Reiseberichte Berlin 2015,2014 und 2013

Reisebericht Berlin August 2015

Pfaueninsel

Die Erschließung der Insel beginnt mit Friedrich Wilhelm II. Was steckte dahinter: die Liebe. Schon als Kronprinz hatte er sich als Frühvollendeter zusammen mit der 13-jährigen Wilhelmine Encke, der Tochter eines Hoftrompeters und Gastwirtes, zu romantischen und erotischen Aufenthalten auf die verwilderte Insel übersetzen lassen. Was kann daraus nur folgen? Wilhelmine wird mit fünfzehn Mutter – die Jugend ist vorbei. Es heißt, der König legte großen Wert auf den Erhalt de Wildnishaften der Insel- möglicherweise hat ihn seine innere Wildheit dazu veranlasst – er war ein Getriebener der Wildnis sozusagen. „Zurück zur Natur“ spielte damals als Motto Rousseaus im Denken des Monarchen eine große Rolle.1

1793 war es dann soweit Durch eine Kabinettsorder vom 12. November übermittelte Friedrich Wilhelm II. seinen Wunsch: „[…] Zu dem Amte Bornstedt gehört eine in der Havel liegendeInsel, genannt der Caninchenwerder, welche ich der Lage halber zu einigen Anlagen selbst übernehmen will“. Der Kern der Insel mit 200 bis 300 alten Eichen blieb als Wildnis unverändert. Die Insel gelangte vom Militärwaisenhaus in Potsdam in den Besitz des Königs. Unter Friedrich Wilhelm II. wurden besonders zwei Bereiche gestaltet: das Schloss am Ufer der Westspitze einerseits. Im Wiesenland im Osten der Insel entstand die Meierei.

Der Schlossbau begann 1794, die Innenausstattung wurde 1795 vollendet. Der Bauplatz sollte vom Marmorpalais aus zu sehen sein. Das Gebäude sollte einem römischen Landhaus ähneln.

Den Kern der Insel bildeten 200 bis 300 alte Eichen – während der Erschließungszeit durch die Bauwerke von Friedrich Wilhelm II. Die Bauleitung lag beim Geheimkämmerer Johann Friedrich Ritz, der durch eine Scheinehe mit Wilhelmine, geborene Encke, liiert war. Ihr wurden sämtliche Bauplanungen vorgelegt. Der Baubeginn des Schlosses war das Frühjahr 1794. Die Bezeichnung Kanincheninsel war bald obsolet – man nannte sie bald Königliche Pfaueninsel.

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Bild: Pfaueninsel

Viele Pfauen sind tatsächlich auf der Insel zu sehen. Seinen Fächer breitete leider keiner aus. Man denkt hier unwillkürlich an das Lied von Leonard Cohen „The story of Isaac“

“And mercy on our uniform

Man of peace or man of war

The peacock spreads his fan”

Das Kavalierhaus wurde 1803/04 als Gärtnerwohnung erbaut. Auf der Pfaueninsel entstanden in den 1960er Jahren Außenaufnahmen für mehrere Edgar Wallace Filme. Neben dem Englischen Landschaftspark diente bei diesen Filmen häufig das Kavaliershaus als Kulisse für Außenaufnahmen. Seine Architektur erinnert an englische Landhäuser.

Die Neue Synagoge Berlin

Am 5. September 1866 fand die Einweihung der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße statt. Von der Reichspogromnacht (9. 10. November 1938) blieb auch die Neue Synagoge nicht verschont. Von SA-Leuten war im Raum vor dem Eingang zur Hauptsynagoge Feuer gelegt worden, das jedoch gelöscht wurde. Viele Synagogen in Berlin waren in dieser Nacht in Brand gesteckt worden. In der Synagoge Oranienburger Straße war nur Inneren ein Brand entstanden. Durch das schnelle Eingreifen des Portiers Wainschel und anderer konnten die Flammen bald gelöscht werden. Die Rettung der Synagoge war Polizeioberleutnant Wilhelm Krützfeld zu verdanken. Eine Brandstiftung größeren Ausmaßes fand nicht statt. Die Synagoge war vorerst bewahrt. Zum Pessachfest 1939 konnte die Neue Synagoge wieder bezogen werden. Gemeindevorsteher Heinrich Stahl und Rabbiner Max Nussbaum betraten das Gebäude trotz Versiegelung. Der Rabbiner berichtete 1970 darüber: „ Über dem Schrein gewahrten wir unser eigenes Wunder, das des zwanzigsten Jahrhunderts: Das Ewige Licht brannte, es hatte während des 9. und 10. November gebrannt (…). Es war ein unvergesslicher Anblick – Symbol und Botschaft zugleich (…)“3

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Bild: Neue Synagoge

Die goldene Kuppel musste mit grauer Farbe übertüncht werden – dies verlangten die Behörden des NS-Regimes aus Luftschutzgründen. Die Übermalung geschah am 14. September 1939. In Inneren fand der Gottesdienst zum Jüdischen Neujahrsfest statt. Der letzte Gottesdienst fand am 30. März 1940 statt. Am 11. Juni 1943 geschah die Beschlagnahmung der Häuser Oranienburger Straße 28-31 durch die NS-Behörden. Rechtsgrundlage war die „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“. Womöglich lagerten im Kellerraum Unterlagen des Reichssippenamtes. Diese Behörde verwaltete seit 1939 die nach der Reichpogromnacht beschlagnahmten Akten des Gesamtarchivs der deutschen Juden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte in Berlin nur noch ein kleiner Teil der ehemaligen jüdischen Bevölkerung – Im November 1949 waren es insgesamt 7.900 Juden. 4.600 hatten in Mischehen überlebt, 1.400 im Versteck. 1.900 waren aus befreiten Konzentrationslagern zurückgekehrt.

