Archiv für August 2011

Reisebericht Nürnberg/ Cuxhaven/ Herzogenbusch und Antwerpen

Nürnberg einst und jetzt – Dezember 2016
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Die Stadt Nürnberg wurde 1050 als „nuorenberc“ in der so genannten „Sigena-Urkunde“ Kaiser Heinrich III. erstmals erwähnt. Dieser besprach mit den Mächtigen des Reiches politische Fragen des mittleren Donaubeckens. Frühere Siedlungsspuren wurden 850 datiert. Nürnbergs erster Hoftag im 11.Jahrhundert war Auftakt einer großen Reihe weiterer, die Nürnberg in erster Linie als Tor zum Osten etablierten.
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In der Mitte des zwölften Jahrhunderts errichteten die Staufer eine Burg neben der der Burggrafen. Sie wurde zum Mittelpunkt königlicher Macht im Süden Deutschlands. 1219  trat eine Kaufmannsgilde als Vertreterin der Gesamtbürgerschaft auf. Im 14. Jahrhundert nannte sich die Oberschicht „die Ehrbaren“. Darunter entwickelte sich ein zahlreiches Kleinbürgertum. 1274 wurde die Sebalduskirche geweiht. Sebaldus war der Patron der Stadt. Als Rudolf von Habsburg in diesem Jahr das Interregnum beendete, war die spätromanische Kirche vollendet. 2 Von jetzt an wurde es zur Gewohnheit, dass der neue gewählte Monarch seinen ersten Reichstag in Nürnberg abhielt. Die Stadt an der Pegnitz wurde für zweihundertfünfzig Jahre zur Hauptstadt des Reiches im Südosten. Mitte des 14. Jahrhunderts war Nürnberg die Reichsfreiheit gelungen. 1427 gelangte die Burggrafenburg der Staufer durch Kauf  in Besitz der Stadt. Nürnberg streckte seine Fühler im Handel in alle Richtungen aus. Aus Venedig kamen die Gewürze des Fernen Ostens, aus Lyon wurde Seide bezogen. Aus Krakau kamen Pelze, aus Ypern stammten viele Tuche. Aus Reichenhall bezog man Salz, der Hering kam von der Ostsee aus Lübeck. Nürnberg exportierte Gold- und Silberschmiedegegenstände. Die Waffen kamen aus den Werkstätten der Schwertfeger und Plattner.3
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Kaiser Karl IV. besuchte Nürnberg sage und schreibe 52 mal. Neunmal wurden in Nürnberg von ihm Hof- und Reichstage abgehalten. Das wichtigste Dokument in der Regierungszeit dieses Luxemburgers war die „Goldene Bulle“ von 1356, das „Grundgesetz“ des Heiligen Römischen Reiches. Nürnberg wurde in diesem Dokument eine herausragende Stellung als Stadt des Reiches zuerkannt. In Kapitel 29 wurde bestimmt, dass der erste Hoftag nach jeder Königswahl in Nürnberg stattfinden sollte. Nürnberg schloss auf zu Frankfurt als Königswahlort und Aachen als Krönungsort.
Karl IV. baute Nürnberg zur Residenzstadt aus. Die Erbauung der Frauenkirche wurde in der „Markturkunde“ festgelegt. Sie enthielt auch die Erlaubnis zur Räumung des Judenviertels. Karl der IV. hatte nichts für die Juden in Nürnberg getan. Er gestand am 6.April 1349 Adligen und Patriziern die Nutzung des jüdischen Besitzes zu. Im Oktober sicherte er dem Stadtrat Straffreiheit zu, wenn gegen die Juden vorgegangen wird. Im November 1349 bekommen die Nürnberger vom Kaiser die vertragswidrige Erlaubnis, die Häuser und die Synagoge der Juden abzureißen. An diesem Ort konnte die Marienkirche erbaut werden, Patrizier erhielten dort Judenhäuser. Ein Pogrom folgte am 5. Dezember 1349, dem 560 Juden zum Opfer fielen. 6
In der Stiftungsurkunde von 1355 hieß es, Karl gründete die Kapelle „zu Lob und Ruhm seines Kaisertums, zu Ehren der glorreichen Jungfrau Maria, der Mutter Gottes und unseres Herrn Jesu Christi, zu seinem und seiner Vorfahren Seelenheil, in seiner kaiserlichen Stadt Nürnberg“. 7
In Nürnberg erinnern viele Orte an die  Luxemburger Kaiser. An der Westfassade der Lorenzkirche findet man die Wappen Karls und seiner Frau Anna von Schweidnitz. Die Kindheitsgeschichte Wenzel IV. war auf Wandmalereien in der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Moritzkapelle zu sehen. Kaiserlicher Hofmaler war Sebald Weinschröter – seine Bilder sind in der Lorenzkirche (Wendelin) und der St. Marthakirche zu bewundern.
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Kehren wir zu den Judenmorden zurück, die in der Zeit der großen Pest von 1348 bis 1350 auch in anderen Städten Deutschlands stattfanden und nicht nur dort. In Savoyen kam der Vorwurf auf, die Juden hätten das Trinkwasser vergiftet. Die Flagellanten (Geißler) sahen in den Juden das Subjekt ihrer Aggressionen, der Pöbel folgte ihnen.In manchen Fällen waren es auch Stadträte, die ein gerichtliches Verfahren unterbanden oder zum Pogrom neigende Adlige. Manche Bürger wollten auch von den Schulden loskommen, die sie bei Juden hatten. 8
Intensive Pogrome gab es in Freiburg, Augsburg, Nürnberg, München, Königsberg und Regensburg. In Worms verbrannten sich im März 1349 vierhundert Mitglieder der dortigen jüdischen Gemeinde in ihren Häusern. Im Juli dieses Jahres geschah eine ähnliche Selbsttötung in Frankfurt am Main. Ein Teil der Stadt brannte nieder. In Köln wurden die Juden getötet, obwohl der Rat der Stadt festgestellt hatte, dass die Juden wie andere auch an der Pest stürben. In Mainz wehrten sich die Juden dann und töteten  zweihundert Angreifer. Nach ihrer Überwältigung kehrten sie in ihre Häuser zurück und setzten sie in Brand- es gab sechstausend Tote. In Erfurt kamen alle dreitausend Juden ums Leben. 9
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Die Lorenzkirche
Sie geht in das 13. Jahrhundert zurück. Nach 1250  wurde mit der Errichtung einer monumentalen Basilika begonnen. Im 14.Jahrhundert entstand zwischen dem Turmpaar eine der elegantesten Schmuckfassaden der deutschen Gotik. 10   Das Hauptportal könnte zwischen 1340 und 1350 entstanden sein. Karl IV. war mit Wahrscheinlichkeit ein Förderer dieses Kirchenbaus (siehe Wappen). Im Südturm der Lorenzkirche waren bis 1970  Grabsteine als oberste Treppenstufen  eingesetzt, die vom Judenfriedhof stammten, der 1349  geschleift wurde. Die Kirche wurde Ende des 14. Jahrhunderts vollendet.Die Türme wurden 82 Meter hoch. 1439 entstand der spätgotische Hallenchor. Schon vorher war eine Hallenchor 1379 in der Sebalduskirche entstanden.
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Der Engelsgruß von 1517 des Bildhauers Veit Stoß ist das bekannteste Schnitzwerk Nürnbergs.In einem ovalen Rosenkranz schweben der Erzengel Gabriel und Maria. Auf dem Kopf Mariens sitzt eine Taube. Sie symbolisiert den Heiligen Geist. Um den Heroldsstab Gabriels ist ein Spruchband zu sehen. 1817 stürzte das Schnitzwerk ab. Vorher schwirrten sechs Engel über den Figuren, nach dem Sturz waren es nur noch vier. Wo sind die gefallenen Engel geblieben? Die Antwort weiß nur der Wind! 50 Rosenblüten begrenzen die Figuren. Ganz unten am Kunstwerk hängt die Paradiesschlange mit einem Apfel im Maul. Der Apfel trägt Bissspuren des Menschen. Wer weiß, worum es geht?
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Engelsgruß

Von großer Bedeutung ist zudem das Sakramentshaus des Steinmetzen Adam Kraft. Gestiftet hat es Hans IV. Imhoff. Vacher Sandstein wurde so gehauen, dass über dem Umgang mit dem Selbstbildnis Krafts ein turmartiger Aufbau über 20 Meter hoch ragt.Unten findet man ein Eucharistiegehäuse, darüber biblische Darstellungen. Das Sakramentshaus entstand von 1493 bis 1496.
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Sakramentshaus in der Lorenzkirche

 

Von der Sebalduskirche wurde schon 1255 gesprochen, ob wohl St. Sebaldus erst 1425 heiliggesprochen wurde. 11 Sebaldus von Nürnberg hat wahrscheinlich im 8. Jahrhundert in der Nürnberger Gegend gelebt – er galt als Einsiedler. Nach der Legende ist er ein dänischer Königssohn, der seine Verlobung mit einer französischen Prinzessin löste, um als Glaubensverkünder nach Franken zu kommen. Die Altarweihe der Kirche ist urkundlich 1274 belegt.Es war in der Zeit, als Rudolph von Habsburg das Interregnum beendete – mit einem Reichstag in Nürnberg. König Wenzel, genannt der Faule, wurde 1361 in dieser Kirche getauft, der Hallenchor wurde 1379 geweiht. Schon 1490 wurden die Türme erhöht. Am 2. Januar 1945 wurde die Kirche von der amerikanischen Luftwaffe zerstört. In einer Nacht starben mehr als 1.800 Menschen. In der Kirche steht heute das Nagelkreuz von Coventry, es wurde 1999 übergeben. Betrachten wir noch kurz das Marienportal an der Nordfassade. Drei Szenen zeigen Tod, Begräbnis und Krönung Mariens.Unten rechts wird die legenda aurea dargestellt, wonach die Juden den Leichenzug Mariens gestört haben sollen, weil sie für sie nicht die Mutter Christi war. „Der Legende zufolge wünschte sich Maria, inmitten der Apostel zu sterben, die daraufhin teilweise auf Wolken kamen. Im Marienportal wird Marias Seele gleichsam als ihre Miniaturausgabe von Christus aufgenommen. Die Begräbnislegende variiert das Motiv der Ekklesia und Synagoga (Kirche und Synagoge), wobei Maria die dem Judentum überlegene Kirche verkörpert. Ihr zufolge wollte sich der Hohepriester am Sarg Marias vergreifen, wurde dabei verkrüppelt und erblindete. Mit anderen, ebenfalls erblindeten Juden wurde er erst auf ein zweimaliges Bekenntnis zu Christus von den Qualen erlöst.“ 12
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Sebalduskirche

Das Reichsparteitagsgelände
Das bedeutendste Bauwerk ist hier die Kongreßhalle. Der Grundstein wurde am 11.September 1935 gelegt. Das Zeremoniell fand zu beginn des Parteitages statt, bei dem auch die „Nürnberger Gesetze“ beschlossen wurden. 50.000 Menschen sollten in diesem Riesenbau unterkommen. 1939 wurden die Bauarbeiten eingestellt, die Halle wurde nicht fertig, 60 Prozent des geplanten Bauvolumens wurden erreicht. Mit einer Grundfläche von 275 x 265 Meter ist das Bauwerk das größte erhaltene der NS-Zeit.Währen des Krieges wurde die Kongreßhalle erheblich bestätigt. 1943/44 wurden sämtliche Außenöffnungen des Baues zugemauert und im Inneren Zwischenwände eingezogen. Die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg nutzte sie zu Fabrikationszwecken. Nach 1945 ging die Halle an die Stadt Nürnberg. 1949 fand hier die Deutsche Bauausstellung statt. 1987 gab es einen Plan, ein Einkaufszentrum hieraus zu gestalten. Denkmalschutzgründe verhinderten dieses Vorhaben. Im November 2001 wurde das Dokumentationszentrum vom damaligen Bundespräsidenten, Johannes Rau,  eröffnet.  Die Kosten von geplanten 9 Millionen Euro übernahmen die Bundesrepublik Deutschland, der Freistaat Bayern sowie die Stadt Nürnberg mit dem Bezirk Mittelfranken. Einen Mehrbetrag von 1,7 Millionen Euro übernahm die Stadt Nürnberg.

