würde lieber in Deutschland leben.“ Daraus folgt klar, dass eine Art neues Drittes Reich erstehen soll. Eine andere Frau aus dem Bundesvorstand des „Ringes Nationaler Frauen“ wird noch deutlicher: „Für den Erhalt unseres Volkes, unserer Sitten und Werte werde ich mich aktiv einsetzten! Ich möchte den jungen Menschen  andere Lebensweisen vorzeigen, welche nicht von diesem BRD System geprägt sind.” Da keine Kritik am Nationalsozialismus gewünscht ist, ist zu befürchten, dass bei einem Erstarken dieses Denkens in Zukunft die Vergangenheit von 1933 bis 1945 wiederkehrt. Zumindest Aktionen wie die der NSU sind die Folge dieser Feindschaft gegenüber allen Fremden.

Christian Schauer

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Bildung ist ein Menschenrecht”, erschienen in Main-Echo vom 31.10.2012 Leserbrief zu: „Studiengebühren: Weg frei für Plebiszit“, in: Main-Echo vom 23.10.2012

Ende Februar 2011 wurden die allgemeinen Studiengebühren in Nordrhein-Westfalen durch einen Beschluss des Landtags mit den Stimmen von SPD,m Grünen und Linken zum Wintersemester 2011/2012 abgeschafft. Der Bundes-Trend geht mit dieser Entscheidung weiter in eine Richtung. Es werden immer weniger Studiengebühren erhoben. In Hessen und im Saarland waren sie in den letzten Jahren wieder abgeschafft worden. Zum Sommersemester 2012 soll mit den Studiengebühren auch in Baden- Württemberg Schluss sein – das hat die grün-rote Koalition schon in ihrem Koalitionsvertrag geplant. In Hamburg soll das Studium ab dem Wintersemester 2012/13 wieder gebührenfrei sein. Allein Bayern und Niedersachsen halten nun noch an den Gebühren fest. Deswegen kann man nur begrüßen, dass der Bayerische Verfassungsgerichtshof das Volksbegehren zulassen wird und so die Mehrheit der Bürger den Freistaat Bayern zwingt, der bundesweiten Tendenz zu folgen. Wichtigstes Argument gegen Studiengebühren: Auch höhere Bildung muss als Menschenrecht allen gleichermaßen offen stehen. Menschen mit niedrigeren Einkommen haben jedoch einen schlechteren Zugang zu höherer Bildung. Die Erhebung von Studiengebühren verstärkt dieses Problem.

Christian Schauer

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Kritik an Asylheim geht an Realität vorbei!

Samstag, den 18. Februar 2012 um 18:43 Uhr dp   Prima Sonntag

ASCHAFFENBURG. Verwahrlost und menschenunwürdig! Mit diesen Schlagworten beschreiben Kritiker die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Aschaffenburg. In der Berichterstattung über das Haus geistern Begriffe wie Stacheldrahtzaun, Einlasskontrolle, Verweigerung der Essenspakete und Überbelegung. Dringend Zeit, die Dinge im Asylantenheim grundlegend zu ändern, möchte man meinen. Der Chef der CSU im Kreis A´burg Peter Winter wollte sich nicht länger aus zweiter Hand über die Zustände dort informieren, besuchte das Haus zweimal ausführlich. Sein Fazit fällt anders aus. Er hält Kritik an der Unterkunft für realitätsfern und nicht gerechtfertigt, weist Vorwürfe wie menschenunwürdige Verhältnisse und Verwahrlosung zurück!

Auszug eines Artikels von Peter Winter- Kommentar dazu
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#4Schauer, Christian2012-02-21 20:21