Am 5. Juli 1988 konstituierte sich die Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum. 1990 wurde die goldene Kuppel fertiggestellt. 1991 kam der Davidstern dazu. 4

Am 7. Mai 1995 wurde die Neue Synagoge als Centrum Judaicum eröffnet. Anwesend waren der damalige Bundespräsident Roman Herzog, der damalige Kanzler Helmut Kohl und Eberhard Diepgen, ehemals Regierender Bürgermeister von Berlin.

Das Knoblauchhaus

Im Siebenjährigen Krieg 1759 kaufte der Nadlermeister Johann Christian Knoblauch ein Fachwerkhaus im Nikolaiviertel. Er ersetzte es durch ein Rokoko-Eckhaus. Der Familie diente das Haus neben der Nikoaikirche fast 170 Jahre als Wohn- und Geschäftssitz. Aus den Reihen der Knoblauchs gingen Kaufleute, Architekten, Wissenschaftler und Kommunalpolitiker hervor. Wichtige Personen waren Carl Friedrich Knoblauch (1765 – 1813) und Sohn Carl (1793 – 1859). Sie waren Seidenfabrikanten, Seidenhändler und Berliner Stadträte. Eduard Knoblauch (1801 – 1865) entwarf die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße (siehe oben). Ein Urenkel gründete 1868 das Böhmische Brauhaus. Heute beherbergt das Gebäude ein renommiertes Biedermeier-.Museum. Die rekonstruierten Wohnräume im ersten Stock sind den Mitgliedern der Familie Knoblauch gewidmet. In der zweiten Etage informieren Bilder und Gebrauchsgegenstände über das Leben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Haus waren Karl Friedrich Schinkel und Wilhelm von Humboldt früher prominente Dauergäste.

Nikolaikirche

Die Entstehung der Kirche wird um 1230 angenommen. Stilistisch liegt sie zwischen Spätromanik und Frühgotik. Sie wurde 1264 in einem Ablassbrief Bischof Heinrichs von Brandenburg erstmals urkundlich erwähnt. Der heilige Nikolaus gilt als Schutzheiliger der Fischer, Schiffer und Kaufleute. Der Namenspatron – der heilige Nikolaus – geht auf die historische Gestalt des Bischofs von Myra (Lykien) zurück.

Gewirkt hat in der Kirche der dichtende Pfarrer Paul Gerhardt (1607 bis 1676). Vertont wurden die Gedichte von Johann Crüger (1598 bis 1662) und später von Johann Georg Ebeling (1637 bis 1676). Der bedeutende protestantische Pietist Philipp Jakob Spener (1635 bis 1705) war in dieser Kirche Propst. Auch der Aufklärungstheologe Joachim Spalding (1714 bis 1804) lebte hier. Hervor stechen die plastischen Kunstwerke des Renaissance-Bildhauers Hans Schenk. 5

Die Nikolaikirche wird seit 1939 nicht mehr kirchlich genutzt. Sie fand 1987 ihre Bestimmung als Museum. Nach einer umfangreichen Sanierung steht sie seit 2010 wieder Besuchern aus nah und fern offen.

Das Heinrich Zille Museum

Heinrich Zille (1858 – 1929) hat vor allem dem von Armut geprägten Berlin – Leben in den Berliner Hinterhöfen – ein Gesicht gegeben. Durch seine unermüdliche Arbeit, die Umsetzung der Beobachtungen in Berlin spezifische Abbildungen des urbanen Lebens hat Heinrich Zille ein Werk geschaffen, das in seiner gelegentlich derben Qualität Generationen von Menschen anzog.

Fußnoten

 Michael Seiler, Pfaueninsel, Berlin München 2012, S. 2

Hermann Simon, Die Neue Synagoge Berlin, Berlin 2011, S. 77

3 Ebd.. S. 87 f.

4 Ebd. S. 97

5 Albrecht Henkys, Die Berliner Niloaikirche, Gotteshaus- Denkmal- Museum, Berlin 2014, S.44

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Berlin Oktober 2014

AquaDom Berlin Seit Mai 2004 existiert der AquaDom im CityQuartier „DomAquarée“. Es handelt sich um das größte zylindrische Aquarium seiner Art. Zu sehen ist ein Lebensraum Korallenriff mit sehr vielen Fischen. Der AquaDom wurde durch die Union Investment Real Estate GmbH gestaltet. Die biologische Betreuung liegt bei der Berliner Gesellschaft für Großaquarien (BGG). Der AquaDom ist 25 Meter hoch und hat ein Gesamtgewicht von 2000 Tonnen. Der Durchmesser beträgt 12 Meter. In über 1 Million Liter Wasser schwimmen mehr als 1.500 Fische von fast 100 verschiedenen Arten.

Bild: Aquadom -umgeben von Meeresfischen

AquaDom

So ruhig wie in Morgensterns „Fisches Nachtgesang“ ist es in dem Aufzug nicht, da viele Besucher den Reiz dieser Attraktion nutzen!

Wollen wir nur hoffen, dass so etwas wie in Schanghai in Berlin nicht möglich ist. Am 27. Dezember 2012 hieß es in der Augsburger Allgemeinen – „In Schanghai ist in einem Shopping-Center ein riesiges Aquarium  zerbrochen. Lebende Haie und Splitter ergossen sich über die Besucher.“

Französisch Buchholz

Die in der Mitte des Angers gelegene Kirche ist das älteste kulturhistorische Gebäude des Ortes Französisch Buchholz. Sie wurde wahrscheinlich bald nach der Dorfgründung errichtet, wahrscheinlich durch Mönche des 1180 gegründeten Zisterzienser-Klosters von Lehnin.

