Archiv für Mai 2014

Ägypten – Reader

Leserbrief zu: Todesurteile gegen Muslimbrüder bestätigt, in Main-Echo vom 23.6.2014 Das extreme Morden in Ägypten muss endlich aufhören. Todesurteile können in keiner Weise geeignet sein, einen Weg aus der Krise aufzuweisen. Zu viele Menschen sind schon gestorben als dass die neuen Machthaber nicht wenigstens einmal versuchen müssten, einen Weg der Aussöhnung zu begehen. Der prominente ägyptische Oppositionelle Alaa Abd al-Fattah wurde Anfang Juni zusammen mit 24 anderen Aktivisten zu jeweils 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Schnellgericht in der Polizeiakademie von Kairo habe den jungen Blogger und die Mitangeklagten wegen “Aufstachelung zur Gewalt” verurteilt, meinte sein Vater. Das Urteil dokumentiert, dass die Behörden unter dem neuen Präsidenten Abd Al-Fattah al-Sisi in Ägypten wieder diktatorische Verhältnisse schaffen wie zu Mubaraks Zeiten. Er kritisierte Ex-Präsident Mubarak, Muslimbruder Mursi oder General Al-Sisi: Der ägyptische Satiriker Bassem Youssef hat sich mit allen Mächtigen in Ägypten angelegt. Dem Druck weicht er nun aus: Jetzt zieht er sich aus Angst um seine Sicherheit aus dem Showgeschäft zurück.” Ich bin müde und fühle mich in meiner persönlichen Sicherheit bedroht”, meinte er zur Begründung. Auch das war Anfang Juni und zeigt, dass auch von dem neuen Machthaber Al-Sisi eine Demokratie mit garantierter Meinungs- und Kunstfreiheit nicht zu erwarten ist. Der Satiriker hatte sich zuvor über die “ach so spannende” Präsidentenwahl lustig gemacht. Damit hat er zwar recht, denn der Sieger stand schon vorher fest. Aber Ironie ertragen Diktatoren nicht. Mursi so wenig wie Al-Sisi.

C. Schauer, in: Main-Echo online vom 3.7.2014, Print-Ausgabe vom 7.7.2014

——————————————————————————————

Ägypten – Reader

Frühe Kämpfe zwischen Kopten und Muslimen

Nach der Eroberung Syriens durch die muslimischen Araber begannen diese 639 mit 9.000 Mann, Ägypten zu erobern. Nach ihrem Sieg bei Heliopolis über die Byzantiner wurde das ganze Land besetzt. Alexandria kapitulierte aber erst 642, nachdem den Kopten (ägyptischen Christen) unter dem Patriarchen von Alexandria die Religionsfreiheit zugesichert worden war. Die islamischen Herrscher waren nach ihrem Sieg im 7.Jahrhundert in Ägypten weniger an einem Religionswechsel als an den Abgaben der Kopten interessiert. Dies änderte sich mit Al Hakim bi Amrillah, dem sechsten Kalifen der Fatimiden-Dynastie. Im Jahr 1003 begann die Verfolgung der Kopten. Der Anlaß war eine baufällige koptische Kirche in Al Kahira. Die Bauarbeiten ärgerten die muslimischen Bewohner des Stadtviertels. Vom Kalifen bekamen die Muslime die Erlaubnis, die Kirche niederzureißen. Die Kopten wehrten sich, konnten sich aber nicht durchsetzen, es gab Tote und Verletzte. In den folgenden Jahren wurden Gesetze erlassen, die den Kopten das Leben erschwerten. Alle Kirchengüter wurden beschlagnahmt, Christen hatten schwarze Gürtel und schwarze Turbane zu tragen, sie durften nicht auf Pferden reiten, die Palmsonntag-Prozession wurde verboten. Der koptischen Beamtenschaft wurde von den Muslimen vorgeworfen, Muslime mit härteren Methoden zur Steuerzahlung zu zwingen als Kopten. Der Chef der Finanzverwaltung, ein Christ, wurde daraufhin auf Befehl des Kalifen hingerichtet. Eine frühe Talibanisierung fand unter diesem Kalifen statt. Das Leben der Menschen wurde auf das Jenseits abgerichtet. Der Gesang und das Musikspielen wurde verboten. Der Alkoholgenuß wurde streng bestraft. Schmuck war nicht erlaubt, der Hundebesitz verboten, Schachspiele mussten abgegeben werden und wurden im Kalifen-Palast verbrannt.

Napoleon in Ägypten

1798, als der spätere Kaiser der Franzosen noch der Revolutionsgeneral Bonaparte war, führte er ein Heer von 38000 Soldaten nach Ägypten. Sein Ziel war es, Englands Vormachtstellung im Nahen Osten zu brechen und Englands Handel mit seinen indischen Kolonien zu bedrohen. Denn die Engländer, die unangreifbar auf ihrer trotzigen Insel saßen, waren die ständigen Feinde der revolutionären Franzosen. Durch die Versenkung der französischen Flotte in der Schlacht von Abukir wurde der Seeweg blockiert und Napoleons Armee vom Nachschub abgeschnitten. Das Expeditionskorps zog daraufhin drei Jahre lang durch das Landesinnere und nach Syrien, bis es den Briten schließlich 1801 unterlag. Napoleon war bereits im August 1799 heimlich nach Frankreich zurückgekehrt. Bonaparte wußte damals über die Herkunft des Nilwassers: „Der Nil wird durch die Vereinigung des Blauen und des Weißen Flusses gebildet. Der erstere entspringt dem See Dembea. Unter dem 11. Breitengrad durchbricht er einen Bergkette und stürzt in Tälern dieser Berge über sechs Katarakte, deren Fallhöhe jeweils 10 bis 12 Meter beträgt. Unter dem 14. Breitengrad empfängt er den Fluß Dender, der Nubien von Abessinien trennt. Der Weiße Nil entspringt unter dem 8. Breitengrad, östlich vom Blauen Nil. Er durchbricht dieselbe Bergkette. Die Anzahl seiner Wasserfälle ist jedoch unbekannt. Die beiden Flüsse vereinigen sich unter dem 16. Breitengrad.“1

Die Moslembruderschaft

Die sunnitische Muslimbruderschaft ging 1928 aus einer kleinen Gruppe von Männern um den Grundschullehrer Hasan al-Banna (1906–1949) hervor, die sich als “Brüder im Dienste des Islam” verstanden. Ziel war die Verbreitung islamischer Moralvorstellungen und die Unterstützung wohltätiger Aktionen und sozialer Einrichtungen, aber auch die Befreiung des Landes von der fremden Okkupation sowie der Kampf gegen die britisch-westliche „Dekadenz“, die sich im Lande ihrer Meinung nach offenbarte. Die mitunter auch als “Mutterorganisation des politischen Islams” bezeichnete Muslimbruderschaft versucht, die Regierungen ihrer jeweiligen Heimatstaaten abzulösen und einen islamischen Gottesstaat auf der Grundlage der Scharia zu errichten. In den 1930er Jahren politisierte sich die Bruderschaft stärker und setzte sich für das Ziel der Rückkehr zum ursprünglichen Islam und der Errichtung einer islamischen Ordnung ein. Al-Banna wandte sich 1936 mit diesem Ziel in dem Traktat „Aufbruch zum Licht“ (nahwa an-nūr) an den ägyptischen König und andere arabische Staatsoberhäupter. Er trat auch für den bewaffneten, offensiven Dschihad gegen Nicht-Muslime und deren Helfer ein. 2 1938 initiierte die „Bruderschaft“ gewalttätige Proteste gegen Juden mit Parolen wie „Nieder mit den Juden“ und „Juden raus aus Ägypten“. 1938 erschien Al-Bannas Werk „Die Todesindustrie“, in welchem die Abwendung vom Leben radikalisiert und die Verherrlichung des Märtyrertums entfaltet wird: „Derjenigen Nation, welche die Industrie des Todes perfektioniert und die weiß, wie man edel stirbt, gibt Gott ein stolzes Leben auf dieser Welt und ewige Gunst in dem Leben, das noch kommt.“ Sie hatte 1941 schon ungefähr 60.000, 1948 ungefähr 500.000 Mitglieder und Hunderttausende Sympathisanten. Sie war streng hierarchisch organisiert. Ihr Anführer, Hassan el-Banna, bestand auf der unverzichtbaren Präsenz des Islam im politischen Leben. Die mächtige Organisation unternahm nichts gegen die Besatzungsmacht. Die Handlungsweise gegenüber der Nationalen Front war extrem. Eine Serie von Attentaten prägte ihr Tun. Die Mordanschläge auf Mustafa el-Nahas (am 6. Dezember 1945, am 25. April 1948 und im November 1948), die Ermordung von Amin Osman durch Hussein Taufik (am 5. Januar 1946), der Sprengstoffanschlag auf das Metro-Kino (am 6. Mai 1947), die Ermordung des Vizepräsidenten des Appelationsgerichtes von Kairo, Ahmed al-Chazindar (am 22. März 1948), die wiederholten Bombenanschläge auf jüdische Geschäfte und Wohnviertel (Cicurel und Oreco), das Warenhaus Ades im Juli 1948, Benzion, Gattegno, die Me’adi Company im August; doch vor allem im September die Anschläge auf das Harit el-Yahúd, das jüdische Viertel, (die 20 Tote und 61 Verletzte forderten), die Explosion in der Galal Street im November 1948 und die Lancierung eines mit Sprengstoff beladenen Jeeps, der am 5. November 1948 in Kairo entdeckt wurde.3 Am 4. Dezember 1948 wurde General Selim Zaki, Polizeichef von Kairo, in unmittelbarer Nähe der medizinischen Fakultät, in seinem gepanzerten Dienstfahrzeug ermordet. Das Ziel des Terrors war, die Regierung zu einer Aufhebung der politischen Freiheiten zu zwingen. Letzere sah sich ihrerseits gezwungen, die Muslimbrüderschaft zu zerschlagen. Die Behörden reagierten so ihrerseits mit verstärkter Verfolgung. Al-Banna wurde schließlich am 12. Februar 1949 in Kairo, wahrscheinlich im Auftrag des ägyptischen Königshauses, erschossen; der Attentäter wurde nicht gefasst.4

Der Brand Kairos am 26. Januar 1952

Am 25. Januar verschanzte sich die Provinzpolizei in Ismailia und führte ein 12-stündiges Gefecht gegen britische Panzer und Artillerie, die sie unter gezieltem Feuer hielten. Es folgte ein Massaker unter der Fellachenpolizei. Am folgenden Tag kam es zu einem Generalstreik. Studenten und Arbeiter zogen zum Zentrum von Kairo. Staaatsminister Fattah Hassan versprach einen Abbruch der Beziehungen zu Großbritannien und einen Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion. Kurz vor Mittag traten die Brandleger in Aktion. Sie trugen Listen bei sich, auf denen die Reihenfolge der anzuzündenden Häuser verzeichnet war. Wer waren dies Leute? Einerseits Militärs aus der alten Partei von Ahmed Hussein, die Grünhemden der Jungägypter. Dann die Fanatiker von „Schabab Mohammed“, die die „Rückkehr in die Wüste“ predigten. Nicht zuletzt Anhänger der Muslimbrüderschaft. Mittels einer Angstpsychose versuchten sie, eine antijüdische Stimmung zu erzeugen, die es bisher in Ägypten nicht gab. Die Organisation richtete ihre Zerstörungskampagne gegen die Bars und Unterhaltungszentren von Kairo und Alexandria. Sie schossen auf Liebespaare in dunklen Vorstadtstraßen und predigten religiösen Fanatismus. Um die Mittagszeit stand der Geschäftsbezirk, die moderne City im Herzen Kairos, in Flammen. Die Demonstranten starrten auf die Taten der Brandstifter, die sich mit Hunderten von jungen arbeitslosen Landstreichern aus dem Lumpenproletariat von Kairo verbündet hatten. Ahmed Hussein, Führer der Sozialistischen Partei, wurde angeklagt und später von Innenminister Nasser wieder freigelassen. Sieben Brandstifter wurden zu langjähriger Zwangsarbeit verurteilt und 1959 wieder freigesprochen.

Der Militärputsch von 1952

Die jungen Führungskräfte der Armee waren sämtlich von nationalistischen Ideen beeinflußt. Die meisten waren Wafdisten oder Mitglieder der Moslembruderschaft, eine Minderheit Marxisten. Einige waren Anhänger von Ahmed Hussein. Sie unterstützten General Aziz el-Masri. Er war Stabschef und wurde wegen seines Zusammenspiels mit der Achse 1942 von den Briten aus seiner Position entfernt. Am 23. Juli um drei Uhr morgens besetzte die führende Gruppe der Freien Offiziere das Generalhauptquartier der Armee in Abbassia. Das Oberkommando wurde verhaftet. Drei Tage später muße König Faruk abdanken und Ägypten für immer verlassen. „Die Hauptursache für die Revolution“, schrieb Nasser später in einem Buch „lag in der Notwendigkeit, unseren Lebensraum zu erweitern angesichts des Anwachsens der Bevölkerung, das sich im Laufe der letzten Jahre auf Millionen beläuft und den Produktionsmechanismus fast vollständig gelähmt hat, was für das Land die ernstesten Gefahren mit sich brachte …“

Das Landproblem

Der Gott Pharao war bis zum Ende des Alten Reiches mitsamt einer zentralistischen Bürokratie Herrscher über das Wassersystem – das Ausheben von Bewässerungskanälen und die Regulierung des Nilwasserstandes. Bewässerungs- und Drainagearbeiten beanspruchten einen großen Teil der Arbeitskraft. Es war nicht möglich, diese hydraulischen Aufgaben auf nur lokaler Ebene zu erledigen. Der Pharao war als Herr über Bewässerung und Arbeitsverteilung der alleinige Besitzer des ägyptischen Landes. Seine ausführenden Organe waren Minister, Gebietsverwalter und Priester. Unter Ramses II. im 13. Jahrhundert vor Christus bestand dann die dreifache Aufteilung des Landes unter dem König, den Priestern und den Kriegern. Privaten Landbesitz gab es während des Mittleren Reiches, danach wurde dieser wieder aufgehoben. Auch unter den Lagiden (Dynastie 322 bis 30 vor Christus) scheint der König im Besitz des überwiegenden Teils des ägyptischen Grund und Bodens gewesen zu sein. Auch die Eroberung Ägyptens durch die Araber brachte in der Struktur des Landbesitzes nicht viel Wandel. Die Institution der Wakf (im muslimischen Recht ein ständig der Nutznießung für religiöse oder wohltätige Zwecke zur Verfügung stehender Besitz) faßte Fuß in Ägypten bis 1954. Der Staat war alleiniger Besitzer des ägyptischen Bodens – Nutznießer waren jedoch nicht ausgeschlossen. Es gab drei Hauptformen: die erste bestand darin, daß das Land der Priesterschaft oder den religiösen Institutionen als Entschädigung für die gewährte Unterstützung zur Nutzung übergeben wurde. Später dann gab es die Landzuteilung an Militärführer, deren Unterstüzung sich das Königshaus sichern wollte.5 Zudem gab es noch die Form, in der reichen Bauern Grund und Boden gegen Übernahme von steuerlichen Verpflichtungen und Naturalienzahlungen übergeben wurde.

Ramses II.

Ramses II.

