Archiv für Dezember 2012

Carl Diem Debatte in Alzenau

Diem Resümee für Alzenau

Mitte August 2017 wurde bekannt, dass der Antrag auf Umbenennung der Carl-Diem-Straße erneut abgelehnt wurde.

Die Alzenauer Grünen erinnerten in ihrem Antrag vom März 2017 an Reinhard Appel (1927- 2011). Der ehemalige Chefredakteur des ZDF war Augenzeuge des Diem – Auftrittes. Am 18. März 1945 hatte Diem bei einer Rede auf dem Berliner Reichssportfeld Hitlerjungen und Volkssturm auf- gefordert, bis zum Tod weiterzukämpfen. Dabei verglich er das letzte Aufgebot an Vaterlandsverteidigern mit den Spartanern und zitierte ein Lied mit der Eingangszeile:“Schön ist der Tod…“  Reinhard Appels Vorwurf: Diem habe seine Autorität genutzt, »um Jugendliche wie ihn damals in den Kugelhagel zu schicken.« Die Atmosphäre im Kuppelsaal sei vergleichbar gewesen mit der im Sportpalast bei der Goebbels-Rede zum ‚totalen Krieg‘. Für die Fraktionssprecherin von Bündnis 90/ Die Grünen Claudia Neumann war klar: »Carl Diem kann in der heutigen Zeit nicht mehr als Vorbild gesehen werden.“

Der Antrag der Grünen wurde nicht zur Abstimmung gestellt. Das verhinderte ein Geschäftsordnungsantrag, den Bürgermeister Alexander Legler (CSU) begründete. Argumentiert wurde, dass eine Entscheidung des Stadtrates aus 2003 (für die Beibehaltung des Namens) nicht umgestoßen werden dürfe, da sich seither kein neuer Sachverhalt ergeben habe. Ein neuer Sachverhalt wäre nach Auffassung Leglers, wenn es neue historische Erkenntnisse gäbe.
Der Alzenauer Stadtrat ließ 2003 die Aussage protokollieren, dass die Einschätzung zur Person von Carl Diem »nicht eindeutig« sei. Daran habe sich nichts geändert. 2003 hatte die Deutsch-Ausländische Gesellschaft Alzenau zum zweiten Mal beantragt, die Straße umzubenennen. Beim ersten Mal 1995/1996 war es der Ortsverband der Grünen.

Michael Müller vom Main-Echo würdigte in seinem Kommentar die vorbildliche Erinnerungskultur Alzenaus und sah es als vorbildlich an, dass Hetzern kein Raum gelassen wurde. Er fuhr fort:“Doch Carl Diem war zweifellos einer dieser Hetzer, einer dieser Hass- und Zwietrachtsäer. Wie muss man ticken, wenn man in einem verlorenen Krieg Mitte März 1945 Jugendliche zu einem ‚finalen Opfergang‘ aufruft? Zu dem Diem selbst offenbar nicht bereit war. Er machte noch schön seine Nachkriegskarriere, während viele seiner jungen Zuhörer nicht mehr am Leben waren.
Diesen Mann sollte man nicht ehren – nicht einmal »nur« mit einer nach ihm benannten Straße. Das Ganze passt nicht zusammen, es passt nicht zu Alzenau.
Es mag ja verständlich sein, wenn Anlieger keine Umbenennung wollen. Dazu sei gesagt: In der Nachbarkommune Freigericht sind zigfach Straßen umbenannt worden, um Mehrfachnennungen in den Ortsteilen zu vermeiden. Dieser Vorgang ging viel geräuschloser und unspektakulärer vonstatten, als die Kritiker (die ihren Straßennamen behalten wollten) zuvor gedacht hätten. Es war letztlich kein Problem. Natürlich wäre es möglich gewesen, einen »neuen Sachverhalt« gelten zu lassen – der neue Wohnkomplex an der Carl-Diem-Straße ist ein solcher. Ich halte es in diesem Punkt mit den Alzenauer Grünen: Eine historische Chance ist vertan.“

Dass es so kommen würde, deutete sich bereits Anfang Juli 2017 an. Bürgermeister Alexander Legler (CSU) überraschte mit der Ankündigung, das Thema in der Augustsitzung des Stadtrates behandeln zu wollen – allerdings gänzlich anders, als es die Grünen erwartet hätten: Legler will beantragen, dass der grüne Antrag nicht behandelt wird. Der Grund: Alzenaus Stadtrat habe bereits über die Abschaffung des Namens entschieden – und die Abschaffung abgelehnt. Dieser Beschluss sei gültig und habe Bestand.

Christian Schauer wies in einem Leserbrief kurz darauf auf die Entwicklung in anderen Kommunen hin. „Der Tatsache, den Antrag auf Umbenennung der Carl-Diem-Straße nicht behandeln zu wollen, widerspricht die Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland seit 2003. In diesem Jahr war ein derartiger Antrag in Alzenau zuletzt gestellt worden.
Seither sind viele Städte dazu übergegangen, Carl-Diem-Straßen, -wege und -hallen umzubennen. Diems Wirken wurde von Kommunalpolitikern kritischer gesehen. Städte wie Aachen (2007), Köln (2007/2008), Neuss (2009), Grevenbroich (2010) und Münster (2010) haben bereits Carl-Diem-Straßen und -Wege umbenannt und somit ein deutliches Zeichen der Distanz zu diesem braunen Sportfunktionär gesetzt. Die einst am Carl-Diem-Weg gelegene Deutsche Sporthochschule in Köln scheiterte 2008 vor Gericht mit dem Versuch, die Umbenennung der Straße in „Am Sportpark Müngersdorf“ zu verhindern. In seiner Geburtsstadt Würzburg wurde eine historische Entscheidung gefällt. Eine Sporthalle ist seit 2004 nicht mehr nach Carl Diem benannt.

Eine überzeugende Argumentation führte ein Kommunalpolitiker in Pulheim (Nordrhein-Westfalen) an, wo es 2009 auch zu einer Umbenennung kam: ‚Ich bin schockiert, das wir die Frage des ‚ob‘ hier überhaupt noch diskutieren müssen. Gegen das Leid, das dieser Mensch verursacht hat, die Änderungskosten für einen Briefkopf zu setzen, ist zynisch‘.