Französisch Buchholz KircheKirche von Französisch Buchholz

Das Dorf Buckholtz wird 1242 das erste Mal in einer Urkunde erwähnt, die den Besitz des Klosters festlegt. Bis zum Jahre 1250 wurde der älteste Teil der Kirche erbaut: ein Langhaus mit Rundbögen im Portal, einer flachen Balkendecke und kleinen rundbogigen Fenstern. Als Baumaterial dienten die in der Feldmark vorhandenen Feldsteine. Noch heute sieht man an dem Dachstuhl aus dieser Zeit die Merkmale einer ehemals vorhandenen Balkendecke. Um 1600 wurde unter die Balkendecke ein von Wandpfeilern getragenes Kreuzgratgewölbe eingezogen. 1 Am 1. November 1539 empfingen Kurfürst Joachim II. von Brandenburg- sonst eher ausschweifend- und seine Frau das Abendmahl nach evangelischem Ritus. Wenig später folgten Rat und Bürgerschaft von Berlin und Cölln dem Beispiel dieses wegweisenden Landesfürsten. Es war vollbracht – die Reformation war in Brandenburg eingeführt. Nach einer Quelle von 1541 werden für Buchholz eine Kirche, Küsterei und Küsterhaus sowie ein Pfarrhof erwähnt. Ein Pfarrhaus war damals nicht bekannt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg waren viele Bauernhöfe in Buchholz verwüstet oder verlassen. Das Edikt von Potsdam, auch Potsdamer Toleranzedikt genannt, war ein Toleranzedikt, das am 1685 vom Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg erlassen wurde. Er bot den in Frankreich wegen ihrer Religion verfolgten Protestanten, den Hugenotten, freie und sichere Niederlassung in Brandenburg an. Es entstand für Buchholz eine „Französische Kolonie“ durch Ansiedlung von französischen Hugenotten. Es ließen sich zwei Jahre später die ersten zehn Bauernfamilien und sechs Gärtnerfamilien aus Frankreich in Buchholz nieder. 1688 sind fast 90 Siedler nachweisbar. Ab 1689 diente die Kirche der evangelisch -lutherischen und der französisch-reformierten Gemeinde als Simultankirche. Der Ausdruck Simultankirche bezeichnet einen von mehreren christlichen Konfessionen in konfessioneller Parität gemeinsam genutzten Sakralbau. Die französische Gemeinde drang auf eine Renovierung, die der Kirche eine neue barocke Ausstattung einbrachte: Altar, Kanzel sowie einen Taufengel. 1705 und 1896 wurden je zwei größere gewölbte Fenster eingefügt, um die Lichtverhältnisse- mehr Licht – zu verbessern. 1814 wurde das Langhaus nach Osten verlängert und eine Apsis – über einem halbkreisförmigen, oft auch vieleckigen Grundriss errichteter, mit einer Halbkuppel überwölbter Raum, der einen Hauptraum, meist einen Kirchenraum, abschließt – angefügt. . Im Zweiten Weltkrieg wurden durch Luftangriffe die Orgel, ein Teil der Inneneinrichtung, Dachstuhl und Turm zerstört und von 1949 bis 1951 provisorisch repariert. Dabei wurde ein Pfeiler entfernt, der den Dachreiter auf der Ostseite trug.

Jüdisches Museum Berlin

Das Jüdische Musem Berlin befindet sich neben dem Barockgebäude des ehemaligen „Königlichen Collegienhauses“ in der „Lindenstraße 9 – 14“. Architekt des Gebäudes war Architekt Daniel Libeskind. Von oben wirkt das Museum wie ein zerborstener Davidstern. Das fünfgeschossige Gebäude wurde 1999 fertig gestellt. Unterirdisch ist der Bau mit dem alten Stadtmuseum verbunden. Ein Achsenkreuz im Museum wird von drei Achsen gebildet. Die „Achse der Vernichtung“ endet in einem leeren Turm, der den Holocaust symbolisiert. Die „Achse des Exils“ symbolisiert den Exodus deutscher Juden aus ihrer Heimat. Die „Achse der Hoffnung“ führt zu einer steilen Treppe. Sie verbindet die einzelnen Stockwerke und Ausstellungshallen. 2 Aktuell steht im Jüdischen Museum Berlin eine Ausstellung über die Beschneidung auf dem Programm. Mit dieser Ausstellung »Haut ab! Haltungen zur rituellen Beschneidung« gibt das Museum einen Einblick in die Bedeutung eines Rituals. Die Brit Mila, das rituelle Entfernen der Vorhaut am achten Lebenstag, ist eines der wichtigsten religiösen Gebote im Judentum.

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© Jüdisches Museum Berlin

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Fußnoten

1 Vgl. http://www.evangelisch-buchholz.de/cms/website.php?id=/de/kirche.htm&sid=c9d645f7e8d4cfc056adf8239d66cd20

2 Vgl. Bill Rebiger, Jüdische Stätten in Berlin, Berlin 2010, S. 26

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Schloß Schönhausen, Stadtschloß und Evangelische Kirche Alt-Pankow Juni 2014