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Kongreßhalle

Die Ausstellung zeigt in beeindruckenden Bildern den Aufstieg des Nationalsozialismus in der Weimarer Republik, die Machtergreifung, den Zweiten Weltkrieg und die Niederlage.
Nürnberg hatte schon vor 1933 eine Tradition der Reichsparteitage der NSDAP, im August 1927 fand der dritte Reichsparteitag dieser Partei in Nürnberg statt. Austragungsort war der Luitpoldhain. 1929 fand der vierte Reichsparteitag in Nürnberg  im Luitpoldhain statt. Die „Blutfahne“ trat in Erscheinung. Mit ihr vereidigte Hitler die Teilnehmer auf sich persönlich. 13
Neben der Kongreßhalle  beherbergte das Reichsparteitagsgelände noch die Luitpoldarena, ein Aufmarschgebiet für 150.000 Menschen, das 1933 bis 1937 gebaute Zeppelinfeld. Es war ähnlich einer Festungsanlage konzipiert. 1928 wurde das Städtische Stadion gebaut, es wurde durch eine „Führertribüne“ verändert. Besonders gefüllt war es am „Tag der Hitlerjugend“. Ein „Deutsches Stadion“ war für 400.000 Zuschauer ausgelegt, blieb aber ungebaut. Eine „Große Straße“ führte vom Märzfeld (700 x 900 Meter groß mit riesigen Wallanlagen und 24 Wehrtürmen ) zur Luitpoldarena. Sie war sechzig Meter breit und zwei Kilometer lang. 1937 kam noch eine KdF-Stadt dazu, sie entstand östlich des Reichsparteitagsgeländes.
Die NSDAP riss auch in Nürnberg im März 1933 die Macht an sich. Oberbürgermeister Hermann Luppe wurde zum Rücktritt gezwungen. Sein Nachfolger wurde Willy Liebel (NSDAP). Die Reichsparteitage waren eine Riesenspektakel mit einzelnen Tagen: „Tag der Begrüßung“, „Tag der Kongresseröffnung“, „Tag des Reichsarbeitsdienstes“, „Tag der Gemeinschaft“, „Tag der Politischen Leiter“, „Tag der ‚Hitler-Jugend’“, „Tag der SA und SS“ und „Tag der Wehrmacht“.
 
Bei den Reichsparteitagen lief nicht alles der Propaganda entsprechend. So hieß es in einem „Erfahrungsbericht der Sittenpolizei über den Reichsparteitag 1935, 28. November 1935“: „Die Erfahrungen der Reichsparteitage 1933 und 1934 machten auch beim Reichsparteitag 1935 die Absperrung der Nürnberger Dirnenstraßen erforderlich. Nach wie vor sind an den Tagen des Reichsparteitages diese Straßen , in denen ungefähr 120 Lohndirnen in einzelnen Häusern beisammen wohnen, das Ziel vieler Reichstagsbesucher. Vor allem musste beobachtet werden, dass P.O. Männer (Politische Leiter), die ja am Reichsparteitag  die größere Freizügigkeit genießen, immer wieder versuchen, trotz der auffälligen Absperrung durch SS-Posten bei Tag und Nacht in diese Straßen einzudringen.“  14
 
Ähnlich desillusionierend liest sich der „Bericht über die Revision der von den Politischen Leitern während des Reichsparteitages 1936 bewohnten Quartiere: „ Koblenz-Trier: Dieser Gau in der Flurstraße bot in Bezug auf Sauberkeit einen verheerenden Anblick, dass die Bezeichnung ‚Schweinestall‘ noch zu gelinde ist. Nicht nur, dass die Politischen Leiter, die diese Räume bewohnt haben, alle möglichen Papier und Pappkartons zurückgelassen haben, sondern in allen ecken und Nischen lagen Speise-, Wurst und Käsereste, Zigarren- und Zigarettenstummel sowie sonstiger Unrat herum, die einen derartigen Gestank verbreiteten, dass einem beim Betreten der Räume schlecht wurde.“ 15
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Eine markante Schilderung Nürnbergs nach dem Zweiten Weltkrieg liefert Alfred Kerr 1947: „Nürnberg … Das war eine Stadt; und ist eine Schutthalde. Das war gemütlich-bürgerlich; und ist ein Grauen. Ein Grauen ohne Tragik; nur noch was Unangenehmes. Eine Ruppigkeit. Eine Trostlosigkeit … Eine Schutthalde. In den ‚Meistersingern von Nürnberg‘ klang es behaglich, friedvoll: ‚Wie duftet noch der Flieder…‘ Es hat sich ausgeduftet.
Die Lorenzkirche steht noch. Auch ihr Gegenstück: die mit dem wundervollen Sebaldusgrab. (Ist es noch vorhanden?). Der weg zwischen beiden bleibt eine Seelenfolter. Du siehst kaum anderes als Gedröll. Irreführend wäre das Wort ‚Ruinen‘- da denkt man immerhin an gewesene Hausungen; dies aber ist dem Staub viel näher als der billigen Vorstellung zerrissener Wände.
So daß im ersten Augenblick der Gedanke nicht abwegig scheint, dies Trümmertal seinem zustand zu überlassen – und ein neues Nürnberg nebenan zu erbauen …“ 16
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Nürnberg heute – Altstadtidylle

Nürnbergs weitläufiges Reichsparteitagsgelände fiel mir erstmals in den 60er Jahren des 20.Jahrhunderts auf bei Besuchen des städtischen Stadions in Nürnberg. 17
Weitere Besuche galten in Nürnberg dem Zoologischen Garten, dem Theater und der Musik – hier Konzerte von „Ten Years After“ und „Fleetwood Mac“ in den späten sechziger Jahren. Der Zoologische Garten erwies sich als landschaftlich ansprechend. In der unmittelbaren Nachkriegszeit war er dagegen ein Ort eines großen Massakers. „Befreite Kriegsgefangene aus den Lagern Langwasser und Fischbach fielen über die Tiere her, töteten 299 von ihnen und vernichteten damit knapp zwei Drittel des Bestandes.“ 18
 
In einer Nürnberger Tageszeitung hieß es 1985 dazu: „Gleich nach dem Einmarsch der Amerikaner brach über den Tiergarten Nürnberg das Chaos herein … Wenige Tage danach zogen die russischen Arbeiter zusammen mit anderen zum Plündern in die Stadt. Sie kamen mit einem Weinfaß wieder und feierten eine wüste Orgie … An diesem Tag verließ die US-Einheit den Tiergarten, der damit schutzlos war. Schon am nächsten Morgen kam ein Pulk von 30 bis 40 Polen, Russen und Italienern aus Richtung Mögeldorf herangezogen. Die Männer waren mit Beilen, Messern, spitzen Eisenstangen und Drahtschlingen bewaffnet … Einem Strauß hieben sie den Kopf ab, steckten die makabre Trophäe auf eine Stange und trugen sie johlend durch den Zabo. Dann wüteten sie im Tiergarten weiter. Drei junge Bären wurden aus ihren Käfig ins Freie entlassen, die erwachsenen Tiere aber erdrosselt … Immerhin scheint das Fleisch der getöteten Bären zumindest teilweise gegessen worden zu sein. Angeblich sind in einem Lager nach dem Genuß von Bärenfleisch 80 Russen an Trichinose gestorben …“ 19
2006 beim letzten Besuch waren dann die Reichskleinodien reif zu einer Besichtigung – darunter die Krone Konrads II., der Reichsapfel, das Reichsschwert (wurde 1185 Heinrich VI. Übergeben), der Kaisermantel von 1133 oder die heilige Lanze (sie wurde 926 an Heinrich I. Übergeben, als Burgund die Oberhoheit anerkannte).
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Vgl. Dr. H. Weigel, Nürnberg – Ein Bildwerk der alten Freien Reichsstadt, München o.J.,  S. 3
  Vgl. Hans Martin Barth, Die Sebalduskirche in Nürnberg, Königstein im Taunus o.J., S. 2
Vgl. Weigel, a.a.O.. S. 6
4   Siehe  https://de.wikipedia.org/wiki/Goldene_Bulle
Vgl. Benno Baumbauer/ Jiri Fajt, Das Tor zum Reich, in: Damals 11/2016, S. 40f.
Vgl. Arno Herzig, Jüdische Geschichte in Deutschland – Von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 1997, S. 48 f.
Baumbauer/ Fajt, a.a.O., S.40
8 Vgl. Jörg Schwarz, Im Würgegriff der Pest, in: Damals 11/2016, S.28
Vgl. Barbara Tuchman, Der ferne Spiegel. Das dramatische 14. Jahrhundert, München 1968 (6. Auflage), S. 117
10 Marco Popp, St. Lorenz in Nürnberg, Lindenberg 2012, S. 5
11 Vgl. Hans-Martin Barth, Die Sebalduskirche in Nürnberg, Königstein im Taunus o.J., S. 2
12  http://www.sebalduskirche.de
13  Museen der Stadt Nürnberg (Hrsg.), Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, Nürnberg 2006, S. 38
14 Ebd., S. 64
15 Ebd.
16 Dieter Rossmeisl (Hrsg.), Demokratie von außen-Amerikanische Militärregierung in Nürnberg 1945 -1949, München 1988, S. 76
17 So beispielsweise beim Spiel 1. FC Nürnberg – Hannover 96 am 18. März 1967 (1:1), in dem Walter Rodekamp zur 1:0 Halbzeitführung für Hannover 96 traf, Ludwig Müller erzielte kurz vor Schluß den Ausgleich.
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Mit dabei 1967 Hans Siemensmeyer

18 Rossmeisl a.a.O., S. 43
19 Ebd.

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Reisebericht Cuxhaven Juni 2016

Storm Theodor

Meeresstrand

Ans Haff nun fliegt die Möwe,
Und Dämmerung bricht herein;
Über die feuchten Watten
Spiegelt der Abendschein

Graues Geflügel huschet
Neben dem Wasser her;
Wie Träume liegen die Inseln
Im Nebel auf dem Meer.