Eine der letzten Umbenennungen fand 2014 in Alsdorf statt. In den Aachener Nachrichten hieß es dazu abschließend: ‚Damit ist auch in Alsdorf vollzogen, was in anderen Städten bereits geschah. Dieser Prozess war zuletzt von allen Parteien unterstützt worden.‘

Alzenau stellt sich bisher als ziemlich einzigartig dar, was die Einschätzung von Carl Diem betrifft. Das muss nicht so bleiben.“

Mitte März wies er auf die NS-Verstrickung Carl Diems hin:Diems extremer Nationalismus und Militarismus zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben: Schon 1931 führte er in der Heeressportschule Wünsdorf folgendes aus: „Vom Standpunkt der Wehrgesinnung gilt es noch ein letztes zu beachten: Sporteinigkeit. Der nächste Krieg wird nicht mit den Kriegsfreiwilligen gewonnen, sowenig wie es im Weltkrieg möglich war, er ruht vielmehr auf dem Wehrwillen der Wehrflauen.“ Nach der Machergreifung 1933 war Sport für ihn „eine weihevolle Tätigkeit“ und „ein Dienst am Vaterland“.

Im Festspiel-Entwurf für das Deutsche Turn- und Sportfest 1938 in Breslau äußerte er seinen romantischen Militarismus: „Allen Spiels heil’ger Sinn, Vaterlandes Hochgewinn – Vaterlandes höchst‘ Gebot in der Not, Opfertod!“

Eine führerzentrierte Skidemonstration entwarf Diem 1940. Höhepunkt sollte eine „Gefechtsfeldübung der Wehrmacht“ und eine Hitleransprache sein. Sein Wunsch, Sportregimenter für die Blitzkriegskonzeption aufzustellen, scheiterte am Widerstand der SA. In einem Memorandum von 1941 begründete er die Beibehaltung weltumspannender olympischer Spiele wir folgt: „ Ich meine aber, daß man den Herrenstandpunkt der überlegenen Rasse nur dann auf Dauer durchhält, wenn auch eine körperliche Gesundheit und Kraft dahinter steht, und darum sehe ich in den Spielen für Europa genau das, was Coubertin in ihnen für Frankreich gesehen hat: die immer wiederkehrende Prüfung im härtesten Feuer und der stachelnde Anreiz, es den besten aller Völker gleichzutun. Wir wollen Weltspiele, weil wir der Welt zeigen wollen, was wir können!“

In einer Rede auf dem Reichsssportfeld vom 18. März 1945 zitierte er den Satz des griechischen Dichters Tyrtaios (7. Jahrhundert vor Christus): „Schön ist der Tod, wenn der edle Krieger für das Vaterland fällt.“

Dass Diem seine Rolle in der NS-Zeit in der Nachkriegszeit öffentlich bereut hat, ist nicht bekannt.

Angefangen hatte die Debatte Mitte März 2017. In einer Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses wurde beschlossen, das Bauleitplanverfahren für das ehemalige Gärtnerei Huth Gelände unter der neuen Bezeichnung »An der Carl-Diem-Straße« fortzuführen. Stadtrat Otto Grünewald (CSU) ist Anlieger dieser Straße. Er störte sich nicht an dem Bauprojekt in der Nachbarschaft. Doch nahm er das laufende Genehmigungsverfahren zum Anlass, auf ein »dauerhaftes Ärgernis« hinzuweisen. Seine Familie und andere wollten nicht länger in einer Carl-Diem-Straße wohnen.

Ende Juni 1996 war der Antrag mit folgender Begründung abgelehnt worden (Main-Echo vom 27.6.1996):“Keine neue Diskussion gab es zum Antrag der Grünen auf Umbenennung der Carl-Diem-Straße im Stadtteil Michelbach. Der Sportfunktionär war bereits bundesweit in die Kritik geraten, weil er während der NS-Zeit mit etlichen Äußerungen aufgefallen war. Der Stadtrat folgte mehrheitlich der Empfehlung des Kulturausschusses und ließ es bei der bisherigen Bezeichnung der Straße in Michelbach. Dabei beriefen Kulturausschuss und Stadtratsplenum sich auf ein Gutachten von Professor Teichler, das das Lebenswerk von Carl Diem ’nicht auf die Zeit des NS-Regimes reduziert‘ sehen wollte.“

Aller guten Dinge sind drei“ – sollte man meinen. Für Alzenau gilt das nicht. Hier gehen die Uhren anders. Die meisten haben wohl kein Interesse an der Thematik, den anderen fehlt die Distanz zur Vergangenheit. Die große Mehrheit der von der Stadt Befragten wollte die Beibehaltung des Namens (34 gegen 5). Diese Mehrheit ist bodenlos. Keiner dieser Menschen hat sich die Mühe gemacht, auf die Einlassungen der Umbenennungs – Befürworter Gegenargumente anzuführen.

Alzenau, 5.12.2017 Christian Schauer

https://schauerchristian.wordpress.com/category/leserbriefe-aktuell-szydlo-dreht-durch-und-fluch-des-coltan/leserbriefe-regional/

Diem 1996

Debatte über Carl-Diem-Straße 1996 © Main-Echo

Diem 1996 zwei

Debatte über Carl-Diem-Straße 1996 © Main-Echo

 

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Veröffentlicht 7. Dezember 2012 von schauerchristian in Carl Diem Debatte in Alzenau

Lorch, Schwäbisch Gmünd, Aalen, Giengen und Ludwigsburg

Die Johanniskirche in Schwäbisch-Gmünd und Schloss Ludwigsburg – August 2017

Die Johanniskirche, die mit ihrem herausragenden Glockenturm direkt am Übergang vom Johannis- zum Marktplatz steht, ist ein Wahrzeichen der Stadt Schwäbisch Gmünd.Sie ist eine romanische Kirche. Die Bauzeit wird von 1210 bis 1230 angesetzt, gelegentlich auch später. Im 15. Jahrhundert wurde die Johanniskirche umgebaut. Sie erhielt gotische Elemente. Im 19. Jahrhundert wurde die Kirche neoromanisch umgebaut.