Man kann die Situation in einem Flüchtlingsheim in Bayern als menschenrechtswidrig einschätzen. Wer über Jahre in einer Gemeinschaftsunterkunft leben muss, der geht psychisch vor die Hunde. Statt den Flüchtlingen zu erlauben, für sich selbst zu sorgen, werden sie systematisch von der Arbeit entwöhnt. Als besonders belastend wird das Arbeitsverbot – Arbeitsverbot während der ersten 12 Monate, danach 3 Jahre lang nur nachrangiger Zugang zum Arbeitsmarkt und damit kaum Chancen, eine Arbeit zu finden – empfunden, das zum Nichtstun verdammt und die lange Asylverfahrensdauer. Knapp 7500 Flüchtlinge leben in Bayern in Gemeinschaftsunterkünften, davon rund 1150 in Unterfranken. Rund ein Drittel hat ein laufendes Asylverfahren, knapp die Hälfte eine „Ausreiseverpflichtung“. Vor allem diese Gruppe lebt dauerhaft hier. Im Schnitt leben die Flüchtlinge gut drei Jahre in den Unterkünften, gelegentlich lebt  eine Person mehr als 18 Jahre in einer solchen Einrichtung. Zur Situation des Asylbewerbers in Würzburg, der sich umgebracht hat: Wiederholt, das berichten unabhängig voneinander gleich mehrere Bewohner, habe er die Atmosphäre in der ehemaligen Kaserne beklagt: Es sei hier wie im Gefängnis. Die Umgebung erinnere ihn ständig an die Polizei, an das Gefängnis im Iran, an die Folter. Auch gegenüber Ärzten äußerte er das.
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+7#2Schauer, Christian2012-02-19 11:25

Man kann anerkennen, dass einiges investiert wurde, um die Infrastruktur der Gemeinschaftsunterkunft zu verbessern, das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass das System Gemeinschaftsunterkünfte insgesamt auf Zermürbung angelegt ist. So meinte der Würzburger Mediziner Stich erst vor kurzem zurecht: “Das System ist menschenverachtend. Die Menschen werden entmündigt. Alles wird vorgegeben, seien es Hygieneartikel oder Nahrungspakete. Die freie Entfaltung wird extrem beschnitten. Und das ist so gewollt. Deswegen geht meine Kritik in Richtung Staatsregierung nach München, wo an diesem System festgehalten wird. Und das, obwohl der Bayerische Flüchtlingsrat errechnet hat, dass jeder GU-Platz teurer ist als die Unterbringung in kleinen Gruppen. Aber man belässt die Menschen in Perspektivlosigkeit. Sie sitzen tagein tagaus in der GU, und es geschieht nichts. Wären da nicht die Ehrenamtlichen und  Wohlfahrtsverbände, wäre alles noch viel schlimmer.”

Christian Schauer
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Leserbrief zu „Rund 250 Teilnehmer dabei“, in: Der Heimatbote vom 31.1.2012, erschienen am 2.2.2012

Beim Rundgang der Demonstration wurde verschiedener Opfer des Nationalsozialismus gedacht,über die die Initiatoren informierten. „Feiglinge und Verräter hängen! Gestern starb ein Offiziersanwärter aus Elsaß – Lothringen bei der Vernichtung eines Feindpanzers den Heldentod. Er lebt weiter. Heute hängt ein Feigling im Offiziersrock, weil er Führer und Volk verriet. Er ist für immer tot !“ So lautet der Text eines Plakates, das der nationalsozialistische Kampfkommandant Emil Lamberth neben dem hingerichteten Friedel Heymann anbringen ließ. Friedel Heymann wurde trotz Verwundung vor ein „Standgericht“ gebracht. Wer die Verhaftung veranlasst hat, ist später ebenso wenig zu klären wie das spurlose Verschwinden der beweisträchtigen Lazarettpapiere, die die Verwundung dokumentieren. Die Hinrichtung fand vor dem damaligen Cafe´ Höfling in der Herstallstraße 5 am 28. März 1945 statt. Heymann hing sieben Tage dort bis zum Einmarsch der Amerikaner am 3.April 1945. Das Standgericht in Aschaffenburg befand sich im Keller des Stabsgebäude der Jägerkaserne in der Würzburger Straße 45. Heymann war nicht der einzige, den es am Ende des Krieges noch erwischte. Es verurteilte auch drei kampfmüde, so genannte fahnenflüchtige Soldaten zum Tode und befahl die Erschießung von Hauptmann Baur aufgrund des bloßen Verdachtes der Spionage. Besonders aktuell werden diese Tatsachen, wenn man die Drohungen des Neonazis Martin Wiese vom Sommer sich vor Augen führt. Bei einer Kundgebung in Unterfranken im August 2011 soll der 35-Jährige Journalisten bedroht haben – unter anderem mit den Worten: “Wir werden eines Tages kommen, euch aus euren Löchern holen, euch vor einen Volksgerichtshof stellen und euch wegen Deutschlands Hochverrat verurteilen zum Tode.” Beim sogenannten Nationalen Frankentag in Roden im Landkreis Main-Spessart soll Wiese zudem ein T-Shirt mit dem Aufdruck “Seine Idee – unser Weg” und der Signatur “Adolf Hitler” getragen haben. Der Geist der Hinrichtung von 1945 ist also nach wie vor aktuell, der Schoß ist fruchtbar noch.