Ich höre des gärenden Schlammes
Geheimnisvollen Ton,
Einsames Vogelrufen –
So war es immer schon.

Noch einmal schauert leise
Und schweigt dann der Wind;
Vernehmlich werden die Stimmen,
Die über der Tiefe sind.

Hasen in Cuxhaven - rechts die Nordsee

Hasen in Cuxhaven – rechts die Nordsee

Theodor Storm lebte in Husum, die beschriebenen Möwen könnten aber genauso in Cuxhaven gelebt haben. Voller Bedeutung für Cuxhaven ist der Oxter Bach. Hier berühren sich die Marschenrepubliken Land Wursten und Land Hadeln. Was es nicht in Cuxhaven gibt, ist ein Haff, von dem der Dichter berichtet Ein Haff ist durch eine Nehrung oder durch Inseln vom offenen Meer abgetrenntes Gewässer an einer Flachküste.

Literarisch tritt Cuxhaven vor allem als Sitz des Ringelnatz Museums in Erscheinung. Im Ersten Weltkrieg war Joachim Ringelnatz nämlich bei der Kaiserlichen Marine in Cuxhaven stationiert. Die Erlebnisse jener Jahre haben sein Lebenswerk geprägt. 1

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Ringelnatz Museum Cuxhaven

Er ist zudem in Wilhelmshaven, Kiel, Warnemünde, an der Memel und in Litauen stationiert. Die patriotische Begeisterung hielt sich in Ringelnatz‘ Kriegserinnerungen schon nach kurzer Zeit in Grenzen: „Auf dem Lokus wurde ich, als ich Hindenburgs neueste Siege las, hinterrücks von einer Woge besiegt.“ 2

Joachim Ringelnatz wäre möglicherweise angetan gewesen von dem kleinen Haus in Cuxhaven. Das Museum ist in einem Fachwerkhaus in der Südersteinstraße 44, gegenüber vom Schloss Ritzebüttel, untergebracht. Es existiert seit 2002.

Seine lyrischen Betrachtungen zu Weihnachten suchen ihresgleichen.

Joachim Ringelnatz Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Daddeldu

Auszug

Aber nun sangen die Gäste »Stille Nacht, Heilige Nacht«,
Und da schenkte er jedem Gast eine Tasse
Und behielt für die Braut nur noch drei.
Aber als er sich später mal darauf setzte,
Gingen auch diese versehentlich noch entzwei,
Ohne daß sich Daddeldu selber verletzte. –

Und ein Mädchen nannte ihn Trunkenbold
Und schrie: er habe sie an die Beine geneckt.
Aber Daddeldu zahlte alles in englischen Pfund in Gold.
Und das Mädchen steckte ihm Christbaumkonfekt
Still in die Taschen und lächelte hold
Und goß noch Genever zu dem Gilka mit Rum in den Sekt.
Daddeldu dacht an die wartende Braut.
Aber es hatte nicht sein gesollt,
Denn nun sangen sie wieder so schön und so laut.
Und Daddeldu hatte die Wanzen noch nicht verzollt,
Deshalb zahlte er alles in englischen Pfund in Gold.

Und das war alles wie Traum.
Plötzlich brannte der Weihnachtsbaum.
Plötzlich brannte das Sofa und die Tapete,
Kam eine Marmorplatte geschwirrt,
Rannte der große Spiegel gegen den kleinen Wirt.
Und die See ging hoch und der Wind wehte.

Schloß Ritzebüttel

Das spätmittelalterliche Schloss (14. Jahrhundert) wurde im 18. Jahrhundert an der Vorderseite um den barocken Vorbau erweitert. Es war – wie das dazugehörige Amt Ritzebüttel – von 1394 bis 1937 und damit weit über fünfhundert Jahre lang, eine Exklave der Stadt Hamburg. An der Spitze der Verwaltung stand ein Amtmann. Der bekanntes Amtmann war der Dichter Barthold Heinrich Brockes.(1680 bis 1747).Sein Hauptwerk ist „Irdisches Vergnügen in Gott“. Die Natur wird darin in ihrer Schönheit und Nützlichkeit als Mittler zwischen Mensch und Gott reflektiert. 1712 veröffentlichte er ein bedeutendes Passions-Oratorium. Händel setzte ihm ein Denkmal in der Brockes-Passion. Von 1735 bis 1741 war er Amtmann in Ritzebüttel.

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Schloß Ritzebüttel

Martinskirche Ritzebüttel

Die Grundsteinlegung erfolgte 1816. Der Bau zog sich jedoch hin, weil die nötigen Mittel fehlten und mühsam beschafft werden mussten. Amtmann Abendroth war 1814 von Hamburg nach Ritzebüttel zurückgekommen und nahm den Bau in Angriff. Im August 1919 fand die Weihe statt.Die Kirche wurde nach dem Reformator benannt.3

Für das Kruzifix waren vom Hamburger Senat 600 Mark bewilligt. Abendroth beauftragte den jüdischen Kaufmann S.A. Friedländer mit dem Kauf eines Kruzifixes in Paris. Dieser ließ ein teureres Kruzifix anfertigen und übernahm die Mehrkosten selbst. „Ich verlange nicht mehr als meine erste Auslage von 600 Mark … Und soll Alles Uebrige der Kirche zum Geschänk dienen,.“ So schrieb Friedländer in seiner Endabrechnung. Die jüdische Gemeinde zählte 1817 im Amt Ritzebüttel 16 Familien mit 85 Mitgliedern. 4

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Martinskirche Ritzebüttel

Hamburger Leuchtturm

Er entstand 1802 bis 1804. Er war ein Seezeichen mit Turmfeuer, das 6 km ins Meer sichtbar war. Der Turm ist 23 Meter hoch und war bis 2001 in Betrieb. Sei 1937 war der Turm elektrifiziert.

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Hamburger Leuchtturm

Minensucherdenkmal

Dieses Denkmal für die gefallenen Minensucher erinnert an den Ersten und Zweiten Weltkrieg.1905 wurde Cuxhaven Stützpunkt der kaiserlichen Marine. Es wurde 1935 eingeweiht.

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Minensucherdenkmal

Text der Inschrift:

„Wo aus Tiefen der Tod deutsche Kriegsfahrt bedroht, setzen Männer sich ein, daß frei sollten sein die Andern.“

Insel Neuwerk

Sie ist Hamburger Terrain seit dem 13. Jahrhundert. Man kann sie mit dem Pferd von Cuxhaven aus erreichen (13 km). Das markanteste Bauwerk ist der Neuwerker Leuchtturm. Seine Besteigung lohnt sich wegen des tollen Ausblickes! 2004 eröffnete ein Nationalpark-Haus.5

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Blick vom Neuwerker Leuchtturm

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Neuwerker Leuchtturm Blick auf die Landschaft

1 http://www.ringelnatzstiftung.de/

2 Joachim Ringelnatz, Als Mariner im Krieg, Zürich 1994, S. 64

3 http://www.cuxpedia.de/index.php?title=Martinskirche

4 Kirchenvorstand der Martinskirche (Hrsg.),Die Martinskirche zu Ritzebüttel 1919 -1969 -Eine Gedenkschrift zum 150jährigen Bestehen, Cuxhaven 1969, S. 32

5 S.Gödecke, Cuxhaven . Norseeheilbad an der Weltschiffahrtsstraße, Lübeck o.J. S.50 f.

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Herzogenbusch und Antwerpen im April 2016

Herzogenbusch ist die Hauptstadt der niederländischen Provinz Nordbrabant. Die Stadt hat ungefähr 144.000 Einwohner.

Ein Stadtteil liegt an einer Stelle, an der die Bataver eine Siedlung und einen Tempel für ihren Gott hatten. Bei den Batavern handelt es sich um einen westgermanischen Volksstamm Sie siedelten sich um etwa 50 v. Chr. an der Rheinmündung in der belgischen Provinz des Römerreiches an.

Die Stadt hat ihr Stadtrecht im Jahre 1185 von Herzog Heinrich I. von Brabant verliehen bekommen. Sie liegt auf einem kleinen Sandrücken, der von sumpfigem Terrain umgeben ist. Im Mittelalter war die Stadt strategisch wichtig. Die Festung Herzogenbusch galt als nahezu uneinnehmbar. Die Kaufleute der Stadt importierten Wein aus Deutschland, Sandstein aus Lüttich und Fisch aus den Ländern der Ostsee.

Zwischen 1450 und 1525 hatte die Stadt eine Zeit der wirtschaftlichen Blüte, die im        16. Jahrhundert mit dem Achtzigjährigen Krieg beendet wurde. Im Achtzigjährigen Krieg      (auch Spanisch-Niederländischer Krieg) von 1568 bis 1648 erkämpfte die Niederlande ihre Unabhängigkeit von Spanien.

Die Stadt wurde von den Niederländern 1629 durch Friedrich Heinrich von Oranien erobert. Er war von 1625 bis zu seinem Tod 1647 Statthalter der Vereinigten Niederlande.

Anschließend wurde die Zitadelle erbaut. Die Zitadelle von ’s-Hertogenbosch ist eine zwischen 1637 und 1645 angelegte Festung am Rand der Innenstadt von Herzogenbusch. Sie wurde zur Abwehr spanischer Angriffe, aber auch gegen die katholischen Einwohner der Stadt errichtet.

Im Jahre 1815 wurde die Stadt zur Provinzhauptstadt.

Im Mai 1940 wurde auch diese Stadt – wie die ganzen Niederlande – von Truppen der deutschen Wehrmacht besetzt und am 29. Oktober 1944 durch alliierte Truppen befreit.

Ein markantes Bauwerk ist die Kathedrale von Sankt Johannes (Sint-Jan). Die Kirche wurde ab 1220 im romanischen Stil erbaut. 1380 wurde mit dem Bau der von Willem van Kessel entworfenen gotischen Kirche begonnen. Sie wurde 1559 oder 1561 Kathedrale des neu gegründeten Bistums. 1566 gab es einen Bildersturm.1584 brach ein Brand im heutigen Mittelturm aus, der die Kirche schwer beschädigte. Zwischen 1629 und 1810 war die Kirche reformiert, das heißt den Protestanten zugesprochen.

Von 1859 bis 1864 wurde eine erste Restaurierung vorgenommen und von 1961 bis 1985 eine Restaurierung des Innenraumes. Seit 2000 (Jubeljahr) läuft eine weitere Sanierung.

Neben der Ausstattung des Innenraums imponiert das Gebäude durch seine Größe (sie ist ca. 115 m lang). Der Turm ist 73 Meter hoch. Die Fassade ist mit Steinskulpturen geschmückt. 2003 ging als Marienjahr in die Annalen der Kathedrale ein.

Am 26. Juni 1929 erhielt die Kirche den Ehrentitel Basilika Minor. Seit 2007 sind über dem westlichen Eingang die New Yorker Terroranschläge vom 11. September 2001 als Sinnbild der Hölle zu sehen.