Nur zweimal, im Mittleren Reich und unter den Mameluken, gingern die nutznießenden Militärführer und die Geistlichkeit über die Beschränkungen hinaus und fingen an, ihr Land zu vererben oder es einer dritten Partei zu überlassen. Die zentrale Macht gewann nach kürzester Zeit wieder die Oberhand. Die Mehrheit der Bauern lernte bis ins 17. und 18. Jahrhundert nie einen eigenen Grundbesitz kennen. Friedrich Engels meinte zu Thema Privateigentum im Orient: „Woher kommt es, daß die Orientalen nicht zum Grundeigentum kommen, nicht einmal zum feudalen? Ich glaube, es liegt hauptsächlich am Klima, verbunden mit den Bodenverhältnissen, speziell mit den Wüstenstrichen… Die künstliche Bewässerung ist hier die erste Bedingung des Ackerbaus, und diese ist Sache entweder der Kommunen, Provinzen oder der Zentralregierung. Die Regierung im Orient hatte immer auch nur drei Departements: Finanzen (Plünderung des Inlands), Krieg (Plünderung des Inlands und des Auslands) und Travaux Publics, Sorge für die Reproduktion…“ Von der Zeit der Pharaonen bis heute bildete Ägypten eine einzige geschlossene nationale Einheit. Die Multazimin, die oberen Steuereinnehmer, mußten sich für ihren Posten jedes Jahr durch die Erlegung des Gesamtsteueraufkommens aus ihrem genau abgegrenzten Gebiet entlasten. Sie hatten daher diese Summe mit allen verfügbaren Mitteln aufzubringen und taten das, indem sie den Bauern große Belastungen auferlegten. Das System des Grundbesitzes vor Mohammed Ali entspricht einem „orientalischen Feudalismus“, dessen Grundlagen im Gegensatz zu denen des europäischen Feudalismus im Fehlen privaten Landeigentums und  dem Zentralismus der Staatsmacht auf dem Gebiet der Landwirtschaft bestanden. Es gibt auch Punkte der Ähnlichkeit mit dem europäischen Feudalismus: das Tributsystem und das einer natürlichen Ökonomie auf dem Lande. Bonapartes französische Expedition von 1798 bis 1801 und Mohammed Ali haben den orientalischen Feudalismus stark erschüttert. In dem Gesetz vom 16. September 1789 wurden Bodenpreise festgesetzt, den Bauern ein Erbrecht zuerkannt und die Registrierung des Grundbesitzes geregelt. Unter der Herrschaft Muhammad Alis wurde mit der Privatisierung des sich bis dahin nominell allein im Besitz des Staates befindlichen Landes begonnen und das alte System der Steuerpacht (Iltizam) zugunsten einer direkten Besteuerung von Grund und Boden, durchgesetzt durch bezahlte Angestellte des Staates, ersetzt. Zwei Millionen Feddan6 – das entsprach der bebauten Gesamtfläche- wurden wie folgt aufgeteilt. Es gab von der Katastrierung ausgenommenes Land und Landgüter- von Mohammed Ali Mitgliedern seiner Familie und seines Hofes, Militärführern und hohen Beamten übertragen, insgesamt 200.000 Feddan, die steuerfrei bleiben; 100.000 Feddan, die den früheren Multazimin als Entschädigung übereignet wurden; das Land für die Dorfscheichs, insgesamt 154.000 Feddan; steuerfreies Land, das ausländische Beamte erhielten, insgesamt 6.000 Feddan; Land, das an die Dörfer grenzte und den Beduinen überlassen wurde. 1952 besaßen 94,3 Prozent kleine Besitzer mit weniger als 5 Feddan 35,4 Prozent des Landes, 5,2 Prozent mittlere Besitzer mit 5 bis 50 Feddan 30,4 Prozent des Landes und 0,5 Großgrundbesitzer mit mehr als 50 Feddan 34,2 Prozent des Landes. Innerhalb der ersten Gruppe, die weniger als 5 Feddan besaßen, gab es zwei Untergruppen: die der Bauern, die weniger als 2 Feddan besaßen und nicht in der Lage waren, ihren Lebensunterhalt zu sichern und die Kleingrundbesitzer (2 bis 5 Feddan), die ihre Lebensbedürfnisse befriedigen konnten. Auf die erste Gruppe entfielen 2.308901 Bauern. 84 Prozent der Grundbesitzer verfügten über 21 Prozent des Landes. Andererseits verfügten 0,01 Prozent der Grundbesitzer über 10 Prozent des Landes. Die „Landaristokratie“ oder auch die Feudalisten zerfiel in zwei Gruppen.Die erste Gruppe setzte sich aus Magnaten zusammen, die ihren Besitz gewinnbringend an dritte Parteien , sogenannte Compradores verpachteten. Vor 1952 vollzog sich eine solche Verpachtung auf zwei Arten: entweder an eine Person, die ihrerseits Kleinparzellen von 1 bis 5 Feddan an bearbeitende Kleinbesitzer verpachtete.7 Das Interesse an Verpachtungen nahm nach dem Zweiten Weltkrieg stark zu und stieg von einem Anteil von 1,73 Prozent des Landes im Jahre 1939 auf 60,7 Prozent im Jahre 1949 und auf 75 Prozent 1952. Die Fellachen hatten auch unter einer Vielzahl von Steuern und Abgaben zu leiden sowie einem Anstieg des Pachtpreises parallel zum Anstieg des Baumwollpreises. Den Kern dieser Gruppe bildete der König Faruk mit der königlichen Familie mit einem Gesamtbesitz von 159.000 Feddan und einem jährlichen Ertrag von 750.000 ägyptischen Pfund. Die zweite Gruppe waren die reichen Landwirte, die Minderheit der Großgrundbesitzer, die ihr Land selber bebauten, entweder zur Produktion von Rohmaterialien für die Veredelungsindustrien, überwiegend Baumwolle, oder von Konsumgütern für den einheimischen wie den Weltmarkt. Beide Gruppen verstärkten ihren Einfluß in der Wafd-Partei, der sie eine konservative Prägung gaben, im besonderen unter der Einwirkung von Fuag Serag Eddin. Die mittleren Landbesitzer (5 bis 50) Feddan bebauten ihr Land mithilfe einer kleinen Anzahl von Landarbeitern. Eine Gruppe (20 bis 50 Feddan) waren gut situierte Besitzer, die zu Großgrundbesitzern aufsteigen wollte – sie lehnte sich an die Muslimbruderschaft an. Eine andere Gruppe (5 bis 20 Feddan) hatte es mit einer sich verschlechternden Lage zu tun. Sie fand ihren politischen Ausdruck in der Wafd-Partei. Unterhalb diese Klasse gab es das agrarische Kleinbürgertum, das sich aus Grundbesitzern zwischen 1 und 5 Feddan zusammensetzte. Das Leben dieser Menschen war vom Marktpreis für landwirtschaftiche Produkte abhängig, der auch an weiterverpachteten Parzellen hing. Der linke Flügel der Wafd-Partei hatte bei dieser Gruppe viele Anhänger, auch die Kommunisten. Auch die extrem Rechte unter Achmed Hussein fand hier Anhänger. Der größte Teil der ägyptischen Fellachen besaß überhaupt kein Land. Die Schätzungen schwanken zwischen 8 Millionen und 14 Millionen Personen.1947 überstieg ihre Zahl die von der Landwirtschaft benötigten Arbeitskräfte um 47 Prozent. Sie mußten mit 8 bis 15 Piastern am Tag auskommen. Nach dem Umzug in die Städte drangen Sätze wie „Das Land für die, die es bebauen!“ an die Öffentlichkeit. Die Fellachen drohten sich zu erheben.

Rolle der Banken

Die unter Ismail eingeführte Monokultur von Baumwolle regte die Schaffung eines ganzen Banken- und Hypothekensystems an, durch das sich aus der Arbeit der ägyptischen Bauern eine reiche jährliche Ernte erzielen ließ. Die Ägyptische Bodenkreditbank wurde 1880 mit französischem Kapital gegründet, 1905 folgte die von den Engländern die Land Bank of Egypt. In der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts übten diese Finanz- und Bankengruppen auf den ägyptischen Grundbesitz einen großen Druck aus. Der Wert des kultivierten Landes betrug 120 Millionen ägyptische Pfund, die Hypotheken beliefen sich auf 60 Millionen ägyptische Pfund. Ein beträchtlicher Anteil des ägyptischen Bodens war somit unter dem Einfluß der Kreditbanken.

——————————————————

Politischer Staatsstreich von 1952

1948/49 engagierte sich Ägypten gemeinsam mit anderen arabischen Armeen im ersten Nahostkrieg gegen den neuen Staat Israel. Die dort erlittene Niederlage schwächte Faruks Autorität. 1952 zwang ihn die Organisation Freie Offiziere zur Abdankung, im folgenden Jahr erklärte ein Revolutionsrat Ägypten zur Republik. 1954 übernahm der Führer der Freien Offiziere, Oberst Gamal Abdel Nasser das Präsidentenamt und errichtete ein diktatorisches Regime. 1954 entging Staatspräsident Gamal Nasser (1918-1970) einem Attentat, für das die Regierung die Muslimbruderschaft verantwortlich machte.  Die Muslimbruderschaft wurde daraufhin verboten und zahlreiche Anhänger u.a. auch Sayyit Qutb verhaftet.

Die Bauernfrage

Zwischen 1949 und 1951 nahmen die Bauernaufstände auf den großen Besitzungen enorm zu. Bewaffnete Bauern griffen Wachen und Polizeikasernen an und erhoben Anspruch auf das von ihnen bearbeitete Land.8 Von den Ereignissen blieben auch die königlichen Ländereien nicht verschont.

Streik von Kafr el-Dawwar

In dem Ort, in dem die angloägyptischen Fabriken der Beyda Dyers Company lagen, beschloß die Gewerkschaft den Streik. Die Führer Mustafa Chamis und Mohammed Hassan el-Bakari sprachen am 13. August 1952 von einer neuen Ära. Am gleichen Tag wurde die Fabrik von der Armee eingeschlossen. Die beiden Arbeiterführer wurden von einem Militärtribunal zum Tode verurteilt und gehängt.

Die Agrarreform von 1952

Die oberste Grenze des Landbesitzes wurde auf 200 Feddan festgelegt. Praktisch jedoch besaß die Mehrheit der Besitzer 300 Feddan (mit Familienzuschlag) Für die Bearbeitung von Brach- und Ödland wurden Ausnahmen zugelassen Jeder von den Auswirkungen des Gesetzes betroffene Eigentümer erhielt Regierungsobligationen für das ihm enteignete Land Das enteignete Land sollte vom Staat innerhalb von fünf Jahren an die Bauern verteilt werden. Die oberste Grenze bei dem Verkauf an Bauern war auf  fünf Feddan festgelegt. Die Ableistung ihrer Schulden für das ihnen vom Staat zugeteilte Land sollten die Bauern über einen Zeitraum von 30 Jahren zu einem Zinssatz von drei Prozent pro Jahr vornehmen Für die Beziehungen von Besitzern und Pächtern galt: Der Pachtwert des Feddan sollte das Siebenfache der Grundsteuer betragen oder der Hälfte des Wertes der Ernte entsprechen. Ein Komitee sollte mit der jährlichen Festlegung der Löhne für die Landarbeiter in den verschiedenen Gebieten betraut werden Agrargenossenschaften sollten für die kleinen Grundbesitzer (bis zu fünf Feddan) eingerichtet werden. Aufgabe war die Beschaffung von Landwirtschaftskrediten sowie die Organisation von Futter- und Düngemitteln und Saatgut. Es war den Landarbeitern gestattet, eigene Vereinigungen zum Schutz ihrer Interessen zu bilden 9 1962 wurde mitgeteilt, daß damals 10 Prozent des kultivierten Landes an zwei Millionen Bauern verteilt wurden. Hierzu meinte ein Kritiker: „Die Agrarreform war eine politische Geste der Sympathie; sie fand den größten Beifall, doch man muß zugeben, daß ihr praktischer Effekt bedeutungslos war.“10

Die Entschädigung der Großgrundbesitzer war großzügig, die Mehrheit hatte den Preis ihres Bodens in 14 Jahren amortisiert. Die kleinen Grundbesitzer mußten nicht selten mehr Abgaben zahlen als sie Einkommen erzielten. Es entstand eine Landwirtschaft von Pächtern, zusätzlich stieg der Anteil von Lohnarbeitern auf dem Land. Bis 1958 existierte eine Föderation von Lohnarbeitergewerkschaften, doch ihr Einfluß war gering.

Agrargenossenschaften – Gegen Ende 1956 bestanden 272 Genossenschaften, gegründet nach dem Gesetz von 1952- ein Jahr später gab es 400 Genossenschaften, in denen 200.000 Bauern mit 500.000 Feddan organisiert waren. Die genossenschaftliche Zusammenarbeit war eine Zusammenarbeit auf Kreditbasis zur Kommerzialisierung.

————————————————

Nassers politische Ideologie

Zu Beginn seiner Herrschaft vertrat Nasser vor allem die Idee des ägyptischen Nationalismus. Auch vertrat er eine eher konziliantere Haltung gegenüber dem Staat Israel, den er als eine gelungene Befreiung von kolonialer Herrschaft betrachtete. Nach seiner Machtübernahme verschrieb er sich immer mehr dem Panarabismus. Eine Begründung für seinen Sinneswandel gab Nasser selbst 1953 gegenüber einem engen Freund : “Früher habe ich weder an die Araber noch an den Arabismus geglaubt. Jedesmal wenn du oder jemand anderer mit mir über die Araber geredet hatten, habe ich darüber gelacht. Aber dann habe ich das ganze Potential der arabischen Staaten erkannt! Dadurch habe ich meine Meinung geändert.” 1954 publizierte er das programmatische Buch Die Philosophie der Revolution, welches vom Chefredakteur der Zeitung Heikal geschrieben wurde. Darin wurde die Führung Ägyptens innerhalb der arabischen Welt, Afrikas und der islamischen Welt als Ziel propagiert. Nassers “Drei-Kreise-Theorie” begründete eine Führungsrolle Ägyptens sowohl in der arabischen als auch in der afrikanischen bzw. der islamischen Welt. Infolge seiner Wandlung zum arabischen Nationalisten vertrat Nasser auch eine aggressivere Haltung gegenüber Israel, dessen Existenzrecht er ablehnte. Dies unterstrich Nasser durch seine martialische Rhetorik. Nasser nutzte die Medien, um seine Ideologie in Afrika und vor allem der arabischen Welt zu verbreiten. Dazu benutzte er auch islamische Untertöne. Häufig wurden Falschmeldungen über diese Radiostationen verbreitet. Die Hinwendung zum Panarabismus half Nasser auch dabei, seinen politischen Gegnern – Nagib und der Muslimbruderschaft- ideologisch etwas entgegenzusetzen.

Gamal Abdel Nasser

Gamal Abdel Nasser

——————————————————————–

In die Nasserzeit fielen die guten Beziehungen von Teilen des Militärs zum deutschenNationalsozialismus. Im Main-Echo vom 16.2.2009 sind sie von mir zusammengefasst.

Ägypten – beliebter Zufluchtsort für Nazis

Nicht verwunderlich ist das Faktum, dass der NS-Verbrecher Aribert Heim in Ägypten untergetaucht ist, war dieses Land doch neben Argentinien ein bevorzugter Exilort für Nationalsozialisten, denen in Deutschland ein Prozess drohte. Es fanden dort Unterschlupf: Johannes von Leers, Hauptschriftleiter der nationalsozialistischen Zeitung Wille und Weg.  Der Ex-Goebbels-Mitarbeiter wurde politischer Berater des Informationsbüros der ägyptischen Regierung. Von ihm ist die Aussage überliefert: “Wenn es überhaupt eine Hoffnung gibt, die Welt von jüdischer Tyrannei zu befreien, dann mit Hilfe der Moslems, die sich unerschütterlich Zionismus, Kolonialismus und Imperialismus widersetzen.” SS-Standartenführer Leopold Gleim organisierte in Ägypten die Geheimpolizei und war für die Juden Ägyptens zuständig. SS-Obersturmbannführer Bernhard Bender war unter der Leitung Gleims für die politische Abteilung der ägyptischen Geheimpolizei zuständig. SS-Sturmbannführer Joachim Däumling wurde zum Berater im ägyptischen Innenministerium. SS-Sturmführer Wilhelm Boekler arbeitete in der Abteilung Israel im ägyptischen Geheimdienst. SA-Gruppenführer Heinrich Stellmann wurde Berater der Gegenspionage. Louis Heiden vom Reichssicherheitshauptamt  übersetzte Hitlers “Mein Kampf” ins Arabische. Bevorzugt war dieses Buch bei ägyptischen Offizieren verbreitet. Der nationalsozialistische Journalist Franz Bünsche setzte seine Tätigkeit in Ägypten fort. Hans Appler war für den Islamischen Kongress tätig. Selbst wenn Zweifel am Tod Aribert Heims aufkommen, passt sein Aufenthaltsort doch in die Logik der Nachkriegszeit.

