Archiv für Oktober 2011

Nazis in Bolivien

Nazis in Bolivien

Seit 1945 hat Bolivien eine große Zahl von Nationalsozialisten aufgenommen – aus Deutschland, Österreich. Auch kroatische Ustaschi und Mitglieder der Eisernen Garde in Rumänien waren dabei. Am 10.8.1944  trafen sich hohe Wirtschaftsführer des NS-Regimes mit SS-Offizieren in Straßburg. Unter anderem waren es Vertreter von IG Farben, Krupp, Röchling und Messerschmitt. Ziel war der massive Transfer von Kapital nach Südamerika. Nach der Niederlage sollte ein viertes Reich entstehen. In den bolivianischen Regionen von Santa Cruz, Beni und Bravo erwarben deutsche Agenten riesige Agrarindustriegebiete und Transportgesellschaften.

Viele Nazi-Massenmörder wurden von der “Organisation der ehemaligen SS-Angehörigen” nach Lateinamerika gebracht. Darunter Josef Mengele, der sich zwischen dem Rio Paraguay und dem Departement Santa Cruz versteckte. Andere waren Eduard Roschmann, der “Schlächter von Riga”, und der Gestapo-Chef Heinrich Müller.  Die Flucht geschah mit Hilfe des Vatikan. Hier hatten Kardinal Stepanovic und Pater Daganovic Schlüsselpositionen inne. 1 Ein “dicker Fisch” in Bolivien war Klaus Barbie, der “Schlächter von Lyon” – Chef der Gestapo von Lyon. Er war verantwortlich für die Ermordung Hunderter französischer Widerstandskämpfer und der jüdischen Kinder von Izieux. Er war Polizeichef unter zwei bolivianischen Generälen – René Barrientos und Ovando Bravo Candia. Unter Innenminister Luiz Arce Gomes sollte Barbie sogar zum General ernannt werden, was von Barbie abgelehnt wurde. Bei der Gefangennahme von Che Guevara spielt er eine Schlüsselrolle. Ein beachtliches Vermögen gewann er als Verwalter der Gesellschaft Transmaritima Boliviana. Unter ihm wirkte eine überwiegend von Altnazis beherrchte Organisation – genannt “Verlobte des Todes”. 1980 bereitete sie die Machtergreifung von General Luiz Arce Gomez vor. 2 

Am 5. Februar 1983 wurde Barbie aufgrund des Wirkens von Beate Klarsfeld, F. Mitterrand und Régis Debray in Santa Cruz verhaftet und anschließend nach Frankreich ausgeliefert. Barbies Freunde hatten bis zum Amtsantritt von Evo Morales Schlüsselpositionen im Geheimdienst des südamerikanischen Landes inne. 1985 wurde ein Ermittlungsverfahren gegen Barbie wegen “Verbrechens gegen die Menschlichkeit” abgeschlossen. 1987 wurde der Angeklagte zur Höchststrafe – lebenslänglich- verurteilt. 3 Barbie wurde in den 60 er Jahren auch vom Bundesnachrichtendienst geschützt. Zwischen Mai und Dezember 1966 nutzte der BND Barbie als nachrichtendienstliche Verbindung unter dem Decknamen “Adler” in Bolivien. Er wurde vor Strafverfolgung geschützt und bekam insgesamt 5.300 DM. 4

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Fußnoten

1 Vgl.  Jean Ziegler, Der Hass auf den Westen, München 2011, S.243
2 Vgl.  ebd. S 244
3 Vgl. Munzinger Archiv Klaus Barbie 28.10.1991
4 Vgl. taz 31.1.2012

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Veröffentlicht 11. Oktober 2011 von schauerchristian in Nazis in Bolivien