Künstlerischer Höhepunkt der Kirche ist die Staufische Madonna, die wertvollste romanische Plastik wahrscheinlich aus dem späten 12. Jahrhundert.

Staufermadonna

Staufische Madonna

Besonders interessant auch das Tympanon des westlichen Porta. Es zeigt einen kahlgeschorenen Kopf, unter dem sich eine Schere öffnet. Darunter liegen zwei Löwen mit verschränkten Tatzen. Interpretation: dem kahlgeschorenen Sünder wird von den Löwen während seiner Bußzeit der Eintritt in die Kirche verwehrt. So etwas nennt man eine Bußpforte.1

Bußpforte

Bußpforte Johanniskirche

Gartenschaugelände (Landegartenschau 2014)

Der Himmelsstürmer ist das am weitesten sichtbare Bauwerk. Der Turm ist eine reine Holzkonstruktion mit 38,60 Meter Höhe. Daneben befindet sich der Wasserspielplatz als besondere Attraktion für Kinder.

Gartenschaugelände

Gartenschaugelände Wasserspielplatz

Josef Eduard Wagenblast. Stadt – Land – See 23. Juli – 24. September 2017 Ausstellung in Schwäbisch Gmünd

Die Ausstellung ist besonders ansprechend, weil viele Stadtansichten Schwäbisch Gmünds zu sehen sind. z.B. der Glockenturm des Münsters mit Löwenbrunnen oder der Blick vom Königsturm.

Schloss Ludwigsburg

Das Residenzschloss in Ludwigsburg entstand zwischen 1704 und 1733 unter der Herrschaft von Herzog Eberhard Ludwig (1677 bis 1733) von Württemberg. Es ist eine der größten barocken Schlossanlagen Deutschlands. Das Schloss umgibt eine große Parkanlage.

Ludwigsburg galt als einer der prächtigsten und ausladendsten Höfe in Europa. Es umfasst 452 Räume, zwei Kirchen, ein Theater und einen großen Innenhof (Ehrenhof genannt). In den ausgedehnten Schlossgärten finden sich auch heute noch künstliche Wasserfälle und Felsengrotten.

Ludwigsburg

Schloss Ludwigsburg

Prinzessin Charlotte Auguste Mathilde (1766 bis 1828)

Sie war die älteste Tochter des britischen Königs Georg III. und seiner Frau Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz. 1797 heiratete sie den württembergischen Erbprinzen Friedrich (1754 bis 1816), der 1806 König von Württemberg wurde. Friedrich galt als launisch und wechselhaft. Charlotte und Friedrich pflegten einen respektvollen Umgang. Sie war gebildet, fromm und sozial. Die Politik überließ sie ihm. Ihre Aufmerksamkeit galt der Familie und dem Haushalt. Als König Friedrich 1816 starb, wurde er in der Gruft des Ludwigsburger Schlosses beigesetzt. Charlotte wohnte im Schloss, um ihrem Mann möglichst nahe zu sein – Treue über den Tod hinaus. Auch sie wurde dort beigesetzt. Auffällig war ihre körperliche Größe. „Ein Hauptschmuck dieser Gemächer aber ist“, bemerkt ein zeitgenössischer Bericht, „daß die herrlichen Stickereyen und Zeichnungen an Stühlen, Ruhebetten, Ofen- und Kaminschirmen meist von der Hand der Königin und zum Theil auch der königlichen Prinzessinnen sind.“ 2

Wie wurde das Schloß damals erbaut? Bezüglich der Absichten des Herzog Eberhard Ludwig heißt es in einer Darstellung: „Da das alte Schloss für den großen Hofstaat zu klein war, wurde 1704 ein neues herrschaftliches Schloss erbaut… Das Geld für den Schlossbau wurde mit jahrelanger Fronarbeit und Zwangsabgaben aufgebracht. Um das Schloss entwickelte sich die Stadt Ludwigsburg. Doch die Bewohner mochten das große Schloss, die ‚Lumpenburg‘, und ihre ‚Herrschaftsleut‘ überhaupt nicht. Als Gräfin Wilhelmine auch noch vom Hofprediger Urlsperger verlangte, in das tägliche Gebet aufgenommen zu werden, soll dieser geantwortet haben, dies sei bereits geschehen, denn ganz Württemberg bete bereits ‚Herr, erlöse uns von dem Übel’“3

1Münsterbauverein Schwäbisch Gmünd, St.Johanniskirche in Schwäbisch-Gmünd, Schwäbisch Gmünd 2015

3Barbara und Jörg -Thomas Titz, Rund um Stuttgart, Schwäbischen Wald und Albtrauf, München (Rother Wanderführer), S. 23

Giengen – August 2017

Giengen ist eine ehemalige Freie Reichsstadt und liegt an der Brenz im Osten Baden-Württembergs. Unweit ist die Grenze zu Bayern. Etwa zehn Kilometer südöstlich liegt Heidenheim an der Brenz.

Giengen wurde zum ersten Mal im Jahr 1078 in einer Chronik des Klosters Petershausen urkundlich erwähnt – die Erwähnung ist Markgraf Diepold zu verdanken. Die Herkunft des Namens ist nicht gesichert. Im 12. Jahrhundert ging Giengen an das Herrschaftsgebiet der Staufer. Die Siedlung entwickelte sich um eine Burg, die bis ins 14. Jahrhundert erwähnt wurde. Im 13. Jahrhundert war Giengen bereits als Stadt genannt. 1307 wird sie zu den Schwäbischen Reichsstädten gerechnet. 1391 konnte die Reichsfreiheit erreicht werden. 1395 trat sie dem Schwäbischen Städtebund bei. Die Stadt konnte sich jedoch kein Herrschaftsgebiet erwerben. Nach der Einführung der Reformation trat 1608 der Union (evangelisch) bei. Als Freie Reichsstadt besaß sie das Recht der „Hohen Gerichtsbarkeit“ Sie hatte das Recht, bei schweren Straftaten die Todesstrafe verhängen zu können. So wurde 1615 Apollonia Sailer („Sailer Appel“) als „leichtfertige Hexe“ angeklagt und zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Inhaftiert waren die Gefangenen damals im „Hundturn“, einem mächtigen Eckturm im Nordwesten der Stadtmauer. Bei dessen Überfüllung war der der Stadtmauerturm beim Spital ein Ausweichquartier. 1