Kathedrale von Herzogenbusch

Kathedrale von Herzogenbusch

Bedeutendster Sohn der Stadt ist Hieronymus Bosch. Er wurde als Hieronymus van Aken 1450 in Herzogenbusch geboren. 1487/1488 wird er geschworenes Mitglied der Liebfrauenbruderschaft. Um 1480 heiratet er Aleid van de Meervenne. Seit 1488 signiert er seine Werke mit seinem Namen. 1504 gibt Philipp der Schöne, Herzog von Burgund und Brabant, bei Bosch ein Jüngstes Gericht in Auftrag. 1516 stirbt er.

Das Jüngste Gericht wurde zwischen 1495 und 1505 geschaffen. Auf dem geschlossenen Triptychon ist als Grisaille – man bezeichnet so eine Malerei, die ausschließlich in Grau, Weiß und Schwarz ausgeführt isteinerseits der Heilige Jakobus und andererseits der Heilige Bravo zu sehen. In der Mitte des geöffneten Triptychons ist das Weltgericht zu sehen. Christus thront als Richter hoch über der Welt. Er wird umrahmt von den Engeln der Apokalypse. Die linke Tafel zeigt das Paradies mit Adam und Eva. Die rechte Tafel zeigt die Schrecken der Hölle.

Hieronymus Bosch "Jüngstes Gericht"

Hieronymus Bosch „Jüngstes Gericht“

Antwerpen

Antwerpen ist eine Hafenstadt in der Region Flandern und ist die Hauptstadt der Provinz Antwerpen. Bezogen auf die Stadt als Verwaltungseinheit ist Antwerpen die größte Stadt des Landes. Besonders der Hafen ist durch seine Größe bedeutend für die Stadt. Er ist der drittgrößte Europas.

Antwerpen liegt an der Schelde. Nach einer Sage über die Stadt war der Riese Antigoon eine schreckliche Figur in der Stadtgeschichte. Die Schiffer mussten, um den Fluß zu überqueren, Zoll zahlen. Wenn sie dies verweigerten, wurde ihnen die Hand abgehackt und sie wurden in die Schelde geworfen. Möglicherweise entstand der Name der Stadt aus einer Kontraktion aus „Hand“ und „Werfen“. Im 7. Jahrhundert wurde der Ort christianisiert. Die Missionare Eligius, Amandus und Willebrordus brachten den Flandern das Christentum. 836 wurde die Stadt von den Normannen verwüstet. 843 wird das Frankenreich geteilt. Flandern mit Antwerpen kommt an das Westfrankenreich.

Die Markgrafschaft Antwerpen gehörte zum Herzogtum Niederlothringen. Das Gebiet erstreckte sich um die Städte Antwerpen und Breda. Allgemein wird angenommen, dass die Mark ein Ergebnis der Grenzpolitik der Ottonen war. Antwerpen bildete die militärische Pufferzone an der Westgrenze des Reichs – jenseits der Schelde lag Frankreich. Anfang des 12. Jahrhunderts kam die Stadt zu den Grafen von Löwen. Graf Gottfried I. von Löwen erhielt 1106 das Herzogtum Niederlothringen. Sein Urenkel Heinrich I. nahm 1183 auch den Titel des Herzogs von Brabant in der Landgrafschaft Brabant an.

Der Ort erhielt 1291 die Stadtrechte. Eine erste Blütezeit erlebte die Stadt im 14. Jahrhundert. Sie war dank des Hafens und des Tuchhandels, der schon im 11. Jahrhundert in Flandern aufblühte, ein führender Handelsplatz und ein Finanzzentrum Europas. Antwerpen fiel 1430 an Burgund, 1477 an Habsburg.

1556 siegte die Reformation in Antwerpen. Im 16. Jahrhundert war Antwerpen reichste Handelsstadt Europas. Nach der spanischen Eroberung Antwerpens 1585 mussten alle Protestanten die Stadt verlassen. 1648 erkämpften die Niederlande ihre Unabhängigkeit. Durch eine Bestimmung des Westfälischen Friedens von 1648 durfte die Schelde nicht als Schifffahrtsweg benutzt werden, was den Handel der Stadt schwer beeinträchtigte.

Nach dem spanischen Erbfolgekrieg 1714 gehörte Antwerpen zu den Österreichischen Niederlanden. 1795 kam das Land zu Frankreich. Nach Napoleons Niederlage bei Waterloo 1815 endete die französische Zeit.

In der Belgischen Revolution von 1830 erhob sich die überwiegend katholische Bevölkerung der südlichen Provinzen der Niederlande gegen die Vorherrschaft der mehrheitlich protestantischen Nordprovinzen. Innerhalb weniger Wochen im August und September führte der Aufstand zur Aufteilung des Königreiches in zwei Staaten. Das überwiegend holländische Flandern und die überwiegend französisch sprechende Wallonie begründeten den neuen Staat Belgien. Antwerpen wurde von niederländische Truppen 1830 beschossen und 1831 erobert. 1832 nach der Belagerung der Zitadelle von Belgien gaben französische Truppen die Stadt Belgien zurück.

Die Belagerung von Antwerpen fand zu Beginn des Ersten Weltkrieges vom 20. August bis zum 10. Oktober 1914 statt. Angreifer waren deutsche Truppen, die Festung musste kapitulieren. Ende 1918 konnte Antwerpen nach der Niederlage Deutschlands seine Unabhängigkeit wieder gewinnen.

Wer kennt sie nicht, die deutschen Wunderwaffen V 1 und V 2, die das Blatt im Zweiten Weltkrieg noch wenden sollten? Antwerpen war ein bevorzugter Zielort der deutschen Vergeltungswaffe V 2. Einer der schwersten Angriffe wird wie folgt geschildert: „27.11.1944,12:10
V2-Treffer auf die Kreuzung Teniers Plaats beim Hauptbahnhof: 126 Tote
Beim V2-Treffer auf den Teniers Plaats beim Hauptbahnhof um 12:10 mittags wurde die Kreuzung zur Hauptverkehrszeit getroffen. An dieser Kreuzung kamen oft alliierte Convoys vorbei, wie auch um diese Zeit. Die Rakete traf auf einen Gegenstand über dem Boden auf und explodierte über dem Boden, so dass kein Krater entstand. Gleichzeitig war die zerstörerische Wirkung furchtbar. Menschen wurden zerfetzt, Autos explodierten oder gerieten in Brand, deren Insassen wurden verbrannt, die Glasscheiben der Trams barsten und verletzten die Passagiere. Fußgänger und Polizisten wurden bis zu 60 m weit weg geschleudert, brennend tot oder lebendig. Der Körper eines verbrannten Verkehrspolizisten wurde auf dem Dach eines Hotels 60 m weiter weg aufgefunden. Der zweite Verkehrspolizist war in Stücke zerrissen. Gleichzeitig wurde eine Hauptwasserleitung getroffen, so dass die Kreuzung bald unter Wasser stand und die Körperteile der Toten im Wasser schwammen. Das rote Wasser floss in die Gulis. Es waren 126 Tote zu beklagen, darunter 26 amerikanische und britische Soldaten, und weitere 309 Personen waren verletzt. Die Überlebenden vergaßen nie den Anblick von Leichen und Blut auf dieser Kreuzung, der durch die deutsche V2 verursacht worden war. Die Verletzten kamen nach der Behandlung bei der Rot-Kreuz-Station nach Hause und die Angehörigen wurden durch die halb verbluteten und blutenden Menschen, die noch Glassplitter in den Haaren hatten, erschreckt.“
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Im März 1945 bezeichnete ein amerikanisches Magazin Antwerpen als „The City of Sudden Death“ („Stadt des plötzlichen Todes“). Nicht ganz zu unrecht, bedenkt man einen weiteren Großangriff: im „Rex“-Kino kamen am 16. Dezember 1944 allein 567 Menschen ums Leben.

Die Liebfrauenkirche ist der markanteste Sakralbau der Stadt. Der Turm ist 123 Meter hoch und scheint regelrecht in den Himmel zu wachsen. Die Kirche entstand 1352, der Turm entstand 1420. Mehrere Brände gab es 1434 und 1533. Während der französischen Besatzung wurde sie zwischen 1794 und 1800 ausgeplündert. Das innere ist genauso pompös mit 125 Säulen wie der Turm. Die Länge beträgt 117 Meter. Eines der markantesten Kunstwerke ist die Kreuzabnahme Christi von Peter Paul Rubens 1612 – siehe Bild.

Rubens "Kreuzabnahme Christi"

Rubens „Kreuzabnahme Christi“

Der Hauptbahnhof Antwerpen wurde 1905 erbaut, seine Kuppel ist 75 Meter hoch. Das steinerne Empfangsgebäude in stammt von Louis de la Censerie. Er ließ sich dabei vom Pantheon in Rom inspirieren.

Bahnhof Antwerpen

Bahnhof Antwerpen

Literatur

https://de.wikipedia.org/wiki/%E2%80%99s-Hertogenbosch

Kathedrale Sint-Jan ’s-Hertogenbosch – Faltblatt Deutsch

Noordbrabants museum, Jheronimus Bosch – Visionen eines Genies, #Boschexpo (Ausstellungsführer)

https://de.wikipedia.org/wiki/Antwerpen

https://de.wikipedia.org/wiki/Markgrafschaft_Antwerpen

https://de.wikipedia.org/wiki/Achtzigj%C3%A4hriger_Krieg

Antwerpen und seine Schönheiten, Brüssel o.J.

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Nationalpopulismus und Rechtsradikalismus in Ungarn

Leserbrief zu: “Orban und Seehofer üben wieder den Schulterschluss“, in Main-Echo vom 17.10.2016

Ungarn entwickelt sich seit geraumer Zeit unter Viktor Orbán hin zum völkischen Nationalismus. Zwei Plätze tragen seit Mitte Mai 2011 den Namen des Blut- und Boden-Schriftstellers Albert Wass. Er ist ein Repräsentant des völkischen Magyarentums. Der Schriftsteller war in Rumänien 1946 wegen angeblicher Teilnahme an Erschießungen zum Tode verurteilt worden. Das Simon Wiesenthal Center hat die Vorwürfe bestätigt. Er sah die Juden in Ungarn als größtes Übel.

Ein Park Budapests trägt nicht mehr den Namen Endre Bajcsy-Zsilinszky. Der jüdische Politiker hatte zu den führenden Widerständlern gegen das Bündnis des Reichsverwesers Miklós Horthy mit Hitler-Deutschland gehört. Die Pfeilkreuzler hängten ihn dafür 1944. Jetzt hängt ihn das Orbán-Regime zum zweiten Mal symbolisch auf.

