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Nazis in Bolivien

Nazis in Bolivien

Seit 1945 hat Bolivien eine große Zahl von Nationalsozialisten aufgenommen – aus Deutschland, Österreich. Auch kroatische Ustaschi und Mitglieder der Eisernen Garde in Rumänien waren dabei. Am 10.8.1944  trafen sich hohe Wirtschaftsführer des NS-Regimes mit SS-Offizieren in Straßburg. Unter anderem waren es Vertreter von IG Farben, Krupp, Röchling und Messerschmitt. Ziel war der massive Transfer von Kapital nach Südamerika. Nach der Niederlage sollte ein viertes Reich entstehen. In den bolivianischen Regionen von Santa Cruz, Beni und Bravo erwarben deutsche Agenten riesige Agrarindustriegebiete und Transportgesellschaften.

Viele Nazi-Massenmörder wurden von der “Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen” nach Lateinamerika gebracht. Darunter Josef Mengele, der sich zwischen dem Rio Paraguay und dem Departement Santa Cruz versteckte. Andere waren Eduard Roschmann, der “Schlächter von Riga”, und der Gestapo-Chef Heinrich Müller.  Die Flucht geschah mit Hilfe des Vatikan. Hier hatten Kardinal Stepanovic und Pater Daganovic Schlüsselpositionen inne. 1 Ein “dicker Fisch” in Bolivien war Klaus Barbie, der “Schlächter von Lyon” – Chef der Gestapo von Lyon. Er war verantwortlich für die Ermordung Hunderter französischer Widerstandskämpfer und der jüdischen Kinder von Izieux. Er war Polizeichef unter zwei bolivianischen Generälen – René Barrientos und Ovando Bravo Candia. Unter Innenminister Luiz Arce Gomes sollte Barbie sogar zum General ernannt werden, was von Barbie abgelehnt wurde. Bei der Gefangennahme von Che Guevara spielt er eine Schlüsselrolle. Ein beachtliches Vermögen gewann er als Verwalter der Gesellschaft Transmaritima Boliviana. Unter ihm wirkte eine überwiegend von Altnazis beherrchte Organisation – genannt “Verlobte des Todes”. 1980 bereitete sie die Machtergreifung von General Luiz Arce Gomez vor. 2 

Am 5. Februar 1983 wurde Barbie aufgrund des Wirkens von Beate Klarsfeld, F. Mitterrand und Régis Debray in Santa Cruz verhaftet und anschließend nach Frankreich ausgeliefert. Barbies Freunde hatten bis zum Amtsantritt von Evo Morales Schlüsselpositionen im Geheimdienst des südamerikanischen Landes inne. 1985 wurde ein Ermittlungsverfahren gegen Barbie wegen “Verbrechens gegen die Menschlichkeit” abgeschlossen. 1987 wurde der Angeklagte zur Höchststrafe – lebenslänglich- verurteilt. 3 Barbie wurde in den 60 er Jahren auch vom Bundesnachrichtendienst geschützt. Zwischen Mai und Dezember 1966 nutzte der BND Barbie als nachrichtendienstliche Verbindung unter dem Decknamen “Adler” in Bolivien. Er wurde vor Strafverfolgung geschützt und bekam insgesamt 5.300 DM. 4

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Fußnoten

1 Vgl.  Jean Ziegler, Der Hass auf den Westen, München 2011, S.243
2 Vgl.  ebd. S 244
3 Vgl. Munzinger Archiv Klaus Barbie 28.10.1991
4 Vgl. taz 31.1.2012

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Veröffentlicht 11. Oktober 2011 von schauerchristian in Nazis in Bolivien