Mit Württemberg gab es oft Streitigkeiten über die Obrigkeit. Im September 1634 brannte die Stadt bis auf wenige Überreste vollständig ab; zum Gedenken an diesen Tag malte der aus Giengen stammende Ulmer Stadtmaler Johannes Stötzlin 1663 das „Brandbild“, das heute noch in der Stadtkirche hängt. Hier wird die Grausamkeit des Krieges dargestellt, Unter dem Bild steht: „Gott der Allmächtige, welcher über die alte Stadt das größte Unglück verhängt hat, wolle allen denen, die in dieser Not umgekommen und gestorben sind, ein seliges Ende beschert haben, und dann den Gegenwärtigen und Nachkommenden jederzeit diesen Jammerspiegel vor Augen gestellt sein und täglich zur christlichen Buß und Besserung dienen lassen; und die neue Stadt in Gnaden ansehen, sie segnen, beschützen und verteidigen.“2 Die Stadtkirche wurde zwischen 1356 und 1402 begonnen (Chor und Sakristei). Wahrscheinlich 1377/1378 gab es eine große Erweiterung.

Der Hochaltar wurde von dem Ulmer Bürger Ernst Gockelius 1659 gestiftet. Seine Frau stammte aus Giengen. Gockelius – ein wirklich komischer Name – da lachen ja die Hühner.

Das äußere Erscheinungsbild ist etwas Besonderes. Es sind zwei ungleiche Türme. Der Südturm wird als Glockenturm genutzt. Er hat eine Zwiebelhaube. Der Nordturm zeigt im Unterteil staufische Buckelquader.

Giengen zwei Türme

Stadtkirche Giengen – ungleiche Türme

Überregional ist Giengen bekannt als Hauptstadt der Teddybären. Das Steiff Museum wurde 2005 eröffnet. Zudem findet man in Giengen das Geburtshaus von Margarete Steiff, die 1847 im Haus Lederstraße 26 geboren wurde.

Rathaus mit Panscherbrunnen

Das Rathaus wurde nach dem Stadtbrand errichtet. Darin war bis 1802 das reichsstädtische Gericht. Davor ist der Panscherbrunnen 1984 errichtet worden. Die Giengener sollen Kaiser Barbarossa nach der Sage gepanschten Wein serviert haben.

Panscherbrunnen

Giengen Panscherbrunnen

Die Spitalkirche

Von der im 15. Jahrhundert erbauten Kirche ging die Reformation in Giengen aus. Die älteste Glocke Giengens darin stammt aus dem Jahre 1573.

Spitalkirche

Spitalkirche Giengen

2Evangelische Stadtkirche Giengen an der Brenz, Regensburg 1999, S. 18

 

Kolomanskirche im März 2017

St. Coloman (auch St. Koloman oder Kolomanskirche) ist eine ehemalige Pfarrkirche und römisch-katholisch im ehemaligen Ortskern von Wetzgau – heute ein Ortsteil von Schwäbisch-Gmünd. Die Kirche ist spätgotisch und dem Heiligen Koloman geweiht.Der heilige Koloman starb am 17. Juli 1012 bei Stockerau in Niederösterreich und soll ein irischer Königssohn gewesen sein, der auf einer Pilgerreise zu den Heiligen Stätten ins Heilige Land bei Stockerau gefangen genommen und hingerichtet wurde. In dieser Zeit kam es zu Auseinandersetzungen zwischen dem deutschen König Heinrich II. und dem polnischen Herzog Boleslaw I. Crobry. Koloman wurde aufgrund seines Aussehens für einen böhmischen Spion gehalten und bei Stockerau festgenommen. Er erlitt ein Martyrium und wurde zwischen zwei Mördern in einem Holunderstrauch erhängt. Koloman wurde nicht nicht nur in Österreich verehrt, sondern auch in der Kurpfalz, in Bayern, Schwaben und in Irland wo ihm zahlreiche Kirchen geweiht wurden. Besondere Verehrung wurde ihm in Ungarn zuteil. Eine Darstellung aus dem 18. Jahrhundert fasst die Ereignisse wie folgt zusammen:

Kolomanskirche

Bild: Kolomanskirche

„DIE LEGENDE VOM HEILIGEN KOLOMAN

Als die Stockerauer den heiligen Koloman auf ihrem Grund und Boden umhergehen sahen und aus seiner fremden Sprache und unbekannten Kleidung eigentlich nicht wußten, wer er wäre oder aus welchen Ursachen er hergekommen, gerieten sie, wiewohl ganz fälschlich und zu Unrecht, auf den Gedanken, er wäre entweder von den Böhmen oder aber von den Ungarn hierher abgeordnet worden, ihre Gegend auszuspähen und schädliche Anschläge wider sie auszuführen. Da ergrimmte der törichte und rasende Pöbel derart wider den heiligen Koloman als einen vermeintlichen Spion und Verräter des Vaterlands, daß sie ohne weitere Untersuchung ihn mit Gewalt ergriffen, mit Besen grausam schlugen und darauf ins Gefängnis warfen, in der Meinung, ihn am folgenden Tag den Ortsrichtern öffentlich vorzustellen …

Nun kamen endlich die Zeit und die Stunde heran, in welcher es dem Allerhöchsten Gott beliebt hat, unseren heiligen Koloman auf die Probe zu stellen und dem unverständigen Stockerauischen Pöbel, welcher über ihn so übel geurteilt, klar zu zeigen, welche große Tugend und Heiligkeit unter diesem unbekannten Wallfahrer verborgen gelegen. Es mußte aber dieselbe durch gewaltige Verfolgung und Pein, wie das Gold durch das Feuer, scharf geprüft werden.“1

