Archiv für September 2012

Betrachtungen zu Procol Harum

The well’s on fire von Procol Harum und andere Aspekte der Texte der Gruppe

An old english dream

Auffallend ist, dass öfter als früher soziale Themen angesprochen werden. Der englische Imperialismus als Dauerfriedhof, die schroffen sozialen Gegensätze – einige essen von ihrem Reichtum, dem Gold, andere durchsieben den Müll und schlafen im Kalten. Die Anschläge vom 11. September 2001 (zusammenstürzendes Gebäude) bieten keine geöffneten Türen. Die Versprechen des Landes sind nicht erfüllt und hohl. Die Umwelt verseucht, von Autos verstopft.

 Wall street blues

Die Träume sind den Bach hinunter gerutscht, die Straßen schienen mit Gold gepflastert. Ein süßer Geschmack wurde schnell bitter. Der Markt liegt danieder, die Ersparnisse sind verloren gegangen – ein Kartenhaus ist zusammen gebrochen, die Zukunft sieht düster aus. Der Blues der Wall street wird – symbolisch gesprochen – barfuß erlebt.

 This world is rich (for Stephen Maboe)

Die Globalisierung ist ungerecht. Das Elend zu groß, das Wasser vergiftet. Eine helfende Hand wird gebraucht. Gibt es wirklich ein gelobtes Land, in dem die Slums überwunden werden? Für den Afrikaner ist die reiche Welt nicht die seine

 The emperor’s new clothes

Bei dem Lied könnte es sich um ein Porträt von Tony Blair handeln. Die heiß fiebrige Augenbraue wird ergänzt durch die hell leuchtenden Augen. Und bei der Nationalhymne liegt die Hand am Herzen. Die protzigen alten Lumpen sind des Kaisers neue Kleider, der Besitz ist gestohlen, selbst der zugebilligte Knochen wird zurückgefordert.

 Fellow travellers

Aus der Reise von Schatten zu Schatten, wo alle Mitreisende sind, wird gefolgert, dass man etwas braucht , woran man glaubt. Zudem wird ein süßes Licht erfleht. Die Wortwahl beweist wieder einmal, dass es sich bei Keith Reid um einen Theologen handelt.

(Text von Händels Lascia Ch’io Pianga, das dem Song zugrunde liegt, in englischer Sprache):

Let me weep over my cruel fate
And sigh for my lost freedom
(wird zwei Mal gesungen)

And sigh
And sigh for my lost freedom

Let me weep over my cruel fate
And sigh for my lost freedom

May the pain shatter the chains
Of my torments just out of mercy
Of my torments just out of mercy

Let me weep over my cruel fate
And sigh for my lost freedom

Lascia Ch’io Pianga stammt aus der italienischen Oper Rinaldo. Obwohl die Oper zu Händels Lebzeiten ein großer Erfolg war, geriet sie nach seinem Tod in Vergessenheit. Erst in den 1970ern wurde Rinaldo wiederentdeckt. Lascia Ch’io Pianga selber wurde in den 90ern für eine Harrods Werbung benutzt und ist deshalb vielen Briten bekannt.

Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?“ So fragt der Evangelist Matthäus im Kapitel „Vom Richtgeist“. Diese Bibelstelle könnte der Lyriker Keith Reid vor Augen gehabt haben, als er den Text zum Song „The question“ gedichtet hat. Hier geht es nämlich darum, nicht mit dem Finger auf jemanden im moralischen Sinne zu zeigen, ohne sich sicher zu sein, dass man saubere Hände hat. Insofern ist der Text für Theologen geeignet, die diesen Bibeltext in moderner Version Zeitgenossen nahe bringen wollen. „Warst Du immer Herr Tadellos? Hast Du immer Deine Hände sauber gehalten?“ Dass man einen Hund mit Gnade behandeln kann ist eine theologische Vorstellung, die sich rationaler Vermittlung entzieht, deshalb nehmen wir den Song „Every dog will have his day“ als Spass -Event und heulen mit Gary ebenso schräg mit. Schon in „Your own choice“ auf „Home“ wird ein alter Hund beschrieben, der ein wirklich guter ist.

Machen wir einen Exkurs zum Auftauchen von anderen Tieren in Procol Harum – Texten. In „Conquistador“ wartet der Hengst auf Begleitung. Eine Geier sitzt auf dem Silberschild und deutet hier schon an, dass der Conquistador stirbt und nichts erobert. Sein Kampf hat keinen sonstigen Sinn, es gibt kein weiteres Labyrinth zu entwirren. Der Geier begegnet dem Hörer wieder im zehnten Album „Something magic“ im Titelsong. Beschrieben wird die dunkle Stunde der Seele, wenn die Albträume ihren Tribut fordern. Zudem kommen die Dämonen der Nacht, die wie Geier in ihre Beute beißen. Die dunkle Stunde der Seele – sie wird in nicht wenigen Texten auch mit anderen Worten beschrieben. Auf der Platte „Home“ werden in „Barnyard story“ Hühnchen beschrieben, die mit Sünde fett heranwachsen, was immer das bedeuten mag. Das Schwein taucht in „Piggy pig pig“ auf „Home“ auf, ohne zu erläutern, was es eigentlich will. Vielleicht gibt der ursprüngliche Titel „Wash yourself“ einen Hinweis darauf, dass man kein Schwein sein soll?

Der Wurm kommt ganz markant in „The worm and the tree“ in „Something magic“zu einem Mammut – Einsatz. Erst vergiftet er den Baum so lange, bis dieser umstürzt. Dann wird der Baum von einem Jäger verbrannt, der Wurm bricht auseinander und verbrennt. Es kann ein neuer Baum entstehen aus den Wurzeln des alten. Maulwürfe und Aaskrähen bilden in

The unquiet zone“ auf „Procol’s ninth“ den Auftakt in einem insgesamt kriegerischen Geschehen. „Sie jagen uns wie Aaskrähen, sie suchen uns aus wie Furcht erfüllte Maulwürfe“. Danach wird ein schrecklicher Krieg geschildert, eine furchtbare Verschwendung von Därmen und geronnenem Blut sowie von menschlichem Leben, ein sinnloser, bitterer, blutiger Streit.

Bringen wir ein neues Tier in das Spiel: die Ratte. In „Broken barricades“ heißt es im song „Poor Mohammed“ dazu: Lassen wir die Ratten auf ihn los. Auch sonst hat Mohammed nichts zu lachen. Der Esel kommt in „Memorial drive“ zum Zug: er arbeitete wie ein mexikanischer Esel. Der Affe darf nicht fehlen. In „The devil came from Kansas“ reitet ein Affe auf dem Rücken des Sängers. Ein komischer Aspekt wird auf der Bühne dadurch erzielt, dass sich dieser dabei schüttelt nach dem Motto: „Affe, weiche von mir!“

Kehren wir zurück zum Album „The well’ s on fire“. Der song „VIP room“ könnte durch die Aussage von Albert Camus „Tod für alle, doch jedem sein Eigner“ charakterisiert werden. Dass man wenigstens als eine sehr bedeutende Persönlichkeit sterben möchte, wenn der Tod schon nicht aufzuhalten ist, zeugt von einem Streben nach Höherem. Wenn ein schwarzer Vogel vom Himmel herab stößt wie in „The blink of an eye“, dann deutet sich Unheil an, welcher Natur es ist, steht nicht fest. Es gibt keinen festen Vorleger unter den Füssen, die Träume von vielen sind verraucht, die zurück Bleibenden können ihr Dasein nicht bewältigen.

 In „A robe of silk“ handelt es sich um das einzige Liebeslied auf der Disc, ein Zeichen, dass die unschönen Zustände die Überhand gewonnen haben – das passt insgesamt zu Keith Reid.„Shadow boxed“ gibt mehr Rätsel auf als dass es welche löst. Procol Harum wie einst im Mai ist zu hören auf „Weisselklenzenacht“. Das Instrumental schließt an Repent Walpurgis an und wurde in Aschaffenburg im Colos Saal 2003 mit Ovationen bedacht.

Am besten ein Glas guten Rotwein dazu trinken!

Procol

© Procol Harum

 

 

link http://www.procolharum.com/

 

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Veröffentlicht 22. September 2012 von schauerchristian in Betrachtungen zur Musik

Szydlo dreht durch – Fluch des Coltan -Nationalpopulismus in Europa und den USA – Partei Neurussland – Hindenburgstraße umbenennen – Grubenunglück in Soma (Türkei) – Erdogan und Demokratie – Krim -Konflikt – Demokratische Defizite in der Türkei – Agrarpreise kontrollieren – Zur Lage der Roma in Serbien – Keine Abschiebungen in den Kosovo – Völkermord an den Armeniern/ Dolchstoßlegende – Pierre Vogel – Flüchtlinge Liberia – Aufstand in Syrien – Hartz IV – Nordkorea – Berlusconi

 

Leserbrief zu „Streit um Polens Justizreform“, in Main-Echo vom 19.7.2017, erschienen in: Main-Echo online vom 24.7.2017, in der Print-Ausgabe vom 3.8.2017

Nach der Gleichschaltung des Rundfunks im November 2015 – die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten werden in „Nationale Kulturinstitute“ umgewandelt- wird jetzt eine unabhängige Justiz in Polen zu Grabe getragen.

