Archiv für Juni 2011

Jungfrau Rosenstrauß – Schnack unernst -Die Loreley – Knäcksest – Die Sülzen- Hirsch Knut – Gefühlestiefe – Laue Luft des Südens – Haiti – Der Herbst – Hatschie – Dachschaden – Frühlingstag – Fletschender Wolf – Der Taubenvergifter – Sibyllinisch – Der List Kretschmann – Weinglas zerbrochen – Wie ein Blümchen – Der Kinnhaken – Wang Lun – Herbstgedicht – Tiefer Frost – Blütenträume – Helmut aus Langen – Ernst der Schakal

Rosenstrauch (6)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Die Regengüsse

aus „Die Flaschenpost“ – Ein Gedichtbuch (1936 erschienen)

von Anton Schnack

kursiv: Ergänzungen von mir

.

Es strich kein Wind, verschlafen war der Fluß,

Die Landschaft war von den Gewittern warm,

Es tanzte Mückenschwarm,

Ich lag im Grase, nackt an Fuß und Arm:

Es regte sich ganz leicht der Darm

Da kam der laue Regenguß

Es kollerte ins Hügelgras die welke Nuß,

Oh weh schon wieder ein Verdruß

Ich klopfte sie aus ihrem Schalenstein,

Die Vogelschar schrie im Oktoberhain,

Oh quiekte besser doch ein Schwein

In breiter Kufe schwankte bergabwärts der Wein:

Da fiel mit schrägem Streif der Regenguß.

Und machte naß mir Arm und Fuß

Im Bauernwalde rollte dumpf der Schuß,

Er war so laut gar kein Genuß

Dann wuchs die Stille wieder atemlos ins Land,

Ich war ein Parzival, verbrannt

Die Muse küsste lechzend mir die Hand

Ich war voll Staub und windgewehtem Sand:

Er flog daher vom Nordsee-Meeresstrand

Es labte mich der blaue Regenguß.

Die süße Julinacht versank im Mädchenkuß,

Wir lagen beide schmachtend an dem Fluß

Es roch das Haar nach Klee und Blumenheu,

Die Liebe heftig und nicht neu

Die Elfe kuschelte sich scheu

Und liebte mich verschämt und kindertreu:

Uns störte nicht der Regenguß

O Trauerstunde, schwarz vor Herzverdruß!

Mich traf ein arger Hexenschuß

Ich war verquält, ich war allein,

Ich war wie Stein,

So darf das Leben niemals sein!

Ich hatte weder Weib noch den geliebten Wein:

Ich träumt‘ von ihm von Würzburgs Stein

Da kam ans Fenster zärtlich Regenguß

Wie schön der Schlafgenuß:

Im Geiste bade ich im lauen Fluß!

Novemberschwermut hängt ums Haus,

Es raschelt durch die Stille keine Maus,

Es hält zurück sich auch die Laus,

Das Feuer ging im Kachelofen aus,

Es war so schön es war kein Graus

Vom Dache rauscht der Regenguß

Das Lied ist aus es ist nun Schluß

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Die Loreley

Es sprach die Frau aus Rüdesheim

„Mein Gott wie bin ich alleine

Heut‘ abend kommt mein Rüde heim

Dann les‘ ich meinen Heine“

Es lebte einst in Bacherach

Am wunderschönen Rheine

Ein Rabbi namens „Ach und Krach“

Ich schwör‘ es Bein bei Beine

Und weiter dort am Felsen

Da schwebte ganz unbekleidet

Zwischen Forellen und Welsen

Die Jungfrau von Schiffern beneidet

Sie sang mit wahrem Gefühle

Das Liede vom großen Entsagen

Den Schiffern wurde ganz schwüle

Ein Klarer musste zum Magen

Als hörte das der Rüde

Da fing er an zu winseln

Die Frau sie wurde müde

Und fing gleich an zu blinzeln

So schliefen sie alle beide

Die Frau nun und der Hund

Die Jungfrau mit ihrem Geschmeide

War beiden nun zu bunt

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Knäcksest

Erst kommt der Knacks danach der Knäckser

Erst wars ’ne fünf danach ein Sechser

Erst kommt die Migräne zur Tür herein gekrochen

Dann hat die Hyäne Den Braten gerochen

Erst kommt das Weh Danach das Ach

Danach erhängt das Reh Sich auf dem Dach

Erst erschießt sich der Hund auf der Markt-Toilette

Dann ersticht der Jung

Die frittierte Krokette

Erst wird der Igel tödlich verletzt

Danach der Maulwurf vom Auto zerquetscht

Dann bricht der Sinn jäh entzwei

Der Autor geflohen – au wei

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Die Sülzen

Im Sülzbach schwimmen Sülzen

Sie schwimmen im Sülzbach nur

Sie schwimmen nicht in Uelzen

Im Sülzbach drinnen – stur!

