Archiv für November 2010

Satiren

Er ist wieder da und ist doch kaum wirklich oder?

Unglaubliches geschieht . Adolf Hitler erwacht 2011 in einem Grundstück in Berlin-Mitte. Unter Ausländern – Türken vor allem- denkt er sich: „Offenbar verkehrten hier jüngst viele Türken. Mir musste in meiner Bewusstlosigkeit eine längere Zeitspanne entgangen sein, in der sich viele Türken nach Berlin begeben hatten.Das war bemerkenswert. Zuletzt war der Türke, ein im Grunde treuer Gehilfe des deutschen Volkes, trotz erheblicher Bemühungen stets neutral geblieben, zum Kriegseintritt an der Seite des Reiches war er nie zu bewegen gewesen. Es schien nun aber so, dass während meiner Abwesenheit wohl jemand, wahrscheinlich Dönitz, den Türken überzeugt haben musste, uns zu unterstützen. Und die eher friedliche Stimmung auf der Straße ließ darauf schließen, dass der türkische Einsatz offenbar sogar eine kriegsentscheidende Wende herbeigeführt hatte.“1 So kann man es tatsächlich sehen, wenn man lange geschlafen hat. Die ausliegenden Zeitungen kennt er nicht, der “Völkische Beobachter” scheint ausverkauft zu sein- er erfährt, dass das aktuelle Jahr das Jahr 2011 ist und nicht 1945, er fällt in Ohnmacht!

Als er wieder aufwacht, hält ihm ein Zeitgenosse, der ihn für einen Hitler-Imitator hält, ein Buch hin, die “Schmidt-Memoiren”, ein Erinnerungsbuch eines Friseurs an seine Dienste gegenüber Adolf Hitler: “Im Frühjahr 1940 hielt ein großer Mercedes vor meinem Frisiersalon in der Königstraße 127, und Hitler kam herein. ‚Nur ein bisschen versäubern‘, sagte er, ‚und nehmen Sie oben nicht zuviel weg.‘ Ich erklärte ihm, daß er wohl noch etwas warten müsse, denn Herr von Ribbentrop sei noch vor ihm dran. Hitler sagte, er habe es eilig und fragte Ribbentrop, ob er nicht als nächster dran kommen könne, aber Ribbentrop betonte, daß es im Außenministerium einen schlechten Eindruck machte, wenn man ihn überginge. Hitler rief darauf rasch irgendwo an, Ribbentrop wurde auf der Stelle zum Afrikakorps versetzt, und Hitler bekam seinen Haarschnitt.”2 Hitler hielt inne und wurde blass vor Wut: “Der Kerl verbreitet krasse Lügen, einen Friseur dieses Namens hatte ich nie!” Trotzdem entschloß er sich noch einmal weiter zu lesen, was noch für Hirngespinste über ihn verbreitet wurden. “So ging es mit den Rivalitäten die ganze Zeit weiter. Einmal ließ Göring Heydrich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen verhaften, um den Stuhl am Fenster zu bekommen. Göring war hemmungslos und wollte zum Haarschneiden öfters auf dem Schaukelpferdchen sitzen.”3 “Wenigstens lässt der Schmidt jetzt von mir ab”, dachte Hitler “und nimmt den Fettwanst Göring- diesen Morphinisten- aufs Korn, der mich gern beerbt hätte”. Hitler weiter: “Den Heß könnte er auch noch durch den Kakao ziehen!”- In den Schmidt-Memoiren geht es noch provaktiver weiter:”In Berchtesgaden wandte sich Hitler eines Tages an mich und fragte: ‚Wie würde ich mit Koteletten aussehen?‘ Speer lachte und Hitler war beleidigt. ‚Ich meine es todernst, Herr Speer‘, sagte er, ‚ich glaube, mir könnten Koteletten stehen.‘ Göring, dieser schleimende Hanswurst, stimmte sofort zu und sagte: ‚ Der Führer mit Koteletten -welch hervorragende Idee!‘ Speer widersprach noch immer. Er war wirklich der einzige, der integer genug war, es dem Führer gleich zu sagen, wenn dieser einen Haarschnitt nötig hatte. ‚zu auffallend‘, sagte Speer nun.’Koteletten sind etwas, was ich eher mit Churchill in Verbindung bringen würde.‘ Hitler wurde wütend. Ob denn Churchill Koteletten in Erwägung zöge, wollte er wissen, und wenn ja, wie viele und wann?”4 Hitler ist wütend, als er diese Dauerherabsetzung liest und schnaupt seinen Gegenüber an. “Geben Sie mir etwas zu lesen, wo andere Zeitgenossen durch den Kakao gezogen werden. Ich kann es nicht mehr ertragen.” Der Zeitgenosse erklärt ihm (Hitler) den Weg zum nächsten Buchladen und empfiehlt ihm das Buch von Roland Topor “Memoiren eines alten Arschlochs”. “Hier sind neben Ihnen überwiegend andere Arschlöcher für den Lachkrampf freigegeben!” Hitler bekommt einen cholerischen Anfall und schreit: “Freisler, wo ist Freisler, dieser Kerl muß gehängt werden”. Sein Gegenüber lächelt milde und erläutert ihm, dass Freisler bei einem Bombenangriff in Berlin schon längst ums Leben gekommen ist. “Wie schade” , entgegnet ihm Hitler. “Als Arschloch hätte mich früher niemand nennen können, ohne mit dem Leben davon zu kommen!” -Er erreicht den beschriebenen Buchladen und sucht nach einer Stelle, in der einer seiner Feinde karikiert wird. Er findet Stalin. “Ich hatte zu Anfang der zwanziger Jahre ein langes Kapitel über diesen Aufenthalt in der UdSSR geschrieben. … Trotzki stellte mir als einen Sonderzug zur Verfügung, mit dem ich durch die sozialistischen Republiken reisen konnte, und Stalin kommandierte seinen persönlichen Leibwächter zu mir ab, einen sehr pittoresken Georgier, der Youri hieß. Da meine Frau immer unerträglicher wurde, suchte ich Zuflucht bei Youri, der zahlreiche Anekdoten über Stalin kannte, dem er wie ein Hund ergeben war. Eine davon ist besonders bekannt, und ich bin noch imstande sie zu erzählen. Stalin war ganz versessen auf Astrachan- Bohnen, aber seine Frau weigerte sich, ihm welche zu kochen, da er nach dem Genuß dieses schwer verdaulichen Gerichts immer furzte. Eines Tages jedoch trifft Stalin auf dem Roten Platz Malenkow, und sie gehen zusammen ins Restaurant zum Mittagessen. Es gibt Astrachan-Bohnen. Stalin legt ein. Natürlich furzt er den ganzen Tag, und abends geht er ziemlich ängstlich nach Hause. An der Tür erwartet ihn seine Frau. ‚Liebling‘, sagte sie zu ihm, ‚ich habe eine Überraschung für dich.‘ Sie bindet ihm die Augen zu und führt ihn zu seinem Platz an den Tisch im Eschzimmer. Dann läuft sie in die Küche. Stalin lässt die Winde wehen, knöpft seine Hose auf und versucht die schlechte Luft um ihn herum zu vertreiben. Als er hört, daß seine Frau zurückkommt, knöpft er schnell die Hose wieder zu. Sie nimmt ihm die Binde von den Augen und sagt dazu: ‚ Schau mal, Liebling, ich habe alle deine Freunde vom Obersten Sowjet zu deinem Geburtstag eingeladen!’” 5 Hitler dachte erleichtert: “Endlich bekommt ein anderer Staatenlenker einmal sein Fett weg. Der Topor hat ja wirklich Phantasie. Stalin als Dauerfurzer – darauf muss man erst kommen.” Beim Querlesen in den “Schmidt-Memoiren” stieß er jedoch auf eine Himmler-Passage, bei deren Lektüre er sich vor Lachen den Bauch halten musste. “Himmler, angeblich der Leiter der Spionageabteilung, wurde sofort herbeizitiert… Himmler kam völlig aufgelöst angerast. (Nach Berchtesgaden – Anmerkung von mir). Er war mitten in einer Steptanzstunde gewesen, als das Telefon klingelte und er nach Berchtesgaden beordert wurde. Er fürchtete, es handle sich um die fehlgeleitete Ladung einiger Tausend spitzer Karnevalhütchen, die Rommel für seine Winteroffensive zugesagt worden war. (Himmler war es nicht gewohnt, nach Berchtesgaden zum Abendessen eingeladen zu werden, denn er konnte schlecht sehen, und Hitler ertrug es nicht, ansehen zu müssen, wie Himmler die Gabel an sein Gesicht führte und sich dann das Essen irgendwo an die Backe klebte.)”6 „Fürwahr welch ein Tolpatsch der Heini“ dachte Hitler und schlug sich auf den Oberschenkel wie damals nach der Eroberung Frankreichs.