Wes Geistes Kind sind diese Leute von der PiS? Anlässlich einer Gedenkrede in Auschwitz im Juni 2017 am „Nationalen Gedenktag an die Opfer der deutschen Nazi-Konzentrations- und Vernichtungslager“, der an den ersten Transport am 14. Juni 1940 erinnerte, führte die Ministerpräsidentin Beata Szydlo (PiS) aus: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen, verblendet von verbrecherischen Ideen, anderen das Recht auf ihr Leben nehmen. ..Auschwitz ist in unseren unruhigen Zeiten eine große Lektion dessen, dass man alles tun muss, um Sicherheit und Leben der eigenen Staatsbürger zu schützen“

Szydlos Satz bezieht sich auf die permanente Hetze der rechtskonservativen Regierungspartei gegen die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen. Politiker der EU erinnern die Polen an die vereinbarte Aufnahme von rund 7.000 Flüchtlingen (extrem viele).

Das „Nie wieder“ instrumentalisiert Szydlo nun aber ausgerechnet in Auschwitz für die eigene pauschal ablehnende Flüchtlingspolitik. Es wird suggeriert, dass die Flüchtlinge die neuen Nazis seien, die Polen besetzen und ermorden wollten. Das hätte jeder Rechtsradikale genauso sagen können.

Im August 2015 forderte Andrzej Bacza, der für die Nationalisten (PiS) im Stadtrat des oberschlesischen Cieszyn (früher Teschen) sitzt, ein Konzentrationslager für Politiker der liberalkonservativen Bürgerplattform. Nach den Parlamentswahlen im Oktober würden deren „Mitglieder und Sympathisanten im Geschichtsnebel“ verschwinden. Für sie suche er ein Terrain, rund 1000 Hektar groß, mit Bahnrampe und unter Strom stehenden Zaun. „Ein Scherz“, meinte er später. Mit Menschenvernichtung scherzt man nicht.

Der Historiker Jan Thomasz Gross geriet nach kritischen Aussagen über die Mittäterschaft Polens am Holocaust Anfang 2016 in das Visier der polnischen rechtskonservativen Justiz. Der an der Universität von Princeton in den USA tätige Professor erklärte einer Nachrichtenagentur damals, er sei in Kattowitz fünf Stunden lang verhört worden. Ihm werde vorgeworfen, die polnische Nation öffentlich beleidigt zu haben. International bekannt wurde Gross durch das Buch „Nachbarn“ aus dem Jahr 2001. Schon damals bezweifelte er, Polen seien während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg nur Opfer gewesen.

Konkret hatte er im September 2015 geschrieben, dass die Polen, die so stolz auf ihren Widerstand gegen die Nazis seien, im Zweiten Weltkrieg mehr Juden getötet hätten als Deutsche.

Ein Historiker vom „Polnischen Zentrum für Holocaust-Forschung“ führte aus, es sei schwer zu sagen, wie viele Juden im Zweiten Weltkrieg tatsächlich von Polen getötet wurden. Die Zahl sei aber hoch und Gross könnte mit seiner Einschätzung, dass es mehr Juden waren als Deutsche, tatsächlich richtig liegen. Unbequeme Wahrheiten kann man als glühender Verfechter des Nationalismus nicht ertragen – sonst wäre man gar nicht mehr so glühend.

Christian Schauer, Alzenau

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Leserbrief zu „Handy Sammelaktion im Weltladen“, in: Der Heimatbote vom 4. 7.2017, erschienen im Heimatboten vom 11.7.2017

Weiß man wirklich viel über die Handys, die man ständig benutzt? Wahrscheinlich viele eher nicht.- Die im Smartphone verwendeten raren Mineralien stammen häufig aus Afrika, beispielsweise das Erz Coltan aus Minen in der Demokratischen Republik Kongo. Coltan ist alles andere als sehr lange verfügbar, die Weltvorräte neigen sich allmählich dem Ende entgegen. In den Coltan-Minen lässt sich schnell viel Geld verdienen, weshalb man meinen könnte, dass der Coltanabbau dem betreffenden Land und seiner Bevölkerung gut tut. Weltweit steht immer wieder der Coltanabbau in der Regio Kivu in der Demokratischen Republik Kongo im Vordergrund. Die Arbeitsbedingungen – nicht selten kommt es zur Kinderarbeit – sind sehr inhuman.

Der Coltan-Boom bewirkte bei der Bevölkerung ähnliches wie ein Goldrausch -etwas Irrationales. Die Felder wurden nicht bewirtschaftet, weil der Verdienst in den Bergarbeitercamps bis zu fünfmal höher war als in der Landwirtschaft.

Ein Rausch wird auch durch hohe Gewinne noch potenziert.Diese hohen Gewinne für die Konzerne gingen einher mit fehlender staatlicher Überwachung während des Bürgerkrieges in diesem Land. Sie führten zu chaotischem Raubbau, der gravierende Umweltschäden nach sich zog. Unter anderem hatten die Gorillas darunter zu leiden, deren Lebensraum verkleinert wurde.Der Krieg in der Demokratischen Republik Kongo hat seit Anfang der 90er Jahre schätzungsweise fünf Millionen Menschen das Leben gekostet. Auch daran sollte man bei der Nutzung seiner Handys denken.

Christian Schauer, Alzenau

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Leserbrief zu „Bayerischer AfD-Chef wird vom Verfassungsschutz beobachtet“, in Main-Echo vom 19.4.2017, erschienen in Main-Echo online vom 23.4.2017, in der  Print-Ausgabe vom 8.5.2017

Petr Bystron wuchs in der Tschechoslowakei auf. Seine Eltern flohen mit ihm 1987 aus diesem Land in die Bundesrepublik Deutschland. Er ist anerkannter Asylbewerber. Nachdem er bis 2013 Mitglied der FDP war, ist er mittlerweile Landesvorsitzender der AFD in Bayern. Sein ehemaliges Heimatland Tschechien warnte er angesichts des Flüchtlingszustroms 2015 bis Anfang 2016 Migranten ins Land zu lassen, die er pauschal als Terroristen einstufte. 1987 war die Tschechoslowakei eine Diktatur, die heutige Tschechische Republik ist eine Demokratie.

Ein weiterer AfD-Funktionär Dubravko Mandic wurde 1980 in Sarajevo im damaligen Jugoslawien (mittlerweile Bosnien-Herzegowina)geboren und studierte Rechtswissenschaften in Deutschland. Der Jurist lebt in Freiburg. Er ist Vizevorsitzender des baden-württembergischen AfD-Landesschiedsgerichts.

Ebenso wie Bystron pflegt er Kontakte zur „Identitären Bewegung“, die offen rechtsradikal ist.„Von der NPD unterscheiden wir uns vornehmlich durch unser bürgerliches Unterstützerumfeld, nicht so sehr durch Inhalte“, schrieb Mandic auf Facebook. Auch das heutige Bosnien-Herzegowina ist eine parlamentarische Demokratie.

Warum praktizieren die beiden nicht das, was sie von Flüchtlingen fordern und kehren dahin zurück, woher sie kamen? Sie würden dadurch nur konsequent handeln! Der Unterschied wäre der, dass die beiden in Staaten zurückkehren würden, in denen sie vor Verfolgung sicher sind, während die Mehrzahl der Flüchtlinge das nicht ist.

Christian Schauer

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Leserbrief zu: „Trump justiert Sicherheitspolitik neu“, in Main-Echo vom 31.1.2017 und „Der Kleinkrieg mit den Medien ist Alltag -USA: Trump und sein Umgang mit Journalisten“, in Main-Echo vom 7.2.2017, erschienen in Main-Echo online vom 14.2.2017 und 9.2.2017 , in Main-Echo Printausgabe vom 2.3.2017

Wie Breitbart-News, ein Portal, das dem aktuellen Präsidenten der USA, Donald Trump, nahesteht, Nachrichten verfälscht, kann man anhand der Ereignisse der Silvesternacht 2016 in Dortmund dokumentieren.

Eine Gruppe von mehr als 1.000 Männern habe „Allahu Akbar“ geschrien, Polizisten attackiert und eine historische Kirche in Brand gesetzt, berichtete das umstrittene, nationalpopulistische nordamerikanische Portal „Breitbart“ und zeichnete ein düsteres, bedrohliches Bild von der Silvesternacht in Dortmund. Für den Leser scheint es so, als sei die Lage dort in der Nacht zum neuen Jahr vollkommen außer Kontrolle geraten.