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Hirsch Knut

Das Rebhuhn namens Adelheid

War ziemlich dick und nicht gescheit

Als sah es vor sich Eve das Reh

Da flüchtet stiebend es im Schnee

Es flieht zum Hirschen Knut

„Hirsch Knut bei Dir ist’s gut

Du hast ein riesiges Geweih

Du bist das Gelbe schlicht vom Ei!“

Hirsch Knut entgegnet flapsig

„Du bist ja reichlich tapsig!

Ein wirres Rebhuhn Heide Du

Ich halte fest Dich hier im Nu!“

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Gefühlestiefe

Die Süße sagt ihm ganz adrett

“Du bist bemüht – es ist ganz nett!

Doch leider in Gefühlestiefe

Weiß ich nicht wirklich, ob ich triefe

Du duftest sehr nach Camembert

Das ist zu streng – nichts fürs Bett

Du bist ein Tango-Macho ach

Ich leg’ mich hin – an einen Bach!

Und lasse da Gefühle fließen

Der Bach ist kalt

Gleich muß ich nießen

Bin eine prustende Gestalt!”

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Laue Luft des Südens

Die laue Luft des Südens

streichelt sanft die Nüstern

Ein Zustand des Ermüdens

leicht berauscht nicht nüchtern

Umstreichelt holde Wangen

die säuselnd leicht erröten

Dann aber ganz befangen

Befreien sich von Nöten!

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Arm dran (Erdbeben)

Wer jetzt lebt in Haiti

Der ist arm dran

Keine blühenden Graffiti

Nur schaler Lebertran

Verwandte ins Grab gesunken

Der Nachbar amputiert

Das Glück hat abgewunken

Ein totes Auge stiert

In die Leere der Nacht

Wo melancholische Geier

Halten die Wacht

Vor dem kastrierten Freier

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Der Herbst

Der Herbst kommt angekrochen

Ein angeschwemmter Rochen

Wie eine Droh- Muräne

Die ich vergessen wähne

Des Lebens Altersgrau

Ersetzt die wilde Sau

Die jugendlich behände

Den Tod weit hinten wähnte

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Hatschie

Es sprach die Frau aus Wächtersbach

“Der Frühling macht mich wirklich schwach!”

Drauf meint die Frau aus Bruchköbel

“In der Nase juchzt mein Pöbel!

Die Pollen machen mich rasend

Der Wettergott hat doch strafend

Die Hitze in Wallung gebracht

Jetzt platze ich – gute Nacht!”

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Dachschaden

Es kleckern die Worte

Am rauschenden Bach

Sie bilden die Pforte

Zum Schaden am Dach

Die Birne wird blechern

Es gluckert der Sinn

Und weiter zu bechern

Das ist tatsächlich drin

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Frühlingstag

Verweile ach Du bist so schön

Du Prachtkind eines Schafs der Rhön

Mephisto hat sich ganz verzogen

Hold lacht der Main am Lengfeld –Bogen

Azurne Wolken amseln sacht

Die Dohlen halten droben Wacht

Der Adler fliegt in großer Höhe

Darunter tanzen surrend Flöhe

Das Fohlen äpfelt sanft im Wald

Die Stare machen Radler kalt

Sie haben Hitchcock ferngesehen

Und lassen ihren Zorn jetzt gehen

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Fletschender Wolf

Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos

Tragen den fletschenden Wolf im Herzen

Sie setzen den tödlichen Stoß

Der Türke verendet in Schmerzen

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Der Taubenvergifter

Wer vergiftet gerne Tauben

Lässt sich ehrlich beurlauben

Als Vogel-Freund

Er lieber streunt

Durch die Parks

Liest dazu Marx

„Aus den Gewehrläufen

Kommt die Gewalt

Gehen wir Fische ersäufen!

Dazu Rehe abgeknallt!“

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Sibyllinisch – Das Leben nach dem Tode  

Wenn man glaubt, dass es eines gibt, gibt es eines

Wenn man nicht daran glaubt, gibt es keines

Es sei denn, Gott widerlegt den Unglauben

Kann er sich das wirklich erlauben?

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Der List Kretschmann

Der grüne Bohnen verschenkt

Der sich vor Lachen verrenkt

Wenn Ökolüfte entweichen

Vor rauschenden deutschen Eichen

Und dann milde spricht

“So war mir Gott helfe

Der Bohnenduft riecht

Wie zehn donnernde Elche!”

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Weinglas zerbrochen

In den Tiefen der Arenen

Schießt der Stajner flink ins Tor

Durch das Pfeifen der Sirenen

Hält der Carlos zu sein Ohr

In den Wäldern der Savannen

Jagd das Gnu den Marabu

Kann es ihn denn fangen?

