Archiv für die Kategorie ‘Leserbriefe 2010 und vorher

Roma in Frankreich – Linker Antisemitismus – Fall Emmely – Obamas Indianerpolitik

Leserbrief zum Spruch des Tages „Wir würden weit mehr gewinnen, wenn wir uns zeigten, wie wir sind, als bei dem Versuche, das zu scheinen, was wir nicht sind- Larochefoucauld“ und „Roma sollen raus“, in: Der Heimatbote vom 19.8.2010

Zwischen 10.000 und 15.000 Roma aus Rumänien und Bulgarien leben seit etwa zehn Jahren in Frankreich – die meisten im Großraum Paris. Hier sind ihre Einnahmemöglichkeiten aus Betteln und aus Straßenmusik am besten. Oft leben sie in slumähnlichen Verhältnissen. Häufig gehen Nachbargemeinden rechtlich gegen sie vor.

Zwar gilt seit dem 1. Januar 2007 für Staatsangehörige der neuen EU-Mitglieder Rumänien und Bulgarien die Freizügigkeit. Doch Frankreich hat eine “Übergangsfrist” bis 2013 eingeführt. Auf dieser Grundlage hat das Land 2008 mehr als 8.000 Rumänen und Bulgaren abgeschoben. Nach der Abschiebung können sie jedoch problemlos wieder nach Frankreich einreisen. Nicolas Sarkozy hat die osteuropäischen Roma ins Visier genommen. Vor kurzem hatte der französische Präsident seinen Innenminister Maßnahmen ankündigen lassen, mit denen den Roma das Leben in Frankreich schwer bis unmöglich gemacht werden soll. So soll die Hälfte der 300 wilden Camps in Frankreich binnen drei Monaten aufgelöst werden. Zehn Finanzinspektoren sollen die Rechnungsbücher des fahrenden Volkes prüfen. Weiterhin wurde beschlossen, dass bei kriminellen Handlungen auf frischer Tat ertappte Roma sofort nach Rumänien, Bulgarien oder Ex-Jugoslawien ausgewiesen werden. Zudem sollen rumänische Polizisten in Frankreich an der Jagd auf kriminelle Roma beteiligt werden. Innenminister Hortefeux will das Gesetz Ende September der Nationalversammlung präsentieren. Die Initiative erfolgt wenige Tage nach Unruhen in einem Dorf im Loiretal. Roma hatten ihrer Wut über den Tod eines der ihren mit Brandschatzungen und Verwüstungen Luft gemacht. Der Mann war an einer Polizeisperre erschossen worden, als er sich gewaltsam einer Kontrolle entziehen wollte. Die Kampagne gegen die in Frankreich ansässigen Sinti und die ausländischen Roma hatte der französische Präsident eröffnet, als er ihnen pauschal Kinderhandel und Prostitution vorwarf. Zwei Tage später schränkte er ein: Man müsse zwischen einer Minderheit krimineller Roma und der großen Mehrheit dieser Volksgruppe unterscheiden- so seine Meinung.

Die bekannte Schauspielerin Fanny Ardant sagte dazu, in Zeiten von Wirtschaftskrisen suche man Sündenböcke – und als solche dienten Ausländer oder Roma. Auch der Verband Romeurope unterstellt Sarkozy die “Ethnisierung und Stigmatisierung” eines sozialen Problems. Statt aber auf billigen Populismus zu setzen, solle er sich dieser Problematik annehmen. Das Hilfswerk France-Terre d’asile kritisiert, Sarkozy schieße sich auf eine kleine Minderheit von 15 000 Roma ein. Schon jetzt weise die Polizei jedes Jahr Tausende von Roma aus, viele kehrten jedoch sofort nach Frankreich zurück. Es ist bedauerlich, daß eine derartig großangelegte Kampagne gegen ein derartig kleines Volk gestartet wird. Wahrscheinlich geht es für das Sarkozy-Lager tatsächlich darum, mit Hilfe der rechtsradikalen Wählerstimmen wieder den nächsten Präsidenten zu stellen.

Christian Schauer

Der Leserbrief erschien im „Heimatboten“ am 21.8.2010

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Auszug Main-Echo vom 17.7.2010

Raus aus der »Dauermeckerecke« Gesellschaft: Zentralrat der Juden in Deutschland vor 60 Jahren in Frankfurt gegründet – Erinnerung an Holocaust bleibt auch künftig zentrale Aufgabe 1990 begann die Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion – die das Judentum in Deutschland nachhaltig verändert hat. Die Zahl der Juden in Deutschland stieg von rund 25 000 auf heute 110 000 an. Die Integration der Einwanderer, die in ihrer Heimat meistens wenig Berührung mit dem Judentum gehabt hatten, wurde zur vordringlichen Aufgabe des Zentralrats. Seit 2008 erhält der Verband, unter anderem für die Integration, jährlich fünf Millionen Euro von der Bundesregierung.
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Leserbrief schauer