Das Schloss Schönhausen liegt im Norden Berlins. Es entstand zwischen 1685 und 1690 für General Joachim von Grumbkow und ersetzte einen Vorgängerbau der Grafen zu Dohna. Kurz darauf erwarb Kurfürst Friedrich III. -der spätere König Friedrich I.- das Anwesen und ließ es bis 1709 von Johann Friedrich Eosander von Göthe ausbauen. Die Gartenfassade und einige Stuckdecken vermitteln bis heute ein Bild dieser Epoche. Zwischen 1740 und 1797 diente das Schloss als Residenz der preußischen Königin Elisabeth Christine, der Gattin Friedrichs des Großen. Die Hochzeit fand am 1733 im Schloss Salzdahlum statt. 1 Der König wies seiner Gattin Schloss Schönhausen bei Berlin als Sommerresidenz zu. Hier verbrachte Elisabeth Christine (1715 bis 1797) in den kommenden Jahrzehnten mit wenigen Ausnahmen die Sommermonate von Anfang Juni bis Anfang September. Während des siebenjährigen Krieges verbrachte die Königin drei Jahre in der Festungsstadt Magdeburg. Sie ließ das Schloss durch Johan Michael Boumann den Älteren 1763/64 im Stil des Rokoko um- und ausbauen. Neben dem prächtigen Festsaal und dem eleganten Treppenhaus sind in den Wohnräumen der Königin wertvolle Tapeten und die Zedernholzgalerie erhalten. Der Festsaal wurde durch eine Zwischendecke geteilt. 2 Seit 1825 wirkte im Garten des Schlosses Gartendirektor Peter Joseph Lenné. Sein Augenmerk galt der Gestaltung der Panke (Fluß,der in Berlin in die Spree mündet) mit Aufweitungen zur Seebreite und einer Insel. Der preußische Staat wurde 1918 Besitzer des Schlosses. Er setzte nach einem  Brand 1928 eine Instandsetzung durch. Der “Künstlerbund Norden” zeigte dort von 1931 an regelmäßig zeitgenössiche Kunst. Von 1938 bis 1941 war das Schloß Depot für “Entartete Kunst”. Geraubte Werke der klassischen Moderne wurden von hier ins Ausland verkauft. 3 1949 wurde das Schloss Amtssitz des ersten Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck (1876- 1960). Die Sicherheit spielte für die DDR-Führung eine tragende Rolle. Eine Mauer wurde um den inneren Park-und Schlossbereich errichtet. Die Tendenz, sich einzumauern war von Anfang an ein Prinzip der SED. Die Verbindung mit den umliegenden Ortsteilen wurde damit gekappt. Das Einmauern wurde 1961 für den ganzen Staat zum Prinzip. Wolf Biermann sang dazu in “Aah ja” bezogen auf die Waldsiedlung Wandlitz, die 1960 von SED-Politbüromitgliedern bezogen wurde und besser zu sichern war: Die Mauer steht – na grade die! Es konnt nicht anders sein konnt wohl nicht anders sein Doch die Erfinder – na grade die! Mauern sich selber ein in Wandlitz doppelt ein aah – ja! Aus der Zeit des W. Pieck stammen das Amtszimmer und der moderne Präsidentengarten. Das Schloss wurde von 1960 bis 1964 Sitz des Staatsrates der DDR.  Nach dem Tod Piecks wurde das Amt des Staatspräsidenten nicht mehr besetzt. Der jetzt gebildete Staatsrat trat bis 1964 in Schönhausen zusammen. Der Ausbau zum Gästehaus der DDR-Regierung erforderte den Einbau eines Fahrstuhles, neue Fußböden und Bäder. Die Staatsgäste wurden mit ihren Begleitern im Schloß untergebracht. Gegenüber wurde ein Appartmenthaus errichtet – für das Gefolge. Bis 1990 wurde Schönhausen als  Gästehaus der DDR- Regierung genutzt. Das erhaltene Staatsgästeappartement ist im Stil der 1960er-Jahre eingerichtet, während das Kaminzimmer die Neueinrichtung von 1978 zeigt. In diesen Räumen waren berühmte Persönlichkeiten wie Fidel Castro, Michail Gorbatschow , Nicolae Ceaucescu oder Muammer al Gaddafi zu Gast. 1989 bis 1990 tagte der Zentrale Runde Tisch im Gebäude der Präsidialkanzlei. 2004 zog die Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) in die Präsidial- kanzlei ein, 2005 wurde die “Stiftung Preußische Schlösser und Gärten” der Eigner des Schlosses.

Schloß Schönhausen Bild: Schloß Schönhausen

Das Berliner Stadtschloß 1698 wurde das Reiterdenkmal gestaltet. Andreas Schlüter, vom Kurfürsten Friedrich III. Als Hofbildhauer eingestellt, gestaltete eins der berühmtesten Reiterdenkmäler, das des Großen Kurfürsten. Dieser Potentat schlug am 25. Juni 1675 mit einem brandenburgisches Heer unter seiner persönlichen Führung in der Schlacht von Fehrbellin die Schweden entscheidend. Das Denkmal wird mit dem von Marc Aurel in Rom und Ludwig XIII. in Paris verglichen. Es zeigt den Kurfürsten in typisch barock-feudaler Pose. Der bedeutendste deutsche Barockarchitekt und -bildhauer, war Andreas Schlüter. Er wird 1699 zum Schlossbaumeister berufen. Er baut das Renaissanceschloss zur monumentalen Barockresidenz Deutschlands aus. 1701 wird Preußen zum Königreich erhoben. Der König zog im Triumphzug, vom Krönungsort Königsberg kommend, in das neue Schloss ein. Auch ein weiterer König weilte häufig im Schloß. Wilhelm I. nutzte es als staatlichen Repräsentationsort, z.B. für die Reichstagseröffnung, Zudem wurden darin Hofbälle veranstaltet. Im Mai 1944 entsteht der erste schwere Bombenschaden am Schloß. Nach dem 3. Februar 1945 brennt das Schloß vier Tage lang ab. Einen Löschversuch gab es nicht. Die SED ließ das Schloß am 7. September 1950 niederreißen. Die Wiederaufbau- arbeiten wurden von der SED mit 32 Millionen DDR-Mark angegeben, der Abbruch und die Einrichtung eines Aufmarschplatzes mit Tribüne wurde mit 8 Millionen angegeben. 1951 trat der Marx-Engels-Platz an die Stelle des Schlosses. Hier fanden Demonstrations- aufmärsche der DDR statt. 1991 beginnt die Diskussion um den Wiederaufbau des Schlosses. 2007 beschließt der Bundestag, das Schloß wieder zu errichten. 2012 beginnen die Erdarbeiten, ein Jahr später erfolgt die Grundsteinlegung.

