Andalusien, Geschichte und Religion – Islamisch christliche Zusammenstöße

Die Juden, Mauren und Christen in Spanien, Al Andalus September/Oktober 2018

In Spanien sind Juden seit der Römerzeit nachweisbar.218 vor Christus wird Tarragona gegründet, Cordoba 152 und Mérida 35 vor Christus. Zwischen 100 und 50 vor Christus sind Juden in Tarragona, Tottosa und Mérida bezeugt. Erste Reibereien mit Christen sind Anfang des 4. Jahrhunderts im Konzil von Elvira bezeugt – die Juden sollten auf Distanz gehalten werden und von persönlichen Beziehungen ferngehalten werden.

Weitere wichtige Daten sind die Zerstörung des Tempels 70 nach Christus und der Bar Kochba Aufstand 132 bis 135 nach Christus.Viele Juden fliehen danach in den Mittelmeerraum nach Sepharad, den iberischen Raum. Die bevorzugte Betätigung ist der Handel in den Städten, manchmal besitzen sie einen Weinberg oder Vieh. Der Handel vollzog sich in erster Linie mit Purpur, Pfeffer und Gold, was Waren betrifft. Aber auch mit Sklaven wurde gehandelt.

Die Judenfeindschaft wurde mit dem Eintreffen der Goten im 5. Jahrhundert eher stärker als zur Zeit der Römer. 476 lösten sie die Weströmer in Iberien ab, das westgotische Reich wird unabhängig. Die Sueben müssen sich auf das Territorium des späteren Portugal und Galizien zurückziehen. König Leowigild ist letzter arianischer Herrscher. Rekared, sein Nachfolger, schließt sich 568 dem Katholizismus an. Mit der Annahme des Katholizismus entwickelten sich die Westgoten zu Antisemiten. Der erste Herrscher mit antisemitischer Gesetzgebung ist Sisebut (612 bis 621). Als großer Judenfeind entwickelte sich Isidor von Sevilla. 633 schrieb er sein antijüdisches Traktat „De fide catholica contra Judoes“. Die jüdischen Feiertage duldet er nicht, auch den Sabbat, die christlichen Feiertage sollen gelten. Eine Verfolgung der Juden verlangt er nicht.Spätere Konzile von 660 und 670 sind strenger, sie gebieten den Juden, die Städte zu verlassen. In Anwesenheit von Christen dürfen sie nicht arbeiten. 671 beschloss König Wamba die völlige Ausmerzung der Juden. Jüdische Kinder mussten zwangsgetauft werden und einen christlichen Namen annehmen. Der Erzbischof Julian von Toledo, der dafür mitverantwortlich war, stand im Verdacht, selbst ein getaufter Jude zu sein. In dieser Zeit beginnen sich die Juden zu verstecken. Offiziell wurden sie Christen.

Die Eroberung durch die Araber von 711 wurde von manchen Historikern später den Juden angelastet, die die Araber unterstützt hätten. So behauptet der Historiker Ibn Haijan, die Juden hätten dem Feldherren Tarek in Toledo die Tore geöffnet. Toledo war die Hauptstadt der Westgoten.1 Was man weiß ist, dass versteckt lebende Juden oft von den Arabern gezwungen wurden, eroberte Stützpunkte zu verteidigen.

Der letzte Omajade gründete 756 in Cordoba ein Emirat, das 929 in ein Kalifat umgewandelt wurde. Hier wirkte zu dieser Zeit Abd-ar-Rahman III. Die Regeln für religiöse Minderheiten wurden von dem Mohammed Nachfahren Omar festgelegt. Die Schutzbefohlenen sind Dimmi, Schriftbesitzer. Betroffen sind Christen, Juden und Zoroastrier. Die Christen in Al-Andalus werden Mozaraber genannt und genießen Religionsfreiheit. Sie sind steuerpflichtig. Die Djizya ist eine Kopfsteuer für Nichtmuslime. Sie beten für das Wohlergehen des Herrschers. Muslimische Sklaven sind nicht erlaubt. Jüdische Dimmi sind mit einem gelben Kreis auf der Brust gekennzeichnet sowie einem gelben Turban. Zudem tragen sie eine Leibbinde. Für den Heiligen Krieg sind sie nicht vorgesehen. Das Reittier für sie ist der Esel -ein nicht besonders edles Tier!

Cordoba Ansicht

Stadtansicht von Cordoba

Cordoba

Moschee Kathedrale Cordoba

Somit wurde Cordoba im 10. Jahrhundert das religiöse Zentrum von Al Andalus. Vorher war seine Bedeutung schon ersichtlich, als es 27 vor Christus Hauptstadt der römischen Provinz “Hispania ulterior Baetica” wurde. 411 besetzten die Vandalen die Stadt zeitweise. Gründer des Emirats war Abd ar-Rahman I. (731 bis 788), der einzige Überlebende der Omajaden-Dynastie. In seiner Zeit wurde die Hauptmoschee von Cordoba an Stelle der Basilika San Vicente Mártir errichtet. Sie umfasst elf Längs- und zwölf Querschiffe. Hischam I., sein Nachfolger, lässt ein Minarett hinzufügen.2 793 erlitt er in Asturien eine schwere Niederlage bei Lucos oder Lugo in der Nähe von Oviedo gegen König Alfons II.3 von Asturien. Einen zweiten Feldzug führte Hischam gegen Aquitanien, dessen König Ludwig in Italien weilte. Bei Carcassonne kam es zu einer Schlacht, die wahrscheinlich unentschieden ausging.Wilhelm von Toulouse, Herzog mit der kurzen Nase, trat in Erscheinung. Unter Al -Hakam I. (770 bis 822) sind die Zeiten unruhig. Er muss hinnehmen, dass Barcelona 801 wieder eine christliche Stadt wird. In der Regierungszeit Alfons II. wird Santiago de Compostela gegründet.Hakam I. schlug eine Erhebung in Toledo 797 nieder. Eine Verschwörung in Cordoba wurde von Vetter Casim 805 dem Emir verraten. Dieser ließ dreihundert Verschwörer köpfen. Ein Aufstand gegen Steuererhöhungen in der rebellischen Vorstadt wurde 818 niedergeschlagen. Die Aufständischen wurden gepfählt. 25.000 Bewohner der Vorstadt wurden nach Fez in Nordafrika ausgewiesen.Die Vorstadt wurde zur Plünderung freigegeben, hierbei tat sich die slavonische Leibgarde Hakams I. hervor: Slavonier waren vorher aus Dalmatien rekrutiert worden. Andere der Leibgarde bestanden aus übergetretenen spanischen Christen (“Benicazzi”).4 Der Herrscher fühlte sich offensichtlich unsicher.

Hakam entwickelte sich zu einem Flotten-Emir. Um 800 schwärmten seine Schiffe in das westliche Mittelmeer aus. 799 überfielen seine Muslime auf der Insel Pantellaria ein Kloster, Kämpfe gab es auch auf Sardinien und Korsika. Für das Jahr 806 heißt es in den Reichsannalen dazu: “In diesem Jahr wurde nach Korsika gegen die Mauren, welche dies Insel verwüsteten, von (Karls Sohn) Pippin eine Flotte aus Italien abgeschickt, die Mauren aber machten sich, ohne die Ankunft derselben abzuwarten, davon. Einer von den Unsrigen, der Graf Hadumar von Genua, fiel in einem Kampf, in den er sich unvorsichtig mit ihnen eingelassen hatte…”5 Nicht besiegen konnte er 816 oder 821 Navarra und Asturien, es war die “Schlacht der dreizehn Tage”. Barcelona konnte sich in der Zeit konsolidieren, Graf Bernward, fränkischer Statthalter, konnte die Spanische Mark befestigen.

Hakam wurde Melancholiker, rief mitten in der Nacht seine Berater und die Kadis von Cordoba zusammen, ohne Beschlüsse fassen zu wollen. Er ließ nackte Mädchen tanzen, Sklavinnen machten Musik- die Geister der Vorstadt suchten ihn heim, er schrieb Gedichte und trank spanischen Wein. Man könnte meinen, er hätte das Lied “Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang , der ist ein Narr sein Leben lang” schon gekannt. Er war ein Förderer der Künste.

822 folgte sein Sohn Abd ar-Rahman II. (792 bis 852) dem gestorbenen Emir.Seine Regierungszeit ist geprägt durch die Gegensätze von Berbern und Arabern. Die christlichen Königreiche im Norden nehmen das zum Anlaß für Anstrengungen zur Reconquista. Von 833 bis 855 wird die Moschee durch acht Querschiffe erweitert. Muhammad I. (852 bis 886) hat zwei Söhne Al-Mundir (886 bis 888) und Abdallah I. (888 bis 912). Die Mozaraber (Christen in Andalusien) sind in dieser Zeit ebenso aufständisch wie die Muladies (Personen mit Eltern unterschiedlicher Herkunft).

Unter Abd ar-Rahman III. (910 bis 961) wurde Cordoba zum Kalifat. Markant in seiner Amtszeit ist der Jude Chasdai ibn Schaprut, der gleichzeitig Philosoph, Dichter und Leibarzt des Emirs war und damit am Hofe sehr einflußreich. Medizinisch erfolgreich war er bei der Heilung des dickleibigen Königs Sancho I. von Léon (935 bis 966).6 Mit Hilfe Navarras und der Araber von Cordoba eroberte dieser 959 Zamora und erlangte bald darauf seinen Thron zurück, den er 858 bis 960 an seinen Halbruder Ordono IV. verloren hatte.7 In dieser Zeit schlug Chasdai dem Emir auch erfolgreich ein Bündnis Cordobas mit dem Kaiser von Byzanz gegen die Seeräuber im Mittelmeer vor. Aufgetreten sind im 10. Jahrhundert in Cordoba und Umgegend die Karäer, eine jüdische theologische Schule, die ausschließlich die Thora als Erkenntnisquelle heranzog.Die traditionellen Rabbiner verehrten auch den Talmud. Im 10. Jahrhundert scheint es keine größeren Reibereien zwischen Muslimen und Juden gegeben zu haben. Die jüdische Frau saß verschleiert neben ihrem Mann am Sabbat. Die Männer kleideten sich wie Araber in der Öffentlichkeit, die der Frau verschlossen blieb. Beruflich fungierten die Juden als Ärzte, Händler oder Finanzverwalter. Weinanbau stand ihnen ebenso zu wie Landbesitz. Muslimische Untergebene waren nicht zugelassen. Handwerkliche Berufe standen ihnen auch offen. Auch jüdische Matrosen wurden registriert, zum Beispiel in Kairo. Der Handel trieb die Juden nach Alexandria und Antiochia.8

Chasdai ibn Schaprut pflegte auch Kontakte mit dem König des jüdischen Reiches der Chasaren, Joseph. Es existierte vom 10. bis ins 13. Jahrhundert und war zwischen Krim, Wolga und Kaspischem Meer gelegen. Chasdai würde den jüdischen König gerne besuchen: “Ich werde dann alle empfangenen Ehrenbezeichnungen verachten, ich werde meine Stellung und meine Familie verlassen; ich werde Berge und Täler, Land und Wasser überqueren, um zu kommen und mich vor meinem Könige huldvoll zu verneigen …”9 Das Interesse beruhte auf Gegenseitigkeit, Joseph möchte Chasdai kennenlernen.

Wie entwickelte sich der Kampf zwischen Cordoba und den christlichen Nordreichen? Ordono von Asturien, Sohn des Alfons III. erprobte sich in Frühjahrsfeldzügen gegen den maurischen Süden. Geschehen war dies 916, 917 und 918, die Städte der Araber konnten sich vor der Erstürmung freikaufen. Nach der Eroberung wüteten die Truppen Ordonos allerdings diabolisch. In der Stadt Talavera wurden die waffenfähigen Männer liquidiert, die Frauen und Kinder in die Sklaverei fortgeschleppt. Abd-ar Rahman geizte nicht mit Vergeltung. Beim Vordringen in den Norden wurden Dörfer niedergebrannt, Städte geplündert, viele Gefangene wurden in die Sklaverei entführt. Die Riesenarmee musste allerdings wegen Nahrungsmangel zurückkehren. Die Beute war riesengroß und Ordono griff die geschwächten Mauren an. Nach der Tötung der gefangenen Christen durch die Mauren, griffen die Truppen Ordonons vergeltungssüchtig an. Viele Mauren fielen, unter ihnen der Feldherr Abulhabaz. Provokativer Rekord: Ordono ließ des Feldherren Kopf zusammen mitt einem Schweinskopf auf einer Pike ausstellen.

939 erlitt Abd-ar Rahman in der Schlacht bei Simancas eine schwere Niederlage. Der Historiker Ibn al Hatib (1313 bis 1375) schrieb im 14.Jahrhundert dazu: “Der Himmel prüfte und traf Abderrahman durch eine Niederlage, die Gottes Feind Ramiro, Ordonos Sohn,ihm …vor den Toren der Stad Simancas im christlichen Spanien beibrachte. Vorausgegangen war ein Kampf von mehrerern Tagen, als in erbittertem Ringen eine über die andere Partei abwechselnd die Oberhand gewann. Erneut griffen die Christen an, und jetzt erlitten die Muslime einen unerhörten Zusammenbruch. Und zwar verschuldeten diesen Schlag gewisse Personen im Heere des Herrschers, die ihm den Ruhm neideten und ihn absichtlich falsch beraten hatten.”10 Der Historiker schreibt später, dass die “Verräter” ein schlimmes Schicksal erlitten haben: “Nach dem Verlassen der Walstatt (Schlachtfeld) sandte Abderrahman eine Schar ausgesuchter Gardisten als Vortrupp nach Cordoba. Sie sollten die Frohbotschaft seiner Errettung verkünden, aber auch Pfähle und Kreuze am Ufer des Guadalquivir aufrichten. Sogleich bei seiner Ankunft ließ der Herrscher dreihundert (maurische) Ritter pfählen oder kreuzigen und dazu verkünden, so werde bestraft, wer die Front des Heiligen Krieges auflöse.”11

Von Bedeutung war auch der diplomatische Verkehr mit dem deutschen Kaiser Otto I. und dem Kaiser von Byzanz in der Zeit von 945 an. Otto ließ die Gesandten aus Cordoba drei Jahre warten, ehe sie nach seinem Sieg über die Ungarn 955 heimkehren durften. Es war nicht unbedingt sicher, dass ein Austausch zustande kommen würde. Nur kurze Zeit vorher wurden noch die Leichname christlicher Märtyrer für viel Geld aus Cordoba und anderen muslimischen Städten nach Frankreich, den Niederlanden und Deutschland gebracht. Der Leiter der Mission nach Cordoba war Jean de Gorze. Wichtiges Dokument war ein Traktat, in dem der Erzbischof von Köln, Bruno, die Überlegenheit des Christentums über den Islam behauptete. Ein weiteres Thema des Dialogs war der Piratenstaat von Fraxinetum, den nordafrikanische Piraten in Frankreich errichtet hatten. Er war in der Nähe von Saint Tropez errichtet worden und wurde von Piratenstützpunkten auf Korsika versorgt. Eine Audienz kam nach schwierigen Verhandlungen zustande. Zunächst gefiel das einfache Ordensgewand von Johann dem Kalifen nicht. Abd-ar Rahman III. sandte zunächst eine große Summe Geld, um eine festliche Ausstattung des Mönches zu ermöglichen. Dieser verteilte das Geld unter die Armen und wurde dann vom Kalifen empfangen. Beim Gespräch über die Zustände im damaligen Deutschen Reich mißfiel dem Kalifen die zu große Macht der Reichsfürsten. Die Vorteile des stärkeren Zentralismus des Kalifats zeige sich nach Einschätzung des Kalifen im größeren Reichtum und höherem Bildungsstand.12

Unter Kalif Al-Hakam II. (961 bis 976) wuchs die Einwohnerzahl Cordobas auf etwa 500.000. Nicht sehr tolerant verfuhr der Kammerherr Almansor (971 bis 1002) mit den Juden. Er entmachtete den offiziellen Nachfolger Hischam II. de facto. Nach der Eroberung Barcelonas 985 liqudierte er viele Juden, nur wenige überlebten.

Von 1009 bis 1031 tobte ein Bürgerkrieg in Cordoba, der mit einem Saatstreich unter Führung eines Urenkels Abd ar-Rahmans III. beginnt. Hischam II. wird abgesetzt, der Alkazar und die Medina werden zerstört, die Hauptstadt wird temporär nach Malaga verlegt, zehn verschiedene Kalifen wechseln sich ab. 1031 entsteht dann die Taifa von Cordoba.13, die wesentlich kleiner als das Kalifat ist. 1070 erobert Sevilla dieses Gebiet.

Eine der bekanntesten Geistesgrößen Cordobas war Maimonides. Er wurde 1135 (oder 1138?) in Cordoba geboren und starb 1204 in Kairo. Sein Talent streckte sich von der Philosophie, der Rechtswissenschaft, der Astronomie bis hin zur Medizin. 1148 nach der Regierungsübernahme der intoleranten Almohaden wurde er vor die Wahl gestellt, zum Islam zu konvertieren oder zu emigrieren. Er floh mit seiner Familie zunächst in andere Teile Spaniens, danach in die Provence und wahrscheinlich 1160 nach Fes. 1165 zog er weiter nach Jerusalem, dann über Alexandria in einen Ort nahe Kairo.14 1185 stieg er zum Leibarzt des Sekretärs Sultan Saladins auf, der die Regierungsgeschäfte führte und behandelte auch Sultan Saladin und seinen Sohn. An seinem religionsphilosophischen Hauptwerk „Führer der Unschlüssigen“ arbeitete Maimonides von 1176 an, wahrscheinlich bis zum Jahr 1200. Hauptproblem dieses Werkes ist die Unvereinbarkeit zweier Systeme: einerseits dem des Glaubens mit seiner Offenbarung und andererseits dem System der aristotelischen Logik. Starken Einfluß übte er auf die Haskala des Moses Mendelssohn aus.

Auch Averroes, arabisch Ibn Rushd, wurde 1126 in Cordoba in Spanien geboren, studierte Rechtswissenschaft und Heilkunde und wurde 1169 Richter in Sevilla, 1171 nach Cordoba versetzt, wo er zehn Jahre lang als Richter wirkte. Während dieser Zeit kommentierte er das Werk des Philosophen Aristoteles. 1182 wurde er an den Hof von Marrakesh als Leibarzt gesandt. Der 1198 verstorbene Philosoph sah sich zu Lebzeiten mit dem Vorwurf der Häresie konfrontiert. Seine geisteswissenschasftlichen Werke wurden 1195 verbrannt. Die Theologen erblickten in seinem Denken eine Gefahr für den Glauben.

1236 hatte Ferdinand III., der Heilige, von Kastilien und Leon, seinen großen Auftritt. Er erobert Cordoba. Die arabische Bevölkerung wanderte aus, sie floh in das 1238 gegründete Königreich von Granada. Hier herrscht die Nasriden-Dynastie. Im Jahr der Eroberung wurde die Moschee von Cordoba zur Kathedrale umgebaut, der muslimische Alkazar in einen Bischofspalast.