Der Direktor des Holocaust Zentrums für Dokumentation und Erinnerung in Budapest, László Harsányi, hat ebenfalls 2011 seinen Posten verloren, weil die Ausstellung nach Ansicht der Orbán-Regierung den Verbündeten des Deutschen Reiches zu deutlich mit der Ermordung von Juden in Verbindung brachte. Es gab unter Horthy Massaker an Juden (z.B. in Novi Sad 1942, dort auch an nichtjüdischen Einwohnern), die Errichtung von Ghettos, unter anderem in Kassa (ab 1941), aber auch in ländlichen Gegenden im Kernland und es entfaltete sich bereits eine von den Pfeilkreuzlern betriebene Terrorherrschaft gegen Andersdenkende, Minderheiten, sowohl ethnischer wie politischer Natur. Nicht erst seit 1944 trieben ermordete Juden in der Donau.Das erste antijüdische Gesetz unter Horthy – es umfasste einen Numerus clausus für jüdische Studenten – stammte aus dem September 1920. Der jüdischen Minderheit (6,2 % der Gesamtbevölkerung) wurde darin der Zugang zur Universität erschwert und eine Beschäftigung im Staatsdienst praktisch unmöglich gemacht. Ab 1938 wurden in Ungarn eine Reihe antijüdischer Gesetze erlassen. Diese Gesetze waren den Nürnberger Rassegesetzen ähnlich. Ab 1940 wurden die Juden aus den ungarisch besetzten Gebieten, wie der Südslowakei und Siebenbürgen, in das Generalgouvernement nach Galizien getrieben, wo sie dem deutschen Zugriff ausgeliefert waren. Entgegen den Wünschen der deutschen Regierung weigerte sich Ungarn allerdings, seine ungarischen jüdischen Einwohner auszuliefern bzw. deren Transport in Lager zuzulassen. C. Schauer

Erschienen in Main-Echo online vom 13.1.2017

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Leserbrief zu: „Ungarn mit Rauswurf aus der EU gedroht“, in Main-Echo vom 13.9.2016, erschienen in Main-Echo online vom 20.9.2016, in Main-Echo Print-Ausgabe vom 22.9.2016

Der Luxemburgische Außenminister Asselborn hat eine Forderung erhoben, nämlich Ungarn aus der EU auszuschließen, der man sich nur anschließen kann. Die völkisch nationalistische Politik unter Viktor Orban setzt auf pauschale Vorurteile gegenüber Flüchtlingen aus muslimischen Ländern. Im November letzten Jahres konnte man diese hysterische Furcht vor Flüchtlingen kennenlernen: „Natürlich gibt man es nicht gerne zu, aber es ist eine Tatsache, dass alle Terroristen letztlich Migranten sind“, sagte Viktor Orbán damals. „Die Frage ist nur, wann sie in die Europäische Union eingewandert sind.“ Eine Anklage wegen Volksverhetzung vor dem Europäischen Gerichtshof wegen Volksverhetzung wäre hier die richtige Antwort. Gegenwärtig wird Ungarn von der rechtskonservativen Regierung zugeklebt mit Plakaten. An manchen Orten hängen fünf, sechs nebeneinander. „Hätten Sie’s gewusst?“, steht da: „Es waren Einwanderer, die die Anschläge von Paris begangen haben.“ Zudem warnen die gleichgeschalteten Staatsmedien in den Nachrichten und in Werbespots tagtäglich vor der „Migrantenflut“. Nationalistische Hysterie statt Aufklärung ersetzt hier ein demokratisches Grundwerteverständnis.

Der Höhepunkt: Ein Europa-Abgeordneter der Orbán-Partei Fidesz twitterte, man solle zur Abschreckung muslimischer Flüchtlinge Köpfe von Schweinen an die Grenzzäune zu Serbien und Kroatien hängen. Ein Vorschlag, der in Deutschland von der NPD kommen könnte.

Fazit: Wer völkisch nationalistisch denkt und handelt, der soll auf die heimische Scholle verwiesen werden und nicht von den Fleischtöpfen der EU profitieren.

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Leserbrief zu: »Wir brauchen einen Geist der Besonnenheit« – Heinrich Bedford-Strohm: Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche über Nächstenliebe als globale und lokale Verantwortung, in: Main-Echo vom 12.2.2016 und Seehofer will Orban besuchen, in Main-Echo vom 19.2.2016

Wer immer Ungarn im Konfliktfall die letzte Entscheidung über die Asylgewährung in Europa überlässt, der muss wissen, daß dieses Land und seine rechtskonservative Regierung im Kern keinen einzigen Asylbewerber aus einem anderen Kulturkreis will. Seine Haltung hat Orbán Mitte Dezember 2015 noch einmal prägnant zusammengefasst: „Wir wollen diese Menschen nicht haben.“

Das ungarische Recht und die Rechtspraxis weichen derzeit in mehreren Bereichen von den Bestimmungen der Genfer Flüchtlingskonvention ab. Erstens fehlen im ungarischen Recht ausreichende rechtlich verankerte Garantien zur Gewährleistung der vollen Übereinstimmung mit Artikel 31 der Genfer Flüchtlingskonvention („Flüchtlinge, die sich nicht rechtmäßig im Aufnahmeland aufhalten“). Asylsuchende werden oft verhaftet und es werden Verfahren gegen sie wegen Einreise mit falschen oder gefälschten Reisedokumenten eingeleitet. Trotz der andauernden und langfristigen Bemühungen von UNHCR, die Rechtslage und -praxis zu beeinflussen, sind Personen, die wegen des Verwaltungsvergehens der irregulären Einreise oder des unrechtmäßigen Aufenthalts verurteilt werden, harten Haftbedingungen in Gefängniseinrichtungen, in denen Straftäter untergebracht sind, ausgesetzt.

Zudem kommt Ungarn nicht im vollen Umfang seinen Pflichten gemäß Artikel 35 der Flüchtlingskonvention („Zusammenarbeit der staatlichen Behörden mit en Vereinten Nationen“) nach, insbesondere hinsichtlich der Bereitstellung von Statistiken über Asylsuchende und Flüchtlinge auf Ersuchen von UNHCR (z. B. über die Anzahl der in Haft befindlichen Asyl suchenden Familien mit Kindern und die Anzahl der Familienzusammenführungen von Flüchtlingsfamilien).

Wenn der Regierungschef eines EU-Mitgliedstaates, Herr Orbán, erklärt, sein Land nehme keine muslimischen Flüchtlinge auf, ist das mit der EU-Grundrechtecharta und der Religionsfreiheit, der Rechtsgleichheit und dem Verbot der Diskriminierung nicht vereinbar. Die Behauptung, die Aufnahme vieler Asylbewerber in Deutschland sei rechtswidrig, ist nicht richtig. Zwar sollen Asylverfahren grundsätzlich dort durchgeführt werden, wo ein Asylbewerber erstmals die EU-Außengrenze überschreitet, aber das Dublin-Regime kennt auch ein Selbsteintrittsrecht eines primär nicht zuständigen Staates.

Wer die ungarische Haltung als beispielgebend ansieht mit dem Gerede vom Rechtsstaat, der angeblich von der Bundesregierung ausgehebelt wird, der soll wenigstens vorher die Genfer Flüchtlingskonvention kündigen und versichern, dass auch er mit Flüchtlingen aus anderen Kulturen nichts zu tun haben will.

Christian Schauer, Alzenau – Erschienen in Main-Echo online vom 20.2.2016, in der Print- Ausgabe vom 4.3.2016

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Leserbrief zu „Lebenslang für rechtsradikale Roma-Mörder“, in: „Main-Echo“ vom7.8.2013

Rechtsradikale und antisemitische Tendenzen nehmen in Ungarn Besorgnis erregende Ausmaße an. Mitte März fanden sich auf den Namensschildern mehrerer Professoren der Eötvös- Loránd -Universität in Budapest Aufkleber mit dem Slogan „Juden, die Universität gehört uns, nicht euch“. Betroffen war unter anderem die emeritierte Philosophieprofessorin Ágnes Heller, eine Holocaust Überlebende, die lange Zeit am Hannah Arendt Center der New School for Social Reseaerch in New York lehrte. Dahinter steckt die rechtsextreme Studenten- selbstverwaltung HÖK, die der faschistischen Jobbik-Partei nahe steht. Sie legte Listen von Studenten an, in denen Personen als „hässlicher Judenkopf“ oder „Scheißliberaler“ klassifiziert werden. Nach einer Umfrage wurde Jobbik an den Universitäten zur beliebtesten Partei in Ungarn. Jeder dritte Student in Ungarn neigt zur Wahl dieser rechtsextremen Kraft. Ähnlich viele ziehen eine Diktatur der Demokratie vor. Jobbik ist neueren Umfragen zufolge zweitstärkste Partei. Ihre Ideologie ähnelt der der NSDAP. Demnach sind die „wahren Ungarn“ anderen Volksgruppen überlegen. Die Regierung wird aufgefordert „Judenlisten“ zu erstellen, Beschimpfungen von Juden und Roma sind an der Tagesordnung. Hervorstechend ist die „Neue Ungarische Garde“ -eine paramilitärische Organisation der Jobbik-Partei. Sie verbreitet bei öffentlichen Aufmärschen Angst und Schrecken. Besonders Roma sind das Ziel von Übergriffen.

Der jetzige Ministerpräsident Viktor Orbán tritt diesen Tendenzen nicht entschieden entgegen. Seit seinem Amtsantritt 2010 ist Ungarn fremdenfeindlicher und antisemitischer geworden. Seine nationale Sicht polarisiert. Fernsehjournalisten werden mit Sanktionen bedroht, wenn ihre Beiträge Mißfallen bei den Aufsichtsbehörden hervorrufen. Dem Verfassungsgericht wurde Anfang des Jahres die Kontrollmöglichkeit der Regierung genommen, die Gewaltenteilung damit augehoben. Ferenc Szaniszló, ein rechtsradikaler Redakteur von Echo TV, meint, die Linken bewirkten, dass das Ungarntum „verwest. Sie sind Parasiten, die das reine Blut der Ungarn saugen.“ Roma „Zigeuner“ seien Schmarotzer und „Ungarnmörder“. Der Journalist erhielt am ungarischen Nationafeiertag den Táncsics-Preis, eine hohe Auszeichnung für Journalisten. Herbe Kritik bewirkte, dass Szaniszló den Preis zurück gab. Zum Holocaust-Gedenktag am 21. April wurde zu einer Motorrad-Parade unter dem Motto „Gib Gas“ aufgerufen. Bei Länderstudien zur Verbreitung von Rassismus belegen die Ungarn Spitzenwerte. 62 Prozent glauben, Roma seien „kriminell veranlagt“, zwei Drittel halten Homosexualität für unmoralisch, für 46 Prozent sind „die Juden“ für die gegenwärtige Finanzkrise verantwortlich. Das völkische Denken nahm bereits seit Anfang der 90er Jahre zu. Sein Ausmaß ist bedenklich.

Christian Schauer, erschienen am 20.8.2013 im Main-Echo

Veröffentlicht 20. August 2011 von schauerchristian in Aktueller Kommentar zu Ungarn

Glockenläuten gegen Nationalismus – AfD in Mömbris -Carl-Diem-Straße umbenennen-Asylbewerber in Alzenau – Kritik der NPD im Kreis Aschaffenburg – Bildung ist ein Menschenrecht – Einschätzung von Gemeinschaftsunterkünften – Friedel Heymann – Elektronische Hinweise HLB/KVG – Stolpersteine Schöllkrippen – Save-me-Kampagne regional – Aschaffenburger Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber – Stolpersteine in Hörstein – Kirchliches Theater?

