Archiv für November 2014

Reiseberichte Berlin 2015,2014 und 2013

Reisebericht Berlin August 2015

Pfaueninsel

Die Erschließung der Insel beginnt mit Friedrich Wilhelm II. Was steckte dahinter: die Liebe. Schon als Kronprinz hatte er sich als Frühvollendeter zusammen mit der 13-jährigen Wilhelmine Encke, der Tochter eines Hoftrompeters und Gastwirtes, zu romantischen und erotischen Aufenthalten auf die verwilderte Insel übersetzen lassen. Was kann daraus nur folgen? Wilhelmine wird mit fünfzehn Mutter – die Jugend ist vorbei. Es heißt, der König legte großen Wert auf den Erhalt de Wildnishaften der Insel- möglicherweise hat ihn seine innere Wildheit dazu veranlasst – er war ein Getriebener der Wildnis sozusagen. „Zurück zur Natur“ spielte damals als Motto Rousseaus im Denken des Monarchen eine große Rolle.1

1793 war es dann soweit Durch eine Kabinettsorder vom 12. November übermittelte Friedrich Wilhelm II. seinen Wunsch: „[…] Zu dem Amte Bornstedt gehört eine in der Havel liegendeInsel, genannt der Caninchenwerder, welche ich der Lage halber zu einigen Anlagen selbst übernehmen will“. Der Kern der Insel mit 200 bis 300 alten Eichen blieb als Wildnis unverändert. Die Insel gelangte vom Militärwaisenhaus in Potsdam in den Besitz des Königs. Unter Friedrich Wilhelm II. wurden besonders zwei Bereiche gestaltet: das Schloss am Ufer der Westspitze einerseits. Im Wiesenland im Osten der Insel entstand die Meierei.

Der Schlossbau begann 1794, die Innenausstattung wurde 1795 vollendet. Der Bauplatz sollte vom Marmorpalais aus zu sehen sein. Das Gebäude sollte einem römischen Landhaus ähneln.

Den Kern der Insel bildeten 200 bis 300 alte Eichen – während der Erschließungszeit durch die Bauwerke von Friedrich Wilhelm II. Die Bauleitung lag beim Geheimkämmerer Johann Friedrich Ritz, der durch eine Scheinehe mit Wilhelmine, geborene Encke, liiert war. Ihr wurden sämtliche Bauplanungen vorgelegt. Der Baubeginn des Schlosses war das Frühjahr 1794. Die Bezeichnung Kanincheninsel war bald obsolet – man nannte sie bald Königliche Pfaueninsel.

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Bild: Pfaueninsel

Viele Pfauen sind tatsächlich auf der Insel zu sehen. Seinen Fächer breitete leider keiner aus. Man denkt hier unwillkürlich an das Lied von Leonard Cohen „The story of Isaac“

“And mercy on our uniform

Man of peace or man of war

The peacock spreads his fan”

Das Kavalierhaus wurde 1803/04 als Gärtnerwohnung erbaut. Auf der Pfaueninsel entstanden in den 1960er Jahren Außenaufnahmen für mehrere Edgar Wallace Filme. Neben dem Englischen Landschaftspark diente bei diesen Filmen häufig das Kavaliershaus als Kulisse für Außenaufnahmen. Seine Architektur erinnert an englische Landhäuser.

Die Neue Synagoge Berlin

Am 5. September 1866 fand die Einweihung der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße statt. Von der Reichspogromnacht (9. 10. November 1938) blieb auch die Neue Synagoge nicht verschont. Von SA-Leuten war im Raum vor dem Eingang zur Hauptsynagoge Feuer gelegt worden, das jedoch gelöscht wurde. Viele Synagogen in Berlin waren in dieser Nacht in Brand gesteckt worden. In der Synagoge Oranienburger Straße war nur Inneren ein Brand entstanden. Durch das schnelle Eingreifen des Portiers Wainschel und anderer konnten die Flammen bald gelöscht werden. Die Rettung der Synagoge war Polizeioberleutnant Wilhelm Krützfeld zu verdanken. Eine Brandstiftung größeren Ausmaßes fand nicht statt. Die Synagoge war vorerst bewahrt. Zum Pessachfest 1939 konnte die Neue Synagoge wieder bezogen werden. Gemeindevorsteher Heinrich Stahl und Rabbiner Max Nussbaum betraten das Gebäude trotz Versiegelung. Der Rabbiner berichtete 1970 darüber: „ Über dem Schrein gewahrten wir unser eigenes Wunder, das des zwanzigsten Jahrhunderts: Das Ewige Licht brannte, es hatte während des 9. und 10. November gebrannt (…). Es war ein unvergesslicher Anblick – Symbol und Botschaft zugleich (…)“3