Wie wurde die Reconquista finanziert? Neben dem Beutemachen (z.B. durch Lebensmittelraub) spielte das Erheben von Tributen eine große Rolle. Fernando III. griff auch auf Darlehen zurück. Bei der Belagerung von Sevilla gewährten ihm galicische Stadträte diese Unterstützung. Geld kam auch von italienischen Bankiers und jüdischen Steuerpächtern wie Don Mayr.

Ein großer Teil des Geldes kam vom Klerus. Er musste zwar nicht die städtische Kopfsteuer bezahlen, er musste aber den königlichen Dritten (tercias reales) abgeben.Die Christen mussten ein Zehntel ihres Enkommens an ihre Pfarrei abführen. Die Pfarrei behielt vom Kirchenzehnten ein Drittel ein, ein Drittel wurde an den Bischof weitergeleitet. Das verbleibende Drittel war eigentlich für die Instandhaltung von Kirchengebäuden vorgesehen. Mit Erlaubnis des Papstes konnte es auch für andere Zwecke genutzt werden. Honorius III. ermächtigte Erzbischof Rodrigo von Toledo dazu, das Geld für Kreuzzüge auszugeben. Gregor IX. kritisierte den kastilischen König zwar, weil er ohne päpstliche Erlaubnis den Dritten erhoben hatte, forderte aber den kastilischen Klerus auf, den König finanziell bei seinen Feldzügen zu untestützen.15 Ein weiterer Faktor waren die Ablässe, die den Kreuzfahrern zuflossen. Sie wurden im Osten erworben und kamen 1225 und 1231 den Gefolgsleuten Fernandos zu.

Mehr islamische Strenge brachten die Geschlechter, die den Omajaden folgten, von 1086 an die Almoraviden und nach 1147 die Almohaden. Unter den ersteren wurde 1084 Toledo von den Arabern zurückerobert von Alfons VI. von Léon. Er nimmt den Titel “Kaiser von Toledo” an.16 Die Almoraviden aus der Sahara wurden von einem Rechtsgelehrten namens Ibn Yasin gegründet. Er war ein Vertreter des Malikismus, der den Koran wörtlich nahm. Ibn Yasin war der geistliche Führer, an der Spitze des Heeres stand ein Emir. Sie waren wenig gebildet, puritanisch und grausam. Wein und Gesang war bei ihnen verpöhnt, in marokkanischen Städten nicht.17 In der Schlacht bei Sagrajas siegte der Almoravide Yusuf 1086 mit den Königen von Sevilla, Granada, Malaga und Badajoz verbündet gegen Alfons VI. von Léon. “Auf dem Schlachtfeld wurden die Köpfe der Christen zu Hügeln geschichtet, von denen herab die Muezzins die Sieger zum Gebet riefen. Wagenladungen von Köpfen wurden dann in die wichtigsten Städte Spaniens und des Maghreb gesandt, um zu zeigen, daß die Christen nicht mehr zu fürchten waren, fromme Muslime gaben Almosen und ließen als Dank Sklaven frei, und die Taifa-Könige hörten auf, Alfonso Tribut zu zahlen.”18

Sevilla zwei

Sevilla Alcazar Löwentor

Die nachfolgenden Almohaden machen Sevilla 1163 zu ihrer Hauptstadt. Die Stadt war 2500 vor Christus eine phönizische Siedlung. Schon in der römischen Zeit kämpften Cordoba und Sevilla um den größten Einfluß in Andalusien. Der schon erwähnte Isidor von Sevilla war in der westgotischen Zeit ein bedeutender Erzbischof. Im 9. Jahrhundert zerstörten die Wikinger de Stadt. Der Emir von Cordoba schlug sie zurück. Einige trieben geduldet Viehzucht. Noch also ein Volk neben Hispaniern und Mauren. Reinrassigkeit ist also auch hier nicht gegeben … Die Almohaden waren den Sevillanern zu streng, die Christen aus dem Norden gefielen auch nicht bis zum Sieg Ferdinands III. 1248. Mehr als fünf Jahrhunderte muslimischer Herrschaft waren beendet. Nach der Eroberung wurde der Alcazar im 14. Jahrhundert zum Palast des kastilischen Königs Peter I. (1334 bis 1369).19 1356 wurde die Stadt von einem schweren Erdbeben heimgesucht.

Seit 1378 predigte der Erzdiakon von Sevilla, Ferrando Martínez von Écija, gegen die Juden und hetzte die Christen gegen sie auf. Sie waren für ihn ein Schrecken. Zur wohlhabenden Stadt war Sevilla im Spätmittelalter geworden. Auch die Bevölkerung war gewachsen, wobei reiche Juden sich an der Verwaltung der Stadt beteiligten. Auch jüdische Karrieren am königlichen Hof nahmen zu. Dem König mißfiel dies, doch Martinez ließ sich nicht beirren:” … Niemand kann mich daran hindern, daß ich predige und das über die Juden sage, was mein Herr Jesus Christus in den Evangelien gesagt hat.”20 Als eifernder Antisemit führte er weiter aus:” Ein Christ,der einem Juden Böses zufügen oder ihn gar töten würde, würde damit beim König und bei der Königin kein Mißfallen erregen. Ganz im Gegenteil! Er wisse das aus einer direkten und sicheren Quelle und würde dafür auch als Bürge einstehen.”21 Diese Agitation wurde zwölf Jahre Jahre fortgesetzt. Martinez forderte seine Zuhörer auf, die Juden zu vertreiben und ihre Synagogen anzuzünden. Der Eskalation der Worte folgte das Pogrom. Vorher starben allerdings noch König Johann I. von Kastilien und Barroso, der Erzbischof von Sevilla. Der Nachfolger, König Heinrich III., war erst 10 Jahre alt. Am 6. Juni 1391 ereignete sich die Ausschreitungen im jüdischen Wohnbezirk. Juden, die sich nicht rechtzeitig verstecken konnten, wurden zur Konversion zum Christentum aufgefordert. Wer sich nicht bekehrte, wurde getötet. Der Aufruhr gegen die Juden wurde auch in anderen Regionen sichtbar – in anderen Städten Andalusiens, in Kastilien und Aragón. Im August griffen die Unruhen auch auf Katalonien und die Balearen über. In Saragossa war der Hauptagitator der Neffe von Martinez. Papst Clemens VII. war in der Sache nicht eindeutig. In Valencia hörte man den Schlachtruf im jüdischen Viertel: “Martinez kommt! Die Juden – in den Tod oder ins Weihwasser!”22 Ein heiliger Furor durchzuckte in dieser Zeit weite Teile Spaniens. Der Geist der Reconquista wütete in den Gehirnen. In Cuenca wurde die Sturmglocke geläutet. Man könnte meinen, die Sportpalastrede von Goebbels vom 18. Februar 1943 sei vorweg genommen worden. “Nun, Volk, steh auf, und Sturm, brich los!” In Tortosa trat ein fahrender Spielmann als Trommler auf. Manche Christen leisteten Hilfe. Adlige boten Juden in ihren Häusern Unterschlupf gegen Bezahlung, die Juden verarmen ließ.23 Dem in Avignon residierenden Papst Clemens VII. wurden von Juden Geschenke angeboten, um ihn zu bewegen, das Vorgehen des Hasspredigers Martinez zu mißbilligen.Auch die Königin von Aragón setzte sich für die Juden ein. Eine Verurteilung der Massaker durch Clemans VII. wurde aber nicht erreicht.

Fest in ihrem Glauben blieben die Juden in Toledo – Juda ben Ascher und seine Schüler. In Barcelona begingen viele Juden Selbstmord, in Gerona schworen die Juden ihrem Glauben nicht ab. Mehrheitlich waren die “Aljamas” (jüdische Gemeinden) allerdings bereit, ihren Glauben aufzugeben.

Nicht wenige Juden ließen sich taufen. Als Beweggründe führte der Arzt Josue de Lorca vier Gründe an: “ Der Ehrgeiz und die Habgier, sich aller irdischen Güter zu erfreuen. Der philosophische Skeptizismus gegenüber den Wahrheiten des Judentums und gegenüber jeder geoffenbarten Religion, woraus dann die Vorliebe hervorgeht, die man der im Augenblick angenehmsten Religion gewährt. Die Überzeugung von einem unmittelbar bevorstehenden Verschwinden des Judentums, als einer Folgeerscheinung der Verfolgungen, und die Verzweiflung. Die Offenbarung der Glaubwürdigkeit des Christentums.”24 Josue de Lorca bekehrte nach seiner Konversion zum Christentum eifrig andere Juden.

Vorher gab es in anderen spanischen Städten schon Ausschreitungen. 1111 plünderte eine Menschenmenge in Sahagun (heutige Provinz Léon) die Judenviertel. Eigentlich rebellierte sie gegen die Stadtverwaltung. Eine Plünderung der Judenviertel fand auch 1146 in Toledo statt – auch gegen Franzosen wurde agitiert. Berengar Oller ließ 1285 in der Nähe der Kathedrale von Barcelona die Juden töten.

Der Dichter und Musiker, Guillaume de Machaut, in Diensten des Königs von Navarra, Karls des Bösen, verfasste im 14. Jahrhundert, im Angesicht der Pest, die in Spanien 1348 wütete und 1361, 1375 und 1383 zurückkehrte, eine judenfeindliche Dichtung “La jugement du Roy den Navarre”, in der es unter anderem heißt:

Es war der Jude, der geschmähte,

der schlechte, der Verräter,

der haßt und alles Böse liebt,

der soviel Gold und Silber gab

und versprach den Christenmenschen.

Der Brunnen, Flüsse und Quellen,

die waren klar und gesund,

an mehreren Orten vergiftet hat

und manchem das Leben nahm;

denn die, die davon tranken,

ganz plötzlich starben sie …

Doch, der oben thront und alles sieht,

der alles lenkt und alles prüft,

er will ihn nicht mehr verbergen,

er läßt den Verrat entdecken…

Denn die Juden wurden ausgerottet,

die einen gehenkt, die andern verbrannt,

die dritten ertränkt und viele geköpft,

mit dem Beil oder mit dem Schwert …25

Die Konvertiten haben es nicht selten in sich. Ein ehemaliger Jude namens Mose von Roquemaure, der sich später Juan d’Avignon nannte und Arzt war, zog nach seiner Konversion 1350 nach Andalusien. Er schrieb 1380 eine Abhandlung zur Medizin “Sevillana medicina”, in der er die Gründe für die Pest in Sevilla beschreibt: “Die Luft in Sevilla ist heiß und feucht … Der Grund dafür ist in der Fäulnis und Verwesung zu suchen, die aus der Juderia kommen. Denn dort leben viele, die zu allen möglichen Leiden verurteilt sind.”26

Auch Könige sonnten sich in ihren Vorurteilen. Alfons X. von Kastilien (1221 bis 1284) lebte mit manchem Juden zusammen, zog aber in seinen “Cantigas de Santa Maria” böse über einen Juden her. Gottesmörder und Verräter in einem sowie geizig und falsch war der von ihm geschilderte Jude. Sein Schatzmeister wurde der Unterschlagung angeklagt und 1280 hingerichtet. Im gleichen Jahr mussten sich die Juden in ihren Synagogen versammeln und eine enorme Summe für ihre Freilassung bezahlen. Es war von täglich (?) 12.000 Maravedis (spanische Goldmünze) als globaler Steuer die Rede, die über mehrere Jahre erhoben werden sollte.27

Auch ist in diesem Werk von Alfons X. von der Jungfrau Maria die Rede, die ein Kind wieder zum Leben erweckt, das von Juden geopfert wurde.

Alfons XI. von Kastilien (1311 bis 1350) starb in Gibraltar an der Pest. Diesmal wurden die Juden nicht als Urheber seines Todes bezichtigt.28 Sein Nachfolger Don Pedro der Grausame – König von 1350 bis 1369 -begünstigte die Juden sogar, sie wurden nicht als Verworfene behandelt. Zwischendurch ging es auch aufwärts mit den Beziehungen der Juden zu christlichen Herrschern. Der Einfluß der Juden am Hof war beachtlich. Seinen Beinamen, der “Grausame” bezog er überwiegend wegen seiner Strenge gegenüber den Hidalgos (niederer spanischer Adel) und Granden (Hochadel). Die Juden hielten zu ihm. Herausragende Juden in seiner Umgebung waren der Dichter Santob de Carrion, der unter anderen die Vorurteile der spanischen Hidalgos gegen die Juden kritisierte. Sein Erzieher war Don Juan Alfonso de Albuquerque, er empfahl ihm erfolgreich als Finanzminister Don Samuel Meir Allavi, obwohl Juden gemäß Cortes-Beschluß dazu nicht mehr zugelassen waren. Arzt und Astrologe an seinem Hofe war Abraham Ibn-Zarzal.Auch einen eigenen Alcalden (Richter) wollte er den Juden lassen, obwohl die Cortes dagegen argumentiert hatten.29 Die Bastardbrüder des Königs bemächtigten sich in einem Bürgerkrieg Toledos und massakrierten hier annähernd 12.000 Juden, die zu Don Pedro standen. In die Innenstadt konnten sie nicht eindringen, weil die Juden die Tore geschlossen hatten. Don Pedro rächte sich an den Parteigängern seiner Bastardbrüder. Peter I., der Grausame, wie er in Westeuropa auch genannt wird, ließ sich von den judenfeindlichen Stimmen seiner Umgebung beeinflussen und betrieb Samuels Sturz. Er ließ Samuels ganzes Vermögen einziehen: unter anderem 170.900 Dublonen und 80 Sklaven. Trotz Folter blieb Samuel standhaft.30 Peters Bastardbruder, Heinrich de Trastamare, schaffte es 1366, den König zu stürzen, nur Sevilla blieb ihm übrig. 1367 eroberte Peter mit Hilfe des Prinzen von Wales seinen Thron zurück. Der “Schwarze Prinz” ließ Peter allerdings danach im Stich. Dieser gewann den König von Granada als Bundesgenossen gegen seinen abermals vorrückenden Bastardbruder. Der König von Granada nahm dreihundert jüdische Familien aus Jaen als Gefangene mit nach Hause. Die jüdische Gemeinde von Toledo kam größtenteils durch Krieg und Hungersnot ums Leben. Bei Montiel unterlag Peter seinem Halbbbruder 1369 und wurde geköpft. Papst Urban V. verstieg sich zu der Aussage: “Die Kirche muß jubeln über den Tod eines solchen Tyrannen, eines Rebellen gegen die Kirche und eines Gönners der Juden und Sarazenen. Der Gerechte freut sich, wenn er Rache sieht.”31 Stark dezimiert wurden die Juden von Toledo, viele Juden in Kastilien wurden zu Bettlern.

Granada Alhambra.JPG

Granada Alhambra

Granada

Die Stadt Ilbira wurde 711 von den Arabern erobert. 756 wurde 10 Kilometer weiter im Nordwesten eine neue Stadt mit dem Namen Madinat Ilbira gegründet. Für die ursprüngliche Stadt setzte sich der Name Granada durch. Möglicherweise steht der Name in Verbindung mit dem romanischen Farbadjektiv granat (deutsch rot). Ob die römische Siedlung Illiberis mit der Stadt identisch ist, ist unklar.

Nach dem Untergang des Kalifats von Cordoba übernahm 1012 ein berberischer Clanchef die Macht in der Provinz und machte das leichter als Ilbira zu verteidigende Granada zum Sitz der Ziriden-Dynastie. Die Dynastie herrschte etwa 80 Jahre lang und wurde von den Almoraviden gestürzt (1090). Danach herrschten die Almohaden, die vertrieben wurden.32

Eine besonders gehobene Stellung in Granada erreichte Samuel ben Josef Halevi ibn Nagrela, oder auch Schmuel ibn Naghrela genannt. Er wurde 993 in einer reichen jüdischen Familie in Cordoba geboren. In Granada schloß er Bekanntschaft mit dem Ziriden-Herrscher Habbus al-Muzaffar. Während dessen Regierungszeit wurde er Großwezir.1038 verhalf ibn Nagrela dem Sohn Badis ibn Habbus zur Macht und wurde zusätzlich Militärführer.33 Religiös war Samuel ibn Nagrela ein gelehrter Polemiker. In einer arabisch verfassten Schrift zählte er in Koran enthaltene Widersprüche auf. Ein berühmter arabischer Theologie, sein Freund Ibn Hasm, polemisierte gegen ihn: “Ein Mann hat sich erhoben, der von Haß gegen unseren Propheten erfüllt ist … Seine verachtungswürdige Seele ist stolz auf ihren Reichtum; Gold und Silber, von denen sein Haus überlaufen, haben seine gemeinen Leidenschaften erregt. Er hat ein Buch geschrieben, um die im Koran enthaltenen Widersprüche zwischen den einzelnen Worten Gottes aufzuzählen … Der König möge sich doch trennen von diesen unreinen, übelriechenden, schmutzigen und verfluchten Menschen, denen Gott eine derart ehrlose Erniedrigung und eine solch schmutzige Demütigung auferlegt hat, wie sie sonst kein anderes Volk kennt. Ihr sollt wissen, daß die Kleidung, in die Gott sie hüllt, weit gefährlicher ist als der Krieg und der ansteckendste Aussatz.”34 Nach seinem Tod folgte Samuel ibn Nagrela sein Sohn Joseph ibn Nagrela 1058 nach. Die Familie erregte Neid in ihrer Umgebung, der Dichter Ishak von Elvira polemisierte scharf gegen Joseph: “Der Herr dieser Affen hat seinen Palast mit Marmorinkrustrationen ausgestattet; er ließ Fontänen einbauen, denen das allerreinste Wasser entspringt, und während er uns an seiner Pforte warten läßt, spottet er über uns und unsere Religion. Mein König, wenn ich sagen würde, er sei ebenso reich wie Sie, dann würde ich die Wahrheit sagen. Auf! Beeilen Sie sich, ihn zu erwürgen und ihn als Ganzopfer (Holocaust) zu schlachten ; opfern Sie ihn – er ist ein fetter Widder! Schonen Sie aber auch nicht seine Verbündeten; auch sie haben unermeßliche Schätze angehäuft…”35 1066 kam es zum ersten großen Pogrom in Europa gegen die Juden. Am 30. Dezember stürmte eine große Menschenmenge den Königspalast. Der jüdische Wesir Joseph ibn Nagrela wurde gekreuzigt. Etwa 4.000 Juden wurden ermordet.

Die Einstufung eines Juden als Affen ist direkt dem Koran entnommen.Hier heißt es: „Und als sie trotzig bei dem verharrten, was ihnen verboten worden war, da sprachen Wir zu ihnen:’Werdet denn verächtliche Affen’“ Sure 7:165. Mohammed konnte Spott nicht ertragen. 630 nach der Rückkehr nach Mekka besaß er zwei Singsklavinnen, die über den Propheten Spottlieder sangen. Mohammed ordnete deshalb an, unter anderem diese beiden zu töten. Die Ereignisse damals erinnern in manchem an die Vorgänge um die Mohammed-Kritik in Frankreich vor fünf Jahren. Am 2. Januar 2013 veröffentlichte die französische Satire-Zeitschrift “Charlie Hebdo” eine Comic-Biographie des Propheten Mohammed. Anfang März 2013 wurde der Chefzeichner des Magazins von einem Al Quaida-Zweig zur Fahndung ausgeschrieben. Ein Slogan war damals” Eine Kugel am Tag schützt vor Ungläubigen”.36 Bei dem Anschlag im Januar 2015 wurden zwölf Mitarbeiter der Zeitschrift hingerichtet. Die beiden Täter, die Brüder Kouachi, riefen Porolen wie “Wir haben den Propheten gerächt”. Ein Verbündeter der beiden, Amedy Coulibaly, überfiel zwei Tage später einen jüdischen Supermarkt und erschoß vier Geiseln. Er bekannte sich zum “Islamischen Staat”. Alle drei Attentäter wurden schließlich von der Polizei getötet. Schon 2005 war es nach der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung Jyllands-Posten gekommen. Danach kam es vor allem in islamisch geprägten Ländern zu Demonstrationen und Ausschreitungen. Auf einer der Karikaturen war Mohammed mit einem Turban mit Bombe und brennender Lunte dargestellt worden. Eine Provokation gegen das Bilderverbot des Islam. Ende des Jahres kam es zu einer Strafanzeige wegen Blasphemie gegen die Zeitung. Initiatoren waren elf Vertreter islamischer Organisationen in Dänemark.