Eine Antwort findest Du

In der Kälte der Antarktis

Wo der Eisbär einsam brüllt

In dem Daseinsschrei des Iltis

Wo das Tierchen unverhüllt

Trägt sein kurzes Sein zu Grabe

Schreckerfüllt verhallt sein Schrei

Und in Würzburg beim Gelage

Bricht ein Weinglas just entzwei

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Wie ein Blümchen

Helmuts Pfälzer Magen

kann der Afro nicht vertragen

Vor ihm dampft das Lomé-Huhn

Sagt zur Freundin:” Honeymoon

In dem kalten deutschen Land

Bin ich reichlich abgebrannt

Nur gelegentlich ein Hühnchen

Macht mich happy wie ein Blümchen!”

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Der Kinnhaken*

Matt hechelt der Pfeffer

Die Wirtschaft nicht besser

Kein Geld in der Truhe

Nur Löcher im Schuhe

Das Furunkel am Hintern

Keine Creme kann es lindern

Der Knollen auf der Nase

An der Sohle die Blase

Hühnerauge am Zehen

Das kann so nicht gehen

Trüb die Wallstreet

Garstig das Lied

Zerstoben der Sinn!

Der Haken am Kinn *

Freie Übersetzung eines Songtextes von Keith Reid

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Pfälzer Saumagen (Teil drei)

Wang Lun liebt die Pekingente

Bis an sein Konfuzius Ende

Helmuts Magen aus der Pfalz

Hängt mir völlig raus zum Hals

Kann der Magen eines Schweins

Grund sein eines schönen Seins?

Kann nicht einzig eine Ente

Kulinarisch sprechen Bände?“

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Herbstlied

Es kichern schon die Maden

Der Sommer fährt dahin

Es trauern die Tomaten

Im Staub unterm Kamin

Es stöhnt der Goldfisch Bruno

„Wie ist das Wasser kalt

Ach wäre es doch Juno

Dann wär’ ich wen’ger alt“

Es fluchet leis’ der Hase

Im Winkel unterm Dach

„Das Wetter hat ‚ne Nase

Und Gott ist nicht vom Fach“

Es jammert ach der Igel

„Den Herbst den mag ich nicht

Dort drunten unterm Hügel

Liegt sterbend meine Nicht’“

Das höret Nilpferd Berta

Als es im Fluß versinkt

„Denk ich an dieses Wetter

Dann fühl’ ich mich  gelinkt“

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Tiefer Frost

Der tiefe Frost durchzieht das Land

Das einst im Sommer wie gebannt

Von vielen Sonnentagen träumte

Obwohl der Sommer das versäumte

Nun friert das Ding fast in der Hose

Der Zapfen bricht vom Dach und lose

Schlägt er auf Carlos‘ plattes Hirn

Es autscht gar sehr es beult die Birn‘

Und im Gemünden friert der Fluss

Man kann ihn queren – aus einem Guss

Verhüllt die Eisesdecke schon sein Bett

Der Hans darauf rutscht einfach weg

Die Nase platt das Jochbein schmerzt

„Schnaps her ein Glas und das beherzt

Es glänzt im Winter nur der Schein

Man bleibt zuhaus‘ – hier kannst Du sein!“

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Blütenträume

Trink noch einen vor dem Hades

Lass das Fass rein rollen

Auf dass eines Tages

Blüh ’n die Blütenpollen

Kühner Duft durchfährt den Äther

Blütenträume wie im Mai

Ziegen heißen Hans und Peter

Juchzen will der Hoffnungshai

Keiler Horst hat einen sitzen

Dackel Schröder bellt entzückt

Geisteskräfte ständig blitzen

Und der Carlos spielt verrückt

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Helmut aus Langen

Es sagt die Frau aus Wächtersbach

„Um acht legt mich mein Alter flach“

Drauf spricht die Frau aus Bruchköbel

„Um acht frisst meiner Knödel“

Dann meint die Frau aus Frankfurt

„Mein Alter der heißt Kurt

Er ist schon gänzlich impotent

Ab acht er auf dem Sofa pennt“

Und gar die Frau aus Langen

Die sagt ganz unbefangen

„Mein Alter heißt Helmut

Um acht Uhr kocht sein Blut

Um neun Uhr wird er wild

Das passt bei ihm ins Bild

Und dann zum Schluss um zehne

Da lässt er mich allene“

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Ernst der Schakal

Der Dackel wankt durch die Savanne

Er hat einen Schwips in der Pfanne

Es begegnet ihm Ernst der Schakal

Da wird er vor Schreck schlicht aschfahl

Du Ernst willst mich erschrecken

Deine Zähne ganz fürchterlich blecken

Du bewirkst ein sausendes Muffen

Ich denke ich werde verpuffen“

Der Schakal packt ihn am Kragen

Du solltest jetzt endlich verzagen

Ich verspeis’ Dich mit Haut und Haar

Du wirst sein ein Nichts ganz und gar“

Doch Löwe Paul hat es gerochen

Er schnappt den Schakal unbestochen

Der Dackel kann letztlich entfliehen

Er darf  jetzt aus Dank niederknien

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Veröffentlicht 30. Juni 2011 von schauerchristian in Gedichte