Archiv für April 2011

Die Gesellschaft der Spätantike

Die Gesellschaft der Spätantike – Der Aufstieg des Christentums

Marcellinus (Historiker) unterscheidet zwischen Reichsadel, Stadtadel und Volk. Man kann auch unterteilen in Standespersonen und einfachen Leuten (Humiliores). Gelegentlich wird die römische Gesellschaft in Pyramidenform dargestellt. Unangefochten an der Spitze der römischen Gesellschaft steht das Kaiserhaus, seine Angehörigen werden als nobilissimi (Hochadlige) bezeichnet. Unter Patricii versteht man Angehörige oder Vertraute des Kaiserhauses. Senatoren sind in drei Rangklassen – illustres, spectabiles und clarissimi- unterteilt. Angehörige des Ritterstandes konnten nicht alle in den Senatorenstand aufgenommen werden. Ihre Rangklasse wurde als perfectissimi bezeichnet. Zu dieser gehörten auch die Verwaltungsbeamten (officiales). Darunter steht der Stadtadel. An der Spitze steht die Priesterschaft, die zunächst heidnisch, dann christlich war. Danach kommen die Spitzen der städtischen Aristokratie, die principales und optimates genannt werden. Die ersteren besaßen große Ländereien außerhalb der Stadt.

Konstantin, der sich etwa um 310 dem Christentum zuwandte, war kein Gegner der Sklaverei, ebenso wenig seine Nachfolger. Diese Sklaven standen unter den Kolonen, deren Status als der von Freien mit eingeschränkter Freizügigkeit definiert werden kann. Sklaven gab es noch in beträchtlicher Zahl in der Landwirtschaft, wobei sowohl private, kirchliche wie kaiserliche Güter in Frage kamen. Die Grenzen zwischen Kolonat und Sklaverei galten als fließend. Flüchtige Kolonen wurden auf ihr Landgut zurückgebracht und dort zu Sklaven degradiert. Die unterste Stufe der Gesellschaft bildten die Strafsklaven (servi poenae), die in kaiserlichen Bergwerken, Waffenfabriken und Webereien arbeiteten. Gelegentlich gelangten auch Personen durch steuerliche Überbelastung in Sklaverei. Horizontale Mobilität bestand darin, dass Kolonen und Sklaven auf andere Landgüter flohen. Großgrundbesitzer sind Patroni über Kolonen, Sklaven und bedrängte Kurialen. Mit ihrer Privatgarde konnten sie staatlicheÜbergriffe abwehren..

Sklaven erhielten keine gesundheitliche Versorgung. Ideologisch wurde die Sklaverei durch den berühmten Philosophen Aristoteles gerechtfertigt, die Sklaverei sei eine der Natur entsprechende Einrichtung und daher „gut und gerecht“. Konstantin der Große befasste sich 315 mit dem Thema Sklaven, die dazu verurteilt waren, in den Bergwerken zu schuften oder in der Arena zu kämpfen, sollten an den Händen oder Beinen statt im Gesicht gebrandmarkt werden. Danach gingen Sklavenbesitzer dazu über, mit einer Inschrift versehene bronzene Metallkragen zu verwenden. 35 solcher Metallkragen wurden bisher entdeckt. Noch nach der Reichsteilung verordneten die Päpste und Konzilien, dass Freilassungen von Sklaven ein- geschränkt oder verboten wurden, insofern die Kirche der Eigentümer von Sklaven war.

Der Aufstieg des Christentums ist mit Kaiser Konstantin verbunden.

Konstantin

Kaiser Konstantin der Große

Er wurde zwischen 272 und 285 in Nisch (früher Naissus) geboren. Sein Vater Constantius Chlorus war 305innerhalb der Tetrarchie zum Augustus aufgestiegen. Seine Mutter Helena war wahrscheinlich Schankwirtin. Nach dem Tode des Vaters Constantius 306 wurde Konstantin 306 zum neuen Kaiser ausgerufen. Im gleichen Jahr wird Maxentius (Sohn des Maximian) in Rom zum Augustus ausgerufen. Konstantin wird von Galerius als Cäsar des Westens anerkannt. 310 besiegt Konstantin mit seinen Soldaten die Franken. Erfolglos versucht Maximian sich gegenüber Konstantin durchzusetzen. Maximian erleidet den Tod. Nach den letzten Christenverfolgungen 303 deutet sich schon 311 mit dem Toleranzedikt des Galerius der Aufstieg des Christentums an. Das Christentum wird zur erlaubten Religion.