Christian Schauer

Aschaffenburg Demo zum Holocaust-Gedenktag

Demo zum Holocaust-Gedenktag 2012

Fotos privat

Holocaust-Gedenktag 2012

© Main-Echo

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Im Kahlgrund wenig Infos für die Fahrgäste

Insgesamt 14 Fahrten auf der Kahlgrundstrecke zwischen Schöllkrippen und Hanau waren laut Notfahrplan der Hessischen Landesbahn (HLB) am Mittwoch vom Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) betroffen. Wie konnte man das als Fahrgast in Erfahrung bringen? Bei der HLB hieß es dazu am Donnerstag: »Leider haben wir noch keinerlei Informationen, wie lange der Streik noch anhält. Derzeit werden wir noch auf unbestimmte Zeit bestreikt.« Ist es nicht möglich, dass die GDL der HLB mitteilt, wann sie streikt und diese dann der Kahlgrund Verkehrsgesellschaft (KVG) für ihre Anzeigetafeln die Informationen weiterleitet, so dass man am Morgen als unbescholtener Fahrgast dort lesen kann: »Zug fällt aus«?

Christian Schauer, Main-Echo vom 3.9.2011

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Der Leserbrief erschien im Heimatboten vom 6. August 2011

Leserbrief zu „Marktgemeinde unterstützt ‘Stolpersteine’- Projekt“, in: Der Heimatbote vom 4. August 2011

Dass das Projekt der Stolpersteine in Schöllkrippen bei Gesprächen mit den Bürgern auf offene Ohren stieß, ist zu begrüssen. Nicht überall ist das der Fall – in Alzenau war die Ablehnung zu groß. Für die Informationsbroschüre kann man nur auf die Dokumentation „Stolpersteine in Wiesbaden 2005 bis 2008“ hinweisen, die vom „Aktiven Museum Judengasse“ herausgegeben wird. Darin wird auf 175 Seiten über viele Einzelschicksale von Wiesbadener Juden berichtet. Darin heißt es, dass die Stolpersteine nur die Namen und Lebensdaten der gewürdigten Menschen beinhalten, die Dokumentation jedoch ausführlich die Schicksale dieser Menschen schildere. Der Verleger der Stolpersteine, Gunter Demnig, meinte in einem Interview (bezogen auf Wiesbaden) zu  seinem Projekt: „Ich denke, die Millionen-Anzahl der Opfer werde ich sowieso nicht mit neinen Stolperstein- Verlegungen bewältigen können. Es wird immer ein symbolisches Projekt bleiben… Auch die Formulierungen , die auf den Steinen sind, möchte ich bestimmen. Wenn etwa gesagt wird „verschollen in Auschwitz“ kann ich nur sagen, Auschwitz war Mord, da ist keiner verschollen… Das Stolperstein-Projekt ist ja auch ein Kunstwerk, das ich entwickelt, erfunden habe … Und einen Moment später kommt jemand aus dem Haus mit einem Klassenfoto und zeigt auf den und sagt, das war mein Freund. Das sind Momente, wo ich zu mir sagen kann, jetzt weißt du, warum du das machst!“ Es ist insgesamt erfreulich, dass sich nach Aschaffenburg jetzt auch mit Schöllkríppen ein zweiter Ort im Raum Aschaffenburg dieser Initiative angeschlossen hat.