Der Wahrheit entsprach das nicht. Eine Gruppe von 1.000 Männern feierte in der Dortmunder Innenstadt. Es gab auch einzelne „Allahu-Akbar“-Rufe. Eine Feuerwerksrakete landete im Netz eines Baugerüsts der Reinoldikirche. Sie ist, anders als „Breitbart“ berichtete, nicht die älteste Kirche Deutschlands. Dort entstand ein kleinerer Brand, der schnell gelöscht werden konnte. Einige Polizisten wurden verletzt – doch keiner wurde bewußt angegriffen.

Es wird deutlich, dass eine Art Bürgerkrieg aus relativ harmlosen Ereignisssen herbeigeschrieben werden soll.

Steve Bannon, der wichtigste Berater des Präsidenten Trump, weist andererseits schon auf die Unabänderlichkeit von Kriegen auch nach außen hin, wenn er im März 2016 zur China-Politik der Vereinigten Staaten folgendes schreibt: „Wir werden im Südchinesischen Meer in fünf bis zehn Jahren Krieg haben, oder etwa nicht? Daran gibt’s keinen Zweifel. Die nehmen ihre Sandbänke und machen daraus ständige stationäre Flugzeugträger, dann stellen sie noch Raketen drauf. Sie kommen dann in die USA, und sie sagen uns direkt ins Gesicht und Ihnen allen ist klar, wie wichtig das Gesicht ist , die See dort ist seit alters her ihr Territorium.“

Unbewiesene pauschale Vorwürfe an die Medien gehören zum Repertoire Trumps – bei Terroranschlägen gebe es aktive Nachrichtenunterdrückung. Die Berichterstattung über die Anschläge von Nizza, Paris und Berlin beweisen das Gegenteil. Muslime werden kollektiv des Terrors verdächtigt.

Eine Vorstellung von Völkerfreundschaft hat im Denken der Nationalpopulisten nicht die geringste Chance. Man kann nur hoffen, dass die humanen Werten verpflichtete Opposition in den USA stark genug ist, diese Leute zu stoppen.

Christian Schauer

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Leserbrief zu: „Treffen der Freunde Europas”

Die Aschaffenburger Landtagsabgeordnete Martina Fehlner, medienpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion und Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn betonten bei ihrem Treffen in Bad Aibling, dass die EU eine Wertegemeinschaft ist – und nicht nur ein Wirtschaftsraum.

In: Der Heimatbote vom 8.10.2016

Erfreulich ist es, dass eine Partei den Luxemburgischen Außenminister Asselborn als Freund Europas empfängt.

Der Luxemburgische Außenminister Asselborn hat eine Forderung erhoben, nämlich Ungarn aus der EU auszuschließen, der man sich nur anschließen kann. Die völkisch nationalistische Politik unter Viktor Orbán setzt auf pauschale Vorurteile gegenüber Flüchtlingen aus muslimischen Ländern. Im November letzten Jahres konnte man diese hysterische Furcht vor Flüchtlingen kennenlernen: „Natürlich gibt man es nicht gerne zu, aber es ist eine Tatsache, dass alle Terroristen letztlich Migranten sind“, sagte Viktor Orbán damals. „Die Frage ist nur, wann sie in die Europäische Union eingewandert sind.“ Eine Anklage wegen Volksverhetzung vor dem Europäischen Gerichtshof wegen Volksverhetzung wäre hier die richtige Antwort. Polen sollte Ungarn folgen.

Polen war im Jahr 2014 mit rund 13,75 Milliarden Euro der größte Nettoempfänger der EU, Ungarn der zweite mit 5,68 Milliarden Euro. Beide Länder profitieren also von den Beziehungen zur EU, ohne den geringsten Gegenwert an Humanität leisten zu wollen.

Der Höhepunkt der nationalistischen Hysterie in Ungarn: Ein Europa-Abgeordneter der Orbán -Partei Fidesz twitterte vor dem Referendum, man solle zur Abschreckung muslimischer Flüchtlinge Köpfe von Schweinen an die Grenzzäune zu Serbien und Kroatien hängen. Ein Vorschlag, der in Deutschland von der NPD kommen könnte.

Fazit: Wer völkisch nationalistisch denkt und handelt, der soll auf die heimische Scholle verwiesen werden und nicht von den Fleischtöpfen der EU profitieren.

Erschienen am 15.10.2016 im „Heimatboten“

Christian Schauer

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Bystrons Kontakte nach rechtsaußen

Kontakte zu Rechtsradikalen sind in der AfD keine Seltenheit. So hat der AfD-Bundesvorstand im März 2016 die Auflösung des saarländischen Landesverbandes der AfD beschlossen. Hintergrund waren Berichte über Kontakte der Saarbrücker Parteispitze zu Rechtsradikalen.

Grund für die Auflösung waren „schwerwiegende Verstöße gegen die politische Zielsetzung und die innere Ordnung der Partei“, meinte die AfD dazu.

Vorausgegangen waren Recherchen des „Stern“ über Kontakte des Saar-Landesvorsitzenden Josef Dörr und seines Stellvertreters Lutz Hecker zu Rechtsradikalen. Denen zufolge standen Dörr und Hecker im Herbst 2015 in engem Kontakt mit dem früheren stellvertretenden rheinland-pfälzischen NPD-Vorsitzenden Sascha Wagner. Hat sich Herr Bystron das zum Vorbild genommen?

Schauer, Christian, Donnerstag, 30.Juni, 20:33 Uhr

Bezugsartikel

AfD in Bayern – Bystron und die Neonazis

Er gilt als smarter und gemäßigter Politiker: Bayerns AfD-Chef Petr Bystron. Doch er unterhält offensichtlich enge Kontakte zu Neonazis. Am Mittwochabend versuchte er in eine Veranstaltung in München zu gelangen. Mit dabei: zwei militante Rechtsextremisten. Bystron bestritt am Abend, die beiden „näher“ gekannt zu haben.

BR24 vom 30.6.2016

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Leserbrief zu „Den Hass schüren Linke, Grüne, SPD“ und „Trump fordert Einreiseverbot für Muslime“ in: Main-Echo vom 9.12.2015 umd “Sorge um EU-Flüchtlingspolitik nach Rechtsruck in Polen”, in: Main-Echo vom 26.10.2015

Herr Bystron spricht weltweit von 90 Prozent Wirtschaftsmigranten. Er sollte in der aktuellen Debatte lieber die Zahlen für Deutschland berücksichtigen. Demnach wurden von Januar bis November 2015 ca. 965.000 Asylanträge gestellt, davon von Syrern ca. 484.000, von Afghanen ca. 127.000 und Irakern ca. 93.000, das heißt etwa zwei Drittel der Asylanträge wurden von Personen gestellt, die aus Kriegsländern kommen – es handelt sich um Kriegsflüchtlinge.

Ich stimme Herrn Bystron zu, dass arabische Länder wie Saudi-Arabien und Katar keinerlei Vorbildcharakter haben können, wenn sie keine Flüchtlinge aus muslimischen Ländern wie Syrien aufnehmen wollen. Auch Länder wie Großbritannien sind überhaupt nicht vorbildlich, wenn sie ohne Grund im Irak 2003 Krieg führen und wenn die Ergebnisse nicht den behaupteten Ergebnissen entsprechen, kaum Flüchtlinge aufnehmen wollen.

Menschen, die diesen (und auch anderen) Flüchtlingen mit Empathie begegnen, haben es nicht verdient als „Willkommens-Hudler“ oder „nützliche Idioten“ bezeichnet zu werden. Solche Vokabeln versauen die Atmosphäre. Dahinter steckt die nationalistische Logik der Feindschaft gegenüber Menschen in Not, die zum Aufstieg von Pegida und AFD geführt hat.

Dass auch in demokratischen Parteien Ressentiments gegen Minderheiten hoffähig geworden sind, zeigt der Präsidentschaftskandidat der Republikaner in den USA, Donald Trump, mit der Forderung eines Einreiseverbotes für alle Muslime in die USA. Das suggeriert, dass potentiell alle Muslime Terroristen sind.

Mit der pauschalen Ablehnung von Flüchtlingen gewinnt man heute schon Wahlen in Europa. So meinte der Chef der polnischen Nationalkonservativen Jaroslaw Kaczynski Mitte Oktober 2015 auf einer Wahlveranstaltung zum Thema Migration: „Cholera auf den griechischen Inseln, Ruhr in Wien, alle Arten von Parasiten und Bakterien, die in den Organismen dieser Menschen harmlos sind, können hier gefährlich werden“. Es ist skandalös, dass eine Partei „Recht und Gerechtigkeit“ eine Wahl gewinnt, die sich weigert, bei einer Bevölkerungszahl von etwa 38,5 Millionen 7.000 Flüchtlinge aufzunehmen. Auf diese lächerlich geringe Zahl ließ sich die Vorgängerregierung zumindest ein.