Leserbrief „Weihbischof Boom leitet Bistum“, in: Der Heimatbote vom 21.9.2017, erschienen in: Der Heimatbote vom 23.9.2017

Der jetzige Bistumsleiter hat vor elf Jahren auf sich aufmerksam gemacht. Der damalige Pfarrer Ulrich Boom wurde überregional bekannt, als er am 22. Juli 2006 die Glocken der Miltenberger Jakobuskirche läutete, um eine Kundgebung der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ zu stören.

Zwanzig Minuten haben Ulrich Boom bekannt gemacht. So lange ließ er an diesem Tag die Glocken der Miltenberger Kirche läuten, dann hatten die zu einer Kundgebung versammelten Mitglieder der „Jungen Nationaldemokraten“ genug und brachen ihre Aktion ab. Die Effizienz war damals gegeben. Vielleicht setzt er solche Aktionen auch als Bistumsleiter fort.

Christian Schauer

 

Glockenläuten JN

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Mehrheit in Mömbris bestätigt Vertrag über ”Der Markt Mömbris bietet künftig auf dem Marktplatz kostenloses W-Lan an – und kooperiert dafür mit Andreas Kropp, der für die AfD in den Bundestag will. Die Mehrheit des Marktgemeinderates bestätigte damit am Dienstagabend einen Beschluss vom März.“ So berichtete das Main-Echo am 4.Mai 2017.

Der Leserbriefschreiber behauptet, es gebe eine klare Trennungslinie zwischen Nationalpopulisten und Rechtsradikalen. Mehrere Beispiele widerlegen dies.

„Wir Deutschen sind das einzige Volk, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat“, sagte der AfD-Vorsitzende von Thüringen, Björn Höcke, im Januar 2017 in Dresden.

Ende August 2016 erteilte das AfD-Vorstandsmitglied Jörg Meuthen seiner Partei in Mecklenburg-Vorpommern einen Freibrief, im Falle eines Wahlerfolgs im Parlament mit der NPD zu kooperieren.

Im November 2015 behauptete Höcke während einer Rede zur Asylpolitik am von Götz Kubitschek geleiteten „Instituts für Staatspolitik“, es gäbe genetische Unterschiede im Sexualverhalten von Afrikanern und Europäern. Er sprach dabei vom „lebensbejahenden afrikanischen Ausbreitungstyp“, der auf den „europäischen Platzhaltertyp“ treffe und so eine geschlossene deutsche Grenze notwendig mache. Nicht nur die Amadeu-Antonio-Stiftung bezeichnete diese Aussagen als rassistisch.

Erwiesen sind Kontakte des Saar-Landesvorsitzenden Josef Dörr und seines Stellvertreters Lutz Hecker zu Rechtsradikalen. Dörr und Hecker standen im Herbst 2015 in engem Kontakt mit dem früheren stellvertretenden rheinland-pfälzischen NPD-Vorsitzenden Sascha Wagner.

Im Oktober 2014 verbreiteten und billigten zwei Mitglieder des Landesvorstands der AfD in Sachsen-Anhalt auf Facebook Verschwörungstheorien und Tötungsphantasien gegen den damaligen amerikanischen Präsidenten Obama. Zudem verharmlosten sie den Holocaust. Ein Magdeburger Beisitzer teilte die Inhalte, einem anderen Vorstandskollegen gefielen sie auch. Der Bundesvorstand distanzierte sich von den Äußerungen, auch der AfD-Landesvorsitzende Poggenburg. Er hielt seine Vorstandskollegen aber weiterhin für tragbar. Poggenburg war schon im April 2014 wegen eines herabwürdigenden Beitrag über Michel Friedman kritisiert worden.

Die Reihe von Verbindungen und Ähnlichkeiten zwischen AfD und NPD ließe sich beliebig weiter fortsetzen. Sie zeigt eines: eine klare Trennungslinie der Nationalpopulisten (AfD) zu den Rechtsradikalen (NPD) gibt es nicht.

Christian Schauer

Alzenau bunt

Plakat für ein weltoffenes Alzenau Marktplatz


Verhältnis AfD zum Rechtsradikalismus , erschienen in: Main-Echo online vom 12.5.2017

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Leserbrief zu „Streit um Diem geht im August weiter“, im Main-Echo vom 1.7.2017, in Main-Echo online vom 4.7.2017,  Printausgabe: 6.7.2017

Zusammenhang: Bürgermeister Alexander Legler (CSU) überraschte mit der Ankündigung, das Thema in der Augustsitzung des Stadtrates behandeln zu wollen – allerdings gänzlich anders, als es die Grünen erwartet hätten: Legler will beantragen, dass der grüne Antrag nicht behandelt wird. Der Grund: Alzenaus Stadtrat habe bereits über die Abschaffung des Namens entschieden – und die Abschaffung abgelehnt. Dieser Beschluss sei gültig und habe Bestand.

Der Tatsache, den Antrag auf Umbenennung der Carl-Diem-Straße nicht behandeln zu wollen, widerspricht die Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland seit 2003. In diesem Jahr war ein derartiger Antrag in Alzenau zuletzt gestellt worden.

Seither sind viele Städte dazu übergegangen, Carl-Diem-Straßen, -wege und -hallen umzubennen. Diems Wirken wurde von Kommunalpolitikern kritischer gesehen. Städte wie Aachen (2007), Köln (2007/2008), Neuss (2009), Grevenbroich (2010) und Münster (2010) haben bereits Carl-Diem-Straßen und -Wege umbenannt und somit ein deutliches Zeichen der Distanz zu diesem braunen Sportfunktionär gesetzt. Die einst am Carl-Diem-Weg gelegene Deutsche Sporthochschule in Köln scheiterte 2008 vor Gericht mit dem Versuch, die Umbenennung der Straße in „Am Sportpark Müngersdorf“ zu verhindern. In seiner Geburtsstadt Würzburg wurde eine historische Entscheidung gefällt. Eine Sporthalle ist seit 2004 nicht mehr nach Carl Diem benannt.

Eine überzeugende Argumentation führte ein Kommunalpolitiker in Pulheim (Nordrhein-Westfalen) an, wo es 2009 auch zu einer Umbenennung kam: „Ich bin schockiert, das wir die Frage des ‚ob‘ hier überhaupt noch diskutieren müssen. Gegen das Leid, das dieser Mensch verursacht hat, die Änderungskosten für einen Briefkopf zu setzen, ist zynisch“.

Eine der letzten Umbenennungen fand 2014 in Alsdorf statt. In den Aachener Nachrichten hieß es dazu abschließend: Damit ist auch in Alsdorf vollzogen, was in anderen Städten bereits geschah. Dieser Prozess war zuletzt von allen Parteien unterstützt worden.“

Alzenau stellt sich bisher als ziemlich einzigartig dar, was die Einschätzung von Carl Diem betrifft. Das muss nicht so bleiben.

Christian Schauer, Alzenau

Leserbrief zu: „Michelbacher wollen Diem loswerden“, in: Main-Echo vom 14.3.2017, erschienen in Main-Echo online vom 15.3.2017, in der Printausgabe vom 16.3.2017

Diems extremer Nationalismus und Militarismus zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben: Schon 1931 führte er in der Heeressportschule Wünsdorf folgendes aus: „Vom Standpunkt der Wehrgesinnung gilt es noch ein letztes zu beachten: Sporteinigkeit. Der nächste Krieg wird nicht mit den Kriegsfreiwilligen gewonnen, sowenig wie es im Weltkrieg möglich war, er ruht vielmehr auf dem Wehrwillen der Wehrflauen.“ Nach der Machergreifung 1933 war Sport für ihn „eine weihevolle Tätigkeit“ und „ein Dienst am Vaterland“.

Im Festspiel-Entwurf für das Deutsche Turn- und Sportfest 1938 in Breslau äußerte er seinen romantischen Militarismus: „Allen Spiels heil’ger Sinn, Vaterlandes Hochgewinn – Vaterlandes höchst‘ Gebot in der Not, Opfertod!“

Eine führerzentrierte Skidemonstration entwarf Diem 1940. Höhepunkt sollte eine „Gefechtsfeldübung der Wehrmacht“ und eine Hitleransprache sein. Sein Wunsch, Sportregimenter für die Blitzkriegskonzeption aufzustellen, scheiterte am Widerstand der SA. In einem Memorandum von 1941 begründete er die Beibehaltung weltumspannender olympischer Spiele wir folgt: „ Ich meine aber, daß man den Herrenstandpunkt der überlegenen Rasse nur dann auf Dauer durchhält, wenn auch eine körperliche Gesundheit und Kraft dahinter steht, und darum sehe ich in den Spielen für Europa genau das, was Coubertin in ihnen für Frankreich gesehen hat: die immer wiederkehrende Prüfung im härtesten Feuer und der stachelnde Anreiz, es den besten aller Völker gleichzutun. Wir wollen Weltspiele, weil wir der Welt zeigen wollen, was wir können!“

In einer Rede auf dem Reichsssportfeld vom 18. März 1945 zitierte er den Satz des griechischen Dichters Tyrtaios (7. Jahrhundert vor Christus): „Schön ist der Tod, wenn der edle Krieger für das Vaterland fällt.“

Dass Diem seine Rolle in der NS-Zeit in der Nachkriegszeit öffentlich bereut hat, ist nicht bekannt.

Christian Schauer

Carl Diem

Carl-Diem-Straße Michelbach Foto privat

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Flüchtlinge bald wieder in der Alzenauer “Brezel”?, in Main-Echo vom 5.6.2014

20 der insgesamt 49 Asylbewerber, die im Juli 2013 vor der Alzenauer »Brezel« abgeholt und in andere Flüchtlingsunterkünfte umziehen mussten, wünschen sich die Rückkehr nach Alzenau. Das zeigt eine gelungene Integration in die Unterkunft und teilweise auch in die Stadt. Dass eine baldige Rückkehr nach Alzenau von den Asylbewerbern erwünscht ist, versteht sich daher von selbst. Es bleibt nur zu hoffen, dass die bürokratischen Verfahren bis zur Wiederzulassung den Einzug nicht allzu lange verzögern. Hierzu bedarf es eines guten Willens, der dem langen Leerstand gerecht wird. Ist es eine Besonderheit, wenn eine Traditionsgaststätte sich in eine Asylunterkunft verwandelt?

Ganz selten ist eine derartige Umwidmung in Deutschland wohl nicht. So soll die Traditionsgaststätte Möller in Haina-Löhlbach (Landkreis Waldeck-Frankenberg Nordhessen)  Mitte 2014 ein Asylbewerberwohnheim werden. Das bei Vereinen beliebte Lokal schloß am 23. März dieses Jahres. Früher lebte die Gaststätte auch von Feriengästen.  Eine ähnliche Entwicklung nahm der Gasthof „Adler“ in Unterelchingen (Kreis Neu-Ulm). Dort wurden Ende 2013 Asylbewerber untergebracht.