Da es nach Tolpatsch Heini nur abwärts gehen konnte, erbat sich Hitler von seinem Gegenüber eine verbissene Liebesgeschichte, die im Kontrast zu seiner langweiligen mit Eva Braun zu lesen sei. Dieser empfahl ihm Feridon Zaimoglu „Liebesbrand“. Dort heißt es in einer Liebesbeziehung des Protagonisten zu seiner Geliebten Tyra: „ Sie biß mich fest in die Schulter, in den Hals, sie biß mich in Brust und Oberlippe, die wieder zu bluten anfing, ich schmeckte das Blut, sie wollte Kampf und Krieg im Bett, ich bog ihre Arme zurück und drehte sie auf den Bauch, sie bäumte sich dagegen auf, ich drückte sie mit aller Macht in die Matratze und biß ihr in den Nacken, ich griff immer wieder hart in ihren Rücken, als wollte ich Fleischstücke herausreißen, ich bedeckte ihren nackten Körper mit meinem nackten Körper, und dann lag ich schwer auf ihr und fing an, sie zu küssen, sie stöhnte auf, sie rief mich bei meinem Namen, ich küßte sie auf den Nasenflügel, auf den Mundwinkel, ich küßte ihre Haare und ihre Achselhöhlen und roch ihren Körpergeruch, ich leckte den Schweiß in ihren Achselhöhlen, ich sog ihre Lippen in meinen Mund und ließ meine Zunge über ihre Zähne wandern, ich biß ihr in die Wange, und als sie sich stöhnend wand, küßte und biß ich ihre volle Brust, sie drehte sich auf den Rücken und drückte mich an sich, du verdammter Kerl, sagte sie…“7 Hitler dazwischen: „Das hat mir Eva nie gesagt … überhaupt, das ist mir zu wild, mein Biss hat sich ausschließlich in der Politik verwirklicht! Da ist mir der Allen noch spannender.“ „Was schreibt er denn noch über mich“, fragt er den Zeitgenossen, seinen Gesprächspartner. Dieser empfiehlt ihm den Schluss der „Schmidt-Memoiren“. Dort heißt es: „Kurz vor Ende kam ich zu Hitler in den Bunker.Die alliierten Armeen umzingelten Berlin, und Hitler fühlte, daß, wenn die Russen als erste kämen, er einen Radikalschnitt nötig haben würde, wenn es aber die Amerikaner wären, es bei einem leichten Versäubern bleiben könne. Alle stritten sich. Da wollte Bormann mittendrin rasiert werden, und ich versprach ihm, einige Vorschläge dazu auszuarbeiten. Hitler wurde immer mürrischer und einsamer. Er sprach davon, daß er das Haar von Ohr zu Ohr scheiteln wolle, und behauptete dann, die Entwicklung des Elektrorasierers werde den Krieg für Deutschland entscheiden. ‚ Wir werden in der Lage sein, uns in wenigen Sekunden zu rasieren, was, Schmidt?‘ murmelte er. Er erwähnte andere wilde Pläne und sagte, daß er sich eines Tages die Haare nicht schneiden und ondulieren lassen werde. Von absoluter Größe besessen wie üblich, schwor er, er werde schließlich noch eine gewaltige Pompadourfrisur tragen, ‚die die Welt erzittern lassen wird und eine ganze Ehrengarde zum Frisieren erfordert.‘ Endlich schüttelten wir uns die Hand, und ich schnitt ihm ein letztes Mal die Haare. Er gab mir einen Pfennig Trinkgeld. ‚Ich wollte, es wäre mehr‘, sagte er, ‚ aber seit die Alliierten Europa überrannt haben, bin ich etwas knapp bei Kasse.’“8 Hitler bekam einen hysterischen Lachanfall, stampfte mit dem Fuß auf und meinte entschlossen: „Der Allen muss sterben, er macht mich zur Sau und zum Bettler. Wer von meinen Generälen kann ihn umbringen?“ Der Zeitgenosse antwortete:“Vor kurzem ist herausgekommen, dass Walther Wenck nicht bei einem Autounfall 1982 ums Leben gekommen ist, sondern ebenso wie Eichmann in Argentinien untergetaucht ist und dort einen Enkel hat, der sich als überzeugten Nationalsozialisten in einschlägigen Kreisen geoutet hat.“ Hitler: „Der Wenck hat im Oderbruch vor den Russen versagt, vielleicht kann sein Enkel ihn rehabilitieren, indem er Allen liquidiert. Beschaffen Sie mir eine Adresse.“ Der Zeitgenosse entgegnete. „Ich bin in diesen Kreisen nicht so bewandert, vielleicht kann der örtliche AfD-Vorsitzende Ihnen weiterhelfen.“ Hitler fand im Telefonbuch dessen Telefonnummer und setzte sich mit ihm in Verbindung. Die Adresse des Wenck-Enkel konnte er von dort erfahren. Der Wenck-Enkel hieß Siegfried, „ein wirklich vielversprechender Name“, so der Führer. Das Mordkommando zur Liquidierung Allens wurde zusammengestellt, unter anderem fand sich auch ein Enkel Rudels als Ausführender ein. Da das Kommando von González Catán aus agierte, wo Adolph Eichmann gearbeitet hatte, war es von Mossad-Agenten, die hier noch weitere Nazigrößen vermuteten, entdeckt, und in Kooperation und auf Weisung der CIA in die USA entführt worden. Dort wurde ein Prozess gegen das Kommando vorbereitet. Siegfried Wenck bemerkte trocken zu Rudi Rudel, wie der Rudel-Enkel hieß: „Das Spiel ist aus!“- Er war fürwahr ein Sartre-Kenner.