Christian Schauer

Der Heimatbote vom 4.8.2011 Marktgemeinde unterstützt „Stolpersteine“-Projekt

Schöllkrippen. Der Marktgemeinderat Schöllkrippen will dem Schöllkrippener Projekt „Stolpersteine“ – subsidiär – unter die Arme greifen. Was das genau bedeutet, erklärte Bürgermeister Reiner Pistner mit den Worten, dass der Markt hinter dem Vorhaben stehe und den finanziellen Teil, der vom Arbeitskreis „Jüdische Geschichte“, in der Mittelschule, Kirchen, Heimat- und Geschichtsverein sowie die Gemeinde vertreten sind, nicht geleistet werden könne. Auf etwa 2.500 Euro würden sich die Gesamtkosten für die Stolpersteinregelung , inklusive einer Informationsbroschüre und Nebenausgaben belaufen. Der Bürgermeister konnte nach Gesprächen mit Bürgern bestätigen, dass das Projekt durchweg mit offenen Ohren aufgenommen werde. Mit den Stolpersteinen biete sich eine hervorragende Möglichkeit, an die Schicksale ehemaliger jüdischer Mitbürger zu erinnern.

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Main -Echo 29.12.2010

Andere Städte zeigen: Es geht auch besser

Dass es auch anders geht, zeigt die Stadt Hofheim im Taunus. Am 3. November 2010 erklärte die Stadtverordnetenversammlung in einem gemeinsamen Antrag mehrerer Fraktionen (SPD, CDU, GOHL und BfH) bei 38 Ja-Stimmen, nur zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung ihre Bereitschaft, Flüchtlinge im Rahmen eines Resettlement- Programms aufzunehmen und bestmöglich zu integrieren. Die Stadt appellierte gleichzeitig an die Bundesregierung, ein dauerhaftes Aufnahmeprogramm für Flüchtlinge einzurichten. In Deutschland sind inzwischen alle 2500 Irak-Flüchtlinge aus Syrien und Jordanien angekommen, die die Vereinten Nationen im Rahmen des Resettlement-Programms nach Deutschland vermittelt haben. München hat 127 Flüchtlinge aufgenommen; ursprünglich sollten circa 200 von ihnen in dieser Stadt ein neues Leben beginnen. Am 21. April 2010 hat der Nürnberger Stadtrat den Beschluss gefällt: Die Stadt wird Flüchtlinge im Rahmen des UNHCR-Resettlement- Programms aufnehmen. Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly hofft, dass dies ein Signal für andere Kommunen in der Region ist, der Bewegung »Save-me« beizutreten. Seit dem 1. Februar 2010 zählt auch Magdeburg zu den Städten, die sich für eine Aufnahme weiterer Flüchtlinge ausgesprochen haben. Fast einstimmig ist der Antrag beschlossen worden, die einzige Gegenstimme kam von der NPD.

Christian Schauer

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Leserbrief zu „Anstieg der Asylbewerberzahlen in Deutschland“, in: Der Heimatbote vom 16. Oktober 2010

In dem Artikel heißt es, die Gemeinschaftsunterkünfte seien dadurch stark ausgelastet. Es bestehe ein akuter Bedarf an Unterbringungs- und Erstaufnahmeplätzen. Sieht man sich die Zustände in der Aschaffenburger Gemeinschaftsunterkunft an, so kann man einerseits feststellen, daß Sanierungen der sanitären Einrichtungen in Angriff genommen wurden. Gegenwärtig sieht die Lage so aus: Zu gut 90 Prozent ist die Aschaffenburger Gemeinschaftsunterkunft derzeit ausgelastet. 320 Menschen leben Mitte Oktober im Asylbewerberheim, darunter 71 Kinder. Sie verteilen sich auf ein Männerhaus, zwei Familienhäuser und ein Haus für Frauen und Kinder. Die meisten kommen aus dem Irak, Iran, Äthiopien und Afghanistan. Handlungsbedarf gibt es bei Waschmaschinen, bei denen eine für acht Familien reichen muss. Da der Ablauf defekt ist, fließt das Abwasser auf den Boden. Die vielen Menschen auf engem Raum klagen über nervliche Belastungen, alle wollen raus. Das Ziel, die Gemeinschaftsunterkünfte aufzulösen, teilt auch die Regierung von Unterfranken. Insider bestreiten, daß es überhaupt keine kleinen Wohnungen gibt. Bis zum Auszug sollten eingezogene Wände für etwas Privatsphäre sorgen, damit etwas mehr Ruhe herrscht. Man kann nur an Vermieter appellieren, für diese Menschen privaten Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Christian Schauer  Der Leserbrief erschien im „Heimatboten” vom 21. 10.2010