C. Schauer geschrieben: 08.06.2014 15:32, in: Main-Echo online

Zur Brezel

Bild: Zur Brezel, Foto privat

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Leserbrief zu: „SPD stellt eigenen Antrag zum NPD-Verbot“, in: Der Heimatbote vom 12.1.2013, erschienen  im „Heimatboten“ vom 15.1.2013

Das Treiben der NPD ist nicht nur bundesweit, sondern auch in der Region kriminell. Deswegen ist ein neuerlicher NPD-Verbotsantrag zu begrüßen. Aktueller Hintergrund in der Region: Die Kriminalpolizei sucht den Verfasser eines von der NPD ins Internet gestellten Texts zum Aschaffenburger Pogrom- Gedenken vom 9. November. Dem Autor wird Beleidigung vorgeworfen. Nach der Veröffentlichung auf der Homepage des NPD-Kreisverbands Aschaffenburg/ Miltenberg hatten die Stadt und der Förderkreis Haus Wolfsthalplatz Anzeige erstattet. Es lohnt sich den NPD-Text zur Gedenkrede ausführlicher zu zitieren: „’Bald brennen die Öfen in Aschaffenburg’, könnte man den Grundtenor des unerträglichen Gefasels vor dem Gedenkstein nennen. Jemand ging hinter jemandem und es gibt Aufkleber. Das sind Beweise für das Auferstehen böser Mächte am Untermain, die nicht nur sprachlos, sondern auch betroffen machen – über soviel substantielles Vakuum, sprich Schwachsinn!“ Aus einem Internet-Text vom 9. November 2012 des „Ringes Nationaler Frauen“ stammt dieses Zitat – Titel „Zivilcourage am Untermain hat einen Namen: Sigrid Schüßler“. Es wird deutlich, dass die Vergangenheit des Nationalsozialismus insgesamt als positiv gesehen wird. Das geht auch aus anderen Äußerungen von Frau Schüßler hervor – auf die Frage eines Journalisten, warum sie so betont von der BRD spreche und nicht einfach nur von Deutschland, gab sie zur Antwort: „Die BRD ist der Staat, in dem ich lebe. Deutschland ist meine Heimat. Und ich würde lieber in Deutschland leben.“ Daraus folgt klar, dass eine Art neues Drittes Reich erstehen soll. Eine andere Frau aus dem Bundesvorstand des „Ringes Nationaler Frauen“ wird noch deutlicher: „Für den Erhalt unseres Volkes, unserer Sitten und Werte werde ich mich aktiv einsetzten! Ich möchte den jungen Menschen  andere Lebensweisen vorzeigen, welche nicht von diesem BRD System geprägt sind.” Da keine Kritik am Nationalsozialismus gewünscht ist, ist zu befürchten, dass bei einem Erstarken dieses Denkens in Zukunft die Vergangenheit von 1933 bis 1945 wiederkehrt. Zumindest Aktionen wie die der NSU sind die Folge dieser Feindschaft gegenüber allen Fremden.

Christian Schauer

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Bildung ist ein Menschenrecht”, erschienen in Main-Echo vom 31.10.2012 Leserbrief zu: „Studiengebühren: Weg frei für Plebiszit“, in: Main-Echo vom 23.10.2012

Ende Februar 2011 wurden die allgemeinen Studiengebühren in Nordrhein-Westfalen durch einen Beschluss des Landtags mit den Stimmen von SPD,m Grünen und Linken zum Wintersemester 2011/2012 abgeschafft. Der Bundes-Trend geht mit dieser Entscheidung weiter in eine Richtung. Es werden immer weniger Studiengebühren erhoben. In Hessen und im Saarland waren sie in den letzten Jahren wieder abgeschafft worden. Zum Sommersemester 2012 soll mit den Studiengebühren auch in Baden- Württemberg Schluss sein – das hat die grün-rote Koalition schon in ihrem Koalitionsvertrag geplant. In Hamburg soll das Studium ab dem Wintersemester 2012/13 wieder gebührenfrei sein. Allein Bayern und Niedersachsen halten nun noch an den Gebühren fest. Deswegen kann man nur begrüßen, dass der Bayerische Verfassungsgerichtshof das Volksbegehren zulassen wird und so die Mehrheit der Bürger den Freistaat Bayern zwingt, der bundesweiten Tendenz zu folgen. Wichtigstes Argument gegen Studiengebühren: Auch höhere Bildung muss als Menschenrecht allen gleichermaßen offen stehen. Menschen mit niedrigeren Einkommen haben jedoch einen schlechteren Zugang zu höherer Bildung. Die Erhebung von Studiengebühren verstärkt dieses Problem.

Christian Schauer

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Kritik an Asylheim geht an Realität vorbei!

Samstag, den 18. Februar 2012 um 18:43 Uhr dp   Prima Sonntag

ASCHAFFENBURG. Verwahrlost und menschenunwürdig! Mit diesen Schlagworten beschreiben Kritiker die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Aschaffenburg. In der Berichterstattung über das Haus geistern Begriffe wie Stacheldrahtzaun, Einlasskontrolle, Verweigerung der Essenspakete und Überbelegung. Dringend Zeit, die Dinge im Asylantenheim grundlegend zu ändern, möchte man meinen. Der Chef der CSU im Kreis A´burg Peter Winter wollte sich nicht länger aus zweiter Hand über die Zustände dort informieren, besuchte das Haus zweimal ausführlich. Sein Fazit fällt anders aus. Er hält Kritik an der Unterkunft für realitätsfern und nicht gerechtfertigt, weist Vorwürfe wie menschenunwürdige Verhältnisse und Verwahrlosung zurück!

Auszug eines Artikels von Peter Winter- Kommentar dazu
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#4Schauer, Christian2012-02-21 20:21

Man kann die Situation in einem Flüchtlingsheim in Bayern als menschenrechtswidrig einschätzen. Wer über Jahre in einer Gemeinschaftsunterkunft leben muss, der geht psychisch vor die Hunde. Statt den Flüchtlingen zu erlauben, für sich selbst zu sorgen, werden sie systematisch von der Arbeit entwöhnt. Als besonders belastend wird das Arbeitsverbot – Arbeitsverbot während der ersten 12 Monate, danach 3 Jahre lang nur nachrangiger Zugang zum Arbeitsmarkt und damit kaum Chancen, eine Arbeit zu finden – empfunden, das zum Nichtstun verdammt und die lange Asylverfahrensdauer. Knapp 7500 Flüchtlinge leben in Bayern in Gemeinschaftsunterkünften, davon rund 1150 in Unterfranken. Rund ein Drittel hat ein laufendes Asylverfahren, knapp die Hälfte eine „Ausreiseverpflichtung“. Vor allem diese Gruppe lebt dauerhaft hier. Im Schnitt leben die Flüchtlinge gut drei Jahre in den Unterkünften, gelegentlich lebt  eine Person mehr als 18 Jahre in einer solchen Einrichtung. Zur Situation des Asylbewerbers in Würzburg, der sich umgebracht hat: Wiederholt, das berichten unabhängig voneinander gleich mehrere Bewohner, habe er die Atmosphäre in der ehemaligen Kaserne beklagt: Es sei hier wie im Gefängnis. Die Umgebung erinnere ihn ständig an die Polizei, an das Gefängnis im Iran, an die Folter. Auch gegenüber Ärzten äußerte er das.
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+7#2Schauer, Christian2012-02-19 11:25

Man kann anerkennen, dass einiges investiert wurde, um die Infrastruktur der Gemeinschaftsunterkunft zu verbessern, das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass das System Gemeinschaftsunterkünfte insgesamt auf Zermürbung angelegt ist. So meinte der Würzburger Mediziner Stich erst vor kurzem zurecht: “Das System ist menschenverachtend. Die Menschen werden entmündigt. Alles wird vorgegeben, seien es Hygieneartikel oder Nahrungspakete. Die freie Entfaltung wird extrem beschnitten. Und das ist so gewollt. Deswegen geht meine Kritik in Richtung Staatsregierung nach München, wo an diesem System festgehalten wird. Und das, obwohl der Bayerische Flüchtlingsrat errechnet hat, dass jeder GU-Platz teurer ist als die Unterbringung in kleinen Gruppen. Aber man belässt die Menschen in Perspektivlosigkeit. Sie sitzen tagein tagaus in der GU, und es geschieht nichts. Wären da nicht die Ehrenamtlichen und  Wohlfahrtsverbände, wäre alles noch viel schlimmer.”

Christian Schauer
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Leserbrief zu „Rund 250 Teilnehmer dabei“, in: Der Heimatbote vom 31.1.2012, erschienen am 2.2.2012

Beim Rundgang der Demonstration wurde verschiedener Opfer des Nationalsozialismus gedacht,über die die Initiatoren informierten. „Feiglinge und Verräter hängen! Gestern starb ein Offiziersanwärter aus Elsaß – Lothringen bei der Vernichtung eines Feindpanzers den Heldentod. Er lebt weiter. Heute hängt ein Feigling im Offiziersrock, weil er Führer und Volk verriet. Er ist für immer tot !“ So lautet der Text eines Plakates, das der nationalsozialistische Kampfkommandant Emil Lamberth neben dem hingerichteten Friedel Heymann anbringen ließ. Friedel Heymann wurde trotz Verwundung vor ein „Standgericht“ gebracht. Wer die Verhaftung veranlasst hat, ist später ebenso wenig zu klären wie das spurlose Verschwinden der beweisträchtigen Lazarettpapiere, die die Verwundung dokumentieren. Die Hinrichtung fand vor dem damaligen Cafe´ Höfling in der Herstallstraße 5 am 28. März 1945 statt. Heymann hing sieben Tage dort bis zum Einmarsch der Amerikaner am 3.April 1945. Das Standgericht in Aschaffenburg befand sich im Keller des Stabsgebäude der Jägerkaserne in der Würzburger Straße 45. Heymann war nicht der einzige, den es am Ende des Krieges noch erwischte. Es verurteilte auch drei kampfmüde, so genannte fahnenflüchtige Soldaten zum Tode und befahl die Erschießung von Hauptmann Baur aufgrund des bloßen Verdachtes der Spionage. Besonders aktuell werden diese Tatsachen, wenn man die Drohungen des Neonazis Martin Wiese vom Sommer sich vor Augen führt. Bei einer Kundgebung in Unterfranken im August 2011 soll der 35-Jährige Journalisten bedroht haben – unter anderem mit den Worten: “Wir werden eines Tages kommen, euch aus euren Löchern holen, euch vor einen Volksgerichtshof stellen und euch wegen Deutschlands Hochverrat verurteilen zum Tode.” Beim sogenannten Nationalen Frankentag in Roden im Landkreis Main-Spessart soll Wiese zudem ein T-Shirt mit dem Aufdruck “Seine Idee – unser Weg” und der Signatur “Adolf Hitler” getragen haben. Der Geist der Hinrichtung von 1945 ist also nach wie vor aktuell, der Schoß ist fruchtbar noch.