Die Nasridendynastie. Als Stammvater gilt Muhammad ibn al-Ahmar, der von einem in Jáen ansässigen Geschlecht abstammt.. Anfang des 13. Jahrhunderts wehrte er dort die Vorstösse der Kastilier ab. An einen Sieg gegen die Christen glaubte er nicht mehr. In einer Absprache mit Ferdinand III. von Kastilien erreichte er 1246, dass ein maurisches Reich im Süden akzeptiert wurde. Es sollte von Granada bis zur Meerenge von Gibraltar reichen und Granada als Hauptstadt haben. Als eigentliches Gründungsjahr des Königreiches gilt das Jahr 1238. Bis zur Blütezeit 1325 entwickelte sich ein militaristischer Feudalstaat.37 Danach kam die eigentliche Blütezeit unter Jussuf I. (1333 bis 1354) und seinem Sohn Mohammed V. (1354 bis 1391). Der islamische Einfluß wurde hergestellt von den banu al-Sarray und den banu Kumasa. Absolut herrschte der Sultan (König). Die Ratsversammlung bestand aus den einflussreichsten Persönlichkeiten des Königreiches. Der Gerichtshof bestand daneben. Der Etat des Reiches finanzierte sich aus der Direktbesteuerung sowie Abgaben für den Handel, die Bäder und Erbschaften. Gebäude im typisch islamischen Spiel waren die Medrese (Koranschule) und das Maristán (Krankenhaus). Auch der arabische Markt (Alcaiceria) ist dazu zu zählen!

Die Eroberung Granadas wurde von Isabella von Kastilien (Königin seit 1474) und Ferdinand von Aragon (König seit 1479) in die Wege geleitet. Möglicherweise spielte Kreuzzugsbegeisterung nach der türkischen Eroberung von Konstantinopel von 1453 eine entscheidende Rolle! Man fürchtete, dass der türkische Sultan auch Italien und Griechenland erobern könnte – mit Granada als eine Art Brückenkopf für weiteren Einfluß. König Abu’l Hassan von Granada begann 1481 den Krieg. Ein Jahr später begehrte sein Sohn Abd Allah gegen den Vater auf und rief sich selbst zum König aus. Schließlich nahmen die Christen Abd Allah gefangen und ermöglichten Ferdinand den Durchmarsch durch das Königreich. 1483 bis 1486 eroberten er und der Marqis von Cadiz die westliche Hälfte des Reiches. Ferdinand besetzte 1488/89 die Städte Baza, Almeria und Guadix. Granada kapituliere am 2. Januar 1492, vier Tage später zogen Ferdinand und Isaballa triumphal in die Stadt ein.38 Siedler wurden ins Land geholt wie schon zweihundert Jahre vorher in Cordoba und Sevilla. Die Könige regierten autoritärer als Ferdinand III. Die kirchlichen Ämter wurden von ihnen vergeben, die Städte an die Kandare genommen. Die Muslime verblieben in Granada mit garantierten Religions- und Besitzrechten.

Granada lässt noch in letzter Zeit die Phantasie einer arabischer Autorin blühen:” Warum hat die Alhambra eine Wirkung auf mich, die sie auf meine Freunde nicht hat?

Es gibt keinen Sieger außer Gott! Über jede Wand rankt sich ein feingearbeitetes Ornament. Die Arabesken winden sich empor und wieder hinab, durchbrechen und umflechten sich als Kette und Schuss, wie die Araber sie nannten, in vollkommener Harmonie. Genau wie Mann und Frau miteinander harmonieren, einander anziehen und sich voneinander trennen, oder wie die beiden Pole innerhalb eines Geschöpfs.Was machen diese Ornamente mit mir?…

Ich habe fast das Gefühl, als wimmelten durch mein zauberhaftes Granada Millionen von durchsichtigen Gespenstern.Am Eingang zum alten arabischen Viertel Albaicín empfangen mich die Geister der Mauren. Ich besuche es gern. Ich sehne mich danach, dort zu sein. Warum, weiß ich nicht zu sagen.

Meine Mutter sagt, es sind die Gene. Die Gene meines andalusischen Urahns. Wer weiß! Vielleicht haben ja auch die Gene mich bewogen, Arabisch zu lernen! Zeit genug hatten sie vermutlich, acht Jahrhunderte waren für diese ‚Gene‘ wohl genug, meiner Stadt ihre Spuren aufzuprägen.

Als ich Arabisch gelernt hatte, machte ich eine Entdeckung: dass nämlich von mir schon lange geschätzten Trubadoure, die Europa im zwölften Jahrhundert mit ihren Liebesgedichten berauschten und die bestehende kirchliche Strenge durchbrachen, nichts anderes waren als die Nachfolger der arabischen Dichter des elften Jahrhunderts! Nachfolger des Ibn Farazan und des Mutamid von Sevilla und derer, die als erste von der sogenannten platonischen Liebe schrieben.Selbst Wilhelm IX. von Aquitanien hatte auf seiner Orientreise diese Art der Liebesdichtung kennengelernt und entlehnte ihr seine Wörter und Rhythmen.

In jedem Geliebten offenbart sich für die Liebenden Gott. Deshalb können wir nur eine Person verehren, in der wir Göttliches sehen, sagt Ibn Arabi. Ist das eine eigens an mich gerichtete Botschaft?

Ich stehe auf dem zentralen Platz, beobachte zerstreut die Passanten und spüre bei den Einwohnern von Granada eine sonderbare, eine orientalische Hitze, ein heißes Temperament. Vor kurzem bin ich an der großen Kathedrale mitten im Viertel La Alcaicería vorbeigekommen. Beinahe kam es mir vor, als erblickte ich unter den Ornamenten der Kathedrale die Stadtmoschee, ihr gegenüber die Koranschule, und sähe die Bauarbeiter des 14.Jahrhundrets den Islamischen Palast für Yusuf I. errichten.

Ich bin keine Muslima. Mich treibt nicht die Religion.

Ich versuche meiner Mutter das Ganze zu erklären. Es sind Stimmen aus tiefsten Tiefen, die aus dem Unsichtbaren, Fernen, zu mir dringen, als kämen sie aus meinem Schlaf.

Nicht die Religion treibt mich. Es sind Leben, die durch die Ewigkeit reisen, Leben, die vergangen sind, wiedergekehrt und nochmals wiedergekehrt. Als sei der Körper nur ein ledernes Kleid, das das Leben umhüllt!

Das aus dem Norden anrückende Heer erschreckt mich, als gehörte ich den Nasriden an.

Ich fühle die Tränen des jungen Boabdil, die er an einem Tag im Moment Muharram des Jahres 897 der Hidschra angesichts der Mauern Granadas auf dem Pass über den Rihan-Berg vergossen hat. Als wäre es gestern gewesen, als seien nicht fünfhundert Jahre seitdem dahingegangen!

Ich sehe die Lippen von Boabdils Mutter zittern, während sie ihn so hart zurechtweist. Ich wache auf von den Heeren der Reconquista, die unter Führung Ferdinands und Isabellas in die Täler und Ebenen aussschwärmen.

Ich lese die Kapitulationsabkommen mitsamt seinen 67 Bedingungen.”39

Die Vertreibung der Juden 1492

Ein Höhepunkt antisemitischer Agitation wurde 1412 erreicht, als aufgrund des Wirkens von Vincent Ferrer in Valencia und des Conversos Bischof Pablo de Santa Maria, der Kanzler von Kastilien war, beschlossen wurde, dass Juden und Mauren Kennzeichnungsabzeichen tragen mussten. Sie durften keine Beamten mehr sein, keine Titel führen und ihren Wohnsitz nicht wechseln. Folgende Berufe durften sie nicht mehr ausüben: Lebensmittelhändler, Zimmerleute, Schneider und Fleischer. Das Waffentragen wurde ihnen verboten und die Anstellung von Christen.Auch durften sie mit Christen nicht sprechen.40

1473 fand in Cordoba ein großes Pogrom statt. Eine Prozession der Brüderschaft der “Wohltätigen”fordert dazu auf, sich auf die Juden zu stürzen. Anton de Montoro, ein bekehrter Jude und Dichter, nahm in einem Brief an Königin Isabella kein Blatt vor den Mund: “… Ich sprach das Credo, ich begehrte Töpfe mit fettem Speck, ich hörte die Messe und sagte mein Gebet; dann schlug ich das Kreuz und konnte doch nicht ausmerzen das Bild des getauften Juden … In großer Demut habe ich gehofft, habe den Rosenkranz der Passion geleiert … damit meine Schuld vergehe, doch den Namen des alten, des gemeinen Juden wurde ich nicht los …”41 Kurze Zeit später 1480 gab es schon Scheiterhaufen für Konvertiten. Alle Juden wurden aus den Diözesen Sevilla und Cordoba ausgewiesen. Drei Jahre später steigt Tomas de Torquemada zum obersten Inquisitor auf. Oberrabiner war Abraham Senior, oberster Richter und Finanzfachmann, der Geld für den Krieg gegen Granada für die katholischen Könige auftrieb. Am Hof hielt sich auch Isaak Abrabanel als Berater auf. Er war Schriftsteller, Philosoph und Talmudkenner und finanzierte die Ausrüstung der ersten Schiffe von Christoph Columbus.

Werfen wir eine Blick auf die Bevölkerung Kastiliens und Aragonines Ende des 15. Jahrhunderts. 1482 lebten dort etwa 9 Millionen Menschen. Etwa 0,8 Prozent der Bevölkerung gehörte zum hohen Adel und etwa 0,85 Prozent zum Stadtadel. Zusammen ergibt das 1,65 Prozent der Bevölkerung. Dieser Teil der Bevölkerung herrschte über 97 Prozent des Bodens.42 Das Jahreseinkommen der spanischen Kirche wurde in der damaligen Zeit auf 6 Millionen Dukaten geschätzt, das des Erzbischofs von Toledo auf 80.000 Dukaten.

Am 31. März 1492 wird die Vertreibung der Juden von Isabella und Ferdinand angeordnet. Die Zahl der Ausgewanderten bleibt umstritten. Nach Schätzungen betrug sie zwischen 165.000 und 400.000. Etwa 50.000 blieben im Lande.43 Wie ging es den Vertriebenen nach ihrer Flucht?Ein Betroffener schrieb dazu:“ Einige von ihnen wurden von den Türken getötet, die ihnen das Gold, das sie verschluckt hatten, um es zu verbergen, aus dem Körper holten. Manche kamen durch Hunger und Pestilenz um, und manchen wurden von den Kapitänen nackt auf Inseln im Meer ausgesetzt, andere als Diener und Mägde im Genua und den Vororten verkauft, umd manche wurden ins Meer geworfen.”44

Was waren die Gründe der Vertreibung?Nach Einschätzung eines Historikers”war sie ein Versuch des feudalistischen Adels, jene Elemente des Mittelstandes, die ihrer Vorherrschaft im Staat bedrohlich wurden, auszuschalten. Es war die Weigerung der alten Stände, sich mit dem wachsenden Einfluß jener Bevölkerungsgruppen abzufinden, die den Geldverkehr und den Handel in den Städten beherrschten, eine Reaktion, die sich bereits seit dem frühen 14. Jahrhundert vorbereitete, als die durch die christlichen ‚Wiedereroberungen‘ des 13. Jahrhunderts gefährdete Koexistenz der verschiedenen Volksgruppen auf der Halbinsel zu Ende ging.”45 Die Vertreibung der Juden war aber ein so großer finanzieller Aderlaß, dass die Goldzufuhren aus den eroberten Gebieten Südamerikas nötig waren, um ihn auszugleichen. Die Grabinschrift Ferdinands weist allerdings auch einen religiösen Alleinvertretungsanspruch hin, der absolut intolerant ist: „Die Vernichter der Mohammedanischen Sekte und Auslöscher der ketzerischen Falschheit, Fernando von Aragón und Isabella von Kastilien Gemahl und Gemahlin, allerseits die Katholischen geheißen, umschließt dieses marmorne Grab.“ 46

Die Conversos waren als Wirtschaftsfaktor nicht zu unterschätzen. So waren es Luis de Santangel und Gabriel Sánchez, die die erste Reise von Columbus finanzierten. Möglicherweise stammte Columbus aus einer Familie von Conversos. Ökonomisch waren die Conversos besonders in Aragonien präsent – sie besetzten die fünf bedeutendsten Posten im Königreich am Ende des 15. Jahrhunderts.

Die Mauren nach 1492

Nach der Kapitulation von Granada wurde den Mauren zugesichert (von Ferdinand uns Isabella), dass sie die muslimische Religion unbehindert ausüben können.1499 wandte sich Kaardinal Ximénez davon ab, indem er dazu überging, die maurische Bevölkerung zur Übernahme des christlichen Glaubens zu zwingen. Am 18. Dezember 1499 ließen sich 3.000 Muslime von ihm taufen. Eine der großen Moscheen in Granada wurde in eine christliche Kirche umgewandelt.Danach kam es zu einem Aufstand in Granada.47 Die Regierung war mit der Vorgehensweise des katholischen Kardinals einverstanden, es kam zu Massentaufen in Granada. Die Bewohner bevorzugten dies gegenüber der Deportation nach Afrika. Durch die Eile fand eine religiöse Unterweisung kaum statt. Die Unangepassten flohen in die Berge und leisteten bewaffneten Widerstand. Dieser Aufstand wurde niedergeschlagen. 1501 wurde behauptet, das Königreich Granada sei ein Reich der christlichen Mauren – Moriscos genannt- geworden. 1502 ließ Königin Isabella einen Befehl, der den in Kastilien weilenden Mauren die Wahl zwischen Taufe und Vertreibung ließ. Die Mehrheit- Mudéjares – ließ sich taufen. Eine Auswanderung wurde unmöglich gemacht. Die Situation der Morisken war in Valencia besonders schlimm – sie bildeten ein ländliches Proletariat. Ihre einzige Einnahmequelle war die Landbestellung- Geistliche, Soldaten, Ärzte, Rechtsanwälte und Steuereinnehmer durften sie nicht werden. Vergleichbar war die Situation mit der der Schwarzen in den Südstaaten der Vereinigten Staaten. 1526 gelang es den Moriscos nach einer Reihe Autos de fe (Verbrennungen), mit dem König und dem Großinquisitor einen geheimen Vertrag abzuschließen, daß sie (die moriscos) vierzig Jahre vor Verfolgung geschützt seien, falls sie sich der Zwangstaufe unterzögen. Die Vereinbarung wurde zwei Jahre später bekannt gegeben. Besonders wirksam war das nicht. Die Inquisition legte das so aus, dass sie in maurische Sitten zurückkehrenden Bekehrten den Prozess machen dürfe.

1526 wurde der Sitz der Inquisition von Jaén nach Granada verlegt. Neue Verordnungen verboten den Moriscos, arabisch zu sprechen, ihre ursprüngliche Kleidung zu tragen und arabische Namen tragen. Gegen Bezahlung konnten die Moriscos eine Aufhebung dieser Schriften erreichen, die aber nicht sehr wirksam war. 1567 gab es ein neues Edikt,das die Sprache und die Bräuche der Moriscos verbot. Da auch andere kulturelle Eigenarten verboten wurden, kam 1568 eine Revolte im Bergland der Alpujarras aus, der die Heerführer Philipps II. bis 1570 beschäftigte.

In Aragonien wehrten sich die Gutsherren dagegen, dass die Inquisition von den Moriscos Land konfiszierte zum Schaden der feudalen Besitzer. 1571 kam es zu einem Kompromiß, in dem das Tribunal der Inquisition sich bereit erklärte im Gegenzug für 2.500 Dukaten das Eigentum der der Ketzterei angeklagten Moriscos nicht zu konfiszieren und zu beschlagnahmen. Aufatmen konnte die Inquisition wegen geregelter Einnahmen und die Gutsherren, denen Ländereien, die sie an die Moriscos verpachtet hatten, erhalten blieben.48

1596 lebten in Andalusien und Toledo 20.000 Moriscos, deren Einkommen 20.000 Dukaten überstieg. Es existierte eine Angst, die Moriscos könnten die Türken unterstützen, die auch nach dem Seesieg bei Lepanto 1571 nicht überwunden wurde. 1580 entdeckte man in Sevilla eine Verschwörung von Moriscos. Sie wollten eine Invasion von Moriscos unterstützen. 1602 konspirierten die Moriscos mit Heinrich IV. von Frankreich, 1608 waren die Moriscos von Valencia an der Reihe, indem sie sich an die Araber in Marokko um Hilfe wandten. Die Vertreibung der Moriscos von 1609 bis 1614 geschah auf dem Landwege und zur See. Insgesamt waren 275.000 der etwa 300.000 Moriscos in Spanien betroffen. Die Folgen waren katastrophal, vor allem in Valencia. Die Produktion von Weizen und Zuckerrohr nahm ab. Mit den Moriscos verschwand ein Großteil der arbeitenden Landbevölkerung. Der Landadel gewann durch die beschlagnahmten Äcker der Moriscos noch Land hinzu. Der Mittelstand musste Verluste durch den Wegfall der Pacht für das bestellte Land der Moriscos hinnehmen. Der Adel weigerte sich jedoch, den Pachtzins zu zahlen. Die Sparkasse von Valencia ging 1613 bankrott.49 Cervantes rühmte die Vertreibung der Moriscos durch Philipp III. indirekt in einem seiner Stücke, für Kardinal Richelieu war die Tat barbarisch. Die Vertreibung der Moriscos war eine kastilische Lösung. “Rasse” und “Ehre” – limpieza de sangre – hatten sich durchgesetzt.

Die Gründung der Inquisition 1480 beförderte das Prinzip der “Reinheit des Blutes” “limpieza de sangre”. Tausende heimlicher Juden wurden ketzerischer Bräuche bezichtigt und verbrannt. Die Conversos sollten von allen einflußreichen Posten ausgeschlossen werden. 1483 verfügte der militärische Orden von Alcantra, dass alle Abkömmlinge von Juden und Mauren nicht aufgenommen werden. 1501 erließen die katholischen Majestäten zwei Verfügungen, wonach es Kindern durch die Inquisition verbotener Personen verboten war, Ehrenämter zu bekleiden oder eine Reihe renommierter Berufe zu ergreifen.