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Main-Echo vom 12.08.2009

Stolpersteine wären besser für Hörstein Leserbrief

Immer noch will man bei der Bewältigung der NS-Geschichte mit Gedenksteinen arbeiten, obwohl es die schon in genügen der Zahl gibt. Warum schließt man sich nicht Aschaffenburg oder Seligenstadt an, wo “Stolpersteine” verlegt wurden? Hier handelt es sich um eine Form des Gedenkens, die sich weitgehend eingebürgert hat. Die pflastersteingroßen Stolpersteine werden glatt in Bürgersteige vor Häusern eingelassen, in denen ermordete Juden oder Regimegegner gewohnt haben. Die Oberflächeführt den Namen, Geburtsjahr, Deportations- und Todesort – soweit zu ermitteln – mit Jahresangabe auf.Gunter Demnig hat seine Denkzeichen bereits in vielen großen und kleineren Orten in Deutschland und in Europa verlegt.Zu unserer Nachbarstadt Seligenstadt lässt sich Folgendes sagen: Rund 150 Menschen jüdischer Abstammung lebten in dieser Stadt, als 1933 die nationalsozialistische Herrschaft begann. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges waren sie alle verschwunden – ausgewandert, deportiert oder häufig unter grausamen Umständen umgebracht. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss vor rund zwei Jahren, diesen Opfern an den Orten ihrer einstigen Existenz bleibende Erinnerungsstücke zu geben. Ein erstes Kontingent von 22 Stolpersteinen wurde im März 2007 in die Gehwege der Altstadt eingelassen. Ich denke, es ist eine sinnvolle Art des Gedenkens. Also Mut zu neuen Lösungen!

Christian Schauer
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Main-Echo vom 12.09.2008

Soll es nur kirchliches Theater geben?

Ich verstehe den Satz “Wir fördern den Unterhalt von Theatern und so auch einer Kultur mit, die uns zum Teil zuwider ist” nicht. Wer ist “uns”? Soll das Theater abgeschafft werden? Soll es nur kirchliches Theater geben? Gegen welchen Kulturbegriff geht es? Was meint Ortspfarrer Clemens Bieber damit? Ein deutscher Dichter namens Friedrich Schiller hat dem Theater einmal eine ganz hohe Aufgabe zugewiesen. Im Text über das Theater als moralische Anstalt ist der Erziehungsgedanke durchaus wichtig; aber er ist nicht ästhetisch, sondern praktisch verstanden. Unter “moralisch” versteht Schiller das gesamte praktische Leben mit seinen Entscheidungen und Werten. Moralisch bedeutet also: Erkenntnisse im Menschen fördernd, die ihn richtig handeln lassen. Und ihn lehren, seine Freiheit richtig zu gebrauchen, im praktischen Sinne – dahinter steht Kant. Ein Philosoph, der gelegentlich von deutschen Politikern zitiert wird. Es mag sein, dass dieses Ideal überhöht ist. Andere Sinnstiftungen für das Theater in der Gegenwart sind weniger hoch schweifend. Abschreckend wirkt der Populismus in der oben genannten Aussage auf jeden Fall.