————————————————————————————————————

Nicht ganz unsymptomatisch äußerte sich Präsident Nasser in der Nationalzeitung zum Thema Holocaust folgendermaßen: Präsident Gamal Abdel Nasser im Mai 1964 in der „Deutschen Nationalzeitung: „Die Lüge von den sechs Millionen ermordeten Juden wird von niemandem ernst genommen.“ Schon frühzeitig zeigte Nassers Entwicklung in diese Richtung: „In October 1933, the same year Hitler came to power, al-Husseini played a role in the creation of Young Egypt, also known as the Green Shirts, which was headed by Ahmed Hussein and which included among its members a young Gamel Abdel Nasser, a protégé of Al Husseini and later president of Egypt. The Green shirts adopted as their motto the Nazi-style slogan ‘One Folk, One Party, One Leader.’“ 11 Etwa 10 Jahre vorher hatte sich sein Nachfolger Sadat folgendermaßen geäußert. Sadat: „Mein lieber Hitler! Ich gratuliere Ihnen vom Grunde meines Herzens. Auch wenn es so aussieht, als seien Sie geschlagen, in Wirklichkeit sind Sie der Sieger. […] Deutschland wird wiedergeboren werden trotz der westlichen und östlichen Mächte. Es wird keinen Frieden geben, bis Deutschland wieder das wird, was es war.“ – Anwar as Sadat, späterer Präsident von Ägypten, 18. Sep. 1953 (in: „Al Musawar, 18.09.1953)

Schon Anfang 1942 zur Zeit des Vormarsches des deutschen Afrika-Corps riefen ägyptische Studenten der Al Azhar Universität „Vorwärts Rommel“. Zur „Verteidigung“ Ägyptens hatten die Engländer vorgesehen, die Nildämme zu öffnen und das Ackerland zu überfluten, um das Delta für Panzer unpassierbar zu machen.Diese Maßnahmen hätten Rommels Panzer möglicherweise zum Stehen gebracht. „Das ägyptische Kabinett übergab dem Gouverneur von Alexandria einen offiziellen Brief mit dem Befehl, sich zu Rommel zu begeben und ihm die Schlüssel der Stadt auszuliefern, falls er gegen Alexandria vorrücken sollte, damit es weder zu Kämpfen noch zu einer Überflutung käme.“12

    ————————————————————————————

Verstaatlichung des Suezkanals

1956 verstaatlichte Nasser den Suezkanal, was zum Konflikt mit Großbritannien, Frankreich und Israel führte. Sadat erinnert sich daran folgendermaßen: „Ich saß im Bett und hörte der Radioübertragung zu … In der Mitte begann er jedoch über Ferdinand de Lesseps (den Erbauer des Suezkanals) zu sprechen. Nun begriff ich, was er beabsichtigte, und hörte tatsächlich wenige Minuten später, daß ich recht hatte: Nasser verkündete die Verstaatlichung des Suezkanals … Ägypten, ein kleines Land, war endlich imstande, laut und klar die größte Macht der Welt herauszufordern. Es war ein Wendepunkt in der Geschichte unserer Revolution und der gesamten Geschichte Ägyptens.“13 Der Entschluß zur Verstaatlichung des Suezkanals habe gewaltige Folgen gehabt, Nasser sei zu einem mythischen Helden geworden. „Der damalige Premierminister Anthony Eden erhielt die Nachricht von der Verstaatlichung des Suezkanals bei einem Abendessen, das er zu Ehren König Faisals vom Irak und des irakischen Ministerpräsidenten Nuri-el-Said gab.“14 Der Coup Nassers erboste die Engländer. Eden konnte die Haltung Nassers nicht begreifen. Zusammen mit Guy Mollet und David Ben Gurion beschlossen sie, die Waffen sprechen zu lassen. Am 29. Oktober 1956 griff Israel auf dem Sinai an, eine UNO – Vermittlungsversuch scheiterte. Nasser beobachtete von seinem Haus aus, wie englische und französische Luftstreitkräfte den nahe gelegenen Flughafen bombardierten. Die gesamte Luftwaffe der Ägypter wurde vernichtet. In der Folge knüpfte Ägypten engere Beziehungen zur UdSSR. 1958 hatten Ägypten und Syrien eine Vereinigte Arabische Republik ausgerufen, aber der Traum arabischer Einheit zerbrach, als Syrien nach einem Staatsstreich aus der Union ausstieg. Außerdem verwickelte sich der Präsident gegen den Rat seines Botschafters 1962 in eine teure Militäraktion gegen den Jemen. Nasser erwartete einen schnellen Sieg gegen die pro-Saudischen Kräfte. Aber nach drei Jahren war das Truppenkontingent von 5.000 auf 55.000 Soldaten angestiegen und Nassers Ansehen in der arabischen Welt hatte stark abgenommen. 1967 sperrte Ägypten den Golf von Aqaba für israelische Schiffe und erzwang den Abzug der Uno-Truppen, die seit 1957 die ägyptisch-israelische Waffenstillstandslinie abschirmten. Daraufhin kam es zum “Sechstagekrieg”, in dem Ägypten die Sinai-Halbinsel verlor.

———————————————–

Nachfolger Nassers

Nach dem Tod Nassers 1970 wurde sein Stellvertreter Anwar As Sadat Staatspräsident. Im Jom-Kippur-Krieg 1973 griff Ägypten gemeinsam mit Syrien 1973 Israel an. Zwar konnte die ägyptische Armee einen Teilerfolg erringen, doch musste Sadat erkennen, dass der Konflikt nicht militärisch, sondern nur auf politischem Weg zu lösen war. Die ägyptische Geschichtsschreibung erwähnte die israelische Überquerung des Suezkanals 1973 in Richtung Westen nur am Rande. Die Dritte Ägyptische Armee wurde am Suekanal eingeschlossen.15

Beziehungen zu Israel

1977 entschloss Sadat sich zu einem spektakulären Schritt: Er reiste nach Jerusalem, und Ägypten erklärte sich als erstes arabisches Land bereit, Israel völkerrechtlich anzuerkennen. Nach langwierigen Verhandlungen unter Vermittlung der USA wurde 1979 der ägyptisch-israelische Friedensvertrag unterzeichnet,  der die vollständige Räumung des Sinai durch Israel vorsah. Die Annäherung an Israel und den Westen isolierte Ägypten in der arabischen Welt, die ägyptische Mitgliedschaft in der Arabischen Liga wurde bis 1989 suspendiert. 1981 fiel Sadat einem Attentat zum Opfer. Neuer Präsident wurde der bisherige Vizepräsident Hosni Mubarak. Er setzte die Politik der Zusammenarbeit mit dem Westen fort, konnte jedoch auch die Isolierung Ägyptens innerhalb des arabischen Lagers überwinden. Innenpolitisch trugen die großen sozialen Probleme zu einer Stärkung des militanten islamischen Fundamentalismus bei. 16

——————————————————————————–

1Gerhard Konzelmann, Der Nil- Heiliger Strom unter Sonnenbarke. Kreuz und Halbmond, München 1985, S.169

2Vgl. Wikipedia Artikel Muslimbruderschaft

3Vgl: Anouar Abdel-Malik, Ägypten: Militärgesellschaft. Das Armeeregime, die Linke und der soziale Wandel unter

Nasser, Frankfurt am Main 1971, S. 71 f.

4Vgl. Wikipedia Artikel Muslimbruderschaft

5Abdel-Malek, a.a.O., S. 97

6`Feddan` ist ein arabisches Flächenmaß, das vornehmlich in Ägypten und dem Sudan gebräuchlich ist.

1 `Feddan` = 24 `Kirat` = 300 `Kassabas` = 4201 mò (0,42 ha).

7Vgl Abdel-Malek, a.a.O, S. 103

8Abdel-Malek, a.a.O.. S. 114

9Abdel-Malek, a.a.O. S. 117 f.

10Abdel-Malek, ebd. S.118

11Chuck Morse, The Nazi connection to Islamic terrorism. Adolf Hitler and Haj Amin Al-Husseini,

Washington D.C. 2010, S. 45 f.

12Der Spiegel vom 25.10.1971 „Die deutschen Waffen töten uns“

13Anwar El Sadat, Unterwegs zur Gerechtigkeit. Die Geschichte meines Lebens, München 1981 (2. Auflage), S. 171 f.

14Ebd., S. 173

15Gerhard Konzelmann, Der Nil- Heiliger Strom unter Sonnenbarke. Kreuz und Halbmond, München 1985, S. 59

16Vgl. Spiegel Lexikon Ägypten

———————————————————————————————————————————

Politische Probleme zur Zeit Mubaraks

Das Wirtschaftswachstum, das zuvor etwa 3 Prozent ausmachte und gerade mit dem Wachstum der Bevölkerung Schritt hielt, erreichte in den Jahren 2006 bis 2008 einen durchschnittlichen Wert von 7,1 Prozent. Die Regierung hatte mindestens 7 Prozent vorgegeben, um die Arbeitslosigkeit abzubauen und die Armut zu bekämpfen. Dank der Wachstumsraten, die relativ hoch sind, sank der Anteil der Ägypter, die unter der Armutsgrenze von 2 Dollar am Tag leben, knapp. Seit 2008 verlangsamte sich das Wachstum auf 5 Prozent. Die Zahl der völlig Armen stieg wieder an. 2011 betrug das Wirtschaftswachstum etwa 5,5 Prozent. Die Bevölkerung von etwa 82 Millionen ist sehr jung. Jedes Jahr strömen aus den Schulen und Universitäten 750 000 Absolventen auf den Arbeitsmarkt. Von ihnen finden die meisten keine Arbeit oder landen in der Schattenwirtschaft. Sie sind der Rebellion geneigt. Der Internationale Währungsfonds hat immer wieder einen Abbau der staatlichen Subventionen etwa für Lebensmittel gefordert, um das Haushaltsdefizit von 7 bis 8 Prozent am Bruttoinlandsprodukt zu senken. Dem widersetzte sich Mubarak aber in der richtigen Analyse der verheerenden Wirkung. Nicht gelungen ist es in dieser Zeit der Regierung Nazif, mit dem stärkeren Wachstum die Ungleichheit der Vermögen und Einkommen abzubauen. Im Gegenteil, die Schere öffnete sich weiter, und der opulente Lebensstil der Oberschicht wurde immer sichtbarer und von vielen einfachen Ägyptern als empörend empfunden.1 Im November 2012 verkündete der IWF neue geplante Sparmaßnahmen. Die Kürzung von Subventionen für Kraftstoff  oder Brot, auf die eine Vielzahl von armen Ägyptern angewiesen sind, wird wahrscheinlich von der Mehrheit der Bevölkerung nicht hingenommen werden. Zudem verlangte der IWF, dass Ägypten sein “großes Haushaltsdefizit” von elf Prozent des Bruttoinlandsproduktes im abgelaufenen Haushaltsjahr bis Ende des Jahres 2014 auf 8,5 Prozent reduziert.2

Mursi Präsident bis zum 3. Juli 2013

Präsident Ägyptens bis zum 3. Juli 2013 war Mohammed Mursi, der 1951 in Al-Adwah geboren wurde. Als Mitglied der Führungsriege der Muslimbruderschaft beteiligte sich Mursi in der Regierungszeit Mubaraks an regierungskritischen Demonstrationen und wurde dabei mehrfach verhaftet, zuletzt 2011. Nach dem Sturz Mubaraks gründeten die Muslimbrüder die Freiheits- und Gerechtigkeitspartei und wählten Mursi am 30. April 2011 zum ersten Parteivorsitzenden dieser neuen Partei. Für seine Partei trat er bei der Präsidentschaftswahl 2012 an. Ursprünglich sollte Mursi Parteivorsitzender bleiben, doch die ursprünglich vorgesehene Kandidatur El-Schaters wurde von der Wahlkommission nicht zugelassen. Im ersten Wahlgang erhielt Mursi mit fast 25 % die meisten Stimmen und trat Mitte Juni in einer Stichwahl gegen den unabhängigen Kandidaten Ahmad Schafiq an, gegen den er mit 51,7 % der gültigen Stimmen gewann. Am 30. Juni 2012 trat Mursi sein Amt an.3 Dass es einen Hardliner Mohammed Mursi gibt, einen Mann voller Hass auf das “zionistische Gebilde”, wie Islamisten und arabische Nationalisten den jüdischen Staat nennen, das wurde westlichen Diplomaten und Politikern Mitte des Monats Januar 2013 bewusst. Ein Video aus dem Jahre 2010, veröffentlicht vom Mediendienst Memri, zeigt einen eifernden Islamisten, der sich in einem Interview mit einem arabischen Sender über die Israelis auslässt. “Blutsauger” seien die, “Kriegstreiber”, sagte Mursi ziemlich fanatisch, mit den “Nachkommen von Affen und Schweinen” (diese Formulierung findet sich auch im Hamas-Programm) könne man keinen Frieden schließen. Mursi gibt sich moderat als Präsident aller Ägypter. Die jetzige ideologische Richtung der Muslimbrüder wird von manchem Beobachter als eine Art CDU der 50er Jahre angesehen. Die Kunstfreiheit ist gegenwärtig jedoch in Gefahr. Ende März dieses Jahres drohte dem ägyptischen Komiker Bassem Youssef Gefängnis, weil er sich über Präsident Mursi und islamistische Prediger lustig gemacht hat. Seinen Termin beim Staatsanwalt machte der Satiriker zu einer Art Happening. Für Regierungskritiker ist die Lage in Ägypten gegenwärtig schwierig.

1FAZ vom 4.2.2011

2Vgl. World socialiste web site, 15.1.2013

3Vgl. Wikipedia Mohammed Mursi

——————————————————

Kommentar zur neuesten Entwicklung im Main-Echo geschrieben am 20. Juli 2013

Man kann gespannt sein, ob die Militärs in Ägypten für eine demokratische Entwicklung sorgen können, für die sie in der Vergangenheit nicht standen. Mursi, der abgesetzte Präsident, war kein Demokrat, sondern instrumentalisierte die Demokratie für eine zunehmende Islamisierung der ägyptischen Gesellschaft. Am 21. November 2012 hat Mursi ein Dekret erlassen, mit dem er seine Entscheidungen über das Recht stellte und sich selbst unangreifbar durch das Rechtssystem machen wollte. Damit hat er sich als eine Art Diktator etabliert. Er hat zudem 3400 Protestierer festnehmen lassen, die schlimmste Folter haben ertragen müssen, schlimmer als die Folter unter Mubarak, bei dem Folter an der Tagesordnung war. Nach glaubwürdigen Quellen wurden zwanzig Männer in Mursis Gefängnissen vergewaltigt.

Am 17. Juni 2013 macht Mursi sieben Muslimbrüder und ein Mitglied der ehemaligen Terrorgruppe Gamaa Islamija zu Provinzgouverneuren. Bei dem Gamaa Islamija Mitglied handelt es sich um Adel Asaad al-Khayyat. Er wurde zum Gouverneur von Luxor ernannt. 1997 wurde die Gamaa Islamija einer internationalen Öffentlichkeit bekannt, als sie einen Anschlag auf Touristen in Luxor durchführte. 58 Touristen kamen bei diesem Anschlag ums Leben. Der liberale Intellektuelle Hamed Abdel-Samad wurde kürzlich von einer Fatwa wegen islamkritischer Äußerungen in Ägypten heimgesucht. Zur Person, die einen Tötungsaufruf gegen ihn verbreitete, meinte er vor ein paar Tagen: „Es war eigentlich eine Vorführung, dass der Außenminister Westerwelle am 13. Juni von der ägyptischen Regierung verlangte, sich von den Mordaufrufen zu distanzieren, und zwei Tage später empfängt Mursi Assem Abdel Maged, der den Mordaufruf gemacht hat, und umarmt ihn öffentlich, vor laufender Kamera. Das ist eine Farce, und die deutsche Regierung darf sich so etwas nicht gefallen lassen.“ Juden sind in Mursis Welt pauschal „Nachfahren von Affen und Schweinen“ – so lautete die Formulierung in einem Video 2010 – ein Klischee, das ein Staatsoberhaupt disqualifiziert.