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Bild: Neue Synagoge

Die goldene Kuppel musste mit grauer Farbe übertüncht werden – dies verlangten die Behörden des NS-Regimes aus Luftschutzgründen. Die Übermalung geschah am 14. September 1939. In Inneren fand der Gottesdienst zum Jüdischen Neujahrsfest statt. Der letzte Gottesdienst fand am 30. März 1940 statt. Am 11. Juni 1943 geschah die Beschlagnahmung der Häuser Oranienburger Straße 28-31 durch die NS-Behörden. Rechtsgrundlage war die „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“. Womöglich lagerten im Kellerraum Unterlagen des Reichssippenamtes. Diese Behörde verwaltete seit 1939 die nach der Reichpogromnacht beschlagnahmten Akten des Gesamtarchivs der deutschen Juden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte in Berlin nur noch ein kleiner Teil der ehemaligen jüdischen Bevölkerung – Im November 1949 waren es insgesamt 7.900 Juden. 4.600 hatten in Mischehen überlebt, 1.400 im Versteck. 1.900 waren aus befreiten Konzentrationslagern zurückgekehrt.

Am 5. Juli 1988 konstituierte sich die Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum. 1990 wurde die goldene Kuppel fertiggestellt. 1991 kam der Davidstern dazu. 4

Am 7. Mai 1995 wurde die Neue Synagoge als Centrum Judaicum eröffnet. Anwesend waren der damalige Bundespräsident Roman Herzog, der damalige Kanzler Helmut Kohl und Eberhard Diepgen, ehemals Regierender Bürgermeister von Berlin.

Das Knoblauchhaus

Im Siebenjährigen Krieg 1759 kaufte der Nadlermeister Johann Christian Knoblauch ein Fachwerkhaus im Nikolaiviertel. Er ersetzte es durch ein Rokoko-Eckhaus. Der Familie diente das Haus neben der Nikoaikirche fast 170 Jahre als Wohn- und Geschäftssitz. Aus den Reihen der Knoblauchs gingen Kaufleute, Architekten, Wissenschaftler und Kommunalpolitiker hervor. Wichtige Personen waren Carl Friedrich Knoblauch (1765 – 1813) und Sohn Carl (1793 – 1859). Sie waren Seidenfabrikanten, Seidenhändler und Berliner Stadträte. Eduard Knoblauch (1801 – 1865) entwarf die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße (siehe oben). Ein Urenkel gründete 1868 das Böhmische Brauhaus. Heute beherbergt das Gebäude ein renommiertes Biedermeier-.Museum. Die rekonstruierten Wohnräume im ersten Stock sind den Mitgliedern der Familie Knoblauch gewidmet. In der zweiten Etage informieren Bilder und Gebrauchsgegenstände über das Leben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Haus waren Karl Friedrich Schinkel und Wilhelm von Humboldt früher prominente Dauergäste.

Nikolaikirche

Die Entstehung der Kirche wird um 1230 angenommen. Stilistisch liegt sie zwischen Spätromanik und Frühgotik. Sie wurde 1264 in einem Ablassbrief Bischof Heinrichs von Brandenburg erstmals urkundlich erwähnt. Der heilige Nikolaus gilt als Schutzheiliger der Fischer, Schiffer und Kaufleute. Der Namenspatron – der heilige Nikolaus – geht auf die historische Gestalt des Bischofs von Myra (Lykien) zurück.

Gewirkt hat in der Kirche der dichtende Pfarrer Paul Gerhardt (1607 bis 1676). Vertont wurden die Gedichte von Johann Crüger (1598 bis 1662) und später von Johann Georg Ebeling (1637 bis 1676). Der bedeutende protestantische Pietist Philipp Jakob Spener (1635 bis 1705) war in dieser Kirche Propst. Auch der Aufklärungstheologe Joachim Spalding (1714 bis 1804) lebte hier. Hervor stechen die plastischen Kunstwerke des Renaissance-Bildhauers Hans Schenk. 5

Die Nikolaikirche wird seit 1939 nicht mehr kirchlich genutzt. Sie fand 1987 ihre Bestimmung als Museum. Nach einer umfangreichen Sanierung steht sie seit 2010 wieder Besuchern aus nah und fern offen.

Das Heinrich Zille Museum

Heinrich Zille (1858 – 1929) hat vor allem dem von Armut geprägten Berlin – Leben in den Berliner Hinterhöfen – ein Gesicht gegeben. Durch seine unermüdliche Arbeit, die Umsetzung der Beobachtungen in Berlin spezifische Abbildungen des urbanen Lebens hat Heinrich Zille ein Werk geschaffen, das in seiner gelegentlich derben Qualität Generationen von Menschen anzog.

Fußnoten

 Michael Seiler, Pfaueninsel, Berlin München 2012, S. 2

Hermann Simon, Die Neue Synagoge Berlin, Berlin 2011, S. 77

3 Ebd.. S. 87 f.

4 Ebd. S. 97

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Veröffentlicht 14. November 2014 von schauerchristian in Reiseberichte Berlin 2015, 2014 und 2013