Viele Spanier waren stolz, Altchristen zu sein. Ein adliger Begriff von Ehre verachtete körperliche Arbeit. Den Juden und Mauren mussten nach dieser Begrifflichkeit mit verachteten Stellungen bedacht werden. Die Juden wurden als gefährliche Minderheit angesehen. Sie galten als reich und begabt. Die Ehre der Religion konnte nach Auffassung von Altchristen nur gehalten werden, wenn der Stammbaum judenfrei war.Andererseits war bis ins 16. Jahrhundert bekannt, dass führende Familien in Aragon und Kastilien von Conversos abstammten. Dem sollte Einhalt geboten werden.50 Das erste Domkapitel war 1511 das von Badajoz, das die limpieza-Vorschrift in die Statuten aufnahm, 1515 folgte das von Sevilla.

Ronda Arena

Stierkampf-Arena von Ronda

Ronda (ca.36.000 Einwohner)

Hier gründete der römische General Scipio Aemilianus 139 vor Christus den Ritterorden “Legio Arundensis”. Damals wurde die Burg Laurus gebaut. Sertorius zerstörte sie und die Stadt im Krieg gegen Pompeius. 45 vor Christus wurde ein Altar gebaut, wo heute die Kirche “Heilige Maria der Fleischwerdung” steht – der Grund war der Sieg des Caesar über die Pompeius-Söhne. Die Muslime eroberten die Stadt 713 – über den Ruinen sollte die neue Stadt Izna- Rand-Onda gebaut werden. Sie wurde zur Hauptstadt von Tacaroma, einem der fünf Bezirke, in die der Süden Andalusiens unterhalb der Provinz Sevilla unterteilt war.

Ronda Park

Park von Ronda

Im 13.Jahrhundert rief der Nasriden-König Mohamed II. – durch das christliche Vorrücken im Süden Spaniens alarmiert- die nordafrikanische Mariniden- Dynastie zu Hilfe. Ronda kam in ihren Einflußbereich. 1295 wurde Ronda wieder unabhängig- kam nach erneutem Einfluss der Mariniden 1340 wieder in den Machtbereich Granadas – bis 1485. Die Stadt erhielt in diesem Jahr das Recht, sich nach eigenen Gesetzen zu regieren. Im 18. Jarhundert spielte die Viehzucht in Ronda eine entscheidend neben dem Bergbau. Wichtig war der Handel mit Gibraltar. Repräsentative Bauten entstanden die “Alte Brücke”, die “Kirche des Beistands”und die “Kirche der heiligen Cecilia.”

1808 bestieg auf Druck Napoleons sein Bruder Joseph Bonaparte den spanischen Thron. Im Februar 1810 marschierten seine Truppen in Ronda ein und blieben zwei Jahre– sie sprengten, als sie abzogen, die Burg und Teile der Stadtmauern. Drei Jahre später erlangte Spanien seine Unabhängigkeit zurück.51

Bekannt war im 19. Jahrhundert auch das andalusische Räuberwesen. El Tempranillo (1805 bis 1833) ist der bekannteste Repräsentant. Er galt als edler Räuber, der sich für die Benachteiligten einsetzte. Angeblich raubte er an einem Morgen bis zu 110 Reisende aus, was wahrscheinlich übertrieben52 ist. Die Eisenbahn wurde 1891 eingeweiht.1909 wird die Sparkasse gegründet. In den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wanderte fast die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung ab.

Bedeutend ist in Ronda die älteste Stierkampfarena überhaupt von 1784. 1785 trat der legendäre Pedro Romero auf. Eigentümer war das “königliche Korps der Ritterschule”, das von König Philipp II. gegründet wurde. Das Bogenwerk der Arena weist 136 toskanische Säulen auf. Das Fassungsvermögen beträgt 5.000 Plätze, der Durchmesser ist 66 Meter. Pedro Romero (1754 bis 1844) tötete fast 6.000 Stiere und war Gründer der rondesischen Schule. Spektakuläre Besucher Rondas waren Orson Welles und Ernest Hemingway. Ein weiterer berühmter Stierkämpfer dieser Zeit war Antonio Ordonez. Beachtlich ist das Stierkampfmuseum in der Arena. Heute sieht man den Stierkampf vom Tierschutzstandpunkt eher kritisch.

Nicht weit von der Arena entfernt ist die Ecclesia Del Socorro, 1709 erbaut. Die aktuelle Kirche wurde 1956 vollendet, Im Giebelfeld der Fassade ist das kaiserliche Wappen zu sehen. Das Kasino an diesem Platz ist im Jugendstil erbaut.53 Besonders markant am Stadtbild ist die Neue Brücke, die 1793 fertig wurde. Die Vorgängerbrücke stürzte 1741 ein. Daneben stehen pittoresk “hängende Häuser” über dem Tajo.

Cadiz Kathedrale

Kathedrale von Cadiz

Cádiz hat heute 123.000 Einwohner. Ein phönizisches Gräberfeld ist im Museu de Cádiz zu besichtigen.Auch die Römer nutzten die Stadt als Nekropole. In der Nähe lag die Stadt Baelo Claudia, 17 Kilometer nordwestlich von Tarifa in Richtung Cádiz. Dort steht heute eine Kopie der Statue des römischen Kaisers Trajan (98 bis 117 nach Christus). Der Ort wurde im 2. Jahrhundert vor Christus gegründet.54 Eine beeindruckende Grünanlage in Cádiz ist der Park Genovés, ein Botanischer Garten aus dem 19. Jahrhundert.55 Der Gartenarchitekt dieses Parkes hieß Gerónimo Genovés i Puig. 1892 wurde die Neugestaltung vorgenommen.

Ein barockes Bauwerk ist die Kathedrale von Cádiz. Der Bau wurde 1772 begonnen und 1838 vollendet. Der Innenraum ist unglaublich groß (85 Meter lang, 60 Meter breit und 52 Meter hoch). Das Chorgestühl ist aus Mahagoniholzwurde schon 1702 gerschnitzt. In der Krypta befindet sich unterhalb des Meeresspiegels das Grab des Komponisten Manuel de Falla. Der östliche Uhrturm kann bestiegen werden.

Jerez de La Fronterea (211.000 Einwohner)

Von 711 bis 1264 war die Stadt in maurischer Hand. Nach der Eroberung durch Alfons X. von Kastilien war Jerez Grenzstadt zwischen christlichem und maurischem Territorium. Die arabische Bezeichnung für die Stadt war Sherrish. Daraus leitete sich die Bezeichnung des Weines “Sherry” ab. Diesem Wein ist ein eigenes Museum gewidmet (das “Misterio de Jerez”), das die Geschichte der Sherryproduktion beleuchtet. Der Alcázar stammt aus der Almohadenzeit (12. Jahrhundert). Im Inneren finden sich Reste arabischer Bäder und eine Moschee.

Malaga

Friedenstaube Malaga

Malaga (570.000 Einwohner)

Die Stadt wurde im 8. Jahrhundert vor Christus von den Phöniziern gegründet. Im 3. Jahrundert vor Christus kam die Stadt in den römischen Machtbereich. Etwas 83 nach Christus bekam die Stadt unter Kaiser Domitian das flavische Stadtrecht. Ein römisches Theater zeugt von dieser Zeit.In der Völkerwanderungszeit gehörte die Stadt zur Provinz Baetica. 616 kam die Stadt von den Oströmern an die Westgoten. 711 ging die Herrschaft an die Mauren über, die die Schlacht gegen die Westgoten bei Jerez gewonnen hatten.

Hier wurde 1881 Pablo Picasso geboren, genau genommen am 15. Oktober in der Plaza de la Merced Nr.15. Es folgten noch zwei jüngere Schwestern.- Sein Vater war Lehrer für Malerei an der städtischen Kunstschule, seine Mutter stammte aus einer Künstlerfamilie. Die Stadt trug lange Zeit den Namen “Perle des Mittelmeeres”. Landwirtschaftliche Produkte waren vor allem Wein und Obst. Die Industrialisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts brachte vor allem Textilproduktion und Hochöfen für die Erzeugung von Roheisen.56 10 Jahre nach seiner Geburt verließ Picassos Familie Malaga und zog nach A Coruna. 1895 siedelte die Familie nach Barcelona über. Pablo besuchte Malaga zum letzten mal 1900 – er besuchte seinen Freund Carlos Casagemas. Frühe Themen seiner Malerei waren der Taubensport und der Stierkampf, den er in der Arena La Malagueta kennen gelernt hatte. Selbst in “Guernica”, seinem Bild von 1937, ist ein Stier zu finden. Sein Vater war ein leidenschaftlicher Taubenzüchter. Das Interesse an diesem Vogel übernahm Pablo.

Unweit der Stadt liegt der Ausgangspunkt der Reise

Torremolinos

Torremolinos

Torremolinos (68.000 Einwohner)

Hier beginnt die klassische Costa del Sol. In den 70er Jahren des vergangenen Jarhunderts wurde eine klassische Ferienstadt aus dem Boden gestampft. In der Hochsaison sind hier Zehntausende Urlauber. Ältere Stadttteile sind La Carihuela (Fischersiedlung) und El Bajondillo (typisches andalusisches Dorf). In den Botanischen Garten ist eine Museumsmühle einbezogen.57 Torremolinos‘ Mühlengebäude erreichte Berühmtheit dadurch, dass 1926 König Alphons XIII. und seine Frau Victoria Eugenia hier übernachteten.

El Cid eigentlich Rodrigo Diaz de Vivar (1045 oder 1050 bis 1099)

Er war der Sohn eines kastilischen Kleinadligen. Das Dorf Vivar al Cid liegt in der Nähe von Burgos. Belegt ist der Geburtsort nicht. Die Bezeichnung Meo Cidi (Mein Herr) taucht erst 50 Jahre nach seinem Tod auf. Er war der Gefolgsmann König Sanchos II. von Kastilien und königlicher Bannerträger. Sancho wurde 1072 während der Belagerung Zamoras ermordet.

Das Zerwürfnis mit dem kastilischen König rührte daher, dass sich Rodrigo Diaz 1072 weigerte, Alfonds VI. den Treueeid zu leisten, es sei denn, der König würde dreimal auf die Bibel schwören, dass er nicht an der Ermordung seines Bruders Sancho beteiligt gewesen sei. Die Historizität ist umstritten.

Nach der schweren Niederlage der nordspanischen Christenreiche gegen das Heer der berberischen Almoraviden unter Yusuf ibn Taschfin in der Schlacht bei Sakkala (Zallaqa) kam es ab 1086 zur zeitweiligen Annäherung zwischen dem Cid und Alfons VI. von Kastilien und Leon, der ein Jahr vorher Toledo eingenommen hatte. Alfons VI. hatte Rodrigo aus Kastilien verbannt. Dieser fand Asyl bei dem maurischen Herrscher von Saragossa, Al Mutamin.58 Hier wird schon klar, dass es einen klaren Kampf Christen gegen Muslime nie gab, sondern wechselnde Bündnisse wurden geschlossen. “Spanien war Ende des 11. Jahrhunderts ein unglückliches, zerrissenes Land. Im Norden kämpften die christlichen Königreiche Kastilien, Aragón und Navarra gegeneinander. Im Süden, „al-Andalus“ genannt, hielten es die arabischen Emirate von Granada, Toledo, Valencia, Cordoba und Saragossa nicht anders. Jeder kämpfte gegen jeden, nicht nur Mauren gegen Christen, wie häufig angenommen wird.”59 Nicht selten kämpften christliche Ritter für muslimische Potentaten, die gut zahlten. Ein anderer kämpfte für die Muslime, weil er in die Verbannung geschickt worden war, so Graf García Gómez von Carrión. Er fiel in Diensten Sanchuelos, des Kämmerers des Kalifats von Cordoba. Ende des 12.Jahrhunderts kämpfte Pedro Fernández de Castro für die Almohaden. 1194 traf er eine Übereinkunft mit ihnen und kämpfte für sie 1195 in der Schlacht bei Alarcos, in der Alfons VIII. von Kastilien geschlagen wurde.60

Der arabische Historiker Ibn als Hatib(1313 bis 1374), der die Ereignisse um El Cid beschreibt, meinte über ihn: “In seiner Gegenwart soll man auch islamische Werke erörtert und Biographien berühmter Araber vorgelesen haben; …”61

Etwa ab dieser Zeit übernahm Rodrigo nach jahrelanger Belagerung das formal mit Kastilien verbündete maurische Fürstentum Valencia. Ab 1089/90 wurde es zum Bollwerk gegen die anstürmenden almoravidischen Kräfte. 1092 wurde Valencia vorübergehend von almoravidischen Truppen besetzt, Rodrigo nahm die Stadt am 15. Juni 1094 ein und schlug das Entsatzheer der Almoraviden kurze Zeit später in der Schlacht von Cuarte. Er stützte sich auf die anti-almoravidische Partei unter den muslimischen Stadtbewohnern sowie die kleinere Gruppe der Mozaraber. Er beherrschte das Königreich bis zu seinem Tod am 10. Juli 1099 als oberster Richter und Herr. Dabei gelang ihm zunächst noch die erfolgreiche Verteidigung gegen die vorrückenden Almoraviden, die er 1097 unter Mithilfe von König Peter I. von Aragonien in der Schlacht bei Bairen nochmals schlug. Die Siege von Cuarte und Bairen errang Rodrigo ohne Billigung des Königs. Die Almoraviden waren nicht unbesiegbar – das bewies Rodrigo.

Rodrigos Sieg für die Christen war nicht von Dauer. Schon wenige Jahre nach seinem Tod wurde die Stadt endgültig von den Almoraviden beherrscht.

Der Stoff des Cid fand schon frühzeitig literarische Beachtung. Eine bedeutende Bearbeitung des Stoffes vollbrachte Pierre Corneille (1606 bis 1684) 1636/1637. Liebe und Ehre stehen sich in dem Stück gegenüber. Die Junge Adelige Chimene liebt Rodrigo wie die Infantin. Einer Ehe steht zunächst nichts im Wege. Rodrigo tötet den Vater von Chimene, Don Gomez, als Reaktion auf eine Beleidigung seines Vaters Diego. Aus Gründen der Ehre verlangt Chimene gegenüber dem König die Bestrafung des Mörders. Um der Ehre seines Vaters willen steht Rodrigo zu seiner Tat. Dieser weist Rodrigo an, Sevilla gegenüber den anstürmenden Mauren zu verteidigen. Rodrigo erweist sich als großer Held und erringt einen überwältigenden Sieg – zwei Könige der Mauren werden gefangen genommen. Don Ferdinand heißt der spanische König in dem Stück. Er verleiht ihm den Ehrennamen El Cid (der Herr). Durch seinen kühnen Sieg sieht er Rodrigos Schuld gegenüber Gomez gesühnt. Chimenes Ehrenbegriff läßt nicht locker – auch jetzt will sie noch Rache für den Mord an ihrem Vater. Der König vermittelt einen Zweikampf zwischen Rodrigo und Don Sancho. Auch er liebt Chimene. Dem Sieger winkt die Ehe mit Chimene. Rodrigo gewinnt und schont den Gegner. Er läßt den König beschließen, was er tun soll. Don Ferdinand möchte, dass er erneut gegen die Mauren zu Felde zieht. Seine Worte beschließen das Drama: “Auf deinen Muth hoff‘ und auf mein Versprechen. Da der Geliebten Herz dein, überlaß Ihre Bedenken zu zerstreu’n der Zeit und deiner Tapferkeit und deinem König!”

Die unmittelbare Quelle des Stückes ist “Mocedades der Cid” von Guillém de Castro. Corneille war der Begründer des klassischen französischen Dramas. Dominant ist das Primat der Ehre, somit wirkt ein Ehrenmord aus Beleidigung zündend. Mit Pathos begründen die Personen ihre Handlungen.62 Die positive Darstellung eines Duells unter Männern gefiel Kardinal Richelieu, der dies kurz vorher verboten hatte, nicht.

Zusammenfassung

Kommen wir abschließend auf wirtschaftliche Entwicklungen zu sprechen. Der Ackerbau erfährt nach der islamischen Eroberung starke Förderung durch den Bau von Entwässerungsanlagen. Aus dieser Zeit stammen die andalusischen Gärten, “huertas” genannt und durch Schöpfräder bewässerte Kulturen an den großen Flüssen, die “norias”. In den Bergwerken wurden Silber, in geringem Umfang Gold sowie Eisen, Zinn und Quecksilber gefördert. Zudem gab es Edelsteinbrüche und Korallenfischereien. Neben Cordoba, dem Sitz der Großen Moschee bringt der Handel das Wachstum großer Häfen mit sich. So mausert sich Alméria an der Südostküste zum Zentrum. Mitte des 10. Jahrhunderts entstand hier die Seerepublik Pechina.63

Auf den Herrscher von Al Andalus, Emir genannt – was Kommandant und Gouverneur bedeutet- folgte im 10. Jahrhundet der Kalif Abd ar-Rahman III., der sich durch diesen Titel von der Fatimiden-Dynastie im Maghreb abgrenzte. Überragende Bedeutung nahm in Al Andalus der Kämmerer, “hagib” genannt – einer, der eigentlich zur Dienerschaft des Herrschers gehörte. Er konnte unter einem schwachen Herrscher zu großer Bedeutung heranwachsen. Ein bedeutender “hagib” war Almansor (auch Al Mansur- 971 -1002), der am Ende des 10. Jahrhunderts der eigentliche Herrscher im Kalifat von Cordóba war. Vergleichbar ist er mit den karolongischen Hausmeiern, die im 8. Jahrhundert nach Christus die eigentliche Macht im Merowingerreich innehatten. 1031 traten die Omajaden ab, es kam zur Errichtung kleineren Herrschaften, Regionalkönigtümer oder Taifas. Sevilla, Granada und Valencia blühten auf. Die einen strengen Islam praktizierenden Almoraviden herrschten in Al Andalus von 1046 bis 1147. Die Eroberung Marrakeschs 1147 durch die Almohaden beendete die Dynastie. Die Schlacht von Las Navas de Tolosa ist nach der gleichnamigen Burg im Norden der heutigen spanischen Provinz Jaén benannt. Hier besiegte im Juli 1212 ein Bündnis der christlichenn Königreiche Kastilien, Aragón, Portugal und Navarra unter Führung von König Alfons VIII. von Kastilien die Almohaden unter Kalif Muhammad an-Nasir. Eine arabische Chronik beschreibt stellvertretend für viele Schlachten die schrecklichen Ergebnisse der Schlacht: “Da gab es so viele Tote, daß man vor lauter Leichen nicht vorwärts konnte und wenn jemals die Mauren den Christen Schmach zugefügt hatten, so wurde es ihnen an diesem Tag gehörig vergolten.”64 Dadurch war die Almohadenherrschaft langfristig geschwächt, so daß sich schon im 13. Jahrhundert der Sieg der christlichen Rückeroberer andeutete.

Die Einkünfte im Kalifat von Cordóba waren wahrscheinlich höher als die gesamten Staatseinkünfte der lateinischen Christen und waren einer guten Organisation von Ackerbau, Handel undd Gewerbe geschuldet.65 Die volle Kultfreiheit wurde den nichtmuslimischen Religionen zugestanden. Die von den Westgoten unterdrückten Juden standen der muslimischen Eroberung teilweise positiv gegenüber. Manchen Christen gelang der Aufstieg, Mischehen zwischen Muslimen und Christen waren möglich. Die Kirche war allerdings nicht frei, ihr Grundbesitz war größtenteils eingezogen worden. Bei den Kampfhandlungen wurden viele Kirchen zerstört, ein Neubau war untersagt. Kritik von muslimischen Theologen an christlichen Dogmen war möglich, für Christen war es besser, zu schweigen.