Adolf-Hitler Frisur

A.H. links oben Frisur

1 Timur Vermes, Er ist wieder da, Köln 2012, S. 19

2 Woody Allen, Allen für alle, Hamburg Zürich, 1992, S.99 – Die Schmidt-Memoiren

3 Ebd.

4 Ebd., S. 100 f.

5 Roland Topor, Memoiren eines alten Arschlochs, Zürich 1977, S. 90 ff.

6 Woody Allen, a.a.O., S. 101

7 Feridun Zaimoglu, Liebesbrand, Frankfurt am Main 2009, S. 105

8 Woody Allen, a.a.O., S. 104 f.

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E.L. Doctorow, Homer & Langley – Doctorow trifft Shakespeare

„Ich hatte das Speisezimmer nie recht gemocht, vielleicht weil es fensterlos war und an der kälteren Nordseite des Hauses lag. Langley ging es offenbar ähnlich, denn er wählte das Speisezimmer, um das Auto aufzustellen, ein Ford Model T.

Ich lag mit Grippe im Bett und hatte keine Ahnung, was er da trieb. Von unten hörte ich merkwürdige Geräusche – Rattern, Rufen, metallisches Klirren, Poltern und ein, zwei Mal ein ohrenbetäubendes Krachen, das die Wände erzittern ließ. Er hatte das Auto zerlegt , ins Haus gebracht, die Teile wurden mit einer Seilwinde vom Hof heraufgezogen, durch die Küche geschleppt und nun im Speisezimmer zusammengebaut wie in einer Autowerkstatt, und so verwandelte sich das Speisezimmer am Endde in eine Autowerkstatt inklusive Motorölgestank.“ 1

Zu der Zeit, Ende der Dreißiger- Anfang der Vierzigerjahre, waren Autos stromlinienförmig. Das war die Bezeichnung für das Ultramodernste im Autodesign. Ein stromlinienförmiges Auto war in die Länge gezogen und hatte nirgendwo einen rechten Winkel. Ich hatte mir zum Prinzip gemacht, mit den Händen über die am Straßenrand geparkten Autos zu streichen. Die Autos, die auf der Straße summende Geräusche von sich gaben, hatten eine lange, niedrige Motorhaube und schnittig geschwungene Kotflügel, Radkappen und einen eingebauten buckelförmigen Kofferraum. Darum fragte ich Langley, als ich so weit genesen war, um wieder hinunterzugehen, Wenn du schon ein Auto ins Haus bringen musstest, warum dann kein neues Modell, wie es jetzt Mode ist?

