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Palmyra virtuell und historisch

Baal Schamin Tempel Palmyra

Baal Schamin Tempel Palmyra – Foto privat

 

Palmyra virtuell und historisch

Palmyra war die Zwischenstation zwischen der Welt des Persischen Golfes und den Hauptstädten des Mittelmeeres. Auf derm Markt von Palmyra wurden Waren von China bis Südarabien getauscht. Der Reichtum an Wasser kam aus unterirdischen Quellen, der Sonnentempel war das markanteste Gebäude. Palmyra ist ein griechischer Name, vor der griechischen Zeit hieß die Oasenstadt Thadmor. Die Bedeutung „Ort der Dattelpalmen“ führt in die Irre, weil in Palmyra keine Dattelpalmen standen, die Gärten und Blumen der Stadt waren weltberühmt.

Im dritten Jahrhundert nach Christus sprach man dort Aramäisch, Zweitsprache war Griechisch. Berühmt war die Stadt für ihre Panzerreiter und Bogenschützen. Die Stadt war reich, was sich nicht zuletzt in den Turm-Gräbern äußerte, die vergleichsweise hohe Häuser waren.

Kaiser Valerian passierte etwas, das seinesgleichen suchte, er geriet 260 nach der Schlacht von Edessa in persische Gefangenschaft. Sein Sohn Gallienus konnte sich auf einen Araber aus Palmyra verlassen. Er hieß Septimius Odainathos. Ein Gegenkaiser zu Gallienus wurde von ihm besiegt. Die Perser mussten aus Mesopotamien und Armenien weichen. Die Stellung des Odainathos war einem Imperator ähnlich. Er erhielt den Titel eines „Corrector des ganzen Orients“ und führte auch den Titel „König der Könige“. 267 nach Christus wurde er ermordet. Ob Rom dahinter steckte, ist nicht restlos geklärt.

Nachfolger wurde sein Sohn Vaballathos. Weil er noch zu jung war, übernahm seine Mutter Zenobia, die Witwe des Odainathos, die Regierungsgewalt in Palmyra. Der Name ist griechisch, sie sah sich in der Nachfolge der ägyptischen Herrscher. Sie galt als schön und spröde. Cassius Longinus, ein berühmter Philosoph, war ihr Lehrer. 270 wurde Arabien unter die Oberhoheit Palmyras gebracht.

Zenobia war fasziniert von Ägypten und hatte die Absicht, dieses Land zu erobern. Der römische Präfekt Probus glänzte durch Abwesenheit, die Zenobia mit ihrem Oberfeldherrn 270 zur Eroberung nutzte. Zenobia hielt sich für eine Nachfahrin Kleopatras und führte in Ägypten wieder die ptolemäische Währung ein.

270 starb der römische Kaiser Claudius II. an der Pest, sein Nachfolger war Aurelian. Im siegreichen Kampf gegen die Gothen unter Claudius II. hatte er sich ausgezeichnet. Er war geistigen Dingen nicht sehr zugetan. Alemannen und Markomannen konnte er 270 in Schach halten.

Mit Zenobia und ihrem Sohn schloß er einen Vertrag, in dem er Palmyras Herrschaftsbereich unangetastet ließ. 271 geprägte Münzen zeigen den Sohn der Zenobia, Vaballathus, noch nicht mit dem Titel „Augustus“, was bekundet, dass die Oberhoheit Roms noch anerkannt wurde.

Im Sommer 271 erhob sich Zenobia zur Augusta und ihren Sohn zum Kaiser, was als Loslösung und Emanzipation von Rom einzustufen ist. Aurelian sah sich zum Handeln gezwungen. Ende 271 zog er los gegen Palmyra. Er siegte 272 bei Antiochia und Emesa (heute Homs). In Antiochia schützte Aurelian die Zivilbevölkerung. Vor Emesa machte er Zenobia noch ein Friedensangebot – vergebens. Aurelian meinte zu seinem letzten Sieg: „Der Sonnengott von Emesa hat seine Heimat verlassen und Rom den Sieg geschenkt.“

Aurelians Truppen zogen gen Palmyra weiter. Zenobia schätzte ihre militärische Lage frühzeitig negativ ein und floh in Richtung Euphrat, um bei den Persern um Hilfe zu bitten – vergeblich. Sie wurde gefangen genommen und ihre Ratgeber enthauptet. 273 wurde die Stadt nach einer Rebellion gegen die Römer weitgehend zerstört.

274 wurde sie im Triumphzug in Rom vorgeführt. Nach einer Quelle trug sie dabei Juwelen und eine goldene Kette. Auch exotische Tiere – zwanzig Elefanten, vier Tiger -begleiteten die ehemalige Herrscherin Palmyras. Sie ging ihrem prächtigen Kampfwagen zu Fuß voran. Möglicherweise verbrachte sie ihren Lebensabend in der Nähe einer Villa Hadrians in Tivoli. Verheiratet soll sie mit einem römischem Senator gewesen sein. Nachkommen sollen bis ins 5. Jahrhundert in Rom nachweisbar sein.