Im 14. Jahrhundert wirkte der Islam anziehend auf Christen. Muslime gab es in dieser Zeit in Granada etwa 200.000, fast nur zum Islam bekehrte ehemalige Christen, eine Zeichen, dass muslimische Herrscher als toleranter eingestuft wurden. Toleranz, wie sie heute in westlichen Demokratien üblich ist, gab es in al-Andalus allerdings nicht. Ein Eroberungskrieg von Mauren war nicht selten. Ihre Herrschaft war milder, sowie kulturell und wirtschaftlich höher entwickelt als im christlichen Europa. Letztendlich ersetzte eine katholische Tyrannei die maurische Herrschaft. Juden, Marranen (zum Christentum konvertierte Juden) wurden vertrieben und verfolgt. Die Vertreibung von 300.000 Mauren aus Spanien war ein gigantisches wirtschaftliches Desaster. Der Geist und die Realität der Inquisition schufen eine bleierne Zeit, die der Marqués von Gondomar in einem Brief an Philipp III. im Jahre 1619 folgendermaßen beschrieb:” Die Entvölkerung, die Armut, das Elend des heutigen Spanien sind derart, dass die Fremden berichten, das Reisen sei schwieriger und unbequemer als in irgendeinem verlassenen Land Europas, denn es gebe weder Betten, noch Herbergen, noch Mahlzeiten, und das infolge der zahlreichen Steuern und Bedrückungen, die auf Ihren Untertanen lasten… In Spanien leisten mehr als fünf Personen auf sechs nichts für den Handel und die Erhaltung des menschlichen Lebens, während in England und in Holland auf hundert Menschen nicht einer müßig geht. Die aus Amerika gekommenen Schätze haben Verheerungen zur Folge gehabt, das Land zugrunde gerichtet und die Arbeit getötet.”66 Die vielen Vertreibungen haben das Land ruiniert.

1Léon Poliakov, Geschichte des Antisemitismus, Bd. III. Religiöse und soziale Toleranz unter dem Islam, Worms 1979, S. 87

2Editorial Fisa Escudo de oro (Hrsg.), Moschee-Kathedrale von Córdoba, o.O. o.J.

4Vg. Hermann Schreiber, Halbmond über Granada. Acht Jahrhunderte maurischer Herrschaft in Spanien, Bergisch Gladbach 1980, S. 121 f.

5Ebd., S.123

6Béatrice Leroy, Die Sephardim. Geschichte des iberischen Judentums, Frankfurt am Main 1991, S. 28

8Beatrice Léroy, a.a.O., S.30 f.

9Léon Poliakov, a.a.O., S. 92

10Schreiber, a.a.O., S. 185

11Ebd., S. 188

12Vgl. Hermann Schreiber, a.a.O., S. 198

13Editorial Fisa Escudo de oro (Hrsg.), Moschee-Kathedrale von Córdoba, o.O. o.J., S. 10

15Derek W. Lomax, Die Reconquista. Die Wiedereroberung Spaniens durch das Christentum, München 1978, S.244

16Derek W. Lomax, Die Reconquista. Die Wiedereroberung Spaniens durch das Christentum, München 1978, S.281

17Ebd., S. 108 f.

18 Ebd., S. 112

20 Léon Poliakov, Geschichte des Antisemitismus -IV. Die Marranen im Schatten der Inquisition, Worms 1981, S. 10

21Ebd.

22Ebd., S. 12

23Vgl. ebd. S. 13

24Ebd., S. 14

25Béatrice Leroy, a.a.O, S. 83 f., Dichtung übersetzt von Frederica Pauli – Übersetzerin dieses Buches ins Deutsche

26Ebd., S. 85

27Ebd. S. 86

28Heinrich Graetz, Volkstümliche Geschichte der Juden – Bd. II, Köln 2000, S. 318 f.

29Vgl ebd., S. 320 f.

30Vgl ebd., S. 324 f.

31Ebd., S. 328

34Léon Poliakov, Religiöse und soziale Toleranz unter denm Islam, a.a.O. S. 93 f.

35Ebd., S. 95

37Vgl. Aurelio Cid Acedo, Die Alhambra -Aus der Nähe betrachtet, Granada o.J., S. 21

38Vgl. Lomax, a.a.O., S. 263

39Rosa Yassin Hassan, Wächter der Lüfte, Köln 2016, S. 297 ff.

40Henry Kamen, Die spanische Inquisition. Verfolgung und Vertreibung, München 1980, S. 24

41Béatrice Leroy, a.a.O., S. 98

42Vgl. Henry Kamen, a.a.O., S. 10

43Vgl. Henry Kamen, a.a.O. S. 29

44Ebd., S. 30

45Ebd., S. 13

47Vgl. Henry Kamen, a.a.O., S. 110 f.

48Vgl. Henry Kamen, a.a.O., S. 115

49Ebd. S. 119 f.

50Vgl. Henry Kamen, a.a.O. S. 124

53José Páez Carrascosa, Ronda aus der Nähe betrachtet, Ronda o.J., S.68 f.

55Oliver Breda, Susanne Lipps, Andalusien, Ostfildern 2017, S. 198 ff.

56Vgl. Francoise Docquiert, Museo Pablo Picasso Málaga, Malaga 2018, S. 6

57Vgl. Ebd., S. 110 f.

59Vgl. Spaniens Ritter, den die Mauren „El Cid“ nannten, in: Die Welt vom 9.1.2016

61Hermann Schreiber, a.a.O., S. 288

62Vgl. Wikipedi Le Cid

Otto Zur Nedden und Karl Ruppel (Hrsg.), Reclams Schauspielführer, Stuttgart 1968 (10.Auflage), S. 185 f.

63Claude Cahen (Hrsg,), Weltbild Weltgeschichte Band 14, Der Islam I – Vom Ursprung bis zu den Anfängen des Osmanenreiches, Augsburg 1998, S. 233

64Vgl. Hermann Schreiber, a.a.O., S. 301

66Ebd.


Die Kreuzzüge, lange vorbei und doch aktuell

Amin Maalouf, Der Heilige Krieg der Barbaren. Die Kreuzzüge aus der Sicht der Araber, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2003, 300 Seiten, 12,50 Euro

Hans Wollschläger, Die bewaffneten Wallfahrten gen Jerusalem, Diogenes Verlag, Zürich 1973, 254 Seiten

Hans-Jürgen Kotzur (Hrsg.): Kein Krieg ist heilig – Die Kreuzzüge, Mainz 2004

Steven Runciman, Geschichte der Kreuzzüge, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2003 (4.Auflage),  1338 Seiten, 24,50 Euro

Als Ausgangspunkt des permanenten Kreuzzugsgeistes, der christliche wie islamische Politiker durchdringt, nimmt der Autor Maalouf, ein arabischer Christ aus dem Libanon, die Aussage von George W. Bush nach dem 11. September 2001, wonach ein „Kreuzzug“ gegen den Terrorismus nötig sei. umgekehrt bezeichnen Islamisten Amerikaner und Westeuropäer als „Kreuzritter“, die man mit allen Mitteln bekämpfen müsse. Die „barbarischen Invasoren“ erschreckten die Araber zweihundert Jahre (1096 bis 1291) bis ins Mark. Die erste Schilderung widmet der Autor der Eroberung Jerusalems am 15. Juli 1099, als die Franken nach einer vierundvierzigtägigen Belagerung in die Stadt eindringen. Überlebende Flüchtlinge berichten in Bagdad von den Massakern der Christen, die Zehntausende Moslems hinschlachteten, die Juden in ihrer Synagoge verbrannten und kaum einen entfliehen ließen. 

Wie war es zu diesem ersten Kreuzzug gekommen, der für die Einwohner Jerusalems so tödlich endete? Die christlichen Pilger fühlten sich im heiligen Land nicht mehr sicher. Der byzantinische Kaiser Alexios schilderte 1088 dem Grafen Robert von Flandern eine Reihe von Scheußlichkeiten der Seldschuken, mit denen sich christliche Pilger herumschlagen mussten. Ende 1095 rief Papst Urban II. zum Kreuzzug auf. Wer mitzuziehen bereit war, dem wurde vollständige Sündenvergebung in Aussicht gestellt. Wählerisch war der Papst nicht: “ Mögen denn alle, die früher nur Räuber waren, nun Christi Soldaten werden; möge, wer Söldling sonst war um nur geringen Lohn, jetzt die ew’ge Belohnung gewinnen … Hier werden die Traurigen sein, die Armen, dort aber die Fröhlichen, Reichen; hier Gottes Feinde, dort aber seine Freunde …“ „Gott will es!“ war danach der Schlachtruf des Konzils. Ein leuchtendes Kreuz hefteten sich die Versammelten auf die rechte Schulter. Bald danach erschienen Excitatoria, bebilderte Agitationsschriften für Alphabeten und Analphabeten. Als erstes traf es eine Gruppe der Ungläubigen, die es schon häufig erwischt hatte, die Juden. „Es war dieses Jahr aber ein Jahr der Trübsal für die Kinder Jakobs, und sie wurden zum Raube gegeben in den Landen der Unbeschnittenen und in allen Städten, dahin sie zerstreut waren worden. Und es kam über sie viel Elend und Verwüstung, wie sie geschrieben stehen im Gesetz Moses und nicht können beschrieben werden in einem Buch.“ So fasst die Zustände Ekkehard von Aura in einem Bericht zusammen. Die Kreuzzugsbewegung war insofern erfolgreich, als dass eine regelmäßige bewaffnete Wallfahrt nach Jerusalem vom Ende des 11. Jahrhunderts bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts zum Standardkrieg des Hochmittelalters wurde. Fassen wir die sieben Kreuzzüge kurz zusammen 

Der Erste Kreuzzug (1096 bis 1099)

Ausgehend von den Heilsversprechen Papst Urban II. setzte sich ein riesiges Heer abendländischer Kreuzfahrer in Bewegung, das nach der siegreichen Schlacht gegen die seldschukische Hauptarmee von Dorylaeum 1097 ein Jahr später 1098 die Grafschaft Edessa und das Fürstentum Antiochia als die ersten beiden Kreuzfahrerstaaten errichten konnte. Trauriger Höhepunkt vor der Eroberung Jerusalems sind die Vorgänge in der syrischen Stadt Maara im Dezember 1098. Der Geschichtsschreiber Raoul de Caen berichtet darüber: „In Maara kochten unsere Leute die erwachsenen Heiden in Kesseln, zogen die Kinder auf Spieße und aßen sie geröstet.“ Der Geschichtsschreiber Ussama Ibn Munqidh meint dazu später: „Alle, die nach dem Wesen der Franken geforscht haben, mussten feststellen, dass sie Tiere sind, die uns zwar an Mut und Kampfkraft überlegen sind, aber sonst nicht, eben wie uns die Tiere nur durch ihre Kraft und ihre Angriffslust überlegen sind.“ Nach Darstellung der Anführer der Kreuzfahrer war eine Hungersnot der Grund für den Kannibalismus. Andererseits gab es „fanatische Banden“[1], die lauthals im Gebiet um Maara verkündeten, dass sie Sarazenenfleisch essen. Ein anderer Geschichtsschreiber stellt sogar fest: „Nicht nur, dass die Unseren es nicht verabscheuten, die getöteten Türken und Sarazenen zu essen, sie aßen sogar die Hunde!“[2] Im Juli 1099 können sich die Kreuzfahrer nach einem unermesslichen Blutbad an Juden und Muslims in Jerusalem durchsetzen. Gottfried von Boullion, der Herzog von Niederlothringen, wird zum „Vogt des Heiligen Grabes“ gewählt. Wenig später wird das Königreich Jerusalem gegründet.  

Ein weiterer Erfolg der Kreuzzugsbewegung war 1109 die Gründung der Grafschaft Tripolis. Die Stadt war zweitausend Tage belagert worden war. Die Wiedereroberung von Edessa 1144 durch Zinki, den Herrn von Aleppo, ist nicht die erste große Niederlage der Kreuzfahrer. Schon 1119 müssen die Franken sich bei Sarmada von Ilghazi von Aleppo vernichtend geschlagen geben. Da sich das Abendland dies nicht gefallen ließ, folgte kurz darauf der

Zweite Kreuzzug (1147 bis 1149)

Kurz zuvor hatte Bernhard von Clairvaux 1146 in Speyer eine Kreuzzugspredigt gehalten: „Was tut Ihr, tapfere Männer? Was tut Ihr, Diener des Kreuzes? So wollt Ihr das Heiligtum den Hunden und die Perlen den Säuen geben? Wie viele Sünder haben dort ihre Sünden mit Tränen gebeichtet und Verzeihung erlangt, seit das Schwert der Väter den Heidenunrat hinausgeworfen hat? Der Böse sieht das und schaut scheel darauf; er knirscht mit den Zähnen und erbleicht; er rührt die Gefäße seiner Bosheit und wird gewiss weder Zeichen noch Spur von soviel Frömmigkeit übriglassen, wenn er jemals – was Gott verhüte – stark genug wird, jenes Allerheiligste zu gewinnen. Das wäre dann für alle künftigen Zeiten ein unheilbarer Schmerz und unersetzlicher Schaden; für dies Geschlecht aber, dies ganz unfromme, wäre es unendliche Scham und allewiger Vorwurf.- Weil Euer Land an tapferen Männern fruchtbar ist und kräftig durch die Fülle seiner Jugend – wie denn durch alle Welt Euer Preis geht und der Ruhm Eures Heldentums die ganze Erde erfüllt hat- , so gürtet auch Ihr Euch mannhaft und ergreift die glücklichen Waffen im Eifer für Christi Namen. … Du tapferer Ritter, du Mann des Kriegs, jetzt hast du eine Fehde ohne Gefahr, wo der Sieg Ruhm bringt und der Tod Gewinn. Bist du ein kluger Kaufmann, ein Mann des Erwerbs in dieser Welt –einen großen Markt sage ich Dir an; sieh zu, dass er Dir nicht entgeht. Nimm Kreuzeszeichen, und für Alles, was du reuigen Herzensbeichtest, wirst Du einen Ablass erlangen. Die Ware ist billig, wenn man sie kauft; und wenn man fromm für sie bezahlt, ist sie ohne Zweifel das Reich Gottes wert.“ 

Nicht zum ersten Mal waren die Juden die Leidtragenden von so viel religiöser Inbrunst. Im Sommer 1146 agierte ein fanatischer Zisterzienser Radulf: „Auf, übet die Rache unseres Herrn an seinen Feinden, so unter uns sind; danach dann wollen wir hinabziehen gen Jerusalem!“ In Köln wurde der Rabbiner erschlagen. Geldzahlungen ersparte den Juden hier Schlimmeres. Zu Gräueln kam es in Speyer, Mainz, Worms, Bacharach, Würzburg und Aschaffenburg. Besonders schlimm traf es die Würzburger Gemeinde, die sich nicht rechtzeitig an befestigten Orten in Sicherheit bringen konnte. Am 24. Februar 1147 kulminierte das Geschehen. Die Lüge, dass im Fluss Main der wundertätige Leichnam eines Christen gefunden wurde, heizte die Stimmung an. Kreuzfahrer und örtlicher Pöbel taten sich zusammen, um Pogrome in die Wege zu leiten. Zu Pogromen kam es auch in der Normandie. Führende Persönlichkeiten dieses Kreuzzuges waren der Staufer Konrad III.,  Ludwig VII. von Frankreich und Roger II. von Sizilien. Das Bündnis scheiterte nicht nur an seiner inneren Zerrissenheit, sondern auch wegen der nur gemäßigten Unterstützung durch das Byzantinische Kaiserreich. 

Die Lage der Kreuzfahrerstaaten wurde im 12. Jahrhundert immer schlechter, vor allem als Sultan Saladin das Kreuzfahrerheer 1187 bei Hattin vernichtend geschlagen hatte. Nachdem ihm auch andere Städte und zum Schluss Jerusalem in die Hände fällt (2. Oktober 1187) , erweist er sich als großzügiger Sieger und lässt die Fürsten für Lösegeld abziehen, arme Gefangene können ohne Lösegeld gehen, fränkische Witwen und Waisen wurden sogar beschenkt, bevor sie gehen durften. Der Patriarch schleppte Schätze in erheblichem Umfang fort. Saladin rechtfertigte sein Verhalten mit den Worten:“ Wir müssen die von uns unterzeichneten Verträge wortgetreu einhalten, so wird niemand die Gläubigen beschuldigen können, sie gebrochen zu haben. Ganz im Gegenteil, die Christen werden überall erzählen, mit welchen Wohltaten wir sie überschüttet haben.“[3]  Die Großzügigkeit Saladins ließ ihn nach seinem Tod 1193 als einen „der größten, achtbaren Herrscher der mittelalterlichen Geschichte“[4] erscheinen. Das sich das Abendland noch nicht damit abfinden konnte, dass die Staaten in Outremer auf Dauer nicht zu halten waren, entstand daraus der 

Dritte Kreuzzug (1189 bis 1192)

Hervor tat sich hier besonders Friedrich Barbarossa, dessen Kaiserpfalz in Gelnhausen einen Einblick in staufische Architektur gibt. Er war nicht allein, sondern auch der französische König Philipp II. August und der englische Monarch Richard Löwenherz ließen sich vom Ziel der Rückeroberung der heiligen Stätten zu einem erneuten Abenteuer hinreißen. Aber nicht sah man „zur Rechten wie zur Linken … einen halben Türken heruntersinken“, wie Ludwig Uhland in seinem Gedicht schreibt, sondern Barbarossa versank in Gänze 1190 im Fluss Salef in der Türkei und trug damit dazu bei, dass lediglich die beiden anderen Monarchen ein Jahr darauf Akkon erobern konnten. Ein Tendenz zur beiderseitigen Nutzung Jerusalems konnte Richard Löwenherz 1192 erreichen, als für Christen Jerusalem zu Pilgerbesuchen geöffnet wurde. 

Bedurfte es noch eines Beweises, dass es bei den Kreuzzügen nicht nur um eine Auseinandersetzung zwischen Christentum und Islam ging, dann war es der Vierte Kreuzzug von 1202 bis 1204, als die christlichen Kreuzfahrer das griechische Byzanz eroberten. Es entsteht ein lateinisches Kaiserreich anstelle der griechischen Herrschaft. 

Weiterführen wird die Tendenz, dass Heiligkeit teilbar ist, die Richard Löwenherz 1192 begonnen hatte, der deutsche Staufenkaiser Friedrich II., der 1229 einen zehnjährigen Waffenstillstand mit dem ägyptischen Sultan Al Kamil aushandelte, in dem der friedliche Zugang der heiligen Stätten für die Christenheit zehn Jahre lang garantiert wurde.1229 ließ sich Friedrich II. auch zum König von Jerusalem  krönen. Ein Jahr später konnte er den  päpstlichen Bann lösen. Kurz vor seinem Tode bedachte Friedrich II. das Heilige Land mit 100.000 Goldunzen. Der päpstliche Bann hatte Friedrich 1227 getroffen, als er sein Kreuzzugsgelübde wegen fiebriger Erkrankung nicht einhalten konnte. 