Den würdigen Abschluss bietet der ungarische Ministerpräsident: „Natürlich gibt man es nicht gerne zu, aber es ist eine Tatsache, dass alle Terroristen letztlich Migranten sind“, sagt Viktor Orbán. „Die Frage ist nur, wann sie in die Europäische Union eingewandert sind.“ (Welt vom 24.11.2015)

In Ungarn gab es eine rechtsradikale Partei mit dem Namen „Die Pfeilkreuzler“, die massiv in den Holocaust verwickelt war und vom Oktober 1944 bis zum Weltkriegsende 1945 die ungarische Politik bestimmte. Führer war Ferenc Szálasi. Folgende Ungarn waren prominente Mitglieder dieser Partei: Károly Beregfy, Verteidigungsminister dieses Regimes, Gábor Vajna, Innenminister und József Gera war ein Vertrauter des Ministerpräsidenten Szálasi. Alle diese Faschisten waren Ungarn Herr Orbán! Aber nicht alle Ungarn sind Faschisten!

Szalasi

Foto: Pfeilkreuzler-Flagge und Parteiführer Ferenc Szálasi – Montage:C. Schauer

Der völkische Nationalismus mit seinen grobschlächtigen Ressentiments ist auf dem Vormarsch. Es wird Zeit, ihn zu stoppen.

Christian Schauer, Alzenau – erschienen in Main-Echo online am 19.12.2015, auszugsweise in: Frankfurter Rundschau vom 30.12.2015, Bezugsartikel: „Das braune Problem in Polen wächst“, in FR vom 21.12.2015

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Leserbrief zu: “Putin bekräftigt Bedeutung der Krim für Moskau in Neujahrsansprache”, in: Main-Echo vom 31.12.2014

Wer verbirgt sich hinter der Bewegung, die unter dem Begriff Neurussland im Osten der Ukraine die Separation unterstützt und den Anschluß der Krim an Russland vollzogen hat? Es sind Personen, die eindeutig dem rechtsradikalen Spektrum zuzurechnen sind.

Pawel Gubarew (zeitweilig „Volksgouverneur“ der „Volksrepublik Donezk“) Lange war er Mitglied der paramilitaristischen neofaschistischen Partei „Russische Nationale Einheit“ (RNU), deren Parteiemblem aus dem Hakenkreuz und dem Andreaskreuz der kaiserlichen russischen Marine besteht. Er betätigte sich in zahlreichen panslawistischen und ultranationalistischen Kleinparteien. Zur Zeit ist er Vorsitzender der „Partei Neurussland“, die am 13. Mai 2014 von den Ultranationalisten Valery Korowin, Alexander Prochanow und Alexander Dugin gegründet wurde. Im  Oktober 2014 wurde Gubarew auf einer Fahrt vom russischen Rostow am Don nach Donezk verletzt, nachdem sein Fahrzeug in der umkämpften Oblast Donezk beschossen wurde. Seitdem liegt er in einem Krankenhaus in Rostow am Don.

Alexander Borodai wurde nach dem Referendum im Osten der Ukraine 2014 zum Premierminister der “Volksrepublik Donezk” ernannt. Am 7. August 2014 trat er von diesem Posten zurück  und erklärte, diesen an Alexander Sachartschenko abzugeben. Am 28. September 1993 begannen öffentliche Proteste gegen Jelzins Regierung in den Straßen Moskaus, wobei es zu erstem Blutvergießen kam. Die Armee blieb unter Jelzins Kontrolle, was letztlich den Ausgang der Krise entschied.  Borodai gehörte zusammen mit den Paramilitärs der neofaschistischen RNU zu den Putschisten, die sich in Moskau im Weißen Haus verbarrikadiert hatten. Er betätigte sich auch als freiwilliger Kämpfer für prorussische Rebellen in Transnistrien. Während dieser Zeit war Borodai Redakteur der rechtsextremen und ultranationalistischen Wochenzeitung „Zavtra“ („Morgen“), die Partei Neurussland -Gründer Alexander Prochanow ins Leben gerufen hatte. Um die „auseinanderfallende russische Gesellschaft“ wieder zu vereinen, propagiert

Alexander Prochanow eine nationalsozialistische Ideologie. Es handelt sich um eine Art Faschismus ähnlich dem von Benito Mussolini – ohne ausgewiesenen Rassismus. Prochanow bezeichnet sich selbst als „traditionellen russischen Imperialisten“ – das „ideale Russland“ ist für ihn ein „euroasiatischer Staat“ mit einem „zentralen und regulierenden“ Volk, den Russen. In Prochanows Weltbild wollen „liberale jüdische Gruppen“ Russland von innen heraus aushöhlen. Seine Wochenzeitung „Zavtra“ ist ultranationalistisch. In ihr wird ein deutlicher Antisemitismus gepflegt.

Daneben gibt es noch Igor Girkin, der zeitweilig eine Art Verteidigungsminister darstellte. Auch Igor Girkin, der meist unter seinem Kampfnamen „Strelkow“ („der Schütze“) geführt wird, ist aus Russland. Als Kämpfer im Bosnien-Krieg für die serbische Seite wurden ihm zahlreiche Kriegsverbrechen vorgeworfen.

Die Zusammenarbeit Putins mit der rechtspopulistischen “Nationalen Front” in Frankreich wurde von der Vorsitzenden dieser Partei, Marine Le Pen, Ende November 2014 bestätigt. Zur Höhe eines Kredites meinte sie:  “Wir haben neun Millionen Euro beantragt, und wir haben neun Millionen Euro bekommen.” Auf ukrainischer Seite werden oft die Taten der Svoboda-Partei und des “Rechten Sektors” für die mangelnde Abgrenzung zum Rechtsradikalismus zurecht angeführt. Dass die russische Politik so rechtsradikal beeinflusst ist, wollen viele nicht wahrhaben. Christian Schauer, auszugsweise veröffentlicht als Kommentar zu “Putins Geschichtsklitterung”, in Main-Echo online vom 1.1.2015

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Leserbrief zu: Darmstadt streitet über die Hindenburg-Straße     In: Main-Echo vom 1.9.2014

Paul von Hindenburg erwies sich nach dem Ende der Weimarer Republik als Totengräber der Demokratie. Am 1. Februar 1933 löste er den Reichstag auf. Die Verordnung dazu ist unterschrieben von Hindenburg, Hitler und Frick. Nach dem Reichstagsbrand erfolgte im Laufe des Februars eine Reihe von antidemokratischen Maßnahmen wie die „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes“. Nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 wurd die „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ erlassen, mit der die Grundrechte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges außer Kraft gesetzt wurden. Danach kam es zu Massenverhaftungen von Anhängern der KPD und der SPD. Bei dem am “Tag von Potsdam” am 21. März 1933 wurde der neu gewählte Reichstag in der Garnisonkirche eröffnet. Durch eine symbolische Verneigung Hitlers vor dem greisen Reichspräsidenten wurde eine symbolträchtige Kontinuität zwischen dem Kaiserreich und dem Dritten Reich hergestellt. Beim Streit um die Straßenbenennung in Darmstadt kann deshalb den Befürwortern einer Umbenennung nur beigepflichtet werden.

Christian Schauer, Alzenau geschrieben: 12.09.2014 in Main-Echo online

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Leserbrief zu:  Schuldige für Grubenunglück gesucht, in Main-Echo vom 17.5.2014

Mit hoher Wahrscheinlichkeit war das Minenunglück in der Türkei Resultat einer falschen ultraliberalen Unternehmensstrategie. Der Grubenchef Alp Gürkan rühmte sich 2012 damit, die Produktionskosten von 130 Dollar (rund 95 Euro) auf 24 Dollar pro Tonne gesenkt zu haben. Das wurde auch dadurch erreicht, dass Gürkan Aufträge an Subunternehmer vergab, die die Sicherheitsvorkehrungen nicht einhielten und ihre Arbeiter schlechter bezahlen als gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmer. Eine Frechheit ist es deshalb, wenn der türkische Ministerpräsident Erdogan das Schicksal beschwört – der Unfall sei Gott gegeben, so sei das Risiko in einem Bergwerk. Man kann nur hoffen, dass eine zunehmende Anzahl von demonstrierenden Türken eine lückenlose Aufklärung der Katastrophe von Soma erzwingen kann. Und der Mythos der AKP mit ihrem undemokratischen Führer bröckelt.