Während ich diesen Scherz machte, saß ich in dem Model T und unterstrich meine Worte mit Ausrufezeichen durch zweimaliges schnelles Drücken auf den Gummiball der Hupe. Das Tuten schien im ganzen Zimmer widerzuhallen und clownische Echos bis ins oberste Stockwerk auzusenden.”2

Langley bestritt hier einen ungewöhnliche Art des Sammelns. Schon vorher erwies er sich als Zeitungsausschnittsammler. “Langleys Projekt bestand im Auszählen und Ablegen von Zeitungsartikeln nach Kategorien: Invasionen, Kriege, Massenmorde, Auto-, Eisenbahn und Flugzeugunglücke, Liebesskandale, Kirchenskandale, Raubüberfälle, Morde, Lynchmorde, Vergewaltigungen, politische Verbrechen mit einer Unterabteilung für Wahlfälschungen, Verfehlungen der Polizei, Morde in der Unterwelt, Investitionsbetrügereien, Streiks, Brände in Wohnhäusern, Zivilprozesse, Strafprozesse und so weiter. Für Naturkatatrophen wie Epidemien, Erdbeben und Hurrikane gab es eine eigene Kategorie. Alle habe ich nicht mehr im Kopf. Wie er erläuterte, würde er am Ende- wann, sagte er nicht – genügend statistische Belege haben, um sein Material auf solche Ereignisse einzugrenzen, die durch ihre Häufigkeit das Wesen des menschlichen Verhaltens ausmachten. Dann würde er weitere statistische Vergleiche anstellen, bis er das Layout festlegen konnte und wusste, welcher Artikel aufs Titelblatt gehörte, welcher auf Seite zwei und so weiter … Er rannte los und kaufte alle Morgenzeitungen und nachmittags die Abendzeitungen, und dann gab es noch die Wirtschaftsblätter, die Sexhefte, die Kuriositätenzeitungen, die Tingeltangelblättchen und so weiter. Letztendlich wollte er das gesamte Leben Amerikas in einer Ausgabe festhalten – er nannte n sie Collyer’s immerwährend aktuelle zeitlose Zeitung, die einizige Zeitung, die man je brauchen würde.”3

Als ehemaliger Pressearchivar kann man diese Leidenschaft des Zeitungsausschnittsammelns oder auch des Sammelns ganzer Zeitungen durchaus sympathisch finden. Leider werden nicht einzelne Seiten oder Exemplare von Langleys Zeitungen in Fotokopie angeführt. Dies würde einen Dokumentarismus des Buches fördern.

1E.L. Doctorow, Homer & Langley, Frankfurt am Main 2013, S. 84. Es wird anhand der Ausbildung von Langley nicht klar, woher er die Ausbildung besitzt, ein Auto zu zerlegen und wieder zusammenzubauen.

2Ebd.., S. 86 f.

3Ebd. S. 54 f.

Ordner zwei

Ordner mit Zeitungsausschnitten

Homers Verhältnis zu Frauen schildert Doctorow folgendermaßen – in diesem Fall zu seinem Hausmädchen

Julia: „Ihre Sinnlichkeit war nüchtern und sachlich. Ich hatte schon gehört,dass die Europäerinnen nicht so viel Aufhebens um die körperliche Liebe machen wie unsere Frauen, sie zieren sich nicht lange und nehmen dieses Begehren hin wie jedes andere Verlangen, ebenso natürlich wie Hunger und Durst. So hatte Julia vielleicht einen unmoralischen Charkakter, aber sie hatte auch Ambitiomen, denn kaum hatte sie mein Bett erobert, begann sie Siobhan herumzukommandieren, als wollte sie für die Stellung der Herrin des Hauses üben.Das wusste ich natürlich, ich bin ja nur auf den Augen blind. Aber ich bewunderte ihren Einwanderer-Elan.“1 Homer dachte an Shakespeares „Romeo und Julia“

Homer: „Der Narben lacht, wer Wunden nie gefühlt.

Julia erscheint oben an einem Fenster

Doch still, was schimmert durch das Fenster dort?

Es ist der Ost, und Julia die Sonne! –

Geh‘ auf, du holde Sonn‘! Ertöte Lunen,

Die neidisch ist und schon vor Grame bleich,

Daß du viel schöner bist, obwohl ihr dienend.

Oh, da sie neidisch ist, so dien‘ ihr nicht!

Nur Tore gehen in ihrer blassen , kranken

Vestalentracht einher: wirf du sie ab!

Sie ist es, meine Göttin! Meine Liebe!

Oh wüßte sie, daß sie es ist!-

Sie spricht, doch sagt sie nichts: was schadet das?

Ihr Auge red’t, ich will ihm Antwort geben.-

Ich bin zu kühn, es redet nicht zu mir.

Ein Paar der schönsten Stern‘ am ganzen Himmel

Wird ausgesandt, und bittet Juliens Augen,

In ihren Kreisen unterdes zu funkeln.

Doch wären ihre Augen dort, die Sterne

In ihrem Antlitz? Würde nicht der Glanz

Von ihren Wangen jene so beschämen,

Wie Sonnenlicht die Lampe? Würd‘ ihr Aug‘

Aus luft’gen Höh’n sich nicht so hell ergießen,

Daß Vögel sängen, froh den Tag zu grüßen?

Oh, wie sie auf die Hand die Wange lehnt!

Wär‘ ich der Handschuh doch auf dieser Hand,

Und küßte diese Wange!

Julia: Weh mir!

Homer: Horch!

Sie spricht! Oh sprich noch einmal, holder Engel!

Denn über meinem Haupt erscheinest du

Der Nacht so glorreich, wie ein Flügelbote

Des Himmels dem erstaunten, über sich

Gekehrten Aug‘ der Menschensöhne, die

Sich rücklings werfen, um ihm nachzuschaun,

Wenn er dahin fährt auf den trägen Wolken

Und auf der Luft gewölbtem Busen schwebt.