Evangelische Kirche Alt-Pankow

Die Pfarrkirche hat den vielsagenden Namen “Zu den Vier Evangelisten”. Im Sumpfgebiet des Flusses “Panke” – bei ihm handelt es sich um einen Strudelfluß, an dem sechs Mühlen betrieben wurden- war der Ort Pankow lokalisierbar. 1230 wurde erstmalig eine Holzkirche erwähnt. 1420 entstand dann eine Feldsteinkirche,- sie steht bis heute im Zentrum von Pankow. 1539 ist der erste evangelische Pfarrer notiert. Joachim II. (1535 bis 1571) führte 1540 die Reformation in Berlin ein. 4 Waren es rein religiöse Gründe, die Joachim dazu bewegten, sich der Reformation anzuschließen?  Wahr- scheinlich nicht – durch seinen Entschluß konnte er den Kirchenbesitz komfiszieren, das heißt die Einnahmen der Berliner Hospitäler, Kirchen und Klöster. Geldnot trieb ihn um, sein Lebenswandel war ausschweifend, er feierte kostspielige Feste – sein Schloß ließ er erweitern. In seiner Zeit entstand der heutige “Kurfürstendamm”. Er ließ einen sogenannten Knüppeldamm er- richten, um vom Jagdschloß Grünewald möglichst schnell nach Hause zu kommen. Älteste Sakralgegenstände sind ein Abendmahlskelch von 1604 und eine Taufschale um 1600. Einen Ausbau erlebte die Kirche 1857 bis 1859 – es entstand ein dreischiffiger Anbau mit zwei Türmen nach den Vorstellungen des königlich-preussischen Baumeisters Friedrich August Stüler. Damals entstand auch der heutige Name. 5 Beschädigt wurde die Kirche im Zweiten Weltkrieg am Dach und an den Türmen. Die Schäden konnten 1951 behoben werden. Zu Zeiten des Nationalsozialismus war die Gemeinde laut eigener Aussage eine Hochburg der “Bekennenden Kirche”, die den “Deutschen Christen”, die völlig NS-ergeben agierten, entgegen stand. 1962 trat die Kirchengemeinde Alt-Pankow der Nagelkreuzgemeinschaft bei, die von der englischen Stadt Coventry ausging und für Völkerverständigung eintritt. In den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts wirkte der Pankower Friedenskreis, der zur friedlichen Revolution in der DDR beigetragen hat.

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Fußnoten

Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_Christine_von_Braunschweig-Bevern

2 Vgl. Schloß und Garten Schönhausen, Hrsg.: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburg, Berlin

München 2012, S. 6

3 Ebd., S 8

4 Vgl. Eckart Stratenschulte, Kleine Geschichte Berlins, München 2000, S. 18 f.

5 Vgl Evangelische Kirchengemeinde Alt-Pankow, Alte Pfarrkirche Pankow “Zu den vier Evangelisten, Informationsblatt o.O., o.J.

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Reisebericht Berlin August 2013

Zu dieser Zeit lief die an verschiedenen Orten der Stadt zu sehende Ausstellung “Zerstörte Vielfalt – Berlin 1933 bis 1938”. In der Zwischenstation des U-Bahnhofs Alexanderplatz konnte man sich die Präsentation “Aus Rot wird Braun – Die BVG nach 1933″ ansehen. Die Berliner Verkehrsgesellschaft galt als das Vorzeigeprojekt der sozialdemokratischen Kommunalpolitik in Berlin – Ende der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts. Sie beschäftigte bis zu 28.000 Menschen. Schon bald nach der “Machtergreifung” am 30. Januar sicherten die Nationalsozialisten ihren Einfuß. Ein sogenannter “Verkehrskommissar”, Johannes Engel, übernahm die Führung. Mit der Einrichtung eines “Werksicherheitsdienstes” traten Einschüchterung und Bespitzelung verstärkt auf. Vorausgegangen war der BVG-Streik von 1932, der von NSDAP und KPD getragen war.  Er war der Höhepunkt einer Welle von betrieblichen Teilstreiks, die auf Reichskanzler Franz von Papens Notverordnung vom September 1932 folgten. Unmittelbar vor den Reichstagswahlen vom 6. November 1932 begann der Streik. Er richtetete sich gegen eine Lohnkürzung, die zwischen der BVG und dem zu den freien Gewerkschaften gehörenden ” Gesamtverband der Arbeit- nehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs” ausgehandelt worden war. Der Gewerkschaft gelang es, die Kürzung auf 2 Pfennig pro Stunde abzusenken, die ursprünglich 14 bis 23 Pfennig pro Stunde betragen sollte. Engel bringt bevorzugt “alte Kämpfer” (NS- Sympathisanten) in den Betrieb. Schon 1936 entwickelte sich die BVG zum kriegswichtigen Betrieb. Im darauf folgenden Krieg werden viele Mitarbeiter eingezogen. Dadurch entstehen Personalengpässe, die zur Dienstverpflichtung von Frauen führen. Sie arbeiteten als Schaffnerinnen, 1940 kamen Zwangsarbeiter hinzu, die in Barackenlagern untergebracht wurden. Die Zwangsarbeiter werden häufig bei schweren Reparatur-, Gleisbau- und Aufräumarbeiten eingesetzt. 2  Auf den NS-Kurs hat Johnnes Engel (1894 bis 1973) die BVG gebracht. Er ist SS-Brigadeführer und Aufsichtsratsvorsitzender. Georg Speyer, jüdischer Mitarbeiter der BVG seit 1929 gilt als “Mischling 1. Grades” – sein Vater war Jude. 1936 wird er entlassen. Im Krieg konnte die BVG einen Notbetrieb aufrecht erhalten, der am 2. Mai 1945 offiziell eingestellt wurde.