Christian Schauer  geschrieben: 25.05.2014 09:46, in: Main-Echo online

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Leserbrief zu: Main-Echo 31.03.2014

Erdogan will Widersacher verfolgen

36 osmanische Sultane standen 2013 für Erdogan zur Auswahl als Namensgeber für die neue Brücke in Istanbul. Eine Provokation in Reinkultur lag für Minderheiten in der Türkei darin, dass ausgerechnet Sultan Selim I. – für seine Grausamkeit bekannt – gewählt wurde. Als strenger Sunnit ging Selim I. (1470 bis 1520) hart gegen sämtliche Schiiten im Osmanischen Reich vor. 40.000 Aleviten ließ er umbringen, als die sich gegen ihn auflehnen wollten. Mit der Enttarnung, dass ein Grund gesucht wurde, in Syrien einzugreifen, steht Erdogan in der Tradition von Selim I. Deswegen kam es vor kurzem sogar zu einer Youtube-Sperrung. Die Veröffentlichung von Aufnahmen eines Gesprächs von Außenminister Ahmet Davutoglu, Geheimdienstchef Hakan Fidan und zwei weiteren ranghohe Politikern über einen möglichen Militäreinsatz im Nachbarland Syrien gefährde die nationale Sicherheit der Türkei, so Erdogan. Journalisten werden wegen unbotmäßiger Äußerungen häufig inhaftiert. Seit Bekanntwerden von Korruptionsvorwürfen ließ Erdogan Ende letzten Jahres mehrere Tausend Polizisten, Richter und Staatsanwälte zwangsversetzen. Langsam kommt jetzt der Wolf zum Vorschein, der seinen Schafspelz abwirft: Im April 1998 wurde Erdogan vom Staatssicherheitsgericht Diyarbakır wegen Missbrauchs der Grundrechte und -freiheiten gemäß Artikel 14 der türkischen Verfassung nach einem Artikel des damaligen türkischen Strafgesetzbuches – Aufstachelung zur Feindschaft auf Grund von Klasse, Rasse, Religion, Sekte oder regionalen Unterschieden- zu zehn Monaten Gefängnis und lebenslangem Politikverbot verurteilt. Anlass war eine Rede bei einer Konferenz in einer ostanatolischen Stadt, in der er aus einem religiösen Gedicht, das dem Soziologen Ziya Gökalp (Vertreter eines türkischen Kulturnationalismus) zugeschrieben wurde, zitiert hatte: „Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“ Das heisst im Klartext: Demokratie wird instrumentalisiert, um sie abzuschaffen

Christian Schauer, Alzenau, erschienen in: Main-Echo online, 6.4.2014

Zusätzliches zu Erdogan und Selim I.

Genau jetzt, da der Nahe Osten im Krieg versinkt und an der türkisch-syrischen Grenze ein Konflikt zwischen Sunniten und Aleviten geschürt wird, geben sie dieser Brücke einen Namen, der die Aleviten ganz bewusst verletzen soll! Das ist eine ganz bewusste politische Entscheidung! Sie wissen genauso gut wie wir, woran der Name Yavuz Sultan Selim uns Aleviten erinnert.” Das meinte ein führender Alevit angesichts der Benennung einer Brücke in Istanbul nach Sultan Selim I. durch die regierende AKP und ihren Präsidenten Erdogan. 1513 begann die Verfolgung der Kizilbasch (“Rotschöpfe”)-zu ihnen zählten neben den Aleviten auch die persischen Safaviden. In einer osmanischen Quelle heißt es dazu: „Der allwissende Sultan* sandte korrekte Schreiber über das gesamte Land, um die Unterstützer der Gruppe** zu vermerken, Stück für Stück und Name für Name, es wurde angeordnet vom Diwan*** , um Aufzeichnungen des Diwans über jeden von sieben bis siebzig Jahren abzuholen und die Namen von vierzigtausend Personen, alt und jung, wurden in diesen Registern aufgezeichnet; danach brachten Beamte diese Register zu den Verwaltern aller Regionen; in den Orten, in die sie gingen, töteten sie mehr als vierzigtausend per Schwert in ihren Heimatregionen.“ Neben den Tötungen erfolgten auch Zwangsumsiedlungen und Vertreibungen in entlegene Gebiete Anatoliens. **** Ein Jahr später 1514 griff Selim I. das persische Safavidenreich an. Östlich des Van-Sees wurde das persische Heer geschlagen. 1516 wurde Syrien erobert, 1517 Ägypten, der Mamlukenstaat ging unter. Als Nachfolger der Mamluken kontrollierte Selim die heiligen Stätten des Islam Mekka und Medina. Der letzte abbasidische Kalif, Mutawakkil III., fand keinen Nachfolger mehr. Im 18. Jahrhundert behaupeteten die Osmanen dann, dass Kalifat sei 1518 auf die Osmanen übergegangen.

* gemeint ist Selim I.

** gemeint sind die Kizilbasch

*** eine Institution der leitenden Exekutive des Osmanischen Reiches

**** Vgl. Ismail Kaplan, Das Alevitentum. Eine Glaubens- und Lebensgemeinschaft in Deutschland, Köln 2004, S. 17

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Leserbrief zu: “Russland bleibt unbeeindruckt”, in: Main-Echo vom 8.3.2014, erschienen am 11.4.2014

Großrussischer Nationalismus und sowjetisches Expansionsstreben bildeten von Anfang an keinen Gegensatz.

Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt (Hitler Stalin Pakt) 1939 – Geheimes Zusatzprotokoll In einem geheimen Zusatzprotokoll, das erst nach dem Krieg bekannt wurde, legten die Länder die Aufteilung Polens, des Baltikums und Bessarabiens in deutsche und sowjetische Interessensphären für den Fall fest, dass es zu „territorial-politischen Umgestaltungen“ kommen sollte. Die Punkte des Zusatzprotokolls sahen dabei Folgendes vor: Bei den baltischen Staaten (zu denen damals auch Finnland gerechnet wurde) sollten diese „Interessensphären“ durch die Nordgrenze Litauens abgegrenzt werden; Lettland, Estland und Finnland sollten in der sowjetischen Interessensphäre liegen, Litauen in der deutschen. Das Staatsgebiet Polens wurde entlang der Linie der Flüsse Narew, Weichsel und San in zwei Interessensphären geteilt. „Ob die beiderseitigen Interessen die Erhaltung eines unabhängigen polnischen Staates erwünscht erscheinen lassen und wie dieser Staat abzugrenzen wäre“, das sollte erst „im Laufe der weiteren politischen Entwicklung geklärt werden“. Das Zusatzprotokoll sollte von beiden vertragsschließenden Parteien „streng geheim behandelt werden“ – es wurde aber schließlich doch bekannt. Die Sowjetunion kam durch ein temporäres Bündnis mit dem NS-Staat in den Besitz neuer Gebiete.

Die Breschnew-Doktrin wurde am 12. November 1968 vom sowjetischen Parteichef Leonid Breschnew auf dem 5. Parteitag der “Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei” verkündet. Sie ging von der „beschränkten Souveränität“ der sozialistischen Staaten aus und leitete daraus das Recht ab, einzugreifen, wenn in einem dieser Staaten der Sozialismus bedroht würde. Dabei lautete die Hauptthese: „Die Souveränität der einzelnen Staaten findet ihre Grenze an den Interessen der sozialistischen Gemeinschaft.” Bestimmt wird ein solcher Fall vom Politbüro der KPdSU. Aktueller Anlaß war der Einmarsch der Warschauer Pakt Staaten 1968 in die Tschechoslowakei.  Im Juni 1953 konnte sich die SED nur mit sowjetischer Hilfe die Macht in Ostdeutschland erhalten. Drei Jahre später war Ungarn an der Reihe. Auch hier konnten sich Kommunisten nur durch sowjetische Bajonette die Herrschaft sichern.

Mit dem Verlust der nach dem Zweiten Weltkrieg in sowjetischen Einflußbereich gekommenen Staaten konnte sich das heutige Rußland nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1990 abfinden, mit dem Verlust von Gebieten, die früher erobert wurden, nicht. Nachdem die Krim unter Grigori Potjomkin von Russland annektiert worden war, wurde sie von Katharina II. am 8. April 1783 „von nun an und für alle Zeiten“ als russisch deklariert. Vorher stand die Krim Jahrhunderte lang unter türkischem Einfluß. Seit 1475 übten die Osmanen beherrschenden Einfluß aus, gestanden aber eine gewisse Autonomie zu. An Katharinas Formulierun scheint man sich auch heute wieder gerne in Rußland zu erinnern.

Einem Kompromiß ist derartiger Nationalismus wenig zugeneigt. Erschwert wird die Situation dadurch, dass die stark nationalistische “Swoboda-Partei” in der Ukraine nach dem Janukowytsch-Sturz an der neuen Regierung beteiligt ist. Bei der Regierungsbildung am 27. Februar 2014 erhielt der stellvertretende Vorsitzende von Swoboda, Oleksandr Sytsch, das Amt des stellvertretenden Ministerpräsidenten. Die Partei stellt auch weitere Mitglieder der Übergangsregierung, so etwa Ihor Tenjuch als Verteidigungsminister und den Umweltminister. Das EU-Parlament hatte sich in einer Resolution vom 13. Dezember 2012 besorgt über eine “zunehmende nationalistische Stimmung in der Ukraine” erklärt, die im Wahlerfolg der Swoboda zum Ausdruck gekommen sei. Seit Beginn der Proteste in der Ukraine 2013 bildet die “Swoboda” gemeinsam mit der UDAR von Vitali Klitschko und der Allukrainischen Vereinigung „Vaterland“ von Julija Tymoschenko ein oppositionelles Dreierbündnis. Die beiden letzten Parteien streben in die Europäische Union. Das Bündnis mit “Swoboda” macht beide Parteien angreifbar. Gesucht ist in dem Konflikt ein Deeskalationsmechanismus.