Christian Schauer, Neuwiesenstraße 14, 63755 Alzenau

Advertisements

Veröffentlicht 20. Mai 2014 von schauerchristian in Reader Ägypten

Reiseberichte Ungarn 2012, Zypern 2011 und Gardasee – Venedig 2010

Reisebericht Ungarn 28.5. bis 1.6.2012

Budapest, Eger und Gödöllö Geschichte

Die finnugrische Urheimat erstreckte sich vom mittleren Ural nach Osten bis zum Mittellauf des Ob und des Irtys. In der Heimat Westsibirien lebte dieses Volk von Jägern, Sammlern und Fischern. 4.000 vor Christus löste sich die uralische Gemeinschaft auf. In der Mitte des dritten Jahrtausends machten sich Teile der Finnougrier zur Wolga auf und besiedelten das Gebiet des Baltikums und Südfinnlands. Die Ungarn , die sich selbst Magyaren nennen, wanderten im ersten Drittel des 9. Jahrhunderts vom östlichen Rand des Urals – ihrem ursprünglichen Siedlungsgebiet- in die Steppen nördlich des Schwarzen Meeres ein. Dort wurden sie 895 von den Petschenegen – einem der alten Turkvölker- vertrieben und wanderten nach Pannonien weiter, das früher eine römische Provinz war. Unter dem Heerfürsten Árpád (ca. 894 bis 907) erfolgte die Landnahme der Ungarn. Die treibende Kraft bei den Raubzügen der Ungarn war der Mitregent des Heerfürsten Bulcsu. 895 bis 896 besetzten sie das östlich der Donau gelegene Tiefland und Westsiebenbürgen. Danach kämpfte man gegen das Großmährische und Bulgarische Reich erfolgreich. 899 griff ein ungarisches Heer Norditalien an. 907 wurden die Bayern vernichtend bei Preßburg geschlagen. Ihre Oberherrschaft wurde bis an die Enns ausgedehnt. Die Ungarn galten als kenntnisreiche extensive Viehzüchter (Pferde und Schafe). Handwerklich widmete man sich dem Waffenschmieden. Erst im 10.Jahrhundert folgten kleine Siedlungen und Stallungen nach der rein nomadischen Lebensweise.1 Die Lebensmittelproduktion war für den Eigenbedarf gedacht. Dieser musste zudem durch Abgaben der unterworfenen Völker gedeckt werden. Im zehnten Jahrhundert wurden vierzig größere Raubzüge unternommen. Hier wurden neben mNahrungsmitteln auch Sklaven beschafft. Die Ungarn fielen in alle Gebiete des Karolingerreiches ein. 915 gelangten sie sogar bis zur dänischen Grenze, 927 im Westen bis zum Atlantik. Der Sieg bei Merseburg 933 brachte Deutschland eine Atempause. Erst der Sieg von Kaiser Otto I. auf dem Lechfeld 955 (bei dem Bulcsu und Lehel getötet wurden) beendete die Ungarnangriffe.

Die Herrschaft Stephans I. (997 bis 1038) begründete die Christianisierung des Landes. Er lehnte sich zunehmend an den deutschen Kaiser Otto III. an. Im Jahre 1000 wurde er zum König von Ungarn gekrönt. Die Stephanskrone wurde zum Symbol der Christlichkeit des Staates. 1001 wurde Gran (Esztergom) zum selbständigen Erzbistum erhoben. 1003 musste sich Gyula von Westsiebenbürgen unterwerfen. Diese Region wurde in das Königreich Ungarn einbezogen. 1030 wehrte er den Angriff des deutschen Kaisers ab und sicherte so die Existenz seines Staates. Stephan I. wurde später im Jahr 1089 heilig gesprochen. 1102 kam durch Personalunion das Königreich Kroatien zu Ungarn.

Ein wichtiges Datum der ungarischen Geschichte ist der Mongolensturm von 1241. Er deckte die Probleme des Landes bezüglich seiner Verteidigung auf. Die uneinigen Ritter trugen zur Niederlage bei Mohi am Sajó bei. König Bela IV. (1235 bis 1270) konnte sich mühevoll nach Dalmatien retten. Die Mongolen zogen sich überraschend 1242 zurück. König Bela IV. nahm danach den Wiederaufbau des Landes in Angriff. Die östlichen Landesteile waren weitgehend entvölkert worden. Die Siedlungspolitik wurde wieder aufgenommen. Die östlich der Karpaten lebenden Kumanen und Jazygen wurden als Gruppen aufgenommen und christianisiert. König Ladislaus IV. (1272 bis 1290) war kumanischer Abstammung.2

 

In der Schlacht von Mohacs von 1526 gegen die Türken verlor Ungarn nach dem Tod des Königs Ludwig II. und eines großen Teils des Adels seine Selbständigkeit. Mehr als zwei Drittel des Landes wurden osmanisch, darunter Siebenbürgen als Vasall des türkischen Reiches. Die türkischen Siege in Ungarn sind chronologisch so zu datieren: 1545. Buda, Esztergom, Fehérvár, Szeged, Nógrád, Hatvan, Veszprém und Pécs, also fast das ganze Land, sind in den Händen der Türken. 1546. Die Türken haben Ungarn in fünfzehn Sandschaks aufgeteilt. Den Ungarn sind nur Oberungarn und ein oder zwei Komitate, die an Österreich grenzen, verblieben 1547. Nicht nur die Türken, sondern auch die Österreicher schinden und schröpfen Ungarn. 1548. Luthers und Calvins Lehre verbreitet sich im ganzen Land. Nicht nur die Türken und die Österreicher sind den Ungarn feind, sie selbst befeinden sich untereinander. 1549. Die Türken nehmen den Ungarn unter dem Titel „Steuern“ alles, sogar Kinder. 1550. Eine walachische und eine türkische Heerschar ziehen gegen Siebenbürgen. Frater Georgius stellt in wenigen Tagen fünfzigtausend Kämpfer auf die Beine. Sie schlagen die Walachen, die Türken nehmen Reißaus. 1551. Königin Isabella verläßt Siebenbürgen. Frater Gregorius wird von Meuchelmördern umgebracht.3

———————————————————-

Der Ungarnaustand von 1956„ Ich gehöre nicht zu den Leuten, die wünschen, das ungarische Volk griffe in einem bald niedergewalzten Aufstand abermals zu den Waffen, während eine internationale Gesellschaft von Zuschauern ihm weder Beifall noch tugendsamem Tränen versagt, um dann zu ihrenPantoffeln zurückzukehren wie die Tribünensportler am Sonntagabend nach einem Meisterschaftsspiel. Im Stadion liegen schon zu viele Tote,und nur mit unserem eigenen Blut dürfen wir freigebig sein. Das ungarische Blut hat sich für Europa und die Freiheit als zu wertvoll erwiesen, als dass wir nicht mit den kleinsten mTropfen haushälterisch umgehen müssten. Aber ich gehöre auch nicht zu den Leuten, die an die Möglichkeit eines selbst resignierten, selbst vorläufigen Kompromisses mit einem Terror-Regime glauben, das ebenso sehr Anspruch auf die Bezeichnung sozialistisch hat wie ehemals die Folterknechte der Inquisition auf die Bezeichnung christlich.“ 4

Albert Camus zum Ungarn-Aufstand

Bild Ungarns nach der Machtübernahme der Kommunisten: Insgesamt erreichte die Zahl der von der Säuberung betroffenen Opfer 200.000. Einer der eher weniger spektakulären Fälle war der des Vorsitzenden der Kleinlandwirte-Partei des Bezirks Tolna. Am 1. Oktober 1949 wurde er wegen angeblicher Spionagetätigkeit festgenommen und in Isolierhaft gehalten. Auch er unterschrieb ein Geständnis, um Folter und Ungewissheit zu beenden .»Mehrere Male hörte ich die Hilferufe meiner Frau aus dem Nebenzimmer«, bezeugte er. (Offensichtlich war das die bevorzugte Methode der Beamten des ungarischen Geheimdienstes.) Nach vierzehn Monaten wurde Anklage gegen ihn und vier andere »Volksfeinde« erhoben.

 

Der Angeklagte sagte sein »Geständnis« auswendig auf und wurde zu fünfzehn Jahren verurteilt.5 Der Aufstand wurde vom Regime des Janos Kadar stets als “Konterrevolution“ bezeichnet, die öffentliche Nennung als Revolution wurde geahndet. Die DDR-Regierung begrüßte ausdrücklich das Eingreifen Moskaus als “Unterdrückung der Konterrevolution” und untersagte jegliche Kritik an den Vorgängen in Ungarn. Seit 1989 ist der 23. Oktober 1956 (der Beginn des Aufstandes) ein Nationalfeiertag in Ungarn. „Der konterrevolutionäre Aufstand in Ungarn vom 23. Oktober bis zum Mitte November 1956 zeigt, welche Folgen es haben kann, wenn der Revisionismus die Führung einer kommunistischen Partei erobert: es führt zur Entfesselung der rechtesten, reaktionärsten Kräfte, zur Entfesselung des weißen Terrors“ das meint der Stalinist auch heute noch dazu.

Quelle

http://www.redchannel.de/mlliteratur/soz_staaten/ungarnaufstand.htm

Panoramablick

An den Ungarnaufstand erinnert heute eine Museum (Haus) des Terrors in Budapest. Das Haus des Terrors ist ein als Gedenkstätte konzipiertes historisches Museum in Budapest. Es soll an die Herrschaft der Pfeilkreuzler und den nach Ende des Zweiten Weltkrieges folgenden Kommunismus in Ungarn erinnern und stellt dabei beide Regime in seiner Ausstellung gegenüber. Hier wurden während der Diktatur nach dem Zweiten Weltkrieg in Ungarn viele Menschen verfolgt, gequält und getötet. Durch schrittweisen Ausbau umfasste das Gefängnis im Endzustand den unterirdischen Bereich unter dem gesamten umgebenden Häuserblock. Es sind nicht wenige Städte in Europa, die ihre Gründung den Römern verdanken. Auch Budapest, die heutige ungarische Hauptstadt, zählt dazu. Aquincum, so der Name der Siedlung zur Römerzeit, wurde im Jahre 89 vor Christus erstmals erwähnt. Schon damals war es keine unbedeutende Niederlassung, denn Aquincum besaß einen Palast und  eine Festung. Diese Bedeutung wurde noch dadurch erhöht, dass die Siedlung Sitz des römischen Statthalters der Provinz Pannonien wurde. Ein Grund für diese herausgehobene Stellung war die ausgezeichnete Lage direkt an der ungemein wichtigen Donau. Im 5. Jahrhundert zogen die Römer ab. Bela IV. ließ im 13. Jahrhundert den heutigen Burgberg in Buda als Königsresidenz befestigen und besiedeln. Pest entwickelte sich auf der anderen Seite der Donau zu einer Kaufmannsstadt. Im 15. Jahrhundert erlebte Buda unter König Matthias als Renaissancemetropole eine Blütezeit. 1541 fiel die Stadt an die Osmanen, die Besatzung dauerte 145 Jahre. 1686 wurden die Habsburger Nachfolger der Türken. Ein neuer Patriotismus wird deutlich in der Errichtung des Nationalmuseums von 1847. 1849 wurden die beiden Städte Buda und Pest durch eine Kettenbrücke verbunden. In Pest kam es 1848 zum Aufstand gegen die Habsburger. 1873 wurden Pest, Buda und Obuda zur Hauptstadt Ungarns vereint. Der Bauboom zeigte sich im Andrassy út und im Großen Ring- beide sind Boulevards nach Pariser Vorbild. 1896 entstand die erste U-Bahn des europäischen Kontinentes. Ödön Lechner schuf eine eigene Variante des Jugendstils. Der Erste Weltkrieg brachte Ungarn starke territoriale Verluste und die Selbständigkeit. Mit der Niederlage im Zweiten Weltkriegs an der Seite des Deutschen Reiches wurde Budapest sehr stark zerstört.

Heldenplatz

Heldenplatz

 

Der Heldenplatz mit dem Milleniumsdenkmal. Es entstand 1896 zu den Feierlichkeiten der Tausendjährigen Geschichte Ungarns. Der Komplex wurde 1929 fertig gestellt. Die 36 Meter hohe Säule zeigt der Erzengel Gabriel. Auf dem Sockel steht Fürst Arpád, ihm zur Seite sind sechs Stammesfürsten positioniert. Im Hintergrund sind 14 bedeutende Ungarn von König Stephan bis zum Helden von 1848, Lajos Kossuth, versammelt.

Matthiaskirche

Matthiaskirche

Betrachten wir näher die Matthiaskirche in Budapest. Sie wurde von Matthias Corvinus (1458 bis 1490), dem jüngsten Sohn von János Hunyadi, mit dem Königsoratorium 1460 erweitert. Laut Überlieferung baute der König Stephan (1000 bis 1038) im Jahre 1015 eine Kirche. Höchstwahrscheinlich wurde die alte Marienkirche in der Zeit des Tatarensturms 1241 bis 1242 zerstört. Diesem Sturm fielen 30 bis  50 Prozent der Landesbevölkerung zum Opfer. Bela IV. (1235 bis 1270) ließ am Budaer Burgberg eine neue, befestigte Hauptstadt errichten. Das Zentrum der Stadt war die neu errichtete Marienkirche von 1247. Ludwig der Große (1342 bis 1382) ließ um 1370 die  einstige romanische Basilika zu einer hoch-gotischen Hallenkirche umbauen. Matthias Corvinus ließ auch 1470 den Südturm wieder  aufbauen. Beide Hochzeiten feierte Corvinus hier, 1461 mit der Königstochter von Böhmen, Katharina von Podiebrand , 1476 mit  Beatrix von Neapel. König Wladislaus Jagiello II. schenkte der Kirche 1515 eine Madonnenstatue. 1541 nahmen die Türken nach der Niederlage bei Mohacs 1526 mit  einer List die Burg von Buda ein. Innerhalb von 24 Stunden gestalteten sie die Kirche in eine Moschee um. Die Wände wurden in der  Eski – Moschee mit Wandteppichen verkleidet, die Madonnenstatue von König Wladislaus wurde eingemauert.6 Sultan Süleyman I. ließ es sich nicht nehmen, Allah hier für die Eroberung Budas zu danken. Die Liebfrauenkirche befand sich 145 Jahre in türkischem Besitz. Weil sie Moschee wurde, blieb die Marienkirche erhalten, die anderen Kirchen in der Burg von Buda wurden von den Türken zerstört. Am 2. 9.1686 eroberte eine von Papst Innozenz XI. organisierte Allianz die Budaer Burg von den Türken zurück. Die Eroberung als Glaubensgeschichte: „Vor dem letzten Angriff ereignete sich in der Marienkirche das Wunder der Marienstatue: bei der Explosion des Pulverturms stürzte die 145 Jahre zuvor vor der Madonnenstatue aufgezogene Mauer ein und vor den in der Moschee betenden Türken erschien die längst vergessene Statue  der Gottesmutter und Patronin der Ungarn. Der abergläubische Schrecken der Augenzeugen bezwang auch die Burgverteidiger: noch am gleichen Tag fiel die Burg in die Hände der Christen. Die siegreiche Marienstatue wurde dann bei der Danksagungsprozession durch die Straßen von Buda getragen.“7

Eger gilt als Prachtstück des Barocks. Die Stadt liegt 130 km nordöstlich von Budapest. 1552 konnte die Stadt einen türkischen Angriff abwehren.8 Unter der Führung von István Dobó gelang es den Ungarn, sich in diesem Jahr zu behaupten. 1596 fiel Eger in türkische Hand und blieb bis 1687 besetzt.9 Hier kann man Erlauer Stierblut trinken. In der Bischofskirche kann man sich ein Orgelkonzert anhören, das beeindruckend ist. 1831 wurde hier die größte Orgel Ungarns errichtet. Weiter beeindruckend das Erzbischöfliche Lyzeum, in dem ein Deckenfresko des österreichischen Malers Johann Lukas Kracker hervorsticht.