Julia: O Homer! Warum denn Homer?

Verleugne deinen Vater, deinen Namen!

Willst du das nichts, schwör‘ dich zu meinem Liebsten,

Und ich bin länger keine Capulet!2

Homer sprach zu Julia leicht entsetzt: „Julia, du siehst dich wohl fälschlich in einer bekannten Liebestragödie, wir sind im prosaischen New York im 20. Jahrhundert!“ Im Gegensatz zu ihrem klassischen Vorbild war sie gebaut: „Sie hatte winzige Öhrchen und pralle Lippen. Wenn wir Kopf an Kopf lagen, reichten ihre Zehen kaum an meine Fußknöchel. Aber sie war üppig proportioniert, das Fleisch an Schultern und Armen gab dem leisesten Daumendruck nach. Sie hatte eine hohe Taille und hohe Brüste, einen festen Rücken und kräftige Schenkel und Waden.Ihre Füße waren nicht elegant, sondern ziemlich breit und fühlten sich, im Gegensatz zu dem ansonsten weichen Körper, etwas rau an. Wenn sie das glatte Haar löste , fiel es ihr bis auf die Schultern-sie hockte sich gern auf allen vieren über mich, wenn ich auf dem Rücken lag, und ließ sich das Haar ins Gesicht fallen, sodass es mir über Brust und Bauch strich, schob das Haar mit einer Kopfbewegung hierhin und dorthin. Dabei murmelte sie Sätze, die auf Englisch begannen und dann ins Ungarische abglitten.“3

1E.L. Doctorow, Homer & Langley, Frankfurt am Main 2013, S. 31

2William Shakespeare, Romeo und Julia, In: Sämtliche Werke, Neu-Isenburg 2006, S. 935 – leicht abgewandelte Version

3Doctorow, a.a.O., S. 32

Eine weiteres Verhältnis ergibt sich aus der Bekanntschaft mit einer Hippie-Gruppe.“Dann aber fand auf der großen Wiese im Central Park eine Kundgebung gegen den Krieg statt, und wir dachten, das sollten wir uns anschauen.“1

Gemeint ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der Vietnam-Krieg. „ Less than a month later, on April 15 (1967) another anti-war rally took place as a part of the ‚Spring mobilization to End the War in Vietnam’”2 Once again the number of demonstrators grew drastically to an estimated 100–400 thousand attendees. This peace rally, which assembled and started off in Central Park and then marched to the United Nations, was said to be the largest of its kind at its time.”3 Hier könnten Homer und Langley die Hippie-Gruppe kennengelernt haben. “ Zwei der Mädchen -sie nanten sich Dawn und Sundown- schwirrten ständig um Connor herum, so gebannt waren sie von den obszönen Abenteuern seiner Figuren.”4 Homer berichtet weiter:”Wo sie herkamen, wer ihre Angehörigen waren, habe ich nie erfahren, nur Lissy erzählte mir, sie sei in San Francisco aufgewachsen.”5

Homer erinnerte sich in diesem Zusammenhang an diverse Rocksongs, die allesamt San Francisco zum Thema hatten: “San Francisco” von Scott McKenzie. Dort hieß es:

If you’re going to San Francisco,
be sure to wear some flowers in your hair.
If you come to San Francisco,
Summertime will be a love-in there.

Auch Eric Burdon hatte San Francisco besungen in „San Franciscan nights“. Das Lied galt ebenso als Beschreibung des Hippytums wie als Protest gegen den Vietnam-Krieg.

San Franciscan Nights Text des Liedes

This following program is dedicated to the city and people of San Francisco
Who may not know it but they are beautifull
And so is their city this is a very personal song
So if the viewer cannot understand it

Particularly those of you who are European residents
Save up all your brand and fly trans love airways to San Francisco U.S.A.
Then maybe you’ll understand the song, it will be worth it
If not for the sake of this song but for the sake of your own peace of mind

Strobe lights beam creates dreams
Walls move minds do too
On a warm San Franciscan night
Old child young child feel alright
On a warm San Franciscan night

 


Angels sing leather wings
Jeans of blue Harley Davisons too
On a warm San Franciscan night
Old angels young angels feel alright
On a warm San Franciscan night

I wasn’t born there perhaps I’ll die there
There’s no place left to go, San Francisco

Das Feindbild Polizist kommt in der folgenden Strophe zum Vorschein. „Bullen“ müssen hasserfüllt sein.

Cop’s face is filled with hate
Heavens above he’s on a street called love
When will they ever learn
Old cop young cop feel alright
On a warm San Franciscan night

Angedeutet wird hier, dass der amerikanische Traum die Gleichberechtigung auch von Indianern beinhaltet.

The children are cool, they don’t raise fools
It’s an American dream includes Indians too
6

 

Homer weiter: „Diese Kinder waren mit ihrer Lebensweise radikalere Gesellschaftskritiker als die Kriegsgegner und Bürgerrechtler, denen die Zeitungen so viel Beachtung schenkten.Sie hatten gar nicht die Absicht, irgendwas zu verbessern. Sie lehnten einfach die Kultur ab.“7

Langley erinnerte an seine schlimmen Erinnerungen aus dem Ersten Weltkrieg: „ Fast wäre Langley vors Kriegsgericht gekommen, weil er angeblich einen Offizier bedroht hatte. Er hatte gesagt, Warum bringe ich Männer um, die ich gar nicht kenne? Wenn man einen Menschen umbringen will, muss man ihn doch kennen. Wegen dieser geistreichen Bemerkung wurde er Nacht für Nacht auf Patrouille geschickt, musste über eine zerfurchte, zerschossene Ebene voller Schlamm und Stacheldraht kriechen und sich an den Boden drücken, wenn die Leuchtpatronen den Himmel erhellten. … An dem Tag, als Langley allein auf den Woodlawn Cemetry ging, um die Gräber unserer Eltern zu besuchen, legte ich sein Springfield-Gewehr auf den Kaminsims im Salon, und dort ist es geblieben, wohl das erste Stück in der Sammlungvon Artefakten aus unserem amerikanischen Leben.“8