Wie  wird man König von Jerusalem? Friedrich II. beschreibt seine Begegnung mit Isabel von Brienne, durch deren Heirat er 1225 das Königreich gewann. Der König schreibt darüber: „Ich deflorierte Isabella Brienne ohne Lust. Occursius hatte sie nach Art der Chirurgen nur so weit aufgedeckt, wie zur ungehinderten Erledigung dieses Staatsgeschäfts nötig war. Ihm war dabei bewusst gewesen, dass der Anblick des total entblößten Kinderkörpers dieser Dreizehnjährigen bei mir mit Sicherheit eine Erektion verhindern würde.“[5]   

Noch einmal will Friedrich II. 1244 für mehrere Jahre ins Heilige Land ziehen, als Jerusalem den Kreuzfahrern wieder entrissen wird. Danach wird zum zweiten Mal der Bann vom Papst Innozenz IV. aufgehoben. Wer sich für das Leben dieses Renaissance-Menschen und Tierliebhabers, der seiner Zeit voraus war, interessiert, dem sei das zitierte werk von Horst Stern empfohlen. 

Vorausgegangen waren den Taten Friedrichs II. die Ereignisse von 1217 bis 1221, die gemeinhin als der Fünfte Kreuzzug gelten. Belagert von den Kreuzfahrern wurde zunächst der ägyptische Seehafen Damiette. 1221 werden die Kreuzfahrer bei Mansura geschlagen und Damiette muß aufgegeben werden. 

Immer hoffnungslose Versuche unternimmt noch der französische König Ludwig IX. 1248 bis 1254 im Sechsten Kreuzzug. Schon wieder werden die Kreuzfahrer bei Mansura 1250 in Ägypten geschlagen. Sein letztes Unternehmen endet 1270 als Siebter Kreuzzug mit seinem Tod.  

Werfen wir noch einige Blicke auf die Kreuzzüge, die außerhalb der „regulären Kreuzzüge“ liefen.

Im Jahre 1147 gab es einen Kreuzzug gegen die heidnischen Wenden, Slawen, die östlich der Elbe lebten und vollständig unterworfen werden sollten. Er endete mit Scheintaufen und Tributzahlungen. Einen dauerhaften Erfolg hatte das Unternehmen nicht.  

Die Bewegung der Katharer verbreitete sich in der Mitte des 12. Jahrhunderts in Südfrankreich. Ihre Agitation richtete sich gegen die Kirche, die sie eine Hure bezeichneten. Sie nannten sich „gute Menschen“ oder „bonshommes“. Später wurden sie als Reine oder „Katharer“ bezeichnet. Vom Standpunkt ihrer Gegner aus stellte sich ihre Lehre so dar: „Sie alle, Glieder des Antichrists, Erstgeborene des Satans, schlechte Saat, Verbrecher, heuchlerische Lügner, Verführer schlichter Herzen, hatten mit dem Gift ihrer Perdfidie fast die ganze Provinz Narbonne verseucht. Sie sagten, die römische Kirche gleiche einer Räuberhöhle und jener berüchtigten Hure, von welcher in der Offenbarung die Rede ist. Die Sakramente der Kirche hielten sie für nichtig und lehrten in der Öffentlichkeit, das Wasser der Taufe würde sich keineswegs vom fließenden Wasser unterscheiden und die Eucharistie keineswegs vom Brot für den profanen Gebrauch.“[6] Die Katharer wurden in den sogenannten Albigenserkriegen (1209 bis 1229) niedergeworfen. Die Bewegung wurde ausgerottet. 1233 nahm dann die Inquisition ihre Tätigkeit auf. 

1212 begann der sogenannte Kinderkreuzzug. In der Kölner Königschronik

steht dazu: „In diesem Jahr bezeichneten sich aus ganz Frankreich und Deutschland Knaben verschiedenen Alters und Standes mit dem Kreuz und Erklärten, es sei ihnen von Gott aufgetragen zur Unterstützung des heiligen Landes nach Jerusalem zu ziehen. Auch einige schlechte Menschen mischten sich unter sie, und was jene mit sich genommen hatten und was sie tatsächlich von den Gläubigen empfingen, unterschlugen diese heimlich und in nichtswürdiger Weise und machten sich mit dem gesammelten Geld heimlich davon. Einer von diesen wurde in Köln ergriffen und seines Lebens durch den Strang beraubt. Von jenen aber gingen viele in Wäldern und Einöden durch Hitze, Hunger und Durst zu Grunde. Andere wurden sobald sie die Alpen überschritten hatten  und Italien betraten von den Lombarden beraubt und zurückgejagt und kehrten mit Schande heim.“[7] Bei diesem Kinderkreuzzug ist die Quellenlage äußerst kritisch, Mythen mischen sich mit Fakten. Die zweite Fortsetzung der Kölner Chronik meint dazu abschließend: „So zogen sie eine Strecke Wegs vorwärts, einige kehrten in Mainz, andere in Piacenza, andere in Rom um, andere kamen nach Marseille. Ob diese übergesetzt sind oder nicht, und was ihr Ende gewesen sei, das hält man für ungewiß. Es steht nur fest, dass von vielen Tausenden, die ausgezogen waren, nur wenige heimgekehrt sind.“[8] 

1291 erobern die Mamelucken Akkon, Sidon und Beirut. Mit der von den Templern gehaltenen Insel Ruad fällt 1302 der letzte Stützpunkt der Christen. 

Die Politik der italienischen Seerepubliken 

Am Anfang dieser Schilderungen wurde von der religiösen Ergriffenheit der Christen in Clermont berichtet. Es soll allerdings auch ein Blick auf die materiellen Interessen gerichtet werden, die mit den Kreuzzügen verbunden waren. Die italienischen Seerepubliken Venedig, Pisa und Genua spielten von Anfang an in der Kreuzzugsbewegung eine besondere Rolle. Für Kreuzfahrer, die den Landweg scheuten, boten die Schiffe der Venezianer, Genuesen und Pisaner die einzige Möglichkeit das Mittelmeer zu überqueren. In Byzanz und Ägypten besaßen die Republiken wirtschaftliche Interessen. Venedig besaß seit 1082 im byzantinischen Reich das Handelsmonopol. Die beiden anderen Republiken waren vor allem in Nordafrika aktiv. Für die Interessenlage der Seerepubliken galt, dass die Gründung von Kreuzfahrerstaaten unter christlicher Herrschaft ihnen neue Abatzmärkte für ihre Waren bringen würde. In den muslimischen Reichen waren die Kaufleute dieser Republiken nämlich Fremde, deren persönliche Sicherheit und Freiheit nicht ausreichend gewährleistet werden konnte. Ein Konkurrent der Republiken war zudem das Normannenreich in Unteritalien, das sich auf eine starke Seemacht stützte. Ein Konkurrent Venedigs war bis 1073 Amalfi, das in diesem Jahr von den Normannen erobert wurde.[9] Die Genuesen beteiligten sich am ersten Kreuzzug nicht nur durch die Versorgung der Kreuzfahrer mit Lebensmitteln, sondern beteiligten sich auch mit Kriegsgerät an der Belagerung und Eroberung der Städte Antiochia (1098) und Jerusalem (1099). Pisa rüstete frühzeitig eine Flotte mit 120 Schiffen aus, die 1099 in das Kampfgeschehen eingriff. Ohne ihre Hilfe wären die Kreuzfahrerstützpunkte in Palästina wehrlos den Angriffen der fatimidischen Flotte ausgesetzt gewesen. Sie blockierten ein Jahr später eine Reihe von Küstenstädten, die von den Muslimen gehalten wurden – Arsuf, Askalon, Caesarea und Akkon. Durch die Tributpflicht dieser Städte konnte die Herrschaft der Kreuzfahrer zunächst gesichert werden. 

Spätestens 1097 beteiligte sich auch Venedig am ersten Kreuzzug mit einer großen Flotte. Interessiert war Venedig an der Erhaltung seiner Vormachtstellung im byzantinischen Reich. Auch an denn Küsten Palästinas und Syriens sollten Genua und Pisa nicht allein agieren. Venedig rüstete rund 200 Schiffe aus, die von Rhodos aus 1100 eine pisanische Flotte besiegen mussten, ehe sie Palästina erreichten. Ab Juni 1100 unterstützten sie die Kreuzfahrer bei der Eroberung von Küstengebieten. Die Einnahme Haifas im August 1100 geschah mit ihrer Unterstützung. 

Wenden wir uns Venedig wieder zu, als es seinen militärischen Triumph im vierten Kreuzzug verzeichnete. Ursprünglich wollte die Seestadt gegen Syrien und Ägypten vorgehen, letztendlich wurde aber das byzantinische Kaiserreich das Ziel der Begierde. Nach der Einnahme von Byzanz konnte Venedig seine Konkurrenten für lange Zeit aus der Romania vertreiben. Erst im 17. Jahrhundert konnten die Osmanen die Venezianer in dieser Region als Führungsmacht ablösen. Auch die Seestädte betrachteten die Kreuzzüge im ausgehenden 13. Jahrhundert als gescheitert. Durch die vielen Niederlagen der Kreuzfahrer versprachen sie keinen sicheren Gewinn mehr. Eine letzte Seeschlacht lieferten sich Pisa und Genua 1284 bei Meliora; die Pisaner verloren ihre gesamte Flotte.  

Christen gegen Christen

Ein heiliger Krieg gegen Glaubensfeinde, so stellte sich ein Kreuzzug idealtypisch dar, de facto waren die Fronten häufig nicht entlang der Glaubensgemeinschaften zu ziehen, sondern durchfurchten die Christen untereinander. Beispielhaft ist hier der vierte Kreuzzug zur Niederzwingung des Byzantinischen Reiches. 1204 schlossen Kreuzfahrer und Venezianer einen Vertrag, wie die Beute nach der Eroberung der Stadt verteilt werden sollte. Für die Rechte Venedigs war es ausschlaggebend, dass die Privilegien dieser Stadt in Byzanz erhalten blieben. Der zukünftig lateinische Kaiser sollte ein Viertel des Territoriums, Kreuzfahrer und Venezianer je drei Achtel erhalten. Die Beute sollte zwischen Venezianern und Kreuzfahrern im Verhältnis drei zu eins geteilt werden, wobei bei diesem Schlüssel die Schulden der Kreuzfahrer bei den Venezianern ins Gewicht fielen. Letztere waren die Gewinner, drei Achtel des Territoriums fielen ihnen zu, ein zu wählender Kaiser war von ihrem Willen abhängig. 

Die Einnahme der Stadt Byzanz am 13. April 2004 ging in die Geschichte als eine der großen Plünderungsorgien ein. Verbunden damit waren Raub, Totschlag und Vergewaltigung in einem Ausmaß, die die orthodoxe Welt Jahrhunderte lang tief abstieß. Geraubte Kunstschätze schmückten in großer Zahl die Kirchen des Abendlandes. Byzanz war nach diesem Vandalismus als Kunststadt weit zurückgeworfen. Als neuen lateinischen Kaiser konnten die Venezianer Balduin von Flandern durchsetzen. 1261 konnten die Griechen Niceas Byzanz zurückerobern, nachdem das lateinische Kaiserreich schon 1205 dem Ansturm der Bulgaren nicht gewachsen war. Wirtschaftliche Interessen Venedigs und die Abneigung des Abendlands gegen die als Ketzer eingestuften Griechen bewirkten diesen Sonderweg eines Kreuzzuges. 

Gesellschaftliches Leben in den Kreuzfahrerstaaten  

Eine sehr umfangreiche Einwanderung abendländischer Einwanderer hat offensichtlich nicht stattgefunden. Schätzungsweise bevölkerten zu keiner Zeit auch nur tausend Barone und Ritter das Königreich Jerusalem. Dazu kamen noch einmal eine ähnliche Anzahl von nichtkämpfenden Verwandten. Die Oberschicht umfasste also zweitausend bis dreitausend Personen, wenn man die Angehörigen der Geistlichkeit und die Ritter der Militärorden mitzählt. Etwa eine ähnliche Anzahl von Personen des Ritterstandes hielt sich in den anderen Kreuzfahrerstaaten Antiochia, Edessa und Tripolis auf. 

Sergeanten gab es als dienstpflichtige Freisassen mehr. Sie stammten aus Franken und waren bewaffnete Fußsoldaten. Angesiedelt wurden sie auf den Lehnsgütern ihrer Grundherren. Ehen mit einheimischen Christen waren nicht selten. In der Mitte des 12. Jahrhunderts bildete sich eine Klasse vom Poulains, als man sich mit der einheimischen christlichen Bevölkerung vermischte. Um das Jahr 1180 schätzte man die Zahl der Sergeanten auf etwa 5.000. Turkopolen nannte man Personen, die im Land ausgehoben wurden. Ausgebildet wurden sie wie leichte Reiterei in Byzanz. Sie bestanden aus einheimischen Christen, zum Christentum Bekehrten und Mischlingen.  

Da die Ansiedler fast ausschließlich französischer Abkunft waren, sprach man in Jerusalem und Antiochia nordfranzösisch, in Tripolis südfranzösisch. Die Deutschen spielten keine bedeutende Rolle. In den Städten gab es beachtliche italienische Niederlassungen. Auch Marseille hielt in einigen Städten Niederlassungen, Barcelona pflegte eine in Tyros. Einheimische Christen nannte man die Mehrheit der Bevölkerung. Im Königreich Jerusalem waren sie orthodox, sprachen aber überwiegend arabisch. In Tripolis gehörten einige Christen der Sekte der Maroniten an.  

Die Einheimischen konnten dann ihr Land behalten, wenn sie ein Besitzrecht auf Grund und Boden nachweisen konnten. Auf Ländereien, die von mohammedanischen Eigentümern nach der Eroberung verlassen worden waren, setzten die neuen Herren ihre Vasallen ein. Freie Dörfer wie in einst im byzantinischen Reich gab es nicht mehr. Die Dorfgemeinden waren an die Scholle gebunden. Sie musste dem Grundherren einen Teil ihrer Erzeugnisse abliefern. Mit dem Ertrag ernährte der Grundherr seine Hofhaltung, seine Poullains und Turkopolen, die nahe seiner Burg angesiedelt waren. Der einheimische Bauer konnte kein Soldat werden. Der Grundherr bewirtschaftete Obstgärten, Weinberge und Zuckerrohrplantagen selbst. Die Sklavenarbeit beschränkte sich auf die Hofhaltung des Grundherren. Mohammedanische Gefangene mussten vorübergehend auf den Gütern des Königs und der Grundherren schuften. Der rais oder regulus besorgte die Geschäfte der Dorfbewohner mit dem Grundherren. Ein bücherführender Sekretär des Grundherren wurde als Dragoman bezeichnet.[10] 

Das Kronland bestand im Königreich Jerusalem aus den Städten Jerusalem, Akkon und Nablus, zu dem später die Grenzstadt Daron hinzukam. Vor allem die Königin Melisende trug mit der Vergabe von Grund und Boden an die Kirche, Freunde und Orden dazu bei, dass das Kronland schrumpfte. Auch schmälerten verwitwete Königinnen durch Leibgedinge den Besitz des Königs. Verschieden groß waren die Lehen. Während die weltlichen Lehen festgefügte und zusammenhängende Gebietsstücke bildeten, lagen die Liegenschaften der Kirche und der Orden über die fränkischen Gebiete verstreut. Überwiegend waren Güter mit einem Dorf territorial identisch, in seltenen Fällen mit der Hälfte oder einem Drittel eines Dorfes. Dörfer zählten manchmal nur vierzig männliche Einwohner, konnten aber auch größer sein. Bei manchen weltlichen Herren war auch das Geldlehen üblich, das heißt es wurden ihnen aus gewissen Städten und Dörfern feste Geldeinkünfte gewährt. Dafür mussten sie eine entsprechende Anzahl von Soldaten stellen. Diese Geldlehen waren erblich, der König konnte sie nicht aufheben. Die Kronstädte und die Kirche mussten dem König Soldaten stellen. Die Bürgerschaft war zu Geldsteuern verpflichtet. “Es wurden regelmäßige Steuern auf Häfen und Warenausfuhr, Kauf und Verkauf, Ankerplätze, Pilger und die Verwendung von Maßen und Gewichten erhoben. Außerdem gab es das sogenannte terraticum, eine Steuer auf bürgerliches Besitztum und Vermögen, über die kaum etwas bekannt ist. Endlich waren von Zeit zu Zeit besondere Abgaben zu entrichten, um die Kosten dieses oder jenes Feldzuges zu bestreiten. Im Jahr 1166 hatten die Nichtkämpfenden zehn Prozent vom Wert all ihrer beweglichen Habe zu zahlen; und im Jahre 1183 wurde der gesamten Bevölkerung eine Kapitalabgabe von einem Prozent auf allen Besitz und alle Schulden auferlegt sowie zwei Prozent auf alle Einkommen aus Kirchenstiftungen und dem Grundbesitz der Barone. Außer den Naturalien, welche die Dörfer zu liefern hatten, schuldete jeder Bauer seinem Grundherrn noch eine Kopfsteuer; und mohammedanische Untertanen hatten noch einen Zehnten oder dime zu entrichten, welcher der Kirche zufloß … Aber selbst bei Einrechnung des dime fanden die Mohammedaner die allgemeine Besteuerung unter den Franken niedriger als unter den benachbarten islamischen Herren.Auch waren die Mohammedaner nicht von niederen Verwaltungsposten ausgeschlossen. Sie konnten ebenso wie die Christen als Zöllner und Steuereinnehmer Beschäftigung finden.“[11] 

Der Krieg – Männersache? 

Im Mittelalter galt Krieg als Männersache – eine Rolle, die mittlerweilen nicht mehr aktuell ist, erobern doch Frauen zunehmend die Bundeswehr. Kirchengelehrte lehnten Frauen als Kreuzzugsteilnehmer deshalb ab, weil die vermutete Geilheit der Männer ihre kriegerischen Leistungen schmälerte. Argumentiert wurde so während des dritten Kreuzzuges und des vierten. Ein päpstlicher Legat verfügte damals, dass die dem Heer nachgezogenen Frauen in Venedig zurück bleiben sollten. Gut fünfzig Jahre später wurden die Prälaten Frieslands ermahnt, Kreuzfahrerinnen den Weg nach Jerusalem zu versperren. Der Bischof von Bethlehem meinte damals, dass die Anwesenheit von Frauen im Heer zu ungezügeltem Geschlechtsverkehr führen würde und dadurch zu einer Schwächung der Kampfbereitschaft.