Wissenswertes aus der Geschichte des jüdischen Volkes

Wissenswertes aus der Geschichte des jüdischen Volkes

Vom letzten Viertel des 4. Jahrhunderts bis zum ersten des 6. Jahrhunderts, also etwa 150 Jahre lang, bestand in Himjar ein mächtiges monotheistisch-jüdisches Königreich– man schreibt die Konversion des himjarischen Königshauses Abu Karib Assad zu, der wahrscheinlich von 390 bis 420 herrschte. Bei einem Feldzug in den Norden der Insel konvertierte er zum Judentum. Vom Sohn des Assad, Surahbi’il Ya’fur, gibt es ein Zeugnis aus dem Jahre 440, in dem sein Judentum dokumentiert wird. „der Herr des Himmels und der Erde“ habe ihm seine Unterstützung zuteilwerden lassen. Der Ausdruck „Der Barmherzige“ taucht in weiteren Inschriften aus dieser Zeit auf. Im Norden von Himjar wurde der christliche Missionar Azkir hingerichtet. Azkir wurde von Regierungsbeamten festgenommen, nachdem er ein christliches Gebetshaus errichtet hatte. Das Christentum hatte sich schon früher in der Stadt festgesetzt. Ein abschreckendes Beispiel war vonnöten. Nach dem Tode von König Surahbi’ìl Yakkaf sank der Stern des Reiches von Himjar. Die Söhne mußten sich dem Druck der Äthiopier beugen. Die Auseinandersetzung zwischen Himjar und dem äthiopischen Aksum war Ausdruck politischer und und wirtschaftlicher Gegensätze.

Nach einigen Jahren christlicher Vorherrschaft kehrte das Judentum unter dem letzten jüdisch- himjarischen Herrscher Du-Nuwas an die Macht zurück. Die Quellen über diesen König sind besonders ergiebig. Der König ist quellenmäßig gut dokumentiert. Sein Krieg gegen das äthiopische Reich war brutal. Du-Nuwas wurde wahrscheinlich 518 geboren. Gegen den von Äthiopien gestützten Vizekönig entfesselte er einen Aufstand. Es gelang ihm, Zafar einzunehmen. Nach seinem Sieg konvertierten viele zum Judentum. Die aufständische Stadt Najran wurde belagert und erobert. Ella Asbeha, der Herrscher von Aksum, erklärte dem jüdischen Himjar nach dem Tod vieler Christen den Krieg. Unterstützung gewährte Byzanz, das Schiffe zur Verfügung stellte. 525 wurde Du-Nuwas nach langem, harten Kampf besiegt.Die Hauptstadt Zafar wurde zerstört, 50 Mitglieder der Herrscherfamilie gerieten in Gefangenschaft. Einige Jahre später scheiterte ein letzter Aufstand. Nach 570 eroberten die Perser das Reich. Die Proselytengemeinde von Himjar bestand auch unter persischer Herrschaft weiter. Nach Ankunft von Mohammeds Armee 629 warnte der Prophet seine Heerführer in einem Brief, Christen und Juden nicht zu zwingen, zum Islam überzutreten. Die Art der Steuern für die Juden belegt, daß viele von der Landwirtschaft lebten. Es gelang der Gemeinde von Himjar dank der theologischen Verbindung nach Babylon, bis ins 20. Jahrhundert zu überleben.

 

Königin Kahina. Sie leistete Widerstand gegen die muslimischen Eroberer. Sie war eine zum Judentum konvertierte Berberführerin, als Magierin wurde sie „Priesterin“ (Kahina) genannt. Sie herrschte eisern über ihr Reich. Als sie Muslime erneut versuchten, Nordafrika zu erobern, vereinigte sie 689 einige starke Stämme und besiegte das Riesenheer von Hassan ben Al-Nu`maan. 694 drehten die Muslime den Spieß um und töteten die kampferprobte Kahina. Diese hatte eine Strategie der verbrannten Erde angewandt. Städte und Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht. Ihre Söhne konvertierten zum Islam. Die Erinnerung an sie wird in Mythen und Geschichten wachgehalten.

 

Auch die dritte große jüdische Gemeinschaft der Vergangenheit, die in Osteuropa, stammt laut Sand nicht von den Juden aus Eretz Israel ab. Sand bringt die Geschichte des jüdischen Großreiches der Chasaren, vom 10. bis 13. Jahrhundert zwischen Krim, Wolga und Kaspischem Meer gelegen, ins Spiel. Im Chasarenreich bildete sich laut Sand nach der Konversion des chasarischen Königs, des Kagan, zum Judentum allmählich eine eigene jüdische, turksprachige Volksgruppe heraus, die beim Einfall der Mongolen nach Westen floh und sich mit der slawischen Bevölkerung vermischte. Gerade über das jüdische Chasarenreich ist die Quellenlage eindeutig. Sand widerlegt damit die gängige These von der Herkunft der osteuropäischen Juden aus «Aschkenas», d.h. Dem deutschsprachigen Raum. «In den Gemeinden in Köln, Mainz und Worms gab es im 13. Jahrhundert nur einige Tausend Juden. Es kann also vom demografischen Gesichtspunkt her gar nicht sein, dass so viele Juden nach Osten emigrierten und dort ein Volk von Millionen Juden bildeten», erläutert Sand. Er beruft sich dabei unter anderem auf die These der Tel Aviver Linguisten Paul Wexler und anderen, wonach die jiddische Sprache nicht identisch mit dem Judendeutsch des Mittelalters sei. Jiddisch ist laut Wexler eine slawische Sprache mit deutschem Sprachwortschatz und ein Ausdruck der sozioökonomischen Symbiose zwischen deutschen Siedlern und Juden des Spätmittelalters im Gebiet der heutigen Ukraine und Polens. Auch zionistische Historiker wie der vierte israelische Bildungsminister Benzion Dinur wussten das noch in den 1950er Jahren.