Das Ende des Zweiten Weltkrieges erleben die beiden zusammen: „ Als der Krieg mit dem Sieg über Japan endete, herrschte in New York das übliche drückend schwüle Augustwetter. Nicht dass das irgendwen störte. Es gab einen Autokorso auf der Fifth Avenue, die Fahrer hupten und riefen zum Fenster heraus. … Als Langley und ich die Straße zum Park überquerten, tanzten dort Fremde miteinander, Eisverkäufer warfen Eistüten in die Menge. Ballonverkäufer ließen ihre Bestände davonfliegen. … Natürlich war ich erleichtert wie alle anderen, dass der Krieg vorüber war. Doch inmitten dieses Frohsinns überfiel mich eine furchtbare Traurigkeit. Wie wurden die belohnt, die gestorben waren? Mit Gedenktagen? Im Innern hörte ich einen Zapfentreich.

Wir hatten so einen Scherz, Langley und ich: Jemand liegt im Sterben und fragt, ob es ein Leben nach dem Tode gibt. Ja lautet die Antwort, nur nicht deins.“9 Der Musikkritiker Christopher Rain, den Homer aufgrund seiner musikalischen Interessen kannte, erinnerte die beiden in diesem Zusammenhang an den Text des songs „Home of the brave“ der Gruppe Earth Opera, in dem Zweifel an der Existenz eines Lebens nach dem Tod auftauchen, das Grab erscheine als der letzte Ort des Soldaten:

Home of the Brave    Earth opera

It took us so long to get home

And I`ve been down so long

People all around me

They can’t understand

How I lost my hand

But the war was grand

A lovely parade

Here is where I long to be

My home the grave, my land is free

And I know it`s paid for

Yes very well paid for

And I know it paid for

Yes very well paid for

It took us so long to get home

And you bring me so far down

People gather round me

Try to understand

About my hand

But the war was grand

A loveley parade

1E.L. Doctorow, Homer & Langley, Frankfurt am Main 2013, S. 149

3Ebd.

4Doctorow, a.a.O. S 153

5Ebd., S. 154

7Doctorow, S. 155

8Doctorow, S. 29

9Doctorow, S. 107 f.

 

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Alphonse Allais – Der umsichtige Verbrecher in: Alphonse Allais, Na los, lesen Sie Allais- Satiren der Jahrhundertwende, München 1989kursiv: eigene Gedanken

Mögliche andere Titel der Satire auch: ‘Der tolldreiste Gangster’ oder ‘Das Verbrechen mit Chuzpe ’Mit einem Werkzeug (amerikanisches Fabrikat), – die Frage stellt sich hier: Warum amerikanisches Fabrikat- sind Gangster häufig mit amerikanischem Werkzeug ausgestattet? – das einem Büchsenöffner ziemlich ähnlich sieht, machte der Verbrecher in das Wellblech vor der Auslage zwei vom gleichen Punkt ausgehende Schnitte, einen senkrechten und einen waagrechten. Mit kräftiger Hand zog er den dadurch entstandenen Metalltriangel zu sich heran und drehte ihn so leicht, wie er es mit einer Folie aus Stanniolpapier gemacht hätte. (Es war ein stämmiger Verbrecher.) Er gelangte in die kleine rechteckige Diele, die sich außen vor der Ladentür befindet. Und nun das Glas: unter Zuhilfenahme eines Saugnapfes aus Kautschuk (amerikanisches Fabrikat) – warum ist die Herkunft des Fabrikates schon wieder wichtig? – zerschnitt er es mit einem südafrikanischem Diamanten. Der Verbrecher konnte nun den Laden ungehindert betreten. Gelassen und planmäßig verstaute er dann in einem eigens dafür mitgebrachten Sack all die kostbaren Steine und Schmuckstücke, die zwei Vorzüge hatten: sie beanspruchten wenig Platz und waren sehr teuer. Er war mit seiner Arbeit schon fast fertig, als vom Ladeninneren her der Eigentümer, Monsieur Josse, auftauchte, in der einen Hand eine Kerze, in der anderen einen Revolver. Möglicherweise hat der Eigentümer also schon Erfahrung mit Einbrechern, wenn er eine Revolver mit sich führt. Der Verbrecher, sehr höflich, grüßte und sagte leutselig: “Ich wollte nicht so nah an Ihnen vorbeigehen, ohne Ihnen einen schönen Tag zu wünschen.” Und während der Goldschmied ihm arglos die Hand drückte, stieß ihm der Übeltäter einen mörderischen Stahl (amerikanisches Fabrikat) – schon wieder aus Amerika – in die Brust. Der eigens mitgenbrachte Sack wurde rasch gefüllt. Der Verbrecher schickte sich an, wieder auf die Straße zu hinauszugehen, als ihm etwas einfiel. Er setzte sich dann an den Ladentisch und schrieb auf ein großes Blatt Papier – warum hier nicht ein amerikanisches Fabrikat? – einige Wörter in Blockschrift. Mit angefeuchtetem Teigkügelchen klebte er dieses Schild an das Schaufenster des Ladens, und die vorbeigehenden Frühaufsteher konnten bei Tagesanbruch lesen: Wegen Todesfalls geschlossen. Ist sie ein zufälliger Geistesblitz oder steckt langfristige Strategie hinter dieser Nachricht?

 Bild

Könnte er so ausgesehen haben, der Verbrecher mit den vielen Fabrikaten aus Amerika?