Für die Kirche bestand die Funktion der Frauen vor allem darin, durch Gebete zum Gelingen der Kreuzzüge beizutragen. Papst Innozenz IV. gewährte den Frauen zuhause ebenso wie den Männern im Heiligen Land Ablaß. Die Frau sollte entsagen, wenn der Mann in den Krieg zog. Ein von der Kirche gerühmtes Beispiel ist hier die heilige Elisabeth von Thüringen, deren Mann, Landgraf Ludwig IV. von Thüringen in den Krieg zog, während sie entsagte. Dargestellt ist das in einem Fenster der Marburger Elisabethenkirche. Auch der Geschichtsschreiber Ekkehard von Aura sah Teufelswerk bei der Teilnahme mancher Frauen: „Er (Satan) zögerte nicht, unter die gute Saat Unkraut zu säen, falsche Propheten zu erwecken und unter die Heere des Herrn falsche Propheten und ehrlose Weiber zu mischen, unter dem Schein der Frömmigkeit.“ Die Anwesenheit von Prostituierten war etwas durchaus Übliches, am Ende der Reise war auch für diesen Personenkreis der Erlaß der Sünden vorgesehen. Richard Löwenherz war vergeblich darum bemüht, Prostituierte von seinem Heer fernzuhalten. Italienische Adelige gaben ihren Söhnen sogar Prostituierte mit auf den Weg, damit diese nicht mit einheimischen Frauen verkehren mussten. 

Zum Thema Vergewaltigung bei Kreuzzügen  meint ein Historiker: „Wie viele behütete Frauen wurden entehrt, Herrschende beherrscht, junge Mädchen geheiratet, wieviel Keusche mussten sich hingeben, wie viel Verborgene verloren ihre Scham, wieviel Ernste wurden verhöhnt, wie viel Freie genommen, wie viel Begehrliche erschöpft. Wieviel Anmutige wurden verführt, wieviel Jungfrauen entjungfert, Anmaßende geschändet, Rotlippige ausgesaugt, Braune hingestreckt, und Unbezähmbare gezähmt. Glühende entflammten sich an ihnen, Ledige befriedigten sich, Erregte verbrauchten ihre Glut.“ Als Vergewaltiger traten sowohl Christen als auch Muslime auf. Beteiligung am Kampf von Frauen sind vom dritten Kreuzzug dokumentiert, aber auch vorher und nachher. Eine Bogenschützin wurde 1190 beschrieben bei der Belagerung von Akkon. Ein arabischer Chronist meint dazu, dass Frauen  getötet wurden, die „nicht als Frauen erkennbar waren, bis man sie ihrer Rüstung entkleidet hatte.“ 

Das Ordensrittertum

Werfen wir zum Schluß einen Blick auf  das Ordensrittertum, das sich in der Zeit der Kreuzzüge herausbildete. Ritter legten sich für ihre Gemeinschaften eine mönchische Lebensform zu. Durch ein Gelübde verpflichteten sie such zu den mönchischen Tugenden Armut, Keuschheit und Gehorsam. 

Die Templer, die auch „rote Mönche“ genannt wurden, trugen einen weißen Mantel mit Rotem Kreuz. Gründer war 1120 der französische Ritter Hugo von Payens.  Ihr Name ist dadurch entstanden, dass sie in Jerusalem auf dem Boden das Salomonischen Tempels ein Gebäude bezogen. Ursprünglich nannten sie sich „arme Ritter Christi.“ Zweck des Ordens war der Schutz der Pilger. Ein bedeutendes Mitglied wurde der König von Portugal, der den Orden mit reichen Gütern ausstattete. Durch beachtliche Geldmittel aus dem Adel Frankreichs unterstützt, bildete der Großmeister 1129 mit 300 Rittern das erste stehende Heer des Mittelalters.[12]  Zum Protektor des Ordens wurde Bernhard von Clairvaux, der eine Werbeschrift für den Orden verfasste: „An erster Stelle stehen Disziplin und uneingeschränkter Gehorsam. Jeder kommt und geht, wie es der Vorgesetzte befiehlt. Jeder trägt die ihm zugeteilte Kleidung, keiner besorgt sich Nahrung und Kleidung nach seinem Gutdünken. Hinsichtlich Ernährung und Gewandung gibt man sich mit dem Notwendigsten zufrieden und meidet alles Überflüssige. Die Templer leben maßvoll und fröhlich in einer Gemeinschaft, ohne Frauen und Kinder. Um der apostolischen Lebensweise möglichst nahe zu kommen, leben sie alle unter gleichen Bedingungen im gleichen Haus, auch nennen sie nichts ihr eigen, um einer einheitlichen Gesinnung und eines friedlichen Zusammenlebens willen. Ungebührliche Reden, nutzlose Beschäftigung, lautes Gelächter, heimliches Tuscheln und selbst unterdrücktes Kichern sind unbekannt. Sie verabscheuen Schach und Würfelspiel; sie hassen die Jagd, ja, sie erfreuen sich nicht einmal am Flug des Falken. Sie verachten Komödianten, Taschenspieler, Schwätzer und zweideutige Lieder sowie Vorstellungen von Possenreißern, denn sie Erachten das alles als sinnlose, nichtige Torheiten. Sie tragen das Haar kurz geschnitten, weil es ihrer Ansicht nach beschämend  für einen Mann ist, langes Haar zu haben. Niemals übertrieben gekeidet, baden sie selten;  sie sind schmutzig und behaart, und ihre Haut erscheint gebräunt vom Tragen des Kettenhemds und von der Sonne.“ 

Die Johanniter wirkten in erster Linie karitativ. Eine Bruderschaft pflegte in Jerusalem in einem Hospital kranke Bürger. Ihr Schutzpatron war Johannes der Täufer. Im Laufe der Jahre kam als zusätzliche Tätigkeit ein Ritterdienst gegen die Ungläubigen hinzu. Eine Ordensregel nahmen sie 1160 an. Sie trugen einen schwarzen Mantel mit einem weißen Kreuz. Nach dem Vordringen des Islam kamen sie über Zypern nach Rhodos. Ihr zweiter Großmeister Raimund de Podio (1125 bis 1158) wandelte sie in einen geistlichen Ritterorden um, der sich 1183 auch in Prag niederließ. 1325 entstand ein selbständiges Ordenspriorat in Böhmen. 1530 wurde der Orden von Kaiser Karl V. mit Malta, Tripolis und Gozo belehnt. Seine Tätigkeit auf Malta konnte der Orden bis 1798 fortsetzen. In der Bundesrepublik wirkt er unter anderem in der Johanniter-Unfallhilfe. National ist er sonst in Assoziationen gegliedert. 

Der Deutsche Orden wurde 1128 von einem Unbekannten in Jerusalem gestiftet. Das Ordensgewand der „Brüder des Hospitals Unserer Lieben Frau der Deutschen zu Jerusalem“ bestand aus einem weißen Mantel mit einem schwarzen Kreuz. Friedrich von Schwaben, der Sohn Barbarossas, vermachte dem Orden einen Großteil seines Vermögens. Auch dieser Orden hatte zum Ziel, das Heilige Land zu beschützen, Hilfe für Witwen und Waisen zu leisten, Kranke und Leidende zu pflegen. Der Stammsitz des Ordens war in Akkon, sein erster Hochmeister, Walpot von Besenheim, kämpfte nach dem Dritten Kreuzzug gegen die Sarazenen. Auch dieser Orden ist noch aktiv: „Daß er im Zwanzigsten Jahrhundert und ausgerechnet nach dem alles in Frage stellenden Zweiten Weltkrieg einen entscheidenden neuen Impuls erhielt und insbesondere in seinem Ursprungsland Deutschland nach nahezu hundertfünfzigjähriger Verbannung wieder aufblühte, hat die Skeptiker und jenen großen Teil der Öffentlichkeit, für den der Deutsche Orden nur noch sagenumwoben oder auch berüchtigten Erinnerungswert aus dem Geschichtsunterricht hatte, überrascht, wenn nicht gar verblüfft.“[13]  

Relativ frühzeitig legte der Deutsche Orden seinen Schwerpunkt auf die Tätigkeit in Europa. Zu Anfang des 13. Jahrhunderts ließ er sich in Siebenbürgen nieder, wo Kronstadt gegründet wurde. 1226 erhielt der Orden das Kulmerland, um die heidnischen Preußen zu germanisieren. Bis 1283 wurde das gesamte Preußenland unterworfen. 1309 wurde Marienburg zum Sitz des Großmeisters. Den Höhepunkt seiner Herrschaft erlebte der Orden unter Großmeister Winrich von Kniprode (1351 bis 1382). 1410 unterlag der Orden der litauisch-polnischen Koalition in der Schlacht von Tannenberg. 

Waren die Kreuzzüge eine Reaktion auf den islamischen Djihad seit 711?

Nach Einschätzung des renommierten Historikers Eberhard Mayer unterscheidet sich das christliche Verständnis des „Heiligen Krieges“ vom islamischen Djihad dadurch, dass Christen beanspruchen, einen „gerechten Verteidigungskrieg“ gegen die Heiden zu führen, während Muslime offensiv vorgehen.[14] Gleichzeitig weist er nach, wie blutrünstig die Kreuzfahrer vorgingen. Runciman beschreibt die Kluft, die die Kreuzzüge auch zwischen Ost- und Westchristen hervorbrachte, ihre Spaltung war endgültig.[15] 

Schließen wir den Kreis der Aktualitätsbezüge mit zwei Beispielen aus der jüngsten Vergangenheit. Viele Muslime ordneten den Golfkrieg 1991 als Kreuzzug ein, orthodoxe Ost-Christen nahmen den NATO-Krieg im Kosovo gegen Serbien von 1999 als Kreuzzug der Westkirche wahr.[16]  

Abschließend das vollständige Gedicht von Ludwig Uhland:

Ludwig Uhland

Als Kaiser Rotbart lobesam

Als Kaiser Rotbart lobesam
Zum heil’gen Land gezogen kam,
Da mußt er mit dem frommen Heer
Durch ein Gebirge wüst und leer.
Daselbst erhub sich große Not,
Viel Steine gab’s und wenig Brot,
Und mancher deutsche Reitersmann
Hat dort den Trunk sich abgetan;
Den Pferden war’s so schwer im Magen,
Fast mußte der Reiter die Mähre tragen.

2. Nun war ein Herr aus Schwabenland,
Von hohem Wuchs und starker Hand,
Des Rößlein war so krank und schwach,
er zog es nur am Zaume nach;
Er hätt‘ es nimmer aufgegeben,
Und kostet’s ihn das eigne Leben.
So blieb er bald ein gutes Stück
Hinter dem Heereszug zurück;
Da sprengten plötzlich in die Quer
Fünfzig türkische Ritter daher.

3. Die huben an auf ihn zu schießen,
Nach ihm zu werfen mit den Spießen.
Der wackre Schwabe forcht sich nit,
Ging seines Weges Schritt vor Schritt,
Ließ sich den Schild mit Pfeilen spicken
Und tät nur spöttisch um sich blicken,
Bis einer,dem die Zeit zu lang,
Auf ihn den krummen Säbel schwang.

4. Da wallt dem Deutschen auch sein Blut,
Er trifft des Türken Pferd so gut,
Er haut ihm ab mit einem Streich
Die beiden Vorderfüß‘ zugleich.
Als er das Tier zu Fall gebracht,
Da faßt er erst sein Schwert mit Macht,
Er schwingt es auf des Reiters Kopf,
Haut durch bis auf den Sattelknopf,
Haut auch den Sattel noch zu Stücken
Und tief noch in des Pferdes Rücken;
Zur Rechten sieht man wie zur Linken,
Einen halben Türken heruntersinken.

5. Da packt die andern kalter Graus;
Sie fliehen in alle Welt hinaus,
Und jedem ist’s, als würd‘ ihm mitten
durch Kopf und Leib hindurchgeschnitten.
Drauf kam des Wegs ’ne Christenschar,
Die auch zurückgeblieben war;
Die sahen nun mit gutem Bedacht,
Was Arbeit unser Held gemacht.

6. Von denen hat’s der Kaiser vernommen.
Der ließ den Schwaben vor sich kommen;
Er sprach: „Sag an, mein Ritter wert!
Wer hat dich solche Streich‘ gelehrt?“
Der Held bedacht sich nicht zu lang:
„Die Streiche sind bei uns im Schwang;
Sie sind bekannt im ganzen Reiche,
Man nennt sie halt nur Schwabenstreiche.“

[1] Maalouf, S. 54

[2] Maalouf, S. 55

[3] Maalouf, S. 216

[4] Wollschläger, S. 113

[5] Horst Stern, Mann aus Apulien,  München 1986, S.  35

[6] Peter Milger, Die Kreuzzüge – Krieg im Namen Gottes, München 1988 (Bertelsmann Verlag), S. 264

[7] ebd., S. 304

[8] ebd., S. 305

[9] Vgl. Marie-Luise Favreau-Lilie, Die italienischen Seestädte und die Kreuzzüge, in: Hans-Jürgen Kotzur (Hrsg.), Kein Krieg ist heilig – Die Kreuzzüge, Mainz 2004, S. 193 ff.

[10] Vgl. Steven Runciman, Geschichte der Kreuzzüge, München 2003 (4.Auflage). S. 595 ff.

[11]  ebd., S. 601

[12] vgl.: Nicolaus Heutger, Die Ritterorden im Heiligen Land: Die Hospitäler und Ordensgemeinschaften, in:

Hans-Jürgen Kotzur (Hrsg.), Die Kreuzzüge – Kein Krieg ist heilig,  Mainz 2004, S. 137 ff.

[13]  J.F.G. Grosser/ Johannes Sobotta, Geistiges Rittertum – Islamische und christliche Tugenden, Berlin

1982, S. 27

[14]  vgl.  Bassam Tibi, Kreuzzug und Djihad – Der Islam und die christliche Welt,  München 2001

[15]  Runciman, a.a.O., S. 908

[16]  vgl. Bassam Tibi, a.a.O., S. 117


Bevor die Zusammenstöße beschrieben werden, soll hier kurz die Ausbreitung des Islam nach dem Tod Mohammeds berichtet werden.

Bereits 629 war ein arabisch-islamisches Heer in Palästina eingefallen, jedoch von oströmischen und christlich-arabischen Verbänden geschlagen worden. Im Herbst 633 rückte nun wieder eine starke Armee nach Palästina und Syrien vor. Sie konnte kleinere oströmische Verbände schlagen, kam aber insgesamt nur schwer voran. Tatsächlich leisteten die oströmischen Truppen zum Teil erbitterten Widerstand. So forderte der Kalif Abu Bakr beim Kommandeur der Truppen im Südirak, Al – Walid, dringend Verstärkung an:

Beeilt euch! Beeilt euch! Denn bei Gott, die Eroberung eines Dorfes in Syrienkommt mich teurer zu stehen als eine ganze Provinz im Irak.“

Mit Hilfe der angeforderten Verstärkung wurde der oströmische Widerstand nun gebrochen. Kaiser Herakleios, der nicht mit einem Angriff von solcher Wucht aus der Wüste gerechnet hatte, sandte entschlossen stärkere Truppen nach Syrien, die jedoch Mitte 634 südwestlich von Jerusalem geschlagen wurden.

Die Araber eroberten Damaskus 635, dessen Bevölkerung jedoch geschont wurde. Die Stadt hatte sich ergeben. Der Kapitulationsvertrag der Stadt sollte Modellcharakter erhalten, wonach die Bevölkerung die Kopfsteuer zu entrichten hatte, aber ansonsten weitgehend ungestört blieb.

Am 20. August 636 fand die Schlacht am Jarmuk im heutigen Jordanien statt. Die oströmischen Truppen waren zwar in der Überzahl, jedoch auch erschöpft vom Marsch und taktisch unterlegen. Die Überlegenheit der arabischen schnellen leichten Reiterei, die Streitigkeiten im kaiserlichen Oberkommando und topografische Nachteile bewirkten, dass die Oströmer vernichtend geschlagen wurden, womit das bislang christlich bestimmte Schicksal Syriens und Palästinas besiegelt war. Herakleios, der nur Jahre vorher mit Mühe die Perser abgewehrt hatte, sah sein Lebenswerk zusammenbrechen und verließ Antiochia, bevor auch diese Stadt an die Araber fiel.

638 kapitulierte das isolierte Jerusalem zu günstigen Bedingungen, das Heilige Grab fiel in die Hände der Araber. Cäsarea in Palästina fiel 640 in arabische Hände – es war die letzte byzantinische Bastion Den Arabern stand nun keine Feldarmee mehr im Weg, so dass sie nach Ägypten vorstießen, wo sie im Juli 640 die Oströmer in der Nähe der heutigen ägyptischen Hauptstadt Kairo schlugen. Alexandria fiel endgültig im Jahre 642 in ihre Hände. Nachdem der organisierte militärische Widerstand der kaiserlichen Truppen gebrochen war, arrangierte sich der größte Teil der Zivilbevölkerung in Syrien und Ägypten mit den Arabern – dies umso eher, als die dortigen Christen zumeist Monophysiten waren und sich im Dauerstreit mit den orthodoxen Kaisern befunden hatten. Im Norden überrannten die Araber Armenien bis in die Mitte des 7.Jahrhunderts, während in Kleinasien die Gebirgskette des Taurus ein schnelles Vordringen verhinderte. Die Oströmer wichen einer erneuten Feldschlacht aus, so dass Kleinasien letztlich gehalten werden konnte.

In Nordafrika kämpften sich die Araber bis nach Marokko vor. Das oströmische Karthago vermochte sich jedoch bis 697/698 zu halten, denn auch die Berber bekämpften die Araber, wie sie zuvor die Römer bekämpft hatten. Doch für Byzanz blieb entscheidend, dass das Imperium mit den vorderorientalischen Besitzungen zwei Drittel seines Territoriums und gut die Hälfte der Bevölkerung verloren hatte.

Byzanz brauchte Jahrhunderte, um sich von diesem Schock zu erholen und wieder in die Offensive zu gehen. Doch blieb der Verlust nordafrikanischer Territorien wie auch von großen Teilen Syriens und Palästinas endgültig; er besiegelte das Ende der spätantiken Phase des Reiches, das in der Folge administrativ, militärisch und strukturell einen massiven Wandel durchlief.