BVG NS Plakat

BVG NS Plakat

Der Tierpark Berlin liegt im Ostteil Berlins. Er ist einer der beiden Zoologischen Gärten in Berlin. Er liegt im Ortsteil Friedrichsfelde des Bezirks Lichtenberg und ist mit 160 Hektar Fläche der größte Landschaftstiergarten in Europa. Die Fläche des Tierparks konnte kontinuierlich von anfänglich 60 Hektar auf heute 160 Hektar ausgedehnt werden. 3 Früher war er ein Vorzeigeobjekt der DDR. Der Zoo war zu DDR- Zeiten Träger des Karl-Marx-Ordens und des Vaterländischen Verdienstordens in Silber. Schade, dass es nicht auch einen Vaterländischen Tier-Verdienstorden gab! Im Gegensatz zu anderen Tiergärten fällt die Weitläufigkeit hier auf. Die Eisbären können hier sicher vor der Klimaerwärnung leben.

 

Eisbär im Tierpark Berlin

Eisbär im Tierpark Berlin

Flamingos im Tierpark Berlin

Flamingos im Tierpark Berlin

Das Schloss Friedrichsfelde liegt im Tierpark. Es wurde 1695 als Schloss Rosenfelde im Auftrag des kurbrandenburgisch Marinedirektors Benjamin Raule erbaut. Wechselnde Besitzer ließen es nach ihren Anforderungen umbauen und neu ausstatten.

Schloss Friedrichsfelde

Schloss Friedrichsfelde

Lohnend ist in jedem Fall ein Besuch des Hauses der Wannseekonferenz.

Haus der Wannseekonferenz

Haus der Wannseekonferenz

Die Wannseekonferenz bildet  einen traurigen Höhepunkt in der Geschichte der Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten. Die am 20.1.1942 stattfindende Konferenz war streng geheim. 15 führende Nationalsozialisten, Vertreter der SS und alle betroffenen Staatsbehörden beschloßen den organisierten Massenmord an den Juden. Laut dem Protokoll der Konferenz nahmen folgende Personen teil: An der am 20.1.1942 in Berlin, Am Großen Wannsee Nr. 56/58, stattgefundenen Besprechung über die Endlösung der Judenfrage nahmen teil: Gauleiter Dr. Meyer und Reichsamtsleiter Dr. Leibbrandt: Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete Staatssekretär Dr. Stuckart: Reichsministerium des Innern Staatssekretär Neumann: Beauftragter für den Vierjahresplan Staatssekretär Dr. Freisler: Reichsjustizministerium Staatssekretär Dr. Bühler: Amt des Generalgouverneurs Unterstaatssekretär Luther: Auswärtiges Amt SS-Oberführer Klopfer: Partei-Kanzlei Ministerialdirektor Kritzinger: Reichskanzlei SS-Gruppenführer Hofmann: Rasse- und Siedlungshauptamt SS- Gruppenführer Müller / SS-Obersturmbannführer Eichmann: Reichssicherheitshauptamt SS-Oberführer Dr. Schöngarth: Sicherheitspolizei und SD Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD im Generalgouvernement SS-Sturmbannführer Dr. Lange: Sicherheitspolizei und SD Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD für den Generalbezirk Lettland, als Vertreter des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD für das Reichskommissariat Ostland. 4 Zusätzlich nahm noch Reinhard Heydrich (SS-Obergruppenführer, Hauptredner und Vorsitz) teil. Heydrich berichtete über die Auswanderung von rund 537.000 Juden aus dem „Altreich“, Österreich sowie Böhmen und Mähren, an deren Stelle nach „vorheriger Genehmigung durch den Führer die Evakuierung der Juden nach dem Osten“ treten solle. Ab jetzt sollte also ein unwiderruflicher Zwang für die Juden entstehen, das “Altreich” zu verlassen.Für die Endlösung der europäischen Judenfrage“ eine Formulierung, die einem kollektiven Todesurteil gleich kam-  kämen rund elf Millionen Juden in Betracht. Wörtlich heißt es weiter in der sehr bürokratischen Sprache: „In großen Arbeitskolonnen, unter Trennung der Geschlechter, werden die arbeitsfähigen Juden straßenbauend in diese Gebiete geführt, wobei zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird. Der allfällig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen, da dieser, eine natürliche Auslese darstellend, bei Freilassung als Keimzelle eines neuen jüdischen Aufbaues anzusprechen ist.“ Ausrottung der Juden ist demnach das Ziel, das durch unscharfe Formulierungen kaum verdeckt wird, aber auch vorher schon geplant war.