Im Jahr 1382 wird eine Vorgängerkirche an der Stelle der jetzigen Colomankirche erstmals erwähnt, von der vor etwa 40 Jahren Mauerreste gefunden wurden. Der heutige Bau stammt aus dem 15. Jahrhundert. Auf die Jahre 1413/14 wurden Teile des Turmgebälks datiert.Der Stadtteil Wetzgau-Rehnenhof stand am 17. Juli 2012 im Zeichen eines besonderen Gedenktags: Vor 1000 Jahren starb St. Coloman, auf dessen Name die mittelalterliche Kirche in Alt-Wetzgau geweiht ist. Es war ein denkwürdiges Jubiläum – unter anderem mit einem kleinen Straßenfest. Der Dachstuhl der der Sakristei stammt von 1494. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts erfolgte eine Innenrestaurierung.

Kriegerdenkmal

Kriegerdenkmal an der Kolomanskirche

1 Geschichte und Wunderwerke des heiligen Colomanni…verfaßt durch P. Godefridum Deppisch. – Wien 1743

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Lorch, Schwäbisch Gmünd und Aalen – August 2013

Das Limesknie bei Lorch sticht dadurch hervor, dass er zwei Techniken der Limesgestaltung kenntlich macht. Er war unter den Kaisern Trajan und Antoninus Pius im 2. Jahrhundert nach Christus errichtet worden. Unter letzterem gab es eine Verschiebung des Limes bis über die Rems hinüber. In älterer Zeit gab es ein Pfahlbauwerk. Er ist benannt als Limes transrhenanus oder obergernmanischer Limes. Der spätere rätische Limes ist gemauert und hat eine Länge von 175 Kilometern. Er verläuft von Rötental östlich von Lorch bis an die Donau – die Höhe war 2,5 Meter und die Breite 1,2 Meter. Der Limes wurde mit Wachtürmen ausgestattet. Im Abstand von 500 bis 1000 Metern bestanden sie im unteren Teil aus Stein, im oberen aus Holz. Das Kastell, das in Lorch stand, hieß “ad Lunam”. Ein Name “Laureacum” für das Kastell wurde früher vermutet. Es bedeutet die Latinisierung von “Loricha” (Lorch). Bei den ersten Grabungen wurden Gefäßscherben aus Terra sigillata, eine Bronzemünze der Crispina und ein silberner Becher vom römischen Kaiser Domitian (81 -96 nach Christus) gefunden. Ein weiteres römisches Denkmal in Lorch ist ein Grabstein, den ein Tonwarenhändler seinen Eltern widmete. Bewohnt wurde die Gegend damals vom germanischen Stamm der Alemannen. Ungefähr 213 treffen sie bei Mainz zum ersten Mal auf die Römer. 260 konnte der Limes von den Römern nicht mehr gehalten werden. Kaiser Gallienus’ Weggang von der Donau zur Bekämpfung des Usurpators  Ingenuus löste wahrscheinlich den Germanensturm aus, der die Aufgabe des Limes zur Folge hatte.

 

Kaiser Caracalla besuchte den raetischen Limes 213.  Am 11. August dieses Jahres startete er hier seinen Germanenfeldzug. Der Feldzug wurde Ende September 213 siegreich beendet. Wahrscheinlich besuchte Caracalla das Heiligtum des Apollo Grannus in Faimingen an der Donau.1 Caracalla fand bei der Nachwelt wenig Anerkennung. Er war “ein roher, hemmungsloser und moralisch minderwertiger Mensch, der schon vor der Thronbesteigung stark verbrecherische Neigungen verriet.”   Seinen Bruder Geta ließ er frühzeitig (Dezember 211) nach seinem Herrschaftsbeginn ermorden, die Freunde und Anhänger Getas wurden ebenfalls umgebracht – dabei traf es etwa 20.000 Personen. Ein wichtiges Gesetz Caracallas war die “Constitutio Antoniniana”, ein Erlass von 212, mit dem er fast allen freien Reichsbewohnern das römische Bürgerrecht verlieh. Wie oppositionelle senatorischen Kreise meinten, hatte die Ausdehnung des Bürgerrechts vor allem den Zweck, die Steuereinnahmen zu erhöhen. 3 “Auf diese Weise wurde das römische Reich zu einer noch nicht dagewesenen großen Einheit verbunden.” 4

 

Das Gebiet um Lorch kam 536 in den Einflußbereich der Franken, als die Hausmeister Karl Martell und Pippin die Alemannen bei Canstatt 746 besiegten. Das Gebiet wurde in das Frankenreich eingegliedert. Am Anfang des 10. Jahrhunderts reichte das Herzogtum Allemanien “vom Lech bis zu den Vogesen und von den Rheinquellen  bis zum oberen Neckar, dazu kam das bayerische Schwaben, das Elsaß und die nördliche Schweiz”. 5   Einen “schwäbischen Herzog” gab es zum erstenmal um 917. 1079 war es dann so weit. Kaiser Heinrich IV. hatte seinen Canossa-Schock überwunden und verleiht das Herzogtum Schwaben an Friedrich von Büren. Dieser nennt sich Herzog von Schwaben. Im 12. Jahrhundert überführte König Konrad III. die Gebeine seiner Vorfahen aus der Kollegiatskirche ins Kloster. Dort wurden sie in der Kirche beigesetzt. Im 15. Jahrhundert wurde der Ort von einem Brand heimgesucht. Im Bauernkrieg 1525 wurde das Kloster gestürmt und zerstört. Schwer getroffen wurde das Dorf im Dreißigjährigen Krieg, Hunger und Pest wüteten hier. 1648 kamen einzelne Familien in das Dorf zurück. Das Rathaus lag bis 1686 in Schutt. 1707 im Spanischen Erbfolgekrieg lagerten die Franzosen in Lorch. Der französische Marschall Villiers kämpfte gegen das Reichsheer unterhalb des Klosters bei der Ziegelhütte. Gefunden wurden eine Kanonenkugel und ein Offiziersdegen. 1743 kam während des Österreichischen Erbfolgekrieges eine Heeresabteilung Österreichs durch Lorch. Nach den Napoleonischen Kriegen blühte das Handwerk und die Kleinindustrie auf. Seit dem 18. Jahrhundert gibt es die Schwefelhütte, in der die Schwefelfunde der Lorcher Gegend ausgebeutet wurden. 1845 ist schon eine Brauerei auf- geführt sowie eine Fabrikation von Hirschhorngeist. 1806 seit der Gründung des Königreiches Baden-Württemberg bestand ein Oberamt Welzheim, zu dem Lorch gehörte. 1810 wurde Lorch zum Oberamt erhoben, mußte aber neun Jahre später Welzheim als Oberamtsstadt anerkennen. 1865 wurde Lorch wieder zur Stadt erhoben. 1862 kam ein Eisenbahnanschluß zustande. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte der Ort 3.500 Einwohner, danach etwa 5.000. Am 19. April 1945 schossen amerikanische Flugzeuge einige Häuser in Brand. Eduard Mörike schrieb 1867 über Lorch: “Ich lebe hier … fast nur vom Genuß der Gegend , insonderheit der Luft …wir haben hier vollkommen, was wir brauchen … die langersehnte absolute Ruhe und Stille.” 7