Christian Schauer, Neuwiesenstraße 14, 63755 Alzenau

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Türkei nur ein bedingt demokratischer Staat

Die Türkei entwickelt sich immer stärker zu einem nur bedingt demokratischen System. So wird zum Beispiel die bekannte türkische Soziologin Pnar Selek zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, weil sie angeblich ein Mitglied der verbotenen PKK ist und in deren Auftrag 1998 einen Bombenanschlag in Istanbul verübt haben soll. In jüngerer Zeit hat die Regierung Hunderte Journalisten, Akademiker und Oppositionelle inhaftiert. Die Türkei führt gegenwärtig im weltweiten Vergleich, was die Zahl der Journalisten im Gefängnis anbelangt. Es gibt keine Pressefreiheit. Über siebzig Journalisten sitzen in Haft. Sie sind Opfer einer Gesetzgebung, die Berichterstattung über Terrorakte mit Terrorismus gleichsetzt.

Verhandelt wird zum Teil vor Sondergerichten und es kann geschehen, dass ein Staatsanwalt, der aufgrund der dürftigen Beweislage von einer Anklage absehen wollte, abgelöst und durch einen Regierungskonformen ersetzt wird, der das Verfahren dann in größerer Strenge weiterführt. Von den rechtsstaatlichen Standards, die in der Europäischen Union üblich sind, und von der Wahrung der Pressefreiheit ist die Türkei derzeit weit entfernt. Die Frage ist, ob die Türkei tatsächlich nach Europa will. Ein Hoffnungsschimmer liegt darin, dass sich eine Verhandlungslösung im Kurdenkonflikt andeutet. Hier bleibt abzuwarten, ob aus der Kompromissbereitschaft Erdogans in Worten reale Taten folgen. Fazil Say meinte: »Ich weiß nicht, ob ihr es gemerkt habt? Überall wo es Schwätzer, Gemeine, Sensationsgierige, Diebe, Scharlatane gibt, sie alle sind übertrieben gläubig (wörtlich: »Allahisten«). Ist das ein Paradoxon?« Da ihm diese Aussage eine Bewährungsstrafe gebracht hat, denkt er darüber nach, das Land zu verlassen. Christian Schauer, Neuwiesenstraße 14, Alzenau

Main-Echo// Erscheinungsdatum: 3.05.2013 Bezugsartikel Main-Echo 16.04.2013

Pianist Fazil Say verurteilt wegen Islam-Beleidigung Justiz: Twittern brachte ihm zehn Monate auf Bewährung Istanbul Wegen Beleidigung des Islam ist der weltbekannte türkische Pianist und Komponist Fazil Say am Montag von einem Gericht in Istanbul zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Say (43) habe sich mit im Internet verbreiteten Kommentaren der Verletzung religiöser Werte schuldig gemacht, zitierten türkische Medien aus dem Urteil.

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Main-Echo 25.01.2013

Agrarpreise kontrollieren

Nach Schätzung der Weltbank sind seit Anfang 2011 zusätzlich mindestens 62 Millionen Menschen in das Heer der Unterernährten abgesunken. Wie die Weltbank meint, verursachten 2008 in Afrika die erhöhten Preise für Nahrungsmittel, dass 30 Millionen Menschen zusätzlich in starke Armut gestürzt wurden. Tatsächlich führen nur zwei Prozent der Rohstoff-Futures tatsächlich zur Lieferung einer Ware. Bei Futures handelt es sich, wie bei Optionen oder Optionsscheinen, um ein standardisierte Termingeschäft. Futures aus dem Rohstoffbereich sind mit wenigen Ausnahmen nur in den USA über einen Broker handelbar. Die restlichen 98 Prozent werden vor dem Fälligkeitsdatum weiterverkauft. Es gibt dazu Alternativen. Als Lösung schlägt der ehemalige Finanzstaatssekretär, Heiner Flassbeck, vor, der UNCTAD die weltweite Kontrolle über die Börsenkurse für Agrarrohstoffe zu übertragen. Flassbeck schreibt dazu: Auf den Terminmärkten dürften fortan nur noch die Erzeuger, Händler oder Verwender von Agrarrohstoffen tätig werden. Wer mit einer Partie Weizen oder Reis, einer Anzahl Hektoliter Öl etc., handle, müsse gehalten sein, die vereinbarte Ware auch zu liefern. Außerdem empfehle es sich, die zu hinterlegenden Sicherheiten für solche Geschäfte zu erhöhen.

Christian Schauer, Neuwiesenstraße 14, Alzenau

Der Leserbriefschreiber, auf den sich die Stellungnahme bezieht, äußerte Zweifel über die Asylberechtigung der Roma aus Serbien in Deutschland

schauer Sachlich bleiben

Nach Aussagen der serbischen Regierung leben etwa 60 Prozent der geschätzten 450 000 Roma in Serbien in unsicheren und unhygienischen Lebensverhältnissen, im Winter gibt es nur ungenügende Möglichkeiten der Beheizung der illegalen Siedlungen; 30 Prozent haben keinen Zugang zu Trinkwasser; 70 Prozent keinen Zugang zur Kanalisation. Zwangsumsiedlungen in neu erstellte Container-Siedlungen verbessern die Situation der Roma nicht immer, da die Siedlungen oft ebenfalls katastrophale Bedingungen vorweisen. Teilweise sind sie auf ehemaligen Müllhalden errichtet. Serbische Studien belegen, dass Romakinder in Sonderschulen mit einem Anteil von mehr als 30 Prozent deutlich überrepräsentiert sind. Umfragen zufolge gelten sie als die meist diskriminierte Bevölkerungsgruppe in Serbien, eine Diskriminierung, die sich insbesondere im Zugang zum Arbeitsmarkt deutlich macht. Die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) stellte in ihrem letzten Länderbericht zu Serbien fest, dass die Mehrheit aller Roma von Gelegenheitsjobs wie beispielsweise dem Sammeln von Altmetall lebt und dass kaum Roma in staatlichen Betrieben beschäftigt sind. In Serbien gibt es eine obligatorische Krankenversicherung, in der Ende 2010 fast 7 Mio. Personen versichert waren. 2009 waren 93 Prozent der Bevölkerung in dieser obligatorischen Krankenversicherung versichert. Die restlichen sieben Prozent waren vor allem Angehörige der Roma, Ashkali und Ägypter sowie Flüchtlinge und Angestellte, deren Arbeitgeber Beiträge verweigern. Die Notwendigkeit, den Anspruch auf eine Krankenversicherung durch verschiedene amtliche Dokumente belegen zu müssen, stellt für die Roma eine Hürde dar. Roma ohne Registrierung eines permanenten oder temporären Wohnsitzes können nicht versichert werden. Sie können mit ihren beschränkten Mitteln die Reise zum ursprünglichen permanenten Wohnsitz nicht leisten. 2012 war der serbische Staat bemüht, den Zugang der Roma zum Gesundheitswesen zu erleichtern.

geschrieben: 08.11.2012 23:18 Main-Echo

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Leserbrief zu „Amnesty kritisiert auch Deutschland“, in: Main-Echo vom 24.5.2012, erschienen in:Main-Echo vom 6.6.2012

Amnesty kritisierte unter anderem, dass mehrere Bundesländer Roma in den Kosovo abschieben, obwohl ihnen dort Verfolgung und Diskriminierung drohen. Die Kritik konnten Menschenrechtsverbände vor kurzem bestätigen. „Den Abgeschobenen fehlt es oft am Allernötigsten, in vielen Fällen sind noch nicht mal zeitnahe Unterbringung und Ernährung gesichert”, so die Einschätzung einer Delegation des Flüchtlingsrates Niedersachsen und Pro Asyl, die kürzlich den Kosovo besuchte. Die Hilfsprogramme für Abgeschobene existierten teils nur auf dem Papier oder deckten nur die ersten Monate ab. Durch die Abschiebungen würden die Betroffenen aus ihrem bisherigen Lebensumfeld herausgerissenen und stehen im Kosovo in den meisten Fällen vor dem Nichts. Der Schock der Abschiebung lasse vor allem Familien in Angst und Apathie erstarren. Seit dem Abschluss des Rücknahmeübereinkommens mit dem Kosovo im Jahr 2010 wurden über 1000 Menschen aus Deutschland in den Kosovo abgeschoben. Durch die Abschiebungen würden die Betroffenen aus ihrem bisherigen Lebensumfeld herausgerissenen und stünden im Kosovo in den meisten Fällen vor dem Nichts. Der Schock der Abschiebung lasse vor allem Familien in Angst und Apathie erstarren. Seit dem Abschluss des Rücknahmeübereinkommens mit dem Kosovo im Jahr 2010 wurden über 1000 Menschen aus Deutschland in den Kosovo abgeschoben. Die Sicherheitswahrnehmung der Betroffenen sei geprägt von Berichten tätlicher Angriffe durch die albanische Bevölkerungsmehrheit und durch die Polizei. Ein großer Teil der Abgeschobenen fliehe deshalb in Nachbarländer oder zurück in den Westen. Die Konsequenz daraus kann nur heißen, Abschiebungen dorthin in Zukunft zu unterlassen.