Islamisch christliche Zusammenstöße des Mittelalters und der frühen Neuzeit

711 kommt es zum ersten Aufeinandertreffen des militärisch expandierenden Islam mit einem christlichen Staat. Ein islamischer Historiker schreibt zur Vorgeschichte: „Der Feldherr Tarik Ibn Zejjad kämpfte im Gebiet von Tanger. Da traf er in der Stadt Ceuta auf einen Mann, dessen Name war Julian. Er war dem Goten Roderich, dem Herrn von El Andalus, untertan. Julian hatte eine seiner Töchter an den Hof des Roderich geschickt. Roderich aber hatte das Mädchen schwanger gemacht. Aus Zorn über diese Schandtat hatte Julian geschworen, er werde die Araber nach El Andalus holen.“ Tarik stimmte mit dem Kalifen überein, dass das Hilfegesuch ausgenutzt werden sollte, um in El Andalus Fuß zu fassen. Julian war ein Lehensmann des verdrängten Königs Witiza, den Roderich verdrängt hatte. Die gotische Oberschicht war also zerstritten, was den eroberungswilligen Muslimen zugute kam. Tarik sprach vor der Invasion folgende Worte:“ Der Prophet Mohammed, Allah gebe ihm Frieden, ist mir erschienen. Er war umgeben von vielen Helden aus Mekka und Medina. Alle waren bewaffnet mit Schwertern, Lanzen und Bogen. Mohammed hat mir zugerufen: Schreite Vorwärts, Tarik! Führe aus, was du dir vorgenommen hast. Dann sah ich, wie der Prophet am Himmel entlang zog, weit über das Wasser hin bis nach Al Andalus.“

Der Sieg der Muslime bei Xeres de la Frontera 711 beendete das Gotenreich, König Roderich verschwand in der Versenkung. Hartnäckigen Widerstand leisteten die Festungen Cordoba und Granada. Neben Plünderungen gab es den Raub einheimischer Frauen, nach arabischen Angaben mussten dreißigtausend Frauen sich auf den Weg zu den Sklavenmärkten der arabischen Welt machen. Innerhalb von vier Jahren war El Andalus erobert, ein eigener Statthalter regierte weitgehend selbständig. Weiter nach Norden zu ziehen war die Devise der Araber. Einen ersten Misserfolg gab es 721, die Eroberung von Toulouse misslang, der König von Aquitanien kam dazwischen, als die Festung schon sturmreif war. Die weiteren Vorstöße erfolgten von Narbonne aus 725, das Land an den Ufern der Rhone sollte erkundet werden, Arles und Avignon bildeten weitere Stützpunkte. Auf viel Gegenwehr stießen die Muslime nicht, geplündert wurden die Klöster Chalon-sur- Saone, Macons undLuxeuil. Das fränkische Reich war durch Adelsfehden geschwächt, lange gab es keine starke Zentralgewalt. Die Eroberung der Stadt Bordeaux in Aquitanien war ein weiterer Sieg der Muslime, König Eudo hatte einen wichtigen Stützpunkt verloren. Aus Frustration verbündete er sich sogar mit seinem langjährigen Feind Karl Martell, dem karolingischen Hausmeier, der die Macht in Franken gewonnen hatte. Karl Martell war entschlossen, gegen die Muslime unter ihrem Feldherren Abdel Rahman Ibn Abdallah zu Felde zu ziehen. Dazu wurde der Heerbann, die allgemeine Mobilmachung, ausgerufen.

Auch Klöster und Kirchen sollten einen Beitrag leisten. Manche Prediger riefen zum Glaubenskampf, das Kreuz müsse gegen den Halbmond siegen, aus allen Gegenden Frankens strömten Krieger herbei nach Westen, den Reitertrupps der Muslime entgegen, die sich zunächst in Sicherheit wiegten. Sie wollten die christlichen Wallfahrtsorte Tours und Poitiers überfallen, in denen prächtige Schätze lagerten. Die Plünderung von Poitiers gelang, die anschließende Schlacht von 732 (bei Tours und Poitiers) endete mit einer Niederlage der Muslime, bei der der Feldherr Abdel Rahmann ums Leben kam., das Reiterheer wurde nicht vernichtet, das Frankenreich erwies sich als stärker. Die islamische Expansion war gestoppt. Karl Martell wird seither als Retter des Abendlandes gefeiert, für Muslime war es die „Schlacht der Millionen Tränen“. Ob der Vormarsch der Araber nach Mitteleuropa nach einer Niederlage der Franken nicht mehr aufzuhalten gewesen wäre, ist fraglich. Man geht davon aus, dass die Araber bei einem Sieg nicht in der Lage gewesen wären, eine Vorherrschaft langfristig zu sichern, weil es einfach zu wenige waren. Tausende Soldaten sind alleine nicht in der Lage, ein Land zu verwalten. Aktueller Bezug: nach dem Feldherrn Tarik ist in Frankfurt eine Moschee in der Mönchhofstraße benannt.

Die Eroberung Konstantinopels 1453 traf das oströmische Reich tödlich, kein anderer christlicher Staat war zur Hilfe bereit. Sultan Mehmet II. galt zunächst als Schwächling und wurde doch wegen seiner Entschlusskraft bekannt. Schon Anfang 1451 baute er eine riesige Festung am Bosporus auf dem Territorium des Kaiserreichs. Die Truppen Konstantinopels waren nicht in der Lage, den Bau dieser Festung zu verhindern, im August 1452 war das Bauwerk fertiggestellt. In Zukunft mussten Schiffskapitäne ihre Ladungen hier inspizieren lassen. Bei Zuwiderhandlungen drohten drastische Strafen. Eine venezianische Galeere wurde versenkt, die Besatzung enthauptet, der Kapitän gepfählt. Unter hunderttausend Mann bereiteten sich auf die Belagerung Konstantinopels vor. Die Belagerungsartillerie des Sultans war gefürchtet, allen hervorragend kämpfenden Soldaten wurde das Paradies versprochen. Die Eroberung dieser wichtigen Stadt sei Allah und dem Propheten angenehm. „Die Einnahme von Konstantinopel ist der höchste Triumph des Islam.“ 1453 wurde die Lage für Konstantinopel ernst, die Abschließung war vollkommen. Kriegsführung im Namen des Islam bedeutete damals, den Herrscher dazu aufzufordern, zu kapitulieren, mit der Zusicherung, Güter und Menschenleben würden verschont. Der Befehl wurde zurückgewiesen, danach begann die Beschießung der Wälle, Ende Mai 1453 begann der Sturm, Zehntausende Christen zogen sich in die Hagia Sophia zurück und beteten. Vergeblich hoffte man, die Kirche würde verschont. Jung und alt wurden weggeführt und waren für Sklavenmärkte bestimmt, Ältere wurden erschlagen.1 Konstaninopel wurde gründlich geplündert, selbst religiöse Gegenstände wurden nicht verschont. Sultan Mehmed II. zunächst frustriert vom Grad der Zerstörung, starb 1481. Seine Hauptstadt war zu dieser Zeit ansehnlich, die Kirchen waren in Moscheen verwandelt worden.

Aktueller Bezug: nicht wenige Moscheen sind nach diesem Mehmed II., dem Eroberer, benannt. Der Name „Fatih“ („Der Eroberer“) deutet darauf hin. Protobeispiel ist die Bremer Moschee. Andere Moscheen tragen den Namen „Ayasofya“ und repräsentieren die Umwidmung der christliche Hagia Sophia in eine Moschee. Ayasofya-Moscheen gibt es unter anderem in Nürnberg, Oberhausen, Karlsruhe und Neuss. 2 Ganz in der Nähe in Aschaffenburg heißt eine Moschee „Ayasofya Cami“.

1529 kam es zum ersten Zusammenstoß zwischen einigen christlichen Staaten und dem osmanischen Reich vor Wien. Suleiman der Prächtige sah sich als Stellvertreter des Propheten an: „Ich, dessen Macht aufrechterhalten wird durch die Gnade des Allmächtigen, durch die Segnungen des größten seiner Propheten, durch den Schutz der vier ersten Begünstigten desselben, ich, Schatten Gottes über beide Welten“ so schrieb er an den König von Frankreich. Sein Schwiegersohn Mustapha äußerte 1528: „Weißt Du nicht, dass unser Herr der nächste ist nach Allah, dass wie nur eine Sonne am Himmel, so auch er der einzige Herr auf Erden ist?“

Anfang Mai 1529 setzte sich ein osmanisches Heer in Marsch zum Heiligen Kriege. „Und von da an wälzte sich nun ohne weiteren Widerstand das barbarische Heer nach den deutschen Grenzen, nach einem Lande, sagen die osmanischen Geschichtsschreiber, in das noch nie die Hufe moslemische Rosse eingeschlagen. Da traf die orientalische Weltmacht …. mit den Kernlanden des okzidentalischen Lebens, in denen die unterbrochenen Kontinuitäten des Fortschritts des allgemeinen Geistes ihren Sitz genommen und in vollen Trieben war, zusammen.“3

Bei der Belagerung mussten Vorstädte geopfert werden. Ausfälle endete zunächst nicht glücklich, den Gefallenen wurden die Köpfe abgeschlagen, auf Stangen gespießt und als Trophäen in das Zelt des Sultans gebracht. Gefangene wurden vom Sultan mit der Mission betraut, für eine Kapitulation zu werben, nach der die Stadt von den Muslimen verschont werde. Das wechselseitige Stollentreiben entwickelte sich zur Kriegsstrategie, Sprengkammern zur Zerstörung von Mauern wurden angelegt.

In Flugblättern wurde auf christlicher Seite die Angst folgendermaßen ausgedrückt

Ach der Herre Gott im höchsten Thron,

Schau dir diesen großen Jammer an.

So der türkisch wütend Tyrann

Im Wienerwalde hat getan.

Elend vermordet er Jungfrauen und Frauen.

Die Kinder mitten entzwey gehauen

Zertreten und entzwey gerissen

An spitzig Pfahl tet er sie spiessen.

O unser Hirte Jesu Christ

Der du gnedig und barmherzig bist

Dein Zoren von dem Volk abwendt

Erett es aus der Türken Hend

Trotz ungemütlicher Lage war Kaiser Karl V. nicht bereit, für die Rettung der Stadt Soldaten aufzutreiben. Seine Widersacher waren der König von Frankreich, der Papst und die Republik Venedig. König Ferdinand appellierte am 28.August 1529 an die gesamte Christenheit, der Stadt Wien zu helfen – vergeblich, dem türkischen Sultan blieb dies nicht verborgen.

Viermal gab Suleiman den Angriffsbefehl, dreimal hätten es ritterliche Werte nur erlaubt,. Wahrscheinlich war es der hereinbrechende Winter (Oktober), der Suleiman aufgeben ließ. In einem Kriegstagebuch hieß es: „Vom Morgengebet bis zum Abend schneite es in einem fort. Einige der Soldaten fanden wegen einer Überschwemmung ihr Gepäck nicht wieder.“ Unter hohen Opfern der Bevölkerung war die Stadt gerettet worden.4

Die weiblichen Gefangenen klagten

Ach weh uns armen Frawen weh

Nun werden wir frolich nymer meh

Seyd wir von den Thürkische mannen

Ins Elend wern geführt von dannen

Aus unserem Christenvaterland

Von Ehr und Gut in Laster und Schand

Von Eltern, Männern, Kindern, Freunden,

Hin zu den unchristlichen Fremden

Nun haben wir auf Erd kein Trost

Dass wir vom Thürcken würden erlöst

1532 führte Suleiman dann Krieg in der Steiermark. Ferdinand erklärte sich bereit, jährlich 30 000 Gulden zu zahlen, wer zahlte galt als abhängig.

Eine der merkwürdigsten Auseinandersetzungen zwischen Türken und Christen fand 1565 um Malta statt, das die Türken vom 18. Mai bis zum 8. September 1565 belagerten. Wie durch ein Wunder konnte das zahlenmäßig weit unterlegene Heer des Johanniterordens, der in Malta beheimatet war, den türkischen Ansturm zurückschlagen. Ein spanisches Entsatzheer war zu Hilfe gekommen. Der Großmeister (Führer) des Johanniterordens, Jean Parisot de la Valette, konnte die Insel dem Orden für mehr als zwei Jahrhunderte retten. Die nach ihm benannte Stadt La Valletta wurde kurz darauf gegründet. Der Erfahrungssatz „Der Türke kehrt immer zurück“ traf diesmal nicht zu. Das Arsenal von Konstantinopel wurde wahrscheinlich von Spionen des Ordens in die Luft gesprengt, Werft und Flotte des Sultans Suleiman weitgehend zerstört. 1566 starb schließlich der Sultan während eines Feldzuges in Ungarn. (Fußnote 4a)

Die zweite Belagerung Wiens durch die Türken endete erfolgloser als die erste. Zwei Monate lang belagerte ein türkisches Heer mit einem riesigen Troß die Stadt Wien.Am 12. September 1683 besiegten polnische, sächsische und habsburgische Truppen unter Erzherzog Karl von Lothringen und dem polnischen König Johann III. Sobieski die Osmanen in einer langen und blutigen Schlacht. Die Beute der Sieger war enorm, als „Türkenbeute“ ist sie in Völkerkundemuseen zu sehen. Nutznießer des Sieges war in erster Linie Habsburg. Für die Osmanen war die Niederlage verheerend, der Großwesir Mustafa Kara wurde umgebracht. Das osmanische Reich hatte nicht mehr die Kraft, derartige Niederlagen wegzustecken. Es brauchte die Beute, um sich selbst bezahlen zu können. (Fußnote 4b)

Aktueller Bezug dazu in der FR vom 6.6.2005

Kara Mustafa · Der in Wien aufbewahrte Kopf des türkischen Großwesirs, erfolgloser Feldherr bei der Belagerung Wiens 1683, soll endlich eine letzte Ruhestätte finden. Noch liefen Versuche, die mangels Totenschein unbestätigte Echtheit des Schädels zu prüfen, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA. Der osmanische Großwesir Kara Mustafa Pascha (1635/36- 1683) hatte 1683 den Feldzug gegen Österreich und die Zweite Türkenbelagerung Wiens geleitet. Wegen Misserfolgs ließ ihn der Sultan später köpfen. Im Zug der habsburgischen Eroberung Belgrads kam der Schädel nach Wien. Die Türkei bezweifelt die Echtheit des Schädels und zeigte bisher kein Interesse, ihn zurückzuerhalten. dpa

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Großwesir Kara Mustafa

 Endgültig geschlagen wurden die Türken in der Schlacht von Peterwardein vom 5.August 1716. Der türkische Großwesir erlitt ein melancholisches Schicksal. Als er seine Reiterei auf dem Rückzug, die Janitscharen wanken und sein Heer fliehend sah, stürzte er sich in das Kampfgetümmel. Eine österreichische Kugel traf ihn tödlich. Eugen gewann die Schlacht nach fünf Stunden, die Türken mussten 6000 Tote hinnehmen. Das türkische Lager fiel mit reicher Beute in die Hände der Kaiserlichen: Geschirre und Sättel der Pferde, persische Teppiche und Stoffe, Pferde und Kamele. Der siegreiche Feldherr behielt das Zelt des Großwesirs, luxuriös und mit Räumen aus Gold und Seide; 500 Mann waren erforderlich, um es aufzuschlagen. „Innerhalb der gesamten Christenheit herrschte freudige Erregung über die Niederlage der Ungläubigen bei Peterwardein. In Wien waren die Straßen voll von Menschen und in Rom wurden auf Anordnung des Papstes alle Glocken geläutet und die Straßen der Stadt beleuchtet. An Eugen sandte der Papst einen Ehrendegen und Hut in Anerkennung der überragenden militärischen Verdienste des Prinzen um die Christenheit und die katholische Kirche.“5

Legen wir die Ereignisse von 1571 nach, die einen weiteren Höhepunkt türkisch-habsburgischer Auseinandersetzungen bildeten. 1568 wird Don Juan D’Austria, ein unehelicher Sohn Karls V., zum Oberbefehlshaber der spanischen Mittelmeerflotte ernannt. Seine Worte bei seiner Ernennung sprechen von hohem Selbstbewusststein: „Diese Flotte, an deren Spitze zu stehen ich die Ehre habe, ist die schönste der Welt und gleichzeitig die mächtigste, die dem Halbmond bisher entgegengetreten ist. Auf uns ruhen die Augen der gesamten Christenheit. So bin ich denn entschlossen, sofort die türkische Flotte zu suchen und zu besiegen.“6 Der Feldherr weiter: im Jahre 1565 habe das Selbstvertrauen der osmanischen Feldherren schweren Schaden erlitten, ihr Glaube an Allahs Beistand sei erschüttert worden. D’Austria weiter: „Nicht nur die Küsten sind Bedroht durch die Galeeren der Barbaren, auch die heilige Stadt Rom liegt ungeschützt, den Moslems zur Beute preisgegeben. Das Grab des Petrus zuschänden, das ist die Absicht der Ungläubigen. Ist Rom aber gefallen, dann ist die Sache Christi verloren in Europa.“ Wieder einmal wird die Entscheidungsschlacht zwischen Kreuz und Koran geschlagen. Die Schlacht fand am 7. Oktober 1571 bei Lepanto statt. Der türkische Befehlshaber, Ali Pascha, wurde erschlagen. Die Heilige Liga siegte, doch war ihr Sieg nicht vollständig. Der Gouverneur von Algerien, Uluch Ali, konnte einen Teil der Schiffe an Sultan Selim II. zurückbringen. Schon ein Jahr später war die türkische Flotte reorganisiert. Zypern wurde 1573 von Venedig aufgegeben, obwohl die Heilige Liga für dieses Gebiet gekämpft hatte. Die Vertreibung der Portugiesen aus dem Indischen Ozean, die Uluch Ali bezweckte, gelang unter Sultan Murad III. nicht, der Christen mehr im eigenen Land bekämpfte. Kirchen wurden unter seiner Herrschaft in Moscheen umgewandelt. Nach der Schlacht von Lepanto wurden weder Italien noch Spanien mehr von türkischen Geschwadern bedroht. Die islamische Energie zur See war erloschen. Das Ereignis war so bedeutend, dass es sogar auf dem Deckengemälde der „Kirche zu Unserer Lieben Frau“ in Günzburg bildlich dargestellt ist. Maria greift in den Entscheidungskampf zwischen der christlich-abendländischen und der türkischen Flotte ein.7

Zu Massakern kam es auch im Libanon. Frankreich nutzte sie, um im Libanon und Syrien als Schutzmacht der Christen aufzutreten. 8 Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wuchs der christliche Einfluss im Nahen Osten trotz dieser Massaker.

8 Vgl. Gerhard Schwarzer, Syrien verstehen- Geschichte Gesellschaft und Religion, Stuttgart 2015, S. 265 ff.

1 Konzelmann, Die islamische Herausforderung, München 1988, S. 158

2 Udo Ulfkotte, Der Krieg in unseren Städten. Wie radikale Islamisten Deutschland unterwandern, Frankfurt

am Main 2004, s. 104 ff.

3 Leopold von Ranke, Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation Band 2, Hamburg o. J., S.107

4 Gerhard Konzelmann, Die islamische Herausforderung, München 1988, S. 172

4a Vgl. Ingeborg Tetzlaff, Malta und Gozo, Köln 1988 (DuMont Kunst-Reiseführer), S. 67 ff.

4b Michael Neumann-Adrian, Christoph K. Neumann, Die Türkei. Ein Land und seine 9000 Jahre alte Geschichte, München 1990, S. 257

5 Nicholas Henderson, Prinz Eugen. Der edle Ritter, München 1978 (Heyne Biographien), S. 310

6 Konzelmann, a.a.O., S. 199

7 Kirche zu Unserer Lieben Frau in Günzburg, Führer, S. 14

1860: Das Massaker an Christen in Damaskus

Wahrscheinlich starben über 3.000 Personen in den Christenvierteln von Damaskus im Juli 1860. 32.000 Christen lebten damals in dieser Stadt. Der türkische Gouverneur hatte wenig dagegen getan. 1260, sechshundert Jahre vorher, war es zu einem Pogrom an Christen gekommen. 1258 hatten die Mongolen Bagdad erobert. Arabische Christen aus Damaskus hatten sich hilfesuchend an die Mongolen gewandt, um Unterstützung gegen die Mamluken zu erhalten. Der Sultan Baibar konnte die Mongolen vertreiben und wütete darauf gegen die Christen von Damaskus. In der syrischen Hauptstadt entzündeten sich die Feindseligkeiten im Streit zwischen arabischen und christlichen Kaufleuten. Hintergrund bildete die Tatsache, dass von den Franzosen betriebene Schulen mit westlichen Lehrplänen auch für die muslimische Oberschicht Anklang fanden, was den geistlichen Rechtsgelehrten mißfiel.

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