Kunde vom Reich der Chasaren gibt ein Brief von Hasdai Ibn Schaprut (915 – 975), Arzt und Staatsmann am Hof des Kalifen Abd Al-Rahman in Cordoba an König Joseph Ben Aharon, den König der Chasaren. König Joseph antwortet, indem er seine Herkunft und die Grenzen seines Reiches bescheibt: „In deinem Brief fragtest du, von welchem Volk, von welcher Familie und von welchem Stamme wir sind. Wisse, dass wir Nachkommen des Japhedt und seines Sohnes Togarma sind. (…) Es heißt, dass damals meine Vorfahren nur wenige waren, und der Herr gaben ihnen Kraft und Heldenmut, und sie führten Krieg gegen viele uns sehr starke Völker, und mit der Hilfe des Herrn vertrieben sie sie und nahmen ihr Land ein (…) Danach vergingen Generationen, bis König Bulan an die Macht kam, ein weiser und gottesfürchtiger Mann, der zutiefst gläubig war, er befreite das Land von den Götzenanbetern und den Magiern und ruhte unter Gottes Fittichen. (…) Der König nahm alle seine Minister und seine Sklaven und sein ganzes Volk und sagte ihnen all das. Und sie hielten es für gut, sie nahmen das Urteil an und versammelten sich vor der Gottheit. (…) Danach kam ein König an die Macht, der ein Nachkomme seiner Nachkommen war, er hieß Ovadia, ein geradliniger Gerechter, er erneuerte das Königreich und setzte das Gesetz in Kraft, er edrbaute Versammlungs- und Lehrhäuser und versammelte dort viele Weise Israels.“

Die Geschichte der Chasaren beginnt im 4. Jahrhundert nach Christus, als nomadisierende Stämme mit den Hunnen nach Westen zogen.Später errichteten sie ein riesiges Imperium in den Steppen entlang der Wolga und im nördlichen Kaukasus, das sein Ende im 13. Jahrhundert fand, als der Mongolensturm die Überreste dieses einzigartigen Staatswesens vernichtete. Die Chasaren waren ein Verbund starker Clans türkischer oder hunno-bulgarischer Herkunft, die sich mit den Skythen vermischten, die seit Jahrhunderten die Berge und Steppen zwischen dem Schwarzen und Kaspischen Meer bevölkert hatten. Seit dem 6. Jahrhundert tauchten die Chasaren erst in persischen, dann auch in muslimischen Quellen auf. Ihr Einfall führte sie bis in die Gegend von Mossul im heutigen Irak. Zu Beginn des 7. Jahrhunderts schlossen die Perser ein Bündnis mit ihnen, der König heiretete die Tochter des Chasarenherrschers, der wiederum den Persern den Bau von Festungen an den Kaukasuspässen erlaubte. Der Großkahn der Chasaren unterhielt vielfältige Beziehungen mit dem byzantinischen Kaiserreich. Der künftige Kaiser Justinian II. floh Ende des 7. Jahrhunderts ins Chasarenreich und heiratete eine getaufte Chasarenprinzessin namens Theodora, die später als Kaiserin großen Einfluß erlangte. Es blieb nicht das einzige Ehebündnis zwischen diesen beiden Staaten. 733 fand diese außergewöhnliche Eheschließung statt. Der Sohn wurde später Leo der Chasar genannt. 730 kamen die Chasaren bis Mossul. Kalif Marwan II. Erreichte danach eine kurzzeitige Islamisierung des damals noch heidnischen Chasarenreiches. Das chasarische Staatswesen verfügte über eine höchst originelle Doppelspitze- einen heiligen und erhabenen König und einen aktiven, säkularen Herrscher.