Ein großer Meilenstein ist ein Jahr später der Italienfeldzug Konstantins. Hier galt es Maxentius zu schlagen, der Rom und Norditalien beherrschte. Konstantin siegte in der Schlacht an der Milvischen Brücke am 28. Oktober 312. Er siegte im Zeichen des Kreuzes. Historiker berichten über die Wende zum Christentum des Konstantin folgendermaßen Laktanz: „Konstantin wurde im schlaf ermahnt, das himmlische Zeichen Gottes auf den Schilden anzubringen und so die Schlacht zu beginnen. Er tat, wie ihm befohlen war, und indem er den Buchstaben X zur Seite drehte und die Spitze umbog, stellte er Christus auf den Schilden dar.“ Euseb: „Da habe sich ihm nun im Schlafe der Christus Gottes mit dem am Himmel Erschienen Zeichen gezeigt und ihm aufgetragen, das am Himmel geschaute Zeichen nachzubilden und es bei seinen Kämpfen mit den Feinden als Schutzpanier zu gebrauchen. … Es war aber dies Zeichen auf folgende Art verfertigt: ein langer goldüberzogener Lanzenschaft trug eine Querspange und hatte somit die Gestalt des Kreuzes; am oberen Ende des Ganzen war ein kunstvoll geflochtener Kranz aus Gold und Edelsteinen befestigt, in dem das Zeichen für den Namen des Erlösers angebracht war, zwei Buchstaben, die als Anfangsbuchstaben den Namen Christi bezeichneten, indem das P in der Mitte durch das X gekreuzt wurde …“ Nach seinen Sieg zog Konstantin am folgenden Tag in die Stadt Rom ein. Er unterließ ein Jupiteropfer und ließ wahrscheinlich ein Konstantinstatue mit einer Inschrift errichten. 315 wurde der Konstantinbogen zur Erinnerung an diese Schlacht erbaut. In diesem Jahr ließ Konstantin auch ein Gedenkmünze prägen.

Leserbrief zu „Was hinter Silvester steckt“, in: der Heimatbote vom 30.12.08

“313 im Mailänder Toleranzedikt wurde das Christentum nicht zur Staatsreligion erklärt. Kaiser Konstantin I. und sein Mitkaiser Licinius wollten mit diesem Edikt die freie Religionsausübung für Christen im römischen Reich herbeiführen. ‘In gesunder und durchaus richtiger Erwägung haben wir so diesen Beschluss gefasst, dass keinem Menschen die Freiheit versagt werden solle, Brauch und Kult der Christen zu befolgen und zu erwählen, dass vielmehr jedem die Freiheit gegeben werde, sein Herz jener Religion zuzuwenden, die er selbst für die ihm entsprechende erachtet, auf dass uns die Gottheit in allem die gewohnte Fürsorge und Huld schenken möge. … Bezüglich der Christen bestimmen wir weiterhin, dass jene Stätten, an denen sie ehedem zusammenzukommen pflegten … von denen, die sie nachweislich von unserer Kammer oder von anderer Seite käuflich erworben, unentgeltlich und ohne Rückforderung des Kaufpreises, ohne Zögern und Zaudern, an die Christen zurückerstattet werden.’ Konstantin verfolgte bis zu seinem Tod 337 eine gegenüber den Heiden tolerante Politik im Gegensatz zu seinen Söhnen. Vor allem Konstantius drohte für Aberglauben die Todesstrafe an. Erst deutlich später wurde das Christentum Staatsreligion. 391 wurde von Kaiser Theodosius ein Gesetz erlassen, welches kategorisch Tempelbesuch, heidnische Opfer und Anbetung von Bildern verbot. 394/395 mussten sich die römischen Senatoren zwangsweise taufen lassen.” C.S

Für einen nicht so recht überzeugten Christen hält Jacob Burkhardt Kaiser Konstantin: „Der Kaiser aber hatte sich inzwischen zum Beschützer des Christentums proklamiert. Seine persönliche Religiosität mag hier einstweilen ganz aus dem Spiele bleiben; fragen Wir nur nach den politischen Gründen, welche einen römischen Imperator zu einem solchen Schritte bewegen konnten. Die Christen waren doch immer nur eine kleine Minorität, die man weiter nicht zu schonen brauchte; wie konnte nun ihre Duldung dem Ehrgeizigen als ein Mittel der Macht, mindestens als eine Sache der Zweckmäßigkeit erscheinen? … Constantin brachte also mit seinen zwei Toleranzedikten von Rom und Mailand (312 und 313) nichts ausschließlich Neues und benützte die Toleranzfrage zunächst auch nicht gegen die übrigen Kaiser, vielmehr vermochte er den inzwischen mit ihm verschwägerten Licinius in Mailand (312 – 313) zur Teilnahme an jenen Beschlüssen (zu bewegen) … Das von Licinius mit unterzeichnete Edikt von Mailand ging allerdings sogleich sehr weit; es sprach zum erstenmal die unbeschränkte Freiheit der Kulte, tatsächlich auch der zahlreichen christlichen Sekten aus; inbetreff der staatlichen Anerkennung wurde das Christentum dem alten Götterglauben völlig gleichgestellt; es enthielt den Charakter als Korporation und bekam die an den Fiskus oder in Privatbesitz übergegangenen Kirchen und Korporationsgrundstücke zurück.“1

1 Jacob Burkhardt. Die Zeit Constantins des Grossen. Leipzig o. J. (George Allen & Unwin Ltd). S 233 f.

 

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