 

Eduard Mörike lebte von 1867 bis 1869 in Lorch. Er kehrte 1873 noch einmal dorthin zurück. Friedrich Schiller verlebte in Lorch einen Teil seiner Jugend. Sein Vater wurde als Werbehauptmann von 1763 bis 1766 nach Lorch versetzt. Schiller wollte in dieser Zeit Pfarrer werden. Seinem frommen Lehrer Moser wurde in den “Räubern” ein Denkmal gesetzt. Die Familie wohnte zunächst im Gasthof “Sonne”, danach im oben erwähnten “Schillerhaus”. 8 Das Kloster Lorch wurde 1102 gegründet. In der Stitfungsurkunde heißt es dazu: “Friedrich, Herzog von Schwaben und Franken, und dessen Gattin Agnes nebst ihren zwei Söhnen Friedrich und Konrad (Friedrich, genannt der “Einäugige”, später Herzog von Schwaben, Konrad, der nachmalige König Konrad III.) gründen zum Seelenheil ihrer noch lebenden und dahingeschiedenen Familienmitglieder das Kloster Loricha, weihen dieses dem ersten Apostel, dem heiligen Petrus, und verordnen, daß das Gotteshaus jedes Jahr dem apostolischen  Stuhl eine Goldmünze verabfolge …”   Im November 1140 ging Konrad III. zum Angriff auf die schwäbischen Besitzungen der Welfen über. Er belagerte die Burg von Weinsberg in der Nähe von Heilbronn. Die welfische Besatzung der Burg musste kapitulieren. 10  Die Frauen des belagerten Weinbergs erwirkten von König Konrad III., daß sie von ihren Gütern mitnehmen konnten, was sie tragen konnten – es waren ihre Männer.

Kloster Lorsch

Kloster Lorch

König Konrad besuchte Lorch, um die Gebeine seiner Väter zur Kirche zu bringen. Sie wurden in Steinsärgen in Aushöhlungen des Steinfußbodens beigesetzt. Besetzt wurde das Kloster zunächst mit zwölf Mönchen aus Hirsau. Den weltlichen Schutz erhielt die Abtei durch Vögte, der älteste der Staufer sollte dieses Vogtrecht ausfüllen. Die Mönche wählten den Abt aus ihrer Mitte. Der Benediktinerorden war der Träger der geistlichen Bildung in dieser Zeit. Das Kloster wurde von Friedrich Barbarossa und Friedrich II. mit Schutzbriefen ausgestattet. 1249 übernahm Graf Ulrich von Württemberg das Vogteirecht. 1331 blieb die Vogtei endgültig beim Hause Württemberg.

Bild: Kloster Lorch

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Im Bauernkrieg 1525 wurde das Kloster vom “hellen Haufen” bekriegt. Das Kloster wurde nach heftiger Gegenwehr eingenommen und dabei sowohl geplündert als auch in Brand gesteckt. Gleiches geschah der Burg Hohenstaufen. Abt Lorenz ließ das Kloster 1531 wieder herstellen. Herzog Christoph setzte in Württemberg die Reformation durch und ernannte als erster einen lutherischen Abt, Georg Udal (1563 bis 1577). Das alte Mönchsleben hörte damit auf. Die lutherischen Äbte waren Gelehrte und Verwalter. Nach den Zweiten Weltkrieg wurde das Kloster in ein Altenheim umgewandelt. Das Kloster liegt auf dem Liebfrauenberg. Auf dem Berg stehen die Barbarossa-Linde und der “Haspelturm”. 1932 hatte die evangelische Landeskirche in Württemberg die Räume des Klosters für eine Evangelische Bauernschule zur Verfügung gestellt. Ab Herbst 1934 nach der “Machtergreifung” verboten  die Nationalsozialisten der Kirche die Nutzung der Räume, lösten die Bauernschule auf und richtete stattdessen eine nationalsozialistische Bauernhochschule ein. Ab 1937 wurde die Klosterkirche zu einer „Staufer-Gedenkstätte und … Stätte für nationalsozialistische Feierstunden“ erklärt. Es fanden hier Feiern der NSDAP und der SS statt. 11