Linker Antisemitismus

Eigentlich ist es erstaunlich, daß überhaupt noch Juden hier bleiben wollten (in Deutschland), nachdem der Widerstand gegen den Antisemitismus nicht sehr groß war während des Zweiten Weltkrieges. Warum waren 1938/39 nach der Proklamation des Großdeutschen Reiches 90 Prozent der Deutschen nicht für die NSDAP, aber für Adolf Hitler? Fragen, die den wenigen dagebliebenen Juden sicherlich ein Unbehagen einflößten. Der Anstieg der Zahl der Juden auf 100.000 belegt allerdings, daß die Bundesrepublik mittlerweilen als sicherer Ort gilt als die ehemaligen Staaten des Ostens (aus denen viele Juden zuwanderten), die früher- in kommunistischer Zeit- schon bedenkliche antisemitische Auswüchse zuließen. Der Auftakt für die antijüdische „Säuberungen“ in der Sowjetunion nach dem 2. Weltkrieg bildete die Ermordung des großen jüdischen Schauspielers Shlomo Michoels durch Stalins Geheimpolizei im Januar 1948. Michoels war Vorsitzender des Jüdischen  Antifaschistischen Komitees. Kurz darauf wurde  das JAFK verboten. Am 12.8.1952 wurde auf Befehl Stalins die Elite der jiddischen sowjetischen Schriftsteller, darunter die weltberühmten Dichter Perez Markisch, ltzik Fejfer und David Bergelson, hingerichtet. Den Höhepunkt des antisemitischen Tendenzen in der Sowjetunion bildete das sogenannte “Ärztekomplott” von Anfang 1953. Die angeklagten Ärzte, unter ihnen auch Stalins Leibärzte, waren fast alle Juden und wurden bezichtigt, Mordpläne gegen Stalin geschmiedet zu haben und mit zionistischen Spionen im Bunde zu sein. Der Tod Stalins am 5.3.1953 verhinderte ein landesweites Pogrom und wahrscheinlich die geplante Massendeportation der russischen Juden nach Sibirien. Sicherlich wäre es schon damals gut gewesen, wenn die Bundesrepublik einige dieserbemitleidenswerten Menschen hätte aufnehmen können.

Christian Schauer

geschrieben: 22.07.2010 20:08

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Main-Echo 17.06.2010 (Auszug) »Emmely« kehrt wieder zu Kaiser’s zurück Kündigungsskandal: Aber nicht in die alte Filiale Berlin  – Die wegen des Einlösens von zwei Pfandbons entlassene und als »Emmely« bundesweit bekanntgewordene Berliner Kassiererin Barbara E. arbeitet ab Montag wieder bei ihrem früheren Arbeitgeber ,der Supermarktkette Kaiser’s.
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Leserbrief schauer

Emmely kehrt wieder zu Kaiser’s zurück

Es ist sehr zu begrüßen, daß es im Fall Emmely durch das Bundesarbeitsgericht zu einer Wende gekommen ist. Derartig niedrig schwellige Verfehlungen wie die Einlösung von liegen gebliebenen Pfandmarken im Wert von 1,30 Euro dürfen nie und nimmer Anlass einer Kündigung sein.Die Wende in den Kündigungsprozessen deutete sich bereits im vorigen Jahr an. Damals betonte das BAG in einer Kündigungs- Entscheidung, dass es auch bei Eigentumsdelikten Fälle geben kann, in denen der Arbeitgeber nicht einfach kündigen darf, sondern zuvor eine Abmahnung aussprechen muss. Das Grundprinzip muss lauten:Verletzt ein Arbeitnehmer seine Pflichten, muss er in der Regel zuerst abgemahnt werden. Die fristlose Kündigung muß die Ausnahme sein.Eine Gesetzesänderung, wie sie SPD und Linke vorschlagen − bei Delikten mit geringem wirtschaftlichen Schaden sollte beim ersten Mal in der Regel nur eine Abmahnung ausgesprochen werden − ist deshalb zu befürworten.

Christian Schauer, geschrieben: 18.06.2010 17:19

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Main-Echo vom 24.12.2009

Obamas Vorgänger begingen historisches Unrecht

Die Entscheidung einer Entschädigung für die Indianer gehört zu den positiven Dingen, die die Präsidentschaft Obamas bisher gebracht hat. Die Indianerkriege erreichten ihren Höhepunkt zwischen 1860 und 1890. 1890 nach der Niederlage der Indianer am »Wounded Knee« war der Widerstand der Indianer gebrochen. Besaßen die Indianer zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch rund 300 000 Quadratkilometer Land, waren es 50 Jahre später noch 100 000 Quadratkilometer. In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts waren mehr als die Hälfte der Indianer ohne Arbeit, 90 Prozent ihrer Wohnungen blieben unter dem Standard der übrigen Bevölkerung. Die Krankheit Tuberkulose grassierte bei Indianern acht mal häufiger als bei Weißen, die Kindersterblichkeit war doppelt so hoch, die Lebenserwartung deutlich geringer.

Schon Anfang des 19. Jahrhunderts begann in der »era of good feelings« 1819 die Auslöschung der Semiolen in Florida; nicht viel besser erging es den Creek, den Choctow, den Mohikanern und den Delawaren. Die Zahl der Pawnees sank zwischen 1838 und 1951 von 10 000 auf 650. Nehmen wir zwei Repräsentativfälle aus den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts. Im November 1864 überfällt in Colorado Oberst Chivington im Morgendämmer mit circa 1000 Mann rund 150 Hütten der Cheyennen und tötet mehr als 450 Menschen. Perfid erpresste man von den Sioux Millionen Acres Land für fast nichts. 1862 kommt es deswegen zu einem großen Aufstand der Sioux, dem fast tausend Weiße zum Opfer fallen. Sioux, die im Anschluss daran nicht fliehen, werden in ein Konzentrationslager gebracht, aufgehängt oder erschossen.1866 schrieb ein General: »Wir müssen mit äußerster Strenge gegen die Sioux vorgehen, bis zu ihrer Ausrottung – Männer, Frauen und Kinder.« Deswegen ist das Eingeständnis der amerikanischen Regierung, dass Vorgänger-regierungen historisches Unrecht begangen haben, ein Stück sinnvolle Vergangenheitsbewältigung. Christian Schauer

 

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Veröffentlicht 7. Juli 2011 von schauerchristian in Leserbriefe 2010 und vorher