Christian Schauer

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Veröffentlicht 12. August 2011 von schauerchristian in Leserbriefe regional

Skandal in Reinkultur

Leserbrief zu “Mit SS-Massenmördern an einem Tisch”, in: Main-Echo vom 10.1.2014,

erschienen in: Main-Echo vom 14.1.2014

Die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts können in die Geschichte der Bundesrepublik eingehen als die Epoche der großen Amnestie gegenüber Kriegsverbrechern. Man denke an Hans Globke, den Kommentator der Nürnberger Rassengesetze, der als Personalchef des Bundeskanzlers Adenauer das Auswärtige Amt zu zwei Dritteln mit ehemaligen NS-Diplomaten besetzte. Der damalige Bundeskanzler meinte rechtfertigend dazu: „Man kann doch ein Auswärtiges Amt nicht aufbauen, wenn man nicht wenigstens zunächst an den leitenden Stellen Leute hat, die von der Geschichte von früher etwas verstehen.«

Die Todesurteile gegen Einsatzgruppenleiter und Angehörige des Reichsicherheitshauptamtes führten 1951 nach der Vollstreckung zu scharfen Protesten eines Teils der deutschen Presse. Franz Blücher, Stellvertreter des Bundeskanzlers, nannte sie eine „Ungerechtigkeit.“ Die „Organisation Gehlen“, eine Abteilung des ehemaligen Oberkommandos der Hitlerwehrmacht – Abteilung Fremde Heere Ost – wurde im Mai 1955 zum Bundesnachrichtendienst umfunktioniert.

Der Friede mit den Tätern des Nationalsozialismus – er war eine Herzensangelegenheit der politischen Elite der deutschen Nachkriegsepoche. Juristen des NS-Staates mussten um ihre Nachkriegskarriere nicht bangen. Tausende von belasteten Richtern durften wieder amtieren, sie besetzten die Posten der Landgerichts- und Oberlandesgerichtspräsidenten. Im Bonner Justizministerium agierten Juristen wie Dr. Schafheutle und Dr. Ernst Kanter, die im NS-Staat hervorgehobene Positionen im Reichsjustizministerium inne hatten. 1958 wurde Kanter Präsident des 3.Strafsenats des Bundesgerichtshofes.

Zwischen 1945 und 1965 wurden insgesamt gegen über 60.000 Beschuldigte Ermittlungen wegen Verdachtes der Beteiligung an NS-Kriegsverbrechen geführt. Ganze zehn Prozent davon, nämlich 6115, führten zu rechtskräftigen Urteilen– die Verurteilten wurden häufig vorzeitig entlassen. Kein einziger Angehöriger des Volksgerichtshofes wurde rechtskräftig verurteilt- ein Skandal in Reinkultur. Das 131-Gesetz, das der Bundestag 1951 verabschiedete, gab der Wiederverwendung von ehemaligen Nationalsozialisten in bundesdeutschen Behörden Rechtskraft- Amnestie auch hier.

Man kann Richter Fritz Bauer als Vorbild einstufen, mit dem Auschwitz Prozeß von 1963 ein Signal zur Verurteilung der NS-Vergangenheit zu setzen. Auch ist Herrn Reusings Erinnerungskultur zu würdigen.

 Fritz Bauer_©_Fritz Bauer Institut

Bild: Fritz Bauer © Fritz-Bauer-Institut

Christian Schauer

Neuwiesenstraße 14

63755 Alzenau

Bezugs-Artikel Main-Echo 10.01.2014

Mit SS-Massenmördern an einem Tisch

Zeitgeschichte: Roland Reusing aus Hohl hat vor 50 Jahren als junger Jurist den Frankfurter Auschwitz-Prozess erlebt Roland Reusing als Jurist beim Frankfurter Auschwitz-Prozess Roland Reusing aus Mömbris-Hohl hat als Zeitzeuge den Frankfurter Auschwitz-Prozess erlebt. Vor gut 50 Jahren, exakt am 20. Dezember 1963, begann in Frankfurt der Prozess gegen 22 Angeklagte, der am 20. August 1965 endete. Roland Reusing als junger Justizbeamter in den 60er Jahren. Den ersten Auschwitz-Prozess vor einem deutschen Gericht hat er ab 1963 in Frankfurt hautnah erlebt.

„Deutschlands Erwachen“ . Stück von Edy van de Weyer

Leserbrief zu “Werke von Edy van de Weyer”, in: Der Heimatbote vom 9.12.2013, erschienen am 21.12.2013

Im Artikel heißt es, Weyer habe ein Theaterstück mit wahrscheinlich nationalsozialistischem Gedankengut verfasst. Das Stück „Deutschlands Erwachen“ wurde 1933 in Gemünden beim Verlag Hofmann verlegt und hat eindeutig eine nationalsozialistische Tendenz. 