Gödöllö

Der Erbauer dieses bedeutenden ungarischen barocken Schlosses Gödöllö war Graf Antal Grassalkovich (1694-1771), ursprünglich aus einer kroatischen Adelsfamilie stammend. Eine charakteristische Gestalt des sich im 18. Jahrhundert neu formierenden ungarischen Hochadels, der persönliche Vertreter des Königs, und Günstling Maria Theresias (1740-1780). Das Schloss ist – gemessen an der überbauten Grundfläche – der größte Barockpalast Ungarns. Mit dem Bau des Schlosses wurde ab 1735 , nach Plänen und unter der Leitung des aus Salzburg stammenden. Baumeisters Andreas Mayerhoffer begonnen. 1867 gelangte das Schloß durch Ankauf in den Besitz der ungarischen Krone und wurde, bis zum Ende der Monarchie 1918, die Erholungsresidenz des österreichischen Kaiserpaares Franz Joseph I und Elisabeth. Königin Elisabeth lebte hier häufig und meinte zum Park: „Am schönsten ist der Park im Frühling und Herbst, wenn die Knospen ausschlagen, die Blumen sich öffnen, und wenn die Blätter fallen, die Blumen verwelken….” Bis zu ihrem Tode 1898 hat Elisabeth mehr als 2000 Tage, vorwiegend im Frühjahr und im Herbst, hier verbracht. In diesem Jahr reifte auch die Idee eines große nationalen Denkmals für diese Frau.10

 

 

Das Panorama der Donau

1Vgl Holger Fischer/ Konrad Gündisch, Eine kleine Geschichte Ungarns, Frankfurt am Main 1999, S. 21.

2Vgl. ebd., S.38

3Vgl. Géza Gárdonyi, Sterne von Eger, (Corvina Verlag), o.O., o.J., S. 327

4Albert Camus, Kadar hat seinen Tag der Angst erlebt, in: Fragen der Zeit, Reinbeck bei Hamburg 1977, S. 177

5Vgl. David Irving, Aufstand in Ungarn – Die Tragödie eines Volkes, München 1981

6Balázs Mátéffy, Matthiaskirche in Budapest, o.O. 2011, S. 8 f.

7Ebd,. S. 9

8 Hiervon erzählt der Roman von Gárdonyi, der oben zitiert ist

9Rita Stiens ,Marco Polo Ungarn Reiseführer , o.O., o.J. S. 87

10Vgl. Dózsa Katalin, Vér Eszter Virág, Der Mythos der Königin Elisabeth, Gödöllö 2007

———————————————————————————————————————————————- —————————————————————————————————–

Zypern im Juni 2011

Geschichtliches Schon im 6. Jahrtausend vor Christus lebte man in Zypern in festen Häusern. In dieser Zeit gab es schon Handel mit den Nachbarvölkern. Obsidianklingen, die aus Kleinasien stammen, beweisen das. Die Ausbeutung der Kupfervorkommen des Landes begann im 3. Jahrtausend vor Christus. In dieser Zeit gab es Werkzeuge und Waffen aus Bronze. Der Export von Kupfer führte zu Reichtum auf der Insel und zu Berührungen mit den hoch zivilisierten Nachbarinseln. Während des zweiten Jahrtausends entwickelten sich religiöse Vorstellungen mit einem höheren Differenzierungsgrad. Über das kultische Leben der Bronzezeit gibt ein mauerum-schlossenes Heiligtum Aufschluss, in dem ein Einzuweihender vor stehenden menschlichen Figuren kniet. Diese halten Schlangen und tragen Stierhörner. Der Stier wird der Gottheit der Fruchtbarkeit zugeordnet, die Schlange den Göttern der Unterwelt. Beide Tiere symbolisieren also Leben und Tod. Es handelt sich hierbei um ein mystisches Ritual. Mitte des zweiten Jahrtausends gelangten Töpferwaren an die syrisch-palästinensische Küste. Das Kupfer war trotzdem der bedeutendste Exporartikel. Im 17. Jahrhundert war Zypern bei den Königen von Mari in Mesopotamien als kupfererzeugendes Land bekannt. Auch im minoischen Palast von Zakro auf Kreta wurde Kupfer aus Zypern um 1400 vor Christus gefunden. In dieser Zeit kommt es auch zu Handel mit der syrischen Stadt Ugarit, wo die Zyprer wahrscheinlich mit den Kretern zusammen trafen und die zypro-minoische Schrift entwickelten. Um die Mitte des 2. Jahrtausends entstanden die ersten Städte auf Zypern. Das beste Beispiel ist Enkomi an der Ostküste. Nach Kition an der Südküste wurde das Kupfer aus den Bergen transportiert. In den Küstenstädten wurde das Kupfer in Barrenform gebracht. Das Kupfer lockte auch die mykenischen Griechen ins Land. Sie ließen sich in Handelszentren an der Ost- und Südküste nieder. Es entstand die zypro-mykenische Kunst in Zypern. Ende des 13.Jahrhunderts vor Christus kamen die ersten Ägäer auf die Insel. Bald darauf wurde die Insel hellenisiert. Die Städte Enkomi, Kition, Paläokastro wurden mit zyklopischen Mauern umgeben. Zwei Bronzestatuen vom Enkomi sind gehörnte Götter.1

Die ersten Menschen sind in Zypern etwa 6.000 vor Zypern nachzuweisen. Die Bewohner bauten Getreide an und betrieben primitive Töpferei.2 Zwischen 4.500 und 4.000 vor Christus wohnte die Sotira Gruppe in der Nähe von Ayia Napa, die Bevölkerung nahm zu. Runde Lehm-Wohnhäuser waren auf ein Steinfundament gebaut. 1.500 vor Christus schloss Thutmosis III. von Ägypten Zypern seinem Reich an, das Land wurde damit von einem Großreich geschluckt. In dieser Zeit trieben auch die Phönizier von Tyrus und Sidon aus Handel mit Zypern. Im 13. Jahrhundert existierte eine befestigte mykenische Siedlung in der nähe von Paphos. Im 8. ahrhundert vor Christus unterstellten sich die Könige von Zypern dem König von Assyrien, Sargon II. Zehn zypriotische Könige schlossen sich 668 vor Christus dem assyrischen König Assurbanipals Angriff auf Ägypten an. Aber die Meder besiegten die Assyrer. 570 bis 525 herrschte Amasis II. von Ägypten über Zypern. 525 vor Christus schlossen sich die Könige von Zypern dem persischen Reich an. Zypern wurde ein Teil der fünften Provinz Persiens, zu der das heutige Syrien, Libanon und Israel gehörten. Die zypriotischen Stadtkönige schlossen sich 500 vor Christus der „ionischen Revolte” an. Die ionische Stadt Melitus erhob sich mit athenischer Hilfe gegen die Perser. Die Flotte der Perser wurde bei Salamis in der Nähe von Famagusta geschlagen, die Landschlacht verlorenen die Zyprioten und mussten sich danach den Persern anschließen. Melitus bezahlte seinen Aufstand mit der Plünderung und der Niedermetzelung seiner Einwohner. Die restlichen Einwohner wurden versklavt. 312 vor Christus erschlugen die Ptolemäer den letzten König von Kition; die Tempel wurden niedergebrannt. 311 beging der letzte König von Salamis Selbstmord; er wollte sich den Ptolemäern nicht unterwerfen. Bis 58 vor Christus blieb die Insel im Ptolemäerreich. Unter den Ptolemäern entstand eine religiöse Versammlung von ganz Zypern in Paphos. Zypern wurde zwischen 58 und 56 vor Christus römische Provinz, die von einem Prätor beherrscht wurde. Die Schätze wurden vom letzten König Ptolemaios als Kriegsbeute nach Rom geschleppt. 48/47 vor Christus übertrug Marcus Antonius Kleopatra und ihrer jüngeren Schwester Arsinoe die Insel. 3 Nach dem Tod des Marcus Antonius wurde dies rückgängig gemacht. Bis 22 nach Christus herrschte ein Proprätor über die Insel, danach kam ein Prokonsul. Das Christentum wurde 46 nach Christus nach Zypern gebracht. berbringer waren die Apostel Paulus und Barnabas,Sergius Paulus, Gouverneur von Paphos, wurde als erster hochrangiger Römer Christ. Paphos wurde ein bedeutendes Zentrum des Christentums, während in anderen Teilen des Reiches Christen verfolgt wurden. In den Katakomben von Paphos wurde das Christentum gepflegt – und nicht nur dort war Heimlichkeit vonnöten.

Paulus

Auf dem Bild lässt Paulus den Elymas erblinden. Der römische Gouverneur Sergius sieht Paulus verwundert zu. Elymas, ein herausragendes Mitglied der jüdischen Gemeinde von Paphos und Berater des Gouverneurs, war beunruhigt durch das Interesse des Sergius am Christentum. Paulus wurde an eine Säule gebunden und mit 39 Peitschenhieben bestraft. Seinen Ärger brachte Paulus dadurch zum Ausdruck, dass er Elymas blenden ließ.4 Seit dieser Zeit ist Paphos ein Zentrum des Christentums von großer Bedeutung. Im 3.und 4. Jahrhundert zerstörten starke Erdbeben die Stadt. Salamis wurde Hauptstadt des Landes. In dieser Zeit wurde Zypern byzantinisch. Die größte christliche Basilika wurde dort errichtet. Die byzantinischen Kaiser bestraften Anhänger des Aphrodite-Kultes streng. Von 648 an sah sich die Insel einer arabischen Invasion ausgesetzt. Die Raubzüge wurden von Abdul Halign Kaif geleitet, Sklaven und Reichtümer wurden in Mengen ausgeführt, die Bewohner flohen in Gegenden, die höher gelegen als der Hafen waren. 965 beendeteder byzantinische Kaiser Nicephorus Phokas die Raubzüge. Im 11. und 12. Jahrhundert war Paphos von den Auswirkungen der Kreuzzüge geprägt. Bedeutende Kreuzfahrer blieben in Paphos, z.B. der Herzog von Savoyen, Armendeus und Erik I., der dänische König, der dort starb.

 

Was liest man während eines Zypern-Urlaubes? Bücher aus dem griechischen Kulturkreis, z.B. Nikos Kazantzakis, “Freiheit oder Tod”, in einer etwas angestaubten Ausgabe von 1975. Die Handlung dreht sich um den Kampf der Griechen auf Kreta gegen die türkische Fremdherrschaft. „Freiheit oder Tod” schworen die Kreter, als sie zu den Waffen griffen. Protagonist ist der Kapitän Michalis, ein Frauenheld und unerschrockener Kämpfer, der in aussichtsloser Lage weiter kämpft, als andere Kreter schon resignierten. „Eine Kugel drang in seinen Mund. Eine andere durchschlug seine Schläfe. Sein Gehirn verspritzte auf den Steinen.” Die Handlung spielt 1889 . Kreta ist noch immer von den Türken besetzt und die zahlreichen Aufstände im 19. Jahrhundert– der letzte große war 1866 – und ihre Niederschlagungen hatten viele, tiefe Wunden in ihrer die Familien von Kapitän Michalis und die seines Gegenspielers Nuri Bey geschlagen. Gemeinsam aufgewachsen hatten sie einander einst Blutsbrüderschaft geschworen. Die patriotisch heroische Haltung legt Kazantzakis dem Helden folgendermaßen in den Mund: »So steht es also um euch, ihr Großmächte, ihr weigert euch, Kreta die Freiheit zu geben. Schande über euch! Ich, Kapitän Michalis, ich kleines kretisches Stachelschwein, habe euch nicht nötig! Und mag Gott Kreta im Stich lassen, ich lasse es nicht im Stich!«

Nikos Kazantzakis Brudermörder Der Roman spielt im griechischen Bürgerkrieg von 1944 bis 1949. Griechen töten einander, vereinfacht gesagt schwarz gegen rot. Im Mittelpunkt steht Pfarrer Jannaros, dessen Sohn sich den Partisanen in den Bergen angeschlossen hat. Im Dorf Kastelos wütet die Gewalt der verfeindeten Bürger. Pfarrer Jannaros zweifelt immer stärker an der Gerechtigkeit Gottes. Christus kann ihm den Versuch nicht abnehmen, zwischen den Feinden zu vermitteln. Sein Versuch scheitert: „Der Protopalikare schob die Genossen zur Seite, riß das Gewehr hoch. Die Kugel traf Pfarrer Jannaros mitten in die Stirn. Weit breitete er seine Arme aus, ohne einen Laut auszustoßen, und stürzte rücklings auf die Felsen.” Anlässlich eines toten Kindes von drei Jahren kommt es zu einem aufschlussreichen Dialog zwischen dem Pfarrer und dieser Frau: „Tot, Pfarrer Jannaros”, schrie sie, „ja auch der Kleine ist tot, und nun geh und sag das mal deinem Chef da oben! Hatte er denn nicht einmal ein winziges Stück Brot für den Kleinen? Ist er denn etwa nicht der Allmächtige, ist er denn nicht der Allgütige- und hatte nicht einmal ein winziges Stück Brot für den Kleinen?” Pfarrer Jannaros sagte nichts. Er schaute auf den kleinen grünlich verfärbten Leib, auf den unförmig aufgedunsenen Bauch, den dünnen kleinen Hals mit dem übermäßig großen Kopf, der jetzt wie ein Totenkopf aussah… Mit verzerrtem Gesicht lachte sie wieder hämisch und sah den Pfarrer haßerfüllt an, bis sie plötzlich schrie: „Was für ein Gott ist das, erkläre mir das doch, Pfarrer Jannaros – ein Gott, der die Kinder verhungern lässt?” „Still, still, Frau Areti”, mahnte er mit bittendem Tonfall, „ still, lästere nicht.” Warum soll ich nicht lästern?” sprach die Greisin. „Wovor soll ich denn Angst haben? Was kann er mir denn tun?” Sie wies auf ihr totes Enkelkind und schrie abermals:” Was kann dein Gott mir denn noch weiter antun?” Pfarrer Jannaros streckte die Hand nach dem Kinde aus, als ob er es segnen wolle. Aber die Greisin riß es zurück. „Rühr es nicht an!” schrie sie. „Wohin bringst du es, Areti?” „Begraben will ich es. Draußen auf dem Acker, mit der Hacke hier.” „Ohne Gebet und Segen? Ich komme mit dir.” Die Lippen der alten Frau bedeckten sich mit Schaum. „Gebete? Wozu Gebete! Kannst du es wieder lebendig machen? Das kannst du nicht? Dann laß mich gefälligst in Ruhe, mein Bester!” Mit diesen Worten preßte sie wieder ihren toten Enkel an sich und machte sich, weit ausschreitend, auf den Weg nach den Feldern zu. Da ließ Pfarrer Jannaros tief sein Haupt sinken. Er preßte den heiligen Kelch fest an seinen Busen: „Was kannst du dieser alten Frau sagen, mein Christus? Was können wir dieser alten Frau zu unserer Verteidigung sagen, mein Christus?” So war Pfarrer Jannaros im Begriff, den Abendmalskelch zu fragen, aber er fürchtete sich und schwieg. Er ließ tief sein Haupt sinken und nahm seinen Weg wieder auf durch die Gäßchen in Richtung auf seine Kirche.