 

Der Formal-Korinthenkacker

Herr Dünnschnitt aus Schmalenbach ist sehr von der normativen Kraft des Formalen überzeugt. Im kleinen Kreis dichtet er dazu mit den eindringlichen Zeilen: Auszug

“Stimmt beim Werk nicht die Form
Drückt der Darm ganz enorm”

Er wies auf Platon hin, wonach die Form der Geist in seiner reinen Natur sei und die Nichtform nur die Materie. Um einen hohen Anspruch an Form zu erlangen, erscheint ihm ein Werk nur in Schweinsleder gebunden und mit Goldrand versehen als adäquate Präsentation. Eine Person, die dies wusste, Herr Stingelmann aus Mespelbrunn, schenkte ihm zu seinem 62. Geburtstag das Werk “Simon Höchheimer – der Aufklärer aus Unterfranken” in der geweihten Form der Goldrand-Schweinsleder- Konfiguration – in der Hoffnung, dies sei das Non Plus Ultra. Doch weit gefehlt. Bei einer eingehenden, detaillierten und ausufernden Analyse dieses Werkes wurden folgende schwer wiegende Mängel festgestellt. Auf der Seite fünf (noch im Bereich der Einleitung) wurde ein 1,2 Zentimeter großer Kaffeefleck gefunden, der mikroskopisch untersucht wurde – Analysekosten: 1.500 Euro- und oh Schreck: Der Kaffee stammt aus nicht fair gehandeltem Kaffee – eine Todsünde für den Dritte- Welt -Freund! Welch ein Fauxpas! Wie kann man nur!

Millimeterlineal

Dies ist das Millimeter-Lineal, das das geschenkte Werk analysiern sollte (Preis 5.000 Euro). An insgesamt 48 Stellen des Textes wurden millimeterrelevante Textschwankungen festgestellt. Welch eine Renomée-Verlust für den Autor. Dann gab es noch den Goldrand-Verifikator. Ein Gerät, daß die adäquate Anbringung des Goldrandes untersucht. Verrutschte Goldränder an 23 Stellen – niederschmetternd! Und schließlich noch das Schweinsleder. Es darf auf keinen Fall von einer Wassertrüdinger Landpommeranzensau stammen, sondern von einem edlen Zuchtschwein der Poebene, das für Parma-Schinken vorgesehen ist. Und wo stammt das verwendete Schwein her? -Recherchekosten durch Privatdetektiv: 6.000 Euro- Aus Oberammergau in Bayern – Privatstall von Host Seehofer! “Dies ist die Dreieinigkeit des Scheiterns” -so Herr Dünnschnitt, “Das Werk wird an Herrn Stingelmann zurückgesandt! Huuh, ich habe gesprochen!” Nach einer Weile ergänzte er: “Inhaltlich mag das Werk ja genial sein, aber im Verriß fühle ich mich schlichtweg wohl!”

 

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© Der Spiegel

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Veröffentlicht 24. November 2010 von schauerchristian in Satire

Meerhofsee und Itchycoo park -Der Wiedehopf – Humpty Dumpty-Bleierne Schere – Wenn der Moorhund bellt – Dünstende Leiber – Präriehund II – Wind (Vanitas Wurmiensis) – Der Eisbär und der Präriehund – Unterpfand und Dosenpfand – Mißlungener Scherz – Abgründe des Vogelschreis – Die Natur – Schwer verständlich

Meerhofsee und Itchycoo park

Over bridge of sighs,
To rest my eyes in shades of green
Under dreaming spires
To itchycoo park, that’s where I’ve been

I feel inclined to blow my mind,
Get hung up, feed the ducks with a bun

Die Augen in grünen Schatten ausruhen, wie das die „Small Faces“ 1967 in Itchycoo park taten, kann man auch am Meerhofsee in Alzenau. Eine Ente, die man mit einem Brötchen füttern kann, ist allerdings heute und auch sonst selten anzutreffen.

Meerhofsee

Meerhofsee mit grünen Schatten

Der Wiedehopf
Dem Wiedehopf im Frühlingsschwang
Entfährt ein Wind im Flieder
Dem Weibchen wird ganz angst und bang
Es wackelt das Gefieder
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„Du Wiedehopf im Dickicht dort
Kannst Du Dich nicht beherrschen
Gleich flieg ich auf und bin dann fort
Es kichern dann die Kerschen“
Das Kichern
 –
Die Kirschen kichern leis und sanft
Der Wiedehopf entfleucht
Humor bis in die Fluren dampft
 Die Augen werden feucht
Der Bussard fährt zur Erde hin
Und hält sich fest den Bauch
Dem Uhu fehlt dafür der Sinn
Sein Kleinhirn steht im Rauch
Wiedehopf

Wiedehopf – Wind nicht sichtbar

Alice hinter den Spiegeln

Wer endlich einmal ein Ei sein möchte, dem sei das Buch empfohlen. Humpty Dumpty ist eine Figur aus einem englischen Kinderreim und spielt in dem Buch von Lewis Carroll eine wichtige Rolle. Als menschenähnliches Ei tritt er als stark surrele Person auf. Eine rundliche kleine Person wird auch gelegentlich als Humpty Dumpty bezeichnet. Wer also eben diese Körpereigenschaft hat, der sollte Carrolls Buch lesen. Wer seinem korpulenten kleinwüchsigen Gegenüber eines auswischen will, der zitiere aus Lewis Carroll:

„Humpty Dumpty auf der Mauer saß
Humpty Dumpty stürzt hinab ins Gras.
Kein Pferd des Königs, kein Feldmarschall
Brachte Humpty Dumpty wieder auf seinen
Platz nach dem Fall“
Originell in jedem Fall.