Ein Chronist schildert das Chasarenreich 932 folgendermaßen: „Was ihre Staatsordnung und ihre Regierungsgewalt angeht, so wird ihr Herrscher als Großkahn Chasar bezeichnet, und er steht höher als der Chasarenkönig. Doch der König ernennt ihn. Wenn sie ihn zum Großkahn machen wollen, gehen sie zu ihm hin und würgen ihn mit einem Seidenband, bis er beinahe erstickt, und dann fragen sie, wie lange willstr du herrschen? Und er sagt: So und so viele Jahre. Und wenn er vor Ablauf dieser Zeitspanne stirbt, (dann ist es gut) und wenn nicht, dann töten sie ihn, wenn er dieses Jahr erreicht. Nur Sprösslinge aus bekannten Familien können Großkahn werden. Er besitzt keine wirkliche Macht, sondern man bewundert ihn und betet ihn an, wenn man zu ihm geht. Zu ihm kommt niemand außer einigen wenigen, wie etwa der König und diejenigen von seinem Rang. (…) Und niemand, der nicht am Judentum festhält, kann Großkahn werden.“

 

Es gibt Einschätzungen, wonach die Chasaren schon 740 zum Judentum übergetreten sind. Dafür gibt es keine Belege. Im Jahr 864 besagt ein Dokument, dass „alle chasaren (gazari) die jüdischen Gesetze befolgen.“ Zwischen der Mitte des 8-und 9. Jahrhunderts erklärten die Chasaren das Judentum zu ihrer einzigen Religion. In dem Brief von König Joseph wird der Übertritt als mehrstufige Handlung beschrieben. Zunächst wird König Bulan von der Richtigkeit des Judentums überzeugt und entschließt sich zur Konversion. Erst König Ovadia, ein Enkel oder Urenkel, führte „das Gesetz als staatliches und religiöses Gesetz“ ein: Zudem ließ er Synagogen und Lehrhäuser erbauen. Grabinschriften auf dem Gebiet des ehemaligen Chasrenreiches belegen die weite Verbreitung des Judentums; es gab jedoch auch viel Synkretismus. Viele gehen davon aus, daß das Chasarenreich in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts zerstört worden ist. Großfürst Swjatoslaw I. Von Kiew besiegte 965 (oder 969) die den Don beherrschende chasarische Stadt Sarkel (eine Festungsstadt). In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts verlor das Chasrenreich seine Vormachtstellung. 1016 überfiel das vereinte byzantinisch-russische Heer das jüdische Reich und versetzte ihm einen weiteren schweren Schlag. Im 13. Jahrhundert entstand unter den Mongolen ein kleines chasarisches Reich. Nach der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wird es still um das Chasarenrteich. Es verschwand im Dunkel der Geschichte.

 

Sevilla war gegen Ende des Mitelalters die volkreichste Stadt Spaniens geworden. Seit 1378 predigte der Erzdiakon von Sevilla, Ferrando Martínez von Ècija, gegen die Juden und hetzte die Christen gegen sie auf. Am 6. Juni 1391 stürzte sich die Menge nach einigen handgreiflichen Auseinandersetzungen auf den jüdischen Wohnbezirk. Die Mehrzahl bekehrte sich zum Christentum, der Rest wurde niedergemacht. In einigen Wochen kam es zu Ausschreitungen in Kastilien und Aragón. In Valencia griff die Menge die aljama an mit dem Schlachtruf: „Martinez kommt! Die Juden – in den Tod oder ins Weihwasser!“ „Die Gier zur Plünderung der Juden nahm jeden Tag zu“ bemerkte der Kanzler Ayala. Zahlreiche Juden fanden Unterschlupf in den Häusern christlicher Bürger. Manche Juden fanden in Schlössern Zuflucht gegen Bezahlung. In Barcelona begingen die Juden zu Dutzenden Selbstmord. In Gerona weigerte sich die Juden, ihrem Glauben abzuschwören. Zahlreiche Juden nahmen die Taufe an. In viel Städten wurden die Conversos nach der Taufe die eifrigsten Verfolger der Juden.1394 hetzten die Conversos von Perpignan die Masse gegen die Juden und hinderten sie daran, in ihre alten Wohnungen zurückzukehren. Auf welche Seite sollte das Vermögen einer Gemeinde fallen, wenn eine aljama in zwei Teile zerfallen war? In Lérida waren 1391 78 Juden ermordet worden. In ganz Spanien wurden Synagogen in Kirchen umgewandelt. In Madrid wurde ein Kloster ärmer, weil die Rente von der jüdischen aljama wegblieb, die vernichtet wurde.

 

Literatur: Shlomo Sand, Die Erfindung des jüdischen Volkes. Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand, Berlin 2008

http://de.wikipedia.org/wiki/Himyar

Léon Poliakov, Geschichte des Antisemitismus -IV. Die Marranen im Schatten der Inquisition,

Worms 1981