 

Kehren wir nach Zypern zurück. Die Zeit der Keuzzüge auf Zypern kann man am besten anhand der Burg von Kolossi nachzeichnen. Der Ort hat eine landwirtschaftlich ertragreiche Umgebung und ist nur einige Kilometer vom Hafen von Limassol entfernt. Bekannt ist der Ort für seine Zuckerplantagen und für die Commandaria-Weine. Die Eroberung Zyperns durch Richard Löwenherz spielte sich folgendermaßen ab. Herausragende Gestalten des des dritten Kreuzzuges waren die Könige von England, Richard Löwenherz, von Frankreich, Philipp August und der Deutsche Kaiser Friedrich Barbarossa. Sie brachen 1990 auf. Richard Löwenherz nahm den Seeweg. Die Flotte Richards geriet in einen Seesturm und war gezwungen, in Messina zu überwintern. Dort verlobte sich Richard mit Berengaria, der Tochter des Königs von Navarra.5 Von Messina segelte Richard nach Rhodos. Nach einem Seesturm gelangte ein Teil seiner Schiffe nach Limassol. Der byzantinische Gouverneur von Zypern hieß Isaak Komnenos, er war während der Herrschaft des byzantinischen Herrschers Andronikos I. Vom byzantinischen Reich abgefallen und ließ sich zum Kaiser von Zypern ausrufen. Er versuchte, Berengaria und die Schwester Richards als Geiseln zu nehmen. Mit Sultan Saladin von Ägypten hatte er ein Bündnis geschlossen. Er hatte sich Saladin gegenüber verpflichtet, den Kreuzrittern nicht zu helfen. Als Isaak nach der Ankunft Richards nichtn sofort kapitulierte, beschloss Richard, die Insel zu erobern. Er landete in Limassol, während Isaak sich nach Koilani zurückzog. Die beiden Protagonisten einigten sich darauf, dass Richard seine Ansprüche auf Zypern fallen lassen sollte und Isaak aufhören sollte, sich den Kreuzrittern gegenüber feindselig zu verhalten, ihnen einen Beitrag von für die Bedürfnisse des Kreuzzuges zur Verfügung stellen sollte und sich mit 500 Männern am Kreuzzug beteiligen sollte. Isaak änderte seine Meinung bald, als er feststellte, dass die Streitkräfte Richards nicht so stark wie angenommen waren. Richard marschierte anschließend nach Kolossi und besiegte Isaak mit 600 bewaffneten Männern. Isaak floh in die Nähe von Nikosia. Im Mai 1191 soll Richard sich mit Berengaria vermählt haben. Sie wurde Königin von England. Sein Verbündeter Guy de Lusignan (König von Jerusalem) schloss ein Militärbündnis mit ihm. In der Schlacht bei Tremetousia wurde Isaak endgültig geschlagen. Guy de Lusignan inhaftierte Isaak bei Kantara, im Mai 1191 ist die ganze Insel unter der Herrschaft des englischen Königs. Nach der Niederlage der Kreuzritter bei Hattin 1187 entwickelte sich Zypern zum geostrategischen Juwel für neuerliche Operationen der Christen im Heiligen Land. Am 5. Juni 1191 segelte Richard nach Syrien zur Vereinigung mit anderen Kreuzrittern. Vorher nahm er den Zyprioten die Hälfte des Landbesitzes ab und gab ihn seinen Soldaten als Lehen. Richard verkaufte Zypern an die Templer, um seinen aufständischen Bruder Johann Ohneland zu Hause zu bekämpfen. Die Templer bezahlten 40.000 Golddinare, die restlichen 60.000 sollten in Jahresraten vom Steuererlös bezahlt werden. 6 Auch die Templer behielten Zypern nicht lange. Im April 1192 traten sie die Insel nach einem Aufstand an Guy de Lusignan ab, der sich hier niederließ. Er war der Dynastiegründer. Von 1192 bis 1489 herrschten die Lusignans auf Zypern. Man betrachtete diese Zeit als „goldene Periode” . Die Feudalherren unterdrückten die Bauern, Güter wurden in den Außenhandel weiter geleitet. Die überwiegend ausländischen Händler entwickelten Zypern zu einem Zentrum des Zwischen-Handels. Ammochostos war das wichtigste Handels-Zentrum der Insel. Guy gewährte Einwanderern reiche Lehen. Die Templer und Johanniter ließen sich auf Zypern nieder. Sie unterhielten eigene Festungen und Soldaten. Die Ritterorden trugen wesentlich zur Verteidigung der Insel bei. Die Assisen (Schwurgerichtssitzungen) legten die Feudalbeziehung folgendermaßen folgendermaßen fest: 1.Jeder untergebene Feudalherr war verpflichtet, beritten und bewaffnet zum Militärdienst bereit zu sein. 2. Die Dauer des Militärdienstes betrug ein Jahr. 3. Zum Militärdienst waren alle Untergebenen des Königreiches verpflichtet. Dazu kamen die sogenannten „Turcopoles”, die die leichte Kavallerie stellten- Guy gewährte diesen Soldaten, die nicht aus dem Adel kamen, kleinere Lehensgüter. Zunächst waren sie Auswärtige, später rekrutierten sie sich auch aus der einheimischen Bevölkerung. An der Spitze dieser Kavallerieeinheiten stand ein fränkischer Offizier. Ein zusätzliches militärisches Hilfscorps stellten die Orden der Templer und Johanniter. Sie unterhielten auch Festungen und beteiligten sich an Operationen im Ausland. Die Johanniter blieben in Zypern auch nach der Auflösung des Templerordens 1313. Im Jahre 1291 siedelte sich der Orden auf Zypern an. Nach dem Fall von Akkon 1291 verlegten sowohl die Templer als auch die Johanniter ihren Hauptsitz nach Lemesos (Limassol). 1302 wurde die Burg Kolossi zum Zentrum der Aktivitäten des Johanniter-Ordens. 1306 wurden die Templer die Besitzer. Kurz danach begann eine Kampagne gegen die Templer, als Papst Clemens V., vom französischen König Philipp IV. unterstützt, den Templerorden für gesetzwidrig erklärte. Letzterer beschloss die Auflösung des Ordens. Der Großmeister und viele führende Mitglieder wurden hingerichtet. In Zypern wurden die Templer in Germasogeia und Lefkara arrestiert. 1313 wurde der Prozess gegen die Templer abgeschlossen, der Orden wurde aufgelöst, in Zypern wurden die Mitglieder in der Burg von Kyreneia inhaftiert. Danach wurde die Burg und der Grundbesitz von Kolossi den Johannitern übergeben.. 1310 verlegten die Johanniter ihren Hauptsitz nach Rhodos – eine Kommanderie (Obere Militärverwaltung) blieb in Kolossi. Diese war ein sehr reiches Besitzgut. In den Ländereien von Kolossi wurden Weizen, Baumwolle, Zucker, Öl und Weine produziert. Bezüglich der Wasser- rechte waren die Johanniter im Vorteil gegenüber ihren Nachbaren von Episkopi, die Zuckerrohr- plantagen besaßen. Beide Orden – die Templer und Johanniter – spielten eine tragende Rolle beim Export zyprischer Weine. So hieß der traditionelle Rotwein Zyperns Commandaria. Der größte Teil des zyprischen Rotweines wurde im 14.Jahrhundert nach England exportiert.

Burg von Kolossi

Burg von Kolossi

Über die Gründung der Burg von Kolossi gibt es zwei Thesen. Nach der ersten ließ sie König Hugo I. 1210 erbauen. Nach der zweiten ließen die Ritter des Heiligen Johannes von Jerusalem die Burg 1454 erbauen. Erbauer der Burg war Louis de Magnac, der Großkomptur war und das Lehensgut 1450 besaß. Werfen wir noch einen Blick auf die Zuckerrohrfabrik von Kolossi. Die Zuckerrohrplantagen wurden vom Fluss Kourris bewässert. 1464 schloss die venezianische Familie Martini einen langjährigen Vertrag mit dem Johanniterorden, der die Zuckerproduktion in Pulverform gestattete. Die Familie Cornari verfügte über große Plantagen im Nachbarort Episkopi. Im Jahr 1455 protestierte der Senat Venedigs, weil die Plantagenbesitzer vom zyprischen König Jean II.(1418 bis 1458) ungerecht behandelt wurden. 1461 konfiszierte der König Louis den ganzen Pulverzucker. Das Zuckerrohr kam im 10. Jahrhundert von Ägypten. Bis ins 16. ahrhundert war es eine bedeutende Pflanze der zyprischen Wirtschaft. Fünf Jahrhunderte waren große Flächen der Insel mit Zuckerrohr bebaut. Die größten Mengen wurden in den Bezirken Limassol und Pafos produziert. Die Blütezeit begann Ende des 13. Jahrhunderts, als die Johanniter in ihrer Commanderie in Kolossi begannen, Zucker zu raffinieren. Hauptsächlich ging der Zucker an die Venezianer. 1494 besuchte der Italiener Casola die Zuckerrohrplantagen von Kolossi und erlebte 400 Menschen, die mit der Zuckerproduktion ihr Brot verdienten. Die Zuckerrohrmühle wird ins 14. Jahrhundert datiert, 1591 wurde sie renoviert, als Murad Pascha vor Zypern war. Die Reparatur wurde nötig, weil Erdbeben von 1567 und 1568 schwere Schäden verursacht hatten. Bei einer Busreise ins Landesinnere kann man aussteigen und sich fotografieren lassen. In den Bergen weht ein kühleres Lüftchen als am Strand.

Als erster Attraktionspunkt wird das Omodos -Kloster erreicht. Das Bergdorf gleichen Namens bietet nach Einschätzung von Tourismus – Fachleuten den schönsten Dorfplatz der Insel. Haupt- einnahme des Dorfes ist der Wein. Das Heiligkreuzkloster wird nicht mehr von Mönchen bewohnt. Nach einer Legende führten Splitter des Heiligen Kreuzes und ein Stück des Hanfstrickes Jesu zur Gründung dieses Klosters. Das Kloster besitzt eine Schädelreliquie des Apostels Philippus. In den Klostertrakten befindet sich das kleine EOKA-Museum, das den zyprischen Widerstand gegen die englische Kolonialherrschaft dokumentiert:

.

EOKA ist die Abkürzung für griechisch Ethniki Organosis Kyprion Agoniston, das ist die „Nationale Organisation zypriotischer Kämpfer“, eine gegen Großbritannien gerichtete Untergrundbewegung der griechischen Zyprioten, die in den 1950er Jahren unter General G. Grivas für den Anschluss Zyperns an Griechenland kämpfte. Am 1. April 1955 nahm Grivas an der Spitze der EOKA den Kampf gegen die britische Kolonialherrschaft auf. Von 1955 bis 1959 führte die EOKA einen Guerilla-Krieg gegen die britischen Besatzungstruppen auf der Insel. Die britische Kolonialzeit auf Zypern endete schließlich 1960.Die EOKA wurde 1974 verboten.

Ausflug in die Berge

Wenn man in das Landesinnere fährt, kann man beim Ausstieg die etwas kühlere Luft der Berge genießen, die angenehm absticht von der schon zu großen Hitze im Juni in den Tälern. So gehört es zu den Standard-Angeboten der Tagesausflüge, das Kykko – Kloster zu besuchen. Es wurde gegen Ende des 11. Jahrhunderts vom byzantinischen Kaiser Alexios Komnenos (1081 bis 1118) gegründet. Nach den Auskünften der Überlieferung lebte in einer Höhle auf dem Kykko – Berg ein tugendhafter Eremit. Nach einer Legende wurde die Tochter des Kaisers von einer unheilbaren Krankheit befallen, nach einer anderen der Gouverneur. Der mit göttlicher Heilkraft ausgestattete Einsiedler Jesaja kurierte das Mädchen bzw. den Gouverneur7 Als Belohnung bat der Einsiedler Jesaja um die Ikone der Jungfrau Maria, die sich im Kaiserpalast in Konstantinopel befand. Ungern trennte sich der Kaiser von seinem kostbaren Schatz, schickte ihn nach Zypern und spendete das Geld zum Bau eines Klosters als würdigen Hort für das heilige Relikt. Der langjährige Präsident Zyperns, Erzbischof Makarios, war Novize in diesem Kloster, in späteren Jahren zog er sich bevorzugt dorthin zurück. Die heutigen Klosterbauten stammen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Das Kloster ist äußerst prächtig. Die Fresken stammen aus den 1990er Jahren. Neben der Marien-Ikone sieht man einen schwarzen Bronzearm. Er erinnert daran, dass ein Schwarzer den Frevel beging, sich eine Zigarette an der Öllampe der Ikone anzuzünden. Als Strafe wurde sein Arm in Bronze verwandelt. Ende der 90er Jahre wurde im Nordwesttrakt des Klosters ein Museum eröffnet. Zu den ältesten Handschriften gehört eine Pergamentrolle aus dem 12. Jahrhundert, die sogenannte Chrysostomos- Liturgie. Auf angemessenes Verhalten wird bestanden. Wer mit überkreuzten Beinen im Kloster sitzt, muss mit einem Rüffel rechnen und das in einem harschen Ton. Also aufgepasst: beide Beine auf den Boden!

Kommen wir nach Kourion, das schon in einer ägyptischen Inschrift aus der Zeit Ramses III. (1198 bis 1167) als eines der wichtigsten Königreiche Zyperns bezeichnet wird. Im Jahr 709 vor Christus huldigte der König von Kourion zusammen mit sechs anderen zyprischen Königen dem assyrischen König Sargon II. Nach dem Jahr 569 vor Christus akzeptierten Kourion and andere zyprische Königreiche die ägyptische Herrschaft. 546 war Kyros von Persien der neue Herrscher. In dieser Zeit dehnte sich die Stadt bis Paleokastro aus. Das Christentum etablierte sich zu Beginn des 3. Jahrhunderts n. Christus. Christenverfolgungen kosteten dem Bischof Philoneides unter Kaiser Diokletian (284 bis 305 nach Christus) das Leben. Hervorstechend ist das hellenistische Theater aus dem späten 2.Jahrhundert vor Christus- in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts nach Christus wurde es wahrscheinlich unter Kaiser Nero (54 – 68 n. Chr.) radikal erneuert. 77 nach Chr. führte ein Erdbeben zu schweren Zerstörungen, unter Trajans Herrschaft wurden die heutigen Dimensionen erreicht. Noch markanter ist das Haus des Eustolios. Es stammt aus dem Ende des 4.Jahrhunderts bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts . Auf einer Mosaikinschrift ist zu lesen: „Anstatt großer Steine und soliden Essens, schimmernder Bronze und auch Adament, ist dieses Haus umgeben von den hochverehrten Zeichen Christi.” Die Darstellungen von Fischen und Vögeln des Paradieses (graue Gans, Fasan, Rebhuhn, Perlhuhn und Falke) zeigen einen tiefen Glauben. Eine weitere Inschrift lautet: „Die Schwestern Ehrfurcht, Klugheit und Frömmigkeit hüten das Podium und diese zerbrechliche Halle.” Eine andere Inschrift hat folgenden Text: „Eustolios, nachdem er gesehen hatte, daß die Bewohner von Kourion, obwohl zuvor sehr reich, in ungerechtfertigter Not waren, vergaß nicht die Stadt seiner Vorfahren, aber nachdem er zuerst die Bäder unserer Stadt gestiftet hatte, kümmerte er sich dann um Kourion wie einst Phoebus (Apollon) es tat und errichtete diese kühle Zuflucht, geschützt vor den Winden.” Kehren wir in die Zeit des ausgehenden zwölften Jahrhunderts zurück. 1192 entschloß sich Guy de Lusignan seinen Erbanspruch auf die Krone von Jerusalem aufzugeben und ihn an den englischen König abzutreten. Im Mai dieses Jahres kamen die Lusignans als „fränkische Dynastie” für fast dreihundert Jahre in den Besitz der Insel. Von 1194 bis 1205 wurde Amalrich I., einer der bedeutendsten Herrscher der Insel.8 Die äußere Sicherheit wurde durch einen Burgengürtel St. Hilarion, Kyrenia und Buffavento bewerkstelligt. 1195 sandte Amalrich I. eine Delegation an den Reichstag von Gelnhausen und empfing von Kaiser Heinrich VI. ein goldenes Zepter als Zeichen der Herrscherwürde. 1197 wurde Amalrich im Dom von Nikosia zum König gekrönt – von keinem geringeren als dem Reichskanzler Bischof Konrad von Hildesheim. Die Insel Zypern wurde damit ein Lehen des Reiches und das für mehrere Jahrzehnte. 1225 kam die Ehe Friedrichs II. mit der Enkelin des ersten Zypernkönigs zustande. Der deutsche Kaiser wurde König von Jerusalem. 1228 kam Friedrich II. nach Zypern um endlich den mehrfach aufgeschobenen Kreuzzug in die Tat umzusetzen. Die Barone von Zypern wollten, dass er sie gegen den Herrn von Beirat, Johann Ibelin, schütze. Dieser wollte nicht, dass auf Zypern ein kaiserlicher Beamtenstaat wie in Sizilien entsteht, der die Lehensrechte beschränkt. Der deutsche Kaiser legte Garnisonen in Zypern an und ließ das Land durch Statthalter regieren. 1229 riss Ibelin die Macht an sich, als Friedrich nach dem Kreuzzug nach Italien zurückkehrte. 1233 gehörte Zypern nicht mehr zum Reich, 1245 erlosch die Lehensverpflichtung.9 1291 brachen die Kreuzfahrerstaaten endgültig zusammen, es strömten viele Rückkehrer nach Zypern – Geistliche, Ritter, Kaufleute; Famagusta wurde zum führenden Umschlageplatz des Handels in der Region. Ende des 15. Jahrhunderts heiratete König Jakob II. die reiche Venezianerin Caterina Cornaro. Als er starb, wurde die Witwe Königin von Zypern. 1489 dankte sie zugunsten der Stadt Venedig ab. Neunzig Jahre Venezianer-Herrschaft waren gekennzeichnet durch Schleifung der Königsburgen und Ummauerung der Städte und Schaffung von Hafenanlagen mit Molen und Leuchtfeuern. Deutsche konnten vom venezianischen Handelssystem profitieren, so der Breslauer Fernkaufmann Johannes Rindfleisch, der das Wappen der Insel führen durfte. 1491 erlebte die Insel ein schweres Erdbeben. 1571 eroberten die Türken Zypern. Ihre Herrschaft hatte schon 1517 begonnen, als die Bewohner dem Sultan eine jährliche Abgabe entrichten mussten. Unschönes Detail am Rande: Der venezianische Statthalter von Zypern hieß Mercantonio Bragadin. Mustafa Pascha, der Eroberer, ließ ihn mehrere Tage foltern und danach töten. Nicht nur das – man schnitt ihm Ohren und Nase ab und häutete ihn bei lebendigem Leibe. Mustafa war wütend, weil Bragadin die seiner Meinung nach großzügigen Kapitulationsbedingungen verletzt hatte, indem er muslimische Pilger, der Freilassung vereinbart war, exekutieren ließ.