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Schwäbisch Gmünd

Die ersten Siedlungsspuren reichen bis ins 2. Jahrhundert n. Chr. zurück, als das römische Militär die Reichsgrenze über die Donau schob und um 150 n. Chr. begann, Militärlager zur Sicherung des nahegelegenen Limes aufzubauen. Dabei entstanden größere zivile Ansiedlungen an diesen Plätzen, unter anderem bei dem auf dem heutigen Schwäbisch Gmünder Stadtgebiet liegenden Kastell Schirenhof. Ab 233 n. Chr. nahmen die Alemannen die Grenzanlagen ein. Nach dem Rückzug der römischen Truppen hinter die Donau um 260/270 ließen sich die Germanen in den aufgegebenen Grenzgebieten nieder. Ob sich der Name Gamundias, den im 9. Jahrhundert eine auf den Namen Karls des Großen gefälschte Urkunde des Klosters Saint-Denis bei Paris nennt, auf Gmünd bezieht, ist höchst unsicher. Archäologische Hinweise auf eine von Abt Fulrad von Saint-Denis angelegte Zelle fehlen. Die Periode, die Gmünd prägte, war die Zeit der Staufer. Die erste überlieferte Erwähnung von Gmünd als Stadt ist auf das Jahr 1162 datiert – früher als bei jeder anderen Stadt der Staufer –, weshalb Gmünd als „älteste Stauferstadt“ bezeichnet wird. In einer Urkunde des Klosters in Lorch wurden Gmünder Bürger 1162 erstmals als cives (Bewohner einer Stadt) erwähnt. An die Zeit der Staufer erinnert heute die Stauferstele auf dem Johannisplatz, die 2012 im Zuge des 850-jährigen Stadtjubiläums eingeweiht wurde. Stauferstelen sind oktogonale Gedenksteine, die im Rahmen eines europaweiten Projekts des “Komitees der Stauferfreunde” an Orten errichtet werden, die mit der Geschichte der Staufer im Zusammenhangstehen. 12 Im Rahmen der Festlichkeiten „850 Jahre Stadt Schwäbisch Gmünd“ konnte am 31. März 2012 die vierzehnte Stauferstele eingeweiht werden.Die Stele in Schwäbisch Gmünd erinnert unter anderem an die Aufenthalte der staufischen Herrscher in der ältesten Stauferstadt „Gamundia“ , wie Gmünd auch genannt wird. Hier weilten unter anderem  Kaiser Friedrich I. Barbarossa und König Konradin. Letzterer feierte hier – als Vierzehnjähriger – sein letztes Weihnachtsfest auf deutschem Boden. Erinnert wird weiter an Agnes von Waiblingen, Tochter Kaiser Heinrichs IV. und Gemahlin Herzog Friedrichs I. von Schwaben, der die Burg Hohenstaufen erbaute und das Klosters Lorch stiftete. Die Stammmutter der Staufer hat nach der Sage ihren Ehering bei einer Jagd im Remstal verloren. An jener Stelle, an der sich der Ring im Geweih eines Hirsches wieder fand, ließ Herzogin Agnes der Sage nach die Johanniskirche errichten. 13 Die Johanniskirche ist eine spätrömische Pfeilerbasilika, die zwischen 1220 und 1250 erbaut wurde. Sie ist Johannes dem Täufer geweiht. 14

 

Aktuell in der Diskussion im Juli 2013: Bahn lässt Asylbewerber keine Koffer mehr tragen Die Bahn beendete im Juli 2013 das umstrittene Flüchtlingsprojekt am Bahnhof von Schwäbisch Gmünd. Dort halfen Asylbewerber den Reisenden beim Koffertragen – für 1,05 Euro die Stunde. Bahn-Mitarbeiter übernahmen die Arbeit. Während der Umbauarbeiten am Bahnhof sollten Asylbewerber den Bahnreisenden die Koffer schleppen. Dafür sollten die Flüchtlinge, die das freiwillig machten, jedoch nur 1,05 Euro pro Stunde erhalten. Mehr ist nach dem Asylbewerberleistungsgesetz nicht vorgesehen. Natürlich sei die Bezahlung von 1,05 Euro generell ungenügend, meinte ein Sprecher des Arbeitskreises Asyl vor Ort. Nur müssten dafür die Bundesgesetze erhöht werden. Gegenwärtig bekommen Asylbewerber pro  Monat nach der Neuregelung durch das Bundesverfassungsgericht 346 Euro ausgezahlt. Maximal 100 Euro dürfen sie ohne Abzüge hinzuverdienen. Für den Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, Arnold, ist der Ausgang der Geschichte “traurig”. Das Schlimmste für die Asylbewerber sei doch, dass “sie zur Untätigkeit verdammt sind”. 15

 

Wie kommt es dazu, dass ein Städtchen im Remstal sein Freibad nach dem Filmstar Bud Spencer benennt? Das Bud-Spencer-Bad geht auf die 50er Jahre zurück. Am 7. und 8. Juli 1951 war Carlo Pedersoli (so heißt Bud Spencer mit bürgerlichem Namen) als Weltklasse-Schwimmer bei einem Länderkampf zwischen Italien und Deutschland zu Gast im Schießtal-Bad in Schwäbisch Gmünd. In Schwäbisch Gmünd wurde im November 2013  mit dem Einhorn-Tunnel die teuerste Ortsumfahrung Deutschlands eingeweiht. Der Tunnel unter der Stadt hat sage und schreibe 280 Millionen Euro gekostet. Schwäbisch Gmünd hat gegenwärtig etwa 60.000 Einwohner.