Wie wird Zenobia heute gesehen? Hafiz al Assads rechte Hand, Mustafa Tlas, zeichnete sie 1985 in einer Fernsehserie als unerschrockene Kämpferin gegen das den Okzident repräsentierenden römische Kaiserreich. Zusätzlich schrieb er auch ein Buch “Zenobia, Königin von Tadmur”, in dem die Römer als besonders grausam dargestellt werden. Zenobia ist eine Heldin des arabischen Befreiungskampfes.

Palmyra wurde in letzter Zeit, im Mai 2015, durch die Eroberung durch den Islamischen Staat bekannt, die im März 2016 durch Truppen Von Machthaber Assad mit russischer Unterstützung wieder beendet wurde. Von Dezember 2016 bis März 2017 dominierte der IS erneut in der antiken Stadt. Der IS ließ zahlreiche Sprengfallen zurück. In Palmyra zeichneten sich die Dschihadisten durch die Zerstörung von historischen Bauwerken und Denkmälern aus.

2015 wurde Zenobia in Kommentaren der syrischen Presse auch als Kämpferin gegen den IS eingestuft.

Palmyra, die antike Oasenstadt, liegt im heutigen Bezirk Homs in Syrien. Vor dem Bürgerkrieg hatte die Stadt 51.000 Einwohner. Die ersten archäologischen Funde stammen aus der Jungsteinzeit. Im zweiten Jahrtausend vor Christus war sie ein wichtiger Handelsposten. Die Stadt war Teil des Seleukidenreiches. Im ersten Jahrhundert nach Christus erlebte sie nach der römischen Annexion eine Blütezeit. Die Stadt lag an einer wichtigen Karawanenstraße und wurde durch zwei Quellen gespeist. Immer noch erhalten sind zwei Palmengärten. Die Sprache der Palmyrer war ein Dialekt des Aramäischen. Der Götterhimmel ist von Persern, Römern und Griechen beeinflusst. Seit 1918 gehört die Stadt zum eigenständigen Staat Syrien. 1980 wurde die Stadt zum Weltkulturerbe erklärt.

Virtuell in der Bonner Ausstellung zu sehen ist hier de Baal Schamin -Tempel. Er wurde zu Zeiten von Jesus Christus errichtet. Kaiser Hadrian ließ ihn im 2. Jahrhundert ausbauen. Baal Schamin war einer der Hauptgötter der Stadt, ein Himmelsgott für Blitze zuständig und einen Adler symbolisierend! Er ist eines der kleineren Bauwerke der Stadt.

Bedeutender ist der Baal-Tempel, der im ersten Jahrhundert nach Christus eines der bedeutendsten religiösen Bauwerke im Nahen Osten. Ende August 2015 wurde er vom IS gesprengt.

Weiter von Bedeutung ist das römische Theater. Es entstammt aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus. Früher hatte es wahrscheinlich mehr Sitzreihen als heute. Die Bühnenrückwand stammt aus dem 3. Jahrhundert nach Christus . Im Juli 2015 richtete der Islamische Staat darin syrische Regierungssoldaten hin.

Weiter sind auch Thermen und der Tempel des Nebo (mesopotamische Gottheit) in Palmyra zu sehen. Die Prachtstraße aus dem dritten Jahrhundert ist einen Kilometer lang.

Besonders attraktiv bei der Ausstellung sind die virtuellen Rekonstruktionen, durch die der Besucher durch die Stadt, wie sie vor zweitausend Jahren war, geführt wird. Hier lebt man kurzzeitig in einer anderen Welt. Das gilt für Besucher von Flensburg über Lengfeld bis Garmisch, aber auch für die außerhalb Deutschlands.

Motto: Sei virtuell high like a bird fly!

Literatur: https://de.wikipedia.org/wiki/Valerian

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/palmyras-antike-herrscherin-zenobia-13607489.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Baaltempel_von_Palmyra

https://www.tagesspiegel.de/kultur/is-sprengt-baalschamin-tempel-in-palmyra-wie-der-islamische-staat-seine-geschichte-wegbombt/12228168.html

Joseph Croitoru, Zenobia, die arabische Heldin, in: FAZ vom 24.5.2015

Ivar Lissner, So lebten die römischen Kaiser – Macht und Wahn der Cäsaren, München 1977

Michael Grant, Die römischen Kaiser- Von Augustus bis zum Ende des Imperiums -Eine Chronik, Bergisch Gladbach 1996

Fergus Millar (Hrsg.), Das Römische Reich und seine Nachbarn – Die Mittelmeerwelt im Altertum IV, Augsburg 1998

https://de.wikipedia.org/wiki/Zenobia





Veröffentlicht 3. Oktober 2010 von schauerchristian in Palmyra virtuell und historisch