Christian Schauer,  Neuwiesenstraße 14, 63755 Alzenau

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Leserbrief zu: Türkei zieht Botschafter aus Paris ab, in: Der Heimatbote vom 24.12.2011 – Der Leserbrief erschien am 31.12.2011 im “Heimatboten” und am 4.1.2012 im “Main-Echo”

Es ist sicher immer vonnöten, auch vor den Türen der anderen Völker zu kehren, wie der türkische Ministerpräsident Erdogan in der letzten Debatte zum Armenien – Gesetzentwurf der französischen Nationalversammlung in Bezug auf die französische Geschichte meint. Besonders aber die eigene Geschichte sollte man ohne Mythen betrachten. Für die Rechtfertigung des Völkermords wurde in der Türkei eine Dolchstoßlegende konstruiert wie die Behauptung, einige freiwillige Armenier in der russischen Armee hätten die für die Türkei niederschmetternde Niederlage ein der Schlacht bei Sarikamis verursacht. Die dritte Osmanische Armee (100.000 Mann) rückte unvorbereitet im Dezember 1914 und Januar 1915 nach Sarikamis (heute im türkischen Bezirk Kars, damals russisch) vor. Mehrere Schneestürme und meterhoher Schnee schnitten die Armee vom Nachschub ab. Größtenteils erfror die Armee in den Bergen beim Anrücken auf die Stadt. Bis in den Januar 1915 waren noch 5000 türkische Soldaten am Leben. Die etwa 5.000 armenischen Freiwilligen in der Armee des russischen Zaren waren nicht kriegsentscheidend, sie schürten allerdings die Abneigung gegen die Armenier in der Türkei. Auf eine andere Tatsache wies der Oberbefehlshaber der türkischen Armee, Enver Pascha, am 25. Februar 1915 in einem Schreiben an den armenischen Patriarchen hin – er dankte für die Aufopferung armenischer Soldaten im Dienste der osmanischen Armee. Später schrieb er die Niederlage bei Sarikamis dem „Verrat“ der Armenier zu. Er sprach von einer „Gefahr“, die nur zu beseitigen sei, wenn die Armenier an andere Orte verschickt würden. Betrachten sollte man den anwachsenden Türkismus von 1908 bis 1913, der die Ausschaltung der Armenier schon vor dem Ersten Weltkrieg ins Auge fasste. Die bekannteste Zeitschrift „Türk Yurdu“ fasste die wichtigsten Intentionen des Türkismus zusammen: Betonung der rassischen Identität von Tataren und Türken, Verherrlichung des Patriotismus und Wiederherstellung der turanischen Gemeinschaft in den Grenzen des 13. Jahrhunderts. Talaat, damals Innenminister, ernannte die Beamten nach dem Kriterium von pantürkischen Überzeugungen. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges sagten nationalistische Journalisten den Fall des Russischen Reiches und den Aufstieg eines Panturanischen Reiches auf seinen Ruinen voraus. Die türkischen Nationalisten schlossen sich dem Kampf für den Pantürkismus an und lenkten ihren Blick nach Transkaukasien, das nun als potentieller türkischer Lebensraum galt mit dem Endziel eines Großreiches aller Turkvölker. Auf den Punkt bringt es der pantürkische Nationalist Dr. Nazim kurz nach den Massakern von Kilikien von 1909: „Das Osmanische Reich muss ausschließlich türkisch sein. Die Existenz fremder Elemente bietet einen Vorwand für europäische Interventionen. Dies Elemente müssen mit Waffengewalt türkisiert werden.“

Die Vorstellung, die Armenier auszuschalten, war also ein offizielles Programm der Jungtürken (an der Spitze Talaat, Enver Pascha und Ahmet Cemal), die nur nach einem Vorwand suchten, dieses umzusetzen.

Christian Schauer, Neuwiesenstraße 14, 63755

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27.04.2011 Main-Echo Leserbrief (Auszug)

Als Hassprediger verleumdet

Es ist sehr bedauernswert, wie der muslimische Prediger Pierre Vogel als »Hassprediger«, »Extremist« oder »radikaler Islamist« verleumdet wird. Ich verfolge die Vorträge von Herrn Vogel seit Jahren und konnte seinen Predigten nichts entnehmen, was nur annähernd verwerflich klingt.

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Entgegnung schauer zu „Als Hassprediger verleumdet“

Pierre Vogel nimmt eine Reihe von Positionen ein, die aufgeklärten Menschenrechten zuwider laufen. Bei einem seiner Vorträge im Juni 2009 in Stuttgart wurde ein islamisches Frauenbuch angeboten, in dem eheliche Gewalt gegen Frauen gerechtfertigt wird. Zudem werden Ratschläge für spurenlose Misshandlungen gegeben. Bei einem Vortrag am 25. April 2010 in Dillingen (Saarland) sagte er im Hinblick auf die Steinigung von Ehebrecherinnen, dass dies ein Befehl Allahs sei, der ausgeführt werden müsse. Vogel lehnt ein pluralistisches Nebeneinander von Religionen ab und predigt einen Gegensatz von Paradies und Hölle. Entsprechend sollen alle Menschen Muslime werden. Das entspricht nicht dem Grundsatz eines gleichberechtigten Zusammenlebens unterschiedlicher Religionen. Von der Anwendung von Gewalt zur Mission distanziert er sich jedoch. Die Situation der Muslime in Deutschland vergleicht Vogel mit der Lage der Juden in Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus. Damit liegt er völlig falsch- mittlerweile gibt es 2500 Moscheen in Deutschland -das ist ein Zeichen von großer Toleranz im Gegensatz zu den Zuständen im muslimischen Saudi-Arabien, wo es keine einzige christliche Kirche gibt. 2007 hat Pierre Vogel in einer Moschee in Göttingen die Verheiratung neunjähriger Mädchen gerechtfertigt und damit erneut eine menschenrechtsfeindliche Position. Zu Osama bin Laden meint er: “Welche Beweise gibt es, dass Osama bin Laden Hinter dem 11. September steht? Wollte man seine Zeugenaussage nicht hören?“ Zum Tode von Bin Laden will er am Samstag eine Kundgebung im Frankfurt abhalten. Wem nützt sie?

Christian Schauer, Neuwiesenstraße 14, 63755 Alzenau, geschrieben: 05.05.2011 18:50

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Leserbrief zu: „Friedrich warnt vor falschen Signalen an Nordafrika“, in: Main-Echo vom 12.4.2011

Wenn man die 20.000 Flüchtlinge in Italien auf alle EU-Staaten verteilt, was sinnvoll ist, braucht man keine Angst vor zu vielen Flüchtlingen zu haben. Als Beispiel einer vorbildlichen Gelassenheit, wie man mit weit größeren Flüchtlingsströmen umgeht, kann das kleine Liberia gelten, das sehr viele Flüchtlinge aus der Elfenbeinküste aufnimmt, das gegenwärtig in einem schrecklichen Bürgerkrieg versinkt, den es in seiner direkten Nachbarschaft erlebt. Täglich fliehen Tausende aus der Elfenbeinküste, gegenwärtig sind es mindestens 130.000. Dort werden sie von den Einheimischen sehr freundlich aufgenommen und versorgt, wie Hilfsorganisationen berichten. Die Liberianer, heißt es, erinnerten sich an die eigene, konfliktreiche Vergangenheit (etwa 250.000 Liberianer kamen infolge des Bürgerkrieges in den letzten Jahrzehnten um, eine Million wurden – teilweise in die Nachbarländer – vertrieben) und nähmen jene, die jetzt in Not sind, bereitwillig auf. Akut ist nicht bekannt, dass sich Liberia Wortgefechte mit anderen Ländern in Afrika geliefert hätte zu der Frage, wohin man die Gestrandeten weiterschieben könne oder nicht. Hierin unterscheidet es sich positiv von den Europäern. Zumindest vorübergehend sollte Deutschland Flüchtlinge aus Nordafrika aufnehmen, wie alle anderen EU-Staaten auch. Insgesamt sollte im Falle einer verstärkten Fluchtbewegung aus Libyen oder anderen nordafrikanischen Staaten eine EU-weite Verteilung der neu ankommenden Schutzsuchenden nach humanitären Kriterien erfolgen.

Christian Schauer, Alzenau Der Leserbrief erschien im Main-Echo vom 14.April 2011

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Main-Echo vom 29.4.2011 (Auszug) Syrien bestreitet Meuterei in der Armee Unruhen: Angeblich mehrere Offiziere erschossen – Verurteilung im UN- Sicherheitsrat gescheitert – EU will Sanktionen

Damaskus Die syrischen Streitkräfte haben Berichte über eine angebliche Meuterei in der Armee dementiert. Diese Falschmeldungen sollten das Ansehen der Sicherheitskräfte beschädigen, erklärte ein Armeesprecher. Die EU strebt nach dem Scheitern eines Vorstoßes im UN-Sicherheitsrat Sanktionen gegen Syrien an. ….. Die Organisation syrischer Menschenrechtsbeobachter teilte am Donnerstag mit, ihr lägen die Namen von 453 Menschen vor, die seit Beginn der Unruhen getötet worden seien. Zu den Berichten über eine Meuterei hatten Regimegegner in Syrien berichtet, etliche Offiziere hätten sich geweigert, in der belagerten Stadt Daraa auf Demonstranten zu schießen. Einige von ihnen seien daraufhin von Angehörigen der regimetreuen Republikanischen Garden wegen Befehlsverweigerung erschossen worden. Auch bei den Christen bröckelt die Unterstützung für Assad anscheinend.