Christian Schauer

Aschaffenburg Demo zum Holocaust-Gedenktag

Demo zum Holocaust-Gedenktag 2012

Fotos privat

Holocaust-Gedenktag 2012

© Main-Echo

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Im Kahlgrund wenig Infos für die Fahrgäste

Insgesamt 14 Fahrten auf der Kahlgrundstrecke zwischen Schöllkrippen und Hanau waren laut Notfahrplan der Hessischen Landesbahn (HLB) am Mittwoch vom Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) betroffen. Wie konnte man das als Fahrgast in Erfahrung bringen? Bei der HLB hieß es dazu am Donnerstag: »Leider haben wir noch keinerlei Informationen, wie lange der Streik noch anhält. Derzeit werden wir noch auf unbestimmte Zeit bestreikt.« Ist es nicht möglich, dass die GDL der HLB mitteilt, wann sie streikt und diese dann der Kahlgrund Verkehrsgesellschaft (KVG) für ihre Anzeigetafeln die Informationen weiterleitet, so dass man am Morgen als unbescholtener Fahrgast dort lesen kann: »Zug fällt aus«?

Christian Schauer, Main-Echo vom 3.9.2011

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Der Leserbrief erschien im Heimatboten vom 6. August 2011

Leserbrief zu „Marktgemeinde unterstützt ‘Stolpersteine’- Projekt“, in: Der Heimatbote vom 4. August 2011

Dass das Projekt der Stolpersteine in Schöllkrippen bei Gesprächen mit den Bürgern auf offene Ohren stieß, ist zu begrüssen. Nicht überall ist das der Fall – in Alzenau war die Ablehnung zu groß. Für die Informationsbroschüre kann man nur auf die Dokumentation „Stolpersteine in Wiesbaden 2005 bis 2008“ hinweisen, die vom „Aktiven Museum Judengasse“ herausgegeben wird. Darin wird auf 175 Seiten über viele Einzelschicksale von Wiesbadener Juden berichtet. Darin heißt es, dass die Stolpersteine nur die Namen und Lebensdaten der gewürdigten Menschen beinhalten, die Dokumentation jedoch ausführlich die Schicksale dieser Menschen schildere. Der Verleger der Stolpersteine, Gunter Demnig, meinte in einem Interview (bezogen auf Wiesbaden) zu  seinem Projekt: „Ich denke, die Millionen-Anzahl der Opfer werde ich sowieso nicht mit neinen Stolperstein- Verlegungen bewältigen können. Es wird immer ein symbolisches Projekt bleiben… Auch die Formulierungen , die auf den Steinen sind, möchte ich bestimmen. Wenn etwa gesagt wird „verschollen in Auschwitz“ kann ich nur sagen, Auschwitz war Mord, da ist keiner verschollen… Das Stolperstein-Projekt ist ja auch ein Kunstwerk, das ich entwickelt, erfunden habe … Und einen Moment später kommt jemand aus dem Haus mit einem Klassenfoto und zeigt auf den und sagt, das war mein Freund. Das sind Momente, wo ich zu mir sagen kann, jetzt weißt du, warum du das machst!“ Es ist insgesamt erfreulich, dass sich nach Aschaffenburg jetzt auch mit Schöllkríppen ein zweiter Ort im Raum Aschaffenburg dieser Initiative angeschlossen hat.

Christian Schauer

Der Heimatbote vom 4.8.2011 Marktgemeinde unterstützt „Stolpersteine“-Projekt

Schöllkrippen. Der Marktgemeinderat Schöllkrippen will dem Schöllkrippener Projekt „Stolpersteine“ – subsidiär – unter die Arme greifen. Was das genau bedeutet, erklärte Bürgermeister Reiner Pistner mit den Worten, dass der Markt hinter dem Vorhaben stehe und den finanziellen Teil, der vom Arbeitskreis „Jüdische Geschichte“, in der Mittelschule, Kirchen, Heimat- und Geschichtsverein sowie die Gemeinde vertreten sind, nicht geleistet werden könne. Auf etwa 2.500 Euro würden sich die Gesamtkosten für die Stolpersteinregelung , inklusive einer Informationsbroschüre und Nebenausgaben belaufen. Der Bürgermeister konnte nach Gesprächen mit Bürgern bestätigen, dass das Projekt durchweg mit offenen Ohren aufgenommen werde. Mit den Stolpersteinen biete sich eine hervorragende Möglichkeit, an die Schicksale ehemaliger jüdischer Mitbürger zu erinnern.

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Main -Echo 29.12.2010

Andere Städte zeigen: Es geht auch besser

Dass es auch anders geht, zeigt die Stadt Hofheim im Taunus. Am 3. November 2010 erklärte die Stadtverordnetenversammlung in einem gemeinsamen Antrag mehrerer Fraktionen (SPD, CDU, GOHL und BfH) bei 38 Ja-Stimmen, nur zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung ihre Bereitschaft, Flüchtlinge im Rahmen eines Resettlement- Programms aufzunehmen und bestmöglich zu integrieren. Die Stadt appellierte gleichzeitig an die Bundesregierung, ein dauerhaftes Aufnahmeprogramm für Flüchtlinge einzurichten. In Deutschland sind inzwischen alle 2500 Irak-Flüchtlinge aus Syrien und Jordanien angekommen, die die Vereinten Nationen im Rahmen des Resettlement-Programms nach Deutschland vermittelt haben. München hat 127 Flüchtlinge aufgenommen; ursprünglich sollten circa 200 von ihnen in dieser Stadt ein neues Leben beginnen. Am 21. April 2010 hat der Nürnberger Stadtrat den Beschluss gefällt: Die Stadt wird Flüchtlinge im Rahmen des UNHCR-Resettlement- Programms aufnehmen. Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly hofft, dass dies ein Signal für andere Kommunen in der Region ist, der Bewegung »Save-me« beizutreten. Seit dem 1. Februar 2010 zählt auch Magdeburg zu den Städten, die sich für eine Aufnahme weiterer Flüchtlinge ausgesprochen haben. Fast einstimmig ist der Antrag beschlossen worden, die einzige Gegenstimme kam von der NPD.

Christian Schauer

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Leserbrief zu „Anstieg der Asylbewerberzahlen in Deutschland“, in: Der Heimatbote vom 16. Oktober 2010

In dem Artikel heißt es, die Gemeinschaftsunterkünfte seien dadurch stark ausgelastet. Es bestehe ein akuter Bedarf an Unterbringungs- und Erstaufnahmeplätzen. Sieht man sich die Zustände in der Aschaffenburger Gemeinschaftsunterkunft an, so kann man einerseits feststellen, daß Sanierungen der sanitären Einrichtungen in Angriff genommen wurden. Gegenwärtig sieht die Lage so aus: Zu gut 90 Prozent ist die Aschaffenburger Gemeinschaftsunterkunft derzeit ausgelastet. 320 Menschen leben Mitte Oktober im Asylbewerberheim, darunter 71 Kinder. Sie verteilen sich auf ein Männerhaus, zwei Familienhäuser und ein Haus für Frauen und Kinder. Die meisten kommen aus dem Irak, Iran, Äthiopien und Afghanistan. Handlungsbedarf gibt es bei Waschmaschinen, bei denen eine für acht Familien reichen muss. Da der Ablauf defekt ist, fließt das Abwasser auf den Boden. Die vielen Menschen auf engem Raum klagen über nervliche Belastungen, alle wollen raus. Das Ziel, die Gemeinschaftsunterkünfte aufzulösen, teilt auch die Regierung von Unterfranken. Insider bestreiten, daß es überhaupt keine kleinen Wohnungen gibt. Bis zum Auszug sollten eingezogene Wände für etwas Privatsphäre sorgen, damit etwas mehr Ruhe herrscht. Man kann nur an Vermieter appellieren, für diese Menschen privaten Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Christian Schauer  Der Leserbrief erschien im „Heimatboten” vom 21. 10.2010

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Main-Echo vom 12.08.2009

Stolpersteine wären besser für Hörstein Leserbrief

Immer noch will man bei der Bewältigung der NS-Geschichte mit Gedenksteinen arbeiten, obwohl es die schon in genügen der Zahl gibt. Warum schließt man sich nicht Aschaffenburg oder Seligenstadt an, wo “Stolpersteine” verlegt wurden? Hier handelt es sich um eine Form des Gedenkens, die sich weitgehend eingebürgert hat. Die pflastersteingroßen Stolpersteine werden glatt in Bürgersteige vor Häusern eingelassen, in denen ermordete Juden oder Regimegegner gewohnt haben. Die Oberflächeführt den Namen, Geburtsjahr, Deportations- und Todesort – soweit zu ermitteln – mit Jahresangabe auf.Gunter Demnig hat seine Denkzeichen bereits in vielen großen und kleineren Orten in Deutschland und in Europa verlegt.Zu unserer Nachbarstadt Seligenstadt lässt sich Folgendes sagen: Rund 150 Menschen jüdischer Abstammung lebten in dieser Stadt, als 1933 die nationalsozialistische Herrschaft begann. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges waren sie alle verschwunden – ausgewandert, deportiert oder häufig unter grausamen Umständen umgebracht. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss vor rund zwei Jahren, diesen Opfern an den Orten ihrer einstigen Existenz bleibende Erinnerungsstücke zu geben. Ein erstes Kontingent von 22 Stolpersteinen wurde im März 2007 in die Gehwege der Altstadt eingelassen. Ich denke, es ist eine sinnvolle Art des Gedenkens. Also Mut zu neuen Lösungen!

Christian Schauer
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Main-Echo vom 12.09.2008

Soll es nur kirchliches Theater geben?

Ich verstehe den Satz “Wir fördern den Unterhalt von Theatern und so auch einer Kultur mit, die uns zum Teil zuwider ist” nicht. Wer ist “uns”? Soll das Theater abgeschafft werden? Soll es nur kirchliches Theater geben? Gegen welchen Kulturbegriff geht es? Was meint Ortspfarrer Clemens Bieber damit? Ein deutscher Dichter namens Friedrich Schiller hat dem Theater einmal eine ganz hohe Aufgabe zugewiesen. Im Text über das Theater als moralische Anstalt ist der Erziehungsgedanke durchaus wichtig; aber er ist nicht ästhetisch, sondern praktisch verstanden. Unter “moralisch” versteht Schiller das gesamte praktische Leben mit seinen Entscheidungen und Werten. Moralisch bedeutet also: Erkenntnisse im Menschen fördernd, die ihn richtig handeln lassen. Und ihn lehren, seine Freiheit richtig zu gebrauchen, im praktischen Sinne – dahinter steht Kant. Ein Philosoph, der gelegentlich von deutschen Politikern zitiert wird. Es mag sein, dass dieses Ideal überhöht ist. Andere Sinnstiftungen für das Theater in der Gegenwart sind weniger hoch schweifend. Abschreckend wirkt der Populismus in der oben genannten Aussage auf jeden Fall.

Christian Schauer

Veröffentlicht 12. August 2011 von schauerchristian in Leserbriefe regional