Wannsee

Wannsee

Die idyllische Lage der Hauses der Wannseekonferenz kann kaum stärker kontrastieren mit der Brutalität der Beschlüsse der Wannseekonferenz Anfang 1942. Hier hat der deutsche Faschismus seine finalen Ziele formuliert, sein Völkermordprogramm konkretisiert. Vier Monate später wurde Reinhard Heydrich, Chef der Gestapo, in Prag ermordet. Ein Zeichen, dass der Widerstand gegen die Barbarei dieses Mannes frühzeitig erkennbar war. Protokollführer war Adolf Eichmann, der Leiter des Judenreferats der Geheimen Staatspolizei, der als solcher im Protokoll allerdings nicht gekennzeichnet ist. Ein Drittel der illustren Gesellschaft erlebt das Kriegsende nicht. Alfred Meyer und Rudolf Lange begingen 1945 Selbstmord. Ein elendes Schicksal wie viele seiner Opfer musste Roland Freisler erleiden – er starb bei einem Luftangriff im Keller des Volksgerichtshofes im Februar 1945. 5 Unterstaatssekrtär Martin Luther musste sich 1943 wegen einer Intrige gegen den Reichsaußenminister vor Gericht verantworten. Von ihm ist die 16. Ausfertigung von insgesamt 30 Protokollexemplaren bekannt. Sie wurde für den Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß verwendet. Ein weiteres Drittel der Herren verstarb in der unmittelbaren Nach- kriegszeit. Dem Rest gelang der Übergang in ein gutbürgerliches Nachkriegsleben. Gegen Klopfer und Leibbrandt wurde bezuglich der Teilnahme an der Wannseekonferenz ermittelt. Persönliche Schuld wollte man ihnen nicht nachweisen – sie blieben straffrei. 6

Adolf Eichmann äußerte sich bei einem Polizeiverhör in Israel am 1.Juni 1960 folgendermaßen zur Wannseekonferenz: “Ich kann mich entsinnen, dass irgendwie der eine oder andere der Anwesenden das Wort ergriff und wie das stets so geht.Ich hab zum ersten Mal im Leben auf einer solchen Konferenz, an der derart hohe Funktionäre wie Staatssekretäre teilnahmen, teilgenommen. Das geht eben sehr ruhig, sehr freundlich, sehr höflich und sehr artig und nett zu und es werden nicht viele Worte gemacht. Es dauert auch nicht lange. Es wird dann ein Cognac gereicht durch die Ordonanzen und dann ist die Sache eben vorbei. So ungefähr spielte sich die Wannsee-Konferenz ab. ‘Wannsee-Konferenz’ wurde sie genannt weil sie im Gästehaus des Reichssicherheitshauptamtes, das sich am Wannsee bei Berlin befindet, stattfand.” 7 1940 erwarb das Reichsicherheitshauptamt über die “Stiftung Nordhav”, eine Tarnorganisation, für 1,95 Millionen Reichsmark die Villa “Am Großen Wannsee 56/58″ vom Unternehmer Friedrich Minoux, der wegen Unterschlagung im Zuchthaus gelandet war. Der großbürgerliche Villenvorort hatte sich nach 1933 zum Reichsicherheitshauptamt-Standort gewandelt. In die Villa von Max Liebermann zog 1935 ein Erholungsheim der Reichspost ein, nachdem die Witwe Liebermanns gezwungen worden war, die Liegenschaft weit unter Wert zu verkaufen. Frau Liebermanns Auswanderung scheiterte, vor einer geplanten Deportation nach Theresienstadt beging sie 1943 Selbstmord.

Liebermann-Villa

Liebermann-Villa

Das Landhaus Oppenheim, “Am Großen Wannsee 43/45”, hieß seit 1937 “Wannsee-Institut” und stellte Ostforschungen an. Das “Institut für Staatsforschung” zog ebenfalls 1937 in die Königstraße 71. Institutsleiter war Prof. Dr. Reinhard Höhn, ein radikal nationalsozialistischer Rechtswissen- schaftler und Mitarbeiter von Reinhard Heydrich. Das Institut erarbeitete Gutachten und Gesetze für die Verwaltung der vom Deutschen Reich besetzten Gebiete. 8

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Wer sich mit der deutschen Teilung befassen will, der tut gut daran, der Gedenkstätte Berliner Mauer einen Besuch abzustatten. Als historischer Ort der Gedenkstätte ist gewählt: die Bernauer Straße an der Grenze zwischen den Berliner Stadtbezirken Wedding und Mitte. Sie war ein Brennpunkt der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Berliner Mauer stand vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989. Die Mauer wurde gebaut, um die Flucht vieler Menschen aus dem Osten in den Westen Deutschlands zu verhindern. Dreieinhalb Millionen flüchteten zwischen 1945 und 1961 aus der Sowjetischen Besatzungszone und 1949 der DDR in die Bundesrepublik. Wer sich für eine ausführliche Chronik interessiert, sei hierauf verwiesen. 9 Noch im Juni 1961 hatte der Parteichef der SED, Walter Ulbricht, dementiert, eine Mauer errichten zu wollen: “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.” 10 Am 12. August 1961 hieß es dann in einem Beschluss des DDR -Ministerrates: “Zur  Unterbindung der feindlichen Tätigkeit der revanchistischen und militaristischen Kräfte Westdeutschlands und Westberlins wird eine solche Kontrolle an den Grenzen der DDR einschließlich der Grenze zu den Westsektoren von Groß-Berlin eingeführt, wie sie an den Grenzen jedes souveränen Staates üblich ist. Es ist an den Westberliner Grenzen eine verlässliche Bewachung und eine wirksame Kontrolle zu gewährleisten, um der Wühltätigkeit den Weg zu verlegen. Diese Grenzen dürfen von Bürgern der DDR nur noch mit besonderer Genehmigung passiert werden.” 11

 