———————————————————

Traditionelle Politik der Türkei war es seit eh und je, den türkischen Bevölkerungsteil in dem eroberten Gebiet durch Zwangsbesiedelung zu vermehren. Sultan Selim verfuhr auch in diesem Fall so, vor allem Bauern sollten nach Zypern – es waren rund dreißig tausend Menschen. Dazu kamen noch Freiwillige. Die Venezianer hatten sich unbeliebt gemacht, weil die Einheimischen auf Zypern zu einem Sklavendasein verurteilt waren. Die türkische Herrschaft erwies sich insofern als erträglicher, als unnötige Abgaben gestrichen wurden, andere erleichtert wurden. Auf die Rechte der einheimischen Bevölkerung wurde geachtet.10 Beim Haus- oder Landkauf durfte ein Türke nur berücksichtigt werden, wenn ein Grieche kein Interesse hatte. Im Gegensatz zu den katholischen Lusignans und Venezianern, die orthodoxe Kirchen geschlossen hatten und deren Besitz ihrer Kirche übereignet hatten, gaben die Türken den Orthodoxen ihre Kirchen zurück. Der Erzbischof wurde aus der Verbannung zurückgeholt und als nationaler Sprecher der Griechen auf der Insel anerkannt. Die Kirche war von Steuerabgaben befreit, für christliche Untertanen war als Steuereintreiber ihr Erzbischof zuständig. Der Erzbischof durfte bei Bedarf mit dem Großwesir sprechen. Bedeutendste Festungen, die von den Türken erbaut wurden, sind die von Paphos und von Larnaka. Markante Moscheen entstanden in Nikosia – die Arab-Ahmet-Pascha- Moschee und die Sarayönü-Moschee – und in Dali – die Moschee des Dichters Ziya Pascha. Auf Zypern liegt ein Derwischkloster mit dem Grab Umm Harams. 11 Sie war eine Tante des Propheten, die 649 zusammen mit ihrem Mann am ersten Kriegszug der Araber gegen Zypern teilgenommen hatte. Das Grab in Larnaka ist ein Heiligtum und vergleichbar mit der Kaaba in Mekka und dem Grab Mohammeds in Medina.12 Eine der ersten Taten der Türken nach der Eroberung war die Wiedererrichtung dieses Grabmals, das jetzt zu besichtigende stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, die Moschee entstand etwa 50 Jahre später. Vorbeiziehende türkische Schiffe begrüßten bis zum Ersten Weltkrieg Umm Haram mit Kanonendonner. Die Kirchen, die die Venezianer in Zypern zurückließen, wurden von den Türken in Moscheen verwandelt. Das Verwaltungssystem der Türken – Einteilung des Landes in sechs Kreise Nikosia, Famagusta, Larnaka, Limassol, Paphos und Kyrenie – bildet auch heute noch die Grundlage des Verwaltungssystems der Insel.

 

1878 wurden die Türken von den Engländern als Herren Zyperns abgelöst. Für sein Abdanken auf Zypern wurde der Türkei von den Engländern im Gegenzug Hilfe gegen das sich ausbreitende Zarenreich zugesagt. Geostrategisch war Zypern besonders wichtig seit dem Bau des Suezkanals 1869. Hier konnte die Kronkolonie Indien besonders gut im Auge behalten werden. Während des Ersten Weltkrieges wurde Zypern der Anschluss an Griechenland in Aussicht gestellt – Zypern war vorher von England annektiert worden. Griechenland nahm jedoch nicht am Ersten Weltkrieg teil. 1925 wurde die Insel Britische Kronkolonie. Forderungen nach Anschluss der Insel an Griechenland wurden Anfang der 1930er Jahre erhoben, es kam zu blutigen Aufständen. Gegen die Achsenmächte entstand jedoch ein „Cyprus Regiment” aus Griechen und Türken der Insel, das der britischen Armee unterstand. Danach verbesserte sich das Klima und es wurden 1943 wieder Kommunalwahlen zugelassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg lehnte Großbritannien nach wie vor die Enosis ab. Hier trat zum ersten Mal Erzbischof Makarios III. auf, der das Thema 1950 zum ersten Mal vor die UNO brachte. Makarios wurde am 20. Oktober 1950 im Alter von 37 Jahren zum jüngsten Erzbischof in der Geschichte der orthodoxen Kirche Zyperns gewählt. Nach der Evakuierung des Suezkanals 1954 wurde Zypern für Großbritannien immer wichtiger als Nachschubbasis einer mobilen Eingreif-truppe. 1955 entstand unter General Grivas die EOKA. (Siehe dazu Einlassung zum EOKA- Museum). Als Gegenpol gründeten die Zyperntürken die TMT (Türkische Verteidigungsorganisation), die ebenfalls gewaltsam vorging. 1956 wurde Makarios auf die Seychellen verbannt und kehrte 1957 zurück. Da die Insel für Großbritannien nach der Niederlage in der Suezkrise keine überragende geostrategische Rolle mehr hatte, wurde ein Kompromiss gefunden, der sowohl die Enosis als auch die Teilung der Insel ausschloss.

 

Unabhängigkeit Zyperns 1960

Am 19. August unterzeichneten Makarios III., der Vertreter der Inseltürken Dr. Kücük sowie die Staatschefs Großbritanniens, Griechenlands und der Türkei das Londoner Abkommen, in dem Zypern unabhängige Republik wurde. Ihr erster Präsident wurde erwartungsgemäß Makarios III. Im Parlament waren 35 griechische und 15 türkische Abgeordnete vertreten.Großbritannienkonnte zwei Militärbasen – Akrotiri und Dekeleia- als exterritoriales Gebiet behalten – das waren etwa drei Prozent der Inselfläche. 1960 kam Zypern in die UNO, 1961 in den Europarat. Die Inselgriechen waren nach wie vor für die Enosis. Der überproportionale Einfluss der Türken in der Volksvertretung und in den öffentlichen Ämtern, der bei 30 Prozent lag, war ihnen ein Dorn im Auge. 1963 kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Bevölkerungs- gruppen. 1964 verließen die türkischen Vertreter das Parlament. Die türkische Bevölkerung zog sich in Enklaven zurück. Sie durften von den Inselgriechen nicht betreten werden. Die UN entsandte eine Friedenstruppe von 6.000 Mann nach Zypern. 1967 ergriff eine Militärjunta unter Georgios Papadopoulos die Macht in Griechenland- zu ihm gesellten sich Pattakos und Makarezos als Junta- Generäle. In dieser Zeit wollte Makarios die Enosis nicht mehr realisieren – aus Gründen der Ablehnung der Militärdiktatur. Am 15. Juli 1974 initiierte die griechische Militärjunta einen Staatsstreich gegen Makarios – dieser floh nach Pafos und dann nach England. Der Zeitungsverleger Nikos Sampson – der „Schlächter von Omorphita”, der an zahlreichen Massakern an Zyperntürken teilgenommem hatte – wurde Präsident. Fünf Tage danach landete türkisches Militär auf der Insel. Bis Mitte August wurde ein Drittel der Insel von den Türken besetzt. Etwa 160.000 griechische Zyprioten flohen vom Norden in den Süden, etwa 45.000 Türken vom Süden in den Norden. Schätzungsweise achtzig tausend Festlandtürken wurden in Nordzypern angesiedelt.13 Den Flüchtlingen wurde nicht erlaubt, nach Nordzypern zurückzukehren. Nach der Rückkehr von Makarios am 8. Dezember 1974 blieb die Insel geteilt. 1975 proklamierten die türkischen Zyprioten den „Türkischen Bundesstaat Nordzypern” und 1983 die „Türkische Republik Nordzypern”. Sie wurde bisher nur von der Türkei anerkannt. Der Kontakt zwischen den Bevölkerungstruppen war dreißig Jahre fast unmöglich. 2003 kam eine Grenzöffnung zustande. 2004 trat Zypern der Europäischen Union bei. Juristisch gehört die ganze Insel zur EU, de facto nur der griechische Südteil. Der türkische Teil hat einen Sonderstatus.14 2004 stimmten die Zyprer über einen Plan des früheren UN-Generalsekretärs Annan zur Wiedervereinigung der Insel ab. 65 Prozent der Nordzyprer stimmten mit Ja. Die Zyperngriechen stimmten mit 76 Prozent der Stimmen dagegen. Ihr Nein war begründet durch einige unannehmbare Bestimmungen des Planes

35.000 türkische Soldaten sollten im Norden bleiben

die Türkei hatte ein Interventionsrecht

die türkischen Siedler aus Anatolien sollten anerkannt werden

Einschränkung des Rückkehrrechtes griechischer Zyprioten nach Nordzypern

Als Hauptproblem einer potentiellen Wiedervereinigung kann die Forderung der Griechen im Süden gelten, Grund und Boden aus der Zeit vor der Vertreibung 1974 im Norden wieder zu erhalten. Tassos Papadopoulos war in dieser Zeit Präsident der Republik Zypern – er agierte besonders hart gegen den Plan Annans.15

Werfen wir noch einen Blick auf Limassol. Die Stadt wurde nach 1974, als Famagusta in den türkischen Bereich der Insel fiel, wichtigster Hafen des Landes. Die Stadt wuchs durch die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Norden (45.000) und Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem Libanon nach der türkischen Invasion rasch an. In den 80er Jahren kauften Libanesen Immobilien in der Stadt, kehrten aber später wieder ein. Eine lange Tradition haben in der Stadt Weinkellereien und Konservenfabriken. Mitte der 90er Jahres des letzten Jahrhunderts sind viele russische Kaufleute nach Limassol gekommen. Das bedeutendste Bauwerk ist die Festung.In ihr soll Richard Löwenherz 1191 seine Berengaria geheiratet haben. Sie wurde im 13. Jahrhundert auf Resten einer Befestigungsanlage errichtet. Im 14. Jahrhundert fiel die Festung an die Lusignans,danach an die Johanniter, unter denen die quadratische gotische Halle im Erdgeschossentstand. Der englische Führer meint zur Baugeschichte in dieser Zeit: „The destruction of the medieval phase of the castle happened during the Genose raids in 1373 where they are reported to have assailed the castle and torched the town. During the 14th century travellers also reported that the city was in shambles and also uninhabited. It appears that the castle underwent repairs by the beginning of the 15th century, since it was an element of the city’s defences against Genoese attacks in 1402 and 1408. A 14th century tombstone, found during the construction of the Church of Panagia Katholiki and depicting a castle with three towers, may refer to the form of the castle during this period. In 1413, the castle successfully withstood the first attacks by the Egyptian Mamelukes, but could not stand against the attack of 1425, most likely due to the damage incurred from the first attack as well as the subsequent earthquakes.16 Durch eine Wendeltreppe gelangt man auf das Dach, das einen schönen Blick über die Altstadt und das Meer bietet. Im Mittelaltermuseum finden sich Grabsteine aus dem 14. und 16. Jahrhundert und ein Teil des Silberschatzes von Lambousa.

Limassol

Die Jolly Roger in Paphos bietet eine Entertainment-Fahrt durch das Mittelmeer. Hier einige visuelle Eindrücke davon. Man kann währen der Fahrt im Meer baden. Der Entertainer aus Wales singt und reißt Witze. Man kann die Figuren des Seeräubers und seiner Geliebten bewundern. Insgesamt ein Ausgleich gegenüber viel Geschichte und Kultur. Ein angenehmer Wind lässt die Hitze erträglich erscheinen. Doch sollte man Hemden mit Ärmeln tragen, da der Wind die stechende Sonne nicht daran hindert, die Haut auf den Schultern und auf den Armen zu röten. Ein Huhn als Rhodeländer ist sicherlich fotogener als ein Mensch. Gibt es Rhodeländer auf Zypern? Eine Frage, die unbeantwortet bleiben muss! Betrachten wir die Bläue des mediterranen Meeres, dann kann man die Rhodeländer vergessen.

——————————————-

Fußnoten

1 Vgl. Vassos Karageorghis, Kupfer hat Kypros reich gemacht, in Merian Zypern Heft 10/XXIII, S. 28 f.

2Vgl. Dick Richards, Die Geschichte Zyperns in nur zehn Kapiteln, Limassol 1992, S. 7

3 Vgl. Wikipedia Geschichte Zyperns, S. 8

4 Vgl. Renos Lavithis, Paphos – Land der Apphrodite (Reiseführer), London 2004, S. 9

5 Vgl. Ekaterini Ch. Aristidou, Die Burg von Kolossi durch die Jahrhunderte, Nikosia 2005, S. 9

6Vgl. ebd., S. 13

7 Fest steht zweifelsfrei nur, dass es sich nicht um den Esel des Kaisers handelt

8 Vgl.: Walther Hubatsch, Wie ein Ritterroman,in: Merian Zypern Heft 10/XXIII, S. 40

9 Vgl. ebd.

10 Vgl. Vergi H. Bedevi, Auf Sultan Selims Ferman, in: Merian Zypern Heft 10/XXIII, S. 47

11Vgl. ebd., S.48 f.

12Vgl. ebd., S.48 f.

13 Vgl. Dick Richards, a.a.O., S. 59 f.

14 Vgl. Baedecker Zypern, Ostfildern o.J., S. 53

15 Vgl. ebd.

16 The Medieval Museum of Cyprus in the Lemesos Castle (englischsprachiger

Museumsflyer)

—————————————————————————————————————–

 

                                  Meer bei Pafos

Hier noch ein Foto des Piratenschiffes Jolly Roger

 Werfen wir noch einen Blick auf das Aliathon Holiday village, eine Art pool – durchsetztes Ferienparadies in Pafos.