Humpty

Humpty Dumpty und Alice


Bleierne Schere

Des Daseins bleierne Schere

Befällt den Helden tonnenschwer

Rings um ihn herum nur Leere

Der Sinn er sieht ihn gar nicht mehr

Des Lebens hoffnungsfrohes Bäumen

Das stets das Positive findet

Wird abgelöst durch inhaltsloses Säumen

Wo Abgrund alle Träume bindet

Wo einst das Glück ist jetzt der Abschied

Wo Blütenpracht im Frühling strebte

Da bleibt nun ungesungen jedes Lied

Und keine Zehe jemals bebte

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Wenn der Moorhund bellt

Dem Helden ist der Saft entschwunden

Die Grippe hat ihn lahm gelegt

Das Spiel der Därme arg gewunden

Die Hoffnung nicht mehr sehr bewegt

Der Molch des Scheiterns wohnt ihm inne

Die Wühlmaus des Vergeblichen

Es ist kein Mumm mehr in der Birne

Der Endsieg gar des Schädlichen

Der Tod schon an die Pforte pocht

Das Leben gar nicht mehr gefällt

Erloschen ist der Daseinsdocht

Wenn draußen schrill der Moorhund bellt

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Dünstende Leiber

In dem Tiefenpaß des Khyber

Stinken dünstend viele Leiber

Karsai und die Taliban

Haben sich was angetan

Liebe ist nicht hier nicht dort

Schreckensqual muss man erleiden

Klopfen an der Hölle Pfort‘

Grausen Tod kann man nicht meiden

Deutschlands Kanzler und der Fischer

Waren auch schon manchmal frischer

Liebten einst das Leben gar

Bis der Tod den Sieg gebar

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Der Präriehund II

Der Präriehund zu später Stunde

Labt sich am kühlen Grunde

„‚Im Wald und auf der Heide‘

Erzeugt bei mir keine Freude

Die Prärie ist weit und öde

Der Eisbär reichlich blöde

Der Knallfrosch in seinem Fell

Tönt schräg und reichlich grell“

Der Eisbär trollt sich von dannen

„Der Präriehund ist reichlich befangen

Die Hitze in der kargen Prärie

Wirkt ätzend in jedem Knie“

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Wind (Vanitas Wurmiensis)

Der Wind pfeift durch die Auen

Die Haare steh’n zu Berge

Es krähen schräg die Pfauen

Und ächzen laut die Särge

Gevatter hört’s im Grabe

Dort hat er sich verschluckt

Um ihn tanzt keck der Rabe

Der Wurm verdattert guckt

Verstört regt sich die Made

Als pfeifet wild der Wind

„Ach Gott wie ist es schade

Dass wir vergänglich sind“

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Der Eisbär und der Präriehund

Der Eisbär durchzieht die Prärie

Er hat einen Knackfrosch am Knie

Wenn in der Prärie dann es knallt

Dann kommt der Eisbär alsbald

Der Präriehund furchtbar erschreckt

Der Eisbär hat ihn geweckt

Denn immer zu dieser Stunde

Träumt er vom kühlen Grunde

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Einigkeit und Recht und Freiheit
Unterpfand und Dosenpfand

Und des Glückes Unterpfand

Liegt ganz schlicht im Dosenpfand

Denn am rechten Rand der Dose

Sitzt der Freiheit schönste Rose

Einig sind in Dosen drinnen

Viele freiheitsrechte Spinnen

„Nur im Inneren von Dosen

Kann man seinesgleichen kosen“

Pfand in Dosen und im Freien

Kann die Einigkeit erfreuen

Denn die Freiheit ist im Recht

Wenn das Dosenpfand sie blecht

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C. Schauer Nach Facebook-Entgleisung – Grünen-Politiker will nicht

mehr in den Gemeinderat
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Der Grünen-Politiker Gerald Will hat sich in Richtung der Anwohnerin, die

sich gegen die Kerb stellt, folgendermaßen geäußert: »Die Anwohnerin

enteignen und zwangsdeportieren. Hier geht es um das

Gemeinwohl. Keine Rücksicht auf Einzelschicksale … .« Dass es sich

bei dieser Aussage um einen mißlungenen

Scherz handelt, dürfte jedem klar sein,

der weiß, dass Zwangsdeportation natürlich kein legales und

mögliches Mittel in einer Demokratie ist. Insofern

hat der Initiator möglicherweise zu tief

ins Glas geguckt und die Solidität des

Denkens über Bord geworfen.

Dass daraus gleich ein Mandatsverzicht

erfolgt, ist jedoch reichlich übertrieben.

geschrieben: 09.03.2014 13:13 Main-Echo-online
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Abgründe des Vogelschreis

Im Frühling tönt der Vogelschrei

Im Magen wird verdaut der Brei

Und ist der Brei dann viel zu sauer

Dann liegt der Durchfall auf der Lauer

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Die Natur

Es fließt der Rhein bei Bingen

Wer tat ihn dazu zwingen

Es war schlicht die Natur

Sie tat’s aus Freude pur

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Wenig Lust wo Sinn

Der Lehrer lehrt mit wenig Lust

Vor ihm liegt trüb des Herbstes Frust

Er langt sich heftig ans Furunkel*

und pfeift ein Lied von Art Garfunkel

The sounds of silence fällt ihm ein

Es wird ihm bang es macht ihm Pein

Dass alles Sein vergänglich ist

Ist Leben schlicht nicht einfach Mist

Hecht Ernst im dunklen Wasser döst

Wo ist der Karpfen der erlöst

Des Magens arges Grummen

Gibt es denn keinen Dummen

Wo ist die unbedarfte Schleie

Die nicht erkennt dass viele Haie

Sich tummeln auf des Flusses Grund

Die sind für Schleien nicht gesund

*Es ist ja wirklich reichlich dunkel

Veröffentlicht 2. November 2010 von schauerchristian in Schwer verständlich