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Leserbrief schauer Syrien bestreitet Meuterei“

Der Schatten Alois Brunners liegt auf dem Wirken der Assads. Alois Brunner, die “rechte Hand” von Adolf Eichmann, war in Deutschland, im angeschlossenen Österreich, in Mazedonien, der Slowakei und zuletzt im besetzten Frankreich aktiv an der Ausführung des Mordprogramms der Nazis beteiligt. Die deutsche Justiz wirft ihm vor, direkt für die Deportation von 124 000 Juden und Jüdinnen in die Vernichtungslager verantwortlich zu sein. Seit den fünfziger Jahren fand man Brunner in Damaskus wieder, wo er Berater der politischen Polizei gewesen ist. Der Kriegsverbrecher wohnte mit dem ehemaligen Lagerkommandanten von Treblinka, Franz Stangl, in einer Wohnung in Damaskus. Brunner nannte sich Georg Fischer und stieg zum Berater der syrischen Regierung auf.

Nachdem Hafiz al- Assad schon einen Massenmord 1982 in Hama begangen hatte – beginnend am 2. Februar des Jahres wurde die 350.000 Einwohner zählende Stadt von syrischen Spezialkräften unter Führung des Präsidentenbruders Rifaat al Assad unter Granatbeschuss genommen, nachdem die Luftwaffe die Ausfallstraßen systematisch zerstört hatte. 20.000 bis 30.000 Menschen (die Angaben variieren) fanden während des Angriffs den Tod und viele andere flohen aus der Stadt, wobei auch nicht wenige den Tod fanden. Auch große Teile der Stadt, insbesondere der historischen Altstadt, wurden zerstört – tut es sein Sohn ihm jetzt gleich. Mehr als 120 Tote durch die Kugeln von Regierungssoldaten – kein Wunder, dass die Menschen dem Reformwillen Assads nicht trauen. Amnesty International spricht von 400 Toten seit Beginn der Demonstrationen vor etwa vier Wochen. Die Ideologie der Baath-Partei ähnelt der der deutschen Nationalsozialisten. Der Ideologe der Baath- Partei Aflaq sah Hitler-Deutschland als eines seiner Vorbilder und empfahl seinen Parteigenossen sogar die Lektüre von NS-Ideologen wie Alfred Rosenberg. Deshalb ist für die syrische Opposition nichts Positives zu erwarten.

Christian Schauer, Neuwiesenstraße 14, 63755 Alzenau geschrieben: 03.05.2011 23:14

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Leserbrief zu „Armut in einem reichen Land in: Der Heimatbote vom 28. Mai 2011

Was kann man tun, um das Gespenst der Armut zu überwinden, vom dem Professor Butterwegge spricht? Unter anderem sollte man an einen höheren Hartz-IV-Regelsatz denken. Eine Erhöhung auf 420 Euro im Monat wegen der gestiegenen Lebensmittel- und Energiepreise ist sinnvoll. Die Anpassung des Hartz-IV-Regelsatzes an die aktuelle Inflationsrate und Preisentwicklung der steigenden Lebenshaltungskosten ist nötig. Es ist dafür einzutreten, dass dem Karlsruher Richterspruch von 2010 durch eine nachvollziehbare Definition des Existenzminimums, das mindestens 420 Euro beträgt, Geltung verschafft wird. Diese Zahl ist das Ergebnis von Berechnungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Die neuen Hartz-IV-Sätze sollten anders berechnet werden als dies die Bundesregierung 2010 getan hat. Die Bedarfe sollten einheitlich auf Basis der unteren 20 Prozent der nach Einkommen geschichteten Haushalte ermittelt werden. Zum Maßstab müssen die realen Ausgaben der Haushalte genommen werden. Diese beinhalteten auch den gelegentlichen Besuch einer Eisdiele oder den bescheidenen Konsum z.B. von Alkohol, wie sie in allen Einkommensgruppen unserer Gesellschaft üblich sind. Insbesondere sollten die Mobilitätserfordernisse realitätsgerecht ermittelt werden. Der Regelsatz müssen die Anschaffung eines Fahrrades oder einer Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr auch tatsächlich ermöglichen. Den Leistungsberechtigten sollen künftig einmalige Leistungen für die Anschaffung oder, wenn wirtschaftlich vertretbar, die Reparatur von Herden, Kühlschränken und Waschmaschinen gewährt werden. Es ist nicht sinnstiftend, Menschen von der Teilhabe an der Gesellschaft auszuschließen.

Christian Schauer, Neuwiesenstraße 14, 63755 Alzenau

Der Leserbrief erschien im „Heimatboten“ am 4. Juni 2011

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Main-Echo vom 8.1.2011 (Auszug)

Gysi kritisiert Lötzschs Kommunismus-Aussage

Berlin Linke-Fraktionschef Gregor Gysi hat sich von den umstrittenen Kommunismus Äußerungen der Parteivorsitzenden Gesine Lötzsch distanziert. »Wir können mit dem Begriff Kommunismus unsere Ziele nicht erklären«, sagte Gysi.

Leserbrief schauer Realer Kommunismus

Das Wort Kommunismus erweckt keine utopischen Hoffnungen mehr. Sie sind verflogen. Wenden wir uns dem zu, was der Globalisierungskritiker Jean Ziegler über das Nordkorea der 90er Jahre schreibt: „Heute kämpft die internationale Gemeinschaft gegen den Hunger in Nordkorea. Zugleich herrscht in Pjöngjang eines der schlimmsten Regimes der Welt. Von 1995 bis heute sind mehr als zwei Millionen Menschen- die Mehrheit von ihnen Kinder- dort verhungert. Millionen andere erlitten unheilbare Schädigungen auf Grund chronischer Unterernährung. Seit mehr als vier Jahren leidet das Land unter drei Plagen: Die vormals blühende Landwirtschaft- Reisfelder, Zitrusfrüchteplantagen, Viehzucht etc. – wurde durch die Zwangskollektivierung des Landes und der Produktionsmittel ruiniert. 1995 zerstörten sintflutartige Regenfälle einen großen Teil der Reisfelder und ihres ausgeklügelten Bewässerungssystems. 1997 und 1998 versetzten schließlich zwei aufeinander folgende Dürreperioden der Lebensmitteproduktion den Todesstoß. Hinzu kommt, dass eine Einheitspartei, die Partei der Arbeit, und eine korrupte Nomenklatura seit Jahren eine Kriegsparanoia schüren. Die Überbewaffnung der so genannten ‘Volksarmee’ und das Programm zur Entwicklung von Nuklearwaffen verschlingen alljährlich enorme Summen. Diese werden aus der Fronarbeit einer Bauernschaft gezogen, die praktisch auf Sklavenstatus reduziert wurde.”

geschrieben: 28.01.2011 23:47

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Zeitloser Leserbrief zum Dauerthema Berlusconi

Neue Regierungskrise in Italien

Es gibt Menschen, die sind mit jungen Frauen, finsteren Geschäften und Korruption beschäftigt. Sie brauchen es gar nicht zu erzählen, daß sie beschäftigt sind, denn womit, weiß sowieso jeder. Zu ihnen gehört Silvio Berlusconi. Zu Berlusconis Gerichtsverfahren schreibt die Zeit: “Berlusconi ist des Meineides schuldig; er hat Finanzbeamte bestochen; er hat Schmiergelder gezahlt und Steuern hinterzogen. Aber bisher ist er immer davongekommen.” Schon 1994, als Berlusconi kurzfristig Regierungschef war, erstrebte er eine Amnestie gegen Korruptionsvergehen. Die kurze Amtszeit seiner Regierung verhinderte damals dieses Vorhaben. In der Kontinuität solcher im Kern rechtstaatsfeindlicher Vorhaben steht Berlusconis häufig vorgetragene Absicht, den Richtern und Staatsanwälten die Leitung von Ermittlungen zu entziehen. Diese sollen der Polizei anvertraut werden und damit der Exekutive. Zudem soll die Parlamentsmehrheit- also im Endeffekt er selbst festlegen, welche Straftatbestände überhaupt noch geahndet werden. Die hiermit geäußerten putschistischen Absichten gegenüber dem Rechtsstaat und dem Prinzip der Gleichheit suchen an Dreistigkeit in Europa ihresgleichen. Es bleibt nur zu hoffen, daß dieser Spuk bald aufhört.

Christian Schauer, geschrieben: 04.01.2011 21:02 im Main-Echo