Zwischen 1961 und 1989 starben an der Berliner Mauer mindestens 136 Menschen. Eine besondere Art der Flucht bestand in der sogenannten Tunnelflucht, eine Art von Flucht, die aufwändig und mühselig war. Etwa 700 Tunnelgrabungen sind bekannt. Mehreren hundert Menschen gelang die Flucht – etwa ebenso viele wurden verhaftet und häufig zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. 12 Besonders anrührend sind Fluchten, bei denen Kinder zu Tode kommen. Ein 15 Monate altes Kind erstickte bei der Flucht seiner Eltern im Januar 1973. Das Baby hatte während der Kontrolle am Grenzübergang Drewitz in seinem Versteck zu schreien begonnen. Seine Mutter hielt ihm den Mund zu und bedachte dabei nicht, dass das Kind mit Mittelohrentzündung und Bronchitis nicht durch die Nase atmen konnte. 13 Ansonsten gelang die Flucht, die Familie wurde  nicht entdeckt.14

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Schon vier Jahre vorher (2009) konnte man sich durch einen Besuch von Hohenschönhausen über den Haftalltag in der DDR informieren. Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen befindet sich an einem Ort, der wie kaum ein anderer in Deutschland mit der 44jährigen Geschichte politischer Verfolgung in der DDR verknüpft ist. Auf dem Gelände einer ehemaligen Großküche im Nordosten Berlins wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein sowjetisches Speziallager errichtet. Hier war unter anderen Stefan George inhaftiert. Nach der Schließung des Lagers im Oktober 1946 entstand im Keller des Gebäudes das zentrale sowjetische Untersuchungsgefängnis für Ostdeutschland. 1951 übernahm dann das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) – populär auch die Stasi genannt – das Gefängnis. 1961 entstand ein Neubau. Bis 1989 diente es als Untersuchungshaftanstalt. Tausende politisch Verfolgte waren an diesem Ort inhaftiert, darunter fast alle bekannten DDR-Oppositionellen. Dass ein Untersuchungshäftling nichts zu lachen hatte, ist den Ordnungs- und Verhaltensregeln von 1968 zu entnehmen. Diese wurden von der Staatssicherheit festgelegt. Der Name eines Häftlings wurde durch eine Nummer ersetzt. Beim Öffnen der Zelle musste eine bestimmte Position eingenommen werden. Der Türspion überwachte ständig die Häftlinge- auch beim Schlafen und beim Toilettengang. Extreme Reglementierung zeigte sich zum Beispiel durch das Verbot, während der  Nacht die Hände unter die Decke zu nehmen oder den Kopf vom Türspion wegzudrehen. Die Pritsche durfte während des Tages nicht benutzt werden. Der Höhepunkt der Dressur kommt noch. Es wurde eine Ampelanlage installiert auf den  Fluren. Sie sorgte dafür, dass der Häftling auch beim Gang zur Dusche keine Mithäftlinge zu Gesicht bekommen sollte.  Der Kommandoton des Wachpersonals bestand darin, dass die Gefangenen mit “Kommse” oder “Gehense” angesprochen wurden. Der Anblick einer grünen Umwelt blieb Gefangenen oft monatelang verwehrt. 15

 

Fußnoten

1 Vgll.:  http://de.wikipedia.org/wiki/Streik_bei_der_Berliner_Verkehrsgesellschaft_1932

Aus rot wird braun – Die BVG nach 1933- Ausstellung im U-Bahnhof Alexanderplatz (Zwischengeschoss) 16.Mai – 31. Dezember 2013- Ausstellungsflyer

Vgl.  http://de.wikipedia.org/wiki/Tierpark_Berlin

Siehe http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/wannseekonferenz/

Vergl.: Die Wannseekonferenz und der Völkermord an den europäischen Juden. Katalog der ständigen Ausstellung –Haus der Wannsee-Konferenz, Berlin 2008, S. 100

6 Ebd. Euphemistisch heißt es da:” Die deutsche Justiz sah sich nicht in der Lage, ihnen politische Schuld nachzuweisen.”

7 Ebd., S.120

8 . Vgl. ebd. S. 182 f.

  http://www.chronik-der-mauer.de/

10 Walter Ulbricht auf einer internationalen Pressekonferenz in Ost-Berlin, 15.Juni 1961

11 Hans-Hermann Hertle, Die Berliner Mauer. Biografie eines Bauwerkes,  Bonn 2011, S. 45

12  Ebd., S.73

13  Lea Hampel – Kinder als Maueropfer Jung, unschuldig, tot, in: Der Tagesspiegel vom 13.08.2009

14 Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961 – 1989. Ein biograpisches Handbuch, Hrsg.: Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und Stiftung Berliner Mauer, Berlin 2009, S. 334

15 Vgl.: Peter Erler, Hubertus Knabe, Der verbotene Stadtteil – Stasi-Sperrbezirk Berlin – Hohenschönhausen, Berlin 2008 (Dritte Auflage), S.62 f.

Literatur

“Zerstörte Vielfalt – Berlin 1933 bis 1938”, Hrsg.: Deutsches Historisches Museum, Berlin 2013

http://de.wikipedia.org/wiki/Streik_bei_der_Berliner_Verkehrsgesellschaft_1932

Die Wannseekonferenz und der Völkermord an den europäischen Juden. Katalog der ständigen Ausstellung – Haus der Wannsee-Konferenz, Berlin 2008 Hans-Hermann Hertle, Die Berliner Mauer. Biografie eines Bauwerkes,  Bonn 2011

http://de.wikipedia.org/wiki/Tierpark_Berlin http://berliner-unterwelten.de/die-fluchttunnel-von-berlin.695.0.html

Peter Erler, Hubertus Knabe, Der verbotene Stadtteil – Stasi-Sperrbezirk Berlin – Hohenschönhausen, Berlin 2008 (Dritte Auflage)

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Veröffentlicht 14. November 2014 von schauerchristian in Reiseberichte Berlin 2015, 2014 und 2013

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