Die Guten, das sind in dem Stück für Deutschland kämpfende SA-Leute.Ihnen stehen kurz vor Hitlers Machtübernahme nicht nur schlechte Kommunisten gegenüber. Auch ein klischeehaft jüdisch aussehenden, raffgieriger polnischer Viehhändler ist tatsächlich Jude. Er wird als Schädling dargestellt. Ein rechter Förster hofft im Stück zusammen mit SA-Burschen, dass Deutschland bald „gereinigt“ ist von Juden und Kommunisten. „Aus Deutschland wär’ ein Trümmerhaufen, ein Leichenfeld geworden“, wenn die Kommunisten gesiegt hätten, meint ein nationalsozialistisch gesinnter Deutscher. Nach der Machtergreifung des Führers Adolf Hitler kommt der „böse“ Jude, der im Stück durch Wucherei auffällt, ins Konzentrationslager. „Wir werden uns die Burschen alle holen, die jahrelang das deutsche Volk belogen und betrogen haben“, sagt eine Person. Eine andere meint: „In Konzentrationslagern werden sie jetzt das Arbeiten lernen.“ Auch war Weyer SA-Mann, was vermerkt werden sollte. Um nicht beschönigend zu wirken, sollte die Ausstellung ein Exemplar dieses Stückes erwerben, um dem Publikum einen Einblick in dieses braune Werk zu ermöglichen und ein realistischeres Bild Weyers der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Christian Schauer

Der Schluß des Stückes soll wörtlich widergegeben werden , um zu dokumentieren, dass es ein NS-Propagandastück ist. Der “böse” Jude heißt Orlowski, ansonsten kommen nur überzeugte Nationalsozialisten zu Wort.

9. Szene
(Ein SA-Mann kommt eilig au dem Stadtweg und macht bei Siegfried
Meldung)
SA-Mann: Orlowski ist verhaftet worden. Er wird nach Dachau abgeschoben!
(Bewegung unter den Leuten)
Siegfried: Wer Haß sät, kann nicht Liebe ernten! Orlowski war ein
Schädling, ein Parasit in unser’m Lande! Und jeder, der das
Volk betrügt, verdient des Volkes Strafe!
Stimmen aus dem Volke: Sehr richtig – sehr richtig- Orlowski war
ein Gauner – ein Wucherer – ein Erpresser- ein Hetzer – ein Kommunisten-
führer – nur kein Erbarmen!
Siegfried: Wir werden uns die Burschen alle holen, die jahrelang das
deutsche Volk belogen und betrogen!
Fritz: In Konzentrationslagern werden sie jetzt das Arbeiten lernen. Sie
werden dabei an uns denken, an uns Nationalsozialisten, die sie
verlacht und verspottet, die sie getreten, verfolgt und geknebelt haben.
Toni (geht auf Siegfried zu): Hier ist die Fahne für das Rathaus,
(Übergibt die Fahne. Siegfried gibt sie einem Hitlerjungen.)
Siegfried (zu Toni): Ich danke dir! (zu den Leuten): Und nun
Kameraden! Deutsche Männer! Deutsche Frauen! Jetzt ziehen wir
in das dritte Reich! Doch eines will ich euch noch sagen: Was wir
gegründet, muß erhalten bleiben, muß noch stärker werden: Seid
immer einig in einem deutschen Vaterland!
Alle singen (mit erhobener Hand): Die Fahne hoch, die Reihen
fest geschlossen …..
(In der Ferne hört man Kirchenglocken läuten.)

So endet das Stück mit dem Absingen des Horst Wessel Liedes.

Foto: Aufführung des Stückes „Deutschlands Erwachen“

Quelle: Archiv des Historischen Vereins Gemünden und Umgebung e. V.

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Rezension zu van de Weyer-Aufführung

Quelle: Gemündener Anzeiger vom 12.9.1933

© Archiv des Historischen Vereins Gemünden  und Umgebung e.V.

Rezension D. Erwachen