Gmünderle

Gmünderle

Aalen

Für den historisch interessierten Besucher ist in Aalen vor allem das Limes-Museum interessant. Es ist ein archäologisches Museum mit einer angeschlossenen Freilichtanlage. Das Museum ist ein Zweigmuseum des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg. Es ist  das größte Museum an dem von der UNESCO als Weltkulturerbe  eingestuften Obergermanisch-Raetischen Limes. Das Museum steht auf dem Gelände des größten römischen Reiterkastells nördlich der Alpen.  Im Museum wird die Geschichte der Provinzen Rätien und Obergermanien sowie das militärische und zivile Leben am Limes dargestellt. Ausgestellt werden  unter anderem zahlreiche Funde von Grabungen auf dem Kastellgelände Aalen und im Kastell Rainau-Buch. Einblick in das zivile Leben gewähren  Werkzeuge und Geschirr. Goldschmuck, Silberschmuck und Münzen bezeugen leidlichen Wohlstand. Vorzufinden sind hier auch wuchtige, aus heimischem Sandstein hergestellte Weihe- und Grabsteine. Beeindruckend eine über 6,5 m hohe Säule zu Ehren Jupiters. Nach der Aufgabe des Alblimes wurde das Gebiet der Stadt Aalen um das Jahr 150 nach Christus Teil des Römischen Reiches. Es lag direkt am damals neu gegründeten Obergermanisch-Raetischen Limes. Zur Zeit des Besuches war im Limes-Museum von Juni bis November 2013 eine Ausstellung über den römischen Kaiser Caracalla zu sehen, die ihn und seine Zeit beleuchtete. Kehren wir noch einmal zu diesem Kaiser zurück, der sich auch durch die “Caracalla -Thermen” – die zweitgrößten Thermen Roms-  in Erinnerung bringt. Das Hauptgebäude mit hydraulischen Anlagen bot 1.600 Badenden Platz. 16 Sein Feldzug  von 213 im Vorland des obergermanischen-rätischen Limes lässt sich anhand von manchen Fundstücken nachweisen. Aus der Zeit stammt der römische Meilenstein von Sontheim an der Brenz. 17  Die Inschrift gibt nicht nur die Entfernung nach Faimingen an, sondern bezeugt auch Kaiser Caracalla als Auftraggeber. Das Original ist im Limesmuseum zu sehen. Bei Aalen traf er sich mit der 1000-Mann Truppe “ALA II Flavia”. Das größte Reiterkastell nördlich der Alpen war der zentrale Aufmarschort des kaiserlichen Feldzuges. Ein weiteres Monument ist das Dalkinger Steintor,  das zu Ehren des Grenzübertrittes Caracallas bei Dalkingen errichtet wurde. Zudem existieren noch 50 Teile einer überlebensgroßen bronzenen Statue von Caracalla. Die Statue stand wohl neben dem Steintor. Das genaue Datum des Feldzuges Caracallas ist  der 11. August 213. Der Verlauf des Kriegszuges wird von den Quellen nur unscharf widergegeben. Gab es überhaupt Kampfhandlungen oder hat Caracalla den Germanen Geld gegeben, um den Frieden zu erkaufen? Das Konfrontationsgebiet lag nördlich von Schwäbisch Hall und in der Nähe von Ochsenfurt und Marktbreit. 18  Nach dem Feldzug folgten 20 Jahre Frieden in den Grenzprovinzen, 233 gab es dann wieder Germaneneinfälle. Spätestens 259 nach Christus mit dem Einfall der Alemannen wurde das Reiterkastell aufgegeben.

 

Der Kaiser hieß eigentlich Bassianus Antoninus. Der rote Mantel, den er trug wurde “caracallus” genannt. Diese Bezeichnung ging auf den Kaisernamen über. Auch die Soldaten Caracallas trugen diese Mäntel. Die Grausamkeit des Kaisers wird auch durch ein Massaker in Alexandria 215 deutlich. Dem Kaiser war zu Ohren gekommen, dass die Alexandriner ihn wegen der Ermordung seines Bruders verspotten.19 Bei einem Besuch der Stadt lud er alle bekannten Persönlichkeiten ein, um sie umzubringen. So kamen Tausende ums Leben. Cassius Dio beschreibt das Gemetzel folgendermaßen: “Die Stadt ist sehr groß und da alle überall bei Tag und bei Nacht gemordet wurden, konnte man – auch wenn man es wollte – keine Unterschiede machen.” 20

 

Für seine aktuell etwa 66.000 Einwohner hat Aalen eine beachtliche Zweitligatauglichkeit im Fußball erreicht. In der Ringer-Bundesliga kämpft der KSV Aalen. Die Fußballmannschaft des 1921 gegründeten VfR Aalen spielt seit der Saison 2012/13 in der 2. Fußball-Bundesliga, in die sie 2012 aufstieg. Von 1939 bis 1945 spielte der VfR in der Gauliga, der damals höchsten deutschen Spielklasse. Die Spielstätte der Mannschaft ist die im Westen der Stadt gelegene Scholz Arena, die sich im Besitz der Stadt Aalen befindet. Bis 2008 hieß die Sportstätte “Städtisches Waldstadion Aalen” hieß. 2008 lebten in Aalen 30.008 sozialversicherungspflichtig angestellte Arbeitnehmer. Insgesamt befinden sich in Aalen rund 4.700 Betriebe, von denen 1.100 im Handelsregister eingetragen sind. Ansonsten gibt es 2.865 Kleingewerbebetreibende und 701 Handwerksbetriebe. Die Stadt hat etwa 66.000 Einwohner.

 

Fußnoten

1 vgl: Martin Kemkes, Claudia Sarge, Gesichter der Macht. Kaiserbilder in Rom und am Limes, Esslingen 2009,

S. 116

2 Alfred Heuss, Römische Geschichte, Paderborn 1998, S. 358

3 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Caracalla

4 Theodor Mommsen,  Das Römische Imperium der Caesaren, kindle edition

5 Paul Klopfer, Lorch und sein Kloster,  Welzheim/ Württemberg 1950, S. 24

6 Vgl. ebd., S. 26

7 ebd., S. 28

8 Vgl. ebd., S. 30

9 ebd. S. 39

10 Karl Jordan, Investiturstreit und frühe Stauferzeit, München 1973, S. 62 (Gebhardt – Handbuch der deutschen Geschichte, Band 4)

11 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Lorch#Nationalsozialismus

12 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Stauferstele

13 Vgl. http://www.gerhardraff.de/staufer/stauferstelenbroschuere.pdf

14 Univers-Cardfolder Schwäbisch Gmünd

15 Zeit online, 24.Juli 2013

16 Vgl. Michael Grant, Die römischen Kaiser. Von Augustus bis zum Ende des Imperiums. Eine Chronik, Bergisch Gladbach 1989. S.  158

17 Mit den Römern durch das Caracalla-Jahr – Sonderdruck von Schönes Schwaben, Juni 2013, S.3

18 Vgl. Ebd. S.6

19 Vgl. Ivar Lissner, So lebten die römischen Kaiser, Macht und Wahn der Cäsaren, München 1977, S. 312

20 ebd.