Christian Schauer  September 2011 bis Januar 2012 Ende Zypern-Reisebericht ———————————————————————————————————– Anhang zum Zypern-Reisebricht  Sperbergrasmücke   Zyprischer Steinschmätzer

 

Vogelfang in Zypern – Impressionen im Juni 2011

Wie in anderen südeuropäischen Ländern ist das Töten von Vögeln und anderen Tieren eine weit verbreitete „Sportart”. Mit traditioneller Jagd hat dies nichts zu tun, zum Überleben hat diese Art von Jagd nichts zu tun. Im griechisch zypriotischen Teil gibgt es etwa 35.000 Jäger mit offizieller Lizenz (Stand:Anfang der 90er Jahre) Die Leimrute ist eine alte, traditionelle Methode des Kleinvogelfangs. In Gebieten mit hoher Vogeldichte übt dieses „Sport” fast ein Mitglied pro Familie aus. 1980 wurden allein im Gebiet von Paralimni 50.000 bis 84.000 Vögel gefangen. Eine weitere Methode des Vogelfangs sind Netze. Sie werden zusammen mit Fischernetzen in Geschäften angeboten. Die illegale Jagd mit dem Auto ist auch weit verbreitet, obwohl sie illegal ist. Während der Nacht wird diese Jagd mit Autoscheinwerfern ausgeübt. Durch das dichte Straßennetz in den Bergen haben die Vogelfänger leichtes Spiel. 1982 fanden sich am ersten Tag der Turteltaubenjagd über 1000 Jäger am Salzsee von Akrotiri ein, um diesen Vögeln aufzulauern. Im selben Jahr töteten Vogeldiebe sämtliche Wasservögel in Fasouri. Hauptmaßnahme zum Tierschutz ist die Schaffung großer Zonen, in den die Jagd das ganze Jahr verboten ist. Das „Komitee gegen Vogelmord” fordert in einem Protestmail an Umweltminister Dimitris Eliades, Innenminister Neoklis Sylikiotis und Justizminister Loukas Louka ein Ende dieser Unart. Darin heißt es: „ Sehr geehrte Herren Minister, die illegale Verwendung von Leimruten und Netzen zum Vogelfang ist auf Zypern immer noch weit verbreitet. Diese Fanggeräte sind unselektiv und haben einen erheblichen Einfluss auf mehr als 100 Zugvogelarten. Die meisten davon sind selten geworden und in ihrem Bestand gefährdet. Vogelfang wird heute nicht mehr zur “Selbstversorgung” betrieben und ist keine “alte Tradition”. Vielmehr handelt es sich inzwischen um organisierte Kriminalität mit großen Gewinnspannen für professionelle Wilderer, Mittelsmänner und das Gaststättengewerbe. Die Wilderei auf Zypern ist ein ernst zu nehmendes Problem. Die unselektiven Methoden bedeuten den Tod von Millionen Sing- und Zugvögeln, die Zypern auf ihrem Flug über das Mittelmeer als Trittstein nutzen müssen. Die Zugvögel brauchen das entschiedene Handeln der zuständigen Behören. Ihr Ministerium kann hier eine Schlüsselrolle spielen. Wir brauchen ein klares Bekenntnis gegen den Vogelfang und energische Schritte gegen Restaurants, die immer noch geschützte Vögel verkaufen. Ich hoffe deswegen, dass Sie die Möglichkeiten Ihres Amtes nutzen, um zypriotisches wie europäisches Naturschutzrecht besser umzusetzen.” Sperbergrasmücke auf zypriotischer Leimrute – siehe oben Internetseite: http://www.komitee.de/content/start

http://www.komitee.de/content/zypern-protest-2010-0

 

In Zypern nisten die Rauchschalbe, die Mehlschwalbe, der Blaßspötter, der Mauersegler und Fahlsegler. Arten, die es nur auf Zypern gibt, sind die Zyprische Zwergohreule, der Zyprische Steinschmätzer- hier im Bild als Briefmarke- (siehe oben) d ie Zyprische Grasmücke, der Zyprische Gartenbaumläufer, die Zyprische Tannenmeise und die Zyprische Kohlmeise.Die Zyprische Zwergohreule hat mittelgrosse Federohren, sie brütet Ende April 3- 5 Eier und ernährt sich überwiegend von Insekten. Ihr Nistplatz sind Baum- und Mauerlöcher. Sie bleibt das ganze Jahr auf der Insel.Beim Zyprischen Steinschmätzer handelt es sich um einen Vogel, dessen schwarze Färbungbeim Männchen von den Flügeln bis zum Rücken und von den Seiten des Kopfes bis zur Kehle reicht. Er pflanzt sich auf der Insel fort und wandert im Winter nach Äthiopien und in den Norden des Sudans. Der Zyprische Gartenbaumläufer ist eine heimische zypriotische Form der Art Gartenbaumläufer. Er ist ein ständiger Bewohner der Wälder des Troodos. Bei der Zyprischen Kohlmeise ist der Bauch cremefarben, fast weiß, anstelle von gelb bei der Stammart. Sie ist eine ständige Bewohnerin Zyperns. Auch die Zyprische Tannenmeise ist eine heimische Unterart Zyperns. Das Schwarz an der Kehle reicht nicht über die Brust und den Bauch hinweg. Der Kopf der Zyprischen Elster ist am oberen Teil schwarz gepunktet. Sie ist ein ständiger Bewohner der Insel. Ihre Flügel sind schwarz mit einem dunkelblauen Bereich und einem weißen Fleck. Sechsundvierzig Vogelarten verbringen das ganze Jahr auf der Insel und 27 Arten der Zugvögel nisten und pflanzen sich auf der Insel fort. Zu letzteren kommen noch 24 Arten Zugvögel, die nur gelegentlich auf der Insel nisten. 243 Arten kommen nur zum Überwintern auf Zypern oder machen dort Zwischenstation. Das vogelreichste Gebiet sind die Wälder des Troodos-Gebirges.

——————————————————————————————————————————————

Venedig und der Garda-See – Reisebericht Anfang August 2010

Venedig bei Regen Preis: 28.- Euro für sechs Stunden Parken. 71.- Euro für drei Snacks und vier Getränke. Der Markus-Platz bei Regen – anstehen etwa 30 Minuten, um in die Kirche rein zu kommen. Eine mystische Kirche von exorbitanter Qualität. Der Byzantinismus von Sankt Markus. 452 hatte sich die Stadt Aquilleia aus einem römischen Castrum entwickelt.Man floh vor Attila auf die Inseln, die von Bauern und Fischern besiedelt waren. Als immer mehr Flüchtlinge kamen, hieß es „Da kommen ja immer noch welche” (Veni etiam). Die Neubürger wurden zu Venetianern. Cassiodor schreibt: „Dort, in diesem Gebiet, um welches Meer und Erde sich streiten, habt ihr euch Häuser aufgerichtet wie die Nester von Wasservögeln; Durch Faschinen und kunstvolle Dämme wußtet ihr eure Wohnungen miteinander zu verbinden; den Meeressand häuftet ihr an, um die Wut der Wellen zu brechen, und der scheinbar schwache Wall trotzt der Stärke des Wassers.” Der Brief wurde zu Anfang des 6. Jahrhunderts geschrieben. Es ging um den Levantehandel, also um Schiffsverkehr mit Kleinasien und Ägypten. Die Schiffer führten seit geraumer Zeit solche Operationen durch. Narses besiegt wenig später das Ostgotenreich. 568 verwüsten die Langobarden Aquileia- etwa 580 zog sich Paulinus, Patriarch von Aquileia, auf Grado – die nördlichste der Lagunen-Inseln- zurück. Laß die Gondeln Trauer tragen. Der erste Doge hieß Paoluccia. Er mußte gegen Langobarden Kriege führen. Luitprand, König der Langobarden, pflegte zu ihm beste Beziehungen. Der zweite Doge hieß Marcello Tegaliano und regierte von 717 bis 726, Orso Ipato von 726 bis 737. Die Langobardenkönige schicken sich an, ganz Italien zu erobern, an der Grenze zu Venetien herrscht weitgehend Ruhe. Dem nächsten Dogen Deusdedit werden byzantinische Kontrolleure zur Seite gestellt (um die Jahrhundertmitte stieg der Einfluß von Byzanz wieder). Die Dogen residieren jetzt in Malamoco. Orso Ipato wurde 726 der erste von Venezianern gewählte Doge (in der Zeit von Kaiser Leo III). Der Sitz des Dogen befindet sich seit 811 auf der Insel Rivoalto. Rialto liegt am Canale Grande- der Hauptverkehrsader der Stadt. Für den Levante-Handel lohnte es sich, nach Alexandria zu fahren. Hier lag der Apostel Markus begraben- in einem kleinen Mausoleum. Schreiber beschreibt es ironisch: „Nun, die beiden Venezianer erhielten einen einbalsamierten Leichnam, eingeschlagen, versiegelt und rücklings in einem flachen Mumienkorb liegend, wie die Tradition es vermeldete. Sie bedeckten die kostbare Fracht mit allerlei unverdächtigen Lebensmitteln, unter die sie wohlweislich auch Schinkenspeck mischten, weil diesen die Mohammedaner nicht berühren durften, und dann ging es eilends aufs Schiff. Alles, was vom Vorher und Nachher sonst wohl erzählt wurde, ist gewiß Legende.”1 Dies geschah im Jahr 828. Bedeutende Pilger besuchtenVenedig. Papst Benedikt III. 853, Kaiser Otto III.im Jahr 998, Papst Leo IX. im Jahr 1053. Händler und Seefahrer, denen der Levante-Handel Wohlstand gebracht hat, verlassen den Hafen Torcello und siedeln in die Stadt um. Brücken verbinden die Inseln. An den Häusern entstehen Öffnungen zum Abladen der Waren (Rivas), eine Vorhalle (Fondaci) ist Schutzund Zugang zu den Lagern. Der Bau der Dogenkapelle beginnt 829. Daneben existiert eine „Palazzo Comune”.Der Markusdom ist in seine byzantinischen Bauweise einmalig auf italienischem Boden. Der heilige Markus gehört zu den Evangelisten. Venedig strebt nach Unabhängigkeit von Konstantinopel. Um 1000 nach Christus beherrscht die Stadt die adriatischen Küsten von Dalmatien bis Apulien sowie die Küsten des östlichen Mittelmeeres.

 

Kehren wir in das 9. Jahrhundert zurück. Mit Tradonico wurde die Reihe der Partecipazio-Dogen unterbrochen, die seit 809 Amtsinhaber gewesen waren. Er soll ein sehr machtbewußter und durchsetzungsfähiger Doge gewesen sein, wie es venezianische Chronisten überliefern. Er regierte von 836 bis 864.Er wurde vor allem als Schiffbauer bekannt. Er baute die größten Kriegsschiffe, von denen man damals gehört hatte- die Gaggiandre. Er konnte weder lesen noch schreiben. Der Doge verlieh die Flotte an den Kaiser im Osten gegen die Sarazenen und im Westen an den Kaiser gegen die Seeräuber Dalmatiens. Venedig selbst bekämpfte die Piraten. Die alten Geschlechter bekämpften ihn, so bildete er um sich eine Leibwache aus kroatischen Söldnern. Als Tradonico am 13. September 864 die Kirche von San Zaccaria verließ, ermordeten ihn seine Gegner. Der nächste Doge hieß Orso Partecipazio I. Und behielt die kroatische Garde, die den Regierungssitz tagelang verteidigt hatte. Venedigs Rolle im Kreuzzug 1202 sollte Konstantinopel erobert werden. Die Venezianer hatten sich verpflichtet, ihre Handels- und Kriegsschiffe für den Transport des Kreuzheeres zur Verfügung zu stellen. Die Kreuzfahrer fuhren durch Burgund und versammelten sich in Venedig. In San Niccolò auf dem Lido wurde ein großes Zeltlager aufgeschlagen. Venedig verlangte eine gewaltige Summe für die Bereitstellung der Schiffe, die nicht erreicht wurde, sie konnte nicht aufgetrieben werden. Der Doge Enrico Dandalo wies den Ausweg in einer Ansprache an die Venezier. Er bat sie, ihn für den Kreuzzug freizugeben, seinen Sohn mit seiner Stellvertretung zu Hause zu beauftragen und einzuwilligen, daß das Kreuzheer, statt die Restsumme zu bezahlen, die Stadt Zara zurückerobere, die der König von Ungarn bei seinem Vorstoß nach Kroatien und an die Adria der venezianischen Oberhoheit entrissen hatte. Unter allgemeiner Rührung und Anteilnahme auch der Kreuzfahrer wurde dieser Handel gutgeheißen.2 Die Dogenfamilie Dandalo wird um 1130 erwähnt. Der Patriarch von Grado ist der Onkel des Dogen Enrico Dandalo I. 1201 kam der Transportvertrag zustande. Rechnete Dandalo damit, daß die vor allem aus Frankreich kommenden Ritter an einer ertragreichen Raubfahrt mehr interessiert seien würden als an einem Kreuzzug? Der Papst jedenfalls wirkte gegen Dandalo, indem er jeden mit Bann bedrohte, der an der Erstürmung der Stadt Zara für Venedig kämpfen würde. Die Eroberung der Stadt Zara gelang, weil die Bürger dieser Stadt die Aussichtslosigkeit ihres Widerstandes erkannten. Enrico Dandalo schlug vor, in der Stadt zu überwintern. Gewohnheitsgemäß wurde die Stadt geplündert. Blut floß erst am dritten Tag, als die Venezianer die Beute auf die noch offenstehende Schuld anzurechnen wünschten. Die Venezianer zogen den kürzeren. Ägypten war von Papst und Kreuzfahrerheer als Angriefsziel des Kreuzzugs ausersehen. Da Ägypten der Haupthandelspartner Venedigs war, lag dies nicht im Interesse des Dogen. Es war die Wahrheit des Warenumschlags zwischen den Nilschiffen und den Kauffahrern aus Venedig, die für die Haltung Venedigs verantwortlich war. Wäre das Kreuzfahrerheer auf venezianischen Schiffen nach Ägypten gekommen, hätte Venedig diesen Absatzmarkt sicher an Pisa verloren. Dandalo hatte ein Interesse, das Kreuzfahrerheer zu entführen. Dandalo brachte Byzanz ins Spiel. Dort konnte eine Ausgangsbasis für den Marsch nach Syrien gewonnen werden. Dandalo und die Franzosen entwarfen nach gescheiterten Verhandlungen einen Plan zur Aufteilung des Byzantinischen Reiches. Im 20. Jahrhundert könnte man ihn mit dem Hitler-Stalin-Pakt3 vergleichen. 1.Nach Besetzung und Plünderung von Konstantinopel soll ein neuer lateinischer Kaiser gewählt werden- von jeweils sechs Wahlmännern aus jeder Angreiferpartei 2.Kirchliche Regelungen 3.Alles byzantinische Land soll in vier gleiche Teile geschieden werden, eines soll dem Kaiser gehören, die anderen drei sollen unter Venezianer und Franzosen aufgeteilt werden 4.Regelung der Verteilung der Beute 5.Die Armeen sollen ein Jahr in Konstantinopel bleiben (Kreuzzug offiziell verabschiedet) 6.Aufforderung an den Papst, jene mit dem Bann zu belegen, die einen Punkt dieses Vertrages nicht erfüllen Am 12. April 2004 gelang die Eroberung Konstantinopels. Das Kreuzheer wurde zum Plündererheer. Alexios V. Dukas, der Kaiser, vermochte zu fliehen. Es kam zu tagelangem Raub, zu Plünderungen großen Ausmasses. Obwohl in der Stadt niemand mehr Widerstand leistete, wurden noch mehr als zehntausend Einwohner getötet. Bonifazius von Mentferrat rief dazu auf, alle Beute in drei Kirchen zusammenzutragen und sie zu schätzen. Venedig kassierte 35.000 Mark Silber. Dandalo verzichtete auf die Lateinische Kaiserwürde, gewählt wurde Balduin von Flandern. Dieser unterlag im Jahr darauf bei Adrianopel Johannes von Bulgarien und wurde nach furchtbaren Martern wilden Tieren vorgeworfen. War das vielleicht ein gerechtes Schicksal. Das lateinische Kaiserreich bestand bis 1261. Zum Beutemachen heißt es: „Sie plünderten ungescheut nicht allein den Besitz der Menge, sondern auch das dem Gottesdienst Geweihte… Wie wurden die angebeteten Bilder schimpflich zu Boden geworfen! Wie wurden die Reliquien der für Christus gestorbenen Märtyrer an unheilige Örter geschleudert! … Jedermann war an diesen Tagen in Not; Wehklagen und Tränen waren auf allen Straßen und Plätzen und in allen Kirchen, Wegschleppung, Schändung, Knechtung, Gewalttat überall. Es gab nichts, was undurchsucht geblieben wäre.

Den Rest des Beitrags lesen »

Veröffentlicht 11. Mai 2014 von schauerchristian in Reiseberichte Ungarn, Zypern und Gardasee